Guten Morgen! Vielen Dank für eure positiven Kommentare bisher, hat mich echt gefreut! :-) Als Belohnung kommt hier Kapitel 3, viel Spaß beim Lesen...:-)

Kapitel 3

Virginia "Pepper" Potts stand an der Glastür, die auf den Balkon führte, und starrte nach draußen. Der Himmel war sternenklar und die Konturen der hellen Mondsichel grenzten sich scharf vom dunkelblau des Himmels ab. Das Mondlicht war so hell, dass sogar noch die Wellen des Ozeans zu erkennen waren, die geräuschvoll an den Strand brandeten.

Doch die vor ihr liegende Schönheit der Natur sah Pepper nicht. Alles was sie sah, waren die Bilder in ihrem Kopf, die sich nicht mehr losließen, seit sie mit Tony den Hafen verlassen hatte.

Feuer, Rauch, Tonys entsetztes Gesicht, das sich von ihr entfernte, während sie fiel. Angst, Hitze, Schmerzen... und dann... nichts... Ihre Erinnerung setzte erst wieder in dem Moment ein, als sie mit dem Stahlrohr auf Aldrich Kilian einschlug. Sie erinnerte sich an die Gefühle, die sie in dem Augenblick übermannt hatten: Zorn, Wut, unbändige Aggression... aber auch Kraft und Stärke. So hatte sie sich noch nie in ihrem Leben gefühlt, und das machte ihr Angst. Diese Gefühle waren erst verebbt, als Tony auf sie eingeredet und sie umarmt hatte. Dennoch konnte sie nicht anders, als danach eine Distanz zu ihm aufzubauen, aus Angst, es könnte sich wiederholen, was auch immer mit ihr geschehen war, nachdem Kilian sie mit dem Extremis-Virus infiziert hatte. Aber Tony hatte versprochen, sie zu heilen. Er reparierte Dinge... aber... sie war doch keins seiner Spielzeuge! Und hatte er nicht auch versprochen, sie zu fangen, bevor sie abgestürzt war? Aber das hatte er nicht...Bei diesem Gedanken fühlte Pepper eine Hitzewelle in sich aufsteigen, und in ihrem Spiegelbild auf der Glastür glommen ihre Augen orange auf.

'Nein!' schrie sie in Gedanken, stützte sich mit einer Hand an der Tür ab und schüttelte den Kopf, als könne sie so diese Gedanken wieder vertreiben. 'Tony kann nichts dafür, er wollte mich retten... es ist nicht seine Schuld...' Pepper wiederholte dies in Gedanken mehrmals, bis sie spürte, dass die Hitze in ihrem Inneren wieder verebbt war. Ein Blick auf ihr Spiegelbild verriet ihr, dass auch ihre Augen wieder normal waren.

'Tony wartet auf mich', dachte sie beschämt. Langsam entledigte sie sich ihrer verbliebenen Kleidung und begab sich nackt in Richtung Badezimmer. Als sie an einem bodentiefen Wandspiegel vorbeikam, konnte sie nicht umhin, einen Blick hinein zu werfen. Erschrocken blieb sie davor stehen.

Ihr langes rotblondes Haar hing strähnig und wirr hinunter. Der Ruß und die Asche hatten sich als gräuliche Schicht auf ihr Haar gelegt, und ließen es stumpf aussehen. Überall am Körper war sie voll schwarzer Rußflecken. Aber sonst... so genau sie auch suchte... kein Kratzer und nicht ein einziger blauer Fleck entstellten ihren schlanken Körper. Es war, als sei der Sturz nie passiert. 'Da muss ich Kilian wohl fast schon dankbar sein, dass er mich die Schmerzen der Behandlung erleiden ließ', dachte sie grimmig.

Die Badezimmertür stand einen Spalt offen, und durch ihn hindurch konnte Pepper Tony vor dem breiten Spiegel stehen sehen. Er hatte sich bis auf die Unterhose ebenfalls ausgezogen und tupfte mit einem Handtuch vorsichtig die Blutflecke aus seinem Gesicht. Im Gegensatz zu ihr sah Tony reichlich ramponiert aus. Seinen Rücken zierten mehrere Blutergüsse, seine Brust und Schultern ebenfalls, wie sie im Spiegel erkennen konnte. An den Armen und im Gesicht hatte er blutige Schrammen. Er stöhnte leise, als er die Verletzung unter seinem linken Auge berührte.

