A/N: Dave ist kein neuer Chara ;)

Kapitel 3

David Smith, genannt Dave

"Hey Schatz, da bist du ja endlich!", begrüßte Mrs. Granger ihre Tochter.

"Hi Mum", Hermine wollte die Küche hastig verlassen, doch spürte im Vorbeigehen die Blicke ihrer Mutter.

"Wo ist denn nun dieses Drachenzeug?"

"Ach...ähh", Hermine drehte sich wieder zu ihr um und stammelte verlegen: "Es... es gab keins mehr... ausverkauft"
"Und was hast du dann so lange getrieben?", bohrte Mrs. Granger nach.

"Ich... habe noch in anderen Geschäften nach Drachenblut gesucht... aber nirgendwo gab es welches", erklärte Hermine und verschwand dann schleunigst in ihr Zimmer.

Den ganzen Nachmittag zerbrach sie sich darüber den Kopf, wo zur Hölle sie Malfoy unterbringen sollte. Sie konnte ihn schließlich schlecht mit im Haus wohnen lassen, dann würde die Fragerei ihrer Mutter überhaupt kein Ende mehr nehmen.

Endlich kam ihr der rettende Gedanke und sie wusste jetzt schon, Malfoy zu überzeugen würde mehr als anstrengend werden.

- - -

Draco öffnete das Fenster und ließ die angenehme Nachtluft in sein dunkles Zimmer strömen. Er sah heute Abend mit anderen Augen in den sternenüberäten Himmel, heute Abend fürchetete er sich nicht mehr davor, die Sterne nie wieder zu sehen. Ihm bot sich eine Chance, eine Möglichkeit, von der er nicht zu träumen gewagt hatte.

Trotzallem fiel ihm die Entscheidung schwer. Die nächsten Wochen, womöglich Monate mit Potter, Weasley und Granger zu verbringen war nicht das, was er sich unter unter Freiheit vorstellte. Aber, und das war die Hauptsache, es war Leben.

Leben.

Er beobachtete die dünnen Bäume in der Ferne, die sich in der leichten Brise des Abends sanft hin- und herwiegten. Der Mond schien hell in dieser Nacht, heller als jemals in der vergangenen Woche, als wolle er, angesteckt von dem Fünkchen Hoffnung in Dracos Augen, der Welt die Finsternis mit seinem Licht ersparen.

Draco atmete tief ein. Er erinnerte sich an so viele Male, an denen er hier gestanden hatte, um nachzudenken, um Ruhe zu haben.

Am Ende des ersten Schuljahres, nachdem Lucius beinahe seine Beherrschung verloren hätte, als er erfuhr dass Slytherin die Hausmeisterschaft nicht gewonnen hatte. Es war eine Blamage gewesen, dass ein Malfoy den Hauspokal nicht gewonnen hatte. Natürlich hatte Draco ihm aus voller Überzeugung zugestimmt, doch die Angst vor seinem eigenen Vater hatte er nicht unterdrücken können. Heute vermutete Draco, dass Lucius auf Grund des missglückten Auferstehungsversuches des Dunklen Lord so seltsam gelaunt gewesen war.

Doch Draco wurde schnell gelehrt, dass sein Vater seine Beherrschung nicht immer behalten konnte. Jeder Fehler, den sein Sohn machte, musste bestraft werden. Meistens mit Worten oder gegenteilig, mit Ignoranz, bis es irgendwann zur ersten, aber auch einzigen, Ohrfeige kam. Draco hatte es seither nie mehr gewagt, seinem Vater zu widersprechen oder versucht sich zu rechtfertigen.

Dennoch, sein Vater, Lucius Malfoy war stets sein Vorbild gewesen. Er wollte es ihm Recht machen, versuchte es mit allen Mitteln, aber es war schwer. Lob fiel spärlich aus, Missgunst war umso größer. Doch Draco glaubte immer an all die Ideale, so, wie er es von seinem Vater vorgelebt bekam. Sie waren Malfoys, so hatte man sie zu behandeln.

Nach der Auferstehung des Dunklen Lords hatte sich nicht viel in Malfoy Manor geändert, außer der Tatsache, dass Lucius seinem Sohn mehr Aufmerksamkeit schenkte. Er wollte bereits zu jener Zeit alles daran setzten, aus Draco einen Todesser zu machen, der dem Dunklen Lord würdig war. Auch für Draco war dies ein Ziel, ein Ziel das bedeutete wirklich Macht zu haben, für seine Vorstellungen zu kämpfen. Damals hatte er noch immer keine Ahnug gehabt, was es bedeuten würde, dem Dunklen Lord dienen zu müssen.

Nun, zwei Jahre später, hatte er erkannt, wie hart es war. Man musste alles aufgeben, das einzige wofür man zu arbeiten und zu leben hatte, waren die Pläne des Meisters...

Vor etwa einem Jahr hatte er seinen Auftrag vom Dunklen Lord erhalten: der Tod Dumbledores. Damals hatte er angefangen Angst zu bekommen. Keine Zweifel, sondern Angst. Ihm wurde klar gemacht, dass ein Scheitern seinerseits inakzepptabel war. Sein eigener Vater war gefangen in Askaban und konnte ihm nicht helfen. Es war das erste Mal, dass Draco wirklich alleine gewesen war. Zuvor hatten immer seine Familie oder Crabbe und Goyle hinter ihm gestanden und ihm somit Kraft, Macht verliehen.

Doch damals konnte sein Vater ihm keinen Rat geben, ihn nicht unterstützen. Er war alleine unter den Todessern gewesen, musste schwören, bei seinem Leben und dem seiner Eltern dem Dunklen Lord auf immer und ewig zu dienen und zu folgen. Den Schmerz, der die Einbrennung des Dunklen Mals gebracht hatte, konnte er sich nun kaum noch vorstellen. Es war eine erste Probe gewesen und er hatte sie bestanden. Anschließend hatte der Dunkle Lord persönlich ihm Dumbledores Tod aufgetragen und er hatte gedroht. Würde Draco genauso versagen wie Lucius, konnte er nicht darauf hoffen, nur als Gefangener in Askaban zu enden, seine Strafe würde der Tod sein. Es hatte gedauert, bis Draco klargeworden war, dass der Dunkle Lord vorallem Lucius auf diese Weise bestrafen wollte.

Das, wovon Draco früher geträumt hatte, hatte sich als Alptraum herausgestellt. Nie zuvor hatte er solche Verzweiflung und Todesangst erlebt, wie im vergangenen Jahr in Hogwarts. Ihm war zum ersten Mal bewusst geworden, was es bedeutete, alleine zu sein. Sich auf sich selbst verlassen zu müssen.

