Kapitel 2 – Pain – Schmerz
Eins kann ich euch sagen ... es ist extrem schwierig, bei dieser FF weiterzuschreiben. Nicht nur, dass ich gerade selbst nicht allzu gut drauf bin, es ist hart, die Gefühle gut zu beschreiben, weil es so sensibel ist. Sagt mir, ob es mir gelungen ist^^°
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Eineinhalb
Monate der Zweifel und der Anspannung später ging Hermine am Sonntag
Mittag nach London, um vermeintlich ihren Vater zu besuchen, dessen
Gedächtniszauber zwar gelöscht war, aber immer noch kleine Lücken
aufwies. Die Brünette sollte die Erinnerungen wieder wecken, indem
sie ihre eigenen zu dem Ereignis preisgab.
Allein Draco, Professor
McGonagall und Madam Pomfrey wussten außer ihr, dass die Gesundheit
des Ehepaar Grangers vollkommen unbeeinträchtigt war.
„Ich
verstehe das nicht ganz, Hermine, was ist jetzt noch mal mit deinen
Eltern?", fragte Ginny und Hermine antwortete lächelnd: „Sie
stehen dauerhaft unter Bewachung des Zaubereiministeriums, sollte der
wiedergeheilte Gedächtniszauber noch ein paar Nachwirkungen
hinterlassen haben. Offensichtlich hat mein Vater sich an einen
Urlaub erinnern wollen, aber nur ein Loch in seinen Gedanken
gefunden. Da meine Mutter gerade auf einer Zahnarztkonferenz ist,
muss ich ihm helfen."
„Und normalerweise ergänzen sich die
Lücken und sie erledigen das untereinander?", fragte die
Rothaarige neugierig und bestätigend nickte die
Schulsprecherin.
Immer noch lächelnd verabschiedete sie sich von
ihren Freunden und kletterte mitsamt einer kleinen Reisetasche durch
das Porträtloch der Fetten Dame.
Draco
wartete nervös im Büro der Schulleiterin auf Granger, die gleich in
das Sankt-Mungo-Hospital für magische Krankheiten und Verletzungen
eingewiesen werden würde.
Er hatte sie in den letzten Wochen
öfter beobachtet als sonst, von Tag zu Tag war sie bleicher und
unkonzentrierter geworden. Gegenüber ihren Freunden verhielt sie
sich ganz normal, er hatte und einmal gehört, wie sie zu Potty
gesagt hatte, dass es der Stress und eine leichte Erkältung war –
völlig normal. Tatsächlich hatte sie oft rote Augen, was andere als
Schnupfen deuteten – der Blonde jedoch wusste, dass sie viel
weinte.
Ein
paar Minuten bevor der Portschlüssel gehen würde, klopfte es
zaghaft an der Tür und die Schulleiterin richtete sich in ihrem
Stuhl auf: „Herein."
Granger öffnete die Tür, huschte in das
kreisrunde Zimmer und ließ sich auf dem Stuhl neben Draco nieder,
während sie ihn misstrauisch äugte.
Professor
McGonagall blätterte noch ein paar weitere Unterlagen durch und
Granger ließ nicht davon ab, den Blonden mit zusammengekniffenen
Augen anzusehen, bis er es schließlich nicht mehr aushielt:
„Granger! Hör auf, mich anzustarren!"
Sie ignorierte seine
Aussage, aber fragte leise: „Was machst du hier?"
Kurz wusste
er keine passende Antwort auf ihre Frage – schließlich wusste er
es selbst nicht. Professor McGonagall hatte ihn gerufen und zugegeben
– es interessierte ihn auch ein wenig, wie sie in ihrer momentanen
Verfassung auf so kurze Distanz aussah.
„Ich dachte, das ist
glasklar?", warf die Schulleiterin überrascht ein: „Mister
Malfoy begleitet Sie."
Die beiden Schulsprecher starrten sie
überrumpelt an und Minerva räusperte sich vernehmlich: „Denken
Sie wirklich, Miss Granger tritt die Rückreise allein an? Ich
persönlich kann nicht im Hospital bleiben, nachher noch eine
wichtige Lehrerkonferenz ist und schließlich alles möglichst
unauffällig ablaufen soll. Mister Malfoy hingegen hat abgesehen von
den Hausaufgaben und seiner Schulsprecheraufgaben keine
Verpflichtungen. Die Hausaufgaben finden entweder wann anders Zeit
oder sind schon erledigt, während Sie beide als Schulsprecher
momentan nicht viel zu tun haben, abgesehen von den üblichen
Rundgängen."
