3. Schleim im Fuchsbau
Bevor sie sich verabschiedeten, erteilte Dumbledore Harriet noch die Erlaubnis Ron und Hermine über den Inhalt der Prophezeiung und auch alles andere zu informieren. Offenbar war er der Meinung zu viel Geheimhaltung wäre zu belastend für sie. Vielleicht hatte er damit ja auch recht. Bisher war sie nicht wirklich gefährdet gewesen irgendetwas über ihr Gespräch mit Dumbledore nach dem Zwischenfall im Ministerium verraten zu wollen, aber im Laufe der Zeit würde sich das vielleicht ändern. Und nun, da jeder davon ausging, dass sie die Auserwählte war, würde es zunehmend schwerer werden geheim zu halten, dass das auch tatsächlich wahr war.
Auf jeden Fall löste ihre Ankunft beim Fuchsbau große Verwirrung aus, da sie erst später erwartet worden war, und ihre verfrühte Ankunft mitten in der Nacht dazu zu führen schien, dass Misses Weasley beinahe ihren Kopf verlor. Und dann kam auch noch Mister Weasley nach Hause, ebenfalls mitten in der Nacht und überrascht darüber sie in der Küche vorzufinden, da Mrs. Weasleys erste Reaktion auf ihren Anblick wie immer darin bestanden hatte sie füttern zu wollen.
Offenbar war Mr. Weasley befördert worden. Er war nun für das Aufspüren, Konfiszieren und Harmlos Machen von gefälschten magischen Objekten und Zaubersprüchen zuständig. Offenbar schien es genug Opportunisten zu geben, die die allgemeine Panik ausnutzten um gefälschte Objekte an den Markt zu bringen, die verehrende Auswirkungen auf die Nutzer haben konnten. Seine Frau war überaus stolz über die Beförderung, er hingegen schien seine Zeit als Schutzpatron der Muggels vor Magie zu vermissen.
Harriet konnte verstehen warum. U-Bahnen, Toaster, Autos …. Das alles hatte Mr. Weasley immer schon fasziniert, nun rettete er vielleicht mehr Leben als jemals zuvor, aber zugleich war er nun vor allem von Zauberern umgeben, die sich gegenseitig etwas antun wollten. Und das wiederum erinnerte ihn daran, dass Krieg herrschte – als ob er oder sonst irgendwer das jemals vergessen könnte!
Fred und George hingegen schienen ihren Scherzartikel-Laden in der Winkelgasse inzwischen tatsächlich eröffnet zu haben und damit einiges an Geld zu machen. Sie waren überaus erfolgreich, wie es schien, und hatten sich sogar in eine kleine Wohnung über ihrem Geschäft eingemietet und wohnten daher nicht mehr zu Hause, weswegen Harriet den Rest der Nacht erst einmal in ihrem Zimmer verbringen sollte um Ginny und Hermine, die offenbar ebenfalls im Fuchsbau war, nicht zu wecken.
Harriet nahm beruhigt zur Kenntnis, dass Mrs. Weasley sich inzwischen offenbar mit der Karriereentscheidung ihrer Söhne abgefunden hatte und sogar ein wenig stolz auf sie zu sein schien. Trotzdem traute sie sich immer noch nicht, der Mutter der Zwillinge zu gestehen, dass Fred und George nur ihretwegen überhaupt in der Lage gewesen waren den Scherzartikel-Laden aufzumachen, da sie ihnen das nötige Startkapital zur Verfügung gestellt hatte, weil sie das Preisgeld des Tri-Magischen Turniers nach Cedrics Tod nicht hatte anrühren wollen und es stattdessen einfach an die Zwillinge weitergegeben hatte.
Vielleicht verrate ich es ihr eines Tages, aber mit Sicherheit nicht heute.
Harriet hätte gerne nach Percy gefragt. Der drittälteste Sohn des Weasleys hatte sich im letzten Jahr mit dem Rest seiner Familie zerstritten und sich auf die Seite des Ministeriums in der Frage, ob Voldemort zurückgekehrt war oder nicht, gestellt. Er war ausgezogen und sprach kein Wort mehr mit seinem Vater, obwohl sie beide im Ministerium arbeiteten, und hatte mit seinem Verhalten das Herz seiner Mutter gebrochen. Seine jüngeren Geschwister waren ebenfalls wütend auf ihn.
