Kapitel 3

~ Cause everything just goes away my friend
And every king knows it to be true
And every kingdom must one day come to an end ~

Er wusste, sie war da. Auch wenn sie sich nicht zeigte. Er hatte sich umgezogen.

Und er wurde gleich abgeholt. Sie würden in einen Club gehen. Und er hoffte, sie würde sich nicht zeigen. Er sagte es nicht laut. Nachher würde sie noch antworten. Gut, wenn sie nicht auftauchte. Wirklich gut. Sie sollte am besten für immer beleidigt und unsichtbar bleiben, das verdammte durchsichtige Miststück!

Es war nach acht.

Er begab sich nach unten, eilte die Stufen hinab, während er die Knöpfe seines hellen Hemdes an seinen Handgelenken verschloss. In dem Moment klopfte es auch an der Tür.

Der Elf in der Eingangshalle öffnete.

Astoria.

Sofort setzte er sich in Bewegung. Die dunkle Schönheit kam lächelnd auf ihn zu. Sie trug ein kurzes Kleid. Verflucht kurz. Und hohe Schuhe, aber sie war immer noch kleiner als er. Ihre langen dunklen Haare fielen in Wellen ihren Rückenhinab, und silberne Ohrringe funkelten an ihren Ohrläppchen. Sie war dezent geschminkt und hatte die grünen Augen betont.

„Hallo, Draco!", begrüßte sie ihn. Seine Hände legten sich auf ihre Taille, und er senkte den Kopf, um ihren Lippen zu küssen. Sie erwiderte den Kuss nur kurz, und er schmeckte ihren Lippenstift auf seinen Lippen. „Wir haben noch ein wenig Zeit. Willst du… noch nach oben?", bot sie mit einem verboten tiefen Wimpernaufschlag an, und auch wenn alles in ihm – seine Erektion allen voran – schrie, dass er genauso das gebrauchen konnte, hielt ihn die Tatsache davon ab, dass eine unsichtbare Granger zusehen würde.

Bei was auch immer! Denn er hatte keine Lust, dass sie seinen Penis sah.

Es war ein so absurder Gedanke, dass er kurz den Kopf schüttelte. Aber Astoria sah ihn an.

„Nein?", fragte sie fast beleidigt.

„Später", sagte er gepresst.

„Ok?", erwiderte sie verwirrt. „Dann… können wir wohl gehen?"

Und er atmete gereizt aus. Granger würde dafür bezahlen! Sie hatte ihn um seinen Orgasmus gebracht!

Die anderen erwarteten sie vor dem Gangs. Der größte Club in London Downtown. Versteckt vor allen Muggeln. Versteckt vor allen, die dort nichts zu suchen hatten.

Sie war noch immer nicht zu sehen.

„Draco?" Astoria schob ihre Hand in seine. Sie war warm. Natürlich war sie das, sagte sich Draco verwirrt.

„Ja?"

„Alles in Ordnung? Du bist irgendwie-"

„-es ist gar nichts!", widersprach er schnell, schenkte ihr ein überlegenes Lächeln, mit dem sie auch gewonnen hatte, und sie verdrehte die Augen.

„Gut. Dann lasst uns reingehen!" Draco ließ ihr den Vortritt, sah sich noch einmal zur Vorsicht um, und folgte dem Rest ins Innere. Blaise kümmerte sich nahezu augenblicklich um einen Flasche Feuerwhiskey für ihren Tisch, und die Musik war ohrenbetäubend laut.

„Wollen wir tanzen?", fragte Astoria in die Runde, und die Mädchen nickten. Die Jungen setzten sich.

„Schon Angst vor Montag?", wollte Gregory laut von ihm wissen. Draco nahm dankbar ein volles Glas entgegen, als es gebracht wurde.

„Nein!", rief er schließlich.

„Nicht?", wollte Gregory überrascht von ihm wissen und nippte lächelnd an dem scharfen Getränk. „Dann hat Lucius mal nichts in der Hand, um dich auflaufen zu lassen?" Dracos Laune verschlechterte sich unwillkürlich.

