Kapitel 3

Jetzt ist auch das 3. Kapitel fertig und es ist mal wieder ziemlich lang geworden.

Ich hab mir auch überlegt ob ich es in zwei einzelne Kapitel unterteilen soll, weil ich irgendwie kein Ende gefunden hab beim schreiben xD aber ich hab mich dann doch dagegen entschieden.

Im nächsten geht's dann richtig zur Sache, versprochen ;)

Außerdem bin ich grad beim überlegen ob ich noch eins aus Edwards Sicht schreiben soll.

Bitte seid gnädig was meine Rechtschreibung angeht, aber ich hasse es jedesmal Korrektur lesen zu müssen(will sich vllt, jemand anbieten ;D?)

Naja, genug gelabert xD

Wie immer würd ich mich reißig über Reviews freuen und danke an die, die schon welche geschrieben haben,

Alles gehört Stephenie Meyer.

Viel spaß beim lesen.

3

Julian und ich liefen einen langen, unterirdischen Gang entlang um zur Blutbank zu gelangen.

Bei den Volturi wurde das ‚Essen' auf zwei Wegen beschafft.

Wenn die Stadt besonders voll mit schmackhaften Menschen war, schickte man Heidi als Lockvogel aus.

Sie kam dann meist wieder mit einer Gruppe von ungefähr 30 Leuten zurück.

Ansonsten griff man auf die sog. Blutbank zurück.

Wie auch wir es jetzt taten.

Man konnte zwischen männlichem und weiblichem Blut auswählen.

Weibliches wurde meist bevorzugt, was mir sehr logisch erschien.

Frauen hatten ja auch als Menschen einen besseren Geschmack was Parfums und solche Dinge anging.

Julian wollte nichts; er hatte bei dem letzten Fang von Heidi etwas abbekommen, und der war erst wenige Tage her.

Mich zog ein ganz bestimmter Duft in seinen Bann.

Er roch fruchtig, frisch und leicht nach Minze.

Ein Männerduft.

Eigentlich wollte ich kein Menschenblut trinken, aber Tierblut gab es hier nicht und ich spürte wie meine Gier nach Durst wieder die Oberhand gewann.

Wenn ich noch ein wenig länger gewartet hätte, wäre es aus gewesen mit meiner Selbstbeherrschung.

Julian kam mir mit dem Blut entgegen. Ich riss es ihm ungeduldig aus den Händen und trank gierig.

Es war das einzige Mal, mit einer kleinen Ausnahme, dass ich Menschenblut getrunken habe und es war...naja lecker beschreibt es nicht richtig, aber so etwas in der Art.

Mit jedem Tropfen Blut das in meinen Körper gelang fühlte ich mich stärker und besser.

Mein Magen fühlte sich nicht mehr leer an und das unangenehme Kratzen in meinem Hals war auch verschwunden.

Ich konnte mich nun wieder voll und ganz auf unser Vorhaben konzentrieren.

Doch bevor wir anfangen konnten irgendwelche Pläne zu schmieden, musste ich Aro, Caius und Marcus noch einen Besuch abstatten, um ihnen zu zeigen, das ich jetzt ein Vampir war.

Außerdem wollten sie mich auf besondere Fähigkeiten testen.

Ich hätte Julian gern dabei gehabt, denn ich hatte Angst, dass Aro, jetzt wo ich ein Vampir war, all meine Gedanken lesen könnte und herausfinden würde, was wir vorhatten.

Aber Julian wollte nicht.

„Ich würde dich ja begleiten, ehrlich, aber meine Gedanken kann Aro lesen und ich glaube nicht, dass ich es schaffen würde mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Dafür bin ich viel zu aufgewühlt. Tut mir Lied Bella, aber das schaffst du schon. Ich muss sowieso noch ein paar Sachen erledigen, bevor wir unsere kleine Aktion starten. Wobei mir einfällt, dass wir ab jetzt nicht mehr offen sprechen sollten, nur noch wenn allein sind. Hier haben die Wände Ohren, aber das weißt du ja."

