Teil 3:
Unterwegs
Snape stand in dem Wohnzimmer seines mehr als baufälligen Haus in Spinner's End und dachte angestrengt nach.
Hermine hatte ihre Sache gut gemacht, auch wenn sie von Glück sagen konnte, dass der Minister nicht sonderlich viel Menschenkenntnis besaß... oder aber er war nach dem Tod seines Sohnes Cedric abgestumpft... vom früheren Amos Diggory, Ministeriumsmitarbeiter war jedenfalls nicht mehr viel geblieben.
Aber zumindest war er noch geistesgegenwärtig genug gewesen, zu überprüfen, ob Hermine unter einem Imperius-Fluch stand, was natürlich nicht der Fall war. Aber ihre kleinen Flunkereien und Unsicherheiten waren nicht aufgefallen.
Welche weitere Schritte würde das Ministerium unternehmen? Natürlich würden sie Dumbledores Brief in alle magischen Einzelheiten zerlegen, aber mehr als die Wahrheit würden sie nicht finden.
Snape lächelte zufrieden.
Plötzlich kam ihm ein Gedanke, der mehr als nur beunruhigend war...
Sie würden herausfinden, dass der Brief tatsächlich von Dumbledore stammte und von ihm selbst ohne äußere Beeinflussung und Zwang geschrieben wurde, aber wenn sie geschickt genug vorgehen würden, würde ihnen das Pergament alle Aufenthaltsorte des Briefes offenbaren und damit wäre die Möglichkeit gegeben, dass das Ministerium sein Haus und ihn aufspüren könnte.
Momentan erschien diese Option Snape keine sehr verlockende zu sein, denn er konnte sich noch sehr gut an die etwas unorthodoxen Methoden und Verdächtigungen des Ministeriums erinnern (Wer war eigentlich auf die Idee gekommen, dass Stan Shunpike ein Todesser sei??) und Askaban wäre ihm sicher, wenn sie ihn in die Finger bekämen... und dann würden sie sich mit der Untersuchung des Briefes viel Zeit lassen... Zeit, die Snape nicht in einem Gefängnis zubringen sondern endlich wieder als vollwertiges Mitglied der Zauberergesellschaft nutzen wollte.
Per Aufrufezauber ließ Snape seinen alten Koffer ins Zimmer fliegen und sammelte Bücher und Pergamente ein, um sie schwungvoll zusammen mit einigen Umhängen und auch Muggelkleidung im Gepäckstück verschwinden zu lassen. Danach verpasste er seinem Haus mit einigen Alterungszaubern auch im Inneren das Aussehen einer längst verlassenen Bruchbude und löste den Apparierschutz kurzzeitig auf, um mit einer energischen Drehung zu verschwinden.
Er materialisierte sich in einer Muggelstraße mit gepflegten Häusern und ebensolchen Vorgärten. Ein kurzer Blick an sich herunter und Snape genehmigte sich ein leicht amüsiertes Grinsen, bevor er seine Umgebung nochmals aufmerksam betrachtete und als er sich unbeobachtet fühlte, änderte er mit einem beiläufigen Schlenker seines Zauberstabes seine recht ungewöhnliche Kleidung in eine schwarze Jeans und ein graues Hemd.
Aufmerksam betrachtet er die Türschilder und sein Blick fiel auf ein goldfarbenes, das verkündete, dass in diesem Haus die Zahnarztpraxis Granger zu finden sei.
Zufrieden ging Snape auf die Tür zu und klingelte.
Er hörte eilige Schritte näher kommen und dann wurde die Tür temperamentvoll aufgerissen und vor ihm stand eine mittelgroße Frau mit buschigen, schulterlangen Locken, die Snape vermuten ließ, dass er hier Mrs. Granger, Hermines Mutter, vor sich hatte. Durch eine vorsichtige Anrede wurde ihm dies bestätigt.
Er verlangte nach Hermine, die wenig später auch in der Tür erschien und ihn erst einmal hereinbat und ihn ins Wohnzimmer lotste, um ihm einen Platz anzubieten.
„Ich will ja jetzt gar nicht neugierig sein, Professor, aber woher wussten Sie, dass ich hier und nicht sonst wo bin?"
