Ein kalter Windhauch begrüßte das Trio, als sie aus dem Wurmloch kamen.

Lt. Scott erwartete sie bereits und führte sie jetzt einen kleinen Abhang hinunter, an dessen Fuß schon die restlichen Mitglieder aus Scotts Team standen.

"Col. Young hat uns beordert Ihnen Geleitschutz zu geben. Haben Sie alles Nötige dabei?"

"Ja, wo ist der Eingang?", fragte Rush.

"Kommen Sie." Scott ging voraus, Rush, Eli und Melody folgten ihm und den Abschluss bildeten Corporal Anderson und Sgt. Maguire.

Der Lt. führte die Gruppe ein Stück um den nächsten Berg herum, bog dann scharf rechts ab und lief direkt auf eine Felswand zu.

"Ähm, sind wir hier auch richtig?", fragte Eli, als sie nur noch ein paar Meter von einer massiven Bergflanke entfernt waren und Scott immer noch weiter lief.

"Der Eingang ist recht gut getarnt. Wir haben ihn nur gefunden, weil wir fast hineingefallen wären", erklärte er und blieb endlich stehen. Eli und die Anderen sahen sich um.

Direkt vor ihnen war die massive Felswand und links von ihnen versperrte ein riesiger Felsbrocken den Weg. Rechts konnte Eli allerdings nach ein paar Sekunden einen verborgenen Pfad ausmachen, der hinter einigen dichten Gewächsen begann. In Erwartung, dies sei der richtige Weg, wandte er sich nach rechts und wollte schon dem Pfad folgen, doch Matt sagte: "Warte. Der Weg dient nur zur Irreführung. Hier geht es hinein."

Er bog nach links ab und erst jetzt bemerkten die Neuankömmlinge, dass es nur so aussah, als versperrte der riesige Felsen den Weg. Tatsächlich war zwischen der Felswand und dem Gesteinsbrocken ein Durchgang, den man nicht ohne weiteres erkennen konnte. Scott verschwand darin und Rush schmunzelte. Das sah vielversprechend aus. Neugierig auf das, was ihn erwartete, ging er hinter Eli und Melody hindurch.

Sie betraten eine freie Fläche und als Rush sich umsah, konnte er erkennen, dass entweder die ursprünglichen Bewohner oder die Natur selbst eine Art Innenhof im Fels erschaffen hatte. Direkt vor ihnen in der Felswand war dann auch schon der breite Eingang hinein in den Berg. Die ersten Behausungen konnte er ebenfalls ausmachen.

"Das ist beeindruckend", sagte Eli ehrlich überwältigt von dem Anblick, der sich ihnen bot.

"In der Tat äußerst geschickt gemacht, aber jetzt haben wir auch schon das Problem", wandte Scott ein, holte seine Taschenlampe hervor und ging in den Berg hinein.

Die anderen folgten ihm und nach ungefähr 20 Metern sah Rush den Geröllberg, der den Weg versperrte.

Schnell setzte er seinen Rucksack ab und leuchtete mit seiner eigenen Taschenlampe das Hindernis ab. An der linken Seite blieb er etwas länger stehen und hielt den Strahl auf einen bestimmten Punkt gerichtet.

"Ich glaube, wenn wir den einen Brocken an der Seite dort oben links herausbekämen, würden die Steine in unmittelbarer Nähe zwar nachrutschen, aber die beiden massiven Felsbrocken sollten verkeilt bleiben. Wir könnten links einen Durchgang schaffen", meinte er dann.

"Ja, daran haben wir auch gedacht. Wir sollten versuchen ihn nach hinten wegzudrücken", schlug der Lt. vor, der sich neben Rush gestellt hatte.

"Versuchen wir es", sagte der Schotte nur und begann ein paar kleinere Felsstücken vor dem eigentlichen Stein zu entfernen. Bald halfen alle mit und nach ein paar Minuten scheuchte Scott sowohl den Wissenschaftler, als auch Eli und Melody weiter weg. Gemeinsam mit Corporal Anderson drückte er nun mit aller Kraft gegen den Felsen, der sich tatsächlich nach einer Weile bewegte und schließlich mit einem lauten Grollen und Poltern nach hinten weg rollte. Sofort zogen sich die beiden Männer gerade noch rechtzeitig zurück, um den von Rush prophezeiten, nachrutschenden Steinen zu entgehen.

