Alexis

Oh Mann, in was für einem Loch und Schlamassel war ich hier nur gelandet?
Über mir hörte ich das Gestampfe der Mannschaft an Deck und es hörte sich so an, als würden wir unseren Liegeplatz verlassen.
Nicht nur, dass ich entführt wurde…nein…diese blutrünstige Bande von Piraten hatte mir auch noch meine bevorstehende Verlobung verdorben, was mich fast noch mehr ärgerte.
Schließlich hatte ich lange genug darauf gewartet, dass Commodore Norrington endlich seinen Mut zusammennahm und mich fragte, ob ich seine Frau werden will.
Dieses miese Piratenpack !
Ich sah mich um, um möglicherweise ein sauberes und nicht allzu feuchtes Fleckchen zu entdecken, wo ich mich hinsetzen konnte, aber hier war alles gleichmäßig verdreckt und nass.
Mein Gott, vielleicht hatte dieser runtergekommene Kahn schon was weiß ich wie viele Löcher und wir würden eher absaufen, als je den nächsten Hafen zu erreichen…
Andererseits war dieses Schiff schon so marode, dass die Schiffe unserer Navy eigentlich keinen Tag brauchen sollten um uns einzuholen. Genau so würde es laufen und in höchstens zwei oder drei Tagen wäre ich wieder zu Hause in Port Royal und könnte in meinem warmen Bett schlafen und darauf warten, dass Norrington um meine Hand anhält.
Ich setzte mich in eine Ecke und irgendwann übermannte mich der Schlaf. Ständig wachte ich wieder auf, aber wenigstens fand ich etwas Ruhe…na ja, wenn man überhaupt von Ruhe sprechen konnte. Ständig rumpelte irgendwas durchs Schiff und man konnte nicht wirklich unterscheiden, ob es sich dabei um ein Crewmitglied oder einfach nur ein Fass handelte.
Am nächsten Morgen, jedenfalls nahm ich an, dass es Morgen war, kam jemand zu mir herunter. Es war der Kerl namens Marty und er starrte mich so lange an, dass es schon obszön wurde.
Außerdem war es mir mehr als peinlich, dass ich nur meine Nachtwäsche trug und sein Geglotze nervte mich.
„Was gibt's da zu gucken?" fuhr ich ihn an.
Er grinste blöd und trat einen Schritt auf mich zu, um mich noch besser sehen zu können.
Ich wich unwillkürlich einen Schritt vom Gitter zurück. Nicht weil ich Angst vor ihm hatte, sondern weil sein Körpergeruch mehr als streng war.
„Ich hab noch nie ne echte Adlige gesehen…Ist euer Blut wirklich blau?"
„Ja", gab ich zurück und verdrehte meine Augen. „Blau und ätzend wie Säure…also Pass bloß auf, dass du mich nicht verletzt…"
Der Pirat sah mich mit großen Augen an und schien mir tatsächlich zu glauben. Er machte auf dem Absatz kehrt und rannte die Stiegen hoch.
„Hey", rief ich ihm hinterher, aber er reagierte gar nicht. Ich schüttelte den Kopf über so viel Dummheit in einer Person.
„Idiot", murmelte ich und wollte mich wieder setzen, als er plötzlich mit dem Vater der Piratenbraut und noch drei anderen dreckigen Kerlen zurückkam.
Der Kerl namens Marty zeigte auf mich und flüsterte dem riesigen Piraten etwas zu, woraufhin dieser ungläubig den Kopf schüttelte und Marty wegschubste.
„Du glaubst auch wirklich alles…", reif er dann lachend und kam plötzlich zu mir ans Gitter.
„Und ihr, Prinzesschen hört gefälligst auf der Crew solche Märchen über ätzendes Blut zu erzählen."
„Ich bin keine Prinzessin, falls ihr es noch nicht gemerkt haben solltet…ich bin eine Lady!"
Der Riese lachte laut.
„Oh ja, natürlich…ich vergaß…bitte verzeiht mir meinen Faux-Pas!"
Mit einer Verbeugung drehte er sich zu seinen Leuten, die ebenfalls lachten.
„Seht ihr, ich kenne auch ein paar gebildete Wörter!"
Ich verdrehte die Augen.
„Allerdings weigere ich mich zu glauben, dass ihr sie richtig benutzen könnt…!"
Sein Lachen verstummte schlagartig.
„Passt bloß auf, was ihr sagt! Sonst droht euch mehr als nur der Knebel!"
Leider war ich mir ziemlich sicher, dass seine Worte nicht nur leeres Geschwätz waren und ich versuchte es anders.
