Chapter 3: Only one Warning
Auch der Besuch bei den anderen Zeugen, brachte ihm keine neuen Erkenntnisse. Er hatte so gesehen das Gleiche wiederholt, was er kurz zuvor auch schon von der alten Dame gehört hatte.
Die letzte auf seiner Liste war Rika Matsuda.
Er bezweifelte zwar, dass er irgendetwas neues von ihr erfuhr, aber er musste es wenigstens versuchen.
Gott sei dank wohnte sie nur ein paar Straßen weiter, so dass er nicht schon wieder eine Ewigkeit mit dem Taxi unterwegs war.
Da ihre erste Adresse leider keinen Treffer ergab, wie er am Anfang seiner Recherche feststellen musste, hatte er ein wenig herumgefragt und so ihre neue Adresse in kürzester Zeit herausbekommen.
Auch hier fand er nach kurzem Suchen den richtigen Klingelknopf, allerdings war das auch schon alles.
Denn trotz mehrerer Versuche, tat sich nichts.
Wie es schien war sie wohl nicht zu Hause. Wie ärgerlich, und dabei wollte er diese ganze Sache endlich zu Ende bringen...
„Und jetzt...?"
Er hätte warten können, aber das artete meistens in halbe Ewigkeiten aus, da diese Leute immer in diesem Augenblick auf die Idee kamen, dass sie noch irgendetwas wichtiges zu erledigen hatten.
Und darauf hatte er wirklich keine Lust.
Stattdessen klingelte er bei den anderen Anwohnern, in der Hoffnung, dass diese etwas wussten und der vierte Versuch brachte endlich den erwarteten Erfolg. Wie es schien, war die Gutste gerade auf einer Kunstausstellung, die Anfang der Woche ihre Pforten geöffnet hatte.
Diese befand sich natürlich am anderen Ende der Stadt, aber das wollte er jetzt nicht in Angriff nehmen. Er würde später zurückkommen, aber jetzt galt es erst mal den letzten auf seiner Liste ausfindig zu machen.
Die angegebene Adresse war hier ganz in der Nähe und er musste zugeben, dass er schon ein wenig neugierig war, was er vorfinden würde. Das Taxi ließ er wo es stand.
Bei dem derzeitigen Verkehr war er zu Fuß einfach schneller.
In diesem Stadtteil war er zuvor noch nie gewesen und es war nicht so einfach, den genauen Standort zu bestimmen.
„Ah! Da ist es!"
Es handelte sich um einen großen Plattenbau, der nicht so verlassen war, wie er gedacht hatte. Aber was war schon eine Adresse, das hieß noch lange nicht, dass er wirklich hier gewohnt hatte.
Neugierig beobachtete er die Klingelknöpfe...
„Das...kann nicht sein!"
Das war vollkommen unmöglich. Dort mitten im Zentrums stand der Name der Person, die auf seiner Liste stand.
Es gab ihn also wirklich, oder war das bloße eine gute Tarnung?
Es brachte jedoch nichts, hier herumzustehen, stattdessen klingelte er. Eine ältre Männerstimme meldete sich.
„Entschuldigen sie die späte Störung. Mein Name ist Shinichi Kudo und ich hätte ein paar Fragen bezüglich eines Mordfalls, dem sie damals beigewohnt hatten."
Es entstand eine längere Pause und er rechnete schon damit, dass man ihn nicht reinlassen würde als...
„Ich habe schon mal von ihnen gehört, kommen sie ruhig hoch."
Der Türöffner wurde betätigt und er zögerte einen Moment, bevor er eintrat. Er hoffte, dass es sich nicht um eine Falle handelte.
Mit einem etwas mulmigen Gefühl stieg er die Treppe hinauf, bis zu besagter Hausnummer. Er klopfte und kurz darauf wurde ihm geöffnet.
Ein älterer Mann stand vor ihm und vermittelte so überhaupt nicht das Bild eines Verbrechers, wie ihn Shinichi sich vorgestellt hatte.
„Bitte kommen sie rein."
Er war immer noch auf der Hut, als er die kleine Wohnung betrat. Auf den ersten Blick fiel ihm jedoch nichts verdächtiges auf.
„Setzen sie sich doch, es ist ein Weilchen her, seit ich das letzte Mal Besuch hatte. Entschuldigen sie also bitte die Unordnung:"
Shinichi nahm in einem Sessel platz, während der andere sich auf die kleine Couch niederließ. Es war eine typische Männerwohnung, wie er belustigt feststellen musste, es war zwar nicht wirklich aufgeräumt, aber es war irgendwie immer noch wohnlich.
„Ich weiß, warum sie hier sind, aus dem gleichen Grund sind damals auch die Polizisten zu mir gekommen...Weil sie mich für den Mörder gehalten haben...
Ich gebe auch zu, dass es aus der Sicht eines Außenstehenden wirklich so ausgesehen haben muss, aber eins könne sie mir glauben: Ich war es nicht."
Er stand auf und ging zu einem der Schränke, wo er in einigen Unterlagen herumkramte, bis er einen großen knittrigen Umschlag herauszog.
„Ich habe wirklich dort gearbeitet."
Er reichte ihn Shinichi und setzte sich wieder.
Immer noch etwas skeptisch öffnete er ihn und holte die alten Unterlagen heraus. Darunter waren ein Arbeitsvertrag und auch ein Foto welches den Verdächtigen mit dem Ladeninhaber und seiner Familie zeigte.
„Er war immer so gut zu mir, wie hätte ich ihn da umbringen können?"
Aber selbst wenn, war das immer noch kein Beweis dafür, dass er es nicht getan hatte. Solange es keine handfesten Beweise gab, war er immer noch Tatverdächtiger Nummer eins.
Die Polizei mag ihm ja diese Geschichte damals abgekauft haben, aber er würde sich damit nicht zufrieden geben.
„Sie scheinen mir immer noch nicht zu glauben..."
„Tut mir leid, aber als Detektiv fehlt mir immer noch etwas, was ihre Unschuld hundertprozentig bezeugt."
„Mag sein, aber selbst wenn ist der Fall längst verjährt..."
Das war wohl war, aber schließlich ging es hier nicht darum einen uralten Mord aufzuklären, so gerne er es auch getan hätte, sondern um die jetzigen Ereignisse, die dem damaligen Fall so verdammt ähnlich waren.
„Wenn das alles ist, würde ich sie jetzt bitten zu gehen. Ich habe noch einige Besorgungen zu erledigen."
Das einstmals freundliche Gesicht wirkte jetzt hart und kompromisslos. Da hatte Shinichi wohl einen wunden Nerv getroffen.
Ohne murren stand er auf und begab sich zur Tür. Das Verhalten des Mannes war äußerst verdächtig und er war sich nun zu Hundertprozent sicher, dass er was mit der Sache zu tun hatte. Jetzt galt es halt es halt nur noch die nötigen Beweise zu finden.
Als er im Treppenhaus ankam, blickte er kurz nach draußen. Es war schon reichlich spät geworden, aber er hoffte, dass er jetzt vielleicht Glück hatte und Frau Matsuda antraf.
Auf einmal hallte ein Ohrenbetäubender Knall durch das Haus. Einige der Bewohner blickten neugierig heraus und fragten was los sei, manche liefen ihm auch hinterher, als er die Treppe wieder hochhechtete und vor der aufgebrochenen Tür von Masahiro Kaeda stehen blieb. Direkt vor seinen Füßen lag er nun, eine Schusswunde in seinem Kopf, die aus direkter Nähe abgefeuert wurde. Er hatte keine Chance gehabt...
„Rufen sie die Polizei!" leitete er einen der verschreckten Mitbewohner an, der auch sofort sein Handy zückte und besagte Nummer wählte.
Nur Augenblicke später, war das komplette Gebäude voll mit Polizisten, Leuten von der Spurensicherung und Seelsorgern, die sich um die anderen Bewohner kümmerten.
Auch Meguré-keibu war wieder mit von der Partie und blickte ärgerlich zu Shinichi: „Habe ich dir nicht gesagt, dass du dich aus dem Fall raushalten sollst. Das ist ja, als ob man mit einer Wand redet!"
„Tut mir leid Inspektor, ich hatte eine wirklich heiße Spur, aber scheinbar wollte jemand nicht, dass ich ihm auf die Schliche komme."
„Hat er denn irgendwas wichtiges preisgegeben?"
„Leider nein, er hat immer noch auf seiner Aussage beharrt, dass er unschuldig sei, trotzdem glaube ich, dass er verdächtig ist."
