Lauren saß vor dem Shiba-Haus und sah in den Garten. Jason war kurz nach Jayden wieder nach Hause gegangen und auch sie wollte bald wieder gehen. Sie wollte gerade aufstehen, als Ji auf sie zukam.
„Lauren warte nach Mal eben kurz. Emily hatte mich eben angerufen, sie wird gleich hier her kommen, gemeinsam mit einer 4ten-Klasse der Grundschule aus ihrem Ort. Sie hatte mich gefragt, ob sie den Kindern hier alles zeigen dürfte, und ich würde mich freuen, wenn du noch solange hier bleiben könntest.", sagte Ji zu ihr.
Lauren sah ihn an. Eigentlich wollte sie schon sagen, dass sie zuhause was erledigen müsste, aber sie nickte dann. „Das mache ich doch gerne. Wann will Emily hier sein?", fragte Lauren Ji.
„Sie meinte in ca. 15 Minuten. Kannst du schon mal den Tee aufsetzten, während ich alles gefährliche hier weg schaffe?", fragte Ji und Lauren nickt wieder.
„Natürlich. Weißt du wann Jayden wieder kommt? Er wird sich sicherlich freuen Emily zu sehen.", sagte Lauren, während sie gemeinsam mit Ji ins Haus ging.
„Ich weiß es leider nicht. Hattest du eigentlich Lilly gesehen? Sie sollte schon lange aus der Schule zurück sein.", meinte Ji, als er ein paar Schwerter rein trug.
„Sie ist zur Bücherei. Ich hatte sie gesehen, als sie kurz hier war vor einer Stunde. Spätestens zum Abendessen wird sie wieder hier sein, meinte sie.", sagte Lauren und hielt Ji eine Tür auf, bevor sie in die Küche ging, um für ihre Gäste Tee zu kochen.
20 Minuten später klingelte es an der Tür des Shiba-Hauses. Emily stand gemeinsam mit einer dunkelhaarigen Frau und 23 Kindern vor der Tür.
„Hallo Emily.", begrüßte Lauren sie, als sie die Tür öffnete. Ji war noch dabei, alles für die Gäste vor zu bereiten. „Kommt doch rein." Lauren hielt die Tür auf, so dass alle Gäste eintreten konnten. Die Kinder sahen sich alle erstaunt um.
„Hallo Lauren. Ist Jayden gar nicht da?", fragte Emily, nachdem alle Kinder im Haus waren.
„Nein, der ist gerade unterwegs. Ich weiß leider auch nicht, wann er zurück kommt.", antwortete Lauren ihr. Sie wusste, wieso Emily nach ihrem Bruder gefragt hatte. Oder zu mindestens konnte sie es sich denken.
„Jia Mitchell. Ich bin die Lehrerin der Klasse. Es ist wirklich sehr nett, dass wir herkommen durften.", sagte die dunkelhaarige Frau und reichte Lauren ihre Hand.
„Lauren Shiba. Das ist doch selbstverständlich. Als Emily hier angerufen hatte, hatten wir uns auf Ihren Besuch gefreut.", sagte Lauren. „Ihr könnt links durch die Tür gehen. Dort gibt es Tee und Kekse und ihr könnt dort eure Sachen hinlegen.", sagte Lauren und zeigte auf die Tür links von sich.
„Kekse?" Emily sah Lauren erschrocken an. „Hat Mia sie gebacken?"
„Nein, Ji hatte sie gestern gekauft. Mia war seit drei Jahre nicht mehr hier, ruft aber ab und zu noch an.", sagte Lauren als sie gemeinsam mit Jia und Emily zu den Kindern gingen. Ji war in der Zwischenzeit auch dazu gekommen.
„Hallo Ich bin Jia Mitchell, die Lehrerin.", stellte sich Jia Ji vor als sie bei den Kindern waren.
„Ich bin Ji, der ehemalige Mentor von Emily.", sagte Ji.
„Emily hatte mir schon viel von Ihnen und Ihren Kindern erzählt. Und auch, dass die zwei Jahre, die sie hier war, die schönsten in ihrem Leben waren.", sagte Jia.
„Meine Kindern?", fragte Ji verwirrt.
„Ja Ihre Kinder. Na die beiden, die hier auch wohnen.", sagte Jia.
„Meinen Sie Jayden und Lauren? Die beiden sind nicht meine Kinder. Sie sind die Kinder eines Freundes von mir, nur Jayden hatte ich hier aufgenommen. Lauren wohnt hier nicht.", erklärte Ji Jia.
Jia war es sichtlich peinlich, dass sie gedacht hatte, dass Jayden und Lauren die Kinder von Ji waren.
Emily stand bei Lauren, während die Kinder sich im Raum umsahen. „Und was haben du und Jayden in den letzten Jahren gemacht?", fragte Emily Lauren.