Mir entfuhr ein missmutiges „Hmpf...", denn ich hatte absolut keine Lust mich allein von den dreien testen zu lassen. Nicht das die noch wer weiß was mit mir anstellten.

Julian musste daraufhin schmunzeln, sagte aber nichts weiter zu dem Thema.

Er brachte mich noch vor die Türen des großen Saals und ging dann durch den Empfangsbereich davon.

Ich atmete dreimal tief ein, wobei es mir nicht die Ruhe brachte, die ich eigentlich gebraucht hätte und trat durch die schweren Flügeltüren hindurch in den großen Raum.

Freudestrahlend kam Aro auf mich zu geschwebt.

„Bella! Welch eine Freude! Wie geht es dir? Ah, wie schön du bist. Ich muss sagen, genauso hatte ich mir das vorgestellt."

„Danke Aro. Ehrlich gesagt weiß ich nicht wirklich wie ich aussehe, ich hatte bis jetzt noch keine Zeit mich im Spiegel zu betrachten."

Mit fragendem Blick schaute er mich an.

„Wieso denn das? Mir wurde zugetragen, dass du schon vor einer Stunde aufgewacht bist?!"

Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter.

Hatte Julian es ihm durch irgendjemand zukommen lassen, dass ich wach war?

Oder war jemand oben gewesen und...Nein. Von unserem Gespräch konnte niemand etwas mitbekommen haben. Das hätte ich doch bemerkt.

„Naja, wie soll ich sagen..." sollte ich mein ‚Missgeschick' mit dem Fenster und das Julian da war erzählen?

Ich entschied mich für einen Teil der Wahrheit.

„In dem Turmzimmer ist ja ein Fenster und...ich wollte meine Kraft ein bisschen ausprobieren und hab die Scheibe kaputt gemacht. Tut mir leid, ich hoffe es ist nicht allzu schlimm. Jedenfalls war ich zu diesem Zeitpunkt sehr durstig und dann waren da die vielen Gerüche und ich musste so schnell wie möglich etwas essen, äh trinken; ihr wisst was ich meine. Entschuldigt bitte, deswegen bin ich erst jetzt zu euch gekommen."

Aro lachte laut auf.

„Grandios. Vielleicht hätten wir dir ein anderes Zimmer geben sollen, aber wer hätte gedacht das du gleich das Fenster kaputt schlägst? Wie auch immer, mach dir keine Sorgen, bis heute Abend ist wieder alles ganz. Ich werde gleich nacher nach jemanden danach schicken."

Ich lächelte.

„Dankeschön, das ist sehr nett."

Caius erhob sich abrupt von seinem Thron und stellte sich neben Aro.

„Das ist doch alles unwichtig. Immer dieses freundliche Geplänkel, Aro. Dafür habe Ich weder Zeit noch Lust.

Ich finde wir sollten jetzt endlich zum hauptsächlichen Teil dieses Treffens kommen: Bellas Talente."

„Lieber Caius, natürlich, du hast vollkommen recht. Bella, wenn du so nett wärst; mal sehen ob du immer noch ‚immun' gegen mich bist."

Grinsend kam er auf mich zu und fasste mich an den Händen.

Seine Haut fühlte sich für mich noch genauso an wie davor. Fest und brüchig zugleich.

Aros langgliedrige Fingen verschlossen sich mit meinen, ich fühlte mich unglaublich unwohl und plötzlich stürmte eine Unmenge von Gedanken auf mich ein. Bilder, Gespräche, Taten.

In dem Bruchteil einer Sekunde sah ich Aros gesamtes Leben an mir vorbeiziehen. Jedes noch so kleine Ereignis, jedes Wort das er je gehört, gesagt oder gedacht hatte konnte ich sehen.

Dann löste er seine Finger von meinen. Die Bilder wurden unschärfer und die Worte leiser, doch als ich mich versuchte darauf zu konzentrieren, waren sie wieder voll da.

Die Erkenntnis traf mich wie ein Blitz.

Ich hatte soeben Aros Gedanken gelesen. Alles was er jemals gesehen, gehört und gefühlt hatte.

