So ihr lieben. Ich in so gespannt auf eure Reaktionen, dass es schon heute das nächste Kapitel gibt.
Erst einmal viel Spaß mit Bella und ihren Eindrücken von der High School.
Kapitel 2 - Der erste Schultag
Bella POV
„Es ist sieben Uhr. Einen wunderschönen Guten Morgen wünsche ich euch allen da draußen. Hier kommt erst mal ein Song zum wach werden …"
Oh nein, noch ein paar Minuten!
Mit diesen Gedanken schalte ich meinen Radiowecker aus. Wann bin ich auf die dämliche Idee gekommen, mich vom Radio wecken zu lassen? Diese übertriebene gute Laune am Morgen hält doch nun wirklich keiner aus! Verschlafen blinzle ich zu den leuchtend roten Zahlen.
7:02 Uhr
In einer Stunde muss ich, wie alle anderen Freshmen, in der Turnhalle der Forks High School sitzen und mir meinen Kursplan geben lassen. Es ist das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich pünktlich zum Beginn eines Semesters an einer neuen Schule eintreffe. Und es würde auch für alle Anderen ihr erster Tag an der High School sein.
So langsam meldet sich meine Nervosität. Also beschließe ich, erst mal eine schöne Dusche zu nehmen, bevor ich mich zu Charlie in die Küche geselle und mich dann dem Tag stelle.
Mich ausgiebig streckend und gähnend steige ich aus dem Bett und laufe ins Bad. Na klasse, denke ich beim Blick in den Spiegel und mustere das Vogelnest auf meinem Kopf, wo sich eigentlich meine Haare befinden sollten. Nun, erst mal duschen, vielleicht gibt sich das ja alles von selbst. Lange lasse ich mir das warme Wasser über meinen Körper laufen. Dabei fallen mir wieder Bruchstücke meines Traums ein. Ich habe diesen Traum seit meine Familie beschlossen hat, dass ich nach Forks ziehe, aber es ist nie greifbar, immer nur verschwommenen Bilder.
Ein Platz am Strand, nahe dem grünen Wald von Forks, den ich so gut von meinen Urlauben bei Charlie kenne. Aber diesen Platz kenne ich nicht Ich sehe einen jungen Indianer, irgendwie kommt er mir bekannt vor, aber ich weiß nicht, woher. Auch ein Mädchen sehe ich, offensichtlich auch aus La Push. Dann sehe ich ein anderes Mädchen, mit braunen Haaren, doch auch sie kenne ich nicht. Wir vier sind scheinbar alle gut miteinander befreundet, aber wer sind sie?
Eine andere Szene, der Strand von La Push, wir sind alle älter. Der Indianer ist mittlerweile ein Riese, neben dem braunhaarigen Mädchen steht ein hübscher Junge, und neben dem Quileute-Mädchen steht - DAMON? Er sieht immer noch gleich aus, so wie schon die letzten Jahre.
Die Nächste Erinnerung zeigt mich in einer großen, hellen Villa, umrahmt von Wald. Alle Leute darin sind mir unbekannt, sie sind sehr verschwommen. Aber eins sticht hervor: Ihre Augen, golden, freundlich und so vertraut. Wie die Augen von Phil.
Eine kleine, friedliche Lichtung mit tausenden Blumen im Sonnenschein. In der Mitte steht ein blasser junger Mann mit dem Rücken zu mir. Seine Haut glitzert in der Sonne, sein Haar schimmert bronze. Eine eigenartige Farbe. Während ich ihn betrachte, breitet sich eine unglaubliche Wärme, eine Ruhe in mir aus. Tief in mir merke ich, hier bin ich zu Hause, hier gehöre ich hin: An die Seite dieses wundervollen Mannes. Langsam dreht er sich um, gleich werde ich sein Gesicht sehen, noch einen Moment….
Kaltes Wasser, das auf mich herabstürzt, weckt mich aus meinen eigenartigen Erinnerungen. Was war das? Und vor allem, wer? Stopp, kaltes Wasser? Steh ich wirklich schon so lange unter der Dusche? Sofort bin ich wieder in der Realität angekommen. Schnell wasche ich mir den Schaum aus den Haaren und spüle ihn zitternd vor Kälte vom Körper, um danach gleich aus der Dusche zu stolpern und mich in ein Handtuch zu wickeln. Schnell Zähne geputzt, mich mit Deo eingesprüht, Haare durchgekämmt und zu einem einfachen Pferdeschwanz gebunden, und ab in mein Zimmer.