„Wir trainieren zwei Jugendliche. Sie heißt Lilly und ist 15 Jahre alt, er heißt Jason und ist 16. Die beiden sind wie Feuer und Wasser. Total verschieden. Lilly sagt immer alles was sie denkt, nimmt kein Blatt vor den Mund und hat keine Probleme mit dem Kämpfen, aber ihre Symbolfähigkeit lässt noch zu wünschen übrig. Sie meint immer, sie wäre zu unkonzentriert und zu aufgewühlt. Das Stimmt vielleicht, vielleicht hat sie auch nur keine Lust dazu. Jason hingegen ist ganz anders. Er ist ein ruhiger Typ und spricht nur, wenn er sich ganz sicher ist, niemanden damit zu verletzten. Oft sagt er auch nur das, was die Menschen hören wollen und nicht seine Eigene Meinung. Er beherrscht die Symbolkraft viel besser als Lilly, kämpft dafür aber nicht so gut wie sie. Er hat anscheinend Angst, jemanden weh zu tun.", erzählte Lauren und sah wie ein braunhaariges Mädchen sich die Vasen an sah, die im Raum standen. „Letzte Woche, als Ji nicht da war, ließen Jayden und ich die beiden gegeneinander kämpfen. Alles war erlaubt. Lilly ging auf ihn los und…"
Das Geräusch einer zubruchgehenden Vase ließ alle im Raum herumfahren und das braunhaarige Mädchen ansehen, welches mit Tränen in den Augen vor einem Scherbenhaufen stand.
„Es… es tut mir… mir… mir so leid.", stotterte sie. Emily nahm sie in den Arm, als sie auf Emily zugelaufen kam. „Ich wollte sie mir doch nur ansehen."
Lauren kniete sich neben Emily und sah dem Mädchen in die Augen. „Wie heißt du, Kleines?", fragte Lauren sie.
„Johanna.", antwortete das Mädchen ihr.
„Also Johanna, letzte Woche, viel schon Mal die Vase runter, die dir eben runtergefallen ist. Mein Bruder und ich haben sie wieder zusammen geklebt, da der ältere Mann dort", Lauren zeigt auf Ji, „es nicht erfahren durfte. Man hätte die Vase nur lange genug ansehen müssen und sie wäre kaputtgegangen, also trifft dich keine Schuld, wenn sie heute zerbrochen ist. Es wäre so oder so bald passiert." Johanna sah ungläubig Lauren an.
„Aber ich habe sie fallen lassen.", sagte Johanna.
„Das stimmt, aber das hätte jedem passieren können. Du darfst dir keine Schuld geben. Okay?" Emily sah fragend Johanna an, die dann nickte.
Ji hatte, als er sah, dass die Vase zu Bruch gegangen war, schnell Handfeger und Schaufel geholt und die Scherben aufgesammelt. Die anderen Kinder hatten sich erschrocken zu Johanna umgedreht, waren aber auch schnell wieder in das vertieft, was sie davor gemacht hatten.
Als Ji mit den Scherben fertig war, ging Jia zu Emily und Lauren. Johanna war wieder bei ihren Freundinnen und die beiden Ranger beobachteten sie. „Emily.", sprach Jia Emily an, „Ich denke, wir sollten auch irgendwann wieder gehen. Markus erwartet uns mit der anderen Klasse."
Emily nickte. Sie waren mit der Parallelklasse her gekommen und wollten heute Abend eine Schnitzeljagt durch die Stadt machen. „Geht ihr nur, ich bleibe noch etwas hier.", sagte sie nach kurzen Überlegen.
„Bist du dir sicher? Weißt du denn, wie du wieder zurückkommst?", fragte Jia Emily. Es schien, als wolle sie nicht, dass Emily hier bleibt.
„Ja. Ich werde hier vielleicht übernachten und morgen früh dann in der Jugendherberge sein. Du brauchst dir keine Sorgen um mich machen, Jia.". sagte Emily und begleitete Jia und dir Kinder zur Tür.
„Na schön. Wir sehen uns morgen früh wieder." Emily nickte und sah der Gruppe hinterher als sie durch das Tor verschwanden. Emily schloss die Tür hinter sich und ging zurück zu Lauren und Ji.
5 Minuten nachdem die Klasse gegangen war, hörten alle wie die Tür zu schlug. „Ich bin wieder da und habe das Abendessen dabei!", hörten sie Jayden rufen.
„Was gibt es denn?", fragte Emily ganz automatisch. Sie wusste, dass Jayden zwar nicht der beste Koch war, aber auf jeden Fall konnte er besser als Mia kochen. Zu mindestens einfache Gerichte.
„Kartoffelecken mit einem Gemüseauflauf und Würstchen, wenn ich mich recht erinnere. Also was leckeres." Jayden merkte, dass etwas anders war, konnte es aber nicht einordnen. Nicht bis er Emily sah. „Emily!" Jayden ließ die Tasche, die er über die Schulter trug auf den Boden fallen und umarmte Emily die auf ihn zu gegangen war.
„Hi.", sagte Emily nur. Sie sah auf die Tasche, die Jayden abgestellt hatte, nachdem sie ihn umarmt hatte. „Ist das deine?", fragte sie ihn, während sie die Tasche ansah. Pink mit roten Kreisen, in denen silberne Herze sind.
Jayden sah auch zur Tasche. „Nein. Ich habe sie nur rein getragen.", antwortet er Emily, „Sie gehört eigentlich Lilly, ich habe sie nur für sie rein getragen."
Die beiden Ranger standen sich gegenüber und sagten nichts, bis Lauren mit einem Tablett rein kam, auf dem zwei Tassen und eine Teekanne stand. „Den Tee soll ich euch von Lilly bringen. Essen wird zur selben Zeit wie immer fertig sein.", sagte Lauren, stellte das Tablett auf den Tisch und verließ danach wieder den Raum.
„Wollen wir uns nicht setzten?", fragte Jayden und sah zu den Hockern, die in dem Raum standen. „Ich denke, wir haben uns viel zu erzählen nach drei Jahren."
Emily nickte nur und setzte sich. „Also, was hast du in den letzten Jahren so gemacht?", fragte sie ihn.