Aro machte jetzt einen Schritt zurück.

Leichte Enttäuschung spiegelte sich in seinen Augen wieder und er schaute mich durchdringend an.

„Nichts. Ich habe absolut nichts gesehen. Es ist noch genauso wies es war, als du noch ein Mensch gewesen bist. Aber damit hatte ich eigentlich schon gerechnet."

Ich versuchte ein Lächeln.

Zu mehr war ich im Moment nicht fähig.

Konnte es wirklich sein, dass ich das selbe Talent wie Aro hatte?

„Nun ja, wie dem auch sei. Am besten wir lassen Jane und Alec kommen, damit wir sehen wie es sich mit ihren Talenten verhält. Demetri!"

Eine der Flügeltüren wurde sogleich einen Spalt geöffnet und Demetri trat in den Raum.

„Aro, Ihr habt mich gerufen?"

„Ja, bitte sei so nett und hol' Jane und Alec. Sie sollen unverzüglich hierher kommen."

„Aber natürlich. Ich bin schon weg."

Damit verschwand er so schnell wie er gekommen war.

Caius musterte mich skeptisch.

War ihm etwa etwas aufgefallen?

Hatte mein Gesicht das ausgedrückt was geschehen war, als ich Aro berührt hatte?

Und was war überhaupt Caius besondere Fähigkeit?

„Bella, ich hoffe du nimmst es uns nicht übel, wenn wir auch noch Alec und Jane ihre Talente an dir testen lassen." Riss mich Aro aus meinen Gedanken.

„Nein, ist schon okey; ich versteh' nur nicht so ganz warum, aber ist ja auch nicht so wichtig."

„Einerseits natürlich um zu sehen, ob du gegen die beiden immer noch ‚immun' bist und vielleicht zeigen sich dabei nun auch deine Talente. Ich hoffe es zumindest. Denn ansonsten müssen wir warten, bis sie sich bei Gelegenheit selbst offenbaren, und das kann eine Weile dauern. Weißt du, Geduld ist nicht gerade unsere ausgeprägteste Eigenschaft."

„Ach so, ja stimmt..." murmelte ich halb zu mir selbst.

Wenn er wüsste, dass ich warscheinlich die selbe, besondere Fähigkeit hatte wie er...nein. Das behielt ich besser noch eine Weile für mich.

Außerdem musste ich erst einmal testen ob ich die Gedanken von anderen auch lesen konnte und dann wollte ich unbedingt noch mit Julian sprechen, bevor ich es Aro sagen würde.

Die Türen öffneten sich abermals und Jane kam, dicht gefolgt von Alec, in den Raum gelaufen.

„Jane, Alec! Welch eine Freude, dass ihr so schnell gekommen seid" rief Aro glücklich.

Jane ließ ihr helles Lachen ertönen und Alec strahlte.

„Natürlich haben wir uns gleich auf den Weg gemacht. Was können wir für euch tun?"

fragte sie und ihre Augen huschten schnell durch den Raum.

An mir blieben sie hängen und ihr Blick wurde feindselig.

„Ah..." ein Laut des Verstehens, der sich ein wenig abschätzig anhörte, entfuhr ihr.

Ich schaute sie an und sofort wieder weg.

Meine Augen wanderten weiter zu Alec, der Jane wie aus dem Gesicht geschnitten war.

Er erwiderte meinen Blick mit einer Mischung aus Neugier, Abscheu und ich glaubte so etwas wie Eifersucht in seinen Augen zu lesen, aber da konnte ich mich auch irren.

Irgendwie schienen die beiden was gegen mich zu haben.

Ich hatte ihnen doch nie etwas getan, zumindest nicht bewusst.

Komisch, aber ich beschloss, das jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war um darüber nachzudenken.

„Jane, wenn du bitte als erste so nett wärst."

Ari wies mit seiner rechten Hand auf mich.

Ein schadenfrohes Lächeln huschte über ihre Lippen.

„Aber natürlich. Gern."

Sie schaute mich an und schenkte mir ein strahlendes Lächeln. Ganz so, als ob sie ein kleines Kind wäre und gerade von mir das Geschenk bekommen hatte, das sie sich am sehnlichsten wünschte.