„Allerdings denke ich, dass ihr intelligent genug seit um zu wissen, dass ihr mir besser kein Haar krümmt…Ansonsten könnt ihr euch nämlich von eurem Lösegeld und der Pearl verabschieden. Mein Vater und Commodore Norrington werden euch die halbe Royal Navy hinterher schicken, wenn ich ihnen berichte, dass ihr mich misshandelt habt."
„Ach tatsächlich? So weit es mir bekannt ist, kümmert sich die Royal Navy aber nicht um private Angelegenheiten von nicht-militärischer Bedeutung…Norrington wird es nicht interessieren, was mit ihnen passiert, Prinzesschen."
„Dann seid ihr wohl falsch informiert. Commodore Norrington und ich…"
Ich biss mir auf die Lippen. Wie konnte mir nur so etwas rausrutschen? Erstens ging es keinen was an und schon gar nicht diese Piraten… zweitens war es noch gar nicht offiziell… und drittens hatte ich Norrington damit in eine unerfreuliche Lage manövriert: Die Piraten waren sicher nicht zu blöd um eins und eins zusammenzuzählen und würden mich sicher als Druckmittel gegen ihn einsetzen.
Der große Pirat wurde hellhörig und beugte sich zu mir.
„Ja? Was seid ihr und der Commodore?"
„Gar nichts!" Gab ich barsch zurück und es stimmte ja sogar.
„Danke euch!" warf ich noch hinterher und das verwirrte Shays Vater nun doch etwas.
„Das muss ich jetzt nicht verstehen, oder?"
„Nein, ganz sicher nicht…"
„Wie dem auch sei: Lasst gefälligst die Crew in Ruhe!"
„Ist wohl kaum meine Schuld, wenn eure Crew dumm und leichtgläubig ist! Aber scheinbar ist das ja ein oberstes Auswahlkriterium, um Pirat zu werden…"
„Du…" Der Riese drohte mir mit seiner Faust, als ein Ruf von oben ihn an Deck beorderte.
„Hey, was ist mit Frühstück?" rief ich ihm hinterher.
„Wir sind kein Hotel, Lady Blaublut! Essen sie das, was sie finden!"
Man hörte noch ein Lachen und dann wurde die Luke wieder zugeschlagen.
Ich sah mich angeekelt um und überlegte, wie oft die Crew wohl eine Kakerlakensuppe serviert bekam…
Ich weiß gar nicht, wie lange ich dann schmollend dagesessen hatte, als ich grob am Arm hochgerissen und an Deck gebracht wurde. Dort starrte mich eine Horde völlig verwahrloster Gestalten an und ich musste mich schütteln bei dem Gedanken daran, wann die meisten von ihnen wohl letztes Mal ein Badezimmer von innen gesehen hatten.
Der Piratencaptain, der mir als der berühmt, berüchtigte Jack Sparrow vorgestellt wurde, kam angetänzelt und ich fragte mich, ob seine merkwürdige Art sich zu bewegen auf zuviel Rumkonsum zurückzuführen war.
Wütend sah ich ihn an, aber in der Gefahr des drohenden Knebels, besann ich mich meiner adeligen Herkunft und versuchte mich zu beherrschen.
"Mylady", begann er, " ich hoffe, ihr habt einen angenehmen Aufenthalt an Bord der Black Pearl und..."
Er schwankte bedrohlich und ich zog eine Augenbraue nach oben.
"Geht es euch gut?"
"Wieso?" fragte er irritiert.
"Ihr schwankt recht merkwürdig und seht aus, als würdet ihr jeden Moment der Länge nach aufs Deck knallen... Wisst ihr, zu viel Alkoholkonsum kann ernste Hirnschäden nach sich ziehen..."
"Ich schwanke? Komisch, das is mir noch nie aufgefallen...", nuschelte er dann weiter.
"Seid ihr sicher? Das kommt mir gar nicht so vor und..."
Bevor er noch weiter so unnütz vor sich herbrabbelte, unterbrach ich ihn.
"Habt ihr mich holen lassen, um über euer Rumgetorkel oder eure geistige Gesundheit zu diskutieren? Ich denke nicht, also könnten wir bitte mal auf den Punkt kommen..."
Dieses Schiff und diese Mannschaft und allen voran der Captain war ja wohl ein Witz...
Der Captain wankte noch einen Schritt auf mich zu, hob seinen Zeigefinger und ließ ihn durch die Luft kreisen, als suche er ein Ziel, auf den er ihn richten konnte. Das Ziel war wohl ich und nach ein paar Sekunden, hatte ich seinen Finger fast im Gesicht hängen.
"Jetzt bleiben sie mal locker, Lady! Ich wollte euch nur mitteilen, dass wir Port Royal nun verlassen werden...vielleicht wollt ihr euch ja noch verabschieden... von eurem Vater... oder noch besser: Commodore Norrington, dem unfähigsten Kommandanten der Royal Navy..."
