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2. Chapter

Seine Beine trugen ihn kaum. Sein Körper schmerzte kaum noch doch war er so geschwächt das er kaum aufrecht stehen konnte.

Geschweige denn seinen Koffer aus dem Haus tragen. Aber er tat es dennoch weil man es ihm befohlen hatte. Er hatte sich lange auf den Moment vorbereitet in dem er Ron und seiner Familie gegenübertreten würde und er hatte sich so weit unter Kontrolle das er hoffte sie würde ihm nicht anmerken was er in den vier vergangenen Wochen bis zu seinem 15. Geburtstag durchgemacht hatte.

Jeden Tag waren Chris und Lucas eine Stunde zu ihm gekommen und hatten ihm beigebracht was es hieß vollkommen gehorsam zu sein. Und er hatte gelernt. Er hatte es alles gelernt und jetzt war es vorbei. Jetzt war er frei bis er in den nächsten Sommerferien wieder nach Hause kam. Jetzt musste er seinen Freunden unter die Augen treten und beten das sie nichts merkten denn es war ihm verboten worden darüber zu sprechen.

Er sah den blauen Ford Anglia vor dem Haus halten gefahren von Arthur Weasly. Harry zwang sich zu lächeln und winkte. „Hallo Mr. Weasly" rief er und spürte wie in ihm ein weiterer kleiner Teil seiner Seele zerbrach er wollte seine Freunde nicht anlügen. „Hallo Harry! Mensch schön dich wieder zu sehen komm steig ein wir fahren gleich los." Sagte Arthur Weasly fröhlich und packte Harrys Koffer in den Kofferraum.

„Wo ist denn Hedwig?" fragte er und Harry bildete sich ein Klos im Hals. Es war vor zwei Wochen gewesen. Er war ungehorsam gewesen und hatte tagelang nichts zu essen gekriegt und als man ihm etwas zu essen geben wollte hatte er wieder einen Fehler gemacht, da hatte man seine geliebte Hedwig geschlachtet und er hatte sie essen müssen sonst wäre er vermutlich verhungert. „Sie ist schon in Hogwarts bei den anderen Posteulen sie fühlt sich dort wohler als in meinem Zimmer weil ich sie ja nicht aus dem Käfig lassen darf." Log Harry und klang dabei ganz ruhig und freundlich wie sonst auch.

Er verkniff es sich zu würgen weil ihm schlagartig schlecht geworden war. Es war grausam gewesen als er seine geliebte Hedwig essen musste, seit dem waren ihm auch viel weniger Fehler unterlaufen.

Er wollte nicht mehr ungehorsam sein.

Er wollte nicht gefoltert werden.

„Achso gut...na los steig schon ein." Sagte Arthur und schob Harry in den Wagen. Dieser setzte sich und schnallte sich an. „Ist Hermine schon da?" fragte Harry um so normal wie möglich zu wirken. „Ja sie ist gestern Abend angekommen." Mr. Weasly startete den Wagen. Sie fuhren aufs Feld und von dort aus flogen sie dann mit dem Wagen. „Ahm...Mr. Weasly seit wann haben sie denn eigentlich das Auto wieder?" wunderte sich Harry.

Der blaue Ford war doch schließlich im zweiten Schuljahr im verbotenen Wald verschwunden. „Nun vor einer Woche stand es plötzlich vor meiner Tür und hat mich wach gehupt... Ich schätze es hatte Heimweh." Harry lachte und wünschte sich gleichzeitig aus dem fliegenden Auto auszusteigen und sich einfach in den Tod fallen zu lassen. Arthur Weasly schien von seiner Veränderung nichts zu bemerken.

Gut. Wenn er es nun auch noch schaffte Ron und Hermine etwas vorzuspielen war alles gut. „Ach Harry wir gehen Morgen in die Winkelgasse und kaufen die neuen Sachen fürs nächste Schuljahr alles klar?" „Ja..." sagte Harry und fügte in Gedanken ein Meister... an. Der Wagen landete und sie stiegen aus. Harry blickte das Windschiefe Haus vor sich an. Der Fuchsbau. Eigentlich ein Ort auf den er sich immer gefreut hatte, aber nun wusste er nicht ob er sich je wieder auf etwas freuen würde.

-

Es wurde schon hell draußen und Harry lag seit vier Wochen das erste Mal wieder auf einem weichen Bett. Aber wie sehr er auch versuchte zu schlafen es ging nicht. Immer wieder wurde er von Albträumen geweckt und war umso glücklicher das er ein Einzelzimmer hatte und ihn so hoffentlich keiner hörte. Andererseits waren Albträume bei ihm nichts seltenes deshalb würde er wohl trotzdem eine Ausrede parat haben.

Er blickte aus dem Fenster. Er hatte gestern Ginny getroffen. Sie hatte ihn mit auf ihr Zimmer genommen und ihm ihre Liebe gestanden. In dem Moment war Harry bewusst geworden was es heißen würde mit ihr zusammen zu sein. Er würde sie küssen und ihm lief ein eisiger Schauer über den Rücken und er würde Sex mit ihr haben, ihm wurde schlecht und er stürmte aus dem Zimmer.