Sie sah den Blonden herablassend an und fügte
hinzu: „Denken Sie ja nicht, nur weil Miss Granger eine Frau ist
und die körperlichen Konsequenzen trägt, können Sie Ihr Leben
unbehelligt weiterführen. Halten Sie sich hier fest."
Sie
streckte den beiden den Hauspokal entgegen, der in ihrem Büro
aufbewahrt wurde und kurz darauf wurde allen dreien der Boden unter
den Füßen weggezogen.
Sie
landeten in der Eingangshalle des Krankenhauses und in einem Anfall
von Boshaftigkeit überlegte Draco, wie dem Ungeborenen der
Ortswechsel bekam und ob man vielleicht gar keine Abtreibung mehr
vornehmen müsste. Dann überlegte er sich, dass Granger in dem Fall
sicher anders hergekommen wäre.
Der Blonde folgte den beiden
Frauen in einigem Abstand, während sie an den Empfangsschalter
traten und sah sich in der Eingangshalle um, während die
Formalitäten geklärt wurden, schließlich ging es ihn soweit nichts
an. Der Slytherin war lange nicht mehr im Sankt Mungo gewesen, das
letzte Mal vor fünf Jahren, als seine Mutter während der
Weihnachtsferien plötzlich an einer schweren Lungenentzündung
erkrankte. Er konnte sich kaum an das Hospital erinnern, auch die
Halle erweckte in ihm nur verschwommene Erinnerungen.
„Mister
Malfoy, setzen Sie sich in Bewegung", sagte die Schulleiterin
plötzlich herrisch und riss ihn so aus seinen Gedanken. Er folgte
den beiden Frauen in einen Fahrstuhl, einen Gang entlang und
schließlich in ein Zimmer, in dem mehrere Stühle standen. Auf der
anderen Seite führte aus dem Raum eine weitere Türe hinaus, auf der
in großen, einfachen Buchstaben Heiler
geschrieben stand.
Granger sah noch einmal den Slytherin an und
trat dann durch die Tür, erneut standen ihr Tränen in den
Augen.
Als sie Tür hinter ihr wieder zufiel, ließ der Blonde
sich in einen der Stühle fallen, Professor McGonagall jedoch blieb
stehen und meinte kühl: „Miss Granger hat mir noch einmal
bestätigt, dass es sich nur um einen Unfall
handelt, deshalb hoffe ich, nicht mehr allzu viele Wörter darüber
verlieren zu müssen. Aber merken Sie sich für die Zukunft: Solche
Aktionen sind nicht nötig. Bis später. Dieser Portschlüssel geht
heute Abend um Sechs in mein Büro."
Sie drückte ihm eine
Krawatte in die Hand und Draco stopfte sie achtlos in seine Tasche,
bevor er sich auf einem Stuhl niederließ. Verdammt, er hasste
McGonagall. Und wenn er gerade schon dabei war, Granger hasste er
auch. Weil die Schulleiterin ihn wegen ihr noch weniger mochte.
Hermine
schloss die Tür hinter sich und schloss die Augen. Ihre Hände
hatten angefangen zu zittert – wieder einmal. Seit mehreren Wochen
nun überkam dieses Zittern sie gelegentlich, meist, wenn sie vor
besonders schwierigen Schulaufgaben stand oder wenn sie sich zu sehr
mit ihrer momentanen Lage auseinander setzte. Die Brünette hatte
viel nachgedacht in den letzten sechs Wochen. Immer wieder hatte sie
mit ihrer Entscheidung gehadert, um genau zu sein war sie sich auch
jetzt noch nicht sicher, ob sie es wirklich tun sollte. Aber – und
bei dem Gedanken strafften sich Hermines Schultern – sie hatte
einen möglichst frühen Termin gewählt, damit sie sich einreden
konnte, das Kind würde nichts fühlen. Es würde schnell gehen und
in nur wenigen Minuten wäre alles vorbei.
Alles.
Die Schultern
der sonst so entschlossenen Gryffindor fielen wieder schlaff
herunter. Sie fühlte sich wie an einer Wegscheide, an der beide
Richtungen einen Fehler bedeuteten.
