Liebes Tagebuch!
Der heutige Tag lief in etwas so ab:
„Evans – äh - Lily, warte!"
Bei diesen Worten hab ich immer Fersengeld gegeben und irgendwo untergetaucht. Maureen hat mich immer perfekt gedeckt.
Ich weiß, dass ich mich kindisch benehme – aber ich kann nichts machen. Wenn ich ihn im Unterricht ansehe, bekomme ich sogar im sitzen weiche Knie.
Ich hab in der Geschichte für Zauberei meine Situation überdacht. Wie es weitergehen soll und so.
Erst war ich dem Gedanken mich vernünftig mit Potter zu besprechen nicht so abgeneigt, aber dann habe ich auf dem Klo etwas gehört, was mich umgestimmt hat. Und wie.
Du wirst es nicht fassen, aber da waren drei so Tussis aus der Fünften. Die haben darüber geredet, dass sie sich an diesem Abend mit Potter und Black in Hogsmeade treffen würden.
Aha. So ernst war es Potter mit mir also!
Ich war eben so wie alle anderen nur eine schnelle Affäre gewesen.
Wütend stürmte ich aus dem Klo, während meine Augen zu schwimmen begannen – was mich nur noch wütender machte.
Ich hasste es, wenn andere Leute irgendwie Einfluss auf mich haben.
Durch meinen Tränenschleier erkannte ich nur schemenhaft, dass mir plötzlich jemand in den Weg trat.
„Geh aus dem Weg, mann!"
„Sorry Lils, diesen Gefallen werde ich dir nicht tun. Ich möchte nämlich gerne etwas mit dir besprechen!"
Sonst freute ich mich immer, wenn ich Remus angenehm ruhige Stimme hörte, aber jetzt kam er sehr ungelegen. Er würde sicher seinem Freund Potter erzählen, dass ich mir heimlich auf dem Mädchenklo die Augen wegen ihm ausweinte.
Nein, danke. Auf solche Publicity konnte ich gut verzichten.
„Was willst du? Ich habe es eilig!" Wenn Blicke töten könnten, aber Remus ließ sich von meinem Killerblick nicht beirren.
„Ich würde gerne mit dir über James reden."
„Ach – jetzt hat er es dir auch schon erzählt. Ich hab ja gewusst, dass das schnell die Runde machen wird.
„Hör schon auf, Lily! Er hat es mir und Sirius erzählt. Noch nicht mal Peter, weil der doch keine Geheimnisse für sich behalten kann (...)."
Ärgerlich sah Remus mich an.
Da platze mir der Kragen, schließlich war es doch wohl ich, die wütend sein durfte!
„Also jetzt hör mir mal gut zu! Du kannst deinem kleinen Freund mal erzählen, dass er mich am Arsch lecken kann! Ich weiß, ich habe den größten Fehler meines Lebens begangen, als ich diesen Vollidiot an meine Wäsche ließ – aber du kannst es mir glauben, das wird sicher nicht noch einmal passieren. Es war ein One-night-stand, eine kleine Affäre oder wie er es eben nennen will. Ich habe es nicht nötig, mich von so einem Mistkerl ausnützen zu lassen!"
Mit diesen Worten drehte ich mich um, ließ den perplexen Remus stehen und stürzte mich zurück in die Mädchentoilette, wo ich mich zum Schutz vor den drei Tussis in eine Kabine einschloss und erst mal losheulte.
Ich muss schon sagen, ich muss echt aufpassen, dass ich kein Heulsusenimage bekomme.
Jetzt am Abend sehe ich das Ganze natürlich schon wieder viel klarer, aber zu diesem Zeitpunkt im Klo war ich echt am Ende meiner Kräfte.
Ich werde jetzt schlafen gehen und morgen schaut die Welt schon viel besser aus – das würde jedenfalls meine Mutter sagen.