7:20
Oh Gott, ich habe wohl länger geduscht, als gedacht. Schnell schlüpfe ich in die ersten Sachen, die ich im Schrank finden kann – aus Mode machte ich mir noch nie was, wieso soll ich heute damit anfangen, Stunden vor dem Spiegel zu verbringen?
In einer ausgeblichenen Bluejeans, einem einfachen schwarzen Shirt und einem roten Karohemd (welches denen von Charlie zum verwechseln ähnlich sieht) renne ich die Treppe runter. Und, natürlich, da passiert es: ich kann mich gerade noch am Geländer festhalten und so verhindern, dass ich Charlie auf meinem Allerwertesten sitzend begrüße. Dieser grinst nämlich gerade aus der Küchentür raus in den Flur.
„Morgen Bells", begrüßt er mich. Gott sei Dank kein Kommentar über meinen Fast- Stunt.
„Morgen", antworte ich ihm, während ich mich an ihm vorbei in die Küche dränge. Auf der Suche nach was Essbaren durchstöbere ich die Küchenschränke, während er mich dabei beobachtet.
„Ähm, Bells, ich wusste nicht so recht, was ich kaufen sollte, darum dachte ich wir machen das heute zusammen…"
Na Klasse, war das jetzt der Versuch mir mitzuteilen, dass er kein Frühstück im Haus hatte?
„Aber im Schrank neben dem Kühlschrank sind Cornflakes, die esse ich auch immer. Etwas Milch sollte auch noch im Kühlschrank sein"
Wie hat er es überhaupt geschafft, zu überleben? Frage ich mich, während ich mir mein Frühstück vorbereite. Nicht mal Saft ist im Haus!
„OK, wir können uns gleich nach der Schule treffen und zusammen Einkaufen fahren.", ich nuschle die Worte mit vollem Mund, schlucke und stopfe gleich den nächsten Löffel hinterher. Ein Blick auf die Anzeige der Mikrowelle: 7:35. Dies sagt mir, dass ich mich beeilen muss wenn ich pünktlich kommen will.
„Bella, du brauchst nicht so hetzten, ich fahr dich gern zur Schule."
Jetzt erst sehe ich Charlie richtig an. Er trägt bereits seine Polizeiuniform, der Sheriffstern ist definitiv nicht zu übersehen. Wenn er mich zur Schule fährt, würde es bedeuten ich muss vor aller Augen aus dem Streifenwagen steigen, Charlie in voller Montur neben mir. Dann kann ich mir gleich einen Sticker „Chief's daughter" an die Stirn kleben.
„Danke Charlie, aber ich denke ich nehme lieber den Bus"
„Bella, der Bus fährt hier immer sehr früh, er ist schon vor 10 Minuten von der Ecke losgefahren. Aber wenn du dich nicht vom Chief zur Schule fahren lassen willst, verstehe ich das. Ich habe ein neues Rad für dich geholt, dachte aber bei dem Regen würdest du ungern damit fahren."
Ein Fahrrad, na toll. Wo ist das exklusive und schnelle Brudertaxi, wenn man es mal braucht? Ich kann es nicht erwarten, bis ich 16 bin und meinen Führerschein machen kann!
„Das ist lieb von dir. Aber ich denke ich nehme das Rad trotz des Regens. Dann kann ich auch gleich zum Revier kommen und du musst nicht noch mal extra los um mich abzuholen."
Charlie sieht mich noch mal kurz an, dann schein er sich geschlagen zu geben. Nachdem ich die leere Schüssel und den Löffel in die Spüle stelle gehen wir beide raus, er zeigt mir mit einem Kopfnicken das Rad und dreht sich zum Streifenwagen.
Mit einer kurzen Umarmung verabschieden wir uns und er wünscht mir noch viel Glück.
Wow, Charlie hat gut gewählt. Es ist ein schlichtes Rad, nicht zu auffällig aber auch weit entfernt von Schrott. Ja, damit kann ich mich durchaus blicken lassen.
