Unkreativität en masse...
Da war er wieder. Zurück in der Bibliothek. Wie zu erwarten, hatte ihn kein Geistesblitz getroffen. Wohl gemerkt seit Wochen hatte er im Endeffekt nur dagesessen und sie angeschaut. Das konnte ja heiter werden!
Trotzdem war Viktor wieder hier. Vielleicht kam ihm ja hier ein guter Gedanke, wie er es schaffen könnte, Hermine zu fragen.
Ohne, dass er aufdringlich wirkte. Ohne, dass er vor Scham im Boden versank. Ohne, dass er sich zum Gespött der Schule machte.
Viktor setzte sich an einen Tisch in der Nähe des Quidditch-Regals und blickte sich um. Am Eingang tummelten sich einige seiner anhänglicheren Fans. Auch wenn er sich geschmeichelt fühlte, dass seine Leistung anerkannt wurde, so fühlte er sich doch etwas genervt von dieser aufdringlichen Sorte Mädchen.
Als nächstes fiel ihm die Bibliothekarin ins Auge. Er wusste nicht einmal, wie sie hieß, aber ihr Aussehen behagte ihm ganz und gar nicht. Sie wirkte sehr streng und äußerst Bedacht daruf, jedem auf die Finger zu klopfen, der es wagen würde, die Bücher nicht genau nach Bedienungsanleitung zu behandeln.
Schlussendlich fanden seine Augen auch Hermine. Sie saß, wie üblich hinter einem Stapel Bücher. Ihre Haare waren buschig und standen in alle Richtungen ab, weil sie sich ständig die Haare raufte, bei der Arbeit, die sie erledigte.
Die Ausgangslage könnte also wesentlich schlimmer sein, doch was fehlte, war eine gute Idee. Er schaute sich um, merkte aber jedes Mal, wenn sein Blick Hermine streifte, wie seine Konzentration und seine Kreativität langsam aber sicher einer träumerischen Zerstreutheit wichen.
So konnte es nicht weiter gehen! Er schloss die Augen, um sich nicht weiter von ihr ablenken zu lassen, um auf einen klaren Gedanken zu kommen, wie er sie ansprechen könnte. Er würde einfach...
Als er wieder erwachte, war es vor den großen Fenstern der Bibliothek schon dunkel. Er schaute auf seine Uhr und stellte bestürzt fest, dass er ungewollt über drei Stunden geschlafen hatte. Es war schon nach acht Uhr abends. Zu dieser Zeit hatte die Bibliothek in Durmstrang schon längst geschlossen. Hoffentlich war das in Hogwarts anders. Er hatte keine große Lust, die Nacht in einer Bibliothek zu verbringen oder sich rechtfertigen zu müssen, warum er Türen in seiner Gastschule aufbrach.
Er warf einen Blick durch den Raum und stellte erleichtert fest, dass er nicht der Einzige war, der noch „arbeitete". Ein paar Schüler saßen noch tief über Bücher, Hausaufgaben und Aufsätze gebeugt, unter ihnen auch Hermine.
Und da war er: Der Einfall. Ein möglicher Gesprächseinstieg. „Kannst Du mir sagen, wie lange die Bibliothek noch geöffnet ist?" Er könnte sogar sein versehentliches Einschlafen erwähnen. Auch war die Bibliothek jetzt viel leerer. Aber...
Da war es wieder. Warum sollte er sie fragen, wo doch die offizielle Ansprechpatnerin an einem Informationstresen saß und ein Namensschild mit dem Schriftzug „Irma Pince" trug? Irgendetwas machte er ganz gehörig falsch, dachte Viktor, als er aus der Bibliothek schlich. Morgen würde er wieder kommen. Mit einem Plan. Einem richtig guten Plan!