„Ha ha. Lucius braucht nur heiße Luft in der Hand zu haben, um mich auflaufen zu lassen, Gregory", entgegnete er bitter.

„Wieso arbeitest du überhaupt für deinen Vater?", wollte Gregory von ihm wissen, und Draco bedachte ihn mit einem überheblichen Blick.

„Nur weil du zu dumm bist, ein magisches Architekturverständnis auszubringen, heißt es nicht, dass wir alle unbegabt sind, Gregory", erklärte er kalt.

Ertappt und beschämt schwieg Gregory daraufhin. Draco hatte schlechte Laune. Er musste sie an irgendwem auslassen. Und Gregory bot ein perfektes Ziel.

„Ich finde es perfekt", mischte sich Blaise ein. „Wäre mein Vater kein versoffener Familienzerstörer hätte ich auch gerne für ihn gearbeitet" murmelte er mit einem weiteren Schluck Whiskey. Draco spürte, wie er ruhiger wurde.

Und es vergingen zwei Stunden und acht Runden an Getränke. Die Mädchen waren bereits betrunken, während er und Blaise darüber philosophierten, ob sie nach ihren Hochzeiten aus den Herrenhäusern ausziehen sollten.

„Auf gar keinen Fall! Architektonisch betrachtete ist das Herrenhaus ein wahres Wunderwerk!", erklärte er nickend. Und… er bemerkte es fast gar nicht.

Sein Blick streifte sie, aber… Es war eher beiläufig, als bewusst. Aber er spürte, wie er in der Bewegung inne hielt, während Blaise weitersprach. Das Lied war ruhiger als die anderen, und er erkannte Granger abseits der Tanzfläche. Sie stand neben einer Säule und wiegte sich leicht zum Takt der Musik.

Sie sprach nicht mit ihm, sah ihn nicht mal an, aber ein Stein, schwer wie ein Felsen war in seine Magengrube gesunken. Er hatte sie fast vergessen gehabt. Sie bewegte sich ruhig, fast menschlich. Grau in Grau, unsichtbar für alle anderen. Das bunte Licht beleuchtete, durchleuchtete sie wie eine Erscheinung aus tanzendem Zigarettenrauch. Nur mit ihrem Gesicht, das dachte er.

Er wartete, bis Astoria die Mädchen wieder auf die Tanzfläche gezogen hatte. Und er war betrunken genug, diese Frage zu stellen.

„Wenn… wir im Krieg gestorben wären und jetzt als Geister zurückkämen, was… was wäre unsere unerfüllte Aufgabe?" Blaise sah ihn verwirrt an und studierte dann sein Gesicht.

„Das wird mit zu philosophisch!", lachte Gregory und entschuldige sich, weil er die Toiletten aufsuchen wollte.

„Unerfüllte Aufgabe?", wiederholte Blaise lächeln. „Wovon sprichst du?"

„Na ja", begann er und fühlte sich unwohl. „Wären wir in der letzten Nacht gestorben", rang er sich betont beiläufig ab zu sagen.

„Dann wären wir tot", schloss Blaise pragmatisch.

„Ja, sicher. Aber wären wir Geister", wiederholte Draco gereizt.

„Draco, mit siebzehn ist alles unerfüllt. Goyle hatte noch nicht mal Sex!", erklärte Blaise lachend, und Draco schwieg daraufhin. Und er atmete langsam aus, während er Granger beobachtete. Sie hatte die Augen geschlossen, tanzte vollkommen unbemerkt, außer von ihm. Buntes Licht tanzte auf ihren milchigen Zügen. Sie war nicht älter geworden. Natürlich nicht. Und Sex? Darüber wollte er auch nicht nachdenken!

Mit siebzehn ist alles unerfüllt…? Na und?! Er konnte doch nicht alle unerfüllten Sachen erfüllen, die Granger versäumt hatte! Das war doch nicht seine Aufgabe.

