Kapitel 3 `Tyrion`
Tyrion Lannister wusste wie sich Schmerz anfühlte, jedoch hatte er so einen starken Schmerz, wie er ihn momentan in seinen rechten Ellbogen spürte, noch nie verspürt. Die Wunde hatte er bei der Schlacht gegen die Starks vor ein paar Stunden an der Green Fork erhalten. Ein der Ritter der Starks hatte ihm diese zugefügt. Nur durch pures Glück hatte er es geschafft das Pferd des Ritters zu töten, welches dann auf den Ritter selbst gefallen war. Dieser hatte sich danach ergeben. Das Pech des Ritters war es, dass er sich einen Zwerg als Ziel auserkoren hatte, dazu noch einen Zwerg, der einen Helm mit scharfen Spitzen darauf trug. Diese Stacheln hatten sich in die Brust des Pferdes gebohrt, als Tyrion gerade aufstehen wollte. Wäre er etwas größer gewesen und nicht so tollpatschig in seiner Rüstung, hätte er das Pferd vermisst und würde nun Tot oder ein Gefangener der Starks sein. Die Armee seines Vaters hatte die Schlacht gewonnen, jedoch war es nicht die Hauptstreitmacht der Starks gegen die sie gekämpft hatten, sondern nur eine kleine Gruppe die von Roose Bolton, Lord von Dreadfort, angeführt wurde. Die Überlebenden hatten sich zurückgezogen als die Hauptstreitmacht der Lannisters vorrückte. Das Problem jedoch war, dass keiner wusste wo der junge Robb Stark mit seiner Hauptarmee abgeblieben war.
Tyrion konnte nur mit dem Kopf schütteln, als er über die ganzen Fehler nachdachte die in letzter Zeit passiert waren. Was begonnen hatte mit dem Fall von Brandon Stark von einer Mauer in Winterfell führte danach zu einer Reihe schlimmerer Vorfälle. Der Versuchte Mord an eben jenem Brandon Stark als er noch an das Bett gefesselt war, dann die Entführung und die Gefangennahme von Tyrion durch dessen Mutter, Catelyn Stark, welche ihm Vorwarf das ganze arrangiert zu haben. Dies führte wiederum zur verrückten Gerichtsverhandlung im Vale durch ihre verrückte Schwester. Tyrion dachte er würde in den Himmelszellen der Eyrie sterben. Dann jedoch rettete ihn der Söldner Bronn und sie freundeten sich sogar mit den Hügelvölkern an, welche sehr gut und stark in der letzten Schlacht gekämpft hatten. Irgendwann und Irgendwie, würde er herausfinden, warum Catelyn Stark dachte, dass er ihren Sohn ermorden wollen würde. Jemand in King's Landing hatte Geschichten über einen bestimmten Dolch erzählt. Und Tyrion hatte eine sehr starke Vermutung wer dieser jemand war.
Jedoch war ihm dies momentan vollkommen egal, da seine Wunde am Ellenbogen erneut zu pochen begann. Er saß auf einem Stuhl in seinem Zelt, während ein Maester sich die Wunde mit seinen Händen und einem metallischen Spatel anschaute. Der Spatel öffnete gerade einen der Schnitte, den der Morgenstern des Ritters ihm zugefügt hatte. Tyrion zuckte vor Schmerz zusammen und warf dem Maester einen bösen Blick zu, welcher aber sofort wieder weicher wurde, da er wusste, dass der Maester nur seinen Job machte.
„Werde ich es überleben", fragte er, wusste aber eigentlich schon die Antwort.
„Es ist nichts gebrochen und es sind auch keine Metallsplitter oder Reste der Kleidung in eurer Wunder, Milord", antwortete der Maester. „Heißer Wein und ein Wickel aus modrigem Moos, Senfkörnern und Nesseln sollte alle möglichen Infektionen fernhalten."
„Wenn es unbedingt sein muss", sagte Tyrion als er einen Kelch voll Wein nahm und einen Schluck daraus trank, „Dann stellt bitte sicher, dass der Wein Arbor Gold ist den ihr benutzt. Mein Ellenbogen hat ganz bestimmte Bedürfnisse." Der Maester schaute ihn verwundert an. „Ein Scherz!", sagte Tyrion und rollte mit den Augen aufgrund der minimalen Menge an Humor den der Maester besaß. Nun, nachdem er den ganzen Tag Glieder entfernt hatte und Wunder von Schwertern und Pfeilen genäht hatte, war ihm nicht wirklich zu scherzen zumute. Die Roben des Maesters waren schon voller Blut. „Benutzt was auch immer ihr habt!", sagte Tyrion ihm.
Der Maester verließ das Zelt um alles zu besorgen, während Bronn das Zelt betrat. Ohne zu fragen nahm sich der Söldner den Krug und schüttete sich in einen anderen Kelch etwas Wein ein und nahm einen tiefen Schluck. Er war immer noch dreckig vom Kampf und seine Rüstung war übersäht mit Blut.
„Weißt du Bronn, ich dachte wir hätten einen Deal!", sprach Tyrion ihn an, „du beschützt mich und ich sorge dafür, dass dein Geldbeutel immer voll ist, dein Bett von irgendwelchen Prostituierten gewärmt wird und du immer genug zu essen und zu trinken hast!"
„Die haben wir!", sagte Bronn während er sich seinen Kelch von neuem füllte. Er hatte immerhin die Freundlichkeit den Kelch Tyrions ebenfalls wieder aufzufüllen.
„Jedoch habt ihr es mir nicht verboten voraus zu reiten und ein paar Ritter zu töten!"
Tyrion nahm einen großen Schluck und Bronn stellte den Krug wieder auf den Tisch, „Ich hatte ein ernstes Problem. Der Punkt ist, wo warst du? Ich wäre fast gestorben."
Bronn warf sich auf einen leeren Stuhl und streckte seine langen Beine von sich. „Das bist du aber nicht."
Tyrion seufzte stark, „Wo…"
„Ich habe mich durch die Reihen der Starks gehackt und gemordet, um euch zu finden, was mir, wie ihr euch sicher erinnert, auch gelungen ist direkt nachdem der Ritter sich ergeben hatte!", sagte Bronn. „Und du weißt nun auch, dass ein Kampf nicht eine glorreiche Geschichte ist, die in irgendwelchen Büchern in sauberen Linien niedergeschrieben ist. Es ist einfach nur Chaos. Außerdem hast du dich doch auch ganz gut ohne mich geschlagen. Du hast immerhin einen Ritter gefangen genommen."