Harriet hatte ihn zunächst verteidigt und geglaubt, dass er nur so tat, als würde er auf der Seite des Ministerium stehen um Fudge und Co. auszuspionieren, nur um sich dann persönlich um so heftiger mit Percy zu streiten, und sich dann mehr oder weniger ohne großes Aufsehen mit ihn notzuversöhnen, nachdem die Umbridge versuchte ihr eine Affäre mit Professor Snape anzuhängen, was den Lehrer nicht nur seinen Job hätte kosten können, sondern sogar nach Askaban hätte bringen können. Percy schien wegen dieser Affäre sogar wieder zumindest schriftlich mit seinem Vater zu kommunizieren, und beide Weasley-Männer hatten ihr Bestes getan um die nervöse Harriet durch die Befragungen und Untersuchungen hindurch auf Kurs zu halten, aber seit der Fall Snape zu den Akten gelegt worden war, wusste Harriet nicht, wie die Dinge zwischen Percy und dem Rest seiner Familie im Moment standen - um ehrlich zu sein, war sie sich nicht einmal sicher, wie die Dinge zwischen ihr und Percy im Moment standen. Ja, er hatte ihr den Rücken freigehalten, als sie ihn gebraucht hatte, aber sie hatte nicht vergessen, dass er der Meinung gewesen war, dass über Cedrics Tod verwirrt war und den falschen Leuten die Treue hielt (sprich Dumbledore), was er für dumm hielt, und er hatte vermutlich wiederum nicht vergessen, dass sie ihn geohrfeigt hatte. Und da sie eben nicht wusste, wie die Dinge standen, und man Percy gegenüber seinen Eltern zuletzt nicht hatte erwähnen dürfen, fragte sie nicht nach, sondern aß auf und ging dann ins Bett.
Molly Weasley hatte eines der Betten frisch gemacht, aber trotzdem legte Harriet sich nur zögerlich in dieses. Egal ob Fred oder George, sie rechnete fast mit einer explodierenden Überraschung, die losgehen würde, sobald sie die Matratze berührte, doch zum Glück trat diese nicht ein. Erleichtert schloss sie die Augen und fiel dann in einen traumlosen Schlaf.
Bis sie wachgerüttelt wurde – recht rüde noch dazu. „Was ist los? Wo brennt es?", wollte sie wissen. Sie blinzelte und erkannte das buschige Haar ihrer besten Freundin vor sich. „Hermine? Wie spät ist es?", wunderte sie sich.
„Fast Mittag", erklärte ihre Freundin ihr, „Wann bist du angekommen? Wir dachten schon, du kommst gar nicht mehr zu dir. Ich dachte, ich wecke dich lieber selbst, bevor…."
Doch weiter kam sie nicht, denn in diesem Moment kam eine blonde leuchtende Gestalt in das Zimmer geschwebt, drängte sich an Hermine vorbei, und küsste Harriet begeistert auf beide Wangen. Harriet war für einen Moment vollkommen verwirrt und nicht sicher ganz wach zu sein. „Arriet! Ich fräue mich so, dich wiederzusähen!", verkündete die blonde Gestalt.
„Fleur?", fragte Harriet verunsichert und starrte auf das Frühstückstablett, das Fleur auf ihren Beinen abgestellt hatte.
Molly Weasley kam in das Zimmer gehetzt. „Das war wirklich nicht nötig", erklärte sie ein wenig atemlos, „Ich hätte das Tablett auch alleine hierher bringen können."
„Ich habe gerne ge'olfen", versicherte ihr Fleur Delacoure, „'Arriet und ich haben uns so longe nicht gesähen. Ich wollte mir ir sprechen!"
Harriet war immer noch verwirrt über Fleurs Anwesenheit bei den Weasleys. Selbst wenn sie ein Mitglied des Orden des Phönix wäre, was machte sie dann hier im Fuchsbau? Dann fiel ihr mühselig ein, dass Bill letzten Sommer mit Fleur ausgegangen war. Waren die beiden immer noch zusammen? Bedeute das, dass Bill hier war?
„Ist Bill hier?", wollte sie wissen.