Der Inspektor schüttelte nur mit dem Kopf: „Warum muss eigentlich überall, wo du auftauchst jemand umgebracht werden? Das wird mir langsam ein wenig unheimlich, Kudo."
„Dafür kann ich leider nichts..."
Er hasste es wirklich, wenn man ihn ständig darauf ansprach, er konnte sich das auch nicht erklären, vielleicht war es einfach schlechtes Karma oder so...
„Nun, ich schätze, dass es für uns hier noch einiges zu erledigen gibt. Schon irgendwelche Verdächtige?"
Er wandte sich an einen der Polizisten.
„Nein, Sir, sie sagen alle aus, dass sie plötzlich einen lauten Knall gehört hatten und deswegen aus ihren Wohnungen gekommen waren."
„Ich glaube persönlich gesagt auch nicht, dass es einer aus diesem Haus war," mischte sich Shinichi ein.
„Also jemand, der nicht wollte, dass er zuviel plaudert...Das könnte so gut wie jeder gewesen sein..."
Meguré-keibu schüttelte nur mit dem Kopf.
„Als ob diese eine Mordserie nicht schon schlimm genug wäre..."
Am liebsten hätte Shinichi ihm gesagt, dass sie wahrscheinlich verknüpft waren, aber damit hätte er auch verraten, dass er als nicht autorisierte Person in Polizeiakten herumgeschnüffelt hatte und dass wollte er tunlichst vermeiden.
Jetzt galt es nur noch, den Tatort in Augenschein zu nehmen, jeder kleinste Hinweis war von Bedeutung, wenn es darum ging, den Täter aufzuspüren.
Er machte sich zwar keine großen Hoffnungen, was brauchbare Spuren betraf, aber vielleicht war er wenigstens in der Lag, den Tathergang zu rekonstruieren.
Ein kurzer Blick zeigte, dass es unglaublich schnell gegangen sein musste.
Es hatte keine fünf Minuten gedauert, um ins Treppenhaus zu gelangen und den Knall zu hören.
Leider war es schwer zu sagen, ob es von der Tür oder dem Schuss herrührte, auch wenn er auf ersteres tippte.
Er bezweifelte, dass so wie die Tür aussah, es leise von Statten gegangen war.
Der Täter musste im gleichen Moment, als er die Tür aufgetreten hatte, geschossen haben. Wahrscheinlich ein Profi, der ganz genau wusste, was er tat.
Er musste abgewartet haben, bis Shinichi außer Sichtweite war. Ein sehr riskantes Unterfangen, schließlich hätte es auch gut und gerne passieren können, dass er noch mal zurückkam oder das einer der Anwohner plötzlich herauskam...
Da der Flur recht dunkel war, hätte er sich überall verstecken können.
Wahrscheinlich hatte dieser ihr ganzes Gespräch belauscht und daraus den Schluss gezogen, ihn von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Wahrscheinlich war er noch gar nicht weit gekommen, denn sonst stand alles noch genauso, wie er es in Erinnerung hatte. Möglicherweise war er durch das laute Geräusch der Tür herumgefahren und hatte sich im gleichen Moment eine Kugel eingefangen.
Es war ein schwacher Trost zu wissen, dass er seinen Tod zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert haben musste und dementsprechend nicht viel gespürt hatte.
Was das jetzt für ihn bedeutete, war ihm allerdings klar.
Er konnte nur hoffen, dass ihm, kaum das er alleine war, aufgelauert wurde, um auch ihn kaltzustellen.
Vielleicht war es wirklich besser, wenn er für eine Zeit lang untertauchte, denn es war sicherlich keine gute Idee, sich jetzt töten zu lassen.
„Inspektor Meguré, ich verstehe, dass sie noch meine Zeugenaussage brauchen, aber könnten wir das auf morgen verschieben? Ich hätte noch etwas wichtiges zu erledigen und das verlangt, dass ich jetzt gehe."
„Ich verstehe schon, Shinichi, aber ich hoffe, dass du mir morgen etwas brauchbares vorlegen kannst, denn ich glaube, du weißt mehr über diese ganze Sache, als du uns glauben machen willst..."
Das würde sich noch zeigen, dachte Shinichi, als er hinaus in die Dämmerung trat.
Die Sonne war fast untergegangen und er hoffte, dass er dann nicht mehr alleine durch die Straßen streifen musste...
Kaito hatte derweil ganz andere Probleme zu lösen.
Pseudo-Kid´s Nachricht war eine harte Nuss, aber so langsam kam er seinem Ziel ein Stück näher.
Der erste Streich ist vollbracht.
Funkelnd wie die Sterne am Himmel
Er war sich nicht ganz sicher, um welche Art von Edelsteinen es sich handelte, aber er vermutete, dass es sich um Diamanten handelte.
ist mein Wunsch, dich an deinem Geburtstag in
die Arme zu schließen.
Etwas über einen Geburtstag, konnte er nicht herausbekommen, beziehungsweise, dass was er gefunden hatte, ergab keinen Sinn.
Das einzigste was er aufspüren konnte, war die diamantene Hochzeit, die nach 60 Ehejahren gefeiert wurde. Ob der Hinweis etwas mit dem Rätsel zu tun hatte, konnte er nicht sagen, aber er merkte es sich vorsichtshalber trotzdem.
„Diamanten und 60 Jahre..." grübelte er, doch so recht wollte ihm nichts einfallen.
Etwas frustriert legte er den Zettel beiseite und schaltete den Fernseher ein, vielleicht konnte ihn das auf andere Gedanken bringen.
Ein wenig lustlos zappte er sich durch die Sender, bis er bei den Nachrichten hängen blieb. Sicherlich nicht das interessanteste, was es zu sehen gab, aber ewig herumsuchen wollte er nicht.
Der Reporter berichtete gerade über den neuesten Klatsch und Tratsch in der High Society, was ihn zwar überhaupt nicht interessierte, aber er hoffte, dass das sich im Anschluss daran änderte.
Momentan berichteten sie vom berühmten und vor allem extravaganten Kunstsammler, Hiroshi Musada, der sich einen Namen durch seine recht umfangreiche Gemäldesammlung gemacht hatte.
Sechzig Jahre war der gute Man inzwischen alt und zur Feier seines neu erworbenen Lieblingsstückes, veranstaltete er in seiner Loftwohnung heute eine Party.
„Einen Moment mal...Sechzig Jahre?"
Kaito kam das zwar etwas seltsam vor, aber trotzdem schenkte er der Reportage nun mehr Beachtung.
Doch es dauerte bis zum Ende des Berichtes, bis sie endlich besagtes Sammlerstück zeigten:
Die Diamanten des Königs.
Ein Stillleben aus dem 15. Jahrhundert, gezeichnet von einem unbekannten Maler.
„Das glaube ich jetzt nicht..."
Das waren zu viele Übereinstimmungen, als das es sich um einen Zufall handeln konnte. Würde der Typ versuchen das Bild zu stehlen und würde es auch diesmal wieder einen Mord geben?
Und das Schlimmste war, dass es wohl noch heute Abend passieren würde.
Es gab keine Zeit zu verlieren.
Hastig rannte er zum Telefon und wählte Shinichis Nummer. Es schien ewig zu dauern, bis besagter endlich abnahm.
„Gott sei dank! Shinichi? Es gab eine neue Nachricht von diesem Mörder. Ich glaube, er wird heute bei Musada´s Feier zuschlagen!"
Es entstand eine kurze Pause und Kaito glaubte schon die Verbindung verloren zu haben, als er endlich eine Antwort bekam.
„...Ich weiß..." flüsterte Shinichi, „Ich habe die Leiche gerade gefunden..."
Auch bei seinem zweiten Versuch traf Shinichi auf verschlossene Türen, aber so einfach aufgeben wollte er auch nicht, stattdessen erkundigte er sich noch mal, wo sich besagte Ausstellung befand und entschloss sich, da es eine offene Veranstaltung war, mal vorbei zu schauen.
Vielleicht hatte er Glück und er würde sie noch antreffen.
Sein Taxifahrer, der immer noch guter Dinge zu sein schien, bracht ihn auch diesmal auf den schnellstem Wege ans Ziel:
Eine alte Fabrikhalle, bei der nur das Erdgeschoss renoviert wurde.
Geschmackssache, wie er fand, als er die große Eingangshalle betrat, die bis auf das letzte Stück mit irgendwelchen Kunstgegenständen vollgestopft war.
