Kapitel 3: Der erste Schultag
Wie ich es mir gedacht habe, bekam ich eine Standpauke. Als ich endlich rauskam, aus dem Direktorzimmer, war es schon 8.35 Uhr. Er hat mir noch meinen Bücherzettel gegeben. Es sind insgesamt 8 Bücher, die ich holen muss. Mathe, Englisch, Sozialkunde, Biologie, Physik, Latein, Spanisch und Geografie.
Ich stehe vor der Tür, auf der Bücherausgabe drauf steht. Vorsichtig klopfe ich an und gehe rein.
„Hallo?", rufe ich in den Raum, weil ich niemanden sehe.
„Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?" Ich erschrecke kurz, als eine gut gebaute, Mitte 50, Frau mit blonden, schulterlangen Haaren, die am Ansatz schon grau sind, um die Ecke kommt. Sie trägt eine braune Baumwollhose, die ziemlich nah am Körper anliegt, genauso wie weiß-schwarz gestreifte Pullover, der Bommeln am Kragen hat.
„Ahmm, ja, mein Name ist Nami Weight und ich soll hier ein paar Bücher holen." Ich reiche ihr den Zettel. Sie schaut ihn sich an, lächelt und sagt:
„Kleinen Moment bitte." Sie geht in eine Ecke hinter den Bücherschränken. 5 Minuten später, kommt sie voll gepackt mit einem ganzen Stapel Bücher auf dem Arm und den Zettel oben drauf. Ich nehme ihr alles ab und bedanke mich freundlich bei ihr.
Ich gehe raus und verstaue die Bücher erst einmal in meinem Rucksack. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es 9.00 Uhr ist. Ich habe es gar nicht klingeln hören, fällt mir ein.
Ich hole den Zettel, den ich von der Schule bekommen habe und lese meinen Stundenplan ab. Biologie mit meiner Klassenlehrerin, Frau Nalik, Im Raum 8. Also eine Etage runter.
Jetzt stehe ich vor dem Raum und mein Herz fängt an, schneller zu schlagen. Wie gestern Abend. Ich erinnere mich an die Kette, die ich gekauft habe, und tue sie um, aber so unter meinem Pullover, dass man sie nicht sieht. Der Stein geht von schwarz in dunkelbraun und dann in ein helles Braun. Wow sie scheint wirklich zu funktionieren. Ein letzter Blick noch in meinen Handtaschenspiegel. Haare sitzen, Make-up ist okay und die Kleidung sitzt auch. So jetzt tief durchatmen und…
„Klopf, klopf, klopf!" macht die Tür, als ich daran klopfe.
„Herein!" ruft eine freundliche Stimme von drinnen. Ich gehe rein und ermahne mich selbst, ruhig zu atmen.
„Ahh, du musst die Neue sein." Ich mustere die Frau, die vor mir steht, unauffällig, von oben bis unten. Sie trägt einen schwarzen Wollrock, mit einem kariert, grauen Muster, der ihr bis zu den Knien geht. Schwarze Stiefel, die vorn spitz sind und einen Pfennigabsatz haben. Einen hellgrünen Pullover, mit einer Kapuze und einem Muster vorne drauf, das so aussieht wie eine Blume. Ihre Haare hat sie zu einem Zopf gebunden, aber vorne schauen ein paar Strähnen raus. Die Farbe ist rostbraun, fast schokoladen. Sie sieht aus, wie Mitte, Ende 30. Sie hält mir ihre Hand hin und ich schüttel sie dann.
„Ja, das bin ich wohl." Antworte ich kurz. Sie lächelt mich an.
„Mein Name ist Frau Nalik. Stell dich doch bitte der Klasse vor." Ich schaue in die Runde und sehe mir völlig fremde Gesichter. Die, die mir aber am meisten auffallen, sitzen an der Türreihe und starren mich schief an. Der Eine hat grüne Haare und sitzt ganz vorne. Er sieht gelangweilt aus, als ob er gleich einschläft. Neben ihm sitzt ein Kerl mit langer Nase. Er hat ein Kopftuch und eine Schwimmbrille auf dem Kopf. Hinter der Langnase sitzt eine Frau, mit schwarzen Schulterlangen Haaren. Sie lächelt mich an, ich traue mich aber nicht zurück zulächeln. Noch eins weiter hinter, sitzt ein Mann mit blonden Haaren, der mich regelrecht anschmachtet. Ich verzieh das Gesicht und schaue weiter. Daneben sitzt ein Typ, der einen Strohhut trägt. Strohhut? Warte mal. Ich schaue ihn mir genauer an und sehe, dass er mich hochgezogenen Augenbrauen mustert.