Aus einem Reflex heraus legte Nicholas schützend seine Arme um Melody und bewahrte somit ihr Gesicht und den Großteil ihres Körpers vor kleineren Steinchen, die irgendwo absplitterten, als der Fels herunter krachte und dem Großteil der daraus resultierenden Staubwolke.

Als sich der Staub legte ließ er sie los und drehte sich sofort dem nun teilweise offenen Durchgang zu.

Melody stand wie erstarrt da und schaute dem Wissenschaftler nach.

Auch wenn er diese Geste vielleicht als nicht der Rede wert erachtete, bei ihr hatte es sämtliche Gefühle für ihn wieder an die Oberfläche getrieben. Für einen Moment war sie sogar versucht gewesen, ihn einfach zu umarmen und zu küssen, doch sie hatte sich eisern zurückgehalten und sich gezwungen, ihre Arme dort zu lassen, wo sie waren. Wie gut sie daran getan hatte wurde ihr schlagartig klar, als Nick nicht mal ein "Danke" abwartete, sondern sie sofort wieder losgelassen hatte.

Sie schluckte einmal, griff dann ihren Rucksack und folgte den anderen durch den schmalen Durchgang.

"Na toll, und was jetzt?", hörte sie Elis Stimme weiter vorne. Schnell schloss sie zu den anderen auf, die alle stehengeblieben waren.

"Ich glaube, das Wasser stammt von dem Wasserfall draußen. Irgendwo wird es einen Felseinbruch gegeben haben und das Wasser hat sich hier gesammelt", stellte Dr. Rush eine Vermutung an.

Jetzt sah Melody, dass ein kleiner See vor ihnen lag. Anscheinend waren sie an der Stelle angelangt, an der es in den Berg hinabführte und diese erste Senke war voll Wasser gelaufen.

"Wir haben leider keine Möglichkeit herauszufinden, ob wir da durch kommen", meinte Eli. "Oder hat jemand eine Taucherausrüstung an Bord gefunden?", witzelte er noch.

"Das Wasser ist vielleicht 2-3 m tief und wenn ich recht habe, dann fließt es auf der anderen Seite irgendwo ab oder sammelt sich in einer anderen Senke. In der Mitte ist eine Strömung zu erkennen, die in den Berg hineingeht", meinte Rush, der das Wasser dort beleuchtete, wo die Felsdecke nun anstieß.

"Nur wissen wir nicht, wie weit das Wasser hineinreicht. Es gibt keine Möglichkeit für uns das herauszufinden", sagte Scott.

"Doch", warf Eli ein, "ich schicke mal ein Kino durch. Es kann zwar unter Wasser nicht steuern, aber dafür haben wir die Strömung, Wir werden ja sehen, wo das Wasser hinfließt."

"Haben Sie eines dabei?", fragte Rush.

"Was denken Sie denn?", entgegnete Eli gespielt empört. Er kramte kurz in seinem Rucksack und holte dann ein fliegendes Auge samt DHD hervor.

"Dann wollen wir doch mal sehen…", sagte er mehr zu sich selber, schaltete den Nachtmodus ein, ließ das Auge zu Wasser und gab ihm einen leichten Schubs.

Es dauerte nicht lange, bis die Strömung das Kino erfasste und mit sich zog. Auf dem Monitor schauten Eli, Rush und Scott neugierig zu, wo die Reise hingehen mochte. Schon nach ein paar Sekunden verlangsamte sich die rasende Fahrt und das Kino begann zu treiben. Es schien auch wieder an die Oberfläche zu kommen, denn es übertrug einige verschwommene Bilder von einer sehr weiten Höhle. Schließlich blieb es kurz liegen, wobei man deutlich sehen konnte, dass es in einem Art Bassin gelandet war und links eine eindeutig nicht natürliche Mauer zu sehen war. Dann wurde es wieder ins Wasser gezogen und fiel ein paar Sekunden später in die Tiefe, mitgerissen von einem großen Wasserfall. Die Übertragung endete, als es scheinbar unten aufgeschlagen und zerstört worden war.