Trotzdem, bis zu jenem Tag auf dem Astronomieturm, hatte er keinerlei Zweifel gehegt. Er war vollkommen überzeugt gewesen, von allem, was sein Vater ihm je gelehrt hatte. Und dann kam der Bruch. Es schien so lange her, doch es waren kaum zwei Wochen vergangen. Dumbledore hatte Draco etwas gezeigt, dass er sein Leben lang als Schwäche und Dummheit abgestempelt hatte, weil er es nie verstanden, nie erlebt oder einfach nicht gewollt hatte.

Zum einen die schlichte Wahrheit. "Draco, Draco, du bist kein Mörder", waren Dumbledores Worte gewesen. Draco hatte es in dem Moment geleugnet, er war sich immer sicher gewesen, dass er das Zeug dazu hatte, jemandem das Leben zu nehmen. Es war schließlich das, wofür man die Todesser so fürchtete. Erst später hatte er sich eingestehen können, dass Dumbledore Recht hatte.

Ironischer Weise hatte er außerdem Mut es den Worten des alten Mannes schöpfen können.

"...Ein cleverer Plan, ein sehr cleverer Plan... und, wie du sagst, genau unter meiner Nase...", hatte Dumbledore gesagt, nachdem Draco ihm erzählt hatte, wie er die Todesser ins Schloss gebracht hatte. Diese Worte, dieses Lob von dem Menschen zu dessen Mord er gekommen, hatten ihn seltsamer Weise aufgebaut. Vielleicht, weil es das einzige Lob war, das er seit so langer Zeit vernommen hatte. Freundlich Worte...

Natürlich war Draco sich zu dem Zeitpunkt immer noch sicher, er würde für das Richtige kämpfen. Nur langsam kroch die Erkenntnis in ihm hoch, dass er wirklich kein Mörder war. Doch er hatte kaum Zeit gehabt, darauf zu achten, denn das Gespräch hatte sich auf Snape gerichtet. Im Nachhinein fragte Draco sich, ob Dumbledore nichts von dem Unbrechbaren Schwur zwischen Snape und seiner Mutter gewusst hatte, oder ob er ihn aus Gründen die er nicht verstand, angelogen hatte.

Schließlich war Dumbledore darauf gekommen, dass Rosmerta unter dem Imperiusfluch gestanden hatte. Damals hatte Draco Stolz gefühlt, Dumbledore zeigen zu können, dass er einen der Unverzeilichen Flüche beherrschte. Doch dann hatte Dumbledore etwas gesagt, dass für ihn erst unbegreiflich schien.

Draco hatte Granger Schlammblut genannt und Dumbledore hatte gesagt: "Bitte benutzte dieses widerwertige Wort nicht in meiner Gegenwart."

"Sie kümmern sich darum, ob ich Schlammblut sage, wenn ich dabei bin Sie zu töten?", hatte Draco barsch lachend gefragt.

"Ja, das tue ich", war Dumbledores Antwort gewesen. Für Draco war es unbegreiflich gewesen, wie Dumbledore sich in solch einer Situation so verhalten konnte. Er selbst hätte sich kaum für die Behandlung anderer geschert, außer wenn es um seine Eltern gehen würde. Aber Dumbledore tat es, obwohl er höher über Granger stand, als über irgendjemand anderem.

Irgendwann hatte die Panik Draco übermannt. "Ich habe keine Wahl! Ich muss es tun! Er wird mich umbringen! Er wird meine ganze Familie umbringen!"

Kurz nach dem er dies gesagt hatte, war etwas passiert, dass Draco mehr überrascht hatte, als alles andere bis dahin.

"Ich kann dir helfen, Draco", Dumbledore hatte ihm, nach allem was er getan hatte, seine Hilfe angeboten. Wollte er ihm verzeihen?

Doch Draco war fest davon überzeugt, dass ihm niemand helfen konnte, nicht gegen den Dunklen Lord. Nun, da er darüber nachdachte, viel ihm auf, dass er unterbewusst schon mit dem Gedanken gespielt hatte, wie es wäre sich vom Dunklen Lord abzukehren. Anstatt "Ich will Ihre Hilfe nicht. Ich will auf dieser Seite bleiben!" zu sagen, hatte er geantwortet: "Er hat mir befohlen es zu tun oder er wird mich umbringen. Ich habe keine Wahl."

Dumbledore hatte ihm angeboten, ihn und seine ganze Familie zu beschützen, zu verstecken.

Er war kurz davor gewesen, so kurz davor, alles aufzugeben und Dumbledores Hilfe anzunehmen. Denn er hatte gemerkt, er konnte ihn nicht töten, was sein, Dracos, Tod bedeuten würde. Aber in dem Moment waren die anderen Todesser gekommen.

Die nächsten Minuten würden Draco wohl immer in schrecklicher Erinnerung bleiben. Die Todesser, die ihn aufforderten Dumbledore zu töten, während er nun wusste, dass er es nicht konnte. Er konnte nicht, er wollte nicht. Er war nicht fähig.

Doch dann war Snape gekommen und hatte Dumbledores Leben beendet, so schnell und kalt, als wäre der alte Mann nichts weiter als ein lästiges Insekt. Er hatte Draco anschließend gepackt und war mit ihm nach Malfoy Manor verschwunden. Während dieser Zeit konnte Draco weder klar denken noch seine Gefühle definieren. Er war verängstigt, erschrocken, bewegt, geschockt, durcheinander und so viel mehr. Kaum war er im Stande gewesen einen klaren Gedanken zu fassen, war der Dunkle Lord erschienen und hatte ihm und seiner Mutter den Tod versprochen.

Draco hatte keinen Ausweg gesehen - bis jetzt.
Er würde leben.

Aber er wusste, es gab nichts, was seine Mutter dazu bringen würde, mit ihm zu gehen...

Ein Vogel segelte lautlos durch die Nacht, frei von Sorgen und Ängsten und ließ sich auf einem der kleinen Türme das Manors nieder, als Draco das Fenster schloss.

- - -

"Malfoy Manor!" Wie am Tag zuvor war Hermine zum Tropfenden Kessel appariert und hatte ihrer Mutter zuvor irgendeine Geschichte aufgetischt, die sie mittlerweile wieder vergessen hatte.

"Ich hab schon gedacht, du kommst gar nicht mehr", sagte Malfoy leicht genervt, als Hermine unelegant aus dem Kamin wankte.

