Auch ohne den Namen des Mannes im Bild zu kennen, hätte Severus genau gewusst, dass dieser Mensch dort einer seiner Vorfahren gewesen sein musste. Trotzdem traf ihn diese bestätigende Information wie ein Schlag in die Magengrube. Ahnen und Wissen waren ganz offensichtlich zwei völlig verschiedene Dinge.
„So, Du bist also mein Ururenkel?", ließ sich Sepholius völlig unbeeindruckt und mehr als spöttisch vernehmen, „na, die Nase hat sich ja leider immer noch nicht verloren!"
Severus konnte nichts entgegnen, er war wie vor den Kopf gestoßen. Sein Vorfahre trat gänzlich aus dem Schatten des düsteren Hintergrundes heraus und betrachtete sowohl ihn, als auch Hermine mit kaltem, stechendem Blick, „Anscheinend bist Du des Sprechens nicht mächtig! Schade, wo Du es doch wenigstens geschafft hast, Dir ein ansehnliches Weib zu suchen."
„Entschuldige Severus, ich hätte Dich vorwarnen sollen!", murmelte Grant, „Sepholius Prince hat zusammen mit meinem Ururgroßvater Spencer die Firma gegründet."
„Sehr richtig, ohne mich wäre aus dieser vor sich herdümpelnden Destille nie etwas geworden. Erst meine Rezeptur hat den unglaublichen Erfolg ausgemacht, der sich nun schon über viele Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg in barer Münze bezahlt macht!", Sepholius langer, hagerer Körper streckte sich stolz, dann beäugte er seinen Nachfahren wieder kritisch, „Snape? Snape? Ich wüsste nicht, dass ich den Namen jemals zuvor gehört hätte!"
„Das können Sie auch nicht, Mister Prince", antwortete Severus leise und mit ähnlicher Kälte in der Stimme, wie sein Verwandter zuvor, „Mein Vater war kein Zauberer."
„Was?", Sepholius wich angeekelt zurück, „einer meiner Nachkommen lässt sich mit dahergelaufenen Muggeln ein?! Wie konntet ihr es wagen eine unverfälschte, reine Blutlinie, die man fast ein Jahrtausend zurückverfolgen kann, zu verwässern, zu verunreinigen!", dann fiel sein Blick auf Hermine und er nickte verstehend, „Darum hat Dein Weib nicht Deinen Namen angenommen, mehr als verständlich. Obwohl eine wirklich anständige Hexe Dich erst gar nicht gewollt hätte!"
Hermines Miene verdüsterte sich gefährlich, trotzdem riet sie leise „Lass uns gehen, Severus."
„Sepholius!", donnerte aber Marcus Grant entsetzt, „Ich dulde es nicht, dass Du meine Gäste mit Deiner hirnrissigen Reinblüteranschauung beleidigst!"
Doch Mister Prince kümmerte sich kein bisschen um diese Rüge, er trat sogar noch einen Schritt näher an den Bildrand und schaute hämisch auf Severus herab.
„Ja, folge Deinem Weib und geh mir aus den Augen, wer will schon sehen, wie seine eigene Sippe im Laufe der Jahrhunderte langsam aber sicher verkommt!", höhnte er verächtlich und machte eine Handbewegung, als wenn er lästige Fliegen verjagen wollte.
Hermine zog weiterhin auffordernd an Severus Ärmel, doch der bewegte sich keinen Millimeter. Vielmehr ballte er seine Hände zu Fäusten und funkelte das Bild wenn möglich noch etwas hasserfüllter an.
Jetzt mischte sich auch Minerva ein „Mein Herr, Professor Severus Snape ist einer meiner besten Lehrkräfte, ein mit vielen Preisen und Auszeichnungen versehener Tränkemeister ersten Ranges und ein hoch dekorierter Kriegsheld dazu und vor allem ist er mein Freund und auch ich dulde es nicht, dass Sie sich abfällig über ihn äußern!"
„So, er unterrichtet also Dummköpfe an einer Schule, die jeden Dahergelaufenen aufnimmt! Na, da hat er es ja ungemein weit gebracht!", lästerte Mister Prince ungerührt weiter und zog seine teuer aussehende schwarze Robe glatt, „Wie alt bist Du, vierzig, fünfzig? Ich in Deinem Alter war bereits der reichste Mann Englands und mein Verlies in Gringotts war zum Bersten voller Galleonen und was bist Du? Ein armseliger Schullehrer!"
