Helden des Schmutzes
„Sirius!"
„Was wirst du tun, ‚Padfoot'? Mich verhexen? Fass mich an und ich werde allen erzählen, was er ist. Du willst ihn schützen, oder?" Severus wusste, dass er sie in der Hand hatte, doch Sirius gab nicht auf. „Lass mich los!", knurrte er hinter James zurückhaltenden Armen. „Dafür wirst du bezahlen, Schniefelus!"
Severus lächelte heimlich. „Es ist lustig, wie das Blatt sich wendet, oder?"
„Severus, Remus ist sehr krank", sagte James ruhig, „und er hat keine Kontrolle über das, was er tut. Wenn du allen erzählst was er ist..."
„Ich werde dich umbringen!", sagte Sirius, seine Stimme so kalt wie Stein. Severus blinzelte und sah ihn dann an. Ein Anflug von Furcht stand in seinen Augen, doch er versteckte es schnell hinter Belustigung und schlenderte nach vorne, fünf Zentimeter entfernt von Sirius verdunkeltem Gesicht.
„Ich würde gerne sehen, wie du's versuchst" zischte er in sein Ohr und Sirius stürzte sich wieder auf ihn. Doch James hielt ihn noch immer fest und schmiss ihn gegen die Wand.
„Lass mich los!", heulte er und rannte dann auf Snape zu. Er schlug ihm ins Gesicht und Snape fiel auf den Boden. „Und jetzt warne ich dich noch einmal, Schniefelus. Erzähl irgendwem…IRGENDWEM…etwas über Lupin und ich werde dafür sorgen, dass du es nicht bis zum Abschluss schaffst! Du hasst es selbst gesagt, ich bin der dunkelste der Gruppe. Und ich werde dich töten!"
Snape, sah jetzt, während er sich den Kiefer hielt, verängstigter aus, als jemals zuvor in seinem Leben. Er blickte zu Sirius und sah seinen verfolgten Gesichtsausdruck. Dann sagte er: "Du bist verrückt. Du bist verdammt noch mal, verrückt!"
„Mal sehen, wie verrückt ich werden kann", sagte Sirius.
Die Erinnerung jagte ihn jetzt schon seit einer ganzen Weile. Die Erinnerung an Sirius Black, der schwor ihn zu töten, wenn er einer Menschenseele etwas über das Biest erzählte, mit dem Potter sich angefreundet hatte. Dieser mordende…kleine…Tölpel.
Sieben Jahre lang war Black James durch die schule gefolgt wie eine art übergroßer Schatten. Niemand hatte sich mit dem Quidditch-Wunder angelegt, weil sie wussten, dass der beste Freund des Jungen zu ihnen kommen würde, wenn sie schliefen. Es gab viele Schüler, die von sich behaupten konnten, dass sie grundlos von diesem Idioten angegriffen worden waren. Sirius Black, Cousin von Bellatrix und Narcissa. Er war vor einem guten Jahr von zuhause ausgezogen und lebte jetzt alleine. Kämpfer für Gerechtigkeit und Freiheit und als solcher Freund von Blutsverrätern wie James Potter, Freaks wie Remus Lupin und Schlammblütern wie Lily Evans. Oh, tat er der Unterdrückten Gesellschaft der Welt nicht einen großen Gefallen? Es machte Severus krank. Durch seine Freunde konnte Black alles erreichen. Auf eigene Faust, alleine? Tja, das war eine andere Geschichte, oder nicht? Ohne James Potter war Sirius Black nichts. Und das Wissen über diese Schwäche war schon oft zu Gunsten von Severus gewesen. Severus beobachtet seine so genannten Freunde, als sie durch den Slytherin Gemeinschaftsraum tobten wie eine Gruppe von Schulkindern. Sie hatten ihre U.T.Z.s hinter sich und hatten nur noch ihren Abschlussball und Freiheit, worauf sie sich freuen konnten. Deshalb feierten sie. Sogar Bellatrix und die Lestranges rangen miteinander wie ein Rudel Wölfe in einer entfernten Ecke. Sie würden die Schule ohne Abschluss verlassen. Sie kannten ihre Zukunft. Sogar Severus. Er erinnerte sich, wie Sampson, der große Ausbilder der Rekruten, ihnen allen zu guter Arbeit gratuliert hatte. Es war Sampson gewesen, der ihm Legilimentik und Okklumentik beigebracht hatte. Es war Sampson gewesen, der Professor Kleins Vermächtnis in seinem Herzen lebendig gehalten hatte. Als Klien starb war Severus überzeugt, dass seine sichere Zukunft genauso gestorben war. Doch zum Glück hatte Sampson sie alle unter seine Fittiche genommen und ihnen allen Ruhm der Welt versprochen und einen Sitz neben dem Dunklen Lord wenn sie ihn mit ihren Taten erfreuten. Und bis jetzt hatte Severus ihn sehr erfreut.