Er selber hielt nicht viel von den ganzen Sachen, aber er wurde ja auch nicht dazu gezwungen, es u mögen.
Richtig lustig wurde es jedoch jetzt, denn es waren nicht wenige Besucher, die diese Veranstaltung besuchten und die gute Frau konnte sich in den letzten Jahren auch vollkommen verändert haben.
Das beste war es, einfach mal rumzufragen, vielleicht kannte sie ja jemand.
Mit neuem Elan, dass der Tag bald rum sein würde, machte er sich an die Arbeit und musste kurze Zeit später feststellen, dass sie hier nicht so unbekannt war, wie er vermutet hatte.
Si schien sich sehr häufig in diesen Kreisen herumzutreiben und sein Glück schien wieder aufzublühen, als er erfuhr, dass sich diese noch immer hier anwesend war.
Nun galt es nur noch sie zu finden...
„Entschuldigen sie, haben sie Frau Matsuda gesehen?"
Das war nun schon das zehnte mal an diesem Abend, dass er diese Frage stellte und jeder schien ihn in eine andere Richtung zu führen, die sich wiederum als Nieten herausstellten.
Sie konnte sich doch nicht einfach in Luft aufgelöst haben.
„Vorhin war sie dort hinten bei der Treppe gewesen. Sie hat, glaube ich, telefoniert," antwortete ihm ein älterer Mann im Anzug.
„Ist ihnen dabei irgendwas seltsames aufgefallen?"
„Nicht viel, nur das der Anrufer sie wütend gemacht hat. Sie hat jedenfalls ziemlich finster dreingeblickt..."
„Sonst noch irgendwas?" fragte Shinichi, aber er bekam nur ein Kopfschütteln.
Jedenfalls wusste er jetzt wo ihr letzter Aufenthaltsort war und vielleicht war es wirklich an der Zeit, dass er das obere Stockwerk mal in Augenschein nahm.
In einem unbeobachteten Moment schlüpfte er unter der Absperrung hindurch und die Treppe hinauf.
Die Wärme des Erdgeschosses begleitete ihn noch bis ins erste Stockwerk, wo er dann jedoch umso stärker darauf aufmerksam gemacht wurde, wie kalt es inzwischen doch schon wieder war.
Seine Jacke war diese Temperaturen einfach nicht geschaffen und er würde sich auch nur kurz umsehen, bevor er wieder runter gehen würde, um sich aufzuwärmen.
Irgendwie bezweifelte er, dass jemand freiwillig hier hoch gehen würde. Sollte sie wirklich hier sein, dann auf alle Fälle nicht aus freien Stücken.
Er musste unweigerlich an den Mord von vorhin denken und hoffte, dass ihr nicht auch etwas zugestoßen war.
In der Hoffnung, dass es nicht schon zu spät war, durchquerte er die große Halle, in der außer einigen eingestaubten Maschinen jedoch nichts zu sehen war und steuerte auf eine Reihe von Türen zu, die sich am anderen Ende befanden.
Wahrscheinlich Wasch- oder Aufenthaltsräume und er würde sie alle kontrollieren müssen...
Mit seiner kleinen Taschenlampe durchleuchtete er jeden Winkel seiner Umgebung, aber bis auf ein paar Ratten, gab es hier kein Lebenszeichen.
Er wandte sich den ersten zwei Türen rechts von ihm zu, aber, diese waren verschlossen und hinderten ihm am Weiterkommen.
Blieben noch die drei auf der anderen Seite. Mit einem noch immer mulmigen Gefühl näherte er sich diesen.
An der ersten war die kleine Scheibe, die in der Tür eingefasst war, zerschlagen und bot einen Blick ins Innere.
Er leuchtete hinein, aber der Raum schien lehr zu sein und es war auch wie zu erwarten abgeschlossen.
Bei der nächsten hatte er dann allerdings mehr Glück. Die Klinke ließ sich leicht herunterdrücken und die Tür sprang auf.
Dahinter war es stockfinster, aber es wirkte auf den ersten Blick, als ob es sich hierbei um eine weitere Halle handelte.
Vorsichtig leuchtete er mit seiner Taschenlampe hinein. Doch selbst diese vermochte nicht, den Raum komplett auszuleuchten.
Er musste wohl oder übel hineingehen. Sollte seine Zielperson wirklich hier oben sein...? In vollständiger Dunkelheit?
Er ließ den Strahl über den staubigen Fußboden wandern und hielt kurz darauf inne.
Dort waren Spuren...
Und ziemlich frisch, wenn er das beurteilen konnte. Turnschuhe, wenn ihn nicht alles täuschte.
Sie gehörten auf alle Fälle nicht zu der Person, nach der er suchte, außer diese lebte auf unglaublich großem Fuß.
Allerdings verliefen diese nur in eine Richtung, was bedeuten würde, dass dieser Typ noch da war, oder das er einen alternativen Ausgang gefunden hatte.
Etwas, was jetzt natürlich seine Neugier wieder verstärkte.
Er dimmte das Licht seiner Lampe, ganz ausschalte war hier sicherlich keine gute Idee, und folgte leise der Spur.
Die mit einem mal jedoch aprubt aufhörte...
Wie so etwas möglich war, konnte selbst er sich nicht erklären. Als hätte sich diese Person plötzlich in Luft aufgelöst...
Er trat einen Schritt zur Seite, um dieses Bild aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Dabei stieß er gegen etwas, was sic bis zu diesem Moment in der Dunkelheit befunden hatte.
Er leuchtete in die Richtung des Hindernisses und erschrak.
Beinahe hätte er bei dem, was sich dort im Schein seiner Lampe befand, selbige fallen lassen.
Es war Rika Matsuda , kein Zweifel daran.
Sie war genauso abartig zugerichtet, wie die arme Seele, über die er damals bei diesem ominösen Raubüberfall gestolpert war.
Auch sie trug eine Maske und um dem Messer, dass in ihrer Brust steckte, hing auch wieder ein Schild.
Welches dieses mal jedoch einen anderen Schriftzug trug:
Ich habe es verdient.
Zu ihren Füßen lag ein großes Bild, dass er nicht kannte.
Was allerdings auch nicht mehr von Bedeutung war, denn in kleiner See aus Blut hatte sich auf dessen Oberfläche gebildet und machte es somit wortlos.
Shinichi fluchte leise.
Wäre er doch nur früher hier gewesen, dann wäre sie jetzt vielleicht noch am Leben.
Es konnte natürlich auch bedeuten, dass sie genauso endete wie Masahiro Kaeda.
So oder so hätte es also passieren können, dass sie den heutigen Tag nicht überlebte.
Bevor er diesen Gedanken zu Ende bringen konnte, klingelte sein Handy und ließ ihn hochschrecken.
Ein Blick auf das Display zeigte ihm, dass es Kaito war.
Der Magier hatte auch immer ein Timing...
Er nahm das Gespräch an, weiter kam er jedoch nicht.
„Gott sei dank! Shinichi? Es gab eine neue Nachricht von diesem Mörder. Ich glaube, er wird heute bei Musada´s Feier zuschlagen!"
Das war Shinichis letzter Beweis, den er gebraucht hatte.
Dieser kranke Irre hatte wirklich wieder seine Finger im Spiel gehabt.
„Ich weiß..." leider kam Kaitos Warnung ein bisschen zu spät, „Ich habe besagte Leiche gerade gefunden..."
Und wie er das hatte...
„Was?" rief Kaito, „Verdammt! Und Nakamouri-keibu hatte die Nachricht erst vor gut drei Stunden bekommen. Was glaubt der Typ, wer wir sind?"
Das grenzte wirklich schon an Verhöhnung.
So gesehen hätten sie so oder so keine Chance gehabt, dieses Verbrechen zu verhindern.
Und das war das Schlimme daran, denn es zeigte ihnen, wer hier die Fäden in der Hand hielt.
Und sie warne gezwungen, dieses Spiel mitzumachen, ob die wollten oder nicht...
„Kaito, ich weiß, dass du ein Risiko eingegangen bist, um an diese Informationen zu kommen, aber ich möchte dich bitten, dich auf weiteres versteckt zu halten. Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass eir beobachtet werden und ich würde mich besser fühlen, wenn ich weiß wo du bist."
Er hörte ein leises Kichern auf der anderen Seite: „Keine Sorge Tantei, wenn du das wünschst, werde ich mich hier verschanzen."