War Pepper eben noch wütend oder enttäuscht gewesen, so ließ dieser Anblick ihr Herz augenblicklich erweichen. Er hatte ihr Leben für sie riskiert und verschiedenste Verletzungen in Kauf genommen. Wie konnte sie ihm da Vorwürfe machen?

Leise öffnete sie die Tür, doch ihre nackten Füße auf den Fliesen verrieten ihre Anwesenheit, noch ehe Tony sie im Spiegel hinter sich sehen konnte. Er drehte sich zu ihr um und schaute sie mit einem Blick an, als sähe er sie zum ersten Mal.

"Lass mich das machen", raunte Pepper, nahm ihm das Handtuch ab und ließ kurz kaltes Wasser darüber laufen. Dann betupfte sie damit vorsichtig die blutigen Stellen in seinem Gesicht. Währenddessen ließ Tony sie keine Sekunde aus den Augen und versuchte in ihrem Blick, in ihrem Gesicht etwas zu lesen. Pepper wusste, dass sie etwas sagen sollte.

"Da hast du schon deine Rüstungen, und siehst trotzdem so mitgenommen aus..." sagte sie schließlich mit einem Anflug eines Lächelns.

"Ich hab nur nach einem Grund gesucht, mich von dir verarzten zu lassen", lächelte Tony erleichtert zurück. Und Pepper bemerkte, dass es nicht das typische Tony-Stark-Ich-bin-der-Größte-Lächeln war, wie er es vorhin der Concierge am Empfang zugeworfen hatte. Nein, es war das liebevolle Tony-Stark-Lächeln, das nur sie in seltenen Momenten zu sehen bekam. Wortlos legte sie ihre Arme um ihn und augenblicklich drückte er sie an sich.

"Ich bin so unendlich froh, dass dir nichts passiert ist, Baby" murmelte er in ihr Haar. "Wenn dir etwas passiert wäre..."

"Ich weiß...", unterbrach Pepper ihn und löste sich wieder von ihm, zeigte dann mit dem Kopf in Richtung Wanne: "Ich glaube, unser Badewasser wird kalt."

Sie stieg als erste in die Eckbadewanne, und Tony nahm hinter ihr Platz nachdem er sich ebenfalls komplett entblößt hatte. Das warme Wasser fühlte sich herrlich an, und Pepper fühlte, wie sie sich merklich entspannte. Sie lehnte mit dem Rücken an Tonys Brust und ihr Kopf ruhte an seiner Schulter, sein rechter Arm quer über ihrer Brust. Pepper schloss ihre Augen und versuchte, einfach nur diesen Moment der Ruhe zu genießen. Sie spürte, wie Tony sanft ihre Stirn küsste. Und in dem Moment war es um ihre Fassung geschehen. Die Schockstarre, in der sie sich anscheinend befunden hatte, bröckelte binnen Sekunden und ließ einen Kloß in ihrer Kehle entstehen. Eine einzelne Träne rollte über ihre Wange und hinterließ eine heiße Spur in ihrem Gesicht.

'Nein, bitte nicht', dachte Pepper verzweifelt. Sie hasste es zu weinen, vor allem vor Tony. Sie wollte keine Schwäche vor ihm zeigen, da sie nicht wollte, dass er ihretwegen seine Aufgaben als Iron Man vernachlässigte. Er sollte sich niemals zwischen seiner Mission und ihr entscheiden müssen, egal wie sehr sie jedes Mal litt, wenn er in seiner Rüstung unterwegs war. Doch jetzt konnte sie einfach nicht anders. Die schrecklichen Ereignisse des heutigen Tages hatten ihr Nervenkostüm zu sehr strapaziert, und nun konnte sie die Rolle der toughen Firmenpräsidentin und Superheldenfreundin einfach nicht mehr weiterspielen. Sie schluchzte unkontrolliert und nun rannen die Tränen in Strömen über ihre Wangen.

Tonys Umarmung wurde augenblicklich fester, und er wiegte Pepper wie ein Kind in seinen Armen. Er hatte sie selten weinen sehen, daher wusste er, dass sie definitiv mitgenommener war, als er anfangs geglaubt hatte oder sie ihn hatte glauben lassen.

„Ist ja gut Liebes, weine ruhig", sagte er leise. „Es tut mir alles so leid… verzeih mir bitte." Mehr konnte er in diesem Moment nicht sagen.