Kapitel 3
Alfreds Sicht
Ich konnte nicht schlafen.
Es war bestimmt schon 8 Uhr morgens und ich wälzte mich immer noch in dem großen Sarg herum, den Herbert und ich eines Tages teilen würden.
Obwohl ich zugegeben hatte, etwas für ihn zu empfinden, war ich noch nicht bereit mit ihm ein Bett... ich meinte Sarg zu teilen.
An dieser Intimitätsgrenze war ich noch nicht angelangt.
Es jagte mir zwar bei jeder seiner Berührungen ein angenehmer Schauer den Rücken herunter und bei jedem Gedanken an ihn flogen 100 Schmetterlinge in meinem Bauch wild herum, aber so weit war ich noch nicht.
Andere hätten mich an diesem Punkt gedrängt, aber Herbert akzeptierte meine Unschuld.
Er sagte sogar, dass er gerade dies an mir liebte.
Weil diese Unschuld nicht gespielt war.
Er wartete, bis ich bereit war und zwang mich zu nichts.
Das berührte mein Herz.
Er hatte mich auch erst gebissen, als ich ihn darum gebeten hatte.
Gut bei unserem ersten richtigen Treffen, damals im Bad hatte er es versucht, damals kannten wir einander noch nicht so gut, fühlten uns aber bereits zum anderen hingezogen.
Wenn er bei mir im Sarg geschlafen hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht den ganzen Tag wach gelegen.
Ich hatte ihn nicht mehr gesehen, seit Koukol seinem Herren und dessen Sohn berichtet hatte, dass er den Professor, den der Graf ja so gründlich suchen gelassen hatte, gefunden und eingesperrt hatte.
Es tat mir weh, zu wissen, dass der Professor, der auf unserer Reise zu einer Vaterfigur geworden war, die ich nie gehabt hatte, mich nun so sehr verachtete.
Wenn er doch nur wüsste, wie es ist ein Vampir zu sein.
Naja gut... der einzige Unterschied ist die Unstillbare Gier, die man hat, wenn man einer geworden war.
Und die schärferen Sinne.
Ich seufzte.
Nicht nur ich war traurig auf die Wut des Professors, sondern auch der Graf.
Niemand wusste warum, aber seit des Professors flucht, war er nicht mehr, der Graf von Krolock, den ich kennen gelernt hatte.
Er wirkte nun irgendwie... zerbrochen...
wie ein Puzzle, bei dem ein einziges Stück nur fehlte.
Das Herzstück.