„Nein, är ist bei der Arbeit", meinte Fleur und seufzte theatralisch, „Immer zoviel zu tun, der Arme. Oh, Gabrielle wollte, dass ich dir Grüße ausrichte, sie ´at nicht vergessen, dass du ir das Leben gerättet ´ast. Aber das wird sie dir natürlich alles selbst erzälen, nächsten Sommer."
Harriet hatte das Gefühl immer noch nicht ganz wach zu sein. „Wieso? Was ist nächsten Sommer?", wunderte sie sich vollkommen verwirrt.
„At es dir noch keiner gesagt? Bill und ich, wir werden heiraten!", verkündete Fleur freudestrahlend, und Harriet war sich ziemlich sicher, dass das der wahre Grund dafür war, warum Fleur darauf bestanden hatte ihr persönlich Frühstück/Mittagesse ans Bett zu bringen.
Harriets Blick fiel auf Molly Weasleys düstere Miene hinter Fleur. Dieser entnahm sie, dass diese Neuigkeit nicht jeden in der Familie Weasley begeisterte. Sie selbst war zu müde und verwirrt um zu wissen, was sie angesichts dieser Neuigkeit empfinden sollte. Sie versuchte sich zu fangen und formulierte: „Oh, wow, das wusste ich nicht, nein. Herzlichen Glückwunsch., Fleur!" Sie hoffte, dass sie enthusiastischer klang, als sie sich im Moment fühlte. Für Fleur schien es zu reichen. Sie strahlte Harriet erfreut an. „Oh, danke `Arriet, es bedeutet mir so viel, dass du dich für uns freust. Ich weiß, dass du für Bill wie eine Schwester bist!"
Harriet fragte sich, was Bills tatsächliche Schwester von dieser Neuigkeit hielt, während Molly Weasley sie über Fleurs Schulter hinweg vorwurfsvoll anstarrte, als hätte sie von Harriet erwartet Fleur diese ganze Heiratssache persönlich auszureden.
„Ich bin so froh, dass du jetzt hier bist, `Arriet, `ier gibt es nicht gerade viel zu tun, wenn man nicht gerade auf Kochen und Hüner stet", seufzte Fleur, „Nun, guten Appetit!" Dann schwebte sie geradezu aus dem Zimmer. Kaum, dass sie weg war, schlüpfte Ginny in das Zimmer und schloss die Türe hinter sich und machte eine eindeutige Erbrechensgeste.
„Nun, jemand hätte mich vorwarnen können", meinte Harriet.
„Ich wollte, dass du dir deine Meinung unvoreingenommen bilden kannst", behauptete Mrs. Weasley.
„Und dich so erst recht auf unsere Seite stellst", fügte Ginny hinzu.
„Ich nehme an, keiner hier ist begeistert von dieser Verlobung?", vermutete Harriet.
Hermine seufzte nur, Ginny rollte die Augen, während Molly Weasley sagte: „Ich finde nur, dass die beiden etwas übereilt handeln."
„Sie kennen sich seit einem Jahr, Mom", warf Ginny ein.
„Ja, aber sie haben sich nur wegen dem Krieg verlobt. Letztes Mal haben viele junge Liebende ebenfalls übereilt gehandelt und sind gemeinsam durchgebrannt", erklärte Molly.
„Inklusive dir und Dad", behauptete Ginny.
„Ja, aber unsere Liebe war anders. Wir waren anders. Arthur und ich, wir waren Seelenverwandte. Uns hat viel verbunden. Fleur ist … nun, Fleur ist…." Offenbar fand sie kein richtiges Wort um Fleur zu beschreiben.
„Ich finde Fleur nett", meinte Harriet.
„Ja klar, du bist ja auch mit Draco Malfoy gegangen", erinnerte sie Ginny wegwerfend.
Harriet fand diese Bemerkung sehr unangebracht. „Fleur stammt wohl kaum aus einer Familie von Todesessern", meinte sie.
„Nein, aber sie ist so …. Bill ist ein bodenständiger hart arbeitender Junge, während Fleur….", Molly suchte immer noch nach der Variante, die am wenigstens beleidigend klang.
„… das Gegenteil davon ist? Vielleicht war Bill immer auf der Suche nach dem Gegenteil. Das würde zumindest erklären, warum er sich für Miss Schleim entschieden hat", meinte Ginny.