„Was gibt es denn gegen Lehrer einzuwenden?", fragte Minerva empört.
„Nichts, gar nichts", winkte Sepholius überheblich ab, „für gewöhnliche Zauberer und Hexen ein netter Zeitvertreib, aber nicht für einen Prince! Wir wissen, wie wir Macht mit Reichtum paaren, wie wir Wissen und Einfluss vermengen, wie wir alle die hinter uns lassen, die schwächer und dümmer sind als wir. Vor allem aber, wir vermischen unser Blut nicht mit Abschaum!"
Das war zuviel für Hermine, „Das reicht, Mister Prince!", mischte sie sich mit zitternder Stimme ein, „Sie wissen ganz bestimmt eine Menge und Sie haben sicherlich einiges erreicht in Ihrem Leben. Aber seien Sie ehrlich, dass was Sie immer wollten bekamen Sie nicht. Zum wahren Glück, zur wirklichen Erfüllung hat es nie gereicht, nicht wahr, Sir?"
„Ach, was weißt Du schon Mädchen?!", schnaubte Sepholius, obwohl aus seinem eh schon blassen Gesicht jeglicher Rest Farbe gewichen war.
„Ich weiß, was alle wissen, man kann es nämlich überall nachlesen!", lächelte Hermine kühl, „und was Sie, Mister Prince, ebenfalls nur zu gut wissen. Ihre Frau ist aus Verzweiflung über ihre unglückliche Ehe ins Wasser gegangen und ihr einziges Kind hat Sie, Mister Prince, nach Ihrem Tod unbeweint und unbesungen so schnell es irgend ging verscharrt. Keine Trauer, kein Bedauern. Absolut nichts! Nur pure Erleichterung! Wie sie übrigens jeder fühlt, wenn er von Ihnen fort kann. Wahrlich, Sie haben es weit gebracht Mister Prince!"
„Natürlich habe ich es weit gebracht!", zischte Sepholius mit unverhohlener Wut, „Ich bin berühmt, ich bin einflussreich, wohlhabend und klug, die Leute tanzen nach meiner Pfeife! Ich bin wer und ihr seid nichts, wie gesagt, Abschaum! Nichts als Abschaum! Daher tut mir einen Gefallen und geht mir aus den Augen."
Doch Hermine war noch lange nicht fertig mit ihm, sie ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, sondern ergänzte ungerührt: „Sie mögen meinet halben auf meinen Mann und mich herabschauen, aber etwas, was all ihre zweifelhaften Leistungen um Längen schlägt, Sir, und was Sie nie geschafft haben, ist, dass mein Mann ein liebevoller Ehemann und großartiger Vater ist. Einer, auf den sich seine Familie freut, wenn er heim kommt, der schmerzlich vermisst wird, wenn er nicht da ist und um den sich seine Freunde sorgen. Einer der sich die Achtung der anderen nicht durch Gold erkaufen musste, wie Sie, sondern durch Leistung, Treue und Aufopferungsbereitschaft erwirkte. Aber was wissen Sie schon von Liebe und Freundschaft? Sie armer Tropf! Gar nichts, absolut gar nichts! Einen schönen Abend noch!"
Sie drehte sich schwungvoll zu ihrem Mann um und hielt ihm ihre Hand entgegen, „Severus, möchtest Du Deinem Ururgroßvater sagen, dass ich eine vollkommen unbedeutende muggelstämmige Gryffindor bin, die aber um einen netten, kleinen Feuerzauber weiß, der auch gemalten Abschaum in kleine Aschehäufchen verwandelt?"
„Nein", grollte ihr Mann, „lass es eine Überraschung für ihn werden!", und mit einem letzten angewiderten Blick auf das Bild ergriff er ihre Hand und unter dem stetig leiser werdenden Gekeife seines Ahnen, der sich anscheinend wieder gefangen hatte, folgte er dann seiner Frau und den beiden anderen zurück ins Wohnzimmer.
Bei Merlin!
Da war durch eine kurze Begegnung in den bis dahin unverhofft akzeptablen Abend eine sehr bedrückte und bestürzte Stimmung eingekehrt.