Tyrion trank einen weiteren Schluck. Er wollte so betrunken sein, dass er nichts mehr davon mitbekommen wollte, wenn der kochende Wein auf seinen Ellbogen gegossen werden würde. „Und wen habe ich gefangen genommen?"
„Ser Geoff… so oder so ähnlich. Ein Barrowton. Er behauptet die ganze Zeit, dass seine Familie einhundert Golddrachen für ihn zahlen würde."
„Wie schön!" scherzte Tyrion, „Dann kann ich mich ja zurückziehen!"
„Euer Vater scheißt wahrscheinlich Gold, ich jedoch nicht!", antwortete Bronn, „Wenn ihr das Lösegeld nicht wollt, nehme ich es."
„Na gut. Mach mit ihm was du willst."
Bronn zuckte mit den Schultern, „Es sieht so aus, als würde er ohnehin sterben. Sein Bein ist gebrochen. Gut das du sein Pferd getötet hast, damit es auf ihn fällt."
„Es war nicht das was ich eigentlich wollte!"
„Es ist vollkommen egal wie du sie tötest oder sie bewusstlos schlägst. Hauptsache du tust es. Nun, falls er sterben sollte, zahlen sie vielleicht ein paar Kupfermünzen für seine Knochen."
„Wo wir gerade von verwundeten und Knochen sprechen, wie geht es unseren Wildlingen?", fragte Tyrion. Er mochte die Hügelleute mittlerweile sehr, auch wenn sie ihm immer noch androhten ihm seinen Schwanz abzuschneiden und diesen an die Ziegen zu verfüttern!"
„Wir haben circa die Hälfte verloren!", antwortete Bronn nachdem er einen weiteren Schluck genommen hatte. „Die restlichen plündern weiter die getöteten Stark Soldaten. Shagga musste drei Pfeile einstecken. Aber keiner steckte zu tief in ihm und er wird es überleben."
„Sehr gut! Und wo ist Shae?" Tyrion bekam mittlerweile Angst, dass einer der Lords seines Vaters sich das zurückholen würde, was Bronn damals für Tyrion besorgt hatte.
„Zusammen mit den Küchenhelferinnen und den Huren am Ende des Lagers."
Tyrion bemerkte wie er leicht zornig wurde als Bronn Shae eine Hure nannte. Er kannte Shae bisher nur aus einer Nacht, jedoch empfand er etwas für sie. Er wusste nicht warum, aber es war immer noch da. „Wärst du so freundlich und würdest sie zu mir bringen? Der Kampf ist zu Ende und ich brauche meine Bettwärmerin."
„Ich befürchte, dass dies warten muss. Wir haben die Order bekommen zu packen und weiter zu marschieren!", erzählte Bronn, „Euer Vater gab den Befehl vor etwa 10 Minuten."
Dies überraschte Tyrion, „Und wo marschieren wir hin?"
„Robb Stark marschiert mit dem Großteil seiner Armee in Richtung Riverrun. So wird es zumindest berichtet."
Tyrion wusste genau was dies bedeutete. „Sollte er Riverrun vor uns erreichen, dann sind wir vom Westen komplett abgeschnitten!"
„Ich dachte euer großer Bruder und seine Truppen stehen ihm im Weg?"
„Momentan ja. Jedoch wenn man den Informationen, die man sich erzählt glauben kann, dann sind sie sicher Stunden oder sogar Tage alt. Wer weiß, was in der Zwischenzeit passiert ist." Tyrion wollte sich gerade erheben, als der Maester und ein kleiner Junge das Zelt betraten. Der Junge trug ein Metallkessel vor sich her.
Bronn stand auf und schaute in den offenen Kessel hinein, „Heißer Wein! Das wird sicher verdammt schmerzhaft!"
Tyrion schnitt eine Grimasse und schaute den Maester an. „Er sagt immer direkt was er denkt. Haltet euch nicht zurück, egal wir schmerzhaft es für mich ist!"
Der Maester reichte ihm einen Kelch mit einer milchigen Substanz. Tyrion stellte seinen Weinkelch auf den Tisch ab und nahm den anderen Kelch entgegen. „Mohnblumensaft, Milord", sagte der Maester, „Ein oder zwei kleine Schlucke sollten genügen!"
Tyrion hatte aber bereits den gesamten Kelch getrunken. Sofort merkte er wie sein Kopf immer leichter wurde und der ganze Raum begann sich zu drehen. Der Kelch fiel ihm aus der Hand. „Ich mochte noch nie Schmerz!", konnte er gerade noch so sagen. „Bronn, stell bitte sicher, dass er nicht meinen Arm abschneidet. Sollte er versuchen, dann töte ihn. Ich würde es ja selber tun, aber ich glaube ich werde gleich schlafen…" Dann fiel er in Ohnmacht.
Einige Zeit später erwachte er in einer Sänfte die von vier Pferden getragen wurde. Wie viel Zeit mittlerweile vergangen war, konnte Tyrion nicht sagen, es war jedoch noch hell draußen. Der Himmel wurde allerdings bereits etwas düster, weswegen er annahm, dass es kurz vor Sonnenuntergang sein musste. Sein Ellenbogen pochte wie verrückt aber er war immerhin noch an ihm dran. Er war in Leinen gebettet und er hatte eine Schlinge um seinen Hals. Er setzte sich auf und sofort schoss ein scharfer Schmerz durch seinen Ellenbogen und seinen Kopf. Zu viel Wein oder zu viel Mohnblumensaft. Wahrscheinlich aber beides. Er öffnete die Vorhänge der Sänfte und sah Bronn nebenher reiten, Timett an seiner Seite. „Wo sind wir?", fragte er trocken.
„Wir reiten in Richtung Westen!", sagte Bronn, „Und wo wir sind oder wo genau wir hin reiten, hat mir euer Lord Vater nicht gesagt."
„Welche Neuigkeiten habt ihr gehört?"
„Da waren Reiter, jedoch haben uns hier hinten keine Nachrichten erreicht."
