Kapitel 3
Fateful Decision
„Wer ist Hank?
Meinst du den Hank, dem die Bar ein paar Straßen weiter
gehört?" Obi-Wan runzelte die Stirn.
Erstaunt starrte Tereso ihn an. „Woher kennst du Hank? Hattest du mit ihm zu tun?"
„Nur indirekt."
Es klopfte erneut laut an der Tür. „Tereso, ich warne dich. Du machst es dir nur schwerer, wenn du nicht aufmachst."
Tereso huschte vom
Sessel und konnte geschickt Anakins Griff entgehen. Hastig kniete er
sich vor Obi-Wan hin. „Bitte, Obi-Wan, ich flehe dich an, du musst
mir helfen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Er wird mich
umbringen. Du musst mir helfen, bitte. Bitte."
Der kleine Mann
legte seine Hände und Stirn auf Obi-Wans Knie und winselte vor
sich hin.
Obi-Wan warf Anakin einen Blick zu und hob eine Augenbraue. Das hier war in der Tat merkwürdig. Er hob Tereso vorsichtig hoch, stand selbst auf und ging zur Tür. „Na schön, Zeit, dass wir das Ganze klären."
Mit einem Ruck zog er die Tür auf und blickte Hank nun endlich persönlich ins Gesicht. Der Barbesitzer war von gedrungener kräftiger Gestalt. Er trug einen kurzen unordentlichen Bart und sein Gesicht war braungebrannt. In der rechten Hand hielt er einen Blaster und die linke ruhte an seiner Seite. Überrascht starrte er den Jedi ihm gegenüber an. Selbstverständlich wusste er nicht, wen er da vor sich hatte, da Obi-Wan noch immer seine Robe trug, die seine Waffen verdeckte, und fuchtelte mutig mit seiner Waffe vor Obi-Wans Nase herum, nachdem er ihn gemustert hatte. „Wer bist du denn, hä? Geh mir aus dem Weg, ich muss Tereso sprechen. Der miese kleine Speichellecker hat bei mir noch ne Rechnung zu begleichen. Also verschwinde oder ich puste dir deinen Kopf weg."
Freundlich
lächelnd trat Obi-Wan einen Schritt zur Seite, um Hank eintreten
zu lassen. Sofort nachdem dieser Teresos Haus betreten hatte, schloss
Obi-Wan die Tür und Anakin entwaffnete Hank, indem er ihm mit
der Macht den Blaster aus der Hand in seine eigene Hand zog.
Entsetzt schaute Hank auf seine leere Hand und danach zu Anakin.
„Was zum… Wer seid ihr? Warum mischt ihr euch in diese Sache
ein?"
Obi-Wan trat gelassen von der Tür weg, baute sich
vor Hank auf und schaute ihm direkt von einem Auge in das andere,
ohne etwas zu sagen.
Sichtlich unwohl in seiner Haut trat Hank
von einem Fuß auf den anderen und konnte Obi-Wans Blick nicht
standhalten.
Anakin indes betrachtete kurz den Blaster und warf
ihn dann Nase rümpfend in eine Ecke.
„Na schön. Nun der Reihe nach. Was geht hier vor Tereso? Wer ist dieser Mann und was hast du mit ihm zu klären, dass er mit einem Blaster vor deinem Haus erscheint?" Ohne Hank aus den Augen zu lassen, machte Obi-Wan einen Schritt zur Seite und lehnte sich gegen das große rote Sofa.
In der Zwischenzeit hatte sich Tereso wieder auf seinem Sessel verkrochen, war noch ein Stück weiter zusammengekauert und hatte die Knie angezogen. Sein blonder Schopf ragte gerade so über die Lehne hinweg. „Das ist eine lange Geschichte, Obi-Wan und keine gute. Nein, wirklich nicht."
„Na, dann lass mal hören." Anakin stellte sich erneut hinter den Sessel und beugte sich zu Tereso herunter. „Wir sind gerade sehr interessiert an deiner kleinen Story."
Zitternd setzte sich Tereso wieder aufrecht hin, schluckte einmal hart und fing schließlich mit gehetzter Stimme an, zu reden, während Hank unschlüssig im Wohnzimmer herumstand und versuchte, sich möglichst unauffällig umzusehen: „Also, folgendes. Du weißt doch, Obi-Wan, dass ich früher im Wald gewohnt hab, nicht wahr? Aber wie das Leben nun mal so ist, musste ich auch ab und zu in die Stadt, um Dinge zu erledigen. Eines Tages machte ich erschöpft einen kleinen Abstecher in Hanks Bar und wir kamen ins Gespräch. Genau so war es. Er erzählte mir von seinen Geschäften, die er so abwickelte und dass man damit ganz gut Geld verdienen kann. Du musst wissen, ich war damals gerade knapp bei Kasse und ziemlich verzweifelt."