Der
Heiler riss sie aus ihren Gedanken, als er fragte: „Sind Sie Miss
Granger? Bitte setzen Sie sich."
Panisch sah sie ihn aus ihren
großen, braunen Augen an und öffnete den Mund, aber sie brachte
keinen Ton heraus.
„Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Miss?",
fragte der Heiler stirnrunzelnd und sie schüttelte automatisch den
Kopf.
„Gut, das ist keine Seltenheit. Setzen Sie sich doch noch
einmal in das Wartezimmer und denken Sie genau darüber nach."
Die
Assistentin, die hinter dem Heiler stand ging auf Hermine zu, schob
sie sanft vor sich her aus der Tür und beorderte dann freundlich den
nächsten Patienten in das Sprechzimmer.
Die braunen Augen wandten
sich ängstlich vom Boden ab und blickten im Raum umher. Sie sah nur
eine einzige Person.
„Schon vorbei?", fragte Malfoy taktlos
und sie ließ sich wortlos auf den Boden fallen und begann,
hemmungslos zu weinen.
Er
hatte sich gerade eine Zeitschrift genommen, um die Anspannung zu
verdrängen, als die Tür wieder aufging und Granger von einer
Heilerhelferin aus dem Raum geschoben wurde. Nachdem der nächste
Patient zu seinem Termin ging, waren Draco und die Gryffindor
plötzlich allein im Raum.
Der Blonde wusste nicht, was er sagen
sollte und seine Situation wurde durch ihren hilflosen Blick nicht
nennenswert besser.
„Schon vorbei?", fragte er, um ihr
irgendeine Emotion zu entlocken und ehe er wusste, wie ihm geschah,
brach sie weinend zusammen.
„Was soll das jetzt, Granger?",
fragte der Blonde verwirrt, um seine Bestürzung zu überspielen.
Sie
reagierte nicht und er sagte leicht unsicher: „Setz dich hin, du
versperrst den Weg."
Noch immer ignorierte sie ihn und ihr
Schluchzen nahm kein Ende. Draco wusste nicht, was er tun sollte. Er
wusste ja noch nicht einmal, ob die ganze Sache jetzt schon vorbei
war oder nicht.
Hermine
achtete nicht auf das, was Malfoy sonst noch für respektloses
Gefasel von sich gab.
Nach ein paar Minuten stand sie schwankend
auf und ließ sich auf dem nächstbesten Stuhl nieder, um dort
weiterzuschluchzen.
„Was ist denn jetzt eigentlich los?",
fragte der Blonde schließlich und sie glaubte, ein wenig
Unsicherheit in seiner Stimme zu hören.
„Ich weiß nicht, was
ich tun soll", antwortete sie unter Schluchzern. Ihren ganzen
Körper schüttelte es und die Brünette traute sich immer noch
nicht, Malfoy näher anzusehen.
„Wie, du weißt es nicht?",
fragte dieser bestürzt: „Ich dachte, du warst dir so sicher?"
„Du
hast ja keine Ahnung!"
Aus den Augenwinkeln sah Hermine, wie der
Slytherin während ihrem kleinen Ausbruch zusammenzuckte. „Du bist
vielleicht derjenige, der ein Kind verliert, aber du weißt es ja
überhaupt nicht zu schätzen! Du bist nicht derjenige, der den Mist
ausbaden musst! Du bist nicht derjenige, der nur so tun muss, als
würde es ihn interessieren! Mich interessiert es wirklich!"
„Das
denkst du, ja!", rief er nun ebenfalls erbost und sprang auf:
„Denkst du wirklich, ich habe mir darum gar keine Gedanken
gemacht?"
Diese Aussage brachte sie aus dem Konzept und sie
starrte ihn mit ihren blutunterlaufenen Augen an. „Ja, das dachte
ich."
„Gut, dann hast du falsch gedacht. Nicht, dass ich mich
in einem Fall der Geburt um das Kind kümmern würde oder so. Aber
natürlich ist es auch mein
Kind und es ist seltsam zu wissen, dass es bald nicht mehr da
ist!"
Er war gerade dabei, aus dem Raum zu stürmen, als sie ihm
nachrief: „Und was soll ich deiner Meinung nach tun?"
„Abtreiben
natürlich! Schon mal an die Zukunft gedacht?"