„Ich brauche mein Pferd. Ich muss zu meinem Vater!"
„Euer Pferd ist eines derer die euch tragen! Letztendlich ist es jedoch zu aufwändig jetzt etwas daran zu ändern. Wartet bis wir Rast machen. Dies sollte nicht mehr allzu lange dauern, falls nicht geplant ist uns die ganze Nacht marschieren zulassen."
Sie ritten eine weitere halbe Stunde bis plötzlich die gesamte Kolonne hielt. Befehle wurde die Kolonne entlang gerufen die Zelte aufzubauen, Wachen aufzustellen, Toiletten auszuheben und Holzbarrieren aufzustellen. Die Lannsiterarmee setzte sich wie ein Schwarm Insekten in Bewegung und bald standen überall Zelte, Löcher waren ausgehoben und Bäume wurden für die Barrieren gefällt. Feuer wurden zum Kochen angezündet und bald ertönten die Geräusche von Schweinen, Kühen und Hühnern die für das Essen geschlachtet wurden.
Tyrion kam auf Grund seines Ellenbogens nicht auf sein Pferd, weswegen Timett ihn packte und ihn einfach auf sein Pferd setzte. Dann ritt er mit Bronn und Timett an seiner Seite nach vorne. Es herrschte überall reges Treiben, da das Camp fertig werden sollte, bevor es zu dunkel sein würde. Tyrion fragte eine Gruppe Kämpfer wo er seinen Vater finden konnte und sie deuteten in Richtung Westen, der untergehenden Sonne entgegen. Nachdem sie eine halbe Stunde gesucht hatte und es immer dunkler wurde, fand Tyrion eine kleine Taverne wo sich eine größere Menschenmenge eingefunden hatte. Ihm kam die Taverne bekannt vor. Als er sie erkannte, dachte er die Götter wollten ihn bestrafen. Dies war das Gasthaus, wo er von Catelyn Stark gefangen genommen wurde und wo er Bronn das erste Mal getroffen hatte. Die Frau, der das Gasthaus gehört hatte, hing nun an einem Strick neben der Tür. Ihr toter Körper drehte sich leise im Wind. Dies war der Preis den sie zahlen musste, da sie es zugelassen hatte, dass ein Lannister in ihrem Haus gefangen genommen wurde auch wenn die Frau eigentlich nichts damit zu tun hatte und nichts dafür konnte. Trotzdem wollte sein Lord Vater eine Botschaft an alle Betreiber von Gasthäusern senden und diese würden es sich zweimal überlegen, ob sie sich noch einmal gegen die Lannisters stellten.
Die meisten Männer außerhalb des Gasthauses waren aus der Hauptgruppe seines Vaters, Wachen und hochrangige Ritter oder Kommandeure, die Tyrion bereits seit seiner Kindheit kannte. Als Timett ihn von seinem Pferd herunterholte, erblickte er seinen Onkel Kevan, welcher nie weit entfernt von Lord Tywin war.
„Wartet hier!", sagte er zu Bronn und Timett, als er die Zügel Bronn reichte.
„Es ist Essenzeit! Ich habe Hunger!", protestierte Bronn.
„Ich besorge dir ein gebratenes Schwein wenn ich zurück bin. Aber jetzt wartet bitte hier!", sagte Tyrion mit einem strengen Blick. Bronn schnitt eine Grimasse, nickte aber.
Tyrion quetschte sich durch die Masse vor dem Gasthaus und erreichte seinen Onkel, als er gerade dabei war jenes zu betreten. „Mein lieber Onkel, was gibt es Neues?"
„Tyrion. Ich sehe dir geht es wieder besser!", sagte er verbissen.
„Es waren nur ein paar kleine Kratzer mehr nicht. Nichts was ein bisschen Wein von innen und von außen nicht lösen könnte. Erzählt mir was alles passiert ist!"
„Es gibt schlimme Neuigkeiten. Es tut mir leid, dass ich es bin der dir das erzählen muss, aber dein Bruder Ser Jaime wurde von Rob Starks Armee gefangen genommen."
Nichts hätte Tyrion mehr schockieren können. Sein Bruder Jamie war der beste Schwertkämpfer in den Sieben Königslanden. Gefangen? Das machte keinen Sinn. „Wie ist es passiert?"
„Ein Hinterhalt im Flüsterwald soweit wir wissen. Einige Überlebende, die entkommen konnten, haben uns vor circa einer Stunde erreicht. Ser Jaime hat viele getötet doch irgendwann wurde er überwältigt. Aber es gibt noch schlimmere Nachrichten."
„Schlimmer? Welche Nachrichten könnten denn noch schlimmer sein?"
„Robb Stark Armee ist mit seiner Hauptarmee weitergezogen, als wir seine kleinere Armee am Green Fork bekämpften. Er hat unsere Belagerung von Riverrun komplett zerschlagen. Zweidrittel unserer Armee sind entweder tot oder gefangen genommen. Der Rest konnte in einem geordneten Rückzug sich in unser Gebiet zurückziehen. Die Starks und die Tullys halten nun Riverrun und blockieren unsere Lieferungen aus dem Westen."
„Ein Desaster!"
„In der Tat. Komm, dein Vater hat ein Treffen einberufen. Ich denke du solltest daran teilnehmen."
„Definitiv!"
Das innere des Gasthauses war genauso düster wie er es in Erinnerung hatte. Sein Vater und zehn seiner ranghöchsten Kommandeure saßen an einem langen Tisch. Die Atmosphäre war sehr bedrückend. Tywin Lannister nickte seinem Bruder kurz zu und nahm es sich nicht einen kurzen Blick auf seinen jüngsten Sohn zu werfen als dieser sich setzte. Das Treffen begann damit, dass Kevan die Geschichte die er eben Tyrion erzählt hatte allen anderen auch noch einmal erzählte. Manche wussten es bereits, andere nicht. Jedoch waren alle über das Ausmaß der Katastrophe überrascht. Sie diskutierten lange darüber wie es nun weitergehen sollte, wie sein Bruder gerettet werden konnte und immer so weiter und zurück. Tywin sagte die ganze Zeit nichts. Jedoch bemerkte Tyrion wie die Wut ihn ihm immer mehr Wuchs, bis er es nicht mehr aushalten konnte und explodierte.