„Ich meine das ernst, Kaito. Diese Typen haben inzwischen zwei meiner Zeugen umgebracht und das letzte was ich will ist, dass auch noch einer meiner Freunde ihnen zum Opfer fällt!"
...Freunde...
Sah der Detektiv in ihm wirklich einen Freund?
Bis dato hatte er immer gedacht, dass sie nicht viel mehr waren, als Partner, aber scheinbar hatte er sich in dieser Hinsicht getäuscht. Er spürte, wie sein Herz bei dem Gedanken schneller schlug, schließlich war dieser Wunsch seit ihrem ersten Treffen bei ihm verankert.
Natürlich ging diese Träumerei noch weiter, aber er musste realistisch bleiben.
Näher als das, würden sie wohl nie kommen, aber trotzde würde er Wort halten: „Ich verspreche es dir, Shinichi," sagte er mit ernster entschlossener Stime, „Ich rühre ich mich nicht mehr vom Fleck und werde versuchen unentdeckt zu bleiben."
„Dann ist´s ja gut..."
Shinichi schien sichtlich erleichtert.
„Ich rufe jetzt die Polizei und bin dann auch bald zuhause, du musst nicht warten, wenn du nicht willst."
Dann legte er auf.
Kaito blickte noch eine Weile auf den Telefonhörer, bevor er diesen endlich ablegte.
„Shinichi..." flüsterte er und ging zurück zur Couch.
Sein Buch vergessen auf dem Couchtisch, als er gedankenverloren an die Decke starrte.
Das war das erste mal gewesen, dass jemand so offen seine Besorgnis ihm gegenüber ausgesprochen hatte. Und so richtig wusste er nicht, wie er damit umgehen sollte.
Das erste mal in seinem Leben wusste er nicht, was er jetzt tun sollte...
Was wohl sein Vater gesagt hätte?
Er schloss die Augen und versuchte seinen Kopf wieder klar zu bekommen...
„Kudo...Ist dir ein Mord pro Tag nicht mehr gut genug?" fragte Meguré-keibu kopfschüttelnd, schließlich war das hier schon das zweite mal an diesem Tag, dass sie sich unter solchen Umständen trafen.
„Wenn es nur so einfach wäre, Inspektor..."
Was hätte man darauf auch antworten sollen...
„Unser Mörder von letztens hat wieder zugeschlagen."
„Und ich vermute, hierbei handelt es sich wieder um einen deiner Zeugen, die du verhören wolltest?"
„Leider ja, auch wenn ich diesmal gar nicht so weit gekommen bin"
Meguré nickte: „Ich hatte von Nakamouri erfahren, dass du dich der Sache angenommen hattest und nun hat sich unsere Befürchtung, dass Kid wieder zuschlägt bewahrheitet...
Ab sofort können wir nicht mehr von einer Einzeltat ausgehen..."
Kaito war also bei Nakamouri-keibu gewesen. Was aber viel wichtiger war, war das die Polizei nun noch überzeugter davon war, dass der Dieb der Mörder war. Wenn das so weiterging, würde n sie bald sämtliche Spezialeinheiten eingeschaltet haben, um ihn zu fassen und dann würde es wirklich brenzlig für ihn werden.
Im Notfall müsste er aus Japan verschwinden und irgendwo im Ausland untertauchen.
So gesehen hatten die Typen gute Arbeit geleistet, seinen Ruf auf einen Schlag zu ruinieren.
Und er konnte seinen gleich mit an den Nagel hängen, sollten sie jemals herausbekommen, dass er den Dieb versteckt hielt. Er konnte nur hoffen, dass sie die Drahtzieher bald erwischten, damit dieser Spuk endlich ein Ende hatte.
„Kudo, du siehst nicht gut aus, warum gehst du nicht nach Hause und wir besprechen morgen alles auf dem Revier," schlug Meguré-keibu vor, der ihn mit besorgter Miene ansah.
Vielleicht war es das beste, dachte er sich, schließlich war er heute den ganzen Tag auf den Beinen gewesen und ehrlich gesagt, wollte er in nächster Zeit keine Leichen mehr sehen.
Urlaub wäre jetzt wahrscheinlich das beste, aber das konnte er den Leuten hier nicht antun und sein detektivischer Instinkt würde ihn sowieso nicht zur Ruhe kommen lassen, solange dieses Rätsel nicht gelöst wurde.
„Ich gehe gleich, aber vorher würde ich mir gerne noch mal den Tatort ansehen, wenn sie damit kein Problem haben"
„Tu dir keinen Zwang an."
Noch war das Rätsel um die Fußspuren nicht gelöst und er würde nicht eher gehen, bevor er es herausgefunden hatte.
Gott sei dank hatte er in vorrausschauender Weise die Polizisten über einen anderen Weg hierher gelotst, damit sie nicht unwissend wichtiges Beweismaterial vernichteten.
So, dass er sie jetzt ganz in Ruhe noch mal abgehen konnte, bis zu dem Punkt, wo er die Leiche gefunden hatte.
Da sie selber Hackenschuhe getragen hatte und auch viel kleinere Füße hatte, konnte man davon ausgehen, dass sie vom Mörder stammen mussten, aber wie hatte er es geschafft, plötzlich keine mehr zu hinterlassen?
Ihm waren wohl kaum Flügel gewachsen, mit denen er davongeflogen war...
Er bezweifelte, dass es der gleiche Trick war, wie beim letzten mal, denn hier gab es nichts, woran er hätte hochklettern können, beziehungsweise woran er die Leiche präparieren konnte.
Hier war weit und breit nichts.
Ein Trick, den selbst Kaito wohl nicht besser hinbekommen hätte und nun galt es herauszubekommen, wie er es gemacht hatte.
Die simpelste Lösung wäre wohl, dass er an der Leiche hochgeklettert war, aber das hätte Spuren hinterlassen, die es hier nicht gab.
Aber so einfach wollte er nicht aufgeben, schließlich hatte er auch Kid´s Tricks durchschaut, so gesehen sollte das hier ein Klacks sein.
„Sagen sie, gibt es noch einen Zugang, der ins dritte Stockwerk führt?" fragte er einen der nahestehenden Polizisten.
„Ja, laut Informationen sind die Zugänge nicht abgeschlossen, wenn auch überall Warnhinweise aufgehängt wurden."
Es war also so gesehen ein leichtes, dort oben hinzugelangen. Jetzt musste er nur noch herausfinden, ob das etwas mit diesem kleinen Trick zu tun hatte.
Als er sich umdrehte, strich etwas an seinem Gesicht entlang, was er im ersten Moment für Spinnweben hielt, doch dann überdachte er diese Theorien noch einmal und strich mit der Hand durch die Luft, genau an der Stelle, wo er gestanden hatte.
Etwas berührte seine Finger und er griff zu.
Be näherer Betrachtung mit seiner Taschenlampe, entpuppte sich dieses als dünne Angelschnur, die man unter normalen Umständen wohl nicht gefunden hätte.
Das hier war purer Zufall gewesen...
Die Lösung dieses Rätsels war also wirklich im dritten Stock zu finden und da musste er jetzt hin.
„Wo willst du hin Kudo?" hörte er Meguré-keibu hinter sich rufen, aber er winkte nur ab: „ Ich habe den Trick des Mörders schon so gut wie geknackt. Ich muss nur noch etwas nachprüfen."
Er rannte an den Polizisten vorbei, in Richtung der letzten Tür, die er beim ersten mal nicht ausprobiert hatte und war nicht sonderlich überrascht, dahinter einen schmalen Treppenaufgang zu finden.
Überall waren Warnhinweise aufgeklebt, bezüglich der Baufälligkeit des oberen Stockwerks, aber es war lächerlich zu glauben, dass diese jemanden davon abhalten würde hier hoch zu gehen.
Er suchte Halt an dem morschen Geländer und kraxelte mehr schlecht als recht hoch.
Hier oben war es auch nicht viel heller, jedoch hatte der Fußboden an einigen Stellen nachgegeben, sodass man freie Sicht auf das Stockwerk darunter hatte.
Er konnte ganz deutlich die Leute erkennen, die mit ihren Lampen den Raum nach Spuren durchkämmten und er wurde das Gefühl nicht los, dass der Mörder ihn wahrscheinlich genauso beobachtet hatte, wie er jetzt.
Der Strick, mit dem die Leiche befestigt war endete wirklich hier, aber das war nicht das einzigste, was seine Aufmerksamkeit erregte.