Fleur war viele Dinge, aber das ging jetzt doch zu weit, fand Harriet Genau wie Molly wie es schien.. „Du sollst sie nicht so nennen", seufzte diese nämlich resignierend.
„Ich verstehe nicht, warum wir nett zu ihr sein sollen, wenn wir sie doch alle hassen!", verteidigte sich Ginny.
„Wo", versuchte Harriet das Thema zu wechseln, „ist eigentlich Ron?"
„Oh, nein, wenn er mit dem Schleim alleine ist, dann macht er sich wieder zum Narren. Wir müssen ihn retten!", fiel Ginny ein.
Mrs. Weasley seufzte herzhaft. „Ich gehe. Leistet ihr Harriet Gesellschaft", meinte sie und war dann auch schon wieder verschwunden, was Harriet zum Anlass nahm sich ihren Frühstück zuzuwenden. „Und? Sprechen deine Eltern wieder mit Percy?", wollte sie von Ginny wissen.
Diese schüttelte den Kopf und zog eine bekümmerte Miene. „Nein. Es herrscht immer noch Eiszeit", informierte sie das Mädchen, das überlebt hatte.
„Aber wieso? Jeder weiß jetzt, dass Voldemort zurück ist, damit sind alle wieder auf der selben Seite, oder nicht?", wandte Harriet ein.
„Ja, aber zur Versöhnung würde das Voraussetzen, dass sich gewisse Leute beinander entschuldigen, und das ist zur Zeit nicht drinnen", seufzte Ginny. Manchmal dachte Harriet, dass sie andere Menschen niemals wirklich verstehen würde. Würde ihnen wirklich ein Zacken auf der Krone fallen, wenn sie sich entschuldigten?
Ron kam zu ihnen in den Raum geschlüpft, eigentlich mehr gestolpert und wirkte abwesend. „Oh, nein, er wurde geschleimt!", stellte Ginny fest. Hermine zog ein unzufriedenes Gesicht, aus dem Harriet schloss, dass ihre beiden besten Freunde immer noch nicht zusammen waren. Also langsam aber sicher wurde es lächerlich mit den beiden!
„Hi, Ron", sagte sie und bekam nicht mehr als ein abwesendes Nicken zur Antwort.
„Wo warst du eigentlich mit Dumbledore?", wollte Hermine wissen.
„Wir haben den neuen VgdDK-Lehrer rekrutiert", erklärte Harriet, „Horace Slughorn. Er war früher der Hausvorstand von Slyhtherin und hat meine Eltern und Sirius und Remus und ganz früher sogar mal Lord V. unterrichtet."
„Ach so? Wir dachten….", begann Ron.
„… uns schon so etwas", schloss Hermine schnell.
Mhm, offenbar hielten sie sie auch für die Auserwählte. Aber Dumbledore hatte ihr nur erlaubt Hermine und Ron alles zu erzählen, von Ginny war nie die Rede gewesen. „Außerdem will er, glaube ich, dass ich Sirius dazu überrede sich zu stellen, damit er jetzt schnell eine Verhandlung bekommt, solange Scrimgeour noch neu im Amt ist. Er scheint das nicht zu wollen, und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihm das einreden will. Ich meine, ich vermisse ihn und hätte ihn gerne hier bei uns, aber…." Sie zuckte mit den Schultern. „… was wenn er wieder in Askaban landet?"
„Ich finde, du solltest versuchen mit ihm zu reden", meinte Hermine, „Nach allem, was ich gelesen habe, ist Scrimgeour hart aber fair. Unter seiner Führung würden sie ihn nicht schuldig sprechen, denke ich."
„Auf jeden Fall wäre er mit als Hausgast lieber als der Schleim", meinte Ginny verträumt.
„Hört auf sie so zu nennen. Sie ist doch toll!", jammerte Ron, woraufhin Hermine etwas unverständliches murmelte.
