Chapter 3 : Hug me!

Die nächsten Wochen versuchte Malfoy Hermione das Leben zur Hölle zu machen, nicht dass er das nicht schon vorher getan hätte, doch in diesen Wochen erfuhr Hermione, wie grausam er wirklich sein konnte. Die Beleidigungen, die er ihr früher ab und zu an den Kopf geworfen hatte, wenn's hoch kam ein „Schlammblut" am Tag, waren wirklich nichts gewesen gegen das, was er ihr nun antat. Harry und Ron beleidigte er natürlich auch, doch sie bekam immer am meisten ab.

Schon zu oft war sie nachts weinend im Bett gelegen und hatte sich gewünscht es würde endlich aufhören, er würde endlich aufhören sie so zu quälen, obwohl mehr als beschimpfen tat er sie ja eigentlich nicht. Doch irgendwie reagierte Hermione viel empfindlicher als früher, schon zweimal hatte sie sogar vor ihm angefangen zu heulen, was solch eine Demütigung für sie gewesen war. Und es war noch schlimmer zu sehen, wie es ihm gefiel, wenn sie litt.

"Er ist so eine Bestie!", dachte Hermione und wälzte sich wieder einmal schlaflos in ihrem Bett hin und her. Sie beschloss, dass sich etwas ändern müsse. So würde das mit ihr nicht weiter gehen, wenn sie immer so empfindlich reagieren würde, wenn jemand sie mal nicht mochte (besser gesagt wenn jemand sie hasste), würde sie in ihrem Leben nicht weit kommen, denn böse Menschen gab es immer. Also versuchte sie einfach ihn zu ignorieren, und zu ihrer Verwunderung klappte es besser als sie es sich erhofft hatte. Nachdem Malfoy gemerkt hatte, dass sie ihn nicht mehr beachtete, wurde er nur noch wütender und versuchte einmal mehr sie zu provozieren, doch als auch dieser Versuch scheiterte, beschloss Draco sich anderen Muggelgeborenen zu widmen, obwohl er nicht verleugnen konnte, dass es ihm bei Hermione immer besonders viel Spaß gemacht hatte, sie zu beleidigen.

Beide fanden sich also damit ab, den anderen zu ignorieren, was auch recht gut ging, mit Ausnahme der wöchentlichen Theaterproben, welche jedes Mal ein Desaster waren. Selbst nach der dritten Probe brachten sie ihre erste sogenannte „Liebesszene" nicht zusammen, obwohl nichts anderes zutun war, als ein paar Worte zu sagen und sich dann in die Arme zu fallen, wo ja wohl das Hauptproblem lag. Malfoy stellte sich dermaßen blöd an, dass sowohl Prof. Minsky als auch alle anderen aus ihrer Theatergruppe jedes Mal erneut laut seufzten, wenn er seinen Satz, den einzigen den er zu sagen hatte, zum hundertstenmal nicht fertig sagen konnte, weil er wieder anfangen musste zu lachen oder ihm ein kleines Detail (der acht Wörter seines Satzes) entfiel. Alles nur um Hermione nicht umarmen zu müssen. Er kam sich selbst ja schon blöd vor, doch er wusste einfach nicht wie er es anstellen sollte. Also beschloss Hermione schließlich die Initiative zu ergreifen :

„Okay, dann versuchen wir es eben noch EINmal. Ich bitte sie, reißen sie sich etwas zusammen, Mr. Malfoy, dass kann doch nicht so schwer für sie sein!", seufzte eine entnervte Prof. Minsky und murmelte etwas von „Ich hätte sehen müssen, was das für ein Horror wird, mit solchen pubertären jungen Leuten..." und machte dann den Vorderraum des Klassenzimmers frei, welchen sie als Proberaum nutzten, und Hermione und Draco traten hervor.

„Oh Romeo, Besitzer meines Herzens und Herr meiner Seele, da seid ihr ja endlich!", fing Hermione an und sah ihren Erzfeind an als wäre er ihre große Liebe, was ja zeigt, dass das Mädchen Begabung hat.