"Wir apparieren zurück", sagte sie anstatt auf ihn einzugehen. Sie verspürte ein flaues Gefühl im Magen, denn es war noch lange nicht so weit, dass sie dem Blonden traute. Würden gleich Todesser hinter dem Sofa auftauchen?

"Dann müssen wir nach draußen. Hier kann man nicht apparieren", Malfoy nahm einen Koffer und ging zur Tür.

"Brauchst du wirklich so einen großen Koffer?", fragte Hermine und deutete auf eben jenen.

"Sonst hätte ich ihn wohl kaum dabei."
Sie kamen an der großen schwarzen Haustür an und Malfoy streckte die Hand nach der Klinke aus.

"Willst du dich gar nicht von deiner Mutter verabschieden?", wollte Hermine überrascht wissen.

"Hab ich schon", antwortete er und zog die Tür auf.

"Aha. Und warum?"

"Damit sie dich nicht sieht", sagte Malfoy.

"Oh, wie konnte ich das vergessen! Sie hätte sich vermutlich die Augen verätzt, wenn sie ein Schlammblut gesehen hätte! Und das in ihrem Haus!", rief Hermine aufgebracht und schloss die Tür hinter sich.

"Das auch. Aber der Hauptgrund war eigentlich, dass sie dem Dunklen Lord unfreiwillig etwas über euch oder mich mitteilen könnte. Ich habe ihr nur gesagt, dass ich gehe. Nicht wohin, nicht warum und nicht... zu wem", erklärte er und führte sie über einen Weg hinab zu einem großen schwarzen Tor. Er hielt eine Hand gegen eine S-förmige Schlange und das Tor öffnete sich lautlos. Er und Hermine gingen hindurch und es schloss sich ebenso leise hinter ihnen. Hermine drehte sich um und sah Malfoy Manor zum ersten Mal von außen. Ihre Augen weiteten sich, als sie das große, alt wirkende Gebäude betrachtete. Es war schlicht -

"unglaublich", hauchte Hermine.

"Was?", fragte Malfoy, wohlwissend, was sie meinte.

"Ach... nichts. Also los... am besten wir halten den Koffer zusammen."

Hermine griff nach dem Koffer den Malfoy mit einer Hand festhielt. Dann konzentrierte sie sich und wenige Augenblicke später standen sie in einem hübschen Garten mit bunten Blumen vor dem Haus der Grangers.

"Hier wohnst du?", fragte Malfoy und klang, als würde Hermine in einer Garage hausen.

Hermine nickte.

"Es ist... klein."

"Warte nur bis du weißt, wo du wohnst", grinste Hermine diabolisch und ging nach links über den grünen Rasen - geradewegs auf einen hölzernen kleinen Schuppen zu. Dort bewahrten ihre Eltern allerlei Geräte für die Gartenarbeit, Gartenmöbel und -polster auf. Die Stühle und der Tisch standen auf der Terasse so dass im Schuppen genug Platz für Malfoy sein würde.

"Du willst mir nicht erzählen, dass ich da rein soll?", fragte Malfoy mit schockierter Mine.

"Genau das."

"Nein"

"Doch."
"Nein, ich werde da keinen Fuß rein setzten."

"Willst du etwa draußen schlafen und dich von meinen Eltern finden lassen?"

"Warum kann ich nicht in eurem Haus schlafen? Da wird doch irgendwo ein Zimmer... Shit, eurer Haus ist ja viel zu klein." Malfoy warf einen finsteren Blick Richtung Haus.

"Du sagst es. Und jetzt rein." Hermine öffnete die quitschende Holztür. Keiner der beiden betrat den Schuppen.

Malfoy äugte angewidert ins Innere. Neben Staub und Spinnenweben befanden sich alte Polster, Schaufeln, Säcke mit Blumenerde gefüllt und vieles mehr, was ein Muggel im Garten so brauchte, im Schuppen.

"Du erwartest nicht wirklich, dass ich die nächsten Tage da drinn sitzte?"

"Das ist der einzige Weg, Malfoy."
"Nein. Es gibt immer eine andere Möglichkeit!"
Hermine verdrehte die Augen. "Ich wusste, dass dich mal wieder anstellen würdest und glaub mir, das ist die einzige Möglichkeit. Geh da jetzt rein."

"Nein. Ich lasse mich nicht von einem Schlammblut in einen eckelhaften Muggel-"

"Malfoy!", rief Hermine. "Wie soll es denn bitte sonst gehen?"
"Du schläfst hier und ich in deinem Zimmer.", sagte er todernst.

"Ich weiß ja nicht wie das bei deinen Eltern ist, aber meine würden sich bestimmt sehr freuen einen Fremden im Bett ihrer Tochter zu finden, während diese draußen im Schuppen schläft. Und fragen würden sie schon gar nicht", sagte sie sarkastisch. Dann ging sie durch die offene Tür in den Schuppen.

"Komm jetzt hier rein!"

"Ich lasse mich nicht von Schlammblütern rumkommandieren!"

"Kannst du eigentlich jemals damit aufhören?", fragte Hermine wütend. "Merlin! Nur weil meine Eltern Muggel sind, heißt das nicht dass ich dir in irgendeiner Weise unterlegen wäre! Aber das wird wohl nie in deinen arroganten, egoistischen Hohlschädel gehen!"

"Sag das nochmal!", rief Malfoy drohend.

"Es ist mir ein Vergnügen! Du bist ein arroganter dämlicher Egoist! ...Stell dir mal vor, du wärst muggelgeboren und ich reinblütig!"

"Wie kannst du es wagen?" Malfoy hatte vor Zorn unbewusst seinen Zauberstab gezogen. Allein der Gedanke, er, Draco Malfoy, hätte als Muggelkind geboren werden können, schien für ihn eine unglaubliche Beleidigung darzustellen.

"Steck den weg, der hilft auch nicht", sagte Hermine unwirsch.

"Überleg dir gut was du sagst, Schlammblut!"

"Im Gegensatz zu dir, weiß ich immer was ich sage. Und im Gegensatz zu dir bin ich kein verwöhnter, hirnloser Slytherin!"

Malfoy ging nun bedrohlich auf Hermine zu, bis-

"HA! Jetzt hab ich dich!", sie lief schnell um Malfoy herum, der jetzt inmitten des Schuppens stand, und stellte sich in die Tür.

"Granger! Du-"

"Hier ist dein Koffer. Ich bring dir heute Abend was zu essen. Bye!" Sie stellte den Koffer in den Schuppen, schlüpfte nach draußen und schloss die Tür. Malfoy rief von drinnen irgendwas, als sie von außen einen Riegel vor die Tür schob.