Schnell steige ich auf und sprinte durch die grün überwucherten Abkürzungen, die ich mir während meiner Aufenthalte hier in Forks eingeprägt habe. Durch Wälder, Felder und Wiesen zu rasen erinnert mich an meine Ausflüge mit Damon, ich liebe es mir den Wind um die Nase wehen zu lassen.
7:55
Völlig außer Atem komme ich an der Forks High an. Oh nein, wo ist jetzt die Turnhalle? Panisch blicke ich umher. Neben mir hält ein Junge etwa in meinem Alter und schiebt sein Rad in den Fahrradständer. Vorsichtig mustert er mich von der Seite.
„Du bist Isabella Swan, oder?", fragt er mich, während wir beide unsere Räder anschließen. Woher weiß…?
„Forks ist recht klein, und hier kennt jeder jeden. Aber dich kenne ich nicht. Jeder weiß, dass die Tochter vom Chief in die Stadt gezogen ist und mit uns die High School beginnt. Tja. Das bist dann wohl du. Alle sind neugierig auf dich! Ich bin übrigens Eric.", beantwortet er meine Frage, bevor ich sie überhaupt aussprechen kann. Ich sehe mir den Jungen etwas genauer an, während ich ihm meine Hand reiche.
„Bella reicht." Berichtige ich aus lauter Gewohnheit. Er sieht recht durchschnittlich aus, die öligen schwarzen Haare sind zwar nun ja, nicht so toll, aber sonst wirkt er recht sympathisch.
„Weißt du wo wir lang müssen? Ich habe ehrlich gesagt keinen blassen Schimmer.", beichte ich ihm. Charlie hatte sich um meine Anmeldung gekümmert, und da wir heute eh alle offiziell unsere Pläne bekommen würden, muss ich mich nicht vorher noch mal extra melden - auch eine Premiere für mich.
Eric begleitet mich zur Turnhalle. Nachdem wir dort angekommen sind, schlüpfe ich gleich auf einen der hintersten Plätze während er mir zuwinkt und zu seinen Freunden geht. Und sofort drehen sich alle Augen zu mir um. Na Klasse, alle Freshmen und Lehrer der Forks High schauen zu mir. Genau das was ich wollte – Aufmerksamkeit. Ich merke wie ich rot anlaufe und schaue nervös auf meinen Schoß.
(A/N: freshmen sind die Schüler der 9. Klasse der High school, also die Neulinge)
Gott sei dank erlöst mich Mr. Greene, der Direktor, von meinem Dilemma. Er fängt seine Rede an, ehrlich gesagt bekomme ich nicht mal die Hälfte mit. Er faselt irgendwas über irgendwelche Schritte Richtung Erwachsensein, lernen Verantwortung zu tragen und solches Zeugs. Meine Gedanken driften ab zu Mom, Dad und Damon. Was sie wohl grade machen? Geht Damon jetzt auch wieder zur Schule oder nicht? Gerade noch rechtzeitig bekomme ich mit, wie Mr. Greene seine Rede beendet und uns die Lehrer vorstellt.
„Viele von euch kennen unsere Lehrer ja schon, aber für die Neuen hier in Forks", und dabei sieht er mich an „und alle, die keine älteren Geschwister haben, möchte ich euch kurz eure Lehrer vorstellen. Danach könnt ihr euch am Tisch neben mir bei unserer Sekretärin Mrs. Cope eure Unterlagen abholen. Dabei sind ein Gelände- und Raumplan, euer individueller Stundenplan und eine Liste mit den benötigten Büchern. Eure Lehrer werden euch in den jeweiligen Kursen noch weitere Informationen geben."
Er stellt uns noch kurz die Lehrer vor. Es bleiben nur wenige Namen hängen, unter anderem Mr. Mason, Mr. Jefferson, Mr. Varner, Mr. Banner und Mrs. Geoff. Doch ich weiß jetzt schon nicht mehr, wer welches Fach unterrichtet, ich hoffe es steht noch mal auf den Plänen drauf. Und hoffentlich merke ich mir die Gesichter zu den Namen!
Dann holen sich alle ihre Unterlagen, und auch ich stehe langsam auf um mir meinen Stapel zu holen. Und egal, wohin ich schaue, neugierige Blicke. So langsam kommt das altbekannte Gefühl der Panik auf, dass ich jedes Mal an einer neuen Schule hatte. Wie bin ich überhaupt auf die Idee gekommen, es könnte diesmal anders sein? Dass ich nicht sofort die Neue wäre?