„Sie haben meinen Sohn!" Er schaute sie alle böse an. „Raus mit euch. Alle!", sagte er dann etwas ruhiger.
„Du nicht!", sagte er zu Tyrion und schaute ihn direkt an, „Kevan bleib auch hier!" Bald war der Raum bis auf die 3 Lannister leer. Tyrion nahm einen Krug Wein und füllte seinen leeren Kelch, während sein Vater ihn intensiv anstarrte. „Deine Wunde verheilt gut?", fragte er ihn.
„Ja, mach dir keine Sorgen. Es wird keine Kinder geben die lachend einen Einarmigen Zwerg in Lannisport jagen."
„Wenn du nur hier bist um Witze zu reißen, dann kannst du direkt zurück zu deinen Wildlingen gehen!"
„Witze beruhigen mich aber wenn ich gestresst bin. Haben die Stark bereits ein Lösegeld für meinen Bruder gefordert?"
„Nein!", sagte Kevan, „aber wir haben eine Möglichkeit sie zu überzeugen, dass sie ihn frei lassen. Deine Schwester hat immer noch Robb Starks Schwestern in King's Landing in Gewahrsam."
Tyrion lächelte spöttisch, „Er wird niemals Jamie für zwei Mädchen austauschen. Seine Männer würden ihm die Augen ausreißen und in an die Krähen verfüttern."
Sein Vater nickte zustimmend, „Vielleicht bist du doch nicht so ein Idiot wie ich dachte. Nein, Rob Stark wird sicher nicht Jamie gegen seine Schwestern austauschen. Aber vielleicht wird er es tun, wenn sein Vater etwas dazu sagt."
„Sein Vater? Gibt es etwas Neues von Ned Stark?", fragte Tyrion, „Ist er nicht immer noch in eine Zelle in King's Landing?"
„Er kommt nach Norden!", sagte Tywin, „Wir haben eine Nachricht von deiner Schwester erhalten. Cersei hat ihm die Wahl gelassen seine Verbrechen zu gestehen und sich der Nachtwache anzuschließen oder zuzusehen wie seine Töchter sterben noch bevor er ebenfalls getötet würde. Es war also sehr wahrscheinlich, dass er Gestehen würde und sich der Nachtwache anschließen würde."
„Ein Entscheidung die jeder der Kinder hat so treffen würde!", sagte Kevan und Tyrion wusste das sein Onkel es auch so machen würde, da er immer viel von seinen Kindern sprach. Tyrion war sich aber auch sicher, dass sein Vater niemals für seinen Zwergensohn das Schwarz anlegen würde. Wahrscheinlich nicht mal für Cersei oder Jaime.
„Ned Stark kommt hier vorbei, gemeinsam mit einer Gruppe neuer Rekruten für die Nachtwache!", sprach Tywin erneut. „Aber bevor sie weiter in Richtung der Wall marschieren, soll Ned Stark seinen Sohn ausfindig machen und ihm sagen, dass er sich zurück ziehen soll und nicht weiter kämpfen soll."
„Und warum sollte Robb Stark dies tun?", fragte Tyrion, „Er gewinnt diesen Krieg falls du es noch nicht bemerkt hast!"
„Das habe ich sehr wohl!", sagte sein Vater kalt. „Wenn der Junge schlau genug ist, dann wird er seine Truppen nicht auflösen. Er wird wissen das in 1, 5 oder 10 Jahren wenn die Baratheon Rebellion beendet ist wir in Richtung Norden marschieren werden und den Krieg erneut zu ihm bringen werden."
„Es würde ein sehr kostspieliges Unterfangen werden aber wir können diese Ungehörigkeit nicht Unbestraft lassen!", fügte Kevan hinzu.
„Selbstverständlich nicht!", sagte Tywin.
„Wenn er wirklich so schlau ist!", fügte Tyrion hinzu. „Jedoch hoffe ich das das bitten seiner Vaters für die Sicherheit seiner Schwestern ausreichen sollte um ihn dazu zu bringen diesen Krieg zu beenden. Dann können wir unsere Truppen zusammenziehen und uns um die Baratheon Brüder kümmern."
„So sieht es aus!", antwortete Tywin.
„Ned Stark kommt in Richtung Norden, doch wird er auch hier ankommen?", fragte Kevan, „Es herrscht das blanke Chaos auf der Straße zwischen Harrenhal und King's Landing. Ser Gregor befindet sich dort in einem Kampf mit der Gruppe von Beric Dondarrion und dann gibt es dort noch andere Plündernde Gruppen über die niemand eine direkte Kontrolle besitzt!"
„Von welchen Gruppen sprechen wir?", fragte Tyrion. Was wusste er noch nicht über die Kriegspläne seines Vaters.
„Eine der freien Kompanien aus Essos.", erklärte Kevan, „Sie werden von Vargo Hoat angeführt. Nennen sich selber Brave Companions."
„Söldner", schnaubte Tyrion, „Ihnen kann man nicht trauen!"
Sein Vater starrte ihn an. „Dafür vertraust du dem Söldner der dir überall hin folgt sehr stark!"
„Das kommt daher, da Bronn vertrauenswürdig ist", entgegnete Tyrion, „Wie können wir die Sicherheit von Ned Stark gewährleisten?"
„Nun… das wirst du tun!", entgegnete ihm sein Vater.
Tyrion setzte sich überrascht auf, „Ich? Wie?"
„Du, dein Söldner, deine Wildlinge, ein paar Dutzend Ritter und eine Kavallerie aus 100 Reitern werden in Richtung Süden marschieren entlang der Kingsroad. Ihr werdet an Harrenhal vorbei kommen und es von Lady Whent einnehmen und unter eure Kontrolle bringen! Dann…"
Doch Tyrion unterbrach in was ihm einen bösen Blick seiner Vaters einbrachte, „Harrenhal erobern? Mit ein paar hundert Mann? Unmöglich!"
