Vierundzwanzig Jahre später auf dem zweiten Todesstern.

Imperator Palpatine läßt gerade die volle Wucht seiner Machtblitze auf den ihm ohne sein Lichtschwert völlig hilflos ausgelieferten Luke Skywalker niederprasseln, während dessen Vater Anakin Skywalker, nun Darth Vader geheißen, tatenlos daneben steht und nicht weiß, was er tun soll.

Auf einmal sieht er eine Erscheinung, etwas durchsichtig, mit einer langen eingedrückten Nase und gelben Augen.

„Wer seid Ihr?", fragte Vader unwirsch.

„Ich bin Darth Plagueis, der Weise", erklärte der schwebende Astral-Muun vor ihm mit sonorer Stimme.

„Wieso kommt Ihr erst jetzt? Padmé ist bereits seit über zwanzig Jahren tot!", fauchte ihn Vader an.

„Die junge Königin von Naboo? War sie dir so wichtig?", fragte Plagueis' Machtgeist ungläubig.

„Ich bin, um Padmé zu retten, sogar auf die Dunkle Seite der Macht gewechselt. Sidious hatte mir damals angedeutet, er würde Eure Geheimnisse kennen, um Padmé mithilfe der Manipulation der Midichlorianer vor dem Tod retten zu können!", blaffte Vader.

„Ach, hat er das?", fragte Plagueis belustigt zurück.

„Sidious hatte mir auch erzählt, Ihr hättet diejenigen vor dem Tode bewahrt, die Euch nahestanden. Dann müsstet Ihr doch meine Gefühle für Padmé zumindest ansatzweise verstehen können!", rief Vader zornig über die Neckerei des vor ihm schwebenden Sith-Lords.

„Mein Meister Darth Tenebrous hatte die Regel der Zwei gebrochen und neben mir noch einen weiteren Schüler ausgebildet, meinen Bruder-Schüler Darth Venamis. Ich habe diesen im Duell besiegt, ihn danach mit einer Komablüte vergiftet und schließlich an ihm allerlei Experimente ausgeführt, um die Manipulation der Midichlorianer zu perfektionieren, um zu heilen und Leben zu erschaffen. Ich habe Venamis dafür auf meine Art geliebt, auch dafür, daß ich durch dieses sein unfreiwilliges Opfer dich erschaffen konnte, Anakin."

„Mich?", fragte Vader ungläubig. Er sah durch die rötlichen Augenlöcher seiner Maske an seinem schwarzen Anzug hinunter auf seine künstlichen Beine. Ihm kam spontan der Gedanke, daß es nicht unbedingt von Vorteil gewesen sein mochte, Darth Plagueis nahegestanden zu haben. Nicht nur einem Sith wie Darth Plagueis. Und nicht nur, wenn man Darth Venamis hieß.

„Hast du dich nie gefragt, wie es kam, daß du ohne Vater im Leib deiner Mutter entstanden bist, einfach so? Hat dich das im Nachhinein nie verwundert?", fragte Plagueis ihn nun.

„Ich bin der Auserwählte. Da nimmt man so einiges hin", entgegnete Vader.

„Aber es ist so, Anakin. Ich bin dein Vater."

Vader schluckte.

„Sidious hatte mir auch erzählt, daß Ihr von Eurem Schüler umgebracht wurdet. Wer war dieser Schüler?", wollte Vader wissen.

„Mit wem redet Ihr da, Vader? Ihr stört meine Konzentration bei den Machtblitzen!", hörte Vader Sidious ihn anfauchen.

„Ach, nicht so wichtig", gab Vader zurück, während Luke immer stärker und verzweifelter vor Schmerz unter den Machtblitzen des Imperators nach seinem Vater rief.

„Ich hatte zusammen mit Palpatine am Abend seiner Wahl zum Kanzler die Oper besucht. Danach sind wir in mein Apartment gegangen, um auf seine Wahl zum Kanzler anzustoßen. Er war dort in jener Nacht wohl der Meinung, meiner als sein Meister und Inspirator nicht mehr zu bedürfen. Also hat er mich umgebracht.", erklärte Plagueis' Geist weiter.

„Ihr wart der Meister von Sidious?", fragte Vader, während die Atemgeräusche seiner Atemmaske immer schneller und heftiger wurden.

„Ja, das war ich. Sidious hat es eindeutig an Talent für derartige Feinheiten der Machtbeherrschung ermangelt, wie du sie damals zu erfahren begehrtest. Er konnte kein Leben erschaffen, wohl aber diesen hässlichen Todesstern", erklärte Plagueis und verzog dabei seinen Mund.

„Warum seid Ihr nicht eher gekommen, um mir das zu sagen?", ereiferte sich Vader.

„Irgend so ein ungeschickter Gungan hat neulich im Büro des Imperators die versiegelte Vase umgekippt, in welcher der Imperator meine Asche aufbewahrt hatte. So kam zumindest mein Geist wieder frei. Allerdings hat es danach noch etwas gedauert, bis ich diesen ungastlichen Ort endlich gefunden hatte, wo sich mein renitenter Schüler meistens herumtreibt. Und Ihr, Vader."

„Aber ich hätte Euch damals vor zwanzig Jahren gebraucht, um mir das zu sagen", schnappte Vader.

„Wie lange habt Ihr gebraucht, um Luke zu sagen, daß Ihr sein Vater seid?", fragte Plagueis zurück.

„Was soll ich jetzt tun?", fragte Vader Plagueis.

„Tu, was getan werden muß, Lord Vader", war die Antwort des Sith.

„Oh nein, nicht das schon wieder!", stöhnte Vader.

„Oh doch", erwiderte Plagueis. „Und wenn du als der Auserwählte die Macht wirklich wieder ins Gleichgewicht bringen willst, so mußt du jetzt deinen Sohn retten, ehe ihr beide verloren sein werdet. Wenn du es schon nicht tust, um mich zu rächen, dann tu es Luke zuliebe. Die Galaxis wird es dir danken. Mir fehlt dazu nun die Macht", sagte Plagueis und verschwand.

Die Schmerzensschreie von Luke Skywalker wurden indes immer lauter und dringlicher.

Vader war ernüchtert. Eigentlich hatte er Plagueis noch fragen wollen, was denn schlußendlich aus Darth Venamis geworden war. Hatte Plagueis ihn später noch geheilt?

„Vader, zum letzten Mal. Wer war das?", zischte Sidious Vader an.

Statt einer Antwort ging Vader zu ihm, hob ihn hoch und warf ihn in den Atom-Schacht, wo er in seinem eigenen Machtblitzgewitter verglühte. Dann ging er zu seinem Sohn.