Doch noch während ich mich in die Panik reinsteigere, legt sich vorsichtig eine Hand auf meine Schulter. Diese Geste ist so beruhigend, dass ich sofort relaxe und erstaunt hochsehe. Die Hand gehört zu einem groß gewachsenen Mädchen, das mich schüchtern, aber auch sehr freundlich anlächelt. Die braunen Augen, welche meinem Blick hinter einer schlichten Brille begegnen, sind heller als meine und kommen mir irgendwie bekannt vor. Noch bevor sie was sagt, bin ich völlig eingenommen von der liebenswerten Art dieses Mädchens.
„Hey, lass dich nicht verrückt machen, du bist halt die neue Attraktion in Forks. Am besten du ignorierst sie, dann legt sich die Aufregung bestimmt schnell von selbst."
Dankend strahle ich sie an „Danke, das ist lieb von dir, ähm?" „Oh, entschuldige, ich bin Angela. Wie dumm von mir mich nicht vorzustellen."
Plötzlich, wie eine Art Flashback, sehe ich sie vor mir, auf diesem unbekannten Platz zwischen Wald und Strand. Und sofort weiß ich, sie ist eines der Mädchen aus meinem Traum.
Schweigend stehen wir nebeneinander in der Schlange vor der Sekretärin. Es ist nichts Unangenehmes an diesem gemeinsamen Schweigen, ich bin sogar froh nicht sofort ausgequetscht zu werden. Schließlich haben wir beide unsere Pläne. Enttäuscht stelle ich fest, dass wir nun in verschiedene Kurse müssen. Also verabschieden wir uns, aber erst nachdem sie mir versicherte, dass ich, wenn ich denn möchte, gern bei ihrer Clique zum Mittag sitzen kann.
Langsam schleppt sich der Vormittag dahin. Die Kurse und die Gesichter meiner Mitschüler rauschen an mir vorbei. Was die Lehrer uns sagen, versuche ich so gut wie möglich zu behalten, werde aber immer wieder durch die nervenden, beobachtenden Blicke und die getuschelten Fragen meiner neuen Mitschüler gestört.
Erst im vierten Kurs, Spanisch bei Mrs. Geoff, atme ich etwas auf. Angela sitzt schon im Raum und lächelt mich vorsichtig an. Sofort setze ich mich zu ihr und genieße die erste wirklich ruhige Unterrichtsstunde an diesem Tag. Mit ihr neben mir lassen sich die Blicke wirklich besser ertragen, und irgendwie schafft sie es, die anderen von nervigen Fragen abzuhalten.
„Bella, meine Freunde sind oft etwas, nun ja, überdreht. Aber sie sind im Grunde wirklich ok und freuen sich auf dich – vielleicht bis auf eine Ausnahme.", erzählt mir Angela, während wir nach Spanisch zur Cafeteria laufen. Neugierig bemerke ich, wie sie bei der letzten Anmerkung leiser wird und leicht ihren Mund verzieht. „Aber wenn du erstmal allein sein willst, kann ich das verstehen. Also wie du willst, lass dich hier bloß von niemandem zu irgendwas drängen!"
Ich gehe in Gedanken versunken neben ihr her, denke über das nach, was sie mir gesagt hat. War es nicht so, dass Mom und Dad mir wünschten endlich Freunde zu finden? Angela mochte ich auf jeden Fall jetzt schon, obwohl wir uns bisher kaum konnten. Ja, ich denke, ein Versuch kann nicht schaden. Früher oder später muss ich mich sowieso den Kids hier stellen, wieso also nicht in Angelas beruhigender Begleitung? Also sage ich ihr zu und gemeinsam gehen wir, mittlerweile jeder mit einem Tablett voller Essen bewaffnet, auf einen Tisch zu. An diesem sitzen bereits drei Jungen und zwei Mädchen.
Positiv überrascht stelle ich fest, dass Eric einer der Jungen ist. Während ich innerlich bete keine Bruchlandung in Mitten der Cafeteria mit einem Tablett in der Hand hinzulegen, wandere ich zum Tisch und begutachte die anderen Teenager. Einer der Jungen ist strohblond und hat ein absolut nichts sagendes Milchbubi- Gesicht, aus dem mich extrem hellblaue Augen angrinsen. Neben ihm sitzt der dritte Junge. Er ist etwas größer, mit einem recht attraktiven Gesicht das irgendwo in seiner Familie Afroamerikaner vermuten ließ, und lustig blitzenden Augen. Wieso scheinen hier alle über irgendwas amüsiert zu sein?