Bei einem weiteren Loch, nicht weit von diesem hier entfernt, glänzte etwas im Schein seiner Lampe, was sich kur darauf als die Angelschnur entpuppte, die er kurz zuvor gefunden hatte.
Sie war mehrmals um einen schmalen Eisenträger gewickelt wurden.
Ob man sie absichtlich zurückgelassen oder einfach vergessen hatte, konnte er jedoch nicht sagen.
Etwa auf gleicher Höhe waren Bohrlöcher zu erkenn, wo man wohl etwas angeschraubt hatte, was nun allerdings fehlte.
Aber das war angesichts der Bewese, die er gefunden hatte, nun kein großes Rätsel mehr.
Wahrscheinlich handelte es sich um eine Art mechanischen Flaschenzug, damit wäre es ein leichtes gewesen, unten die Spuren zu hinterlassen und sich dann einfach ein Stockwerk höher tragen zu lassen.
Wahrscheinlich war die Leiche auch von hier oben abgeseilt wurden...
Ein billiger Trick und Shinichi schalt sich dafür, dass er das nicht gleich erkannt hatte.
Bevor er jedoch Meguré-keibu davon in Kenntnis setzte, galt es noch eine Sache zu klären, nämlich wie der Mörder von hier oben ungesehen verschwinden konnte, ohne ihm oder einem der anderen Partygäste über den Weg zu laufen.
Aber auch das erklärte sich in dem Moment, wo er an eines der Fenster trat.
Eine Feuerleiter, mit Zugang zu jedem Stockwerk, führte direkt runter in einen kleinen Hinterhof, über den es ein leichtes war, ungesehen in der Dunkelheit zu verschwinden.
Er bezweifelte, dass sie den Täter noch schnappen würden, dieser war wahrscheinlich schon über alle Berge.
Sicherlich war das hier kein Topergebnis, aber er war schon zufrieden, dass sie den Tathergang halbwegs rekonstruieren konnten, auch wenn er bezweifelte, dass dies genügen würde, um den Täter ausfindig zumachen.
Kaito hatte schließlich erzählt, dass deren Verbündete sich sogar bis in die Kreise der Polizei eingeschlichen hatten und das würde bedeuten, dass etwaige Beweise, sowieso bald verschwinden würden, außer natürlich...
Er rannte wieder hinunter und berichtete dem Inspektor von seinem Fund. Da er diesen jedoch nicht frei heraus von seinem Verdacht berichten konnte, versuchte er es etwas harmloser zu verpacken: „ Meguré-keiu, ich weiß, dass sie sich immer auf ihre eigenen Männer verlassen, aber wie wäre es, wenn sie jemand nichteingeweihten einmal drüber schauen lassen."
„Willst du damit andeuten, dass meine Männer ihre Arbeit nicht richtig machen?" fragte dieser empört.
„Nein, um Gottes Willen, aber da man schon beim ersten mal nichts gefunden hatte, könnte es doch sein, dass dann schon mit dem Gedanken herangegangen wird, dass sie wieder nichts finden. Also wäre es doch ganz gut, jemand unbedarften heranzulassen.
Vielleicht wird ja dann etwas gefunden."
„Ich weiß zwar nicht, was das bringen soll, aber wenn du das sagst, werde ich deinen Vorschlag annehmen."
„Vielen Dank.
...und äh...könnten sie diesen Wechsel für sich behalten?"
„Du planst schon wieder was, dass kann ich dir ansehen, aber da du ein ausgezeichnetes Talent dafür hast, selbst die unmöglichsten Mordfälle zu lösen, werde ich dir in diesem Punkt einfach mal vertauen...
Aber wie gesagt, unser morgiges Gespräch ist immer noch aktuell. Vergiss das nicht."
„Keine Sorge, ich werde pünktlich da sein."
Es war ein Geräusch an der Tür, das Kaito etwas später an diesem Abend hochschrecken ließ.
War Shinichi endlich nach Hause gekommen?
Vorsichtig spähte er um die Ecke, in Richtung Eingangstür, aber keine von den Siluetten, die dort in der Dunkelheit standen, gehörten dem Detektiv.
Denn entweder hatte er in den letzten Stunden das dreifache seines Körpergewichts zugelegt oder er war wieder auf „Conan-Größe" geschrumpft.
Einbrecher vielleicht?
Aber warum würden sie ein Kind mitnehmen? So oder so war es jedoch keine gute Idee, wenn er sich von ihnen erwischen ließ, so dass er sich er sich schnell ins obere Stockwerk schlich, wo er sie noch belauschen und im Notfall auch verstecken konnte.
„Ich verstehe deine Sorge Ai," drang es an seine Ohren, „aber ich glaube mit Shinichi ist alles in Ordnung."
„Das ist nicht gesagt, Professor. Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass er uns irgendwas verheimlicht..."
Das war die Stimme eines jungen Mädchens, auch wenn sie nicht wirklich wie ein Kind klang.
„Verheimlichen? Warum sollte er?"
„Sie sind zu gutgläubig. Seit diesem Mordfall von neulich, verhält er sich seltsam. Es muss etwas mit diesem Kaito Kid zu tun haben, da bin ich mir sicher."
„Das mag ja sein Ai, aber das rechtfertigt uns noch lange nicht, hier einfach so einzubrechen."
„Tut es das nicht? Wahrscheinlich wird er es bis zum Schluss für sich behalten und dann könnte es schon zu spät sein."
Kaito bezweifelte, dass seine Shinichi-Verkleidung bei ihr funktionieren würde. Sie würde in wahrscheinlich gleich durchschauen...
Und da es besser war, wenn nicht zu viele Leute von seinem Aufenthalt hier wussten, war es sicherer, erst mal versteckt zu bleiben.
Wenn er Glück hatte, würden sie bald wieder gehen.
Gott sei Dank hatte er vorhin aufgeräumt, so dass es keine Anzeichen darauf gab, dass noch eine zweite Person in diesem Haushalt lebten. Und auch seine persönlichen Sachen waren versteckt.
Er konnte es zwar nicht sehen, aber hören konnte er dafür umso besser, wie Schränke geöffnet und in Sachen herumgewühlt wurden.
Als sie dabei der Treppe immer näher kamen, wurde es auch Kaito zu heiß und er zog sich ins Gästezimmer zurück.
Er bezweifelte nicht, dass sie auch hier suchen würden, aber er hatte auch nicht vor hier zu bleiben.
Schon an seinem ersten Tag hier, hatte er sich mit der Mechanik der Fenster im ganze Haus beschäftigt, so dass es für ihn keine große Schwierigkeit mehr darstellte, die Fenster von beiden Seiten zu öffnen und zu schließen.
Flink hangelte er sich nach draußen und schloss das Fenster wieder, bevor er noch höher kletterte und es sich auf dem Dach bequem machte.
Er hatte den Platz so gewählt, dass er von keinem der Fenster aus zu sehen war, denn schließlich sollte die ganze Plackerei nicht umsonst gewesen sein.
Nicht zu früh hatte er den strategischen Rückzug gewählt, denn kam hatte er es sich gemütlich gemacht, wurde auch schon das Fenster des Gästezimmers geöffnet.
„Zu spät meine Liebe," flüsterte er.
Dieses Mädchen war gefährlich, dass hatte er schon früher festgestellt, aber momentan konnte er sie wirklich nicht gebrauchen, schließlich konnte sie den ganzen Plan gefährden, außerdem waren das inzwischen wahrlich genug Leite, die seine wahre Identität kannten.
Wie sollte er noch als Phantom agieren, wenn sowieso jeder wusste, wer er war?
Er lauschte auf die Geräusche, die unter ihm zu hören waren und atmete erleichtert auf, als das Fenster wieder geschlossen wurde.
Scheint als hätten sie nichts gefunden.
Aber runterklettern würde er noch nicht, nein, er würde warten, bis sie gegangen und wenn er die ganze Nacht hier oben verbringen musste!
Der Taxifahrer hatte Shinichi direkt vor seiner Haustür abgesetzt, so dass er bloß noch den Schlüssel aus seiner Tasche kramen musste.
Doch etwas war anders als sonst. Er konnte durch die Vorhänge Bewegungen erkennen und er war sich sicher, dass sie nicht von Kaito stammten.
Wenn dies der Fall sollte, war es sicherlich keine gute Die, jetzt einfach so dort reinzuspazieren, gleichzeitig sorgte er sich jedoch um den Dieb. Hoffentlich hatte er sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können.
Vorsichtig näherte er sich seiner Eingangstür.
