Kapitel 3 - Erinnerungen

Hermione saß mit angewinkelten Beinen auf ihrem Bett und blätterte in ihrem Tagebuch. Ihr Zauberstab legte ein sanftes Licht über die Seiten, sodass es niemanden außen herum störte. Sie konnte immer noch nicht richtig schlafen und entschied sich deshalb lieber ein wenig Ablenkung zu suchen.

Es klappte einige Zeit als sie die Eintragungen ihres zweiten Schuljahres durchlas. In dieser Zeit schwärmte sie noch für Gilderoy Lockhardt, der damals kurzzeitig als Lehrer in Hogwarts tätig war. Unglaublich wie naiv sie damals war, wenn sie daran dachte, dass er all seine Geschichten nur geklaut hatte.

Hermione schüttelte ihren Kopf und blätterte weiter.

Victor Krum.

Ein weiteres aufwühlendes Kapitel in ihrem Leben. War er nicht ihre erste richtige Beziehung gewesen? Auch wenn sie nach einer Weile feststellen musste, dass sie beide überhaupt nicht zusammen passten ließ sie sich auf ihn ein und verbrachte sogar eine Nacht mit ihm. Sie war schmerzvoll gewesen und im nachhinein hätte Hermione sie lieber vermieden.

Ein gequältes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht und Hermione wischte sich schnell ein paar Tränen von der Wange.

Vorsichtig tastete sie nach einem Stift, ihren Zauberstab in der anderen Hand, das Tagebuch auf ihren Knien. Als sie endlich etwas Stiftähnliches in der Hand hielt beschwor sie eine kleine Leuchtkugel, die dicht über der leeren Seite ihres Tagebuches schwebte. So hatte sie endlich beide Hände frei zum schreiben.

Liebes Tagebuch,

Ich weiß, es mag vielleicht idiotisch klingen, doch ich habe mit Ginny eine Wette abgeschlossen. Eigentlich dachte ich, ich wäre aus diesem Alter raus... Könnte sein, dass ich auch einfach nur neugierig bin. In der Wette geht es darum wer es als erstes schafft in Snape Gefühle zu wecken... Ich handle mir damit bestimmt eine Menge Ärger ein!!! Und das als Vertrauensschülerin.....

Trotzdem interessiert es mich.... ob es wohl möglich ist. Kann ja sein, dass Snape es erst gar nicht zulässt, dass irgend jemand ihm auf emotionale Ebene näher kommt. Wenn er es doch zulassen würde dann sicher nicht bei einer Schülerin und erstrecht nicht bei einer wie mir.

Eine Schönheitskönigin bin ich schließlich nicht, obwohl Snape bei seinem Aussehen wohl nicht sonderlich wählerisch sein kann...

Hermione unterdrückte ein Gähnen. Nun war es wohl wirklich Zeit das Tagebuch beiseite zu legen und noch ein wenig zu schlafen. Nachdem sie nun ihr Tagebuch sorgsam wieder verstaut und den Stift auf ihren Nachttisch gelegt hatte griff sie nach ihrem Zauberstab und löschte die Leuchtkugel aus.

Müde kuschelte sie sich in ihre Decke und fiel wieder in einen unruhigen Schlaf.


Hermione dröhnte der Kopf...

Was ist das?

Langsam öffneten sich ihre Augen und ihr Blick fiel auf den alten Wecker auf ihrem Nachttisch. Auch wenn sie in Hogwarts sicher viel bequemer geweckt werden konnte, war es für Hermione unmöglich sich von ihrem Wecker zu trennen. Widerwillig kroch sie aus ihrem Bett, nachdem sie dem nervtötenden klingeln Einhalt geboten hatte. Schnell zog sie ihre Schuluniform an und trottete in Richtung Gemeinschaftsbad. Es war wohl doch keine so gute Idee gewesen so lange aufzubleiben.

Blöde Träume die mich die ganze Nacht wach gehalten haben und dumme Wette, die.....

Hermione blieb wie angewurzelt stehen. Die Wette! Na klar, heute sollte ja die Wette beginnen!!

"Hey!", tönte es ihr freudig entgegen. "Guten morgen Hermione.... meine Güte wie siehst du denn aus?", Ginny musterte sie von oben bis unten mit einem prüfenden Blick.