Wieder fühlte ich mich sehr unbehaglich und plötzlich tauchte in meinem Kopf ein Bild auf, wie Jane am Boden lag und sich vor Schmerz wand.

Eine Sekunde später brach Jane nun auch in Wirklichkeit zusammen und wimmerte.

Ihr Gesicht war ganz verzogen, so als hätte sie unglaublich starke Schmerzen.

Sie wand sich am Boden. Die Arme und Beine unwirklich vom Körper gestreckt.

Mit aller Macht versuchte ich das zuvor entstandene Bild aus meinem Kopf zu vertreiben.

Kaum hatte ich es geschafft, stand Jane auch schon wieder aufrecht und und hielt sich an Alec fest.

Alle starrten mich an. Jane schaute zu Boden uns schäumte vor Wut.

Aro war der erste, der seine Worte wiederfand.

„Das war unglaublich! Bella! Wenn ich mich nicht irre, hast du gerade Janes Talent sozusagen abgeblockt und anschließend gespiegelt! Sowas habe ich noch nie gesehen! Alec, bitte, nun bist du an der Reihe. Ich bin sehr gespannt was passiert, wenn du es versuchst."

Ich hatte nicht einmal die Zeit um über das gerade geschehen nachzudenken, da wurde auch schon wieder der nächste auf mich losgeschickt.

„Halt, Aro, warte! Es wäre nett, wenn du mir bitte davor überhaupt erstmal sagen könntest, was Alec gleich machen wird, damit ich mich drauf einstellen kann."

Ich bin ja schließlich kein Versuchskaninchen, dachte ich.

„Oh. Entschuldige, das hatte ich vor lauer Aufregung ganz vergessen zu erwähnen. Alec kann Menschen mit seinen Gedanken kontrollieren, sie werden dann zu einer Art Marionette und machen alles, was er befiehlt. Allerdings nur bei direktem Blickkontakt."

Na klasse! Mir blieb heute aber auch nichts erspart. Jetzt sollte ich auch noch zur Marionette werde.

„Ah, gut. Danke."

Wieder wies Aro mit seiner Hand einladend auf mich und schaute ihn dabei aufmunternt an.

Alecs Blick war sehr intensiv.

Er schien geradezu in mich hineinzusehen.

In mein Gehirn.

Doch bevor er es erreicht hatte, spürte ich, wie ich in seinem Kopf war.

Er konzentrierte sich und versuchte mich abzublocken, aber schaffte es nicht.

Plötzlich wurde der Ausdruck seiner Augen leer.

Ich befiehl ihm versuchsweiße in Gedanken, er solle seinen linken Arm heben.

Alecs linker Arm ging in die Höhe.

Erschrocken starrte ich ihn an.

Es konnte doch wohl nicht sein, dass ich gleich alle besonderen Fähigkeiten der Volturi hatte.

Aber als ich versuchte Alecs Gedanken zu lesen, war da nichts.

Und als ich mir vorstellte, wie er Schmerzen hatte passierte absolut gar nichts.

Alec stand da mit dem linken Arm in der Luft.

Mehr nicht.

Also musste es wohl so sein, dass ich immer dann, wenn jemand versuchte seine Fähigkeit bei mir anzuwenden, diese abblockte und sie für diesen Augenblick übernahm.

Sozusagen spiegelte.

Außerdem konnte ich weinen.

Damit konnte ich durchaus zufrieden sein.

Und war es unglaublich nützlich für Julians und meinen Plan.

Niemand wird uns aufhalten können.

Alec stand immer noch da, mit seinen leeren Augen und dem in die Luft gestreckten, rechten Arm.

Upps, ich hatte ihn total vergessen.

Sofort befahl ich ihm den Arm herunter zu nehmen.

Aber wie konnte ich ihn wieder ‚normal' machen?

Ich versuchte mich langsam aus seinem Kopf zurückzuziehen und wieder voll und ganz in meinen zurückzukehren.