„Es tut mir wirklich sehr leid!", bekundete der bekümmerte Gastgeber ein ums andere Mal. Er hatte sich eine Pfeife angezündet und durchmaß in aromatische Rauchwolken gehüllt schon seit fast einer viertel Stunde den Raum mit langen Schritten, „ich hätte es wissen müssen, aber ich hatte ihn einfach vergessen!"
Severus stand weiß wie die Wand neben dem Fenster und blickte hinaus auf die dunkle schottische Hochebene, „Hätten Sie unter Umständen noch einen Schluck Whiskey, Mister Grant?", fragte er irgendwann abwesend.
„Aber sicher, entschuldige, ich bin ein schlechter Gastgeber! Natürlich bekommst Du einen Whiskey und auch alles andere was Du willst, Severus!", freute sich Marcus etwas tun zu können und eilte zur Anrichte, um ihm einen Doppelten einzuschenken.
„Nein, nur einen kleinen Schluck, bitte!", winkte Severus ab, als Grant aus dem Doppelten einen Dreifachen machen wollte.
„Als Kinder hatten wir immer Angst vor ihm", erinnerte sich Grant, als er Severus das schwere Glas in die Hand drückte, „wir haben ihn immer „den Schatten" genannt und einen weiten Bogen um sein Bildnis gemacht."
„Warum hängt er denn dann immer noch da?", konnte Minerva nicht verstehen.
„Weil es so in der Vereinbarung steht!", seufzte Marcus.
„Welche blöde Vereinbarung verlangt denn so etwas?", schnaubte sie.
„Der Partnerschaftsvertrag zwischen ihm und Spencer Grant", erklärte Marcus, „er hat darauf bestanden, dass sein Bildnis so lange in der Ahnenreihe geführt würde, wie die Firma besteht. Zudem muss sein Name in der Bezeichnung des Whiskeys fortleben, er heißt ja nicht umsonst, ‚Grants Princewater'.
„Ich verstehe!", nickte Minerva, „und wie lange dauerte die aktive Geschäftskooperation der beiden Familien?"
„In der Geschäftsführung gab es nach Sepholius Prince keinen weiteren Vertreter der Familie mehr, allerdings fließen bis auf den heutigen Tag jedes Jahr siebenhundert Galleonen auf ein bestimmtes Verlies in Gringotts. Seit 1687. Wusstest Du das nicht Severus?"
„Nein! Aber es gibt keine Prince mehr, meine Mutter war die letzte und sie wurde mit ihrer Heirat enterbt!", flüsterte Severus und nippte an seinem Whiskey.
„Das ist für dieses Verlies unerheblich. Wenn es keine weiteren Verwandten mehr gibt, bist Du trotzdem der rechtmäßige Besitzer des Vermögens. Du solltest Dich mal erkundigen, da hat sich sicherlich einiges angesammelt", riet Marcus.
Die kunstvoll gearbeitete Wohnzimmeruhr schlug zwölf und Hermine seufzte leise, „Marcus, wir danken Ihnen sehr für die Einladung, für das wundervolle Abendessen und Ihre Liebenswürdigkeit, aber wir müssen zurück, ich habe morgen Vorlesung."
„Oh, natürlich, entschuldige, wo habe ich nur meinen Verstand?!", Marcus schlug sich an die Stirn, „Aber Ihr müsst mir versprechen, dass Ihr bald wiederkommt, es gibt da nämlich noch etwas Wichtiges zu besprechen – etwas, dass nichts mit diesem schrecklichen Menschen da draußen zu tun hat!", er schenkte Minerva einen verliebten Blick, „Und dann will ich Eure Töchter kennenlernen, Minni erzählt so viel von den dreien, sie müssen großartig sein!"
„Natürlich kommen wir gerne wieder und Sie sind selbstverständlich herzlich eingeladen, auch uns zu besuchen!", erwiderte Hermine und nahm vom Hauselfen dankend ihren Umhang entgegen, „es hat mich wirklich sehr gefreut, Sie kennenzulernen, Marcus und Dich natürlich auch McKinnley!"
Der alte Elf verbeugte sich bis zum Fußboden und wurde ganz blau, was für Elfen ein Zeichen für große Aufgeregtheit und Freude war und was bei Marcus Grant, der diese Reaktion natürlich sofort bemerkt hatte, zu einem lauten Lachanfall führte, „Nicht wahr, mein Guter", er klopfte dem alten Elf freundschaftlich auf die Schulter, „sie ist bezaubernd!"