Er hatte sie doch geliebt oder irrte er sich. Sie würde ihm nicht weh tun und trotzdem ekelte ihn der Gedanke an. Allein der Gedanke ihre Lippen auf den seinen zu spüren machte ihn Krank. Stumme Tränen rannen über seine Wangen während er aus dem Fenster sah. Es hatte also nur vier Wochen gebraucht um dem berühmten Harry Potter alles zu nehmen. Die Fähigkeit zu Lachen, die Fähigkeit zu Lieben, die Aufrichtigkeit und jegliches Selbstwertgefühl. Aber wenn man genau darüber nachdachte, was war er eigentlich. Ein Werkzeug im Krieg gegen Voldemort.

Ein Werkzeug das ohne Dumbledores leitende Hand nichts vollbracht hätte. Was war er noch? Er war ein guter Freund gewesen. Aber war er das noch? Er belog sie um sich selbst zu schützen, machte man das als Freund? War er noch irgendetwas? Er war nichts. So viel er auch nachdachte er war nichts. Ohne Dumbledore wäre er kein Werkzeug und seinen Freunden war er kein Freund mehr. Also was war er?

Eine geschlagene Seele die allein im dunklen herumgeisterte in der Hoffnung zurück ins Licht gezogen zu werden. Die Sonne die in Harrys Gesicht schien war warm, aber er fror. Die eisige Kälte die seinen Körper vor vier Wochen erfasst hatte als er zu den Dursleys zurückgekehrt war, war seit dem nicht mehr von ihm gewichen. Sie war eine ständige Begleiterin geworden, genau wie der Ekel den er gegen sich selbst empfand.

Wenn er sich im Spiegel sah, sah er einen Jungen der lachte und der aufmüpfig war und eigensinnig. Aber wenn er in die Augen seines Spiegelbildes blickte wurde der Rest des Bildes Lügen gestraft. Seine Augen waren leer wie die eines Toten, sie strahlten keine Freude aus. Sie strahlten noch nicht einmal Trauer aus. Harry beendete die sinnlose Grübelei mit einem seufzen und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Dann setzte er sich auf.

Er würde sich anziehen und zum Frühstück gehen und sobald er das Zimmer verlassen hatte war er wieder Harry Potter der unschlagbare Held der Zaubererwelt. Der Junge zog sich an und betrachtete sich im Spiegel, der ihm zeigte was er zuvor vermutet hatte. Einen glücklichen Jungen mit den Augen eines Toten. Er zog sich an ehe ein weiteres Seufzen von seinen Lippen perlte, gleich würde er sich Ginny stellen müssen.

Er würde ihr sagen das er sie nicht liebte und das es ihm leid täte. Nicht, dass es ihm tatsächlich leid tat aber so würde er vielleicht ihre Gefühle weniger verletzen.

Er ging langsam die Treppe runter und betrat die Küche in der bereits buntes Treiben herrschte. „Oh guten Morgen Harry-Schatz hast du ausgeschlafen? Schnapp dir ein Brötchen wir wollen gleich los es gibt einen Ausverkauf von Umhängen und Ron braucht einen neuen der Alte ist ihm wohl nun endgültig zu klein." Plapperte Molly Weasly fröhlich drauf los und schloss Harry in eine Umarmung gegen die sich der ganze Körper des Jungen strebte, doch er ließ sie nichts merken.

„Guten Morgen Mrs. Weasly." Sagte er freundlich und nahm sich ein Brötchen wie sie es gesagt hatte. „Wir reisen mit Flohpulver Harry verquatsch dich nicht wieder." Lachte Ron und wartete auf seinen Freund. „Ich versuchs." Hermine kam zu den beiden Junge herüber. „Wirklich Harry wir wollen dich nicht wieder in der Nocturngasse aufgabeln." Sagte sie und Ron ergänzte:„Nachher läufst du noch Malfoy in die Arme und der bringt dich dann in einer Seitengasse um oder so." Harry lachte. „Als ob ich mich gegen den nicht wehren könnte." „Ruhig jetzt Kinder Harry du zuerst hier nimm dein Flohpulver." Harry sah zu Mrs. Weasly die gesprochen hatte und nahm sich eine Hand voll des grünen Pulvers.

Er stellte sich in den Kamin und warf das Pulver auf den Boden. Durch seine hektische Bewegung löste sich Ruß vom Kamin und während Harry „Winkelgasse" sagte musste er niesen. Er wurde mit einiger Kraft nach oben gezogen und es fühlte sich an als würde sein Körper durch einen viel zu dünnen Schlauch gezogen. Er war gespannt wo er ankommen würde.

Er landete in einem Kamin eines Ladens und Harry wusste sofort wo er war. Er war tatsächlich in der Nocturngasse gelandet. Das nannte man wohl Ironie des Schicksals. Das es mit ihm sowieso nicht gut meinte dachte Harry und schlich sich aus dem Laden mit den vielen gruseligen Figuren.