Es forderte einige Anstrengung, aber letzendlich hatte ich es geschafft und es kam wieder Leben in seine Augen.

Jane starrte mich hasserfüllt an, Alec schaute völlig perplex und Aro war nun vollends begeistert.

„Bella! Ach du meine Güte! Das ist ja wundervoll! Du blockst die Fähigkeiten ab und benutzt sie dann selber! Grandios! Aber eine Frage musst du mir beantworten: Hast du vorhin etwa auch meine Gedanken gelesen?"

„Ich- ,"

„Natürlich hat sie das!" fiel mir Caius ins Wort.

„Hast du nicht den erstaunten Ausdruck auf ihrem Gesicht gesehen? Ich hab mir gleich gedacht, dass etwas in der Art passiert ist."

„Hm..." machte Aro,

„Entschuldige, ich wollte nicht, aber sie stürmen geradezu auf einen ein. Man kann gar nichts dagegen machen." Versuchte ich mich zu rechtfertigen.

„Nein, das kann man nicht, das hast du recht.

Mach dir keine Sorgen, es ist nur etwas ungewohnt für mich.

Bella, du bist ein unglaubliches Talent und eine Bereicherung für uns. Bitte sag, dass du dich uns voll und ganz anschließen wirst?"

„Aro, hattest du nicht vielleicht vor, das vorher mit uns zu besprechen?" warf Caius etwas verstimmt ein.

Marcus sagte während des ganzen Treffens kein Wort.

Ich hatte ihn noch nie in meiner Gegenwart sprechen hören.

Er machte immer einen sehr desinteressierten Eindruck auf mich.

„Ich ging davon aus, dass ihr meiner Meinung seid. Euch ist doch sehr wohl klar, dass wir uns ein solches Talent nicht entgehen lassen sollten?"

„Dessen bin ich mir bewusst, keine Angst. Aber eine Absprache wäre trotzdem nicht schlecht gewesen."

„Entschuldige Caius, aber jetzt lassen wir doch einmal Bella zu Wort kommen."

Verdammt.

Genau das wollte ich nicht.

Ich brauchte Zeit um nachzudenken, alles zu realisieren.

Doch ich kam nicht zum antworten.

Jane fluchte leise, doch für uns Vampire war es gut hörbar.

„Dieses verdammte, kleine, dreckige Miststück!"

Aro drehte sich abrupt zu Jane um und seine Augen glitzerten gefährlich,

„Jane! Mäßige dich! Du hast keinerlei Grund so etwas über Bella zu sagen!"

Jetzt riss sie sich von Alec, an den sie sich zuvor geklammert hatte, los, zeigte mit dem Finger auf mich und schrie:

„Keinerlei Grund? Das soll wohl ein Witz sein! Ihr legt ihr alles zu Füßen und sie?! Sie schmiedet unterdessen Pläne wie sie euch am besten hintergehen kann!"

Mit einer schnellen Bewegung hatte Aro Jane an den Schultern gerüttelt und ihre Gedanken gelesen.

Verdammt, hatte sie Julian und mich etwa belauscht, als wir darüber gesprochen hatten, wie wir gegen die Volturi vorgehen wollten?

„Bella, das kann doch wohl nicht euer ernst sein? Nach alldem was wir für dich und Julian getan haben wolltet ihr uns so hintergehen? Das ist Verrat! Was für eine Enttäuschung. Das ändert natürlich einiges. Wir werden uns jetzt am besten zurückziehen und beraten was wir mit euch zwei machen. Ich bin schwer enttäuscht von euch!

Jane, dir danke ich dafür, dass du mir die Augen geöffnet hast. Was würde ich nur ohne dich tun?"

Jane strahlte und sah mehr denn je aus wie ein kleiner Engel.

Ich stand wie versteinert da.

Oh nein.

Was sollte ich jetzt machen?

Wo war Julian?

Wir würden nicht mehr viel zeit zum planen haben.

Aro würde dieses mal keine Gnade mehr haben, das spürte ich.

„Jane, Alec bitte seid so nett und begleitet Bella in ihr Zimmer. Wenn ihr Julian finden und ihn zu Bella schicken würdet, wäre das natürlich noch besser. Beeilt euch."