„Natürlich, du warst jung und brauchtest dein Geld", warf Anakin höhnisch ein.
„Du hast gut reden. Du bekommst dein Essen vorgesetzt." Empört drehte sich Tereso zu Anakin um, der ihn warnend anschaute, sodass der kleine Mann in seinem Sessel wieder ein Stück kleiner wurde.
Während Tereso erzählt hatte, war Hank
langsam durchs Wohnzimmer in Richtung Küchentür
geschlendert. Im Augenwinkel ließ Obi-Wan ihn keine Sekunde
lang aus den Augen und um auf Nummer sicher zu gehen, gab er Anakin
ein Zeichen, ebenfalls Acht zu geben. Nickend und grinsend schloss
Anakin die Augen und wie durch eine unsichtbare Person wurde Hank,
als er gerade losrennen wollte, zurückgerissen und gegen die
Wand gedrückt. Mit aufgerissenen Augen und Armen und Beinen an
die Wand gepresst stand er da und keuchte laut.
Tereso hatte sich
nun ganz in seinem Sessel aufgerichtet und schaute kichernd zu seinem
ungebetenen Gast. Doch das Lachen verging ihm sofort, als Anakin sich
nun zum dritten Mal zu ihm herunterbeugte und ihm etwas ins Ohr
flüsterte.
Obi-Wan hatte genug gesehen. Das Ganze fing an, ihn zu nerven. „Seh' ich das richtig, dass du mit Hank ins ‚Geschäft' gekommen bist und ihr beide nun zusammengearbeitet habt, Tereso? Was geschah dann?"
Da es Hank offensichtlich die Sprache verschlagen hatte und er nicht in der Lage war, auch nur ein Wort herauszubringen, machte Obi-Wan gar nicht erst den Versuch, mit ihm zu reden. Noch nicht.
„Also, Obi-Wan, das war so. Wir haben tatsächlich zusammengearbeitet und es lief wirklich prächtig, um nicht zu sagen fantastisch. Du siehst ja an meinem neuen Haus, dass ich alles andere als meckern konnte. Es waren wirklich hervorragende Zeiten, das kann ich dir versichern. Sozusagen die fetten Jahre. Einfach…"
Anakin packte ihn erneut an den Schultern, was ausreichte, um Tereso zum Schweigen zu bringen.
Obi-Wan schloss kurz die Augen. „Ich denke, wir haben verstanden, Tereso. Ich will wissen, warum er so wütend auf dich ist."
„Nun ja, ich muss dir wahrscheinlich nicht sagen, dass diese Geschäfte nicht unbedingt legal waren. Also, ehrlich gesagt, waren sie sogar sehr illegal. Meistens betrieben wir Schmuggel oder Erpressung, muss ich leider gestehen. Ja, leider, da sieht man mal, was man davon hat. Wie gesagt wurde ich gierig, Obi-Wan, es war wie eine Sucht. Ich komme nicht mehr davon los. In letzter Zeit liefen die Geschäfte nicht so gut. Die Republik geht mit immer schärferen Gesetzen gegen uns vor. Nun und da hab ich eventuell Hank um ein wenig Geld betrogen" Kleinlaut hörte Tereso auf zu reden und senkte schuldbewusst den Kopf.
Während Tereso also schwieg, prustete Hank los. „Höre ich da ein wenig Geld? Ein wenig? Du hast mich um meinen gesamten Anteil betrogen, mieser Lügner. Die Hälfte eines ganzen Vermögens. Und was hast du damit gemacht? Du hast alles Geld entweder verspielt oder für Schnickschnack ausgegeben. Und damit soll ich mich zufrieden geben? Niemals!"
Mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck erhob sich Obi-Wan von seiner angelehnten Position. Langsam schritt er durch den Raum, den Kopf gesenkt und fuhr sich mit einer Hand über den Bart. Ängstlich huschte Tereso zu ihm hin und zupfte ihn an der Robe. „Du wirst mir doch helfen, Obi-Wan, nicht wahr? Du schaffst mir diesen Typen vom Hals, richtig? Ihr Jedi könnt doch so etwas. Das ist doch eine Kleinigkeit. Das macht doch keine Mühe, nicht wahr? Nicht wahr, Obi-Wan?"
Plötzlich blieb Obi-Wan stehen und wandte sich ruckartig zu seinem alten Freund um.