Hermine drehte sich um und lief zum Haus. Sie konnte es nicht glauben. Draco Malfoy war in ihrem Gartenschuppen eingesperrt. Sie hoffte nur, er würde den Schuppen nicht vor Wut in die Luft sprengen.

- - -

"Ich muss morgen bevor ich zur Praxis fahre, noch zur Bank. Wundert euch nicht, wenn ich zum Frühstück nicht da bin", sagte Mrs. Granger.

Die Familie saß beim Abendbrot. Hermine nahm sich ein Brot nach dem anderen, schmierte Butter darauf, schnitt sie durch und belegte sie - bis ihr Teller voll war. Ihre Eltern beäugten verwundert den Stapel Brote. "Hermine? Ist alles OK?"

"Sicher. Ich habe nur gedacht, ich esse heute mal draußen."
"So viel?", fragte ihr Vater.

"Na, du weißt doch. An der frischen Luft krieg ich gleich das doppelte runter." Hermine stand auf, nahm den Teller und ging aus der Küche.

"Das Doppelte?", murmelte ihr Vater. "Das ist das Dreifache."

Hermine war sich selbst nicht sicher, ob es vielleicht doch zu viel zu essen war, aber sie wusste von Ron wie viel Jungen in diesem Alter verschlingen konnten. Sie schnappte sich noch schnell zwei Wasserflaschen und verließ das Haus.

Draußen war es noch hell und angenehm warm. Hermine lief zum Schuppen, zog den Riegel an der Schuppentür zurück, öffnete die Tür und trat mit dem Teller ein.

"Das wird aber auch Zeit!", schoss Malfoy sie an und griff gleich nach einem Brot.

Hermine sah, dass er versucht hatte, den Schuppen so wohnlich wie nur möglich herzurichten. Anscheinend hatte er in einer Ecke Staub, Spinnennetze und Dreck entfernt und sich dort aus alten Gartenstuhlpolstern ein Bett zurechtgemacht.

Als Hermine nach einem Brot griff, aß Malfoy bereits sein zweites.

"Ich halte es hier nicht mehr drinn aus. Ist dir eigentlich die Idee gekommen, wie langweilig es ist? Ich soll hier allenernstes noch drei Tage drinne leben? Da hätte ich mich auch gleich umbringen lassen können..."

Hermine verdrehte die Augen. "Bitte, nicht schon wieder. Ich habe dir doch schon gesagt, anders geht es nicht."

"Dann gib mir wenigstens ein Buch. Oder am besten Zwei. Oder Drei. Oder-"

"Was für eins?", unterbrach Hermine ihn.

"Nicht nur eins!"
"Ja, ist ja gut. Was für welche?"

"Was weiß ich. Du wirst doch irgendwas haben, was nicht stinkend langweilig ist?"

"Meine Bücher sind überhaupt nicht-"

"Jahaaa."

"Gut. Ich bring sie dir morgenfrüh."
"Morgen? Merlin, Granger! Bis dahin bin ich eingegangen."

Hermine seufzte. "Ich hab's verstanden."
Sie aßen die Brote auf und Hermine nahm den Teller, ging nach draußen und verriegelte den Schuppen.

"Du hast alle gegessen?", rief Mr. Granger mit aufgerissenen Augen.

"Tja... ich hatte eben Hunger", grinste Hermine verlegen, stellte den Teller in den Geschirrspüler und lief nach oben in ihr Zimmer.

Dort stand sie vor ihren Büchern und überlegte. Sie hatte absolut keine Ahnung, was sie Malfoy mitbringen sollte. Schließlich griff sie einfach wahllos vier Bücher und ging wieder nach unten.

"Was hast du jetzt schon wieder vor?", fragte ihre Mutter

"Wisst ihr, draußen ist es so schön... ich lese heute im Garten." Hastig lief sie weiter zur Haustür.

Mr. Granger sah seine Frau mit gerunzelter Stirn an. "Sie will heute abend vier Bücher lesen?", fragte er skeptisch.

"Du kennst doch Hermine", sagte seine Frau und sie gingen gemeinsam ins Wohnzimmer.

"Ja. Aber vier Bücher?"

"Lehrbuch der Zaubersprüche Band eins? Toll Granger. Danke", grummelte Malfoy als sie ihm die Bücher gab.

"Du hättest mir eben sagen sollen, was du lesen willst", sagte sie, setzte sich hin und schlug ein Buch auf.

"Ich weiß ja, dass du meine Gegenwart schätzt", sagte Malfoy und sah sie mit einer Mischung aus Misstrauen und Hohn an. "Aber warum liest du hier?"

"Hmm?"

Malfoy rollte mit den Augen. "Warum liest du nicht in deinem Zimmer?"

"Weil meine Eltern dann noch mehr hätten, das sie komisch finden könnten. Ich gehe raus, mit vier Büchern, um fünf Minuten später mit einem zurückzukommen... sie sind zwar Muggel, das heißt aber nicht dass vollkommen doof sind."

"Aha", machte Malfoy und öffnete eine der Wasserflaschen, die Hermine mitgebracht hatte. Als er trank, hob Hermine den Kopf und spähte über den Buchrand zu ihm herüber. "Malfoy... musst du eigentlich nie... auf Toilette?"

"Nein."

"Was? Wie-"
"Auf dumme Fragen gibt's eben dumme Antworten, Granger. Glaubst du wirklich, du kannst mich hier drinnen einsperren? Ich kann hier raus, sooft ich will."
"Hast du etwa bei uns in den Garten...?", fragte Hermine und sah besorgt nach draußen.

Malfoy grinste nur - Hermine wusste nicht ob das ein Ja oder Nein war - stellte die Flasche beiseite und nahm sich ebenfalls ein Buch.

Sie saßen im Schuppen und lasen schweigend bis es draußen langsam dunkel wurde.

"Ich gehe jetzt besser wieder rein." Hermine stand auf legte ihr Buch zu den anderen und ging zur Tür.

"Bis morgen."

Malfoy sagte nichts, sondern zückte seinen Zauberstab, murmelte "Lumos!" und las weiter.

Hermine verriegelte die Tür hinter sich, obwohl sie wusste, dass es für Malfoy kein Hindernis darstellte. Aber irgendwie fühlte sie sich so besser.

Als sie den Flur betrat, hörte sie den Fernseher aus dem Wohnzimmer und ihre Eltern, die sich leise unterhielten. Hermine ging weiter, die Treppe hinauf und ins Badezimmer.