"Wow", fiel Eli nur ein und starrte trotzdem noch auf das DHD als hoffe er, dass das Kino doch noch senden würde. Doch der Monitor blieb schwarz.

"Nun, das zeigt, dass ich Recht hatte. Wir können es schaffen unten durch zu tauchen", sagte Rush und lief zum Ufer um die Wassertemperatur abzuschätzen. Darauf hatte er bei der Übertragung nicht geachtet. Das Wasser war nicht eisig, aber kalt genug, dass es schwierig werden würde, wenn sie da durch wollten.

"Woooh, Stopp, was machen Sie da, Rush?", fragte Scott und lief neben den Schotten, der doch tatsächlich angefangen hatte, sich die Schuhe und Strümpfe auszuziehen.

"Meine Schuhe müssen nicht unbedingt nass werden, Lt. Der Rucksack hat eine Schutzhülle und der Inhalt sollte somit weitgehendst trocken bleiben."

"Vergessen Sie es!", rief Eli hinter ihm und trat ebenfalls an das Ufer. "Das Wasser ist viel zu kalt, es hat gerade mal 8°C!"

"Ich will auch nicht darin baden sondern es nur durchqueren", sagte Rush.

"Dok, bei allem Respekt, aber das Risiko ist es nicht wert. Erstens wissen wir immer noch nicht genau, wie es auf der anderen Seite aussieht. Die Strömung könnte uns direkt zum Wasserfall ziehen. Außerdem ist das Wasser viel zu kalt und keiner von uns hat trockene Kleidung mit zum Wechseln. Ich werde es auf keinen Fall gestatten, dass einer von uns da einfach so auf gut Glück durchtaucht."

Scott warf Rush einen seiner seltenen Blicke zu von denen der Schotte genau wusste, dass der Lt. unerbittlich sein würde.

Mit einem verärgerten Schnauben zog er sich die Strümpfe und Schuhe wieder an und meinte dann: "Dann gehen wir zurück zum Schiff und holen uns etwas."

"Wir sollten das einfach hier vergessen", warf nun Eli ein, der absolut keine Lust verspürte durch unbekanntes, sehr kaltes Wasser zu schwimmen, Ersatzkleidung hin oder her.

"Lt. Scott und Eli haben Recht, Doktor", mischte sich nun auch Melody zaghaft in die Debatte ein.

"Das Risiko ist es nicht wert. Außerdem hätten wir gar keine Chance wieder zurückzuschwimmen gegen diese Strömung."

Nick sah sie nachdenklich an. Daran hatte er nicht gedacht. So sehr es ihn wurmte es zugeben zu müssen, aber das war in der Tat ein Punkt, der zu einem ernsten Problem werden konnte.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Zugang der Einzige sein sollte. Es muss mehrere Möglichkeiten geben dorthin zu gelangen."

"Gut, dann suchen wir danach", sagte Scott rasch der ahnte, dass Rush das mehr gesagt hatte, um eine Möglichkeit zu bieten hier wieder herauszukommen. Doch scheinbar war er immer noch nicht davon überzeugt, diesen Zugang ruhen zu lassen. So gab ihm der Lt. schnell eine hoffentlich ansprechende Alternative.

"Ich glaube nicht, dass das so einfach sein wird", meinte Rush. "Nein, wir sollten noch einmal zum Schiff zurück und dann mit…"

Ein aufgeregt klingender Ruf aus Scotts Funkgerät unterbrach ihn.

"Lt.! Wir haben eine Drohne! Ich wiederhole, wir haben hier draußen eine Drohne…"

Auf die Warnung des Soldaten folgte eine Erschütterung, die alle taumeln ließ. Kleine Steinchen lösten sich von der Höhlendecke und wirbelten Staub auf.