Das ist Ruffy, der Junge, gegen den ich vorhin ausversehen gerannt bin. Ich spüre, wie mir die Röte ins Gesicht schießt, wenn ich daran denke, wie süß er mich angelächelt hat und natürlich an seinen Bauchmuskeln, die ich unter seinem T-Shirt gesehen habe. Ich versuche die Röte zu unterdrücken, was auch ganz gut klappt und schaue zu den anderen Mitschülern, die mich eigentlich nicht so interessieren.
„Alles in Ordnung? Du musst keine Angst haben, wir tun dir nichts." Oh Gott wie peinlich. Wie lange habe ich Ruffy denn angestarrt? Am besten fange ich jetzt einfach an drauf los zuquatschen.
„Mein Name ist Nami Weight. Ich bin 18 Jahre alt und komme ursprünglich aus Kokos." Das war jetzt aber nicht sehr viel.
„Warum bist du denn hierher gezogen?" fragt mich die Lehrerin. Ach, einfach nur so, weil ich nichts Besseres zu tun habe, als mal durch die Gegend zu wandern. Würde ich am liebsten sagen. Aber ich lass es lieber.
„Meine Schwester hat hier einen guten Job gefunden." Kurz und knackig. Das ist doch die ganze Wahrheit. Frau Nalik schaut mich leicht erschrocken an, lächelt aber gleich wieder.
„Schön. Wenn du willst, kannst du dich ja dort hinsetzen. Neben Robin." Sie zeigt auf den Platz neben der Schwarzhaarigen und vor Ruffy. Na toll. Das fehlt mir gerade noch.
Ich gehe zu Robins Tisch, passe aber auf, dass ich nicht über die Tasche des Grünhaarigen falle. Robin lächelt mich an und ich lächle zurück.
„Hi, ich bin Nico Robin." Sagt sie freundlich.
„Hallo, mein Name ist Nami." Robin ist sehr nett. Sicher werden wir uns sehr gut verstehen.
Wir hören wieder zu, was die Lehrerin uns erklärt, obwohl ich das schon weiß. Biologie ist zwar eines meiner Lieblingsfächer, aber meine Gedanken kreisen um den Jungen der hinter mir sitzt. Ruffy. Warum er mich wohl nicht anspricht?
Ich höre Gekicher von der Mittelreihe und drehe mich um. Dort sitzen vier Mädchen auf 2 Bänken verteilt. Sicher lästern die mal wieder, so wie es früher immer war, auf der anderen Schule."Ruhe! In meinem Unterricht wird nicht gekichert!" Oh mein Gott, hab ich mich jetzt erschreckt. Das hat die Lehrerin ja regelrecht geschrien. Kein Wunder, dass alle so aufmerksam zuhören. Die ganze Klasse ist totenstill, bis das Klingelzeichen kommt, dass wir jetzt große Pause haben. Frau Nalik seufzt tief. Ich packe meine Sachen und weiß nicht so recht mit mir anzufangen. Ich hole den Brief von der Schule aus meinem Rucksack, aber Robin ist schneller.
„Wir haben jetzt eine Doppelstunde Sport. Komm wir müssen uns umziehen."
Gott sei Dank, hab ich meine Sportsachen mit. Obwohl es mich schon wundert, warum wir jetzt Sport haben und danach noch Unterricht. Naja, ich hab mein Deo mit. Da wird das noch mal gut gehen. Nico Robin zieht mich am Ärmel nach draußen. Als ich nach meinem Rucksack greifen will, sehe ich aus den Augenwinkeln Ruffy, wie er uns hinterherguckt.
Gerade als wir fertig geworden sind, mit umziehen, klingelt es zum reingehen. Wir gehen in die Turnhalle. Die anderen Weiber, aus der Klasse, sind noch nicht fertig. Sie müssen sich noch für Sport hübsch machen. Obwohl wir alle das gleiche tragen. Schwarze Hosen, die bis zu den Knien gehen und ein weißes T-Shirt, auf dem der Name unserer Schule draufsteht.