„Snape!", rief Lucius und Severus sah zu Malfoy, der jetzt stolz in einem Sessel saß, als wäre es sein Thron. „Schau, das Feuer!"
Severus sah zum Kamin, der jetzt hell erleuchtet war. Die Flammen leckten an den heißen Steinen des Kamins und in einem Aufblitzen des roten und orangenen Glühens, sah er ein Gesicht. Er sprang auf und ging zum Rand des Feuers und sah auf den sich jetzt bewegenden Kop von Sampson, bereit, Befehle oder Informationen an sine Rekruten weiterzugeben. Die Lestranges und Bellatrix hörten auf sich zu balgen und schlossen sich Malfoy und Snape am Kamin. Die fünf beugten respektvoll ihre Köpfe und kaltes Schweigen breitete sich im Gemeinschaftsraum aus. „Meine Kinder", sagte Sampson, seine mürrische Stimme hallte in Severus' Kopf. „Der Dunkle Lord hat entschieden, dass es in Ordnung und gut für euch wäre zu wissen, dass ihr nicht die einzigen Rekruten eures Jahrgangs seid."
„Er – dessen – Name – nicht – genannt – werden –darf, hat andere auf Hogwarts?" fraget Sirius und nahm seine Position als Anführer ein.
„Nein, nicht der Dunkle Lord", sagte Sampson, „Aber Dumbledore."
Severus' Gesichtsausdruck wurde ziemlich mürrisch. Doch er sagte kein Wort.
„Leider waren wir nicht in der Lage, Informationen über ihre Namen zu erlangen", sagte Sampson fortfahrend. Seine buschigen Augenbrauen hingen über seinen Augen und verzerrten sein Gesicht zu einem ewigen Stirnrunzeln.
„Doch wir haben die Identitäten von zwei der fünf Kinder, die er ausgewählt hat."
„Fünf?", spottete Malfoy, „Fünf? Nur fünf?"
„Ja", sagte Sampson und sah auch ziemlich amüsiert aus, „Fünf. Der Dunkle Lord ist davon überzeugt, dass ihr uns vielleicht die Namen der anderen drei sagen könnt, wenn wir euch die Namen von zwei Einzelnen nennen. Ich zähle auf euch. Ihr müsst eine gute Anzahl eurer Abschlussklasse kennen."
Severus wagte nicht, zu sprechen, doch er wusste, dass Bellatrix Black jede einzige Menschenseele auf Hogwarts und genauso jedes Fitzelchen von Gerüchten über sie kannte.
„Was sind die beiden Namen, die ihr kennt, Sir?" fragte Lucius respektvoll. „Ein James Potter", Severus wurde sofort aufmerksam, „und ein Remus Lupin. Kennt einer von euch diese beiden Blutsverräter?"
Lucius schielte zu Severus hinüber, der versuchte seinen Zorn unter Kontrolle zu halten, und drehte sich dann zurück zum Kamin. „J.."
„Lily Evans, Sirius Black und Peter Pettigrew", unterbrach Severus Malfoy und Sampsons Kopf fuhr herum um Severus in die Augen zu schauen.
„Woher weißt du das?"
„Ich weiß dass, weil sie die einzigen Freunde sind, die Potter hat", zischte Severus, „der Rest der Schule kann ihn nicht ausstehen. Und dasselbe gilt für Lupin. Es bleibt für sich, außer zu diesen paar Dummköpfen, die Mitleid für es empfinden."
„Es?", fragte Sampson.
Severus fing an, sich die Worte zu Recht zu legen, die diese Wortwahl erklärten. Aber Sirius Blacks zornigen, wahnsinnigen Augen schwebten durch seinen Kopf und er schloss den Mund. „Stimmst du Snape zu, Malfoy?", fragte Sampson Lucius.
„Ja", sagte Lucius nickend. „Ja, das tue ich."