Bei dem Wort „Jedi" war Hank zusammengezuckt und schaute nun vorsichtig zu Anakin rüber, der ihn ebenfalls anschaute, angrinste und dann schnell die Augenbrauen hob und wieder senkte und dabei die Augen kurz aufriss. Schnell wandte sich der Barkeeper wieder ab, doch man sah ihm deutlich seine Furcht an. Ein paar Schweißperlen standen auf seiner Stirn, die in tiefe Falten gelegt war und er atmete unregelmäßig.
Von oben herab schaute Obi-Wan auf den kleinen Mann vor ihm und überlegte, wie er Tereso am besten sagen konnte, was er sagen wollte. Der Alderaaner schaute ihn sorgenvoll und bittend an und Obi-Wan bekam Mitleid mit ihm. Im Grunde seines Herzens war Tereso eigentlich nicht schlecht, nur war er offenbar in die falschen Kreise gelangt und hatte seiner Schwäche nachgegeben. Doch was blieb dem Jedi-Ritter anderes übrig, als die Sache zu melden? Schließlich gab es da draußen offenbar eine Menge Leute, die von ihm betrogen worden waren und Anspruch auf ihr Geld hatten. Das konnte er einfach nicht durchgehen lassen. Hüter des Friedens und der Gerechtigkeit. Er holte tief Luft. „Du weißt, was ich nun tue, Tereso. Auch wenn du mich mehrere Jahre nicht gesehen hast, kennst du mich gut genug, um zu wissen, dass ich das nicht durchgehen lassen kann."
Tereso fing an zu wimmern und krümmte sich zusammen, sackte langsam zu Boden. Er schlug die Hände vors Gesicht und kam aus dem Weinen nun nicht mehr heraus. Seufzend hob Obi-Wan seinen ehemaligen Freund auf und führte ihn zur Tür. „Anakin, du übernimmst diesen Hank. Wir werden die beiden den Behörden von Alderaan melden."
Nickend schritt Anakin zu Hank rüber und packte ihn an seinem linken Arm. Der Barbesitzer ließ alles über sich ergehen, ohne irgendeine Reaktion.
Zu viert
traten sie aus dem Haus und ihre Augen mussten sich an das grelle
Sonnenlicht gewöhnen. Diese Chance nutzte Hank in einer
schnellen Reaktion. Er riss sich von Anakin los, verpasste ihm mit
dem Ellenbogen einen kräftigen Schlag ins Gesicht und rannte
los.
Vollkommen verwirrt fasste sich Anakin an seine blutende
Nase. Seine Reflexe hatten ihn für kurze Zeit vollkommen
verlassen. Doch nach zwei Sekunden hatte er sich wieder soweit unter
Kontrolle, dass er dem fliehenden Betrüger hinterher sprintete,
nachdem Obi-Wan ihn kurz angeschrieen hatte, er solle ihn nicht
entkommen lassen.
Obi-Wan überlegte kurz, ob er ebenfalls losrennen sollte, entschied sich dann aber dagegen, da er einen winselnden Tereso durch die Gegend führen musste, denn dieser konnte sich kaum auf den Beinen halten. Allerdings hatte er nicht vor, tatenlos herumzustehen, deshalb sammelte er die Macht um sich und verfolgte die Machtspur von Anakin, um ihm langsamer zu folgen. Langsamer bedeutete in diesem Fall jedoch immer noch ein beachtliches Tempo und der kleine Tereso wurde mehr mitgeschleift und gezogen als geführt. Doch Obi-Wan hatte beschlossen, dass ihm das nichts ausmachen würde.
In der Zwischenzeit hatte
Anakin große Probleme Hank einzuholen und er gestand es sich
nur ungern ein, aber es ließ sich nicht leugnen, dass er ihn
nach zwei Minuten immer noch nicht erwischt hatte, so wie er es sonst
gewohnt war. Das alles trug nicht gerade dazu bei, dass Anakins Wut
zu lindern. Im Gegenteil, sein Gesicht verdunkelte sich.
Von
weitem konnte er Hank erkennen, doch kam er ihm kaum näher. Aber
er registrierte, dass Hank auf dem Weg zu seiner Bar war. In Gedanken
stempelte ihn Anakin schon als Idiot ab. Wer würde schon dorthin
fliehen, wo ihn jeder vermutete? Offenbar hatte Hank nur erstaunlich
gute Beinmuskeln und Reflexe und dafür umso weniger Verstand. Es
würde also vermutlich doch noch einfach werden, ihn zu
stellen.