Lt. Scott verlor keine Sekunde und schrie: "Raus hier! Sofort!" Er gab Anderson und Maguire einen Wink, damit diese voraus liefen und den Eingang sicherten. Er selbst würde als Letzter gehen.

Zuerst scheuchte er das Mathe Genie durch den Engpass. Elis Rucksack blieb allerdings an einem Felsen klemmen, der ein wenig verrutscht war, als der junge Mann gerade dabei war ihn zu passieren und nun hing er wie ein Fallschirmspringer im Durchgang, der sich in seinem Schirm verheddert hatte.

"Ich hänge fest!", rief Eli leicht panisch und versuchte, den Rucksack abzustreifen, doch er war so eingeklemmt, dass er seinen linken Arm nicht aus dem Träger herausbekam. Er hatte einfach keinen Spielraum mehr dafür. Scott schob sich kurzerhand an Eli vorbei und winkte Rush und Melody zu sich.

"Kommen Sie, raus mit Ihnen. Ich helfe Eli!", rief er, doch im nächsten Moment erschütterte eine erneute Explosion draußen den Höhleneingang. Eli war plötzlich frei, prallte auf Scott und riss ihn mit sich zu Boden. Hinter den beiden gerieten die beiden Felsbrocken in Bewegung, die vorher noch zwischen Boden und Decke verkeilt gewesen waren und lösten langsam das aufgetürmte Geröll. Hastig kroch der Lt. unter Eli hervor, kam auf die Beine und zog den verdatterten, jungen Mann einfach kräftig am Arm ein Stück nach vorne, bis dieser selbst stolpernd auf die Beine kam. Das nächste, was er sah, schien in Zeitlupe abzulaufen.

Während er und Eli es noch durch den Durchgang geschafft hatten, waren Melody und Rush noch am Wasser. Der eine große Felsen kippte direkt auf ihre Seite herunter.

Für den Bruchteil einer Sekunde konnte der Lt. durch den schmalen Durchgang noch das fassungslose und angstvolle Gesicht von Melody sehen, bevor sie plötzlich weg war und von der Decke ein paar neue Steine herunterfielen, den Durchgang endgültig schlossen und Scott und Eli in eine dichte Staubwolke einhüllten.

Scotts Augen weiteten sich vor Schreck.

"Dr. Rush! Miss Hansen!", brüllte er über das Grollen hinweg, doch der Staub nahm ihm den Atem und er bekam einen Hustenanfall.

Schnell zog er ein Tuch aus der Tasche und hielt es sich vor Nase und Mund. Er versuchte noch einmal zu den beiden Eingeschlossenen durchzukommen, aber der Staub war einfach zu dicht. Schließlich holte er sein Funkgerät hervor und versuchte so sein Glück.

"Dr. Rush! Können Sie mich hören?", rief er hinein, doch die Leitung blieb völlig tot.

Hoffentlich leben sie überhaupt noch, dachte er und steckte das Gerät wieder weg. Eigentlich war es unmöglich. Bei dem Treffer war die halbe Decke heruntergekommen. Zumindest hatte es so ausgesehen.

Jemand zog ihn plötzlich von hinten am Arm. Es war Eli, der Richtung Eingang deutete. Scott nickte und folgte dem jungen Mann. Sie mussten Hilfe holen und zwar schnell. Aber zuerst mussten sie sich noch um diese Drohne kümmern, die den ganzen Schlamassel überhaupt verursacht hatte.

Vor dem Eingang schnappten beide Männer erst einmal hustend nach Luft.

Scott drängte Eli zur Seite, sodass sie nicht mehr alles abbekamen was noch heraus wirbelte, dann hörte er plötzlich die Drohne links von ihm. Das Geräusch kam immer näher.

Corporal Anderson und Sgt. Maguire waren hinter Felsen in Deckung gegangen und eröffneten nun ihrereits das Feuer. Scott schubste Eli zurück in den Eingang, damit er auf jeden Fall außerhalb des Schussfeldes war, legte seine Waffe an und schoss. Die Drohne gab ein merkwürdig surrendes Geräusch von sich bevor sie wie ein Stein zu Boden fiel. Vorsichtig kamen die Soldaten näher um nachzusehen, ob die Drohne auch wirklich zerstört worden war.