Jane starrte mich mit einem schadenfrohen lächeln an und nachdem sie mich durch die große Tür geschoben hatte ließ sie mich vorgehen und trat mir von hinten in den Rücken.

Ich keuchte auf.

Einen Moment lang blieb mir die Luft weg und ich geriet schon in Panik, als ich merkte, dass ich ja gar nicht atmen musste.

Schnell drehte ich mich.

Dieses kleine, dumme Kind.

„Nana Bella, immer schon nach vorne schauen."

Sie grinste boshaft.

Also drehte ich mich wieder um und versuchte nicht vor lauter Wut zu weinen.

Was dachte die sich dabei mich jetzt auch noch zu demütigen?

Alec hingegen lief nur stumm neben mir her.

Ab und zu spürte ich seinen Blick auf mir, doch wenn ich ihn dann anschaute, drehte er seinen Kopf schnell weg, als hätte er Angst ich könnte ihn zur Marionette machen.

„Tja, Bella. Jetzt weißt du wie es sich anfühlt nicht mehr ihr Liebling zu sein.

Aber du bist ja selbst schuld! Freundest dich mit dieser Claire an, versuchst zu fliehen und wenn sie dich dann endlich zum Vampir machen, sogar Aro höchstpersönlich, schmiedest du mit Julian unrealistische und dumme Pläne."

„Weißt du Jane, im Gegensatz zu dir komme ich damit klar nicht das Lieblingskind zu sein. Ich habe keine Minderwetigkeitskomplexe und brauche ständig ihre Aufmerksamkeit."

Ihre Augen funkelten zornig und in meinem Kopf erschien das Bild der sich vor Schmerzen krümmenden Jane.

Mein Gott, wie dumm dieses Mädchen doch war.

Ich stellte mir das Bild genauer vor und einen Augenblick später lag sie zu meinen Füßen.

Sie strampelte heftig mit ihren Beinen und ich konnte genau erkennen, wie sie versuchte nicht zu schreien.

Ihre Lippen waren so fest aufeinander gepresst, dass sie schon ganz weiß waren.

Aber was mich am meisten wunderte war, dass Alec einfach nur daneben stand und nichts tat um seiner Schwester zu helfen.

Ich schaute ihn fragend an.

Plötzlich machte er einen Schritt auf mich zu.

„Bella, ich weiß es ist jetzt der falsche Moment dazu, aber ich halte es nicht länger aus.

Schon als ich dich das erste Mal sah, habe ich dich bewundert.

Nicht nur dein wundervoller Geruch, nein auch deine Art. Egal was du tust, du machst es mit solch einer Anmut und als ich dich nun heute zum ersten Mal als Vampir gesehen habe, ich schwöre, wenn mein Herz noch geschlagen hätte, es wäre stehen geblieben. So wunderschön bist du.

Bella, ich liebe dich!"

Was?

Hatte ich jetzt auch schon Halluzinationen?

Das konnte doch wohl nicht wahr sein.

Wieso hatte ich davon nichts bemerkt?

Oh nein.

Neben uns wand sich Jane immer noch vor Schmerz.

Ich hatte eigentlich noch nie eine sadistische Ader gehabt und ich wusste nicht wie lange man das durchziehen konnte, bis derjenige ernsthafte Schäden davontrug; aber wenn ich sie jetzt erlösen würde, musste ich mich auf einen ernsthaften Kampf bereit machen und ich war mir sicher, dass ich verlieren würde.

„Alec, ich...wie soll ich sagen? Es tut mir Leid, aber ich empfinde nicht das selbe für dich.

Ich liebe Edward und auch wenn ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe und ich nicht weiß wie seine Gefühle inzwischen für mich aussehen, wird sich daran nie etwas ändern."

„Mh, das hatte ich mir schon gedacht. Aber es ist nicht so schlimm, oder doch ist es, aber ich wusste ja das so was in der Art kommen würde."

„Ja..."

Was sollte ich den noch dazu sagen?