„Ach so, bevor du dich wunderst, wir machen mit den Jungs Sport und spielen jetzt Volleyball." Sagt Robin ,vor der Tür der Halle, und zwinkert mir zu. Sie macht die Tür auf und zeigt mir, dass ich reingehen soll. Ich lächle sie an und gehe rein. In der Mitte der Halle steht schon das Netz aufgebaut. Ich liebe Volleyball. Das kann man sicher auch auf dem Grinsen in meinem Gesicht feststellen. Robin zieht mich mit und wir gehen zu einer Bank, auf der ein paar Jungs sitzen, die ich vorhin gesehen habe. Einer von ihnen ist Ruffy. Sie bemerken uns nicht, bis wir vor ihnen stehen.
„Hey, Robin-Schatz, du siehst umwerfend aus in deinen Sportsachen." Ja, das simmt. Nico Robin ist eine sehr schöne Frau. Da muss ich ihm zustimmen. Obwohl die Jungs auch das gleich anhaben wie die Frauen. Robin lächelt den Blonden an.
„Danke Sanji." Ahh, Sanji also. Er saß doch vorhin neben Ruffy.
„Leute, das ist Nami, die Neue, von vorhin." Ich lächle die Jungs an.
„Hi Nami, schön dich wieder zusehen." Das war ja klar, dass er das sagt. Robin schaut mich perplex an.
„Ja, freut mich auch."
„Ihr kennt euch schon? Das hast du aber noch nicht gesagt, Alter." Der Junge, mit der langen Nase, sprach zu Ruffy. Ich will antworten und öffne schon meinen Mund, aber Ruffy ist schneller. Bin ich wirklich immer so langsam?
„Wir sind uns vorhin im Flur begegnet. Naja, eher gesagt, hat sie mich die Treppen runtergeschubst. Deswegen bin ich auch zu spät gekommen." Da stimmt doch was nicht. Der redet ja totalen quatsch. Und dann grinst der mich auch noch so süß an. Süß? Ich meine frech.
„Hey, das stimmt doch gar nicht", versuche ich böse zu antworten, was mir nicht so gelingt.
„1. Hab ich dich nicht die Treppen runtergeschubst, wir sind zusammengestoßen und 2. hat es da schon geklingelt." Ich schaue ihm in die Augen. Anscheinend findet er das alles sehr komisch, denn er grinst mich immer noch an."Wie auch immer", sagt Robin „Ruffy kennst du ja schon. Das ist Sanji." Sie zeigt auf den blonden Typen. Ja, das hab ich auch noch mitbekommen. Er kommt auf mich zu, nimmt meine Hand und sagt:
„Oh, Nami. Meine Liebe zu dir, kennt keine Grenzen. So eine Schönheit wie dich, hab ich gar nicht verdient." Okay, das macht mir Angst. Er gibt mir einen Kuss auf die Hand. Boooaahh ist das eklig, der sabbert mir meine ganze Hand voll. Ich ziehe sie weg und er wird auch von dem Jungen, mit der langen Nase, weggezogen.
„Sanji, benimm dich. Ach übrigens, ich bin Lysop." Er reicht mir seine Hand und ich schüttel sie.
„Und wer ist das?" frage ich und deute auf den grünhaarigen Jungen. Er schaut mich nicht an und scheint wieder gelangweilt zu sein.
„Kümmer dich nicht um ihn, Nami-Schatz. Das ist nur ein niederer Tölpel, der nichts anderes als Basketball im Kopf hat." Wieder Sanji. Langsam nervt der.
„Was sagst du da, du verbrannter Kochlöffel?", „Hast du mich gerade niederer Tölpel bezeichnet?" Ich schaue zu ihm. Wow, die grüne Wiese lebt. Aber das sage ich lieber nicht, denn er ist ziemlich aufgeregt.
„Ja und ich kann noch viel mehr."
„Na, das will ich mal sehen." Sie stehen beide auf und stellen sich in Kampfstellung auf. Oh oh, das gibt Ärger.
„Pfffeeiiff" Autsch, das tat in den Ohren weh. Ich dreh mich um und sehe, wie ein Lehrer auf uns zukommt. Auch das noch.
„Zorro, Sanji auseinander. Zur Strafe lauft ihr 10 Runden. LOS!!" Zorro also. Soll ihnen recht sein. Wer kloppt sich auch schon wegen so einem Scheiß.
„Und nun zu dir!" Der Lehrer hat sich zu mir gewannt. Jetzt kann ich ihn auch unauffällig mustern. Wie immer. Er sieht aus wie 42. Hat eine Glatze und die gleichen Klamotten, wie wir auch, an.