Schließlich lag sie im Bett und starrte an die Decke. Es war alles viel einfacher, als sie angenommen hatte. Malfoy war irgendwie... umgänglich. Er hatte sie zwar noch Schlammblut genannt, aber ansonsten hatte er sich mit wirklichen Beleidigungen zurückgehalten. Vielleicht, dachte Hermine, hatte es etwas damit zu tun, dass kein Haufen Slytherins dabei war. Sicherlich war aber der Hauptgrund die Angst vor Voldemort, der Tod der fast sicher gewesen schien, das letzte Jahr in Hogwarts... wahrscheinlich war selbst ein Malfoy einmal erschöpft.

- - -

Als Hermine am nächsten Morgen aufwachte, konnte sie sich noch recht gut an ihren Traum erinnern.

Sie war auf Fleurs Hochzeit gewesen, doch hatte Fleur nicht Bill, sondern Ron geheiratet und sie, Hermine, hatte in der Menge gestanden und, wie sie im Nachhinein verwirrt festestellte, ebenso gejubelt wie die anderen. Hermine wunderte sich deshalb, da Ron sie am Tag von Dumbledores Beerdigung zum ersten Mal geküsst hatte... und am Bahnhof zum Abschied hatten sie sich auch geküsst, aber nicht zum zweiten Mal... Sie hatten sich an den letzten Tagen in Hogwarte gegenseitig Trost gespendet und irgendwie war es dann passiert. Nur Ginny und Harry wussten davon.

Doch kaum war sie zu Hause, hatte Hermine gemerkt, dass sie für Ron doch nur tiefe Freundschaft empfand und sie hatte sich schlecht gefühlt. Schlecht, weil sie sich vorkam, als hätte sie ihn ausgenutzt, in Zeiten in denen sie niemand anderen hatte... Sie wusste nicht wie sie sich verhalten sollte, wenn sie Ron am Samstag treffen würde...

Hermine gähnte und begab sich schläfrig ins Badezimmer. Nach einer erfrischenden Dusche fühlte sie sich wach genug um zu frühstücken.

Unten in der Küche war nur ihr Vater, der gerade Zeitung las.

"Morgen!"

"Morgen, Dad."

Hermine setzte sich und begann ein Brötchen zu schmieren, dann noch eins und noch drei weitere. Wie am Vortag lud sie alle auf einen großen Teller.

Mr. Granger sah sie an, sagte aber nichts dazu, sondern: "Bis heute Mittag. Ich fahr jetzt."

"Ist gut", antwortete Hermine. Sie wartete, bis sie die Haustür zufallen hörte und holte dann zwei Gläser aus dem Schrank. Wieder wartete sie, bis sie sicher war, ihr Vater würde im Auto sitzten, nahm dann den Teller, die Gläser und eine Flasche Orangensaft und verließ damit das Haus.

Eilig lief sie zum Schuppen und öffnete die Tür. Dabei sah sie jedoch nicht, wie Mr. Granger kopfschütteln den Blick von ihr abwandte und in sein Auto stieg. Denn Hermine sah etwas anderes: Malfoy schlief noch. Er lag ausgestreckt auf den Polstern und es war das erste Mal, dass Hermine seine Haare unfrisiert sah. Sie waren verwuschelt und standen in alle möglichen Richtungen ab. Ein außerst ungewohnter Anblick.

Hermine ließ die Tür weit geöffnet, um die frische Luft einzulassen und stellte das Frühstück auf den Boden. Als sie wieder zu Malfoy sah, starrten zwei graue Augen zurück.

"Morgen", sagte Hermine.

"Hmm", brummte Malfoy, richtete sich auf und fuhr mit einer Hand durch seine Haare.

"Verdammt. Ich brauch ein Badezimmer."

"Malfoy, du wirst nicht daran sterben, dass deine Haare mal nicht gegelt und gestriegelt sind", meinte Hermine und griff nach einem Brötchen.

"Ich würde gern duschen, okay? Seit einem Tag steck ich in diesem dreckigen... Ding."

"Das geht aber nicht und das weißt du", sagte Hermine.

Malfoy nach sich nun ebenfalls ein Brötchen und sagte:"Sind deine Eltern nicht arbeiten?"

"Doch schon, aber-"
"Na, dann seh ich da kein Problem."

Hermine überlegte. Sie verstand ihn und eigentlich hatte er Recht, ihre Eltern waren in der Praxis. Was sollte schon schiefgehen?
"Okay, nach dem Frühstück."

Sie aßen auf und verließen anschließend den Schuppen. Die Sonne schien hell vom fast wolkenlosen Himmel. Hermine seufzte. Hier war alles so friedlich und sorglos, dachte sie...

Sie kamen an der Haustür an und Hermine öffnete und trat ein, Malfoy folgte und sah sich neugirieg um.

"Am besten du gehst gleich ins Bad und beeilst dich, okay?"

Malfoy folgte ihr, bis er ganz plötzlich inne hielt. "Ich stehe mitten in einem Muggelhaus. Muggelhaus", stellte er mit ungläubiger Stimme fest.

"Blitzmerker. Gleich wird's sogar noch besser: du wirst in einer Muggeldusche duschen", sagte Hermine, als würde diese Tatsache alles übertreffen, was er jemals im Leben getan hatte.

Sie öffnete die Badezimmertür.

"Handtücher sind dahinten in dem Schrank. Beeil dich."

Malfoy trat ein und schloss die Tür.

Hermine ging in die Küche, stellte den Saft in den Kühlschrank und räumte das Geschirr weg. Dann machte sie sich daran, den Küchentisch abzuräumen. Sie hörte wie das Wasser aus der Dusche floss. Doch dann hörte sie noch etwas. Sie erstarrte mit Honig in der einen und Marmelade in der anderen Hand. Sie musste sich verhört haben. Das konnte nicht sein.

"Hermine?"

Doch, es konnte. Ihre Mutter hatte soeben das Haus betreten.

"Hey Mum. Was machst du denn hier?", fragte Hermine und versuchte so unschuldig wie möglich zu klingen.

"Ach, ich wollte nur das Geld hierher bringen. Besser, als es in Praxis zu vergessen." Mrs. Granger legte einen Umschlag auf den Küchenschrank und hielt dann inne.

"Ist da jemand in der Dusche?", fragte sie und lauschte.

"Was? Äh... das ist nur das Badewasser... ich lasse gerade Wasser ein", langsam fiel es Hermine immer leichter, Ausreden zu erfinden, stellte sie beinahe erschrocken fest.

"Na dann, viel Spaß noch", ihre Mutter trat in den Flur und ging zur Haustür.

"Bye, Mum!"

Hermine stellte den Honig weg und atmete erleichtert auf.