Während Angela sich zwischen Eric und eines der Mädchen setzt, stelle ich mein Tablett an der Stirnseite ab und grinse schüchtern Angelas fünf Freunde an.
„Bella, das sind Mike, Tyler und Lauren. Und das ist Jessica. Eric kennst du ja schon.", stellt mir Angela der Reihe nach vor, während ihre Hand erst auf den blonden Jungen und auf dessen Nachbarn, gefolgt von einem der Mädchen zeigt, dann auf das Mädchen neben ihr und Eric. „Leute, das ist Bella Swan."
„Hi", ist mal wider alles, was ich raus bekomme. Nun prasseln die Fragen und Geschichten nur so auf mich ein, ich habe wirklich Probleme, ihnen zu folgen. Dabei bemerke ich, dass Lauren mich nicht wie alle anderen anlächelt, sondern sogar etwas feindseliges im Blick hat. Grübelnd betrachte ich ihre langen hellblonden Haare und das perfekt geschminkte Gesicht, wodurch sie älter als 14 oder 15 aussieht. Nur um wieder an ihren grünen Augen hängen zu bleiben, die mich scheinbar erdolchen wollen.
Gott sei Dank erlöst mich in diesem Moment das andere Mädchen - wie war noch mal ihr Name? Jessica, stimmt.
„Bella, wieso bist du eigentlich hier bei Chief Swan in Forks, alle dachten du wärst ach so glücklich bei deiner perfekten Mutter?"
Stirnrunzelnd sehe ich sie an. Das ist nicht das erste Mal dass ich an diesem Tag eine nicht ganz so freundliche Bemerkung über meine Mutter höre, allerdings war s sonst nur leises Tuscheln. Während ich über den Sinn ihrer Frage nachdenke, betrachte ich Jessica genauer. Sie ist kleiner als ich, steckt sich gerade eine Strähne ihre lockigen brauen Haare mit ihren perfekt manikürten Fingern hinter die Ohren und sieht mich erwartungsvoll an. Auf einmal ist es still am Tisch.
„Also, ich weiß nicht, was ihr alle über meine Mutter gehört habt, aber es war meine Entscheidung zu Charlie zu ziehen und ja ich war glücklich bei Mom, bin aber genauso glücklich bei ihm. Und wieso sollte ich nicht, immerhin ist er mein Vater?" Nun, das ist nicht ganz die Wahrheit, ich vermisse meine Mom, Dad und vor allem Damon schmerzlich. Aber das muss hier keiner wissen.
„Bella, entschuldige, ich hätte das nicht sage sollen.", sagt Jessica, sie scheint irgendwie beschämt zu sein. Was ist hier los?
Nun meldet sich zum ersten Mal Lauren zu Wort. Ihre Stimme hat einen gehässigen, nasalen Klang, bei dem ich innerlich zusammen zucke.
„Nun Bella, alle hier in Forks wissen, dass deine Mutter Charlie betrogen hat und dann mit dem Kerl durchgebrannt ist. Und als ob das dem Chief nicht genug verletzt hätte, hat sie dich auch noch mitgenommen und sowenig wie möglich Kontakt erlaubt. Wenn es ihm nicht rechtlich zugestanden hätte, würde sie sogar das verbieten."
Ich bin entsetzt. „Was…? Wie… wie kommst du den darauf?" ist alles was ich heraus bekomme. Wieso denken diese Leute so von Mom? Es ist eine Lüge, sie hatte Phil erst viel später kennen gelernt. Und es war immer Mom, die mich regelmäßig zu Charlie schickte, nicht nur in den Ferien, auch manchmal einfach nur für ein Wochenende. Ich wusste, beide telefonierten oft und sprachen über mich. Sie waren, obwohl sie getrennt waren, die perfekten Eltern.