Sein Vater schaute ihn hart an. „Lady Whent hat kaum noch Kämpfer. Nur ein paar Diener sind übrig. Sie leben in einem kleinen Teil des Schlosses. Ich bin mir sicher du kannst dir einen schlauen Plan überlegen, wie du die Tore ohne großen Kampf auf bekommst. Sollte es funktionieren, lass eine kleine Besatzung in Harrenhal und marschiere weiter. Falls nicht marschiert sofort weiter nach Süden. Ned Stark zu finden hat momentan höchste Priorität. Er und seine Gefährten müssen unter allen Umständen beschützt werden. Wenn ihr ihn gefunden habt, bringt ihn nach Harrenhal."
„Warum Harrenhal?"
„Weil das der Ort ist wo wir auch hin marschieren!"
Selbst Kevan war von dieser Nachricht überrascht, „Aber Tywin, der Ort ist verflucht!"
„Und wohin sollten wir sonst gehen Bruder? Wir sind geschwächt und in der Unterzahl. Robb Stark kontrolliert die Route nach Westen. Roose Bolton ist immer noch am Green Fork mit dem Rest seiner Truppen, die Freys an den Twins sind Bannermänner von Riverrun und die Baratheons sind im Süden. Das Vale ist im Osten und Lysa Arryn hasst uns abgrundtief. Was es noch schlimmer macht ist, dass Highgarden sich Renly angeschlossen hat und ihm Margaery Tyrell zur Ehefrau angeboten hat."
„Nun das sind wirklich überraschende Neuigkeiten", kommentierte Tyrion, „Ich wusste nicht, dass Renly es in sich hat. Definitiv eine Politische Hochzeit, keine aus Liebe."
„Es ist mir vollkommen egal ob er das Mädchen liebt oder nicht. Für uns ist es eine politisch schlechte Hochzeit. Wenn mein Enkel länger als einen Monat auf den Eiserenen Thron sitzen soll, dann müssen wir jetzt handeln. Punkt 1, alle unsere Kräfte in Harrenhal zusammen zu ziehen. Von dort aus können wird in alle Richtungen sehr schnell zuschlagen. Ser Gregor, Ser Amory Loch und deren Männer sollen immer wieder ausreiten und die umliegenden Dörfer plündern und brandschatzen. Wir lassen die Riverlands verrotten und behalten das komplette Getreide und Vieh für uns. Das Volk wird die Straßen bei der Flucht verstopfen und die lauten Rufe nach Essen und Sicherheit wird unsere Feinde sehr schwächen. Sobald Ned Stark seinen Sohn davon überzeugen kann in den Norden zurück zu kehren, werden wir uns um Renly und Stannis kümmern."
„Und was ist mit Highgarden?"
„Sie werden einen Eid vor dem König ablegen und wir heißen sie wieder unter uns willkommen!"
„Aber nicht Robb Stark?"
„Seine Mutter hat dich gefangen genommen, seine Tante hat versucht dich zu töten und sie haben immer noch Jamie. Dazu kommt noch, dass sein Vater versucht hat Joffrey vom Thron zu stoßen. Es wird keine Gnade für die Starks geben. Eines Tages werden sie merken, was es bedeutet, meine Familie herausgefordert zu haben. Aber dieser Tag ist nicht heute!", sagte Tywin. Man konnte eine kalte Wut in seinen Augen erkennen und Tyrion wusste, dass sein Vater das Haus Stark komplett zerstören würde bevor diese ganze Rebellion vorbei war. Komischerweise fühlte er sich glücklich darüber, dass sein Vater für ihn in den Krieg zog und seine Feinde vernichtete. Vielleicht, eines Tages, würden sie ein Lied singen mit dem Titel ´Snows of Winterfell` zu den Klängen von `Rains of Castermere`.
Tywin Lannister wandte sich seinem Bruder zu. „Kevan, wir werden hier für einen Tag rasten um den Rest von Jamies Soldaten die Zeit zu geben uns zu erreichen. Danach marschieren wir gen Harrenhal. Schau das es alle wissen und die Vorbereitungen dafür getroffen werden."
Sofort!", sagte Kevan, stand auf und ging. Sobald er gegangen war nahm Tywin seinen Kelch mit Wein und trank einen großen Schluck. Dann schaute er Tyrion an. „Da ist noch eine Sache. Deine Schwester hab mir befohlen nach King's Landing zu kommen und Joffreys Hand zu werden."
„Herzlichen Glückwunsch. Möge es dir mehr Glück bringen als den letzten beiden!"
Tywin ignorierte den Kommentar, „Sie hat es mir befohlen!", spottete er, „Cersei ist zu eingebildet geworden. Sie hat vergessen das sie in erster Linie immer noch meine Tochter ist!"
„Trotzdem ist sie die Königin!"
„Königin Regentin!"
„Ach ja, stimmt das hatte ich vergessen. Ihr geliebter Ehemann Robert ist ja tot."
Tywin trank einen weiteren Schluck und setzte sich zurück auf seinen Stuhl. „Ich mochte diesen Mann nicht, aber Robert Baratheon war nicht dafür gemacht auf dem Thron zu sitzen. Er war dafür gemacht auf einem Pferd zu sitzen und mit seinem Kriegshammer Köpfe einzuschlagen. Seine Faulheit und das Trinken bekamen ihm nicht. Es ist eine Schande, dass er so gestorben ist. Solch ein Mann hätte im Kampf sterben sollen.
„Das tat er doch. Er kämpfte gegen einen wilden Eber."
Tywin schwieg einen Moment, während er seinen Sohn mit seinen Grünen, golden-geflockten Augen ansah. „Nachdem die Sache mit Ned Stark geklärt ist, wirst du nach King's Landing reiten und an meiner statt Hand des Königs sein!"
Nach all den Schockmomenten und Überraschungen der letzten Stunde war diese doch die größte. „Ich? Als Hand des Königs? Warum nicht Onkel Kevan? Oder irgendjemand anderes?"
„Weil du mein Sohn bist. Und es scheint du hast mehr als nur einen Tropfen Verstand für diese Aufgabe. Mit Ausnahme der Gesellschaft in die du dich immer begibst und deinen Kommentaren die zu oft von deiner Zunge kommen."
„Und was soll ich bitte in King's Landing machen? Cersei wird mich auslachen und schneller ausbooten, als das ich es mir im kleinen Rat gemütlich machen kann."
