Disclaimer: Alle
Rechte an den Personen und den Orten gehören Joane K. Rowling und
desweiteren Jeanne-Marie Leprince de Beaumont (Die Schöne und das
Biest) Ich danke Serpensortia fürs Betan!
Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte!
Und
wieder einmal habe ich die Geschehnisse in Buch 7 nicht
berücksichtigt! ^^
2. Hermine
5 Jahre später
Hermine saß in einem bequemen Sessel im Lehrerzimmer und las die Tageszeitung.
Besonders genau las sie die An- und Verkaufsangebote. Man konnte sehr gute Schnäppchen machen, wenn man Fachbücher aus zweiter Hand kaufte. Ihr Lehrergehalt war zweifellos nicht so üppig, dass sie in die städtische Buchhandlung hätte gehen können und nach Lust und Laune, so wie sie es am liebsten tat, einkaufte. Nein, besser war es zu stöbern und dann zuzuschlagen. Sie lächelte, als sie sich an das letzte Mal erinnerte, als sie wirklich einen guten Fang gemacht hatte. Der Mann, der den Haushalt seiner verstorbenen Mutter aufgelöst hatte, wusste gar nicht, was er da für Schätze für kleines Geld abgab. Er wollte die lästigen Staubfänger, wie er die wertvollen Bücher bezeichnete, die sich in dem kleinen Zimmer bis an die Decke stapelten, endlich loswerden. Hermine hatte nur einen kurzen Blick auf einige Exemplare geworfen und ihr war klar gewesen, dass sie ausnahmslos alle Bücher haben wollte. Nicht nur Fachbücher, sondern auch sehr schöne Ausgaben der Belletristik, sie hatte unter anderem eine fast komplette Shakespeare-Sammlung entdeckt. So machte sie mit dem missmutig dreinschauenden Mann einen lächerlich geringen Preis für alle Bücher aus. Und am nächsten Tag kam sie mit einem geliehenen Auto und transportierte alles in ihre kleine Wohnung.
Sie seufzte, in der Tat, die Wohnung war klein, viel zu klein für all die Bücher, die sie schon hatte. Aber nichtsdestotrotz konnte sie einfach nicht widerstehen. Andere junge Frauen kauften sich schränkeweise schöne Kleider und sie tat das gleiche halt mit Büchern. Wo lag denn da der Unterschied?
Seit sie die magische Welt verlassen hatte, waren Bücher zu ihrem einzigen Lebensinhalt geworden - neben ihrem Beruf. Sie löste den gesamten Haushalt ihrer Eltern auf und verkaufte das Haus. Nach Abzug aller Schulden, von denen sie niemals etwas geahnt hatte, war gerade noch soviel übrig, um ihr Studium zu finanzieren. Sie studierte auf einer Muggeluniversität Chemie und Physik und im Nebenfach Mathematik und englische Geschichte. Sie schloss selbstverständlich ihr Studium wesentlich früher ab, als sämtliche gleichaltrige Kommilitonen und zwar mit Bestnoten. Demzufolge hatte sie keine Schwierigkeiten einen geeigneten Job zu finden. Da sie jedoch nicht die geringste Lust verspürte, dass irgendjemand von ihren früheren Freunden sie fand, nachdem sie so sang- und klanglos aus der magischen Welt verschwunden war, lehnte sie gut dotierte Jobs bei großen Firmen oder Universitäten ab.
Sie zog in eine kleine Stadt, weit weg von London, und nahm die Stelle der Chemie- und Physiklehrerin an der dortigen Schule an. Sie liebte ihre Arbeit und sie liebte nach wie vor ihre Bücher. Mehr gab es nicht in ihrem Leben. Na ja, bis auf Michael natürlich.