Endlich sah er Hank in seine Bar stürmen und wenig später riss auch der Padawan die Bartür auf und überschaute in Windeseile die Bar mit der einen Hand am Laserschwert. Doch als er sich beruhigt hatte, musste er feststellen, dass Hank hinter dem Tresen stand, in der einen Hand ein Messer, dass er seiner rothaarigen Kellnerin Sandrine an die Kehle setzte, in der anderen Hand einen Blaster, den er abwechselnd auf Anakin und Sandrine ansetzte.
Sowohl Hank als auch Anakin keuchten von
dem langen Sprint. Hank hochrot im Gesicht vor Anstrengung, Anakin
vor Wut.
Sandrine stand wie erstarrt da und schaute Anakin mit
aufgerissenen Augen und einem bittenden Blick an.
„Lass sie gehen." Anakin hatte seine Stimme kaum unter Kontrolle.
„Nenn mir einen Grund, das zu tun, Jediabschaum. Ich verlange, dass du mich gehen lässt. Jetzt nimm deine verdammte Waffe, leg sie langsam auf den Boden und roll sie mit dem Fuß zu mir rüber. Sofort und schön langsam, sodass ich es sehen kann."
Schnell
überlegte Anakin, ob er dem Befehl Folge leisten sollte oder ob
er es wagen sollte, Hank anzugreifen, ohne, dass Sandrine gefährdet
und verletzt wurde. Auf gar keinen Fall wollte er diese junge hübsche
Frau verletzten. Andererseits wollte er aber nicht sein Laserschwert
zu diesem Gauner rollen.
Diese ganzen Überlegungen vollzogen
sich relativ schnell, doch wollte Anakin zunächst versuchen, mit
Hank zu reden. „Na schön, Hank, wir sind alle aufgeregt und
gereizt, aber ich bin überzeugt, dass wir das Ganze friedlich
lösen können. Was willst du denn tun, wenn ich keine Waffe
mehr habe?"
„Na was wohl? Dann werde ich mir die Kleine hier schnappen und von hier verschwinden. Und du wirst nichts dagegen tun können, weil ich sie sonst umlege. Und ich weiß, dass ihr Jedi das nicht wagen könnt. Also diskutier nicht mit mir, sondern tu, was ich dir gesagt habe oder ich mache meine Drohung war, klar?"
Einen kleinen Augenblick zögerte Anakin noch, doch dann zog er langsam sein Laserschwert und legte es auf seine flache, ausgestreckte rechte Hand. Ganz langsam ging er immer mehr in die Knie und ließ Hank keine Sekunde lang aus den Augen. Innerlich konzentrierte und sammelte er sich.
Gerade als er
seine Waffe aktivierte, mit der Macht den Blaster aus Hanks Hand zog
und in einer fließenden Bewegung zu Hank wirbelte, um ihm die
Hand mit dem Messer in einer sauberen Bewegung abzutrennen, stürmte
zum einen Obi-Wan in die Bar und zum anderen war Hanks Reaktion so
gut, dass er es doch noch schaffte, dass Messer zu benutzen.
Alles
geschah so rasend schnell und trotzdem fühlte es sich für
Anakin und Obi-Wan an, als würde alles in Zeitlupe ablaufen.
Während Hank mit nur noch einer Hand und schmerzverzerrtem
Gesicht zu Boden sank, knickte Sandrine zur Seite. Obi-Wan und Anakin
waren sofort an ihrer Seite und mussten entsetzt feststellen, dass
Hank sie am Hals getroffen hatte und sie wahnsinnig blutete. Sie war
ohnmächtig geworden. Obi-Wan riss ein Stück seiner Tunika
ab und presste es ihr auf die Wunde um die Blutung zu stillen. Anakin
warf einen kurzen Blick auf Hank, der jedoch keine Gefahr mehr
darstellte, da er ebenfalls vor Schmerzen bewusstlos geworden war,
ebenso wie Tereso. Bei ihm lag es aber vermutlich mehr an der Angst
als an irgendwelchen Schmerzen.
Anakin hatte sich kaum unter Kontrolle, wusste nicht, was er tun sollte. Er war für diesen Unfall verantwortlich, er hatte die falsche Entscheidung getroffen. Seinetwegen war die hübsche Sandrine nun verletzt und ohne Bewusstsein. Momentan fühlte er sich nur hilflos, da er nichts tun konnte, um ihr zu helfen. Obi-Wan war bereits dabei, ihre Blutung zu stillen und er hatte sowieso die besseren Heilfähigkeiten von ihnen beiden.
„Hol den Medizinkoffer aus ihrem Zimmer."
Anakin hörte seinen Meister nicht. Er war wie in Trance.
„Anakin!" Obi-Wan riss ihn mit seinem Gebrüll aus der Starre. Schnell stand er auf und rannte die Treppe hinauf.
Obi-Wan seinerseits machte sich große Sorgen.