Und Draco konnte den Blick nicht abwenden.

Er hatte kein Mitleid. Nicht mal ein Bisschen.

Gut, dass sie gestorben war und nicht er.

Das war es, was er dachte, wenn er ehrlich mit sich war. Und er war meistens ehrlich mit sich. Und er fand es gut, dass sie für ihn gestorben war. Sonst wäre er womöglich noch gestorben!

Das wäre eine Tragödie gewesen! Er war zu reich und sah zu gut aus!

Sie wiegte sich langsam im schnelleren Takt der Musik.

Und es kotzte ihn an, dass er sie beobachten musste.

Er fuhr sich mit der Hand durch die dichten Haare, kämmte sie nach hinten und seufzte müde auf. Der Alkohol verlor seine heitere Wirkung. Fuck.

„Draco?", unterbrach Blaise seine Gedanken, aber Draco leerte sein Glas und erhob sich.

Warum dachten Nick und McGonagall an ihren verdammten Frieden? Er musste auch Frieden finden! Er war hier das Opfer! Er wurde heimgesucht! Warum versuchte er es nicht anders? Warum gab er ihr nicht etwas, vor dem sie davon rennen konnte? Er musste lächeln.

„Wo willst du ihn?", fragte Gregory, der gerade wiedergekommen war.

„Nach Hause", erwiderte er angetrunken.

„Allein?", erkundigte sich Blaise lächelnd, und Draco verzog grinsend den Mund.

„Das glaubst du doch wohl selbst nicht!", entgegnete er knapp. Er fixierte die Tanzfläche. Astoria tanzte ausgelassen, und Draco schob sich durch die Menge, bis er sie erreicht hatte. Er ignorierte die genervten Blicke derer, die er angerempelt hatte. Seine Erektion ließ ihn so gleichgültig für Anstand werden, dass ihn auch die Aussicht auf Granger, die ihm zusah nicht abschreckte. Nein, es ermutigte ihn geradezu!

„Komm mit", raunte er in Astorias ihr Ohr, und ehe sie protestieren konnte, verschloss er ihre Lippen. Kurz war sie überrascht, kurz wollte sie es nicht, aber sie ließ sich mit ihm ziehen. Astoria Greengrass war wahrscheinlich das hübscheste Mädchen hier. Er wusste, er bekam immer das hübscheste Mädchen, egal, wo er war. Es lag in seiner Natur.

„Draco!", sagte sie, etwas außer Atem. „Wo willst du hin?"

„Zu mir, zu dir – völlig egal", knurrte er, die Stimme tief in den Farben des Alkohols. Es war ein langer Tag gewesen, und er hatte sie schon gestern nicht gesehen. „Komm", wiederholte er und zog sie mit. Sie schaffte es nur Melissa, Pansy und Jane zu winken, ehe Draco sie mit sich zog. Er achtete nicht mehr auf seinen Geist. Es war ihm egal. Scheiß egal, was das Schlammblut tat oder nicht.

Sie bekamen ihre Mäntel und draußen rief er nach der Elfe, bevor er Astorias Lippen wieder mit seinen verschloss, ihre Unterlippe in seinen Mund nahm, und ihr Kichern Schauer über seinen Rücken schickte. Ja, verdammt! Das brauchte er!

Die Elfe erschien und war höflich genug, nichts zu sagen, ehe Draco den Kuss beendete.

„Bring uns nach Hause", raunte er der Elfe zu. Die Elfe tat wie ihr befohlen, und sie landeten in Malfoy Manor. Von Granger keine Spur. Wohl auch besser so! Er zog Astoria mit sich.

„Draco!", flüsterte diese ängstlich. „Dein Vater-"

„-schläft!", knurrte er zusammenhanglos.