Sie war nur angelehnt, wodurch er lautlos hineinschleichen konnte. Langsam bewegte er sich in Richtung des Wohnzimmers, wo er ganz deutlich Stimmen vernehmen konnte und staunte nicht schlecht, bei dem was er erblickte.
Dort mitten im Raum standen der Professor und Ai und schienen ihn noch immer nicht bemerkt zu haben. Er räusperte sich und endlich drehten sie sich zu ihm um.
„Oh, Shinichi...schön das du da bist...hahaha..," lachte Agasa verlegen.
„Könntet ihr mir erklären, was ihr hier macht?" fragte er skeptisch.
„Wir wollten nur nachschauen, ob mit dir wirklich alles in Ordnung ist, Kudo-kun," antwortete Ai, eiskalte Berechnung schwang mit jedem Wort mit, die erahnen ließ, dass das eine glatte Lüge war.
„Und das kann nicht bis morgen warten?"
„Tut mir leid, Shinichi, aber es ist doch nur zu deinem besten."
Er stöhnte genervt: „Es geht mir gut, wirklich. Wenn ich wirklich Probleme haben sollte, seit ihr die ersten, die es erfahren werden, versprochen."
Sie schienen Kaito nicht gefunden zu haben, denn sonst hätten sie ihn wahrscheinlich schon zur Rede gestellt.
Glücklicherweise, wie er zugeben musste. Ai war ihm gegenüber sowieso schon misstrauisch genug, da konnte er es nicht gebrauchen, dass sie ihn noch für den Komplizen des meistgesuchtesten Diebes der Welt hielt.
„Ich hoffe du erinnerst dich an dieses Versprechen, wenn es soweit ist," sagte sie und zog den Professor mit sich hinaus.
Erst als er sich hundertprozentig sicher war, dass sie nicht noch einmal zurückgekommen würde, erlaubte er sich erleichtert auszuatmen.
Das war zu knapp gewesen...
Wie hatten sie es überhaupt geschafft sein Schloss zu knacken?
Vielleicht sollte er sich doch ein neues Sicherheitsschloss besorgen...
Schemenhaft konnte er eine Bewegung aus dem dunklen Obergeschoss ausmachen, was ihn jedoch nicht weiter beunruhigte, da es momentan nur einen gab, zudem diese gehören konnten und wie auf´s Stichwort kam er die Treppe heruntergeschritten.
„Dieses kleine Mädchen ist wirklich aufdringlich, Tantei-san..." jammerte der Dieb, er die Treppe geschafft hatte.
Dem Zustand seine Kleidung nach zu urteilen, konnte er sich nur auf dem ach herumgetrieben haben.
Kein Wunder, dass Ai und der Professor ihn nicht finden konnte...
„Gewöhn dich dran, war bestimmt nicht das letzte mal, dass sie so eine Aktion unternehmen," warnte Shinichi, bei den beiden konnten sie nie vorsichtig genug sein.
„Na fantastisch und ich hatte gehofft, sie so schnell nicht wiedersehen zu müssen. Du solltest die Wahl deiner Freunde wirklich noch einmal überdenken, Tantei."
Shinichi musste sich ein Grinsen verkneifen, als ob die Freundschaft zu einem Dieb soviel besser war...
„Ich schätze, es wird Zeit, dass wir reden?" fragte Kaito plötzlich ernst.
„Kann man so sagen..."
Wiedereinmal fanden sie sich im Wohnzimmer wieder und Shinichi erzählte ihm alles, was ihm an diesem Tag wiederfahren war. Als er fertig war, war Kaito an der Reihe und berichtete ihm von dem Treffen mit dem Inspektor und Kid´s Nachricht.
„Tja, und als ich versuchte dich anzurufen, musste ich erfahren, dass du die Leiche schon gefunden hattest...
Tut mir leid, wenn ich schneller gewesen wäre..."
„Es war nicht deine Schuld," versuchte Shinichi ihn zu beruhigen, „Ich glaube kaum, dass der Mörder wollte, dass wir die Frau vor ihrem Schicksal retten. Er spielt nur mit uns..."
„Aber warum? Was glaubt er damit zu erreichen?" fragte Kaito verwirrt.
„Ich bin mir nicht sicher, aber ich habe das ungute Gefühl dass wir das bald herausfinden werden..."
Shinichi würde mit seiner Vermutung recht behalten, denn es war noch keine Woche, seit dem letzten Mord vergangen, als eine deutliche Warnung vor seiner Haustür abgestellt wurde.
Was auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Karton aussah, entpuppte sich unter Kaitos wachsamen Auge als gut getarnte Bombe und er konnte von Gück reden, dass der Dieb so schnell geschalten hatte, denn sonst würde er jetzt wohl die Radieschen von unten sehen...
Diese Typen schienen jetzt wirklich ernst zu machen und da Kaito und er scheinbar zu viel wussten, sollten nun auch sie ausgeschaltet werden.
Nun, keine zwei Stunden später, saßen die beiden in der Küche und grübelten, wie es jetzt weitergehen sollte.
Auf die Straße trauten sie sich nicht, aus Angst vor einem erneuten Anschlag.
Hier bleiben konnten sie jedoch auch nicht, denn sie saßen hier buchstäblich in der Falle.
„Uns bleibt nur eine Möglichkeit..." ergriff Shinichi das Wort, nachdem sie eine Weile geschwiegen hatten.
„Wir hauen ab?" fragte Kaito, der schon ahnte, worauf das hinauslief.
Der Detektiv nickte mit dem Kopf: „Momentan ist es für uns einfach zu gefährlich, diese Typen warten doch nur darauf, dass wir unaufmerksam werden...
Ich habe außerdem gesehen, dass in einigen der Unterlagen, die du mir gegeben hast auch von Zwischenfällen in Frankreich und England die Rede ist und ich denke, es ist erst mal besser, wenn wir uns erst mal um diese Spur kümmern."
„Dann bin ich für Frankreich, die Heimat des großen Arsene Lupin!" rief Kaito und grinste über beide Ohren.
Shinichi wollte eigentlich England vorschlagen, die Heimat des großen Sherlock Holmes, aber da es wahrscheinlich nur zu einer unnützen Diskussion führen würde, bei der keiner der beiden nachgeben würde, gab es nur eine Möglichkeit hier einen Kompromiss zu finden: „Wir machen Hälfte Hälfte, OK? Zwei Wochen Frankreich, zwei Wochen England."
Kaito schien mit diesem Plan jedoch überhaupt nicht zufrieden. Seiner Meinung nach, waren zwei Wochen viel zu wenig, um diese wunderbare Metropole kennen zu lernen, aber Shinichi erinnerte ihn daran, dass das hier kein Urlaub war und er sich auf das wenigste konzentrieren sollte.
„Keine Sorge Tantei-san, ich hab den ernst der Lage nicht vergessen, auch wenn ich mir wünschte, du würdest etwas mehr an deinen Stresspegel denken. Das kann auf Dauer auch nicht gesund sein..."
Bevor Shinichi die Möglichkeit hatte, sich den vorlauten Kerl zu greifen, war dieser schon aus der Tür und halb die Treppe rauf.
„Du hast mich bis dato nicht zu fassen gekriegt, warum glaubst du dass es diesmal funktioniert?" höhnte ihm Kaito noch hinterher, bevor die Tür zum Gästezimmer zufiel.
Shinichi fehlten einfach nur die Worte. Es war natürlich schön zu sehen, dass er wieder so gut drauf war, aber da tat sich natürlich die Frage auf, wie lange er das durchhalten würde, bevor er in eine Klapsmühle eingewiesen werden musste.
Es war wirklich gut, dass das Haus so groß war und sie sich nicht den ganzen Tag auf die Pelle rückten. Denn momentan reichte ihm das völlig aus.
Der Gedanke, dass sie bald nur noch zusammen waren, ließ ihm kalte Schauer über den Rücken laufen.
Hoffentlich würden sie genug zu tun haben...
Ran war mit seiner kurzfristigen Entscheidung, das Land zu verlassen nicht sonderlich zufrieden und das sagte sie ihm auch, als er sie am nächsten Tag anrief.
Trotzdem sagte sie ihm am Ende viel Glück, was seine Nachforschungen betrafen und das er doch bitte auf sich aufpassen soll.
Wahrscheinlich wusste sie schon wieder mehr, als ihm lieb war, ging jedoch nicht darauf ein.
Es war gut zu wissen, dass sie ihn gewähren ließ und eine unnötigen Fragen stellte. Eine wahre Freundin, auf die man sich verlassen konnte.