„Du bekommst von mir einen versiegelten Brief in dem alles drin steht und das sie meine Entscheidung zu akzeptieren hat. Sie hat das zu tun was ich ihr sage, genauso wie ihr Kinds-König. Und der Rest natürlich auch. Mach was nötig ist, damit die Stadt sicher und vorbereitet ist für einen Angriff."
„Tun was immer ich will? Auch mit Varys, Baelish und Pycelle?"
„Besonders diese drei. Ich habe versucht viele Informationen einzuholen, warum Catelyn Stark glaubte, dass du ihren Sohn ermorden wolltest. Und auch warum Lysa Arryn glaubt du hättest etwas mit dem Tod ihres Mannes zu tun. Ich bin mir sehr sicher, dass du für beide Taten Unschuldig bist."
„Wenigsten einer, der mir glaubt und die Wahrheit kennt!"
Sein Vater schnitt eine Grimasse. „Jemand hat dich als seine Schachfigur in dem `Spiel der Throne` , das sie spielen, benutzt, damit Haus Stark gegen Haus Lannister vorgeht. Aber was passiert ist, ist passiert. Ich möchte wissen, wer damit angefangen hat, damit dieser Jemand sehr bald von einem Galgen baumeln kann. Ich habe das Gefühl, dass bestimmte Ratten in King's Landing etwas Falsches in bestimmte Ohren geflüstert haben."
Tyrion grinste, „Genau den gleichen Gedanken hatte ich auch Vater. Ich werde meine eigenen Informationen sammeln wenn ich dort eintreffe."
„Sammle so viele Informationen wie du willst. Du hast als Hand des Königs diese Macht. Beginne mit Ned Stark sobald du ihn gefunden hast. Jedoch musst du in King's Landing aufpassen und es heimlich machen. Diese Ratten haben ihre Ohren überall und sie hören genau zu!" Tywin stand auf und ging in Richtung Tür. „Ach und noch etwas. Lass deine Hure hier zurück, wenn du nach King's Landing aufbrichst!"
Tyrion antwortete nichts und war auch nicht überrascht das sein Vater über Shae Bescheid wusste. Nachdem sein Vater gegangen war trank er den Rest Wein aus seinem Kelch aus. ´Finde Ned Stark, erobere Harrenhal, sein für mich die Hand des Königs, finde heraus wer das alles arrangiert hat, meine Hure zurück lassen´. Nun Vater ich werde tun was du sagst, zumindest das meiste.
Draußen wurde es immer dunkler und er fand Bronn und Timett dort wo er sie zurückgelassen hatte, inmitten der Armee die Vorkehrungen für die Nacht trafen. „Was gibt es neues?", fragte Bronn ihn, als Timett ihm wieder auf sein Pferd half. Bronn und Timett bestiegen ebenfalls ihre Pferde während Tyrion antwortete.
„Wir werden morgen früh aufbrechen, nehmen Harrenhal ein, versuchen Ned Stark zu finden, beschützen ihn und bringen ihn zu meinem Vater. Danach werden wir uns nach King's Landing aufmachen wo ich als Hand des Königs anstelle meines Vaters fungieren soll!"
„Das ist alles?", fragte Bronn, „Dann sollten wir wohl schleunigst etwas Gutes zu essen und etwas Schlaf bekommen!"
„Die Halblings Hand!", sagte Timett und lachte.
„Eines Tages werden sie ein Lied daraus machen!", antwortete Tyrion und grinste. „Kommt meine Kumpanen. Lasst uns unsere Männer finden um dann etwas zu essen und zu trinken und danach den Wohlverdienten Schlaf bekommen."
Unterwegs fand Tyrion das geröstete Schwein was er versprochen hatte. Sie aßen und tranken etwas. jedoch bekam zumindest Tyrion diese Nacht nicht so viel Schlaf wie er eigentlich wollte. Shae kam in der Nacht zu ihm, streichelte seinen Bauch und sein Bein und kurz Zeit später verloren sie sich in ihrer Welt und fickten die ganze Nacht. Bronn hatte recht gehabt. Nach einem Kampf brauchte ein Mann eine Frau… und was für eine Frau sie war.
Nach ihrem Schäferstündchen lagen sie noch beim ihm im Bett und tranken einen guten Wein vom Arbor. „Ich muss morgen früh losziehen!"
„Wohin geht ihr?"
„Die Aufgaben die mir mein Vater aufgetragen hat erledigen."
„Werde ich dich begleiten?"
„Mein Vater, der Mistkerl, hat es verboten!"
Sie lachte, „Tut ihr immer das was euer Vater verlangt?"
„Nein, und auch dieses Mal werde ich es wohl nicht tun. Aber der erste Teil der Aufgabe wird sehr gefährlich. Wir werden wahrscheinlich kämpfen müssen."
„Ich kann genauso einen Mann töten wie du es kannst!"
Dieses Mal musste Tyrion lachen, „Das glaube ich dir sofort. In Ordnung du kannst mit kommen. Du musst aber bei den Diener und den Essenswagen mitreisen."
Sie schmollte, „Aber nachts kann ich dich in deinem Zelt besuchen?"
„Meistens ja!", sagte Tyrion während er sie wieder küsste und ihre Süße testete."
Der Morgen kam viel zu früh und Tyrions Kopf war durch den wenigen Schlaf und den vielen Wein etwas vernebelt. Er sagt Shae kurz auf Wiedersehen damit sie sich tarnen und der Dienerschaft anschließen konnte die ihnen folgen würde. Danach ging er gemeinsam mit Bronn Frühstücken (Brot, Fisch, Eier und Bier).
„Ihr seht heute Morgen etwas missmutig aus Bronn", bemerkte Tyrion.
„Ser Geoff ist gestorben", erzählte Bronn ihm, „Sein gebrochenes Bein hat den Transport nicht überstanden. Der Maester hat mir erzählt, dass er tot war als wir gestern Abend gestoppt haben."
„Du bekommst trotzdem sicher ein paar Kupferstücke für seine Knochen!"
„Das ist die Anstrengung nicht Wert. 100 Golddrachen wären es wert gewesen, aber nicht ein paar Kupferstücke."
„Denk nicht einmal dran mir dieses Gold auch noch auf die Rechnung zu setzten!"
„Ihr schuldet mir diese Summe sowieso. Und noch mehr!"