Zum Abschied wurde sie dann vom Hausherrn wieder herzhaft geküsst, was ihr, wie es Severus ärgerlicherweise erschien, recht gut gefiel, denn auch sie hauchte ihm einen kleinen Kuss auf die Wange.
Severus hingegen beschränkte sich auf einen kurzen Händedruck und schaute Minerva fragend an, die keinerlei Anstalten machte, aufzubrechen.
„Kommst Du nicht mit?", fragte er erstaunt.
„Nein", winkte Minerva ab und wich seinem Blick aus, „ich bleibe hier und komme erst morgen gegen Mittag zurück."
„Ah ja!", kommentierte ihr Tränkemeister mit heraufgezogener Augenbraue und ignorierte Grants breites und etwas schmutziges Grinsen.
„Viel Spaß", zwinkerte Hermine ihr mit bezeichnendem Blick zu und verschränkte ihre Hand mit der ihres Mannes, um sie beide zurück nach Hogwarts zu bringen.
Auf dem Weg in die Kerker sprachen Sie nicht viel miteinander. Sie schwiegen auch noch, als er ihr aus dem Umhang half und die vielen kleinen Knöpfe ihres Kleides öffnete. Normalerweise ließ er sich diese Gelegenheit nie entgehen ihren nackten Rücken herunter zu streicheln und ihre Wirbelsäule entlang zu küssen. Aber heute war er mit seinen Gedanken noch wo anders.
Hermine drehte sich zu ihm herum und streichelte zärtlich über seine Wange, „Siehst Du noch nach den Mädchen, in der Zeit bin ich im Bad fertig."
Er nickte etwas abwesend und wandte sich zu den Zimmern seiner Töchter. Bei Sera legte er die fünf Bücher, die sie auf ihrem Bett verstreut liegen hatte, zurück auf den Schreibtisch und löschte die immer noch brennenden Kerzen. Dann deckte er Lillian wieder zu, sie strampelte sich immer frei, wenn sie träumte und in dieser Nacht schien sie schon wilde Träume gehabt zu haben. Als Letztes betrat er das Zimmer seiner ältesten Tochter Eileen und fand diese trotz der vorangeschrittenen Uhrzeit noch lesend vor.
„Tochter", flüsterte er tadelnd und baute sich drohend vor ihrem Bett auf, „warum schläfst Du noch nicht?"
„Weil ich auf Euch gewartet habe und weil es noch so spannend ist!", erklärte Eileen lächelnd und rückte zur Seite, damit sich ihr Vater zu ihr aufs Bett setzen konnte.
„Du findest dauernd spannende Dinge! Aber morgen früh ist Schule und da soll es auch die ein oder andere Sache geben, die spannend genug ist, dass man ihr wach begegnet!", entgegnete ihr Vater streng, setzte sich aber trotzdem auf die Bettkante und warf einen Blick auf die aktuell spannende Lektüre seiner Tochter: Ah ja, ‚Arithmantik für Anfänger', in der Tat, ein unglaublicher Krimi!
„Was hättest Du gemacht, wenn wir erst im Morgengrauen heim gekommen wären?", erkundigte er sich und nahm ihr das Buch aus den Händen.
„Aber Dad", seufzte seine Tochter und schaute ihrer Lektüre bekümmert hinterher, „Mum beginnt spätestens um elf Uhr zu gähnen und gegen Mitternacht fallen ihr die Augen zu!"
„Du bist frech!", antwortete er halbherzig, denn wo sie Recht hatte, da hatte sie Recht.
„Aber nur ein bisschen. Wie ist denn jetzt der Freund von Tante Minerva?", erkundigte sich Eileen und schüttelte ihr Kopfkissen auf.
„Groß, breit und laut!", schnaubte Severus, doch als er Eileens zweifelnden Gesichtsausdruck sah, setzte er etwas gnädiger hinzu, „allerdings kann er sehr passabel Kochen und scheint eine ungeheure Wirkung auf Frauen zu haben. Deine Mutter findet ihn jedenfalls klasse!"
„Du riechst nach Whiskey und Pfeifentabak, Dad." Stellte Eileen fest und schnupperte am Gehrock ihres Vaters.
