A/N: es tut mir Leiiid -sich verbeugt- die Fortsetzung hat wirklich ewig gedauert. Gründe, dafür, sind zum einen, dass ich im Abistress stecke und zum anderen, dass ich wieder ein wenig mehr vom Leben gelernt habe, das heißt, ich habe neue Erfahrungen sammeln müssen, welche, ich sage es wie es ist, zu den Schlimmsten gehören, die ich je habe machen müssen. Das ist auch der Grund dafür, warum ich darüber nachgedacht habe, ob diese Fanfic überhaupt weiter geschrieben werden sollte. Das Thema Tod hätte ich gerne umgangen… Aber wie ich es mir selbst versprochen habe, werde ich jede Geschichte beenden, das wäre sonst wohl kaum fair.
P.S.: Es wäre wirklich lieb, wenn ihr ein paar Kommentare schreiben würdet…so was motiviert nämlich zum schnellen weiter schreiben :)
Also denn bis dann, bye bye Tico
DISTORTION – Verzerrung
Teil 3
„Vater, wir würden gerne etwas mit dir bereden.", Kouji sprach mit ruhiger Stimme und erwiderte den Blick seines Gegenübers aus ernsten Augen. „Es ist sehr wichtig für…uns." Leicht wandte der Junge seinen Kopf in Richtung Kouichis und sah in dessen lächelndes Gesicht. „Nur Mut, zusammen schaffen wir es.", drückte es aus. Kouji atmete kaum merklich aus. Sein Bruder hatte Recht. Was genau konnte denn geschehen? Seine Eltern könnten die beiden hassen, das stimmte. Hassen für etwas, das ein Mensch nicht beeinflussen konnte. Sie könnten sich abwenden und Verbote aussprechen, sie könnten… „Eure Mutter wird nachher zum Kaffee erscheinen…", nachdem Herr Minamoto jedoch noch einmal die besorgten Mienen seiner Söhne betrachtet hatte, seufzte er und erklärte: „Schön, wenn es so wichtig für euch ist, dann lasst uns ins Wohnzimmer gehen." Er öffnete die Türe und wies die Zwillinge an, sich auf das Sofa zu setzen. Er selbst nahm in dem bequemen Schaukelstuhl platz. Koujis Herz machte einen Sprung, als er nun den erwartungsvollen Blick seines Vaters sah. „Wir, also ähm, wir…ich…", plötzlich spürte Kouji eine Hand auf der Seinen. Er schluckte. Sein Bruder drückte die Hand noch einmal und begann zu sprechen: „Wie du merkst ist es für Kouji schwierig, das in Worte zu fassen, was wir dir zu sagen haben." Er ging nicht auf die Mimik seines Vaters ein, welche von einer gerunzelten Stirn zu einem besorgten Gesichtsausdruck wechselte.
„Neneko", rief Herr Minamoto seine Lebensgefährtin zu sich, die sich gerade im Flur befunden hatte. „Die Jungen haben uns etwas zu sagen, es scheint etwas Ernstes zu sein, also wäre es lieb, wenn du…es macht euch doch nichts aus, oder?" Kouji schüttelte den Kopf. Seine Stiefmutter würde es so oder so erfahren, und ob das eher früher als später geschah, spielte schließlich auch keine Rolle. Erneut begann Kouichi zu sprechen: „Euch ist wahrscheinlich aufgefallen, wie häufig sich Kouji in letzter Zeit mit Takuya Kanbara getroffen hat?" Verwirrte Blicke trafen Kouji. Er schluckte, doch dann entschied er, dass ewiges drum herum Reden und das Abschwächen einer Tatsache nichts ändern würde. „Ich bin seit ungefähr einem Halben Jahr mit Takuya zusammen. Wir sind nicht nur befreundet, wir lieben uns. Ich kann nichts, was über reine Freundschaft hinausgeht, für ein Mädchen empfinden, und ja, selbst wenn ihr mich jetzt hasst, ich bin schwul."