„Solltest du beim nächsten Kampf auch wieder vergessen an meiner Seite zu sein, dann werde ich dir wahrscheinlich gar nichts bezahlen können!"
Bronn lachte, „Ich werde so nahe bei euch bleiben, so dass ihr meinen Geruch nie wieder los werdet."
Tyrion rümpfte die Nase, „Wo wir gerade davon sprechen… Bei nächster Gelegenheit wirst du ein Bad nehmen. Und zwar ein langes heißes!"
„Na gut. Aber ihr riecht auch nicht gerade wie eine Rose.", antwortet Bronn und schniefte kurz.
„Ich würde liebend gern ein Bad nehmen wenn dies möglich gewesen wäre. Vielleicht in Harrenhal."
Bronn Gesicht wurde ernste, „Wie genau stellt sich euer Vater eigentlich vor, dass wir die Festung einnehmen?"
„Er meinte wir sollen einen Trick anwenden!", erklärte ihm Tyrion, „Du kennst nicht zufällig ein paar gute?"
„Natürlich, aber keine um das größte Schloss das je gebaut wurde einzunehmen."
Tyrion nippte an seinem Bier, „Laut meinem Vater, hat Lady Whent nur ein paar Leute in der Burg."
„Sie brauchen auch nur ein paar Leute um die Burg zu verteidigen. Ihre Mauer sind hoch und breit."
„Das Schloss ist eine Ruine. Wir finden vielleicht ein ungeschütztes Tor oder einen Stelle wo die Mauer nicht mehr so hoch ist. Ein paar Seile und ein paar Enterhacken in der Nacht und…"
Bronn stand abrupt auf. „Wie recht ihr habt. Ich werde am besten direkt nachschauen ob wir so etwas hier haben."
„Wir brechen in einer halben Stunde auf!"
„Wartet nicht auf mich", rief er Tyrion zu und lies ihn zurück. Sobald Bronn verschwunden war, trat sein Knappe Podrick Payne ins Zelt und begann das Frühstück abzuräumen."
„Läuft alles glatt bei dir Pod?"
„Milord?", fragte Podrick nervös.
Tyrion seufzte, „Wie geht es dir?"
„Ganz gut Milord." Der Junge war immer sehr nervös und sagte selten ein Wort. Nur dann wenn man ihn direkt ansprach. Leider war es dadurch sehr langweilig mit ihm.
„Wir werden heute und die nächsten Tage wohl sehr viel reiten", erzählte er Pod, „Schau das mein Zelt und meine Sachen gut verpackt sind. Aber zuerst muss ich mich anziehen."
„Eure Rüstung ist immer noch beim Schmied um repariert zu werden, Milord."
„Ich gedenke sie eh nicht zu tragen. Schon gar nicht mit diesem Ellenbogen. Aber wir sollten sie trotzdem mitnehmen, repariert oder nicht. Heute nur ein Kettenhemd und häng meinen Helm und meine Axt bitte an mein Pferd." Er nahm seinen Arm aus der Schlinge und streckte ihn, damit Pod ihm helfen konnte sein Kettenhemd anzuziehen. Er war ihm etwas zu lang und hing ihm bis zu den Knien aber es würde für jetzt reichen.
Draußen in der aufgehenden Sonne bauten seine Leute die Zelte ab und machten sich bereit zum Abmarsch. Er sah Shagga, der etwas blass unter seinem Bart wirkte, der versuchte auf ein Pferd zu steigen, da er auf keinen Fall zurückgelassen werden wollte trotz seiner Wunden. Bald konnte man von der Straße eine Wolke aus Staub aufsteigen sehen und kurz darauf war eine Gruppe Reiter mit Lanzen zu sehen die im Galopp auf Tyrions kleines Camp zuhielt.
„Lord Tyrion", rief der Mann der die Gruppe anführte. Pod nahm die Zügel als der Mann abstieg und neigte kurz das Haupt. „Ich habe die Ehre mich ihnen vorstellen zu dürfen. Ser Jason Matigar, der Anführer eurer Kavallerie." Er war Ende Zwanzig, hatte blondes Haar und war deutlich größer als Tyrion, so dass er für ihn wie ein Turm aussah.
„Herzlich willkommen, Ser Jason. Wie viele Männer bringt ihr mit euch?"
„85 Reiter plus zehn Ritter. Mich miteingerechnet." Dies waren weniger als sein Vater versprochen hatte aber es würde genügen. „Wir reiten los, sobald meine Leute fertig sind und unser Gepäck verpackt ist. Was wisst ihr von unserem Auftrag?"
„Euer Lord Vater sagte, dass wir euch beschützten sollen und euch helfen sollen Harrenhal einzunehmen wenn dies möglich ist."
„Ja sollte es tatsächlich möglich sein! Er sagt sonst nichts?"
„Nur das ich euch nach King's Landing begleiten soll, wenn ihr es mir befiehlt."
Nichts von Ned Stark. Sein Vater behielt diese Information für sich und das würde Tyrion auch tun. „Es kann passieren, dass wir Räuber und Geächtete, die von Beric Dondarrion angeführt werden, auf dem Weg nach Harrenhal treffen. Sendet Scouts aus, damit sie uns berichten können und wir nicht überrascht werden."
„Sehr wohl, Milord.", antwortete Ser Jason und schaute dann die Wildlinge an, die gerade ihre Bergponys bestiegen, angezogen in ihrer rauen Kleidung und die besten Lannister Waffen an ihrem Körper tragend. „Kommen diese Männer mit uns?", fragte er überrascht.
„Ja, das tun sie. Ich würde sie euch vorstellen doch leider fehlt uns die Zeit. Jedoch sagt euren Männern bitte, dass sie keine Witze über sie machen sollen oder gegen sie Würfelspiele spielen sollen wenn wir anhalten. Sie nehmen sich Scherze sehr zu Herzen und sind schnell beleidigt. Und bei Würfelspielen betrügen sie, sagen aber das ihr selber betrogen habt und versprechen euch, dass sie eure Männlichkeit abschneiden würden und sie an die Ziegen verfüttern, solltet ihr sie nicht bezahlen."
Ser Jason schnaubte, „Solche Männer sind keine richtigen Krieger."
„Sie sind auch keiner Soldaten.", sagte Tyrion, „Sie sind meine Wilden Männer und ich bin von ihnen sehr angetan!"