"Ich glaube, das Ding ist hinüber", sagte Anderson und trat einmal kräftig mit seinem Stiefel nach dem Haufen Metall. Tatsächlich passierte nichts.

"Gut. Sie bleiben hier und melden sofort, wenn Sie noch mehr Drohnen entdecken. Früher oder später werden welche auftauchen. Wir müssen zum Schiff zurück und eine Rettungsmannschaft zusammenstellen. Rush und Hansen wurden verschüttet oder zumindest von uns abgeschnitten", erklärte Scott rasch.

"Ja, Sir", erwiderten Anderson und Maguire gleichzeitig. Anderson suchte sich eine Stelle auf einem großen Felsen, von der aus er gut den Himmel beobachten konnte und den Eingang im Auge hatte.

Sgt. Maguire suchte ebenfalls nach einer erhöhten Position auf der anderen Seite und postierte sich dort.

"Ich schaue nach, ob ich derweil vielleicht den Eingang freiräumen kann", bot sich Eli an. Er sah ziemlich geschockt aus, fand Matthew. Vielleicht half es ihm, wenn er etwas sinnvolles tun konnte solange er Hilfe holte.

"Gut, aber sei vorsichtig, dass Du nicht selber verschüttet wirst und melde Dich, wenn Du herausgefunden hast, ob sie überhaupt noch am Leben sind."

"Okay", sagte der MIT-Abbrecher und wartete noch eine Weile, bis sich der Staub etwas gelegt hatte.

= · =

Matthew Scott rannte so schnell er konnte zurück zum Gate. Zuvor hatte er TJ noch über Funk verständigt und diese war schon auf dem Weg zum Berg. Er hatte ihr gesagt, sie solle Anderson oder Maguire Bescheid geben, damit einer der beiden sie abholte.

Sobald er das Gate erreicht hatte schnappte er sich von dem Soldaten, der das Gate bewachte, das DHD und wählte die Destiny an.

"Ist etwas passiert, Sir?", fragte die leicht verdutzte Wache und Matt erklärte kurz, was vorgefallen war. Kaum war das Wurmloch offen ging er auch schon hindurch.

Zurück auf der Destiny empfing ihn ein leicht verdutzt aussehender Colonel Young.

"Lt.? Das ging aber schnell. Wo sind die anderen?", fragte er. Doch als er Scotts Gesicht sah wusste er schon, dass etwas nicht stimmte.

"Drohnen, sie sind auf dem Planeten. Zumindest eine", sprudelte der Lt. hervor.

"Was!? Verdammt. Wurde jemand verletzt?", fragte Young nach.

"Wir konnten die Drohne abschießen. Aber Rush und Hansen wurden in einem Berg verschüttet. Wir wissen nicht, ob sie noch am Leben sind. Wir müssen sie wohl ausgraben."

Young fragte nicht groß nach, sondern beorderte sofort einige Leute zum Gateraum während er Scott losschickte, um passendes Werkzeug zu holen und für alle Fälle noch mehr C4 als er sowieso immer dabei hatte.

Matt sprintete los und als er eine knappe viertel Stunde wieder zurück kam, wartete schon ein Rettungsteam auf ihn.

Er erklärte in groben Zügen, was sie erwartete und führte die Truppe dann durch das Gate zurück zum Bergeingang.

Young, der auf dem Schiff zurückblieb, machte sich derweil ernsthaft Sorgen. Abgesehen davon, dass diese Drohnen lästig und gefährlich waren – sie tauchten jetzt schon wieder auf. Wie sollte das weitergehen? Irgendwann würden sie auf einen Planeten kommen, an dem die Drohnen in der Überzahl waren und vielleicht gab es dann kein Entkommen mehr. Außerdem lief das Schiff selbst Gefahr, noch einmal attackiert zu werden. Sie mussten dringend eine Lösung finden. Doch das gelang wohl nur, wenn Dr. Rush, Eli und diese Miss Hansen dafür eine brillante Lösung finden würden. Young hoffte also wirklich, dass der Schotte und das Mädchen noch am Leben waren und befreit werden konnten. Um ihrer aller Willen.