Ein schmieriges Grinsen erschien und ich schluckte meinen Ärger runter, obwohl ich fast daran zu ersticken drohte.
Mir war aber klar, dass man bei dieser unterbelichteten Crew mit listiger Intelligenz mehr erreichen konnte, als mit Wutausbrüchen.
"Und darf ich erfahren, was das Ziel unserer Reise ist?" fragte ich genervt und von oben herab. Herrgott, hatte ich es wirklich nötig solche Spielchen mitzuspielen?
"Wir segeln nach Tortuga!" rief Sparrow mit Begeisterung und seine Mannschaft stimmte mit ein.
"Tortuga?" fragte ich ungläubig. "Mit diesem Schiff?"
"Natürlich", erwiderte Sparrow gelassen. "Was soll das denn heißen: Mit diesem Schiff... ist der feinen Lady unsere Pearl etwa nicht gut genug?"
"Nun ich zweifele einfach daran, dass wir mit diesem heruntergekommenen, holzwurmzerfressenen Wrack, dass sie Schiff nennen, überhaupt die nächste Bucht erreichen können."
Plötzlich herrschte eisiges Schweigen an Deck und keiner rührte sich mehr. Das geschäftige Treiben, welches sonst an Deck herrschte, war völlig zum Stillstand gekommen und alle Blicke waren auf mich gerichtet.
Sparrow sog scharf die Luft ein und auf einmal rief jemand:
"Sie hat die Pearl beleidigt! Über die Planke mit ihr..."
Zustimmung erklang und erschrocken stellte ich fest, dass ich bereits an beiden Armen gepackt wurde und mein werter Freund Will Turner sich das alles aus sicherer Entfernung ansah. Scheinbar hatte er nicht vor auch nur einen Finger zu krümmen, um mir zu helfen.
Dann plötzlich ergriff Sparrow das Wort.
"Halt! Oder wollt ihr demnächst nur noch Seetang-Suppe essen? Wir brauchen sie noch!"
Widerwillig wurde ich losgelassen.
"Trotzdem ist das Frevel", ließ ein anderer Pirat nicht locker.
Sparrow musterte mich kritisch.
"Tja, zu ihrem Leidwesen, Lady, hat er Recht! Die Pearl ist mein Schiff... und sie ist einfach wunderbar!"
Er freute sich wie ein Kind.
"Und ihr, Prinzessin, tätet besser daran meine Pearl nicht noch einmal zu beleidigen! Klar soweit?"
Ich sah ihn nur böse an, erwiderte aber nichts.
"Habt ihr mich verstanden?"
"Jaaaaa", gab ich genervt zurück.
"Knebelt sie und werft sie noch mal für zwei Stunden in das Loch!" befahl Sparrow und ich wurde wieder an den Armen gepackt.
"Aber ich hab doch Ja gesagt, also warum werde ich wieder gefesselt und geknebelt?"
Sparrow grinste nur.
"Na, Strafe muss sein! Und Unwissenheit schützt davor nun mal nicht..."
"Mal sehen, ob ihr auch noch so schlau daherredet, wenn ihr am Galgen baumelt, Sparrow!" fuhr ich ihn an.
"Gut, wir erhöhen auf 3 Stunden...wo kämen wir denn hin, wenn hier jeder mit dem Captain umspringen kann, wie er will?"
Sein Grinsen wurde immer breiter.
"Wartet nur ab: Wenn Commodore Norrington euch in die Finger kriegt, dann..."
"Dann was? Liebe Lady, ihr seit zu optimistisch...Der Commodore hat es nicht und wird es auch nicht schaffen, mich, Captain Jack Sparrow..."
Das Schiff schwankte plötzlich unter einer größeren Welle und Sparrow stolperte. Dabei rammte er einen Mast und hielt sich erst mal verdutzt daran fest. Als er sich wieder aufgerappelt hatte, blickte er in mein grinsendes Gesicht.
"Ja bitte? Was wolltet ihr sagen?"
Wieder drohte er mir mit dem erhobenen Zeigefinger.
"Schadenfreude ziemt sich nicht für eine Lady und wir erhöhen auf 4 Stunden. Wollen doch mal sehen, wer hier zuletzt lacht..."
Mein Grinsen entgleiste dementsprechend und ich machte einen gedanklichen Vermerk, mich demnächst lieber zurückzuhalten.
"Kann ich euch wenigstens um vernünftige Kleidung bitten?" fragte ich resignierend.
"Mmmhhh..." Sparrow musterte mich kritisch.
"Shay wird sich darum kümmern. Sie kann ihnen ne Hose geben und aus ihrem Nachthemd können sie sich ne Bluse zusammenknoten...Allerdings erst, wenn die 4 Stunden rum sind."
"Knoten?" fragte ich ungläubig.