Hermine knickte
mit dem Schlag der zufallenden Tür wieder ein und seufzte. Immerhin
hatte er es geschafft, dass sie nicht mehr weinte. Dennoch fühlte
sie sich miserabel bei dem Gedanken, jemanden theoretisch
umzubringen. Auf der anderen Seite hatte er ja Recht und es war auch
ihr stärkstes Argument, ihr Potenzial würde komplett verschwendet
werden.
Sofort lenkte sie ihre Gedanken wieder ein. Wie
abgestumpft war sie eigentlich, dass sie so selbstsüchtig denken
konnte?
Dennoch – ihre Entscheidung war gefallen. Es ging
einfach nicht. Sie konnte nicht mit Achtzehn ein Kind bekommen.
Schweren Herzens stand sie auf und klopfte an die Holztür des
Heilers.
Draco
stürmte die Gänge entlang und suchte eine Cafeteria. Er brauchte
jetzt dringend Koffein. Granger dachte, er war so herzlos, dass es
ihm komplett gleichgültig war? Was für ein Bild hatte sie
eigentlich von ihm? Er war beinahe schon enttäuscht, war sie doch
immer die gewesen, die vom verhassten Goldenen Trio die Vernünftigste
zu sein schien.
Es hatte ihn quasi wie die Ohrfeige im dritten
Jahr getroffen, was sie vorhin gesagt hatte.
„Du bist vielleicht derjenige, der ein Kind verliert, aber du weißt es ja überhaupt nicht zu schätzen! Du bist nicht derjenige, der den Mist ausbaden musst! Du bist nicht derjenige, der nur so tun muss, als würde es ihn interessieren! Mich interessiert es wirklich!"
Für diese gedankenlose Aussage hasste er sie wirklich.
Draco
entdeckte die Cafeteria und ließ sich wütend nieder. Er war
vollkommen fassungslos, dass sie so über ihn dachte. Sein Vater war
ein ehemaliger Todesser und er war in Slytherin aber war das ein
Grund, ihn als gefühllosen Menschen abzustempeln? Er dachte
wirklich, dass sie immer gemerkt hatte, dass es nur eine Fassade war.
Beziehungsweise ... dass sie es sich dachte. Nicht, dass er sie
jemals an sich herangelassen hätte.
Moment.
Er hatte es einmal
getan, was die ganze Sache nicht gerade besser machte. Dadurch war
der ganze Müll erst entstanden. Aber dass sie dennoch so gedankenlos
ihre Vorurteile behielt verwunderte ihn doch.
Nachdem
Hermine durch einen Zauber in eine Art Vollnarkose versetzt wurde,
ging alles beängstigend schnell. Nur wenige Minuten später wurde
der Zauber wieder aufgehoben und die Brünette fand sich in einem
hellen Raum mit mehreren Betten wieder. Sie war, abgesehen von einer
Krankenschwester, völlig allein.
Diese bemerkte rasch, dass
Hermine aufgewacht war und fragte freundlich: „Ist alles in Ordnung
mit Ihnen?"
„Ich habe Bauchkrämpfe", erwiderte die
Gryffindor, als sie sich aufrichten wollte.
„Das ist normal",
sagte die Schwester freundlich: „Bleiben Sie liegen, so lange Sie
wollen. Wenn etwas ist, klingeln Sie einfach hiermit. Hier haben Sie
auch etwas zu trinken. Wenn Sie gehen wollen, melden Sie sich bitte
vorher bei mir, damit wir noch eine Nachuntersuchung durchführen
können. Das dauert nicht einmal eine Minute."
Sie legte eine
kleine Glocke auf den Nachttisch und verschwand dann.
Hermine
wollte gerade noch ein wenig schlafen, um die Schmerzen zu vergessen,
als die Tür erneut aufging und die Schwester noch einmal eintrat:
„Entschuldigen Sie, aber Ihre Begleitung steht vor der Tür. Wollen
Sie ihn sehen?"
Malfoy jedoch schien auf ihre Meinung keinen
Wert zu legen und schob sich einfach an der jungen Frau vorbei, die
daraufhin verwundert wieder ging.
„Was tust du hier, Malfoy? Ich
will dich nicht sehen", sagte sie schwach und schloss erneut die
Augen.
„Nichts", antwortete er und setzte sich schweigend auf
den Stuhl neben ihrem Bett.