„Kinder, eure ZAG-Ergebnisse sind gekommen!", rief Rons Mutter die Treppe hinauf, woraufhin die drei Prüfungsabsolventen ausprangen und einander fast auf dem Weg zur Zimmertüre gegenseitig erschlugen. Gegen Ende des Schuljahres hatten die Fünftklässler ihre Zaubergradprüfung abgelegt, die Prüfung, die über ihren weiteren Werdegang in Hogwarts bestimmen würde. Und seit dem Beginn der Ferien warteten sie alle nervös auf ihre Ergebnisse. Selbst Hermine, die vermutlich 11 „Ohnegleichen" bekommen hatte, schien zu denken, dass sie irgendwo versagt haben musste.
Beim Rennen über die Treppen hinunter erschlugen sie sich ebenfalls fast, bis sie Mrs. Weasley erreichte, die ihnen wortlos ihre Umschläge reichte. „Wenn Fred und George nur halb so viel Interesse an ihren akademischen Karriere gehabt hätten wie ihr", seufzte sie, während Fleur damit begann zu erklären, dass sie auf Beauxbatons ein anderes – besseres – Prüfungssystem hatten, aber Harriet hörte den beiden schon nicht mehr zu, sondern riss ihren Umschlag auf und starrte dann auf ihre Ergebnisse.
Wenn man bedachte, was in der Prüfungswoche alles vorgefallen war, dann hatte sie eigentlich ziemlich gut abgeschnitten. Sie war, wie es zu erwarten gewesen war, in Geschichte der Zauberei durchgefallen, aber da sie mitten in der Prüfung in Folge einer Voldemort-Vision zusammengebrochen war, hatte sie damit gerechnet. Sie hatte nur ein schlechtes Gewissen, weil sie befürchtete, Professor Binns dadurch enttäuscht zu haben, da sie neben Hermine die einzige Schülerin gewesen war, die in seinem Unterricht aufgepasst hatte, und vermutlich die einzige war, deren Name er auch tatsächlich kannte, aber es hätte nun mal nicht sein sollen.
Astronomie war ebenfalls gestört worden – durch Umbridges Versuche Hagrid zu verhaften – dafür war das Ergebnis aber erstaunlich gut ausgefallen – sie hatte nämlich trotzdem bestanden. Alle anderen Fächer hatte sie ebenfalls bestanden. Besonders stolz war sie natürlich auf ihr „Ohnegleichen" in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, aber auch ihr „Erwartungen übertroffen"in Kräuterkunde und Zaubertränke machte sie verdammt stolz, da sie mit diesen Fächern normalerweise eigentlich auf Kriegsfuß stand und nicht mit mehr als einem „Bestanden" gerechnet hätte, so aber …. Nun, zu Schade, dass Professor Snape nur Schüler mit „Ohnegleichen" in seinen Zaubertränke Kurs für Fortgeschrittene ließ, dabei hatte sie zum ersten Mal eine wirklich gute Note in dem Fach und brauchte das Fach, wenn sie doch eines Tages Heilerin werden wollte, doch McGonagall hatte ihr gesagt, dass sie die entsprechenden Fächer auch an der Universität nachholen konnte.
Was Harriet allerdings verwunderte und für einen Moment an einen Schreibfehler glauben ließ war das „Erwartungen übertroffen" in Wahrsagen. Wie, in aller Welt, war es dazu gekommen? Sybil Trelawney war nicht gerade das, was man als eine sehr begabe Lehrerin bezeichnen konnte, und ihr Ersatzmann der Zentaure Firenze war eigentlich noch schlimmer gewesen. Warum also, um alles in der Welt, hatte Harriet in diesem Fach nicht nur eine positive Note bekommen, sondern auch noch eine gute?
Wie sich herausstellte war Hermine darüber enttäuscht, dass sie nur in zehn von elf Fächern ein „Ohnegleichen" bekommen hatte – und ausgerechnet in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, von dem Harriet wusste, dass ihre beste Freundin es sowieso als ihr schwächstes Fach ansah, hatte sie „nur" ein „Erwartungen übertroffen" bekommen. Deine Sorgen möchte ich mal haben, dachte Harriet ein wenig bitter.
Rons Ergebnisse waren um einiges bescheidener, aber gut genug für ihn. Immerhin hatte er sieben Fächer bestanden – mehr als die Zwillinge zusammen. Und die Fächer, in denen er durchgefallen war, hatte er sowieso nie sehr geschätzt.