Nun mischt sich auch Mike, recht verlegen blickend, ein. „Charlie meinte, als er letztens im Laden von meinen Eltern war, dass es die Idee von deiner Mom war, dich hierher zu schicken. Er war natürlich total froh darüber, aber die Leute tratschen viel und denken sich wilde Geschichten aus, wieso deine Mom dich auf einmal nicht mehr will. Aber nicht jeder glaubt die Story von Mrs. Mallory.", dabei sieht er Lauren vorwurfsvoll an „Um genau zu sein nur sehr wenige. Viel wissen, dass Laurens Mutter schon seit Ewigkeiten in den Chief verknallt ist. Und deine Mutter hat noch Freunde hier in Forks, auch wenn sie schon solange weg ist."
„Ja, meine Mom erzählte mir, wie unglücklich Renée hier war und wie schwer es ihr viel, Chief Swan mit dir zu verlassen. Alle wissen, dass er deine Mom noch immer liebt. Und auch wenn einige es anders darstellen, halb Forks ist froh, dass du jetzt hier bist und den Chief aus seinem Trübsal holst." Aufmunternd sieht mich Angela an.
Ich bin immer noch geschockt und weiß nicht genau, was ich sagen soll. War meine Familie wirklich das Thema hier? Ich muss unbedingt mit Charlie und Mom reden, ich will wissen, was damals war und wie viel an dem Gerede über ihre Trennung dran ist. Schweigend sitzen wir am Tisch, irgendwie ist die Stimmung total gekippt. Aus meinen Augenwinkel sehe ich, wie Lauren zufrieden grinst. Ich mag diese Schnepfe jetzt bereits nicht, und sie mich nicht, soviel ist klar.
Als es klingelt, stehen alle auf und Tyler begleitet mich zur nächsten Stunde, was uns wieder böse Blicke von Lauren einbringt. Was ist nur los mit dieser Person? Tyler sagt kaum was, lächelt mich aber aufmunternd an.
„Hey, ich hoffe du bist nicht sauer oder so? Wir hätten nicht am ersten Tag so mit der Tür ins Haus fallen sollen. Bitte entschuldige Lauren und Jess, sie sind eigentlich ganz ok!" murmelt er, als wir uns gemeinsam an einen Tisch setzten und auf unseren Mathe Lehrer Mr. Varner warten.
„Ist schon ok, so weiß ich wenigstens, wieso mich alle so anstarren." Antworte ich ihm und versuche zu lächeln.
Nach dieser Stunde muss ich noch Sport hinter mich bringen- meine persönliche Hölle. Ich schaffe es doch tatsächlich, mich mehrmals vor der versammelten Mannschaft zum Clown zu machen. Erst als ich beim Rennen in den Aufwärmrunden über meine Füße stolpere und anschließend beim Volleyball Mike den Ball an den Kopf feuere. Jessica, die sich im Laufe der Stunde mehrfach bei mir entschuldigt hat, grinst mich im Umkleideraum freundlich, aber amüsiert an. „Sport ist nicht so dein Fall, oder?" „Nein, nicht wirklich, am Besten du hältst dich immer so weit wie es geht von mir fern, ich habe die Angewohnheit mich und alle um mich herum zu verletzten.", seufze ich. „Hey, jeder hat ne schwache Stelle, ich werde es schon überleben." Lacht sie auf. Doch gleich danach sieht sie mich skeptisch an.
"Meinst du, wir können Freunde werden, du bist echt OK, sorry dass ich so gemein war." „Ja, ich denke schon", ist alles, was ich sage. Ich mag sie nicht so sehr wie Angela, aber sie scheint ihren Fehler zu bereuen, und jeder hat doch eine zweite Chance verdient, oder?
Während ich zu den Fahrrädern laufe, spielen meine Gedanken verrückt. Was für ein schräger Vormittag. Ich habe neue Leute kennen gelernt, und ich denke, einige davon könnten wirklich Freunde für mich werden. Andere allerdings nie. Auf der High School werden wohl so einige Sachen anders laufen als ich es gewohnt war, aber das beschäftigt mich nur am Rande. Vielmehr bleiben meine Gedanken immer wieder bei den Geschichten über Charlie und Mom hängen.
Ich habe wohl noch ein langes Gespräch vor mir, denke ich während ich auf mein Rad steige.
Nun, da haben wir doch schon einiges gelernt, oder? So, wer äußert Vermutungen über den Traum? Wer das wohl alles ist?
Wie meine liebe Beta Ally so schön anmerkte, haben wir es hier wohl mit einer kleinen Alice zu tun;)
Ende der Woche geht es weiter mit dem Gespräch...