„Glaubt mir, ich vermisste euch dafür umso mehr!", erwiderte Draco nicht halb so überzeugend und machte wieder keine Anstalten Hermione zu umarmen. Während er noch mit sich rang, dieses Spektakel endlich zu beenden, trat stattdessen Hermione einen Schritt vor und schlang ihre dünnen Arme um seinen Körper. Sie berührte ihn nur äußerst vorsichtig, da sie Angst hatte, er würde sie sofort wegstoßen, doch dem war, ganz zu ihrer Verwunderung, nicht so. Wieder durchfuhr sie so ein kalter Schauer, dessen Ursprung sie sich bei bestem Willen nicht erklären konnte.

Auch Draco verstand die Welt nicht mehr, während er so da stand, Hermione in seinen Armen, schien er fast zu vergessen, Wer und Was sie war. Für einen Moment genoss er es einfach nur in ihrer Nähe, besser gesagt in ihren Armen, zu sein. Schlammblut hin oder her.

Vorsichtig legte Hermione ihren Kopf auf Dracos Schulter und wieder ließ er es einfach zu, doch als Hermione langsam den Duft von Vanille wahrnahm und Malfoys Herz klopfen hörte, schaltete sich ihr Menschenverstand plötzlich wieder ein und sie stieß ihn, vielleicht ein bisschen zu fest, von sich. Er taumelte ein wenig nach hinten und sein Blick traf gleich darauf wieder diese wunderschönen tiefbraunen Augen, welche ihn mit wachsender Verunsicherung anstarrten. Doch sein Blick war so wie immer, kalt und hochnäsig, keiner konnte ahnen, wie verwirrt er in diesem Moment wirklich war.

Inzwischen war Prof. Minsky aufgeregt von ihrem Sessel aufgesprungen und auch die anderen Schüler waren begeistert, dass Hermione und Draco es endlich geschafft hatten. Harry und Ron schnappten sich ihre beste Freundin und redeten freudig auf sie ein und schmiedeten Pläne für den Nachmittag, doch Hermione nickte nur mehrmals halbherzig und war in Gedanken ganz woanders. Bei dem gutaussehenden, womöglich bestaussehendstem Slytherin.

Auch Draco war äußert verwirrt über das Geschehene und konnte sich nicht mehr richtig konzentrieren, weder in den restlichen Schulstunden noch sonst irgendwann an diesem Tag.

Wie konnte ich nur? Na ja, ich musste. Aber ich hätte sie wegstoßen sollen, nicht sie mich. Was fällt ihr überhaupt ein mich wegzustoßen? Verdammtes Miststück! Wütend schlug Malfoy mit der Faust auf den Tisch, sodass Crabbe und Goyle regelrecht zusammenzuckten, doch er scherte sich nicht um die beiden sondern starrte bloß weiter säuerlich in die Gegend.

Natürlich war er stinksauer auf Hermione, schmiedete alle möglichen Rachepläne und so, doch mit der Zeit merkte er, dass er noch viel wütender auf jemand anderen war : Sich selbst.

Er war wütend, weil ihn das so aus der Fassung brachte. Weil er ständig daran denken musste. Was hatte das zu bedeuten? Und ständig sah er ihre großen brauen Augen, wie sie ihn ansahen, wie noch kein anderer Mensch ihn davor angesehen hatte... so lieb und warm...

"Verdammt, was denkst du denn da schon wieder!", wies Draco sich zurecht.

Dennoch, er wäre beinahe sprachlos gewesen. Ein Malfoy war NIE sprachlos. Ein Malfoy wusste immer etwas Schlagfertiges und Gemeines zu erwidern. Ein Malfoy dachte nicht den ganzen Tag über ein Schlammblut nach. Und vor allem genoss ein Malfoy es nicht ein Schlammblut zu umarmen.