„Wer bist du? Ich hab dich noch nie hier gesehen." Schlaues Kerlchen. Eigentlich habe ich richtig Schiss vor ihm aber ich lasse mir nichts anmerken.
„Mein Name ist Nami Weight. Ich bin neu auf die der Schule." Wie oft muss ich eigentlich noch sagen, wie ich heiße. Er mustert mich mit zusammen gekniffenen Augen, aber ich halte seinem Blick stand. Die anderen, aus der Klasse, kommen auch gerade rein.
„5 Runden zum aufwärmen! Dann trainieren wir!" Brüllte er in die Halle. Dann wendet er sich wieder mir zu.
„Ich hoffe für dich, dass du Volleyball spielen kannst." Er schaut mich grimmig an und geht. Dem werde ich es zeigen. Der kann was erleben. Ich bin so wütend. Da fällt mir meine Kette ein. Ich hole sie aus meinem T-Shirt, da ich vergessen habe sie abzutun. Rot. Knall-rot. Ich stecke sie wieder weg und spüre Blicke auf meinem Rücken. Das ist Ruffy glaube ich und drehe mich um. Und? Ja er ist es. Er kommt zu mir und lächelt mich an.
„Alles klar?" fragt er mich.
„Alles klar." Antworte ich darauf. Er nimmt meinen Arm vorsichtig und treibt mich zum rennen an.
„Na komm. Ich glaube, Herr Röder hat dich auf dem Kieker." Herr Röder. Na toll.
Als wir endlich fertig waren, mit laufen, hat Herr Röder 3 Schüler als Captain der Mannschaften ausgewählt. Ruffy, ein braunhaariger Junge und ein braunhaariges Mädchen. Sie suchen sich Leute für ihr Team aus. Ladys First. So kann ich mir auch die Leute mit Namen merken.
„Cindy" Ein blondes Mädchen.
„Zorro" Das hat Ruffy gesagt. Und so geht es eine Zeit lang weiter. Ich wurde auch in die Mannschaft gewählt von Ruffy. Darüber bin ich ziemlich froh. Wir sind nur 6 Mann. Robin, Sanji, Zorro, Lysop, Ruffy und ich. Wir stellen uns schon auf unsere Plätze.
„Kannst du spielen?" fragt mich Lysop.
„Ja, ganz gut" antworte ich. Er nickt und stellt sich wieder auf seinen Platz. Ich geb es zu, das war ein bisschen untertrieben, aber ich wollte nicht gleich jedem sagen, dass ich früher Captain der Volleyballmannschaft, unserer alten Schule war.
Da ertönt der Pfiff und reißt mich aus meinen Gedanken. Wir spielen gegen die Weiber, die meiner Meinung nach, vor lauter Gekicher, fast ersticken müssen.
Christin, oder so, macht Angabe von unten. Sanji nimmt ihn an. Natürlich wird zwischendurch auch gerufen wer, was macht. Ruffy spielt ihn hoch und Zorro spielt ihn rüber. Punkt für uns, weil die mal wieder kichern und den Ball nicht annehmen können. Wahrscheinlich stehen die auf Zorro. Wir wechseln und haben Angabe. Ich stehe vorn am Netz. Lysop macht Angabe von oben. Aber eine nimmt den Ball an, die sich wieder eingekriegt hat. Sie wechseln bis er drüben ist. Diesmal nimmt Robin an und Ruffy spielt zu mir hoch. Ich sehe meine Chance, es allen zu zeigen, springe hoch und schmettere ihn, mit meiner Handkante, übers Netz, ins andere Spielfeld. 2:0 für uns. Alle gucken erstaunt zu mir. Vielleicht war es doch etwas übertrieben.
„Du bist einsame Spitze Nami-Maus." Sagt Sanji zu mir.
„Wow, warum hast du mir nicht gesagt, dass du so gut spielen kannst?" fragt Robin. Ich lächle ein bisschen, antworte aber nicht.
Nach 10 Minuten haben wir das Spiel haushoch gewonnen.15:3. Danach mussten wir gegen die andere Mannschaft spielen. Alles nur Jungs und sie sind verdammt stark. Es steht 12:11 für uns. Die Anderen machen Angabe. Andrew, um genau zu sein. Lysop nimmt den Ball an, ich spiele ihn zu Robin hoch und sie schmettert ihn rüber. Leider nehmen sie den Ball an. Der eine will ihn rüber schmettern, aber ich versuche zu blocken, als irgendwas hartes mein Gesicht trifft.