Als Malfoy später aus dem Badezimmer kam, saß sein Haar wie immer - perfekt, und auch er wirkte zufriedener.

"War jemand hier?", fragte er. "Es klang so, als hättest du dich mit jemandem unterhalten. Oder führst du Selbstgespräche ?"
"Ja, meine Mutter war hier", antwortete Hermine. "Egal, du gehst jetzt am Besten wieder raus."

"Länger kann ich es hier auch nicht mehr aushalten."

Hermine überhörte diese Bemerkung spielend.

- - -

Zum Mittagessen kamen Hermines Eltern wie immer nach Hause. Hermine hatte beschlossen mit ihren Eltern zusammen zu essen und anschließend Malfoy Suppe zu bringen. Sie befürchtet dass es langsam zu auffällig wurde, wenn sie immer draußen aß.

Hermine bemerkte nicht, dass ihre Eltern sie schon fast erwartungsvoll ansahen, als sie sich Suppe auftat. Sie sah auch nicht, wie sie verwunderte Blicke austauschten, als Hermine nur eine normale Portion nahm und gleich begann zu essen. Weder Mr. noch Mrs. Granger sagten etwas.

Nachdem Hermine ihrer Mutter beim Abwaschen geholfen hatte, wartete sie bis sie allein in der Küche war, nahm einen Teller aus dem Schrank und füllte ihn so voll mit Suppe, wie sie es riskieren konnte, ohne beim Gehen zu kleckern. Außerdem nahm sie einen Löffel und eine Flasche Wasser und schlich dann vorsichtig zur Haustür. Als sie die Tür öffnete und nach draußen trat, bemerkte sie nicht, wie ein paar Augen ihr folgte...

"Hat deine Mutter noch irgendwas gesagt?", fragte Malfoy als er ihr den Suppenteller abnahm.

"Nein, sie ahnt nichts-"
"Hermine!"

Ehe sie auch nur irgendwas machen oder eine neue Ausrede erfinden konnte, stand ihre Mutter hinter ihr und sah in den Schuppen und auf Malfoy hinab.

"Oh Hermine! Ich habe es gewusst!"
"Mum-"

"Aber du hättest es uns doch sagen können! Du bist siebzehn! Glaubst wir haben etwas dagegen, wenn du einen Freund hast?"

"Mum ich - was!"
Hermine sah ihre Mutter entsetzt an, gleiches galt für Malfoy, der wie vom Blitz getroffen da saß. Mrs. Granger lächelte die beiden unentwegt an.

"Schatz, ich bin deine Mutter! Ständig warst du heimlich weg, nunja ich weiß nicht wo du vorgestern warst, aber ständig hast du dich hier draußen rumgetrieben. Glaubst du ich merke das nicht? Aber warum um Himmels Willen hast du nichts gesagt? Dein Freund hätte doch im Haus schlafen können."

Hermine war für einen Moment sprachlos, sie starrte ihre Mutter an, die glücklich lächelnd auf Malfoy blickte und fragte: "Wer bist du überhaupt? Wie heißt du?"

"D-"

"Dave Smith", sagte Hermine rasch. Sie war sich nicht so sicher, ob ihre Mutter noch wusste wer Draco Malfoy war, schließlich hatte Hermine ihr von ihm und seinen Gemeinheiten erzählt.

"Er geht auch nach Hogwarts, nach Ravenclaw", fügte Hermine hastig hinzu.

Malfoy starrte nun sie ungläubig an. Hermine konnte ihn nur zu gut verstehen, sie war auch nicht besonders angetan davon, ihrer Mutter vorzuspielen, sie wäre mit Malfoy zusammen. Aber es schien ihr momentan einfacher, als zu erklären, was ihr schlimmster Feind im Schuppen machte.

Merlin, hilf!

"Wie lange seid ihr zwei schon...?", fragte Mrs. Granger. Sie schien völlig aus dem Häuschen zu sein, schließlich hatte sie keine Ahnung von Viktor und Ron und freute sich nun umsomehr.

"Ähh... wir haben uns letztes Jahr nach den Weihnachtsferien... kennengelernt."

Mrs. Granger schüttelte den Kopf mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck und sagte dann:"Nun kommt rein, wir legen eine Matratze in Hermines Zimmer... da fällt mir ein, warum bist du nicht bei deinen Eltern?"

Malfoy war sprachlos, er konnte nicht antworten. Sein Gehirn hatte ausgesetzt. Diese Frau glaubte Hermine und er wären zusammen... Hermines Stimme unterbrach seine Gedanken:

"Das ist eine komplizierte Geschichte! Niemand steigt da so wirklich durch. Es hat etwas mit der Cousine zweiten Grades seines Onkels und der Tante seines Vaters zu tun, und... wie auch immer. Familienstreit. Ziemlich schlimm."

"Gut, gut. Kommt rein."

Hermine nahm die Bücher und die Suppe, Malfoy seinen Koffer und sie folgten Hermines Mutter. Malfoy warf Hermine tödliche Blicke zu, als wäre es ihre Schuld, dass Mrs. Granger zu diesem falschen Schluss gekommen sei. Als ob es mir gefällt, dachte Hermine wütend.

"Wie lange bleibst du?", fragte sie über ihre Schulter.

"Bis zum Wochenende."

Im Wohnzimmer saß Mr. Granger und sprang vollkommen überrascht auf, als Malfoy hinter seiner Frau und seiner Tochter eintrat.

"Schatz", sagte Mrs. Granger "das ist Hermines Freund."

Mr. Granger sah Malfoy von oben bis unten an, warf seiner Frau einen Blick zu und wurde von dem ihren bestätigt, dass dies der Grund für Hermines auffälliges Verhalten gewesen war. Dann reichte er Malfoy die Hand und Malfoy stellte sich mit etwas höherer Stimme als sonst vor: "Guten Tag. Ich bin David Smith."

"David? Eben war es noch Dave", sagte Mrs. Granger mit gerunzelter Stirn. Hermine erschrak und blickte ihre Eltern bang an, doch zu ihrer Überraschung übernahm es diesmal Malfoy, eine Ausrede zu erfinden.

"Gr- Hermine nennt mich Dave... und ich nenne sie... Mine...", sagte er mit seltsamer Stimme. Hermine war die einzige, die merkte wie viel Überwindung es ihn kostete, sie "Mine" zu nennen. Es war schon komisch, ihn "Hermine" sagen zu hören, dachte sie.

Sie nickte bestätigend.

Mr. Granger sah auf seine Armbanduhr. "Wir müssen los! Tut mir wirklich Leid... aber wir sehen uns heute Abend wieder!"