= · =

Rush sah Eli in dem Durchgang festhängen und wollte eigentlich sehen, ob er von dieser Seite etwas tun konnte, doch dann rief Lt. Scott ihm und Melody zu, dass sie rauskommen sollten. Rush packte das Mädchen an der Hand und wollte ihr gerade durch den Durchgang an Eli vorbei helfen, doch da kam die nächste Erschütterung. Rush sah mit Entsetzen, dass der große Felsen, der das halbe Geröllfeld sicherte, anfing sich zu bewegen. Genau in die Richtung, in der er und Melody standen.

Er traf die Entscheidung im Bruchteil einer Sekunde. Sie würden es garantiert nicht an Eli vorbei schaffen, daher zog er Melody, die mit weit aufgerissenen Augen immer noch auf Eli schaute, ziemlich grob mit sich an die äußere Felswand, möglichst weit weg von dem Felsen. Sie landete zuerst auf ihm, doch er rollte sie schnell von sich herunter, drückte sie eng an die Wand und legte sich schützend über sie. Der Staub nahm beiden den Atem, doch damit war es noch nicht vorüber. Der große Felsen hatte sie zwar verfehlt und war in das Wasser gefallen, doch von der Decke kam Geröll nach. Sie mussten hier weg. Sie lagen zu dicht am Durchgang. Wenn sie sich im Wasser ganz am Rand und möglichst hinten halten würden, dann wären sie vor den Steinen halbwegs sicher und auch vor der Strömung.

"Melody, wir müssen hier weg", sagte er hustend, rappelte sich auf und zog sie einfach mit hoch. Dabei verlor er sein Funkgerät. Er nahm sie wieder bei der Hand und zog sie ins Wasser. Die Kälte nahm er gar nicht wirklich wahr, als er hinein stakste, doch Melody spürte es umso mehr. Sie keuchte erschrocken auf und schnappte verzweifelt nach Luft. Der Kälteschock nahm ihr den Atem. Nicholas erging es ähnlich, doch darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen.

"Wir müssen noch weiter rein, los!", sagte er scharf und hoffte, damit ihre Starre lösen zu können.

Melody hatte den Mund weit geöffnet und versuchte immer noch, Luft zu holen. Ihre Beine wollten ihr einfach nicht gehorchen. Nicholas kam einen Schritt zurück, umschlang kurzerhand ihren Oberkörper von hinten und trug sie ein paar Schritte weiter. Keine Sekunde zu spät, denn dort, wo beide noch vor einem kurzen Moment gestanden hatten fielen nun ein paar größere Brocken ins Wasser, die sie hätten schwer verletzen können.

Melodys Augen waren weit aufgerissen doch wenigstens löste sich ihre Atemlähmung scheinbar.

"Es wird gleich besser, in ein paar Augenblicken werden Sie sich an die Kälte gewöhnt haben", sagte Nick. Melody nickte nur und fing an zu zittern. Sie hatte ihre Arme vor ihrer Brust verschränkt und drückte sie fest an ihren Körper.

Was dann passierte ging zo schnell. Plötzlich spürte sie einen heftigen Schmerz an ihrem Kopf und dann wurde auch schon alles schwarz. Dass sie ins Wasser fiel bemerkte sie nicht einmal mehr. Nicholas wurde ebenfalls von einem Stein getroffen und taumelte gegen die Wand, während Melody von der Strömung unter Wasser gezogen wurde und dann verschwunden war.

"Melody!", schrie Nicholas und tastete blind im Wasser umher, das jetzt von dem Schutt aufgewühlt und schmutzig war. Er konnte sie nicht finden. Ohne groß zu überlegen holte er einmal tief Luft und tauchte direkt auf die Mitte zu. Die Strömung zog ihn ebenfalls mit sich.