Stille. Unglauben zeichnete sich auf Kouichis Gesicht ab. Er warf Kouji einen Blick zu, der deutlich zeigte, dass er nicht wirklich von der Art begeistert war, in der Kouji sein Geständnis formuliert hatte. „Typisch Kouji, das hätte ich wissen müssen", dachte Kouichi. Wenn dieser sich in irgendeiner Weise eingeschränkt oder in die Enge getrieben fühlte, reagierte er nach einem einfachen Prinzip, welches ‚mit dem Kopf durch die Wand' hieß. Herr Minamoto starrte ins Leere. „War es das, was du uns sagen wolltest, Kouji?", meldete sich seine Stiefmutter zu Wort, um dem bedrückenden Schweigen Einhalt zu gebieten. „Du hast einen Freund, mit dem du zusammen bist, und mit dem du womöglich auch noch…" „Still Neneko", unterbrach Koujis Vater und schüttelte den Kopf. Es schien, als hätte er seine Gedanken geordnet und seine Fassung wieder erlangt. Mit einem todernsten Gesichtsausdruck wandte sich Herr Minamoto an Kouji: „Sonst noch was?" Fragend sah Kouichi Kouji an. Dieser zuckte mit den Schultern, „Was solls, ist doch eigentlich alles egal, mach ruhig." Kouichis Gesichtsausdruck verriet seine Zweifel, doch er vertraute Kouji und so räusperte sich der Junge erneut um fortzufahren: „Ja, es gibt da tatsächlich noch etwas. Es tut uns leid, dass wir euch hier so überfallen, aber, es muss einfach raus. Nehmt es Kouji nicht übel, dass er ein wenig…ausgeflippt ist", Kouichis Stimme festigte sich, „Zum Einen bin ich mitgekommen, um Kouji zu unterstützen, zum Anderen, weil, nun ja…" „Autsch", schrie Kouji auf. Sein Zwillingsbruder hatte einem erneuten Ausbruch des Jungen zuvorkommen wollen, und fest in dessen Arm gekniffen. Kouji hatte tatsächlich etwas einwerfen wollen, doch nun schwieg er wieder, sodass Kouichi weiter sprechen konnte: „Wir sind nicht gemeinsam aufgewachsen, ich meine, ich wusste bis zum Geständnis meiner Großmutter an ihrem Sterbebett, noch nicht einmal etwas von der Existenz eines Bruders, genau so wenig wie Kouji. Er glaubte sogar, Mutter wäre bei seiner Geburt gestorben. Als wir uns das erste Mal trafen und dann entdeckten, dass wir uns immer und immer wieder sehen wollten, wurde uns beiden mit der Zeit bewusst, dass mehr zwischen uns war, als rein brüderliche Liebe." Kouichi sah betreten zu Kouji und auch dieser sah schuldbewusst drein. Die Unmöglichkeit ihrer Liebe wurde den Brüdern in diesem Moment bewusster als je zuvor. Eine Dreierbeziehung noch dazu zwischen Blutsverwandten, das musste für ihren Vater vollkommen unglaublich und abstoßend zugleich wirken.
Das erneute Schweigen durchbrach diesmal Herr Minamoto. Er erhob sich. Das Knarren des Schaukelstuhls verebbte und mit ruhiger, eiskalter Stimme begann der Vater der Zwillinge zu sprechen: „Sollte diese Geschichte, die ihr mir auftischt, euer Ernst sein, und das muss ich, nach euren Mienen geurteilt, annehmen, so bitte ich dich, Kouichi mein Haus zu verlassen. Ich werde nicht ein Wort mehr von diesem absoluten Schwachsinn anhören und ich verbiete euch Beiden hiermit, euch jemals wieder näher zu kommen. Was den anderen Jungen, Kanbara-san, betrifft, so werde ich mich augenblicklich mit dessen Eltern in Verbindung setzen. Dass dies Alles ohne unser Wissen geschehen konnte, ist schier entsetzlich. Kouji, es reicht, geh auf dein Zimmer, wir werden uns später darüber unterhalten, oder besser, du wirst später vernehmen, wie ich weiter vorzugehen pflege." „Ich muss eurem Vater zustimmen, Kinder, wie konntet ihr nur so weit gehen, ihr seid Geschwister, ihr seid Brüder, das ist einfach nur abscheulich!", erklärte Neneko Kudo mit erhobener, schriller Stimme.