„Er hat eine Feuerwhiskeyfirma, da ist das kein Wunder!", er beugte sich zu seiner Tochter herunter und steckte im Gegenzug seine lange Nase in ihre Halsbeuge, „Und Du hast ein Bad mit dem Lieblingsbadeöl Deiner Mutter genommen!"
Eileen kicherte etwas, sie war ziemlich kitzelig, etwas, dass sie eindeutig von ihrer Mum hatte, trotzdem schlang sie ihren Arm um den Nacken ihres Vaters und drückte ihn fest an sich. „Sie hat es mir erlaubt!", verteidigte sie sich und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Ich weiß!", flüsterte Severus liebevoll zurück und erwiderte die Umarmung seiner Tochter kurz.
„Wann bekommen wir ihn mal zu sehen?", erkundigte sich dann Eileen, strich sich ihre Haare aus dem Gesicht und reichte Severus das Lesezeichen.
„Ich glaube nicht, dass wir ihn lange davon abgehalten bekommen uns zu besuchen, Deine Mutter war bereits so leichtsinnig und hat ihn zu uns eingeladen!", er steckte das Lesezeichen ins Buch und legte es zu den vielen anderen auf ihren Nachttisch.
„Natürlich habe ich das!", bestätigte Hermine leise, sie stand bettgehfertig im Türrahmen, „immerhin bin ich höflich und Dein Vater hat recht, ich finde ihn wirklich klasse!"
Sie kam zum Bett geschlendert und ließ sich auf Severus Schoß nieder, um begeistert zu schwärmen, „Er ist charmant, leidenschaftlich, aufmerksam und unglaublich verliebt in Tante Minerva!"
„Er nennt sie Minni!", erinnerte sie Severus erschüttert und umfasste die schlanke Taille seiner Frau, nicht dass sie noch Schaden nahm bei all der Schwärmerei.
„Echt, er sagt zu Tante Minerva, Minni?", Eileens Augen wurden groß.
„Korrekt!", nickte Severus mit Grabesstimme.
„Und er küsst sie bei jeder Gelegenheit!", ergänzte Hermine träumerisch und lehnte ihren Kopf an Severus Schulter an.
„Vor allem küsst er sie bei jeder unpassenden Gelegenheit!", korrigierte sie Severus angewidert.
„Vor anderen Leuten?", konnte Eileen nur noch hauchen, „Echt cool!"
„Ja! Unglaublich cool!", schnaubte ihr Vater, warf seine Frau kurzerhand wieder von seinem Schoß, zog seinen Gehrock gerade und wies seine Tochter streng an, „darum wirst Du jetzt augenblicklich die Augen zu machen und schlafen, denn ich muss Deine Mutter ins Bett bringen, denn nach Deinen eigenen Worten ist sie eine Schlafmütze und müsste schon seit einer Stunde im Tiefschlaf liegen!"
„So?", Hermine schaute Eileen erstaunt an, die zwar ihr freches Grinsen gekonnt unter dem Rand der Bettdecke verstecken konnte, sich aber nicht verkneifen konnte anzumerken, „Schade, Dad, ich hatte ja gedacht, dass Du gehst, um Mum jetzt auch zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vor allen Leuten zu küssen!"
„Gute Idee!", fand Hermine und gab ihrer Tochter schon mal vor den Augen ihres Mannes einen Gutenachtkuss.
„Auf keinen Fall!", knurrte Severus entsetzt und löschte umgehend das Licht, „Gute Nacht!"
„Nacht Dad, Nacht Mum!", kicherte Eileen und angelte nach Zischi, ihrer Schlange.
Als Severus Eileens Zimmertüre sorgsam geschlossen hatte, schaute ihn seine Frau prüfend an, „Na, geht es Dir jetzt besser, Severus?"
Er zog die Augenbrauen verwundert zusammen, bis ihm ein Licht aufging „Du wusstest genau, dass Eileen noch nicht schlafen würde!", kombinierte ihr Mann schlau und griff sich diese gerissene und berechnende Hexe.
„Ich sah das Licht unter ihrer Türe, als wir rein kamen", gab Hermine zu und schlang ihre Arme um seinen Nacken, „Also", ließ sie nicht locker, „geht es Dir jetzt besser?"
„Ja, das tut es!", knurrte ihr Mann unwillig und küsste sie zur Strafe hart und fordernd.