"Wollt ihr jetzt etwa noch undankbar sein?"
"Nein nein", wehrte ich. "Knoten ist perfekt!" murmelte ich dann noch vor mich hin, als ich wieder abgeführt und zurück ins Loch gebracht wurde.

Norrington

Am Hafen herrschte reges Treiben, denn die Dauntless, das Flaggschiff der Royal Navy in der Karibik, wurde klargemacht zum Auslaufen.
Kleinere Schiffe und Beiboote pendelten zwischen der Dauntless, die aufgrund ihres Tiefganges nicht direkt im Hafen ankern konnte und auf der Reede lag, hin und her.
Commodore Norrington versuchte das chaotische Treiben und Beladen so gut wie möglich zu überwachen, aber das stellte sich als schier unlösbare Aufgabe heraus, so dass er sich einfach darauf verlassen musste, dass jeder wusste, was er zu tun hatte.
Als es etwas ruhiger wurde, kam Gillette, der schon etwas abgehetzt aussah, auf den Commodore zu.
"Die Dauntless ist fertig Beladen und klar zum Auslaufen, Sir!" erstatte Gillette bericht.
Norrington kommentierte das nur mit einem Nicken und ging zu Governor Wentworth, der zusammen mit Florance ebenfalls am Pier wartete.
"Ich würde es immer noch für das beste halten, euch zu begleiten, Commodore!" begann der Governor, aber Norrington winkte ab.
"Das wäre viel zu gefährlich für euch, Governor. Es reicht, dass eure Tochter in Gefahr ist und ihr müsst euch schließlich um Port Royal kümmern. Ihr seid der Governor und könnt nicht einfach so die Stadt verlassen."
Insgeheim war Norrington sehr froh, dass er dem Governor schnell hatte ausreden können, dass dieser ihn auf der Dauntless nach Tortuga begleitete. Erstens würde der Governor sich viel zu sehr von seinen persönlichen Gefühlen beeinflussen lassen und zweitens war es nie gut, Politiker an Bord zu haben, die von der Seefahrt nicht den blassen Schimmer hatten, aber sich trotzdem ständig einmischen wollten.
Der Governor nickte geknickt.
"Ja ja, ihr habt ja Recht...", gab er zu. „Sorgt einfach dafür, dass ihr meine Tochter wohlbehalten zurück nach Port Royal bringt..."
"Das werde ich, Governor."
Die beiden Männer reichten sich die Hand zum Abschied und der Governor und Florance drehten sich um, um den Pier zu verlassen.
"Moment", meinte Norrington plötzlich schärfer als beabsichtigt. "Nicht so vorschnell, meine Liebe. Ich sagte, dass der Governor uns nicht begleiten könne, aber von ihnen war dabei nicht die Rede. Sie werden mitkommen!"
Es war klar, dass Norrington Florance nicht über den Weg traute und er schwor sich, dass diese Zofe, wenn er rausfinden sollte, dass sie etwas mit der Entführung seiner Fast-Verlobten zu tun hatte oder bewusst Informationen zurückhielt, was erleben konnte.
Florance sah ihn erschrocken an, aber war viel zu perplex, um etwas dagegen zu sagen.
Der Governor nickte ihr aufmunternd zu und Norrington brachte sie zum letzten Beiboot, dass ihn, Gillette und Florance zur Dauntless brachte.

Shania

Ich grinste schadenfroh, als Jack unserem Prinzesschen vier Stunden Loch aufbrummte. Niemand beleidigt ungestraft seine Black Pearl, das würde Alex schnell lernen.
Will stand neben mir und blickte aus düsteren Augen auf die Szene. Ich sah ihm an, dass er am liebsten etwas unternommen hätte, aber zum Glück hatte er die Warnung meines Vaters nicht vergessen und hielt sich zurück.
Als Alex zurück ins Loch gebracht wurde, kam Jack auf mich zugetaumelt und fuchtelte mit seinem Zeigefinger vor meiner Nase herum.
„Du hast es gehört... Gib ihr ne Hose von dir... aber erst nach vier Stunden!"
„Aber Jack", wollte ich protestieren, kam aber nicht weit.
„Das war keine Bitte, sondern ein Befehl. Klar?"
„Ja, Sir. Captain, Sir."
Auch wenn Jack manchmal nicht so wirkte, war er immer noch der Captain und niemand stellte sein Wort in Frage. Ich wusste wann ich ihm widersprechen konnte und wann nicht und dies war ein Augenblick an dem es nicht angebracht war.
Auch wenn er noch immer nicht ganz nüchtern war, sah ich in seinen Augen immer noch leise Wut über Alex Bemerkungen.
Wenn Jack etwas am Herzen lag, dann war es die Pearl und seine Besatzung.