Er hatte keine Ahnung, ob sein Luftvorrat reichen würde, doch dann sah er schon einen hellen Schimmer, als er unter der Felswand durch war. Zum Glück war die Trennwand nur schmal gewesen und Nicholas schwamm dem Licht entgegen, bis er endlich die Oberfläche durchbrach. Er schnappte nach Luft und sah sich sofort nach dem Mädchen um. Die Strömung trieb ihn Richtung Wasserfall und plötzlich sah er sie. Sie lag mit dem Gesicht nach unten im Wasser und hatte sich zum Glück an einem Mauerstein verkeilt, sonst wäre sie hinuntergespült worden.

Nicholas schwamm mit ein paar kräftigen Stößen zu ihr hinüber, suchte einen sicheren Halt und zog sie zu sich heran. Aus einer Kopfwunde quoll Blut, welches rote Schlieren im Wasser hinterließ und sie war immer noch bewusstlos.

So schnell er konnte schwamm er mit ihr an die andere Seite wo ein breiterer Sandstreifen war und er kletterte dort aus dem Wasser. Melody legte er auf den Rücken und tastete nach ihrem Puls. Er war nicht mehr zu ertasten.

"Melody! Nein, nein, nein!", rief er und fing sofort an sie wiederzubeleben.

Es dauert nicht lange bis sie plötzlich die Augen aufriss und anfing zu husten und würgen. Nick drehte ihren Kopf zur Seite und Melody hustete das Wasser aus, das sie eingeatmet hatte.

Als nichts mehr herauskam half ihr der Schotte vorsichtig sich auszustrecken. Ihr T-Shirt war nach oben gerutscht und Nicholas, der es gerade wieder herunterziehen wollte, stutzte kurz und sein Blick blieb für ein paar Sekunden auf ihren Bauch gerichtet. Melody bekam davon nichts mit. Sie hatte die Augen geschlossen und war nur darauf konzentriert wieder normal atmen zu können.

Schnell zog Nick das Shirt von ihr wieder über die Hüften und tastete noch einmal nach ihrem Puls.

"Danke, Dr. Rush", sagte das Mädchen leise und sah ihn an.

Rush gelang es, ihr ein kleines Lächeln zu schenken und sagte: "Gern geschehen. Aber bitte tun Sie mir so etwas nie wieder an."

Melody lächelte leicht und nickte. "Okay, ich gebe mir Mühe."

"Können Sie sich schon aufsetzen?", fragte Rush und als Melody nickte, half er ihr vorsichtig hoch.

"Wir müssen zusehen, dass wir irgendwo einen Unterschlupf finden und unsere Sachen trocknen können. Sobald Sie sich dazu in der Lage fühlen werden wir uns mal diese Stadt ansehen. Hoffentlich finden wir etwas. Das Funkgerät wurde bedauerlicherweise zerstört. Wir müssen also zusehen, dass wir uns selbst helfen."

"Es geht schon", sagte Melody, die anfing mit den Zähnen zu klappern.

Und vor gut 3 Monaten sind wir schon einmal fast erfroren, dachte sie und hatte nicht vor, das noch einmal durchzumachen. Daher stand sie mit der Hilfe von Rush auf und beide machten sich vorsichtig daran der Treppe zu folgen, die links vom Wasser hinunter in die Tiefe führte.

"Moment, ich glaube da ist mein Rucksack", sagte er plötzlich und lief die Stufen wieder hoch.

Seine Tasche war tatsächlich mit ihnen durch die Passage gezogen worden und hatte sich, wie Melody auch, zum Glück an einem Stein verfangen. Nicholas ging noch einmal ins Wasser und konnte den Rucksack herausfischen. Als er wieder hinaus kam schaute er schnell hinein und stellte erfreut fest, dass der Inhalt nicht allzu sehr gelitten hatte. Die Taschenlampe funktionierte jedenfalls noch einwandfrei.

"Das sollte uns den Abstieg erleichtern", meinte Rush und ging voran. Melody folgte ihm.