„Ich kann doch nicht!-"

„-sicher", unterbrach er sie rau und zog sie mit sich die Stufen empor. Er fühlte sich leichter. Der Alkohol hatte ihm sämtliche Ängste genommen. Na und? Dann hatte er einen Geist! Er war sich sicher, all die Schlammblüter, die sein Vater gefoltert hatte schwebten auch in seinem Kopf umher! Draco zerrte Astoria praktisch in sein riesiges Zimmer und verschlang ihre geschminkten Lippen. Er ignorierte den Lippenstift, zerrte das Kleid beinahe grob von ihrem Körper, und sie lachte gegen seine Lippen.

Sie schenkte ihm ein glühendes Lächeln und ging auf ihre Knie.

Jaah! Verflucht! Er schluckte hart. Sie öffnete seine Hose, und schob seine Shorts gleichzeitig hinab. Seine Erektion war noch nicht vollkommen hart, aber schon umschloss ihre Hand seinen Schwanz. Er hob den Blick. Kurz überlegte er, ob es ihn störte, dass Grangers Geist in seinem Badezimmer stand. Sie betrachtete den Spiegel. Er konnte es sehen. Sie hatte sich von ihm abgewandt. Sein Atem ging schneller.

Es war ihm scheiß egal!

Astoria schloss ihre Lippen um seine Spitze, und seine Augen rollten zurück. Er griff in ihre Haare.

„Ja, härter!", keuchte er, außer Atem. Und Astoria nahm seinen pulsierenden Schwanz ein Stück weiter auf. Er zog sich zurück und stieß wieder nach vorne. Oh, es war verflucht gut! Der Alkohol benebelte seine Sinne, während Astorias heißer Mund Dinge mit ihm machte, die er seit heute Morgen schon vermisst hatte. Sie war nicht scheu. Sie war nicht unerfahren. Und genau das wollte er!

„Tiefer!", ächzte er verzweifelt, als er kurz davor stand. „Ja! Fuck!"

Und er war davor! So nahe! Und… ja…. Schneller pumpte ihre Hand an seiner Länge auf und ab, und-

Die Badezimmertür schlug mit einem lauten Knall ins Schloss, und Astoria war vor Schreck zurückgewichen.

Der Moment war vorbei! Er war so kurz davor gewesen! So verflucht kurz davor!

„Was… was war das?", flüsterte Astoria, und am liebsten hätte er sie gezwungen weiterzumachen, und ein Knurren entwich seiner Kehle.

Denn jetzt hörte er, wie die Dielen knarrten. Durch den Knall war sein Vater bestimmt wachgeworden! Er hatte einen Schlaf wie ein abgerichteter Bluthund. Scheiße.

„Elfe!", raunte er in die Dunkelheit und verschloss seine Hose, denn er hatte keine Lust, von seinem Vater wieder einmal gemaßregelt zu werden, weil er ein Mädchen bei sich hatte, ohne es anzukündigen. Ausziehen klang vielleicht doch nicht schlecht, überlegte er dumpf, während die Elf erschien, und Astoria gerade noch fluchend ihr Kleid verschloss.

„Bring Miss Astoria nach Hause! Jetzt!"

„Draco!", beschwerte sich Astoria bei ihm, aber er atmete aus.

„Glaub mir, du willst Lucius nicht mitten in der Nacht Rede und Antwort stehen!", erklärte er zornig. Mit einem letzten zornigen Blick verschwand Astoria mit der Elfe, genau in dem Moment als seine Tür aufflog.

„Draco!" Die Stimme seines Vaters klang gefährlich. „Was zur Hölle ist hier los? Hast du ein Mädchen bei dir?", knurrte er sofort und spähte in die Dunkelheit seines Zimmers.

„Nein", erklärte Draco schlecht gelaunt. Sein Vater schien abzuwägen, ob sein Sohn den Zorn überhaupt wert war.

„Ich bin froh, wenn das Wochenende endlich vorbei ist, und du endlich wieder zur Arbeit kommst. Die Anstrengung wird dir schon Respekt vor der Nachtruhe eintrichtern", drohte er abschätzend, und ließ Draco ohne ein weiteres Wort zurück.