Natürlich wurde den Rest des Tages gefeiert. Nachdem Ginny verschwunden war um einen Brief ihres neuen festen Freundes Dean Thomas zu lesen, und Fleur Mrs. Weasley zu deren „Freude" in der Küche helfen wollte, gingen Harriet, Hermine, und Ron in Rons Zimmer, wo Harriet ihren Freunden gedämpft von dem Inhalt der Prophezeiung und allen anderem, was Dumbledore ihr erklärt hatte, erzählte.
„Wir wussten ja gleich, dass du die Auserwählte bist", meinte Ron, „Und dachten eigentlich, dass dich Dumbledore deswegen persönlich abgeholt hat."
„Nun, er will mir Privatunterricht geben", gab Harriet zu, „Mal sehen, wozu das führt." Vermutlich sollte sie Sirius „anrufen" und ihm ihre Prüfungsergebnisse mitteilen, doch polternde Schritte kündigten die Rückkehr von Mr. Weasley und die Ankunft von Bill an. Harriet kam gerade rechtzeitig wieder nach unten um zu sehen, wie Fleur und der älteste Weasley Sohn einander versuchten die Zungen aus dem Mund zu saugen.
„Hi, Harry", meinte Bill dann, nachdem er sich von seiner Verlobten gelöst hatte. „Hallo, Bill", erwiderte diese, „Verlobt, ja? Nun herzlichen Glückwunsch." Bill errötete ein wenig, meinte dann aber fröhlich: „Danke! Und ich habe gehört, ihr habt eure ZAGs bekommen?"
Später am Abend wollte er aber unter vier Augen mit ihr sprechen, und sie zogen sich wieder in das Zimmer der Zwillinge zurück. „Also, sag mir ehrlich, was du wirklich davon hältst, dass ich Fleur heiraten will", verlangte er dann.
Harriet fragte sich, warum er das ausgerechnet sie fragte. Wenn dies ein Film wäre, dann würde er ihr nun sagen, dass er Zweifel bekommen hatte und in Wahrheit immer nur sie geliebt hatte, oder sie würde ihm sagen, dass sie sich nicht für ihn freuen konnte, weil sie in Wahrheit immer nur ihn geliebt hatte. Aber die Zeiten, in denen sie für Bill Weasley geschwärmt hatte, kamen ihr wie eine ferne Vergangenheit vor. Er sah immer noch sehr gut aus, ja, mit seinem Ohrring und den langen Haaren, die er sich weigerte abzuschneiden, aber …. Nun, der Funke war weg. Vielleicht war er auch nie wirklich dagewesen, und sie zweifelte stark daran, dass Bill sie jemals als Frau wahrgenommen hatte.
Fleur hatte gesagt, dass sie wie Bills Schwester war, was aber nicht ganz stimmte. Nicht wirklich. Vielleicht waren sie eher wie Cousin und Cousine, und sie war die kleine Cousine, die einst unangebracht in ihren Cousin verschossen gewesen war, weil er so gut aussah und so erwachsen war.
„Nun, wie du weißt, hatte ich noch nie eine Beziehung die ein ganzes Jahr lang gehalten hat, deswegen steht mir eine Meinung vielleicht nicht zu, aber …. findest du nicht, dass ihr ein wenig überstürzt handelt? Ich meine, ich weiß ja nicht wie viel Zeit ihr miteinander verbracht habt, seit ihr euch kennt, aber …. Solange seid ihr nun wirklich noch nicht zusammen, oder? Bist du sicher, dass du sie nicht nur heiraten willst, weil Krieg herrscht?", sagte sie schließlich.
Bills Miene verfiel. Offenbar hatte er zumindest auf ihre Unterstützung gehofft. „Ich weiß ja, dass Mom und die anderen Fleur nicht mögen", meinte er, „Aber ich hatte wenigstens gehofft, dass du, die du sie kennst…"
„Ich mag Fleur, Bill. Es ist nicht, dass ich denke, sie wäre nicht gut genug für dich. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es das Richtige für euch beide ist im Moment eure Hochzeit zu planen. Ich meine klar, wenn man verliebt ist, schwebt man auf Wolke 7, aber ewig zusammen sein ist was anderes. Ich habe Cedric geliebt, aber um die Wahrheit zu sagen, weiß ich nicht, ob wir auf Dauer als Paar funktioniert hätten. Und Draco… Nun wir sind so weit von einer Hochzeit entfernt, wie man es nur sein kann…Aber wenn uns unsere unüberwindbaren Differenzen erst später aufgefallen wären – und ich spreche nicht von seiner Familie – dann wären wir vielleicht eines Tages sehr unglücklich miteinander geworden", erklärte ihm Harriet schnell.