„Ich hatte keinen anderen Anhaltspunkt, wo Sie stecken könnten, also habe ich mein Glück einfach hier versucht, in der Hoffnung, Sie entweder anzutreffen oder aber Ihren Eltern zu entlocken, wo Sie sind."
Hermine schien erstaunt über soviel simple Logik und machte ein etwas dummes Gesicht, was Snape mit einem Grinsen quittierte.
„Und was kann ich für Sie tun?"
Snape besann sich im letzen Moment auf seine ansatzweise vorhandenen Manieren und stellte sein eigentliches Anliegen erst einmal hintenan:
„Miss Granger, nach unserer etwas ... ähm... verkorksten Verabschiedung im Ministerium wollte ich die Gelegenheit nutzen, mich in aller Form bei Ihnen zu bedanken. Was Sie getan haben, war für mich nicht nur absolut unerwartet sondern dank Ihnen habe ich nun mit etwas Glück die Möglichkeit wieder ein normales Leben aufzunehmen. Ich danke Ihnen für Ihr großes Vertrauen und Ihren großen Einsatz. Merlin danke ich für Ihren gryffindorischen Mut und Ihre überragende Intelligenz."
Snape sah so ernst und würdevoll aus, dass Hermine sich zu einem Lachen hinreißen ließ, was ihn dazu veranlasste, in seiner besten Lehrerstimme zu fragen, ob sie sich über ihn lustig machen wollte.
„Nur bedingt Professor, aber wissen Sie eigentlich, dass das die einzige Anerkennung war, die ich in all den langen Jahren von Ihnen gehört habe?"
Snape nickte etwas betreten: „Es tut mir Leid, Miss Granger, aber in meinen Augen waren Sie nun mal eine nervtötende besserwisserische Gryffindor, was mich aber nicht davon abhalten soll, Ihnen zu versichern, dass ich ewig in Ihrer Schuld stehen werde und wenn es irgendetwas gibt, das ich für Sie tun kann... lassen Sie es mich wissen... versprochen?"
Hermine wurde fast etwas mulmig, dass Snape so ernst und dabei gar nicht bösartig oder spöttisch mit ihr sprach, aber sie freute sich trotzdem über sein Anerkennung und seinen Dank.
Kurz schwiegen sie beide, bevor Snape erneut das Wort ergriff und sie nach einigen Erklärungen bat, für ihn ein Hotel zu buchen, da er in seinem Haus nicht länger bleiben konnte. Ohne Umstände bot Hermine ihm an, dass er bei ihr bleiben könne, was Snape höflich mit der Erklärung ablehnte, dass man ihn bei ihr wahrscheinlich zuerst suchen würde.
Hermine nahm dies hin und hatte auch für sein Misstrauen gegenüber dem Ministerium Verständnis.
Nachdem Snape gegangen war, wollte Hermine es sich wieder im Wohnzimmer bequem machen, um in einem Buch weiterzulesen, wurde dort aber von ihrer Mutter gestört, die sie nun ins Verhör nahm.
„Sag' mal Minchen... wer war denn dieser nette und interessante Mann?"
Bei dem unschuldigen Ton, den ihre Mutter anschlug, verdrehte Hermine die Augen, aber dann machte sich kurz ein gemeines Grinsen auf ihrem Gesicht breit.
„Das, Mama, war Professor Severus Snape, ehemaliger Zaubertrank- und Verteidigung-gegen-die-dunklen-Künste-Professor, miesester Lehrer meiner Schulzeit, der mich ständig drangsalierte, Mörder von Albus Dumbledore und generell größter Unmensch auf dieser unsrer Erde."
Ihre Mutter wurde schreckensbleich, aber nach einem Blick auf den Gesichtsausdruck ihrer Tochter merkte sie, dass sie sich einen Spaß erlaubt hatte, aber Hermine kam nun nicht mehr darum herum, ihrer Mutter die genauen Zusammenhänge zwischen Severus Snape, Albus Dumbledore, Harry Potter und ihr selbst zu erläutern.
