Wie immer gehört mir nichts. Ich wünsche viel Spaß und vergesst nicht einen review abzugeben :)

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2. Kapitel „Eigenschatten"

Severus Snape saß in dem dunklen Wohnzimmer in Spinner's End. Zahllose Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Es war also beschlossen. Er hatte mit Narzissa den unbrechbaren Schwur geleistet. Er ekelte sich vor sich selbst und verfluchte Dumbledore im Stillen für das, was er gezwungen würde, zu tun. Immer öfter hatte er das Gefühl, dass alles zuviel wurde und er nicht mehr wollte. Doch das war der Preis.

Er hatte bereits erwartet, dass Narzissa und ihre Schwester ihn aufsuchen würden. Er hatte auch erwartet, dass Lucius Schwester, Leana, dabei wäre, doch das war sie nicht. Die Gedanken an diese Frau brachten ihn immer völlig aus der Fassung. Leana war total unberechenbar, arrogant und ihre gehässigen Kommentare ließen ihn und einige andere stets zähneknirschend zurück. Schon des öfteren war sie haarscharf daran gewesen, Bestrafung dafür zu bekommen. Aber irgendwie konnte sie sich immer noch herauswinden. Wüsste man nicht, dass Lucius und sie Geschwister wären, spätestens beim Verhalten wäre ein Blinder mit dem Krückstock darauf gestoßen. Nun wandten sich seine Gedanken jedoch Lily zu! Lily so mutig, großzügig und warmherzig, und stark. Er schüttelte den Kopf und verbannte die Gedanken aus seinem Kopf. Er wollte nicht an Lily denken oder Leana!

Snape lehnte sich im Sessel zurück und schloss die Augen. Da schrillte die Klingel. Da er Wurmschwanz weggeschickt hatte, musste er selbst zur Tür gehen. Es traf ihn fast der Schlag, als er sie öffnete. In einen zerschlissenen, dunklen Umhang stand Leana. Die Kapuze hatte sie fest ins Gesicht gezogen, doch er erkannte Lucius' Ring an ihrer Hand mit der sie sich notdürftig die Kapuze im Gesicht hielt.

„Was willst du hier?" fragte er barsch.

„Ich brauche deine Hilfe." Ihre Stimme war leise und fast hätte er sie nicht verstanden.

„Heute scheint ihr euch alle eingereiht zu haben, um von mir etwas zu erbitten. Und ich sage dir das gleiche wie Narzissa, ich kann ihn nicht umstimmen." Jeder wollte etwas von ihm und langsam hatte er wirklich die Nase voll davon. Fast erwartete er wie gewöhnliche eine gehässige Antwort, doch zu seiner Verwunderung blieb sie stumm. Stattdessen drängte sie sich an ihm vorbei ins Haus. Als ihr Körper ihn streifte, spürte Severus ein seltsames Aufflackern im Inneren. Im dunklen Flur blieb Leana stehen.

„Schön! Ich habe dich nicht hereingebeten, aber komm nur rein und fühl dich wie Zuhause." Sagte er ironisch.

Er wollte weiter sprechen, bis er ihre nackten Füße sah. Die Zehen waren nach innen eingerollt und erst jetzt bemerkte er, dass sie schwankte wie ein junger Baum im Wind. Leana stützte sich an der Kommode ab, ihre Beine zitterten, als könnten sie die Last ihres Körpers nicht mehr tragen. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging Severus auf sie zu und packte sie um die Hüfte. Er war wirklich kein Unmensch (anders als viele dachten) und bugsierte sie langsam ins Wohnzimmer zum Sessel am Kamin. Das Licht wurde durch seinen Befehl heller und dann sah er das Blut. Ihre Füße schienen eine blutige Masse zu sein und ihre Hände wiesen lange, tiefe Kratzer auf. Als sein Blick über ihr Gesicht wanderte, erschrak er. Die Augen waren trüb vor Schmerz und Blut lief an ihrer Wange entlang. Ihre Atemzüge kamen etwas unregelmäßig. Dann schlossen sich die Augen und ihr Kopf sank auf ihre Schulter.

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Leana war so unendlich müde. Ihr Kopf fühlte sie an, als sei er in Watte verpackt. Langsam öffnete sie die Augen. Ihr Blick war verschwommen und nur langsam klarte sich ihr Blick. Das Zimmer wurde nur erhellt durch ein Kaminfeuer. Sie wollte sich aufrichten, doch jemand drückte sie ins Kissen zurück.

„Du solltest liegen bleiben."