Zu guter letzt versprach sie noch, auch den anderen bescheid zu sagen, damit sie sich keine Sorgen machten.
Agasa-sensei wohnte zwar direkt nebenan, aber er hatte wirklich keine Lust, ihn davon persönlich in Kenntnis zu setzen. Dies würde nur dazu führen, dass er eine Reihe unangenehmer Fragen beantworten musste, wofür er momentan wirklich keinen Nerv hatte.
Der große Tag war endlich da.
Keiner von beiden wusste genau, wie sie es fertig gebracht hatten, ungesehen aus dem Haus und bis zum Flughafen zu gelangen.
Aber sie waren erleichtert, dass es ganz ohne Zwischenfälle von Statten gegangen war. Jetzt trennten sie nur noch ein paar Flugstunden von ihrer hoffentlich ersehnten Freiheit.
„Den Reisepass und die Boardkarte bitte," lächelte sie die Check-in Mitarbeiterin an. Gott sei Dank war es im Zeitalter des Internets nicht mehr so kompliziert, einen Flug zu buchen.
Shinichi gab ihr die Unterlagen, während Kaito neben ihm wie ein kleines Kind nicht mal für einen Moment still stehen konnte.
Auch nach mehrmaligem Ermahnen war es ihm nicht möglich gewesen, den Dieb über die Ernsthaftigkeit dieser Reise einzuweisen.
Irgendwann hatte er es aufgegeben und sich damit abgefunden, dass es keinen Sinn ergab es weiter zu versuchen. Er würde es noch früh genug begreifen, jedenfalls hoffte er das.
Sie bekamen ihre Unterlagen zurück und begaben sich in den ausgewiesenen Wartebereich. Bald hatten sie es geschafft.
Trotzdem wurde Shinichi das Gefühl nicht los, dass hier etwas nicht stimmte. Plötzlich war er sich nicht mehr so sicher, ob es wirklich so eine gute Idee war, in ein Flugzeug zu steigen.
„Du machst dir zu viele Sorgen, Tantei-san," versuchte Kaito ihn zu beruhigen, „Ich glaube kaum, dass sie an solch einen öffentlichen Ort zuschlagen würden. Glaubst du nicht, dass das etwas zu viel Aufmerksamkeit auf sie lenken würde?"
„Ich will dich ja nicht beunruhigen, aber hast du schon vergessen, dass sie uns mit einer Bombe in die Luft jagen wollten.
Glaub mir, die scheuen sich nicht mehr davor, ein wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen."
Er hasste es, immer der Spaßverderber zu sein, aber die Situation, in der sie sich befanden, erforderte leider, dass man wirklich mit allem rechnen musste.
„Schon verstanden..."
Etwas desinteressiert schlenderte Kaito an den verschiedenen Duty-Free-Artikeln vorbei, nichts von alledem interessierte ihn davon wirklich.
Er hatte zwar Lust Shinichi etwas zu kaufen, aber hier gab es nichts, mit dem er dem Detektiven eine Freunde hätte machen können.
Er würde es in Frankreich oder London noch mal versuchen, schließlich war Shinichi nur wegen ihm in diese ganze Sache hineingeraten und irgendwie wollte er sich dafür erkenntlich zeigen, dass er ihm bis jetzt so zur Seite gestanden hatte.
„Passagiere des Fluges 5694 werden zum Flugsteig 6 gebeten, ich wiederhole..."
„Das ist unser Flug," meinte Shinichi und die beiden begaben sich auf schnellstem Weg zum Gate.
Es gab keine Fluggastbrücke, so dass sie gezwungen waren, ein Stück über das Vorfeld zu laufen.
Sie ließen ihren Blick schweifen, selbst der Dieb, achtete plötzlich mehr auf seine Umgebung. Es schien, als hätten seine ständigen Warnungen doch etwas gebracht.
Ob er sich dadurch glücklich schätzen sollte, wusste er nicht.
Jetzt wäre es sicherlich gut zu wissen, wo man in einem Flugzeug am sichersten sitzt, aber da sich die Studien diesbezüglich etwas widersprechen, war es wohl ziemlich egal. Sterben würde man so oder so.
Am Ende entschieden sie sich für die vorderen Sitzplätze. So gesehen waren sie so gut wie alle anderen, aber da sie so ziemlich als letzte eingestiegen waren, hatten sie nicht mehr wirklich eine Auswahl.
Kaito wollte unbedingt ans Fenster, so dass sich Shinichi mit dem Gangplatz anfreunden musste. Das seltsame Gefühl war noch immer nicht verschwunden und er musste unweigerlich an den Horrorfilm denken, den sie zusammen gesehen hatten.
Wie hieß er noch? Final irgendwas...
War auch nicht so wichtig, denn bald hätten sie es hinter sich und wären in Frankreich, jedenfalls hoffte er das.
Ihnen war bis dato nichts ungewöhnliches aufgefallen, aber das hieß nicht sonderlich viel.
Erst wenn sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten, würde er sich wieder entspannen können. Hoffentlich würde der Flug nicht zu lange dauern.
Er musste eingenickt sein, denn als er das nächste mal auf den Bildschirm vor sich blickte waren sie nur noch gut eine halbe Stunde von Paris entfernt.
„Du sahst aus, als hättest du den Schlaf gebraucht..." flüsterte Kaito neben ihm.
„Es ist in letzter Zeit soviel passiert, irgendwie hatte keine richtige Ruhe mehr," gab Shinichi ehrlich zu.
„Dann wird es Zeit, dass wir diese Typen dingfest machen, findest du nicht?"
„Wenn das nur so einfach wäre..."
Wenn diese Sache zu Ende war, würde er erst mal einen langen Urlaub nehmen. Egal was Ran sagte.
„Möchten sie noch etwas zu Essen oder Trinken?" fragte die Stewardess, aber beide verneinten. Sie würden eh gleich da sein und die Preise an Board waren auch reinster Wucher.
„Wenn das so ist, wie wollen sie dann sterben?"
Es dauerte einen Moment, bis die Worte ihn erreicht hatten.
„Was haben sie gesagt?"
„Ich sagte, wie wollt ihr sterben?"
Plötzlich hielt sie ein kleines Gerät in der Hand und drückte auf einen Knopf.
Das komplette Flugzeug wurde durchgeschüttelt und plötzlich wurde ein Großteil der linken Seite Des Flugzeuges weggerissen.
Überall waren plötzlich Schreie und Shinich bekam nur halb mit, wie die Frau unter ihrer Uniform einen Fallschirm zum Vorschein brachte und einfach hinaussprang.
„Shinichi! Wir müssen hier raus!" hörte er Kaito neben sich, aber so recht wollte ihm sein Körper nicht mehr gehorchen. Ob es nun am Schock oder dem plötzlichen Druckabfall war, konnte er nicht sagen, er wusste nur, dass er jetzt wohl sterben würde...
Kaito hatte sich in der Zwischenzeit losgeschnallt und hatte auch seinen Gurt gelöst.
Shinichi wusste nicht, was er vorhatte, aber plötzlich befand er sich in der Luft. Die Stimme des Diebes nur noch ein leises Flüstern, als er in die Ohnmacht abdriftete.
„...ichi..."
„Shinichi! Kannst du mich hören? Bitte mach doch die Augen auf!"
Er fühlte sich, als hätte ihn ein Laster überrollt.
Wo war er überhaupt? Und warum konnte die Stimme ihn nicht mal einen Moment in Ruhe lassen?
Vorsichtig öffnete er die Augen und blickte in das besorgte Gesicht von Kaito Kuroba.
Er sah schlimm aus. Seine Kleidung war zerrissen und sein ganzes Gesicht schien zerkratzt.
„Gott sei Dank! Ich dachte schon ich hätte dich verloren..."
Die Erleichterung war seinem Gesicht anzusehen und plötzlich kamen die Erinnerungen an das Geschehene wieder zurück.
An den Bombenanschlag und die Schreie. Gott, wie viele Leute waren gestorben? Sie waren unschuldig gewesen und waren dieser Katastrophe nur zum Opfer gefallen, weil sie beide an Board gewesen waren...
Kaito schien seine Gedanken erahnt zu haben, denn er blickte ihn besorgt an.
„Es ist nicht deine Schuld! Hörst du? Nicht wir haben diese Leute auf dem Gewissen, sondern diese gottverdammte Organisation. Hörst du?
Wir dürfen jetzt nicht aufgeben, sonst werden diese Typen niemals ihre gerechte Strafe erhalten!"