"Gut. Hermine, du weißt ja wo die Klappmatratze ist, nicht wahr?"

Hermine bejahte.

"In Ordnung. Wir sehen uns dann heute Abend."

Sie und ihr Mann gingen eilig aus dem Wohnzimmer.

Als sie die Haustür zufallen hörte, seufzte Hermine erleichtert auf und ließ sich auf das Sofa sinken.

"Großer Merlin!", stöhnte Malfoy. "Wo bin ich hier gelandet? Man denkt von mir, ich wäre mit einem Schlammblut zusammen. Ich... Schlammblut...!"

"Halt die Klappe und iss", murmelte Hermine und hielt ihm den Teller hin.

Nachdem Malfoy zwei Teller Suppe verspeist hatte, gingen sie hoch in Hermines Zimmer.

Erst da bemerkte Hermine, seltsamer Weise, wie kindlich ihr Zimmer eigentlich war. Sie verbrachte so wenig Zeit hier, dass sie sich nie die Zeit genommen hatte, es anders einzurichten. Hermine war in diesem Moment heilfroh, dass sie kein Ich-will-Prinzessin-sein-Mädchen gewesen war und ihr Zimmer dementsprechend keine rosa Tapete, pinke Vorhänge und kein Himmelbett hatte. Die Tapete war hellgelb, die Gardinen rot und das Bett, wie auch die übrigen Möbel waren aus Holz und relativ einfach. Was sie am Meisten störte, war die Schar Kuscheltiere die oben auf ihrem Regal saß und Malfoy aus großen schwarzen Augen anstarrten.

"Schick Granger, ich wusste schon immer dass du Geschmack hast", Malfoy grinste und deutete auf einen weißen Stoffhasen mit rosa Schleifchen um den Ohren.

"Ich hol jetzt die Matratze und Bettwäsche. Stell bitte nichts an."

Hermine lief runter in den Keller und holte eine grüne alte Matratze und Bettwäsche. Sie konnte es nicht recht glauben. Nicht nur, dass sie vorspielte, mit Malfoy zusammen zu sein, nein, er würde auch noch in ihrem Zimmer schlafen...

Irgendwie brachten sie den Nachmittag rum, indem Malfoy immer wieder wiederholte wie furchtbar für ihn allein der Gedanke war, mit einem Schlammblut in einem Muggelhaus zu schlafen und Hermine ebenso oft erwiderte, dass sie sich ebenfalls deutlich bessere Gesellschaft vorstellen konnte.

Malfoy fragte sie außerdem über das Versteck aus, doch Hermine wollte ihm noch nichts über den Grimmauldplatz verraten.

"Ich denke wir werden schon etwas früher kommen... und wenn Harry und Ron ankommen, bleibst du erstmal weg und ich rede mit ihnen. Wenn sie dich sehen, ohne dass ich vorher mit ihnen gesprochen habe, bringen sie dich vermutlich an Ort und Stelle um."

"Oder andersherum."

Hermine verdrehte die Augen.

Am Abend kamen die Grangers wieder und aßen mit ihnen gemeinsam Abendbrot. Hermine und Malfoy sprachen kaum, während Mr. Granger und seine Frau ständig versuchten sie ihn ein Gespräch zu verwickeln. Ohne großen Erfolg.

Nach dem Essen gingen alle vier ins Wohnzimmer.

Mrs. Granger zog Hermine zur Seite während Mr. Granger Malfoy bedeutete sich aufs Sofa zu setzten, anschließend setzte er sich dazu.

"Hermine", sagte Mrs. Granger flüsternd. "Ihr beide müsst nicht so tun, als ob ihr euch nicht kennt. Du weißt, wir haben kein Problem damit."

Hermine hätte am Liebsten die Augen verdreht und ihr die Wahrheit gesagt. Aber das hieße, viel zu viel erklären zu müssen und jetzt würde ihre Mutter sowieso nicht mehr glauben, sie seien nur Freunde, oder besser noch, Feinde.

"Ist gut, Mum."

"So", sagte ihre Mutter dann laut und setzte sich aufs Sofa - welches nun voll war. "Also machen wir vier uns heute einen schönen Abend."

Sie winkte Hermine und diese kam zum Sofa, bis sie verstand, was ihre Mutter dachte. Mit einem Blick auf Malfoy wusste Hermine sofort, dass sie beide das gleiche dachten.

"Hermine, setz dich. Ich seh nichts", murmelte Mr. Granger während seine Frau auf der Fernbedienung rumdrückte und einen Kanal suchte.

"Wo war es noch gleich?", fragte sie.

"17", antwortete Mr. Granger während Hermine ganz langsam zu Malfoy ging.

Sie musste das nicht tun, sie konnte einfach sagen, dass... irgendwas sagen.

"Schatz", sagte Mrs. Granger und sah zu ihnen herüber. "Ich habe dir doch gerade gesagt, dass-"

"Ja, ist gut!"

Hermine sah Malfoy an und er blickte horrorerfüllt zurück. Ach, was soll's dachte sie sich und setzte sich auf seinen Schoß.

Sie spürte wie er sich versteifte, ihr ging es nicht anders, doch ihre Mutter sah noch immer zu ihnen herüber und so versuchte sie, sich zu entspannen.

Ruhig bleiben, alles wird gut.

Eigentlich war es gar nicht sooo schlimm. Sie könnte sich richtig schwer machen und mit den Ellenbogen aus Versehen -

"Kennst du den Film?", fragte ihre Mutter an Malfoy gewandt.

Er sah nur fragend zurück und versuchte nicht allzu geschockt und angewidert auszusehen.

" 'Sieben Tage auf Kreta' ?"

Malfoy schüttelte leicht den Kopf.

"Ach, ich liebe diesen Film!"
" 'Sieben Tage auf Kreta'?", fragte Hermine bestürzt. Es war der schlimmste Film den sie je gesehen hatte... und sie hatte ihn oft gesehen... sehr oft... mit ihrer Mutter...

"Ähm, Dave steht nicht besonders auf solche Filme", sagte sie schnell.

"Nicht? Aber dieses Ende! Wie sie beide am Strand bei Sonnenuntergang-"
"Wir gehen hoch", sagte Hermine bestimmt, sprang auf, rief "Nacht!" und stürzte gefolgt von Malfoy auf den Flur und die Treppe hoch.