Großartig. Genau was er auch noch brauchte!

Mit kaltem Blick fixierte er die Badezimmertür.

Sie würde ihm einiges zu erklären haben! Vor allem, da sie plötzlich Türen zuwerfen konnte, verfluchte Scheiße!

„Zufrieden?", knurrte er und riss die Badezimmertür auf, bekam aber keine Antwort. „Ernsthaft! Sag es mir, Granger! Denn wenn es von jetzt an so laufen wird, würde ich es gerne vorher wissen!" Er bekam keine Antwort. „Schön. Weißt du, ich lebe noch! Ich bin nicht tot! Und ich werde mein Leben nicht ändern!", knurrte er in die Stille seiner Räume. „Nett, dass du dich ausgerechnet jetzt dazu entscheidest, Gegenstände anfassen zu können! Wirklich verflucht perfektes Timing!"

„Du bist ein Arschloch!", vernahm er ihre Stimme aus dem Dunkel des Badezimmers. Und seine Oberlippe kräuselte sich vor Zorn. Er überwandte die wenigen Schritte ins Bad.

„Jetzt bist du wieder da? Wirklich?", knurrte er sie an.

„Anstatt dich um eine Lösung zu kümmern, lässt du irgendwelche Mädchen…" Sie sprach nicht weiter.

„Du bist ein verdammter Geist! Nicht meine Mutter, also lass mich in Ruhe!" Sie starrte ihn so zornig an. So wütend, dass er es praktisch spüren konnte. Ihre Wut schien auf ihn überzugehen. Kalt und prickelnd und unangenehm. Und plötzlich flackerten seine Lampen auf, als beschlossen sie wieder aufzuglühen. Irritiert hob sich sein Blick, als sie wieder dunkel wurden.

„Wütend?", erkundigte er sich gehässig bei ihr. „Ich dachte, Geister können nichts berühren, nichts verändern, hast du das nicht so vehement behauptet? Sie könnten nicht-"

„-halt deinen Mund, Malfoy!", schrie sie außer sich, und seine Lampen brannten im hellsten Tageslicht auf, um schließlich mit einem Zischen in Dunkelheit zu versinken. Er erkannte sie noch in der Dunkelheit, denn ihr milchiger Körper schien zu glühen im Mondlicht, das durchs Fenster fiel.

„Wirklich beeindruckend! Wenn du fertig bist hier alles zu zerstören, wie wäre es, wenn du dann endlich wieder unsichtbar werden würdest? Ich hatte einen absolut beschissenen Tag, Granger! Wirklich! Für dich mag es alles-"

„-was?", entfuhr es ihr gefährlich ruhig, und sie kam näher. Ihr weißgrauer Körper kam näher. Durchsichtig und stofflos. „Für mich mag es was sein, Malfoy? Du denkst doch wohl nicht, dass mir irgendwas hiervon gefällt? Dass ich es mir so ausgesucht habe? Nein, denn weißt du, selbst die graue, dunkle, eiskalte Einsamkeit war besser gewesen, als das hier!", schrie sie jetzt.

„Ich kann dich hier nicht gebrauchen, du verdammtes Schlamm-" Aber mit einem tödlichen Blick aus ihren Augen verstummte er, denn die Fensterscheibe klirrte bedrohlich hinter ihr. Sie würde brechen, er wusste es.

„Das wagst du nicht zu sagen!", flüsterte sie voller Hass.

„Denkst du, es beeindruckt mich, wenn du hier alles kurz und klein schlägst, Granger? Denkst du das? Flackerndes Licht, klirrende Scheiben?" Und er spürte es. Sie wurde zorniger. „Du bist ein Geist!", informierte er sie ungehalten. „Du kannst absolut überhaupt nichts-"

Und ihre Hand flog auf ihn zu.

Er zuckte kurz zusammen, aber sie konnte ihn ja nicht berühren!

Sie konnte ihn nicht –

… keuchend flog sein Kopf unter der Wucht ihres Schlages zur Seite.