„Sehr gut!", freute sich Hermine, als er den Kuss unterbrach, um seinen Gehrock abzulegen und sie auf seine Arme zu heben. Die kurze Strecke bis zu ihrem Bett war schnell zurückgelegt.
„Warte hier, in fünf Minuten bin ich wieder zurück!", befahl er Hermine, nachdem er sie sanft abgelegt hatte und begab sich schnell ins Bad.
Er brauchte sogar nur vier Minuten und als Severus sich wenig später zu seiner Frau ins Bett legte, war diese tatsächlich noch wach.
„Warum schläfst Du nicht?", erkundigte er sich und zog sie in seine Arme.
„Du hast gesagt, dass ich auf Dich warten soll", antwortete Hermine treu und schmiegte ihren Kopf in seine Halsbeuge.
Mit einem kleinen Wisch seines Zauberstabs löschte er das Licht und wartete darauf, dass Hermines Hand zwischen die Knöpfe seines Pyjamaoberteils schlüpfte. Was nicht lange dauerte und ihn zufrieden durchatmen ließ.
„Wirst Du Dich bei Gringotts über das Verlies erkundigen, Severus?", fragte Hermine nach einigen sanften, kreisenden Bewegungen über seine Brust.
„Vielleicht", murmelte Severus unschlüssig, dann legte er seine Hand auf ihre,
„Woher wusstest Du das über ihn?"
„Ach, Severus", seufzte Hermine, „ich habe schon während meines zweiten Meisterjahres einige Nachforschungen angestellt. Zuerst über die Familie Deiner Großeltern und dann über deren Eltern und so weiter. Der Name Prince ist bis ins 8. Jahrhundert zurück zu verfolgen."
„Ja, das hat meine Mutter auch immer voller Stolz erzählt."
„Nun, das mit dem Stolz ist so eine Sache", Hermines Zögern verhieß nichts Gutes, „Es ist so, dass es eine Geschichte voller Kalkül, Berechnung und absoluter Lieblosigkeit war. Immer auf der Suche nach Anerkennung, Macht und Reichtum. Dein Ururgroßvater ist nur einer von vielen, aber er hat das Ganze wohl perfektioniert."
„Mein Großvater hat meiner Mutter und ihren Brüdern Sepholius Prince immer als leuchtendes Beispiel vorgehalten", murmelte er.
„Ich war damals entsetzt, als ich die alten Zeitungsberichte und Kirchenbücher durchforstet habe", Hermine schüttelte es, „Er galt übereinstimmend als überragender Zauberer, aber als kaltes, arrogantes und jähzorniges Scheusal. Sein einziger Sohn, den er in seiner Kindheit grausam gequält hat, ist mit 17 Jahren von zu Hause weggelaufen und nur noch einmal zurückgekehrt, um den Vater nach seinem Tod möglichst schnell zu verscharren. Dann hat er seinen ganzen Besitz sofort verkauft und ist wieder in die Nähe von Cambridge gezogen, wo er einen Lehrstuhl hatte. Er war übrigens auch nicht sonderlich beliebt!"
„Und wie kamst Du darauf, dass es ihm eigentlich um Ansehen ging, und nicht um Geld?"
„Ganz einfach! Er hat den Bürgern des kleinen Dorfes in der Nähe seines Anwesens eine immense Summe in Aussicht gestellt, wenn sie den Namen von Woodlake in Princelake ändern würden. Außerdem erzählt man sich, dass er zehn Portraits von sich hat anfertigen lassen und durch geschickte Vereinbarungen dafür gesorgt hat, dass sie an exponierten Orten aufgehängt wurden."
„Jämmerlich!", schnaubte Severus.
„Ganz genau!", stimmte Hermine fest zu, stemmte sich auf ihre Unterarme und sah im tief in die Augen, „Und bei Gott Severus, ich werde meine ganze Kraft und Liebe dazu verwenden, dass es keine weitere Generation von Princenachfahren mehr gibt, die dieser erbärmlichen und mitleiderregenden Tradition folgen!"
Severus sah in ihre glitzernden, funkelnden Augen, sah ihr ernstes und entschlossenes Gesicht und hatte nicht den geringsten Zweifel daran, dass ihr das gelingen würde.
Wenn nicht ihr, wem dann?