Seufzend machte ich mich auf den Weg in meine Koje, die ich mir mit meinem Vater teilte.
„Ist wohl besser, wenn ich ihr in nächster Zeit nicht über den Weg laufe", hörte ich Will im Vorbeigehen vor sich hin murmeln.
„Wird schwierig werden", grinste ich ihn an. „Hier gibt es nicht viele Ausweichmöglichkeiten."
„Zur Not hänge ich mich in die Takelage", grinste er zurück und ich ließ ihn mit seinen Gedanken alleine.
In unserer Koje lag mein Vater ausgestreckt auf seinem Bett und schnarchte laut vor sich hin.
Leise setzte ich mich auf die Bettkante und betrachtete ihn liebevoll.
Mit einem leisen Krächzen kam Boomer, Vaters großer blau-gelber Ara, auf meine Schulter geflogen und schmiegte seinen Kopf an meine Wange.
Gedankenverloren begann ich sein Brustgefieder zu kraulen und er schloss genießerisch die Augen.
Wieder musste ich daran denken, dass diese beiden alles waren, was mir von meiner Familie noch geblieben war.
Seit dem Tod meiner Mutter, die ich nie richtig kennen lernen durfte... Nein, bevor mich wieder eine dieser sentimentalen Phasen überfiel, schob ich die trüben Gedanken beiseite und kramte statt dessen seufzend in meinem Seesack nach brauchbarer Kleidung.
Ich förderte eine Hose zutage, die zwar schon bessere Tage gesehen hatte, aber wenigstens sauber war. Die Männer scherten sich hier nicht viel um Sauberkeit und Hygiene, aber ich sah das anders. Vielleicht lag es daran, dass ich eine Frau war, aber sobald sich die Möglichkeit ergab, um irgendwie a ein Bad oder eine Dusche zu kommen nutze ich sie.
Zwar sah ich genauso verwahrlost und heruntergekommen wie alle anderen auf diesem Schiff aus, aber wenigstens stank ich nicht.
Von meiner Schulter aus beobachtete der Papagei ganz genau was ich tat und zwickte mich vorwurfsvoll ins Ohr, als ich nur die Hose aus dem Seesack holte.
„Du alter Gierschlund", schimpfte ich und holte grinsend eine Nuss aus dem Sack. „Genieße sie, es ist die letzte die ich retten konnte, bevor der Koch aus den anderen etwas Ungenießbares gezaubert hat."
Vorsichtig nahm er sie mit seinem Schnabel aus meiner Hand und flog zu seiner Stange. Dort wanderte die Nuss vom Schnabel in den Fuß und Boomer bearbeitete sie solange bis er die Schale geknackt hatte.
Leider war er dabei so laut, dass mein Vater davon wach wurde.
„Wie... was? Angriff... alle Mann zu den Waffen!" Er sprang auf und wollte schon seine Waffen zusammensuchen, als er erst mein breites Grinsen sah und dann den Vogel, der ihn neugierig und mit schief gelegtem Kopf beobachtete. Dabei umklammerte er krampfhaft seine Nuss, die er mit seinem Leben zu verteidigen gedachte.
„Verdammt, Shay! Du sollst dem Vogel doch nichts geben, wenn ich schlafe."
„Tschuldigung."
Er sah mich scharf an und sein Gesichtsausdruck wechselte von amüsiert zu besorgt.
„Ist alles in Ordnung mit dir, Kind?"
„Ja, Vater."
Er musterte mich noch besorgter, schließlich kannte er mich gut genug um zu wissen, dass ich immer recht wortkarg wurde, wenn mich etwas beschäftigte.
„Shay", er setzte sich wieder und zog mich zu sich. „Du weißt, dass dieses Leben nicht mein Wunsch war und dass es anders verlaufen wäre, wenn ich eine Wahl gehabt hätte."
„Wie kommst du darauf, dass ich mein Leben hasse?" fragte ich leise. „Bis auf den Teil mit den Waffen", schränkte ich noch ein und entlockte ihm ein freudloses Grinsen.
„Glaubst du nicht, ich sehe es nicht, wie du jedes Mal bevor wir irgendwo auslaufen, an der Reling stehst und den Häfen sehnsüchtig hinterher blickst? Du und ich, wir wissen beide, dass du nicht für das Piratenleben geschaffen bist. Dazu bist du zu intelligent und zu gutmütig. Shay, es gibt einen guten Grund, warum wir dich bislang aus allen Kämpfen, Überfällen und sonstigen Dingen herausgehalten haben. Und das mit Erfolg, immerhin warst du noch nie gezwungen zu töten."
„Aber..."
„Nein. Auch wenn du denkst, du bist ein Pirat. Du bist es nicht und wirst es niemals sein."
„Und wie kommst du darauf?"