Das war zu viel. Kouji bäumte sich auf und verlor die Beherrschung: „Jetzt reicht es mir aber, ich habe euch vertraut, verdammt noch mal. Ich habe geglaubt wenigstens ihr könntet mich verstehen. Was ist so falsch daran? WAS ist so falsch DARAN? ICH LIEBE KOUICHI, ICH LIEBE IHN, MEHR ALS MICH SELBST … und eben diese Liebe, empfinde ich auch für Takuya.", diese Worte flüsterte der Junge, „ich würde alles für die beiden tun und wisst ihr was? ES INTERESSIERT MICH GAR NICHT, WAS IHR DARÜBER DENKT. ES IST MIR EGAL, VOLLKOMMEN GLEICHGÜLTIG, ICH LIEBE SIE!", mit diesen Worten stürmte Kouji aus dem Zimmer. Schockiert sahen sich die Zurückgebliebenen an.
„Ich…ich werde ihn zurückholen", murmelte Kouichi und stand langsam, darauf bedacht so wenig Aufsehen wie möglich zu erregen, auf.
Eine Türe fiel krachend ins Schloss. Tränen rannen an den geröteten Wangen des verzweifelten Jungen hinab. Ohne auf seine Umgebung zu achten, rannte er los. „Weg, nur noch weit weg von hier", dachte er.
Kouichi öffnete die Wohnungstüre und wäre um ein Haar mit seiner Mutter zusammengestoßen, „Hast du…", ohne seine Frage zu beenden, schrie Kouichi auf: „NEEEIIIIIIIIN" Das Quietschen von schweren Autoreifen, ein grausames, zerfetzendes Geräusch und nichts, nichts würde jemals wieder sein wie zuvor.
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Takuya schreckte hoch. Er bekam keine Luft mehr. Hustend stürzte er ins Badezimmer und trank einen Schluck Leitungswasser. Noch immer keuchend richtete sich der Junge auf und sah in den Spiegel. Mit einem Schlag veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Die schwarzen Pupillen weiteten sich und blickten einem furchtverzerrten Selbst entgegen. „Nein", zischte der Junge. „Nein", seine Stimme bebte. Takuya spürte, nein, er wusste einfach, dass etwas geschehen sein musste. Er stürmte aus dem Zimmer und ohne nachzudenken rief er nach seinem Bruder: „Ich muss schnell weg Shinya, bis nachher." Schon war Takuya aus der Türe gehechtet, schwang sich auf sein Rad und raste los.
Obwohl Takuya noch nahezu hundert Meter von Koujis Elternhaus entfernt war, sah er eine durcheinander schreiende Menschenmenge. Je näher Takuya kam, desto größer wurden seine innere Unruhe und die Verzweiflung, welche mehr und mehr Besitz von ihm ergriff. Sein Herz schien aus der Brust des Jungen springen zu wollen, doch Takuya trat weiter in die Pedalen, bis er vor der Unglücksstelle zum Stehen kam. Was Nachbarshäuser zuvor verdeckt hatten, entfaltete sich nun vor Takuya wie ein Szenario der Hölle. Ein LKW versperrte die Hälfte der Straße, schien zuvor ins Schleudern gekommen zu sein. Ein Krankenwagen stand vor dem Haus und noch immer sirrte die Sirene des Blaulichtes. Takuya sah alles nur noch verschwommen. Waren diese weinenden Menschen dort drüben Koujis Eltern?
Mechanisch stellte Takuya sein Fahrrad ab und ging einen Fuß vor den nächsten setzend auf die Menschenmenge zu. Nach und nach schob sich der Junge durch drängende Menschen und stand schließlich im Zentrum des Aufruhrs. Der Anblick der elterlichen Gesichter, die Tränen, all dies nahm er kaum wahr. Der Junge glaubte nun die Gewissheit zu haben, dass ein Schicksal eingegriffen hatte, welches er selbst hätte abwenden können.