-was?!

Und er wich hastig zurück. Er fasste sich an die Wange. Sie hatte ihn geschlagen! Es war wie ein kalter Schlag gewesen, der ihn erfasst hatte.

Granger hatte ihn geschlagen! Und sie starrte ihn mit großen Augen an. Dann starrte sie auf ihre Hand.

Sein Mund hatte sich geöffnet.

„Was zur-?", entfuhr es ihm heiser, während er gegen die Wand zurückwich. Sie kam auf ihn zu. Und tatsächlich Neugierde und ein Hauch von Angst standen ihr ins Gesicht geschrieben.

„Ich… habe dich berührt!", flüsterte sie.

„Du hast mich geschlagen!", korrigierte er sie, und wurde wieder zorniger.

„Ich habe es gespürt, ich… habe es gespürt!", rief sie aufgeregt und starrte wieder auf ihre Hand. Er schüttelte ungläubig den Kopf, denn es war nicht normal, dass sie ihn plötzlich berühren konnte! Und er wusste das! Und sie wusste das auch!

„Fass mich nicht noch mal an!", drohte er jetzt, fast tonlos, als sie die Hand erneut gehoben hatte. Aber stille, ehrliche Aufrichtigkeit lag auf ihren durchsichtigen Zügen. Sie hob die Hand zu seinem Gesicht, und er konnte mit Schrecken zusehen, wie sie näher kam. Sie legte sie auf die Stelle, die sie geschlagen hatte.

Und… er spürte es! Verflucht! Er schnappte keuchend nach Luft! Er konnte ihre Berührung spüren. Kühl und fest. Seine Hand griff automatisch nach ihrem Handgelenk. Und der graue Blick aus ihren Augen traf ihn überrascht, als er ihre Hand mit Gewalt aus seinem Gesicht schob.

„Ich kann es fühlen", flüsterte sie tonlos. „Ich kann fühlen, wie du mich berührst!"

„Ja", entgegnete er bitter. „Und das darf überhaupt nicht sein", fügte er rau hinzu. Angewidert ließ er sie los.

„Ich frage mich-", entfuhr es ihr, mit einem Anflug schulischen Interesse, das Draco auf gruselige Weise sehr bekannt vorkam, „-ob ich durch dich durchgehen könnte."

„Nein!", sagte er kopfschüttelnd, und verweigerte ihr jede Bewegung.

„Denn, wenn nicht-", fuhr sie fort, als wäre er überhaupt nicht da, „-hat sich mein Zustand verändert", ergänzte sie.

„In was? Von nervtötend in extrem nervtötend?", wollte er genervt von ihr wissen, aber sie war bereits in ihn hinein gelaufen. Und ihre Augen wurden groß vor Aufregung, während er angewidert den Kopf schüttelte.

„Hör auf damit, ja? Ich habe keine Lust, dass dein widerlicher Geist in mich hineinläuft!", knurrte er außer sich, aber sie hörte ihm schon lange nicht mehr zu.

„Das ist unglaublich!", flüsterte sie.

„Nein", widersprach er wieder.

Jetzt sah sie ihn zornig an.

„Nein?", wiederholte sie. „Dass ich dich berühren kann? Dass ich Glas zum Springen bringen kann, wenn ich will? Dass ich Lampen auslöschen kann? Das findest du nicht unglaublich, Malfoy?"

„Ich finde unglaublich, dass du meinen Abend ruiniert hast! Du dass du heute bei McGonagall anscheinend nichts berühren konntest, und wenn ich mich ablenken will, dass es dann auf einmal kein Problem mehr ist!"

Sie hatte die Augen zornig verengt. Er hasste sie! Wirklich! Er hasste ihren Geist! Und er war sich sicher, er hatte sie, auch als sie noch am Leben gewesen war, nicht leiden können!