„Will Turner", meinte er nur und ich sah ihn fragend an.
„Anstatt ihn zu töten hast du ihn mitgebracht, nachdem er dich gerettet hat. Hättest du nach unseren Regeln gespielt, wäre er schon längst nicht mehr am Leben und würde hier nicht frei herumlaufen."
„Aber du..."
„Du kennst meine Beweggründe, die mich dazu veranlasst haben dieses Leben zu leben. Mittlerweile habe ich mir einen Namen gemacht, auf den ich weiß Gott nicht stolz bin. Aber für mich ist es zu spät, ich kann nicht mehr zurück. Doch du hast immer noch die Chance auf ein besseres Leben..."
„Nicht ohne dich und wenn ich bis an mein Lebensende auf diesem verrotteten Kahn bleiben muss."
„Lass das bloß nicht Jack hören. Bitte Shay, versuche nicht etwas zu sein, was du nicht bist. Versprich mir das!"
„Hm." Ich beschloss, dass es besser wäre, wenn ich meinem Vater erst mal nichts davon erzählte, wie genau ich aus Port Royal entkommen war. Ich hatte meinen Bewacher zwar nicht direkt umgebracht, aber als ich den Soldaten verletzt hatte, war es mir relativ gleichgültig gewesen, ob er seine Verletzungen überlebte oder nicht. Sollte mein Vater das irgendwie erfahren, würde er mit Sicherheit ziemlich böse werden.
„Schön und jetzt genug der klugen Worte. Geh und lass deinen alten Herrn noch etwas schlafen."
Er drückte mich kurz an sich und scheuchte mich dann nach draußen.
„Und nimm den verdammten Vogel mit", rief er mir noch hinterher, als ich schon fast zur Tür raus war. „Der raubt einem den guten Schlaf!"
Als hätte Boomer jedes Wort verstanden, kam er zu mir geflogen und warf meinem Vater einen beleidigten Blick zu.
Samt Vogel verzog ich mich an Deck und hing meinen Gedanken nach. Ich hatte noch ein paar Stunden, bis ich Alex die Sachen bringen sollte.
Ich verzog mich in meine Lieblingsecke. Mitten auf dem Schiff, aber durch Fässer und dicke Seile nach außen abgeschirmt war dies der einzige Ort, an dem ich mal ein wenig allein sein konnte.
Ich spielte eine Zeit lang mit dem Papagei und döste darüber ein. Als ich wach wurde, war es Zeit, Alex die Sachen zu bringen.
Den Vogel im Schlepptau stieg ich hinunter in den Frachtraum und blieb vor dem kleinen Käfig in der Ecke stehen.
„Hey, Mylady! Deine Zeit ist um!"
Alex fuhr erschrocken hoch, als sie meine Stimme vernahm und blinzelte mich leicht verschlafen an. Ich ging zu ihr und riss ihr den Knebel aus dem Mund.
„Was?"
„Ich sagte deine Zeit ist um!" wiederholte ich und grinste.
„Über die Planke, über die Planke", krächzte Boomer fröhlich drauf los.
„Hey, ich dachte, ihr hättet es euch anders überlegt", beschwerte sie sich sofort.
„Ich befolge nur die Befehle des Captains", meinte ich schulterzuckend und zog meinen Dolch aus dem Gürtel.
Alex wurde blass und versuchte in den letzten Winkel zu robben, als ich mit gezücktem Dolch den Käfig betrat und mich ihr näherte.
„Über die Planke, über die Planke", sang Boomer lustig weiter und flatterte mit den Flügeln.
„Komm mir nicht zu nahe."
„Wieso nicht?" Jetzt verstand ich sie wirklich nicht mehr, was war denn so schlimm daran?
„Ich lass mich nicht von dir abstechen wie ein hilfloses Stück Vieh!"
Ah, jetzt verstand ich. Scheinbar hatte der Vogel sie ein wenig irritiert.
„Na gut", grinste ich breit. „Wenn du nicht willst, muss ich Jack eben sagen, dass du lieber gefesselt bleiben willst... und die Hose kann ich dann auch wieder mitnehmen."
„Ich soll also nicht über die Planke?"
„Niemand geht hier über die Planke. Lass dich nicht von dem hier irritieren, das ist das einzige was er sagen kann. Ich bin hier um dich von deinen Fesseln zu erlösen. Darf ich jetzt näher kommen?"
Misstrauisch beobachtete sie mich dabei, wie ich ihr erst die Fuß- und dann die Handfesseln durchschnitt.
Ich steckte den Dolch wieder weg und warf ihr die Hose zu.
„Hier, zieh das an."
Ein wenig angewidert nahm sie die Hose in Empfang und schlüpfte hinein, dann sah sie hilflos an ihrem Nachtgewand herunter.