Gleich nachdem sie ihren neuen Job angetreten hatte, war er in ihr Leben getreten. Er war Sportlehrer und unterrichtete an derselben Schule wie sie. Er war groß, hatte lockiges braunes Haar und war extrem gut aussehend. Sämtliche Schülerinnen waren in ihn verliebt und, Hermine war sich ziemlich sicher, auch ein Teil der weiblichen Lehrerschaft. Nur sie konnte einfach nicht mehr für ihn empfinden als Sympathie. Immer wieder ließ Michael keinen Zweifel daran, dass er an ihr interessiert war. Er überredete sie oft, mit ihm auszugehen. Ab und zu gab sie nach und ging mit ihm Essen oder besuchte eine örtliche Theatervorstellung. Seinen Annäherungsversuchen bei diesen Gelegenheiten wich sie in der Regel hartnäckig aus. Selten ließ sie es zu, dass er den Arm um sie legte und sie zuckte regelrecht zurück, wenn er versuchte sein Gesicht nah an ihres zu bringen, um sie zu küssen. Er war jedes Mal sehr enttäuscht über ihre unverhohlene Abfuhr, ließ sich aber trotzdem nicht entmutigen. War er doch davon überzeugt, dass sie ihre Zurückhaltung irgendwann aufgeben würde und seinen Verführungskünsten erlag.
„Immer wenn ich dich sehe, liest du. Tust du auch mal so etwas Profanes wie Schafen oder Essen?" Wenn man vom Teufel dachte ... Hermine ließ die Zeitung auf ihren Schoß sinken und sah in das lächelnde Gesicht Michaels.
„Aber ja ... Manchmal esse ich und gelegentlich schlafe ich auch", antwortete sie und wollte wieder hinter ihrer Zeitung verschwinden.
„Ich dachte, wir unternehmen mal wieder etwas."
Michael war hartnäckig.
„Morgen, zum Beispiel. Wie dir ja nicht entgangen sein wird, haben wir morgen frei, wir könnten..."
Hermine unterbrach seinen Redefluss. „Morgen geht nicht, ich hab schon was vor. Hier steht, dass es einen Antiquariat Markt gibt." Sie deutete auf eine kleinere Anzeige und las interessiert. Michael nahm ihr die Zeitung aus der Hand und sah recht pikiert hinein. „Aber hier steht auch, dass er in Thornhill ist. Das sind etwa 10 Meilen von hier. Wie willst du dahin kommen, ohne Auto?"
„Ich werde laufen. Wie du ja gesagt hast, haben wir frei, also habe ich Zeit. Das Wetter soll auch schön werden. Also kann ich laufen." Hermine war niemals um eine Antwort verlegen. Schon gar nicht, wenn sie einen Plan hatte, den sie in die Tat umsetzen wollte.
„Hermine, Hermine ... Was soll ich nur mit dir machen?", seufzte Michael theatralisch auf.
„Du könntest mich begleiten, wenn du unbedingt willst." Hermines Vorschlag kam eher halbherzig. Sie legte auf seine Gesellschaft nicht unbedingt viel Wert. Auch er merkte das. Außerdem hatte er nicht das geringste Interesse an einem Büchermarkt.
„Nein, ich denke, du gehst da mal besser allein hin. Pass aber auf. Geh nicht durch den Wald, bleib auf der Straße. Man sagt es spukt in den Wäldern."
Hermine schaute den Sportlehrer ungläubig an. „Ich glaube jetzt nicht, dass du mir gerade weismachen willst, dass du diesen Unsinn glaubst?"
„Nein, ich glaube nicht an Gespenster, Hermine. Aber irgendwas ist da. Einige Leute haben angeblich komische Sachen gesehen. Zweige knackten ungewöhnlich laut. Jemand soll sogar gestöhnt haben und erst gestern, berichtete mein Nachbar, dass er beim Pilze sammeln meinte gesehen zu haben, wie eine bucklige Gestalt durch den Wald humpelte. Als er nachsehen wollte, war sie allerdings verschwunden. Der Blödmann, warum sammelt er in der heutigen Zeit eigentlich noch Pilze im Wald? Er sollte sie lieber im Supermarkt um die Ecke kaufen", orakelte Michael.
Hermine zog derweil die Augenbrauen hoch und entgegnete: „Wie auch immer, ich bin entschlossen morgen dahin zu gehen. Falls ich das Monster sehe, knalle ich ihm eins vor den Latz." Sie grinste verwegen und das Thema hatte sich für sie erledigt. 'Monster, Bucklige.... Wenn dieser von sich eingenommene Sportlehrer wüsste, was sie schon alles in ihrem Leben gesehen hatte. Dann würden ihm die Augen aus dem Kopf fallen.' Hermine schüttelte den Kopf und vergrub sich nun endgültig in der Zeitung.