„Takuya", die vertraute Stimme ließ ihn aufhorchen, „Kou…", seine Stimme versagte. Noch einmal wurde der Braunhaarige angesprochen: „Takuya, ich…ich muss mit dir reden." Kouichi griff in den roten Stoff von Takuyas Hemd und zog ihn mit sich, abseits an einen ruhigeren Ort. „Ich…es…es ist etwas Schreckliches passiert, Takuya…Kouji…er ist…er hatte einen Unfall, Takuya, Kouji ist tot." Die Tränen, welche Kouichi krampfhaft versucht hatte zurück zu halten, flossen nun wieder über das Gesicht. Er umklammerte den Arm seines Gegenübers. „Er ist tot, Takuya, tot…einfach gestorben und…es war doch nur ein Unfall…das wollten wir nicht, ich konnte ihn nicht mehr aufhalten, Takuya,…er ist einfach davon gelaufen, ohne mir auf Wiedersehen zu sagen, er ist einfach gegangen, und jetzt ist es für immer…", erstickte Schluchzer ertönten nun, doch Takuya fühlte sich nicht in der Lage dazu, Kouichi in seine Arme zu schließen. Genau genommen spürte der Junge überhaupt nichts mehr. Mit all seiner Liebe, war auch jegliches Gefühl der Verzweiflung erloschen. Furcht, Liebe, Hass, Freundschaft, Zuwendung, Schutz, Trauer, all dies waren Empfindungen, die nichts mehr lohnten. Grob stieß er Kouichi von sich, doch anstatt sich wegzudrehen, sah er in Kouichis Augen, in dieses tiefe Blau, welches dem Koujis so ähnlich war. „Es ist meine Schuld", flüsterte Takuya, „Ich habe ihn immer und immer wieder dazu gedrängt eine Entscheidung zu fällen, zu mir zu stehen…zu uns. Er hat immer vorsichtig sein wollen, ich habe das nie verstanden. Ich war enttäuscht, ja, ich fühlte mich sogar manchmal betrogen. Er hatte es geahnt, ER HATTE ES GEAHNT…doch was spielt das nun noch für eine Rolle…wenn nichts mehr wichtig ist…"
„Aber Takuya", Kouichi sah den Jungen zweifelnd an, der sich nun abwandte, „Warte doch Takuya!" „Geh mir aus dem Weg", drohend funkelte Takuya sein Gegenüber an und als Kouichi sich ihm dennoch wieder nähern wollte, vergaß der Junge sich selbst und begann auf Kouichi einzuschlagen. „Geh mir aus dem Weg, GEH MIR AUS DEM WEG" Kouichi wehrte sich nicht. Einzig seine Tränenflut verstärkte sich. Schluchzend versuchte der Junge, sich von dem wie wahnsinnig um sich schlagenden Takuya zu entfernen. Es gelang ihm tatsächlich. Gleichzeitig wurde Takuya bewusst, dass Blut an seiner Faust entlang rinn. „Ich…ich HASSE dich", schrie Takuya und begann zu rennen. Immer schneller bahnte er sich seinen Weg, lief vorbei an der Menschentraube, genau wie sein Geliebter kurz vor diesem erschütterndem Ereignis gerannt sein musste. Diesmal hielt Kouichi ihn nicht auf. Takuya hatte diese eine, nun wertlose Hälfte eines Zwillingspaares weggeworfen, und deutlich gemacht, dass er nichts mehr mit Kouichi zu tun haben wollte. Er hatte gesagt, dass er diesen hasste, doch…hatte er nicht eigentlich sich selbst gemeint?
Zu Hause angekommen stürmte Takuya auf sein Zimmer. Er verschloss die Zimmertüre und betrat erneut das Badezimmer. Nun öffnete der Junge das Schränkchen, welches neben dem großen Spiegel angebracht war und griff nach einer kleinen Dose. Noch einmal an diesem Tag trank Takuya Leitungswasser. Doch diesmal, das wusste er, würde es ihm nicht helfen, wieder zu Atem zu kommen. Takuya wartete. Nach und nach verblasste der pochende Schmerz in seinem Kopf. Es wurde still um ihn herum. Endlich konnte er seine Ruhe finden. „Ich bin zwar verantwortlich, Kouji,", flüsterte er, „doch ich werde meinen und ihren Hass nie wieder ertragen müssen." Mit diesen Worten verdunkelte sich das Leben des Jungen und schließlich war alles, das zurück blieb eine tiefe, schwarze Leere.
Ende dritter Teil
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