„Und wie soll ich das bitteschön knoten?"
Ich verdrehte die Augen, beschloss ihr aber doch zu helfen.
„Zieh es aus!"
„Was? Nie im Leben!"
„Hör zu, Zuckerpüppchen. Du hast nichts, was ich nicht selber habe und im Gegensatz zum Rest der Crew werde ich dich auch nicht gierig anstarren, wenn du dich ausziehst. Also, was jetzt?"
Man konnte ihr ansehen, dass sie sich gar nicht wohl fühlte, als sie sich entblößte und mir das Nachthemd zuwarf.
Mit ein paar raschen Messerschnitten brachte ich es auf eine angemessene Länge und gab es ihr wieder zurück.
„Und jetzt?"
„Ich hab dir extra zwei lange Streifen gelassen, die knotest du jetzt zusammen."
Sie fummelte unbeholfen an dem Stoff herum und sah mich schließlich auffordernd an.
„Oh man, hat man dir denn gar nichts beigebracht?" stöhnte ich. Trotzdem ergriff ich den Stoff und knotete ihn fest unter ihrer Brust zusammen. „Bevor du fragst, ja das hält und geht ganz sicher nicht auf."
Ich trat ein paar Schritte zurück und begutachtete mein Werk.
„Wenn dein geliebter Norri dich so sieht, wird er vermutlich seinen ganzen adligen Anstand über Bord werfen und dich sofort vernaschen", grinste ich sie an und flüchtete schnell nach draußen, bevor ich mir wieder irgendwelche Beleidigungen anhören musste.

Alexis

Shania war ganz schön dreist, dachte ich. Erst musste ich mich halb vor ihr ausziehen und dann beleidigte sie auch noch meinen und Commodore Norringtons Anstand. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich schon zuviel preisgegeben hatte und sie ahnte, dass Norrington auch großes persönliches Interesse an meiner Befreiung hatte.
Als ich an mir herunterblickte, fragte ich mich doch, ob Shania nicht doch ein kleines bisschen Recht haben könnte. Ich hatte wirklich nichts zu verbergen…eigentlich…aber normalerweise wäre ich natürlich nie auch nicht in 1000 Jahren so unangezogen rumgelaufen.
Mein Bauch war nackt, die schwarze Hose, die Shania mir gegeben hatte reichte nur bis zu meinen Waden und von dem zusammengeknoteten Nachthemd sprechen wir mal gar nicht.
Merkwürdigerweise musste ich zugeben, dass diese Art von Kleidung aber sehr bequem war. Sie war leicht, viel leichter als die schweren Kleider, die ich sonst immer trug und ich konnte mich frei darin bewegen ohne dass das Korsett mir die Luft abzuschnüren drohte.
Trotzdem konnte ich mir kaum vorstellen, dass ich Commodore Norrington so gefallen würde. Ich sah absolut nicht mehr nach einer Lady aus und wäre wahrscheinlich gut selbst als Pirat durchgegangen. Allerdings als einer mit etwas mehr Stil und ohne aufdringlichen Körpergeruch.
Nach kurzer Zeit kam Shania zurück und grinste immer noch.
„Danke für die Kleidung und eure Hilfe", meinte ich ruhig und sie sah mich mit großen Augen an.
„Was denn? Keine Beleidigungen?"
Ich seufzte.
„Nein. Ich weiß, was sich gehört und hier ist Dank angebracht."
„Dann setz deine Danksagungen gleich bei Jack fort. Er erlaubt dir nämlich, dich an Deck aufzuhalten. Sofern du das wünscht…"
Immer noch etwas irritiert darüber, dass sie mich einfach duzte, antwortete ich höflich.
„Danke, sehr gern…ich könnte etwas frische Luft gut gebrauchen."
Shania brachte mich nach oben und als ich mich umsah, bemerkte ich, dass wir uns schon auf hoher See befanden und weit und breit kein Fleckchen Land in Sicht war. Mir wurde etwas mulmig bei dem Gedanken, dass die Pearl sich nicht gerade im allerbesten Zustand befand. Zumindest nicht, verglichen mit den Schiffen der Royal Navy.
Die frische Luft gefiel mir trotzdem und an den nächsten Tagen der Überfahrt, verbrachte ich viel Zeit an Deck und beobachtete die Mannschaft.
Mir fiel auf, dass Will Abstand zu mir hielt. Er sprach nicht mit mir und sah mich kaum an.
Scheinbar hatte er doch ein schlechtes Gewissen und eventuell war es ihm auch verboten, Kontakt mit mir aufzunehmen.
Der Gedanke, dass Will so gut wie freiwillig hier war und er Shania wirklich geholfen hatte, machte mich todtraurig. Wahrscheinlich würde das auch für ihn den Tod am Galgen bedeuten, denn Norrington verstand, wenn es um Piraten ging keinen Spaß.