Langsam öffne ich meine Augen. Alle stehen um mich herum. Ich muss wohl Ohnmächtig geworden sein. Oh Gott, meine Nase tut so weh. Ich fasse sie an. Nass. Und rot. Blut. Na klasse.
„Sie muss ins Krankenzimmer. Jemand muss sie dahinbringen." Höre ich Herrn Röder über mir sagen.
„Das mach ich." Ruffy? Ich schaue zu ihm. Er beugt sich über mich und tut eine Hand unter meine Kniekehle und die andere hinter meinen Rücken und hebt mich hoch. Mein Gehirn ist noch ein wenig benebelt, aber es geht.
„Ihr spielt weiter. Nun macht schon!" Höre ich Herrn Röder noch brüllen. Ich schaue zu Ruffy hoch. Er schaut runter und grinst.
„Geht's wieder?"
„Ja, danke, alles in Ordnung. Werd ich dir nicht ein wenig zu schwer?" Jetzt grinst er noch breiter und lacht. Ich mag sein Lachen. Es ist klar und aufrichtig.
„Nein, du bist leicht, wie eine Feder:"
„Na dann." So was. Ich rutsche leicht, und halte mich mit den Händen an seinem Nacken fest.
Als wir vor der Krankenzimmertür stehen setzt, er mich runter. Ruffy klopft an. Er hat immer noch seine Hand auf meinem Rücken. Dort fühle ich ein angenehmes Kribbeln. Aber das liegt daran, dass ich kitzelig bin, bilde ich mir ein.
Keiner macht uns die Tür auf, also gehen wir rein. Niemand ist drinnen.
„Leg dich doch schon mal hin. Ich hole jemanden." Ich tue das, was er sagt. Ruffy macht die Tür auf und geht. Mein Kopf und meine Nase tun unheimlich weh. Ich schließe meine Augen, in der Hoffnung, dass es besser wird. Es funktioniert auch und ich merke, wie müde ich eigentlich bin. Ein paar Minuten schlaf schadet nicht. Außerdem kommt Ruffy gleich, der wird mich auch wecken.
Irgendwas kitzelt meinen Arm. Ich mache die Augen auf. Ruffy sitzt auf der Liege und streichelt meinen Arm. Eine Geste, um mich aufzuwecken. (wenn die wüsste) Ich setze mich auf. Ruffy grinst mich an.
„Na, du Schlafmütze. Ausgeschlafen?" Ich schaue ihn perplex an.
„Wie lange hab ich denn geschlafen?" frage ich verwirrt.
„Nicht lange. 10 Minuten?! Eine Krankenschwester kommt gleich. Sie hat sich nur ziemlich verspätet." Ruffy kommt mit einem nassen Wattepad auf mein Gesicht zu und tupft vorsichtig das Blut von meiner Nase. Es tut zwar höllisch weh, aber ich lass mir nichts anmerken. Er holt ein neues Pad und macht meine Nase trocken.
„Au. Das tut weh!" Sage ich, als ich einen stechenden Schmerz spüre. Er kommt näher an mein Gesicht und ist noch vorsichtiger.
„Soll ich mal pusten?" Ich schaue zur Seite und sehe, wie er mich angrinst. Er ist mir sehr nahe. Mein Herz fängt an, hysterisch zu klopfen und ich habe Angst, dass er es hören könnte.
„Haha, sehr witzig. Wo ist eigentlich dein Hut?" Das hab ich schon vorhin bemerkt, wollte aber nichts sagen.
„Den muss ich bei Sport immer absetzten. So fertig. Jetzt siehst du wieder süß aus." Hab ich mich da gerade verhört? Er tut so, als sei es selbstverständlich.
„Danke. Sagst du das allen Mädchen, die du nett findest?" Das hab ich von mir nicht erwartet, dass ich so was zurückgebe.
„Nein, nur ganz Besonderen." Er grinst mich wieder an. Ich verfalle seinem Charme, merke ich. Er grinst mich schon wieder an. Grinst der eigentlich immer? Just, in dem Moment geht die Tür auf und die Krankenschwester betritt den Raum.