„Vielleicht ist es besser wenn wir zwei verschiedene Camps machen wenn wir anhalten, Milord."
„Eher mehr als zwei. Eins für uns und eins für jeden Stamm. Sie werden darauf bestehen, da sie in ihrem Camp nur die Gesellschaft ihres eigenen Stammes wollen. Aber wenn sie betrunken sind dann wandern sie auch mal in die anderen Camps. Deswegen sagt bitte euren Männer was ich eben gesagt habe!"
„Es wird schwierig sein Wachen aufzustellen, wenn wir so weit verstreut sind.", überlegte Ser Jason."
„Ihr müsst euch nur um unser Camp und die Verpflegungswagen Sorgen machen. Wie Wildmänner bewachen sich selbst!"
„Wie ihr befehlt, Milord."
In diesem Moment kam ein Reiter im schnellen Galopp angeritten. Er reichte Tyrion einen versiegelten Brief. „Von Lord Tywin!", sagte er und verschwand so schnell wie er gekommen war. Die Rolle hatte Cerseis Namen darauf und war mit Goldenem Wachs und dem Siegel seinen Vaters verschlossen. Tyrion wusste das dies seine Eintrittskarte in den kleinen Rat und für die Hand des Königs war. Er steckte sie vorsichtig in eine der Seitentaschen auf seinem Pferd.
Ein halbe Stunde später war alles bereit. Selbst Bronn war rechtzeitig wieder da und hatte ein paar Seile und Enterhacken im Gepäck. Er verstaute sie auf einem der Wagen die sie begleiteten. Tyrion inspizierte die Wagen am Ender der Kolonne und stellte zehn von Ser Jasons Männern ab um die Wagen zu bewachen. Er erspähte Shae, die in einem der Wagen saß und nickte ihr kurz zu als er auf seinem Pferd vorbei ritt.
Dann ritt er gemeinsam mit Bronn, Timett und Ser Jason an seiner Seite und Pod direkt hinter ihm an die Spitze der Kolonne. Nachdem er alle vorgestellt hatte sprachen die vier Männer darüber wie man am besten nach Harrenhal kam. Sie beschlossen, dass sie die gleiche Straße zurück reiten würden, von wo sie gestern kamen und dann sich direkt nach Süden in Richtung Harrenhal halten würden. Es gab nur wenige Straßen und das Land war größtenteils flach. Es würde erst hügeliger werden, wenn sie näher an Harrenhal heran kämen. Als sie losritten, war das Camp bereits sehr geschäftig, jedoch bekamen nur wenige mit, dass sie überhaupt aufbrachen. Nach gut zehn Minuten erreichten sie den Rand des Camps und die Wachen ließen sie an den äußersten Barrikaden vorbei.
Tyrion schickte Ser Jason zu seinen Scouts damit er sie aussenden konnte und ritt dann die meiste Zeit alleine mit Bronn, wobei Pod nie weit weg von ihm war.
„Was soll ich zu Ned Stark sagen wenn wir ihn treffen?", fragte Tyrion Bronn nach einer langen Pause.
„Woher soll ich das wissen?", antwortete Bronn in seiner frechen Art, „Ihr seid derjenige der die Erfahrung hat wie man einem Lord den Arsch küsst!"
„Das Problem ist, dass wenn du ein Sohn aus Casterly Rock bist, dann küssen dir die Leute normalerweise selber den Arsch auch wenn er so tief hängt wie meiner. Ned Stark ist jedoch jemand ganz anderes. Er ist ein Stark aus Winterfell der seine Linie über Tausend Jahre bis zu Bran dem Erbauer zurückverfolgen kann wenn man den Legenden traut."
„Er ist aber kein Lord mehr da er ein gebrandeter Verräter ist und beschlossen hat sich der Nachtwache anzuschließen."
„Wohl wahr. Ich habe ihn einmal auf Winterfell getroffen bevor der ganze Mist hier begann. Er ist ein Interessanter Mensch, etwas sehr strikt aber er war ein guter Gastgeber auch wenn er mich nicht mochte. Sein Frau denkt, dass ich versucht habe ihren Sohn zu töten und ich denke das Lord Eddard dies auch denkt."
„Hast du?"
„Hab ich was?"
„Versucht ihren Sohn zu töten?", fragte Bronn ruhig als würde man ihn fragen wie er geschlafen hätte.
„Natürlich nicht", sagte Tyrion aufbrausend, „Warum würde ich einen Jungen töten wollen?"
„Wenn nicht du, warum sollte es dann jemand anders tun?"
„Ich habe keine Ahnung. Aber was mich wirklich interessiert… wer hat die Idee, das ich etwas damit zu tun habe, Lord und Lady Stark erzählt."
„Sie hat es nicht gesagt. Warum sollte sie auch?"
„Ich hatte nie die Chance ihr zu verdeutlichen das ich es nicht war. Aber ich werde es ihm verdeutlichen."
Bronn schnaubte. „Wenn wir ihn finden. Es liegen viele Kilometer zwischen hier und King's Landing. Sie könnten überall sein."
„Oh wir werden Ned Stark schon finden", sagte Tyrion selbstsicher. „Wir müssen. Vater hatte Recht. Er ist der Schlüssel zu allem, nicht nur für die Aufklärung dieses Mysteriums. Der Schlüssel zur Freiheit meines Bruders, zur Heimkehr der Armee von Robb Stark und um den Frieden wieder in dieses Land zu bringen."
„Manche der Männer hinter uns werden sterben nur für den Versuch ihn zu finden und um den Frieden wiederkehren zu lassen."
„Die Götter und das normale Volk werden es ihnen danken wenn alles vorbei ist und wieder Friede herrscht", sagte Tyrion.
Sein Vater hatte nichts dazu gesagt aber Tyrion wunderte sich, ob er Ned Stark wirklich lebend die Wall erreichen lassen würde, da er ja plante eines Tages seinen Sohn und dessen Familie zu vernichten. Würde der ehrliche Ned Stark zu seinem Eid stehen und würde tatenlos zusehen wie seine Familie vernichtet würde? Tyrion glaubte es nicht.
Aber das lag in der Zukunft. Nun musste er erstmal den Mann finden. Ned Stark, wo bist du?