Kaito hatte recht, es war seltsam ihn so ernst zu sehen. Das war das erste mal, dass er ihn so gesehen hatte...
Doch da war noch etwas, was ihn verwunderte...
Warum war der Dieb auf einmal so groß?
Etwas verwundet blickte er an sich herab und erlitt fast einen Herzinfarkt. Nicht Kaito war gewachsen, sondern er war geschrumpft. Seine Kleidung war jetzt ein paar Nummern zu groß.
Das konnte doch nicht wahr sein oder?
Er hatte das Gegenmittel geschluckt! Also warum um alles in der Welt steckte er plötzlich wieder im Körper von Conan?
„Das wollte ich dir noch sagen. Es ist passiert, kurz nachdem ich mit dir aus dem Flugzeug gesprungen war. Du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt..."
Schinichi starrte ihn nur fassungslos an: „Ich hatte ein Gegenmittel genommen ich war geheilt!"
„Ich kann dir auch nicht sagen warum, vielleicht war es der Schock..."
„Das ist doch alles nicht wahr..."
Dem Detektiv war zum heulen zu mute, dass war selbst für ihn einfach zu viel für einen Tag. Auch er hatte seine Grenzen.
„Ich weiß, dass es sicherlich keine große Hilfe ist, aber..."
Kaito rückte noch etwas näher heran und nahm den kleinen Detektiv in seine Arme. Er drückte ihn fest an sich und als hätte er einen Schalter umgelegt, hörte er ihn leise Schluchzen.
Er drückte ihn noch fester an sich, als könnte er damit alles ungeschehen machen.
„Es tut mir leid...Und das alles nur wegen mir...Ich weiß, dass ich das nie wieder gut machen kann..."
Er wusste nicht, ob Shinichi überhaupt hörte, was er sagte, aber es war eine Erleichterung, als er merkte, wie er sich langsam in seinen Armen entspannte. Er zögerte noch einen Moment, bevor er einen Blick riskierte. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, Shinichi war eingeschlafen und vielleicht war das wirklich das beste. Behutsam hob er ihn hoch und blickte sich um.
In der Ferne konnte er die Lichter der Stadt sehen und wusste, wo er nun hin musste.
Glücklicherweise hatten sie ein kleines Ferienhaus außerhalb der Stadt gemietet, so dass sie nicht mehr Aufsehen erregten, als sie es sowieso schon taten.
Kaito war die ganze Nacht durchgelaufen. Er hatte keine Pause eingelegt, wissend, dass sie nicht einfach hier draußen übernachten konnten.
Sie hatten ihre Übernachtungsmöglichkeit etwas außerhalb gewählt und das zahlte sich nun aus. In der Stadt wären sie viel zu sehr aufgefallen und so konnte er allen Unannehmlichkeiten aus dem Weg gehen.
Shinichi hatte sich während dieser Zeit kein einziges mal gerührt. Nur der leichte Atem, der immer wieder seinen Nacken traf, zeigte ihm, dass er noch lebte.
Sein Arme waren zwar inzwischen ziemlich lahm, aber er würde sich erst ausruhen, wenn er sein Ziel erreicht hatte.
„Wir können froh sein, dass wir alles so gut geplant haben, Tantei, sonst säßen wir jetzt wirklich in der Tinte..."
Er erwartete keine Antwort, als er eine schmale Landstraße entlangging und regelmäßig die Karte überprüfte.
Wie es schien waren sie recht nah ihrer Unterkunft runtergekommen. Und nun galt es nur noch, diese auch zu finden.
„Der Karte nach müsste es hier doch irgendwo sein..."
Er konnte bloß hoffen, dass er nicht schon dran vorbei war und den ganzen Weg wieder zurückgehen musste.
„Straßenschilder sind hier echt rar gesät..."
Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie die letzte Straße hieß, die er verlassen hatte. Und er konnte nur hoffen, dass er bald wieder auf eines traf.
In seinen Armen murmelte Shinichi etwas unverständliches und kuschelte sich an seine zerrissene Kleidung.
So verwundbar wie jetzt, hatte er den Detektiven noch nie gesehen. Selbst als er damals als Conan sein Dasein gefristet hatte, war er nie so wehrlos erschienen.
„Und das alles nur wegen mir..."
Diese Typen hatten in kürzester Zeit ihrer beider Leben zerstört und sie würden wohl nicht eher ruhen, bis sie auch wirklich tot waren.
Momentan würden sie zwar ihre Ruhe haben, aber spätestens, wenn ihre Leichen nicht geborgen werden können, werden sie bestimmt misstrauisch werden.
Hoffentlich würde dies nicht zu schnell passieren, denn dann wären sie wirklich in arger Bedrängnis.
Beim nächsten mal würden sie sicherlich dafür sorgen, dass sie wirklich tot waren.
„Na was ist denn das?"
Vor ihm tauchte endlich wieder ein Straßenschild auf und als er noch einmal auf die Karte sah, hätte er sein Glück gar nicht fassen können. Ihr Ferienhaus lag hier gleich um die Ecke.
Angespornt, dass sie gleich da sein würden, fasste er neue Kraft und legte noch mal an Geschwindigkeit zu. Und stand kurze Zeit später vor der blau angestrichenen Tür zu ihrem vorrübergehenden Heim.
Der Schlüssel lag wie vereinbart unter der Fußmatte und bald darauf fand er sich in dem kleinem Schlafzimmer wieder, in dem zwei Betten aufgestellt waren.
Vorsichtig legte er Shinichi in eines davon und zog sich ins Wohnzimmer zurück.
Jetzt konnte er nur noch warten.
Es war angenehm warm und leichter Duft von Suppe schien in der Luft zu hängen.
Wo war er hier?
Das letzte woran er sich erinnern konnte, was das abstürzende Flugzeug und dann...
Shinichi riss die Augen auf. Jetzt erinnerte er sich!
Kaito hatte es irgendwie geschafft sie heil aus dem Flugzeug zu bekommen und er war...
Ein Blick bestätigte seinen Verdacht, er steckte immer noch in diesem Kinderkörper.
Nun galt es nur noch zu klären, wo genau er sich befand, doch das wurde im gleichen Moment beantwortet, denn Kaito betrat den Raum und hielt eine dampfende Schüssel in der Hand.
„Du bist wach," stellte dieser erfreut fest und setzte sich neben ihn auf die Bettkante.
Die Schüssel wurde auf dem Nachttisch platziert, damit der Dieb ihm dabei helfen konnte sich aufzusetzen.
„Du hast fast zwei Tage durchgeschlafen und ich dachte schon, du würdest überhaupt nicht mehr aufwachen," gab dieser zu.
„Wo sind wir?"
„Unser Ferienhaus. Wir hatten das Glück, hier in der Nähe abgestürzt zu sein, so war es nicht ganz so schwierig es zu finden."
Das erklärte, warum der Dieb so entspannt war.
Außer dem Vermieter wusste niemand, wo sie waren und das bedeutete auch, dass sie für einen, wenn auch kurzen, Zeitraum in Sicherheit waren.
Allerdings gab es immer noch ein Problem und das war er selbst.
Conan existierte offiziell überhaupt nicht und das könnte zu unverhofften Schwierigkeiten führen. Es war zwar nicht das erste mal, dass er so etwas machte, aber diesmal war es etwas anderes, denn in diesem Körper konnte er sich nicht verteidigen.
Er würde ein einfaches Ziel darstellen.
Außer...
Was wäre, wenn sie nicht wussten, dass er und Conan ein und die selbe Person waren? Wenn das der Fall wäre, war es vielleicht doch gar nicht so schlecht...
Wenn Kaito sich jetzt noch verkleiden würde, wären sie aus dem Blickfeld dieser Kerle auf alle Fälle erst mal raus.
Warum sie das eigentlich nicht von Anfang an gemacht hatten, war ihm ein Rätsel. Dieser Fall hatte sie wohl doch mehr mitgenommen, als sie anfangs angenommen hatten.
Es wurde wirklich Zeit, dass er wieder zu seinem alten selbst zurück fand, denn sonst würden sie dieses Rätsel um diese geheimnisvolle Organisation wohl niemals lösen können. Und er würde es auch nicht noch mal zulassen, dass Unschuldige wegen ihnen den Tod fanden.
Es wurde Zeit, dass sie ernst machten und Paris schien ihm dafür der geeignetste Ort zu sein.
„Préparez-vous pour quelque chose de gros…"