„Der dunkle Lord ehrt euch für eure Loyalität", sagte Sampson, bevor er zwischen den sterbenden Flammen verschwand.
„Snape?"
Severus öffnete still seine Augen und traf auf die Dunkelheit des Schlafsaals der Jungen in der Nacht. Er fühlte den Luftzug des offenen Fensters am Ende der Wand seine Haare bewegen, als er versuchte es sich in dem großen grün-silbernen Bett gemütlich zu machen.
„Lucius", sagte Severus ein wenig verärgert, „bist du dir darüber im Klaren, dass nachts die meisten Leute schlafen? Während dem Tageslicht reden Leute miteinander. Das gilt auch für mich."
„Wieso hast du diesen Lupin ‚es' genannt?" fragte Lucius und ignorierte Severus' frechen Kommentar.
„Weil er nicht mehr ist als ein Stück Dreck", sagte Severus, „Das weißt du sicherlich. Jeder, der nach Gryffindor geschickt wird…"
„Ich habe keinen Bedarf, dass du mir etwas über Gryffindor erzählst", Lucius drehte sich um, „Ich weiß, Severus, ich weiß."
Severus, der hoffte, dass dies das Ende der spät nächtlichen Unterhaltung war, schloss seine Augen und versuchte, das Schnarchen von Nott aus seinem Bewusstsein zu verbannen. „Ich versteh' die Welt meistens nicht, Severus", sagte Lucius und Severus blutunterlaufene Augen gingen mit einem Schlag wieder auf, „Ich verstehe nicht, warum Potter und Lupin so blöd sein können sich mit solchen Leuten wie ihren Freunden einzulassen. Potter wurde in eine Reinblüterfamilie hineingeboren. Ich habe gehört, dass sie sogar einen Hauself haben. Wie kann jemand mit dieser Erziehung so…radikal in seinem Denken werden? Wie konnten sie vom Weg abkommen?"
„Potter ist jemand, der sich wünscht, ein Held zu sein", sagte Severus, die versuchte Geduld mit seinem Freund zu haben, „Helden sind die, die die Schwachen beschützen. Und die Schwachen werden schwach einem Anführer folgen, der Mitleid ihnen gegenüber zeigt. Deshalb findet er Menschen wie Black, der nicht auf seinen eigenen Beinen stehen könnte, wenn sein Leben davon abhing und Evans, die ‚Sozialhelferin' der Schule und natürlich Lupin, der selbstverständlich das ist, was einem Aussätzigen in dieser Schule am nächsten kommt…deshalb nimmt der den Komfort in kauf, dass ihm solche Entschuldigungen für menschliches Dasein folgen und ihn verehren. Er weiß, dass er im wahren Kreis der Zauberer und Hexen nur ein eingebildetes Modell für Reinblüter ist. Deshalb weiß er, dass er, um seinen hunger nach Aufmerksamkeit und Lob zu stillen, tiefer sinken muss und sich zu denen herabsetzen muss, die in unserer Welt einen Zauberer darstellen wollen. Die Reinblütern gleich sein wollen."
„Du hast da schon eine Weile drüber nachgedacht, oder?" sagte Lucius und Severus lachte.
„Nein", sagte er, „Ich weiß nur, wie ich nicht denke. Und ich weiß, dass Potter und ich uns in nichts gleichen. Und folglich weiß ich das."
„Und du weit es genau", sagte Malfoy und drehte sich dann zur Seite. „Gute Nacht, Snape."
„Gute Nacht."
„Snape?"
Severus riss seine Augen auf. „Ja, Lucius?"
„Wenn wir Diener des Dunklen Lords werden", sagte Malfoy, „dann werden wir Potter auf dem Schlachtfeld begegnen, wenn das was du sagst wahr ist. Und wirst du Willens und bereit sein einen Schulkameraden so einfach zu töten, wie du in den letzten Ferien Fremde getötet hast?"
Wenn Licht durch das Fenster hereingeströmt währe, anstatt eines Luftzuges, oder wenn eine Kerze neben seinem Bett angezündet wäre, dann hätte jemand den ruhigen, zufriedenen Ausdruck sehen können, der sich über Severus' Gesicht ausbreitete. Doch der ganze Raum war in Dunkelheit gehüllt und das kranke Lächeln, das auf dem Gesicht platziert war wurde von der Schwärze seiner Umgebung verdeckt. „Wieso nicht", sagte Severus, „mehr Willens und bereit als sich jemand vorstellen kann."