"Morgen...", kam es von Hermione zurück, die zu müde war um Ginnys Enthusiasmus zu teilen. "Ich konnte nicht schlafen... dauernd ist mir die Sache mit der Wette im Kopf rumgespukt..."

"Ohh...", kam es aufrichtig mitleidsvoll von Ginny. "Ähm ja, wegen der Wette...", Ginny begann rumzudrucksen, " tut mir Leid Hermione aber ich glaube du hast recht. Es ist schier unmöglich die zu Gewinnen. Außerdem ist Snape nicht gerade mein Typ.... wenn der überhaupt der Typ von irgendwem ist." Lachend winkte Ginny ab und ging an Hermione vorbei.

"Es gibt sicher welche die ihn attraktiv finden!", entgegnete Hermione energisch.

Ginny drehte sich um und starrte Hermione mit offenem Mund an. "Hermione..... du..wirst...mir...unheimlich!!"

"Kennst du die neue Slytherin Schülerin? Die scheint ein Auge auf ihn geworfen zu haben so wie sie vor ihm stand und ihn angegafft hat!!!", instinktiv ballten sich ihre Hände zu Fäusten während Hermione sprach. Die Bilder vom Klassenraum kamen in ihr hoch, wie Snape Raven angesehen hatte und kaum den Blick von ihr lassen konnte. Hermione wurde schlecht.

" Eine neue Schülerin?", Ginny schaute verwundert zu Hermione, "Nein hab ich noch nicht gesehen." Ein Grinsen schlich sich auf Ginnys Gesicht, "Aber ich würde sie zu gerne einmal sehen.... ein Mädchen, dass so dermaßen an Geschmacksverirrung leidet...!!"

Ein lautes Lachen war noch von Ginny zu hören, doch Hermione ignorierte es und ging ins Bad. Sie war viel zu wütend als das sie sich jetzt auf eine Diskussion mit ihrer Freundin einlassen wollte.

Was ist nur los mit mir verdammt!!

Nachdem sich Hermione fertig gemacht hatte ging sie zusammen mit Ginny in die Große Halle um zu frühstücken. Auf dem Weg dorthin sprachen beide kein Wort miteinander. Ginny schien die Situation sehr beklemmend zu finden, denn sobald sie endlich in der Großen Halle waren stürmte sie los in Richtung Harry und Ron.

"Guten Morgen", grüßte sie die beiden gut gelaunt.

"Morgen Ginny", kam es fröhlich zurück.

Hermione kam dazu und setzte sich neben Harry. Ohne ein Wort zu sagen schnappte sie sich ein paar Brötchen die sie, ohne etwas darauf zu tun, sofort as.

Verwundert schauten Harry und Ron zu Hermione. "Was ist denn mit ihr los?", fragte Ron seine Schwester.

"Keine Ahnung", Ginny zuckte mit den Schultern, "Seit heute morgen benimmt sie sich komisch."

"Ich höre ganz genau, dass ihr über mich redet!", kam es gespielt unbeteiligt von Hermione, die nach ihrem zweiten Brötchen griff.

"Was ist den los?", Harry schaute besorgt zu Hermione, die abwesend an ihrem Brötchen zu knabbern begann.

"Nichts...", sie drehte sich zu Harry hin und versuchte leicht zu lächeln. "Mir geht`s nur nicht sonderlich gut heute morgen... das ist alles."

Erleichtert, dass Hermione nicht sauer auf ihn zu sein schien, lächelte Harry. "Das wird schon... und falls du lieber ins Bett möchtest und dich ausruhen kann ich dich in den heutigen Stunden entschuldigen."

"Danke Harry", entgegnete Hermione und stand auf, "aber das wird nicht nötig sein."

Ihr Blick streifte den Lehrertisch, an dem auch Snape saß. Wie immer hatte er einen prüfenden Gesichtsausdruck wenn er die Reihen der Schüler beobachtete.

So erhöht an dem übergroßen Tisch sah er schon fast gebieterisch aus.

Ein seltsames Gefühl machte sich wieder in Hermione breit, dass sie nicht einzuordnen vermochte.

Schnell, so als hoffte sie dem Gefühl entkommen zu können, lief Hermione mit großen Schritten aus der Großen Halle.