Bill schien über ihre Worte nachzudenken. „Du hast ja recht", gab er dann zu, „Ich weiß nicht, ob wir auf Dauer eine Chance haben, und ja wir kennen uns noch nicht besonders lange und vielleicht noch nicht mal besonders gut, aber …. Wenn ich mit Fleur zusammen bin, dann habe ich ein Gefühl, dass ich bei sonst niemanden jemals zuvor gehabt habe. Mit ihr fühle ich mich nicht nur glücklich und verliebt, nein, ich fühle mich komplett. Wie die beste Version Meiner selbst. Ich meine, wenn du mir das vor einem Jahr gesagt hättest, dann hätte ich es vielleicht selbst nicht geglaubt, aber jetzt …. Ich hatte schon viele Freundinnen und noch mehr Bewunderinnen, aber mit Fleur war es von Anfang an anders. Vielleicht weil ich das Gefühl hatte, sie erobern zu müssen und nicht einfach so haben zu können. Ich weiß es nicht, aber Ginny irrt sich, wenn sie sich denkt, Fleur hätte sich mir an den Hals geworfen. Ich musste hart arbeiten um ihr klar zu machen, dass ich der Richtige für sie bin. Und seit dem hat mir jeder Tag aufs Neue bewiesen, dass ich recht damit hatte. Ein Leben ohne sie kann und will ich mir einfach nicht vorstellen. Ja, wenn nicht Krieg herrschen würde, dann würden wir jetzt im Moment vielleicht noch nicht an Heirat denken. Aber der Punkt ist doch der: Sie ist die Richtige für mich, und das weiß ich auch, und wenn wir jeden Moment sterben könnten, dann gibt es keinen Grund, warum wir nicht jeden Moment, der uns zusammen bleibt, bis aufs Äußerste ausnützen sollten."
„Wow." Das war vermutlich die längste Rede, die Bill jemals in ihrer Gegenwart gehalten hatte. „In diesem Fall glaube ich, dass du das Richtige tust. Das einzig Richtige", gab Harriet zu, „Und ich freue mich sehr für dich. Ich werde mit Ginny sprechen, aber ich bin mir nicht sicher, was ich tun kann um deine Mom davon zu überzeugen, dass du und Fleur füreinander bestimmt seid."
Bill lächelte sie dankbar an. „Ich glaube, Mom muss Fleur einfach nur näher kennen lernen, dann wird sie schon sehen, was für ein wunderbarer Mensch sie ist", meinte er.
Harriet dachte an das, was sie bisher in diesem Haushalt beobachtet hatte, und zweifelte doch sehr daran, dass es so einfach werden würde, aber sie wünschte Bill viel Glück. Immerhin war er der einzige Weasley, der in absehbarer Zeit sein Glück in der Liebe finden würde, so wie es im Moment aussah. Vielleicht würde ja das seine Mutter umstimmen.
Ginnys Beziehung zu Dean hatte kein Zukunftspotential, Ron würde, wie es im Moment aussah, niemals mit Hermine zusammenkommen, Percy war mit seiner Arbeit verheiratet, Charlie …. nun über den wusste Harriet kaum etwas, sie nahm aber an, dass er Single war, und keine Hexe bei klarem Verstand würde sich dauerhaft auf Fred oder George einlassen wollen. Der Gedanke an Enkelkinder könnte Molly Weasley vielleicht umstimmen. Vielleicht.
„Übrigens warst du sowieso immer zu gut für Draco Malfoy", erklärte Bill dann. Harriet wünschte sich nur, sie könnte das auch selber glauben. Die Weasleys waren leider nicht die einzigen mit keiner Aussicht auf zukünftiges Liebesglück.
A/N:Im nächsten Kapitel beginnt ein kleiner Ausflug in unbekannte Gefilde jenseits des Buches.
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