Die Rumtreiber
Max saß allein in der Bibliothek, es war schon spät und die Sperrstunde würde sicher bald eintreffen, weshalb die meisten Schüler sich schon in die Gemeinschaftsräume verzogen hatten. Er musste sich mit seinem Verwandlungsaufsatz beeilen, wenn er nicht wollte, dass Madame Pince ihn gleich hinaus warf. Außer ihr war niemand mehr dort.
Nach zwei letzten Sätzen begann er endlich seine Sachen in die Tasche zu packen und eilte zur Tür, wobei er sich einen strengen missbilligenden Blick von der Bibliothekarin einhandelte.
Durch die Fenster konnte Max sehen, wie dunkel es bereits draußen war. Außerdem schneite es, bald war Weihnachten und er konnte zu seiner Familie nach Hause fahren. Auch wenn Hogwarts ihm schon ein zweites zu Hause geworden war, musste er zugeben, dass er seine Eltern vermisste.
Nichtsahnend wanderte er die Gänge entlang, der Gryffindorgemeinschaftsraum, wo er hin wollte, lag im siebten Stock.
„Fred, hast du die Karte?", hörte Max eine ihm bekannte Stimme flüstern. Er überlegte wer es wohl war. Vermutlich ein Gryffindor, aber keiner aus seinem Jahrgang. Der einzige Fred den er kannte, war Fred Weasley. Er war ein Fünftklässler, vermutlich gehörte dann die andere Stimme James Potter, seinem Cousin.
„Natürlich, hab ich sie. Hier!", flüsterte es zurück und kurz darauf ertönte das Rascheln von Pergament.
„Verdammt, da kommt jemand!", flüsterte James Stimme nun etwas lauter. „Da hinten! In die Nische!", riet eine dritte Stimme, die ganz klar von Marius Proudfoot, dem Stadionsprecher für die Quidditchspiele, kam.
Max hörte Fußgetrappel, doch dann war alles still. Er ging weiter, die drei Jungen konnten nicht weit entfernt sein.
„Mensch James, kauf dir eine Brille! Es ist nur Max", kam Marius' Stimme plötzlich laut hinter einem Vorhang hervor. Ein dumpfer Schlag, der sich wie eine Kopfnuss anhörte, folgte dieser. Danach kletterten alle drei aus der Nische und gaben ihren Antlitz preis.
Wie Max vermutet hatte, standen James, Marius und Fred vor ihm. Die drei Jungen kannte er bereits seit seinem ersten Tag hier. Max fand sie ziemlich cool, denn ihr Leben bestand darin anderen Streiche zu spielen, besonders den Slytherins. Außerdem hatten sie immer irgendwelche außergewöhnlichen Mittel, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.
„Erstklässler sollten um diese Zeit schon im Bett sein", meinte Fred. „Finde ich auch", sagte James und die beiden grinsten ihn an.
„Was ist das für ein Pergament?", fragte Max sofort neugierig und deutete auf die Karte die Marius in der Hand hielt.
„Glaubt ihr wir können es ihm sagen?", fragte James und tat auf geheimnisvoll. Fred zuckte die Schultern. „Warum nicht?", meinte Marius.
James nahm die Karte aus dessen Hand und hielt sie Max vor die Nase. „Das hier ist die Karte des Rumtreibers", meinte James. „Die Karte des was?", fragte Max verwirrt.
„Des Rumtreibers natürlich", wiederholte Fred für ihn, als müsse er ihm erklären, wie man atmet. „Schon klar", meinte Max und verschränkte die Arme, „aber was ist ein Rumtreiber?"
„Ein Rumtreiber ist..." Marius versuchte eine passende Erklärung zu finden.
„So etwas ähnliches wie wir", schloss Fred nach einer Weile.
„Genau genommen", warf James ein, „waren es mein Großvater und seine drei besten Freunde. Wovon nur zwei wirklich seine Freunde waren. Der dritte hat ihn an Voldemort verraten und wir versuchen jetzt schon seit Jahren seinen Namen von der Karte zu bekommen, aber die Magie ist einfach zu stark..."
„Und was ist an der Karte so toll?", fragte Max weiter.
„Na darauf kannst du jeden sehen, wo er ist, was er grade macht. Sieh es dir mal an!"
James hielt ihm die Karte dichter vor das Gesicht. „Ich kann es erkennen, danke", meinte Max. „Siehst du...da sind wir!" Er deutete auf vier kleine Punkte, die dicht nebeneinander standen. Neben den Punkten standen ihre Namen.
James Potter, Fred Weasley, Marius Proudfoot und Max... doch dort stand nicht Fry. Auf der Karte neben seinem Punkt stand in geschwungenen Lettern „Max Black".
„Ich heiße aber nicht Max Black", entfuhr es ihm. James sah genau auf die Karte. „Bist du sicher?", fragte, er und musterte ihn interessiert. „Ganz sicher", antwortete Max.
„Aber die Karte lügt niemals", sagte James, „frag doch nochmal deine Eltern."
„Ich werde ja wohl selber wissen, wie ich heiße", sagte Max nun aufgebracht.
Marius zuckte die Schultern. „Die Karte sagt, du heißt Max Black, also heißt du Max Black."
„Die drei waren eindeutig verrückt geworden", dachte Max. Warum glaubten sie so fest an eine dumme Karte? „Wie hießen denn die Rumtreiber?", fragte Max misstrauisch weiter.
„Also einmal James Potter, Sirius Black, nach den beiden bin ich übrigens benannt, dann Remus Lupin und Peter Pettigrew, aber der ist nicht wichtig", erklärte James.
„Sirius Black", dachte Max, der hieß ja genauso wie...nein er hieß nicht Black, er hieß Max Fry. Er fing also auch schon an der Karte zu glauben.
„Waren die alle in Gryffindor?", fragte Max weiter. James nickte.
Er erinnerte sich daran, was der Sprechende Hut ihm bei seiner Auswahl gesagt hatte. Sein Großvater war der einzige aus seiner Familie gewesen, den er nach Gryffindor geschickt hatte. War es möglich, dass...? Nein, James, Marius und Fred versuchten bestimmt gerade auch ihn in die Pfanne zu hauen.
„Ich glaube nicht an eure Karte", meinte er zu ihnen. Die drei sahen ihn an, als käme er vom Pluto. „Aber nette Idee. Ich geh dann mal nach oben ins Bett. Viel Spaß noch ihr drei!", wünschte er ihnen und ließ sie dann ohne ein weiteres Wort stehen.
Doch egal wie desinteressiert Max eben getan hatte, die Karte ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Auch nicht James' ungläubiger Blick, als Max ihm erklärt hatte, dass er nicht „Black" hieß.
Max wusste nicht, was er denken sollte. Die drei waren dafür bekannt anderen Streiche zu spielen, aber warum sollten sie sich so etwas ausdenken.
Weiter darüber grübelnd stieg er die Treppen hinauf in den siebten Stock.