„Ach du meine Güte, was ist Ihnen denn passiert?" Sieht es so schlimm aus? Ruffy bemerkt, dass ich nicht antworte, also übernimmt er es.
„Sie wurde von einem Volleyball getroffen." Die Schwester mustert ihn, mit zusammengekniffenen Augen.
„Und sie sind?" Ja, was ist er eigentlich? Für einen guten Freund ist es doch etwas zu Früh oder? Ich meine, wir kennen uns gerade mal 2-3 Stunden.
„Ein Klassenkamerad. Nur ein Klassenkamerad." Antworte ich schnell. Sie schaut zu mir und sagt:
„Ich habe zwar nach seinem Namen gefragt, aber egal." Ups. Ich schaue zu Ruffy. Aber er schaut nicht zu mir.
„Ich muss dich Untersuchen. Bitte gehen Sie raus." Das letzte spricht sie zu Ruffy.
Er geht ,ohne einen Kommentar, raus. Sicher geht er jetzt wieder und wartet nicht auf mich.
„Tschüss." Sage ich zu der Krankenschwester, als sie fertig war, mich zu untersuchen. Ich seufze. Mit Ruffy hab ich es mir nun auch verscherzt.
Ich gehe um die Ecke, zur Turnhalle, um dem Lehrer meine Entschuldigung zu geben, dass ich noch zum Arzt soll, da sehe ich jemanden auf der Bank sitzen. Es ist Ruffy. Er hat mich noch nicht bemerkt. Vielleicht hab ich´s mir doch noch nicht mit ihm verscherzt. Ich gehe zu ihm. Er hat seine Arme auf den Knien verschränkt und schaut nach unten.
„Ist hier noch frei?" Ich lächle ihn an. Er schaut hoch, lächelt aber nicht zurück. Das ist das erste Mal, dass er nicht grinst oder lächelt.
„Klar, setz dich." Am besten, ich entschuldige mich gleich.
„Tut mir Leid wegen vorhin. Natürlich, bist du ein sehr guter Freund." Ich schaue ihn erwartungsvoll an. Er guckt mir auch in die Augen. Seine sind schwarz und ich kann nicht erkennen, was er fühlt.
„Warum hast du ihr dann was anderes gesagt? Ich lege sehr viel Wert auf Ehrlichkeit und Freundschaft." Ich bin so schlecht und er ist so ein guter Mensch. Verdammt.
„Ich wollte nicht, dass sie was in den falschen Hals bekommt." Bringe ich mühsam hervor.
„Ach, ich weiß auch nicht. Tut mir leid. Ehrlich." Er lächelt. Gott sei Dank.
„Okay. Ich hab auch etwas übertrieben. Entschuldigung angenommen." Ich drücke seine Hand und lächle auch.
„Was hat die Schwester eigentlich gesagt?" Berechtigte Frage. Immerhin hat er mich hier hergebracht und gewartet.
„Sie glaubt meine Nase ist gebrochen. Deswegen soll ich gleich zum Arzt."
„Ich kann mitkommen wenn du willst." Wie süß. Aber leider geht das ja nicht.
„Danke, aber du hast schon so viel getan und außerdem hast du noch Unterricht." Ich hole den Zettel, den mir die Schwester gegeben hat, aus meiner Hosentasche und gebe ihm den. Dabei fällt mir auf, dass ich seine Hand noch halte. Ich werde leicht rot, tue aber so, als hätte ich nichts bemerkt.
„Würdest du, bitte, den Lehrern sagen wo ich bin und Herrn Röder diesen Zettel gebe?" Ich reiche ihm mit der unbenutzten Hand den Zettel.
„Na klar, mach ich gerne." Meine Nase tut wieder weh und ich fasse dran. Aua. Das hätte ich lassen sollen.
„Au. Am besten, ich geh jetzt zum Arzt." Ich stehe auf. Leider muss ich seine Hand loslassen.
„Ich komm gleich mit. Du musst dich ja noch umziehen."
Wir gehen zur Sporthalle. Kurz vor der Umkleide dreht sich Ruffy zu mir. Er räuspert sich.
„Also, wir sehen uns ja morgen." Wird er etwa rot?
„Ja, bis dann." Er streckt seinen Arm, legt seine Hand auf meinen Arm und drückt kurz.
„Bis morgen." Und verschwunden ist er. Ich schaue ihm noch hinterher und gehe mich dann umziehen. Der Junge bringt mich echt zum schmunzeln.
Ende Kapitel 2