Die Wunde war vermutlich recht tief und Sandrine verlor sehr viel
Blut. Er sammelte die Macht um sich und verwendete Jediheiltechniken,
um ihre Heilung zu beschleunigen.
Langsam hörte die Wunde auf
zu bluten, doch noch immer war Sandrine ohne Bewusstsein. Der
Jedi-Ritter wusste nicht, was bei Sandrine alles verletzt worden war.
Sie mussten sie schnellstmöglich zu einem Arzt bringen.
Doch gerade als Obi-Wan überlegte, wo das nächste Krankenhaus auf Alderaan war, schlug Sandrine ihre großen Augen auf. Sofort beugte sich Obi-Wan zu ihr. „Sandrine, wie geht es dir? Wie fühlst du dich? Kannst du mich hören? Sag doch was." Plötzlich hielt er es nicht mehr für angebracht, sie zu siezen, beziehungsweise war das Du nun selbstverständlich für ihn.
„Was… was ist passiert?" Sandrines Stimme klang heiser.
„Du wurdest verletzt. Am Hals. Ich konnte die Blutung stillen, aber ich weiß nicht, wie tief die Wunde ist. Auch wenn es dir nicht gefällt, aber ich muss dich in ein Krankenhaus bringen."
Sandrines Gesichtsmuskeln zuckten, ihre Stimme war kaum zu hören. „Nein, das geht nicht. Das würde meine Existenz ruinieren. Obi-Wan, es muss eine andere Lösung geben. Bitte, es geht mir gut."
„Sandrine, es geht dir ganz und gar nicht gut. Wir können dich hier nicht ausreichend versorgen. Dazu fehlen uns die Mittel und die Fähigkeiten. Ich kann deine Wunde lediglich vorübergehend versorgen, aber das reicht einfach nicht aus. Ich weiß nicht, ob deine Stimmbänder verletzt sind." Obi-Wan schaute sie sanft an.
Sandrine atmete schwer und schüttelte kaum merklich den Kopf. „Es… muss… eine andere… Lösung geben." Erneut schloss sie ihre Augen.
Obi-Wan senkte den Kopf und
dann kam ihm eine Idee. Sie konnten sie zum Jedi-Tempel nach
Coruscant bringen. Der Planet lag relativ in der Nähe und die
Heiler konnten Sandrine entsprechend helfen. Kurzerhand hob der Jedi
die junge Frau vorsichtig hoch und trug sie in Richtung Ausgang.
Ungefähr zeitgleich mit ihm erreichte auch Anakin den Fuß
der Treppe, in der Hand den kleinen Medizinkoffer. Fragend schaute er
seinen Meister an.
„Wir bringen sie zum Schiff und dann nach Coruscant."
„Coruscant?"
„Ja, zum Jedi-Tempel. Die Heiler können ihr dort helfen. Komm schon, wir müssen uns beeilen." Obi-Wan drehte sich um und lief los.
„Was ist mit Hank und Tereso?"
„Darum kümmern sich andere. Sag einem Passanten Bescheid, er soll den Vorfall melden. Die werden sich schon darum kümmern."
Stirn runzelnd nickte Anakin und führte Obi-Wans Befehle aus. Auf der Straße schilderte er einem Fußgänger in knappen Worten die Situation und überließ ihn dann seinem Schicksal.
Obi-Wan war
schon so gut wie am Schiff und Anakin beeilte sich, um ihn
einzuholen. Was war nur in seinen Meister gefahren? Warum brachten
sie Sandrine nicht einfach in ein hiesiges Krankenhaus?
Verwirrt
schwieg Anakin, denn Obi-Wan machte einen äußerst
gereizten Eindruck und er wollte ihn nicht ansprechen.
Kaum
waren sie im Schiff angekommen, legte Obi-Wan Sandrine vorsichtig auf
eine Liege und wies Anakin in einem scharfen Ton an, das Schiff zu
starten und nach Coruscant zu fliegen.
Als Anakin im vorderen
Teil des Schiffes verschwunden war, strich Obi-Wan Sandrine
vorsichtig eine rote Strähne aus dem Gesicht und setzte sich
dann zu ihr ans Bett. Konzentriert schloss er die Augen und
versuchte, ihre Schmerzen zu lindern. Die Wunde war tatsächlich
recht tief. Hoffentlich war das die richtige Entscheidung gewesen.
Aber er war überzeugt davon, dass er sie bis Coruscant stabil
halten konnte. Lange hatte er sich nicht mehr solche Sorgen
gemacht.
Mit geschlossenen Augen nahm er Sandrines Hand und
streichelte sie vorsichtig.