Sie stand am nächsten Morgen sehr früh auf. Ihr erster Blick galt dem Wetter. Strahlender Sonnenschein herrschte und sie freute sich auf einmal unbändig auf ihren Ausflug.
Nach einem kurzen Frühstück schwang sie sich ihren noch leeren Rucksack auf den Rücken, dieser sollte auf jeden Fall beim Rückweg prallvoll mit Büchern gefüllt sein, zählte das Geld ab, welches sie auszugeben gedachte, und machte sich auf den Weg aus der Stadt.
Sie kam zügig voran. Nach cirka einer Stunde hatte sie schon den Stadtrand erreicht. Leicht schwitzend hielt sie auf der Landstraße an und überlegte. Die Straße vor ihr zog sich serpentinenartig durch die Landschaft. Wenn sie ihr folgte, würde sie sämtliche Schlenker, die die Straße machte, mitmachen. Der Weg wurde dadurch zweifellos länger. Wenn sie aber abbog und durch den Wald laufen würde, wäre der Weg kürzer. Sie rechnete und kam zu dem Ergebnis, dass sie mindesten anderthalb bis zwei Stunden sparen würde. Das war ein nicht zu schlagendes Argument gegen den Weg auf der Straße - Monster hin oder her. Sie wollte nicht zusätzlich Kraft und Energie verschwenden. Die brauchte sie noch, um die Bücher auf dem Heimweg zu schleppen.
Entschlossen bog sie also von der Straße ab und war in wenigen Minuten im Grün des Waldes verschwunden.
Eine zeitlang sah sie sich immer wieder sehr aufmerksam um, beachtete jedes Geräusch, jedes Knacken eines Zweiges, jede noch so kleine Bewegungen in den Gebüschen am Wegrand. Doch sie konnte nichts Ungewöhnliches feststellen. Sie konzentrierte sich wieder auf den kaum sichtbaren Waldweg und schüttelte verächtlich den Kopf. Alles Gerüchte, selbstverständlich waren es nur Gerüchte. Sie war eine Närrin, zu glauben, es würde hier irgendetwas Sonderbares geben.
So schritt sie immer sorgloser aus. Die Sonne stieg am Himmel und es wurde sehr warm. Der Schweiß rann ihr bald in Strömen über das Gesicht. Immer wieder blieb sie stehen und wischte die Nässe ab. Immer weiter drang sie in die Tiefen des Waldes vor. Doch mit einem Mal blieb sie stehen und sah sich erschrocken um. Es hatte sich etwas verändert. Eben noch war der Wald voller Geräusche gewesen und jetzt war es fast still. Sie hörte keine Vögel, gar nichts, nur das Rauschen der Blätter drang zu ihr. Ihre Nackenhaare stellten sich langsam auf. Sie hatte das Gefühl aus dem Dickicht heraus beobachtet zu werden. Sie fuhr herum. Doch da war nichts.
Vorsichtig ließ sie ihren Rücksack von der Schulter gleiten Langsam ging sie, sich immer wieder umdrehend zu einem großen Baum in der Nähe. Sie wollte wenigstens etwas Deckung im Rücken haben. Sie fühlte die Unebenheiten der Rinde, als sie ihren Rücken dagegen lehnte. Wieder lief der Schweiß in kleinen Bächen über ihr Gesicht. Doch diesmal war es nicht die Hitze, die ihn hervorgerufen hatte. Zum ersten Mal, seit sie ihren Zauberstab zerbrochen hatte, bedauerte sie es. Sie würde sich wesentlich wohler fühlen, wenn sie dieses unscheinbare Stückchen Holz jetzt in ihrer Hand halten könnte.
Und dann hörte sie es. Ein tiefes bedrohliches Knurren. Ihr Kopf fuhr herum und sie sah in die größten, gelben Augen, die sie in ihrem Leben jemals gesehen hatte.
Tbc.