"Oh Gott. Gott. Oh mein Gott", murmelte sie vor sich hin. Sie wusste selbst nicht, warum. Entweder wegen der Tatsache, dass sie auf Malfoys Schoß gesessen hatte oder vielleicht weil ihre Mutter mit ihrem Freund - der zwar nicht ihr Freund war, aber er hätte es ja sein können, naja, er zwar nicht, aber jemand anderes, dachte Hermine verwirrt - diesen furchtbaren Film sehen wollte.

"Ich geh ins Bad", sagte sie und ging wieder nach unten.

Als sie sich umzog, überlegte sie zuerst einen langen Schlafanzug anzuziehen, doch dafür war es nun wirklich zu warm. Also entschied sie sich für ihr längstes Nachthemd, es war dunkelblau und knielang.

Sie ging wieder hoch und versuchte Mafloy wie immer zu ignorieren, aber irgendwie klappte das diesmal nicht so gut. Hastig zog sie die Gardinen zu und legte sich in ihr Bett.

Malfoy stand auf, kramte etwas aus seinem Koffer hervor und verschwand, um ins Badezimmer zu gehen.

Als er wiederkam, bemerkte Hermine dass er sich nicht umgezogen hatte. Er bückte sich, öffnte seinen Koffer und packte etwas ein, was wie Hermine vermutete Zahnbürste und was man sonst so brauchte war. Dann stand er wieder auf und begann seinen Umhang auszuziehen - Hermine hatte sich gefragt, wie er den bei diesem Wetter überhaupt tragen konnte, wahrscheinlich wollte er nicht zu muggelhaft wirken, vermutete sie. Als Hermine plötztlich realisierte, dass er nun im Begriff war, sein T-Shirt auszuziehen, unter dem er offensichtlich nichts anderes trug, lief sie rot an und drehte sich um. Sie starrte die Wand an und lauschte. Er zog auch seine Hose, Schuhe und Socken aus und legte sich dann unter die Bettdecke auf die Matratze. Sie konnte das Ginsen förmlich spüren, das sein Gesicht zierte.

Wenn Harry und Ron wüssten, dass Hermine mit Malfoy in einem Zimmer schlief, mit einem Malfoy der nur verdammte Boxershorts trug! Sie würden ihr den Hals umdrehen...

"Ich werde heute Nacht Albträume haben", murmelte sie.

"Warum?", ertönte es vom Fußboden.

"Hmm... mal überlegen... vielleicht weil ich im selben Raum mit dem größten Idioten von Hogwarts schlafe?"

"Was hab ich dir getan, Granger?"

"Ist das dein Ernst? Du hast mir, Harry und Ron und eigentlich allen Gryffindors das Leben zur Hölle gemacht!"
"Erzähl mir nicht, Potty, Wiesel und du wären unschuldig."

"Du hast Ron dafür fertig gemacht, dass er kaum Geld hat, du hast seine Familie beleidigt-"
"Er auch meine-"

Hermine wusste nicht wo die plötzliche Wut herkam, doch es interessierte sie auch nicht.
"Du hast Harry dafür gehasst dass er einfach nur Harry ist! Du hast verdammte Lügen im Tagespropheten über ihn verbreitet-"

"Ja, das war gelungen-"
"Du hast keine Gelegenheit ausgelassen, mich zu beleidigen nur weil ich muggelgeboren bin-"

"Und eine Alleswisserin-"
"Du hast allen etwas vorgespielt, gelogen und uns nachgeschnüffelt um Hagrid loszuwerden-"

"Der Hornochse-"
"Hör auf! Du bist so... so...", Hermine suchte nach Worten. Mit einemmal war sie derart wütend auf Malfoy, wenn sie daran dachte, wie er Hagrid, während seines Unterrichts, versucht hatte zu schickanieren. Wie er alles getan hatte, um zu erreichen, dass man ihn von der Schule werfen würde.
"So ein egoistischer, furchtbarer, herzloser, arroganter, verwöhnter Slytherin! Du hast dieses furchtbare "Wesley ist unser King" gedichtet! Merlin, wie ich dich dafür hasse! Vor der ganzen Schule hast du Ron so zugesetzt und du wusstest genau, dass das Rons größte Schwäche war! Du widerst mich an!"

Mafloy schwieg eine Weile.

"Du hast mich geschlagen."

"Und ich würde es jederzeit wieder tun", sagte Hermine immernoch aufgebracht. "Und nun tu nicht so, als ob das schlimm wär. Es ist erstens schon ewig her und war zweitens nichts ernshaftes."

"Das denkst du. Ich wurde von einem Mädchen geschlagen... von einer Gryffindor... von einem Schlammblut... von dir!"
"Ohhh, muss ich jetzt Mitleid haben?"

"Das wäre mein Ende."
"Dann würde es sich ja sogar lohnen... Nacht, Dave."

"Gute Nacht, Mine."

"Warum nennst du mich so?", fragte Hermine fauchend.

"Du hast mich Dave genannt. Warum?"

"Weil... wir uns daran gewöhnen müssen. Wenn wur uns vor meinen Eltern versprechen, werden sie noch misstrauischer...", murmelte sie vor sich hin.

"Unglaublicher Weise hatte ich den selben Gedanken wie du, Granger", sagte Malfoy und klang als würde ihm diese Tatsache Gänsehaut bereiten.

"Jaaa, aber du heißt nicht wirklich Dave!"

"Und du heißt nicht Mine."
"Doch."

"Doch? Nennen dich Potter und Weasley etwa Mine?", fragte Malfoy höhnisch. "Oder Minchen?"

"Halt die Klappe und schlaf, Malfoy", sagte Hermine und zog demonstrativ ihre Bettdecke weiter nach oben.

Er schwieg tatsächlich. Und so wanderten Hermines Gedanken zurück zu den Geschehnissen der letzten drei Tage. Obwohl er kaum einen Meter weiter weg lag, konnte sie es schwerlich glauben, wie reibungslos ihr Plan funktioniert hatte. Wie einfach er sie mit sich reden hatte lassen, wie schnell er einverstanden... Irgendwie blieben ihre Gedanken bei Narzissa Malfoy stehen. Warum war sie nicht mitgekommen? Was wäre so schlimm gewesen? Hermine beschloss, wenn sie nie fragen würde, würde sie nie eine Antwort erhalten und sprach mit leiser Stimme in die Stille: "Was ist mit deiner Mutter?"

"Halt die Klappe und schlaf, Granger", Malfoy wiederholte ihre eigenen Worte und tat so, als ob er kaum realisiert hätte, was Hermine gefragt hatte.

Hermine schwieg.

A/N: Wenn sich die Zitate aus HBP oben nicht ganz mit der deutschen Ausgabe decken, liegt es daran, dass ich gerade nur die englische hier habe.