Als Leana Snapes Stimme hörte, kam die ganze Erinnerung zurück und sie schlug die Hände vors Gesicht.

„Was ist passiert?"

„Nichts!" war ihre schlichte Antwort.

„Wie Nichts sahen deine Verletzungen aber nicht aus. Hast du vielleicht dieses Mal den Falschen geärgert, Leana?" fragte Severus scharf.

Sie knurrte und wollte ihn angreifen, doch so schnell wie sie aufrichtete, wurde es schwarz vor ihren Augen und ein enges Band schien um ihren Brustkorb gewickelt zu sein. Verzweifelt versuchte sie zu atmen, doch es gelang ihr nicht. Da hörte sie sanfter als erwartet eine Stimme.

„Ganz ruhig atmen. Komm schon! Ruhig ein- und ausatmen!"

Langsam beruhigte sie sich und setzte sie sich mit Snapes Hilfe auf.

„Deine Rippen habe ich geheilt, aber sie müssen verbunden werden. Dazu wäre deine Hilfe nicht schlecht." Murmelte er.

Mit einem berechnenden Blick nagelte sie ihn kurz an, bevor sie sich vorsichtig umdrehte und das Kleid über den Kopf auszog. Ihre steifen, schmerzenden Finger behinderten die Sache ungemein. Sie zögerte, als sie ihm ihren Rücken preisgab, überwand sich dann aber. Für einen Moment starrte Severus auf die verschlungenen dunklen Linien auf ihrem Rücken, die sich scheinbar nach unten und über die Schultern zum Brustbereich fortsetzen. Er überwand das Erstaunen und reichte ihr den Anfang des Verbandmaterials. Anschließend gab er ihr ein frisches Hemd und half ihr ins Bett zurück. Ihre Lider waren schwer und fielen immer wieder zu. Regelmäßiges Atmen kündete ihm an, dass sie eingeschlafen war. Severus betrachtete die vor ihm liegende Frau. Jetzt, wo sie entspannt lag und das Feuer ihr Gesicht beleuchtete, wirkte sie friedlich und … hübsch. Das glatte Gegenteil als im wachen Zustand.

Eine Reflexion an der Wand richtete seinen Blick auf ihren Hals. Dort hing eine Silberkette mit einem tropfenförmigen Bergkristall. Als er ihn berührte, war er warm und ein kleiner Stromstoß zuckte durch seine Finger. Wie von selbst fanden seine Finger den Weg zu ihrem Gesicht. Zart wie eine Feder fuhr er über die Konturen ihrer vollen Lippen und weiter zu ihrem Haar. Blätter hatten sich in den Locken verfangen, doch wie Seide rann es durch seine Finger.

Dann zuckte er zurück. Was tat er hier überhaupt? Snape lehnte sich zurück und beschränkte sich erneut nur aufs Beobachten und Überlegen. Sie musste lange gelaufen sein, den Zustand ihrer Füße zu schließen unter anderem auch durch Dornengestrüpp. Vor was war sie davongelaufen? Er hatte nie viele Gedanken an Lucius' Schwester verschwendet, was wohl auch daran lag, dass sie erst seit kurzem wieder im Land war. Wenige hatten davor überhaupt von ihr gewusst. Dabei sah Lucius solche Geheimniskrämerei gar nicht üblich.

Irgendwann am späten Nachmittag wachte er plötzlich auf. Sein Blick fiel auf Leana, die im Schlaf murmelte.

„Nein … was wollt ihr … weg … weg!"

Mit den Fäusten schlug sie panisch um sich. Er packte ihre Handgelenke sanft. Ihre Augen klappten auf und starrten zum Ende des Bettes. Für einen Augenblick glaubte er, dort eine verbrannte Gestalt zu sehen. Doch als er blinzelte, war es vorbei und sie lag mit geschlossenen Augen da und kämpfte gegen seinen Griff.

„Du bist in Sicherheit. Schlaf, Leana. Schlaf!"

Und tatsächlich wurde sie ruhiger. Severus stand auf und ging zum Fenster. Den Vorhang zog er einen Spaltbreit zur Seite. Diese Sache würde ihm später gewiss noch Probleme bereiten. Da war er sicher. Irgendetwas war mit Leana nicht in Ordnung und eigentlich ging ihn das nichts an. Und eigentlich sollte er Narzissa Bescheid geben, doch eine innere Stimme hielt ihn davon ab. Er war sich nämlich nicht sicher, ob das vorhin tatsächlich eine Sinnestäuschung war und wenn nicht, was verbarg die Frau neben ihm im Bett dann?

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