Snape hatte inzwischen das kleine, unauffällige aber definitiv „muggelige" Hotel betreten, das Hermine ihm empfohlen hatte, und er schaute sich genau um, entdeckte zu seiner großen Zufriedenheit mehrere Kamine im Foyer, die ihm im Notfall den Zugang zum Flohnetzwerk sichern würden.
In seinem Zimmer angelangt ließ er seinen Koffer unausgepackt am Bettende stehen, suchte sich nur schnell eine Jacke und verließ das Hotel auch schon wieder, um sich das kleine Städtchen genauer anzusehen.
Begierig und neugierig steckte er seinen Kopf in die Apotheke, starrte die Auslagen eines Fernostladens verdutzt an, bevor er sich etwas unsicher durch die Tür drückte und allerhand interessante Muggel-Gewürze erstand, die in der Zaubererwelt als selten und kostbar galten.
Auch der Buchhandlung stattete er einen Besuch ab, blieb dort bei den Klassikern der Muggel-Literatur hängen und kam schließlich mit einigen schweren Plastiktüten beladen in seinem Hotelzimmer wieder an.
Hier ließ er sich auf das recht schmale Bett fallen und schlief ein.
Gegen Abend erwachte Snape aus einem tiefen und erholsamen Schlaf, machte einen Umweg über die Dusche und verließ dann wieder das Hotel, um Hermine einen zweiten Besuch abzustatten.
Auf sein Läuten erschien diesmal sofort Hermine und ein Grinsen legte sich über ihre Züge, aber Snape ließ sie erst gar nicht zu Wort kommen, sondern überbrachte seine Einladung, die sie überrascht, aber bereitwillig mit dem Scherz annahm, dass ihre Mutter nicht sonderlich gut koche und sie daher für jede Einladung dankbar sei.
Zusammen machten sich auf den Weg ins Stadtzentrum, wo Snape am Nachmittag ein schönes Restaurant aufgefallen war.
Während dem Essen erzählte Hermine ein wenig über ihre Familie und ließ auch ihre ausgiebigen Erläuterungen zu seiner Person und seinen Umständen nicht unerwähnt.
Snape schaute sie etwas verdutzt an und rasch setzte Hermine nach:
„Es war nicht böse gemeint, Professor, und meine Mutter hat es sicherlich nicht böse gemeint, aber als sie schon anfing, mich mit Unschuldsmiene auszuhorchen, wer Sie sind und was Sie wollten, da habe ich einen Meister-Jane-Granger-Verkupplungsversuch gewittert und wollte dem einfach nur zuvor kommen."
Snape lachte leise und sagte nur: „Verstehe."
Danach begann er sie regelrecht auszufragen, was sie den im Moment täte und was sie gerne tun würde.
Hermine gab bereitwillig Auskunft, auch wenn ihr der freundliche und gesprächige Snape etwas unheimlich war. Dies wurde durch seine Bekundung, dass er sich freue, dass sie als Zaubertrank-Laborassistentin an einer Zauber-Uni sozusagen in seine Fußstapfen trat, noch gesteigert.
Danach schwiegen sie eine Weile bis Hermine – ermuntert durch sein nettes Verhalten – sich ein Herz fasste und ihn über seine Zukunftspläne zu fragen begann.
Wie sich herausstellte, hatte Snape sich nicht sonderlich viel Gedanken darum gemacht, weil er es nie für möglich gehalten hatte, dass er sich je wieder in der Zauberergesellschaft frei und unbeschränkt bewegen könne.
Aber für ihn stand an erster Stelle auf seiner Wunsch- und Prioritäten-Liste, dass er wieder nach Hogwarts zurück wollte, weil dort seine Kerkerräume noch immer auf seine Wiederkehr harrten und sich gegen jeden Eindringling magisch versiegelt hatten, der nicht die Befugnis hatte, dort einzudringen.
Hermine lachte kurz auf und fragte dann: „Aber, Sir, ich war auch in Ihrem Labor... wie hätte ich sonst an das Haar von Ihnen kommen sollen, mit dem ich den Zaubertrank fertiggestellt habe, durch den ich Sie überhaupt ausfindig machen konnte?"
Snape lächelte für einen Moment versonnen und meinte dann nur: „Offensichtlich hielt mein Zauber, der die Eigenart hat, selbst zu entscheiden, Sie für befugt, in meine Räumlichkeiten einzudringen."