Ich war sowieso völlig vor den Kopf gestoßen.

Neben uns lag seine Schwester am Boden und er gestand mir seine Liebe.

„Aber ich habe eine Idee. Ich helfe dir und Julian! Dann geht alles viel einfacher und schneller.

Was will ich hier denn noch, wenn du nicht mehr da bist? Bitte, lasst mich mitmachen!"

Bitte lasst mich mitmachen?

War ich im falschen Film?

Aber es wäre natürlich sehr praktisch ihn dabei zuhaben...

Doch konnten wir ihm vertrauen?

„Woher soll ich wissen, dass du uns nicht in den Rücken fällst?"

„Das würde ich dir niemals antun! Wirklich. Ich liebe dich doch."

Ein leises Knurren kam aus meiner Brust.

Bitte keine Liebessschwüre!

„Alec, ich liebe Edward. Dir ist klar, dass wenn wir hier heil rauskommen, ich zu ihm zurückkehren werde?"

Nur damit das mal klar gestellt wäre.

„Jaja, ich weiß. Damit werde ich dann schon klar kommen, aber im Moment möchte ich einfach nur das du glücklich bist."

„Okey, wenn du meinst."

„Sehr gut. Was machen wir dann jetzt?"

„So schnell wie möglich Julian finden. Wir müssen uns mit ihm absprechen und dann bald handeln. Wir haben nicht viel Zeit!"

Ich hörte auf Jane zu quälen; sie tat mir in der zwischen zeit auch wirklich leid.

Alec griff in ihre Gedanken ein und so folgte sie uns brav.

Während wir nach Julian suchten, erzählte mir Alec, dass er mehrere Leute aufeinmal kontrollieren konnte, dies aber mehr Konzentration erfordern würde.

Es dauerte nicht lange und wir hatten Julian gefunden.

Zuerst war er sehr skeptisch, sah aber bald ein, dass es so besser gehen würde und wir fingen an den Kampf zu planen.

Dabei mussten wir uns allerdings zuerst einmal einig werden, was wir überhaupt erreichen wollten.

Julian wollte Rache. Am liebsten hätte er sie alle tot gesehen, aber er meinte Aro würde ihm auch schon genügen.

Ich wollte eigentlich nicht, dass jemand dabei starb, sah aber ein, dass es sich nicht vermeiden ließ.

Mein Ziel war die Flucht, bzw. die Freiheit. Ich wollte zurück nach Forks.

Und Alec wollte, das ich glücklich war.

So planten wir als innerhalb von 20 Minuten, wie wir ungefähr 30 Vampire aus dem Wegschaffen, bzw. ungefährlich machen wollten.

Wir würden zurück in den großen Saal gehen und mit Aro, Caius und Marcus anfangen.

Danach wären die anderen dran.

Alec würde sie willenlos machen, sich dann gegenseitig bekämpfen lassen und Julian würde versuchen die Zeit anzuhalten, was ich dann übernehmen würde, denn auch sein Talent konnte ich anwenden, und dann hätte er genug Zeit alle zu erledigen.

Unser einziges Problem war Caius, da mir Alec erzählt hatte, das seine besondere Fähigkeit darin besteht, dass er sich total isolieren und alles abblocken kann.

So machten wir uns also auf den Weg.

Mit jedem Schritt wurde ich nervöser und mein ganzer Körper stand unter Spannung.

Ich war ja schließlich eine Neugeborene und hatte viel Kraft, die ich jetzt gleich zum ersten Mal anwenden würde.

Vor den Flügeltüren blieb ich stehen und ließ die vergangenen Stunden revue passieren.

Ich hatte schon ziemlich viel als Vampir erlebt, dafür , dass ich eigentlich erst seit ungefähr 3 Stunden einer war.

Ich würde gleich gegen die Volturi kämpfen, die mächtigsten Wesen unter uns.

Wo ich bloß schon wieder hineingeraten war.

War ja mal wieder typisch, aber jetzt gab es kein zurück mehr.

Ich straffte meine Schultern, spannte alle Muskeln an und drückte die Flügeltüren mit voller Wucht auf.