„Granger, lass mich in Ruhe! Ich kümmere mich darum, dass du verschwindest. Glaub mir, es steht verflucht weit oben auf meiner verdammten Liste!", knurrte er. Ja, neben dem Hass zu seinem Vater stand sein Hass auf Granger nicht weit entfernt.

„Du bist ein Arschloch, Malfoy! Nur weil es dir lästig ist, dass der Geist von dem Mädchen auftaucht, das dir-"

„-sag es nicht!", unterbrach er sie bitter.

„Was? Dass ich dein undankbares Leben gerettet habe? Ist daran irgendetwas nicht korrekt?"

„Hey! Ich habe dich nicht gezwungen, verdammt!", schrie er und fuhr sich gereizt durch die blonden Haare.

Gezwungen? Nein! Es gibt auch noch gute Menschen auf der Welt, Malfoy! Gott, du bist so… so…!"

„Was? Ich bin was? Ich mache keine Luftsprünge, nein. Ich bin sicher, irgendwo gibt es einen ganzen Haufen an dämlichen Idioten, die dankbar für die Anwesenheit deines Geistes wären. Ich bin es nicht!", fügte er knapp hinzu.

„Glaub mir, ich wünschte auch, ich wäre nicht hier!"

„Warum bist du dann hier?", wollte er ungehalten wissen.

„Ich weiß es nicht! Woher soll ich es wissen?!", entgegnete sie hysterisch.

„Du bist tot, Granger! Die Lebenden leben. Die Toten sind tot! Du bist tot!", wiederholte er wieder. „Ok?" Seine Stimme wurde leiser, denn er hörte kaum noch, was er sagte. Er sah nur ihre milchigen Tränen. „Du bist tot, Granger", wiederholte er kalt. Sein Herz schlug schnell.

Sie war nicht real, nein! Sie war tot. Und dennoch… fasste sie ihn an! Sie konnte ihn berühren! Das war doch… das durfte nicht…! Und sie hob den Blick.

Fuck. Ihre Tränen sahen so real aus.

„Ich bin tot", kam es lautlos über ihre Lippen. „Ich… bin für dich gestorben… und du bist immer noch ein Todesser", flüsterte sie, ohne ihn aus den Augen zu lassen. „Du hast dich nicht verändert", fügte sie kopfschüttelnd hinzu, und er sah ihr fest in das graue Gesicht.

„Verpiss dich!", brachte er kalt über die Lippen. Kalt genug, dass ihre Tränen nicht weniger wurden.

„Du hast mich geholt, dann mach, dass ich verschwinde", entgegnete sie unter Tränen. Er schüttelte den Kopf.

„Verschwinde! Geh fort von hier! Hau einfach ab!", schrie er so laut, dass seine Stimme von den Badezimmerwänden widerhallte. Sie hatte vor Schreck die Augen geschlossen. Tränen fielen weiterhin auf ihre Wange, und er atmete heftig. Er griff nach vorne, griff um ihren Unterarm, überwand seinen Widerwillen, ein Schlammblut anzufassen, und zerrte sie aus dem Badezimmer. Er spürte, wie sie hinter ihm her stolperte. Er ließ sie nicht los.

Dann riss er seine Zimmertür auf.

„Raus! Verschwinde!", zischte er. Er hatte sie losgelassen, aber sie stand reglos vor seiner Tür. „Geh endlich!", fügte er knurrend hinzu. Aber sie blieb, wo sie war. „Ich habe dich nicht geholt, Granger, hörst du? Wieso sollte ich? Ich habe noch niemals an dich gedacht!", entfuhr es ihm fast empört. Und sie sah ihn an.

Kurz musste er die Augen schließen, um atmen zu können. „Ich hoffe, du bereust es", brachte er bitter über die Lippen. „Ich hoffe, du bereust, mich gerettet zu haben, Granger. So sehr, wie ich es mittlerweile tue. Lieber wäre ich tot, als deinen Geist ertragen zu müssen!" Er fuhr sich über die Schläfe, ehe er die Augen wieder öffnete.

Sie war fort. Er stand allein vor seiner Tür.