Verwirrt sah Hermine ihn an, aber er überging ihre wissbegierige Miene und sprach sein Vorhaben an, mit Professor McGonagall Kontakt aufzunehmen, um sich erneut um die Stelle für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu bewerben, die, wie er mit einem feinen ironischen Lächeln bemerkte, chronisch unbesetzt sei und auf die er mittlerweile wohl ein derart großes Anrecht habe, dass er sie wahrscheinlich noch an seine Enkel vererben könne.
‚Insgesamt', dachte Hermine , war dieser Abend mit Snape wirklich schön gewesen'. Etwas, was sie sich nie hatte so recht vorstellen können... ein schöner Abend mit Snape. Er hatte sie nach Hause gebracht und war dann in Richtung seines Hotels in der Dunkelheit verschwunden.
Dort hatte er sich allerdings nicht sofort zu Bett begeben, sondern saß höchst konzentriert über einer Landkarte und einer Rolle Pergament.
Der nächste Morgen überraschte mit strahlendem Sonnenschein mitten im November und für Hermine brachte er noch eine weitere Überraschung:
Als sie die Milchflaschen und die allmorgendliche Zeitung von der Fußmatte aufhob, fiel ihr im Flaschenhals einer der drei Flaschen ein Stück Pergament auf, dass sie in der Küche aus seinem Versteck befreite und auf den Küchentisch legte.
Dort vergrößerte sich das Pergament, das nur ein kleiner Fetzen gewesen war, auf ausgewachsene Schriftrollengröße mit einem grünen Siegel, das bei näherem Hinsehen die Initialen SS in verschnörkelter Schlangenform aufwies.
Neugierig ließ Hermine Zeitung und Milchflaschen stehen und liegen und begab sich in ihr Arbeitszimmer, der frühere Bügelraum ihrer Mutter, den sie ihr abgeschwatzt und nun gehörig umdekoriert hatte.
Als sie eintrat, flackerten an den Wänden, die mit kostbaren Wandbehängen dekoriert zu sein schienen, Fackeln auf und verbreiteten anfangs ein flackerndes Licht.
Betrat man Hermines Schreibstube und Labor, fühlte man sich wie in einer anderen Welt und gewissermaßen war es das auch; in einem Muggelhaus hatte Hermine sich ein Stück Zaubererwelt erschaffen.
Hier fand man Kessel in allen Größen, Farben und Formen, zwei riesige Kamine und zwei kleinere Feuerstellen, einen massiven, wuchtigen Schreibtisch, die erwähnten Gobelins auf karger Steinwand, Bücherregale vollgestellt mit Einmachgläsern, Messbechern, Schachteln und Kästen und natürlich fehlten auch ihre geliebten Bücher nicht. Von der Decke hingen Kräuterbüschel, Einhornhaare und alles, was zum Zaubertrankbrauen dazugehörte.
Hermine beachtet das Durcheinander sowohl auf ihrem steinernen Labortisch als auch auf ihrem Schreibtisch nicht, sondern schob sich einfach ein Plätzchen frei, zauberte sich eine Tasse Tee und erbrach das Siegel der Pergamentrolle, die mit einer sauberen, aber eigenwillig schrägen Handschrift bedeckt war.
Hermine las:
Sehr geehrte Miss Granger,
leider ist es mir nicht möglich, Ihnen mein Vorhaben persönlich zu erklären noch Ihnen die Erklärung zu übergeben – ich bitte um Entschuldigung.
Ich bitte Sie um Verständnis für meinen plötzlichen Aufbruch, aber ich fürchte, dass das Zaubereiministerium nach mir suchen wird und es wäre naheliegend, mich in Ihrer Nähe zu vermuten. Anbei finden Sie die Orte aufgelistete, an denen ich mich in den nächsten Tagen aufhalten werde, damit Sie mich, falls nötig, ohne Mühe und problemlos finden können.
Sollte das Ministerium mich freisprechen (wovon ich optimistischerweise ausgehe), bitte ich Sie um eine kurze Nachricht.
Anbei finden Sie ein kleines Dankeschön an Sie für all Ihre Mühen, auch wenn diese Kleinigkeit Ihre Hilfe kaum vergelten kann.
Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen unter sicheren Umständen
Severus Snape
Hermine breitete die Pergamentrolle ganz aus und ihr fiel eine Kette mit einem Anhänger entgegen. In den Anhänger war ein sehr seltsames Symbol eingearbeitet. Bei näherem Hinsehen erkannte sie, dass es sich um eine Schlange und einen Löwen handelte, die sich nicht bekämpften, sondern sehr friedlich und einig wirkten. Hermine lächelte über diese Symbolik, konnte aber im Fall Snape nur zustimmen.
Sie betrachtete die Kette samt Anhänger genauer und ihr fiel die eigentümliche Farbe des Metalls auf. Es war weder silbern noch golden. Als sie den Arm von der Pergamentrolle nahm, rollte diese sich ein und ihr flog ein kleiner Zettel entgegen, auf dem in Snapes Handschrift stand:
Dies ist eine Kette, die über 500 Jahre alt ist und als Beweis zwischen einer Allianz zwischen den Häusern Gryffindor und Slytherin gilt. Sie werden sich fragen, woher ich sie habe; die Kette samt Anhänger gehörten früher meiner Mutter, die das Schmuckstück allerdings verabscheute. Ich hoffe, Sie finden Freude daran; ich dachte mir, dass die Darstellung von Gryffindor und Slytherin zumindest in unserem Fall recht passend ist. Es wurde sehr viel Wert auf Einheit und Gleichberechtigung gelegt, daher fiel wohl auch die Wahl des Metalls auf Koboldium.
Hermine starrte die Kette fassungslos an. Koboldium war das wertvollste Metall, das Zauberern bekannt war und Snape schenkte ihr einfach so ein 500 Jahre altes Erbstück seiner Familie, das daraus gefertigt war?
Ihre Hilfe schien für ihn wirklich von unschätzbarem Wert gewesen zu sein, obwohl er sicherlich in Tibet, Kolumbien, Tasmanien oder wo auch immer ein neues Leben hätte beginnen können. Aber anscheinend hing er so sehr an Großbritannien und ganz besonders an Hogwarts, dass es für ihn überhaupt nicht in Frage kam, das Land zu verlassen.
Während Hermine noch staunend das Schmuckstück betrachtete und sich schließlich um den Hals legte, war Snape schon längst aus der Stadt verschwunden.
Allerdings hatte er nicht den magischen Weg in Form eines Portschlüssels, Besens oder durch Apparieren gewählt, sondern saß hinter dem Steuer eines Muggelautos, das er sich am Morgen geliehen hatte.
Müde war er und seit Jahren schon kein Auto mehr gefahren, sodass er bald einen Parkplatz am Rande der Straße ansteuerte und die Aussicht auf die Küste unter ihm genoss.
Sein nächstes Ziel für eine Nacht wäre ein kleines Dorf nicht weit von Plymouth, das von Touristen gut besucht war, womit ihm die Möglichkeit gegeben war, einfach in der Menge der Fremden unterzutauchen.
Auch wenn es November war, hoffte er, dass das gute Wetter noch einige Reiselustige an die Küste gelockt hatte.
Die warme Sonne brannte ihm auf den Rücken, als er am Strand entlangging und mit Genuss die Reste eines Brötchens verspeiste. Plötzlich saß vor ihm im Sand eine große Möwe, die hungrig sein Brötchen beäugte und sich auch nicht verscheuchen ließ, als er weiterhin stur auf sie zuging.
Snape musste grinsen; das Tier erinnerte ihn ein wenig an Hermine; sie hatte sich auch nicht von ihrem Vorhaben ablenken lassen.
Er schaute mit kurzem Bedauern sein Brötchen an, bevor er es Stück für Stück an die Möwe verfütterte, die ihn mit einem zufrieden krächzenden Schreien belohnte.
Am Abend aß er in einem urgemütlichen Dorfpub und ließ sich danach hundemüde in sein Bett fallen, wo er mit dem Gedanken einschlief, dass er sich an dieses Leben gewöhnen könnte, das wie ein ewiger Urlaub schien.
Am nächsten Morgen brach er wieder auf, um sich ein anderes Stück England anzusehen.