Wieso hatte Will das nut getan?

Florance

Nach dem mich Commodore Norrington auf die Dauntless begleitet hatte blieb er kurz stehen. Er schaute mich an und sagte
„Miss Scarborough, ich weiß, dass es euch zuwider ist, mit uns auf diesem Schiff zu reisen, doch ebenso gut weiß ich, dass euch an Symphony Alexis auch sehr viel liegt. Da ihr nun einmal diejenige ward, die diese Piraten gesehen hat, benötigen wir auch Eure Hilfe."
Es verwunderte mich schon, nette Worte aus Norringtons Mund zu hören, doch ich wusste auch, dass es keine besonders prickelnde Überfahrt nach Tortuga werden würde, wenn Norrington und ich uns nur gegenseitig herunter machen würden und für die Rettung von Alex würde es auch nicht sehr hilfreich sein.
„Ich hätte noch eine Bitte, Commodore. Ihr werdet doch eine junge Dame nicht ohne ihr Gepäck reisen lassen? Oder?"
Norrington verstand, doch er ließ mich nicht selbst zum Haus des Governors zurück, sondern schickte Gillette dorthin mit der Anweisung, mir das Nötige aus meinem Zimmer zu holen.
Nachdem Gillette meine Sachen brachte, sie waren ungewöhnlich gut gepackt und nichts fehlte, legten wir ab und fuhren hinaus aufs offene Meer.
Ich kannte mich auf diesem Schiff nicht aus und schaute mich erst einmal auf Deck um. Die Zeit vergaß ich hierbei ganz, bis Norrington neben mich trat.
„Miss Scarborough, es ist angerichtet und ich würde mich freuen, wenn ihr mit mir speisen würdet."
Norrington zeigte in Richtung einer Tür und ich folgte ihm. Nur das Beste war aufgetischt. Er zeigte mir einen Platz und wir begannen zu essen. Er bot mir Wein an, wahrscheinlich als Friedensangebot, und reichte mir den Nachtisch, Gillette aß mit uns. Nach dem Essen, als alles wieder abgeräumt wurde entschuldigte sich Gillette und sagte er habe noch zu tun.
Als Norrington und ich uns allein in dem Raum befanden begann er.
„Ich habe das Gefühl, ihr wisst mehr, als ihr mir bisher über diese Piraten erzählt habt. Ich habe bereits meine Vermutung geäußert, dass es sich hierbei mal wieder um eine Tat von Jack Sparrow handelt, da wohl kein Pirat so Tollkühn wäre, direkt vor Port Royal mit seinem Schiff zu ankern. Ihr habt meinen Verdacht jedoch noch nicht bestätigt…"
„Ja", sagte ich, „es handelt sich hierbei um Jack Sparrow. Aber könntet ihr mir sagen Commodore, warum er ausgerechnet vor Port Royal geankert hat?"
„Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, jage ich ihm schon eine ganze Weile hinterher, ich hatte ihn auch schon ein paar Mal, doch er ist immer wieder ausgebrochen. Einmal haben wir ihn bei einem Ausbruch überrascht, als er seine Habe zusammenpackte, er floh und vergaß eine Sache. Seinen Kompass. Ich weiß nicht warum, aber dieser Kompass zieht ihn immer wieder zu mir hin, es muss irgendetwas mit diesem Kompass auf sich haben, denn er will ihn um jeden Preis wiederhaben." Er machte eine kurze Pause. „Ward ihr auf der Black Pearl, Miss Scarborough?"
Diese Frage überraschte mich, wie kam er nun darauf. Ich dachte mir, dass er es sowieso herausbekommen würde.
„Ja, Commodore, ich war auf der Black Pearl, dort wurde mir der Auftrag gegeben, meine Nachricht an den Governor zu überbringen und man brachte mich zurück nach Port Royal."
Norrington schien nicht sonderlich überrascht, sondern eher bestätigt, da seine Vermutung richtig war. Nach diesem Gespräch begab ich mich in mein Bett um ein wenig zu schlafen. Die Dauntless segelte derweil immer weiter in Richtung Tortuga.
Die nächsten Tage verliefen sehr ruhig. Norrington hatte viel zu tun um alles zu koordinieren. Als wir am letzten Abend vor der Ankunft in Tortuga so wie jeden Abend zusammen Speisten wirkte er ein wenig nachdenklich. Er sagte zunächst nichts, doch dann fing er an
„Ihr seid doch eine der engsten vertrauten von Symphony Alexis, wenn ich das richtig sehe, oder?"
„Ja." Gab ich zur Antwort, ich wusste nicht, auf was er hinauswollte.
„Ich weiß, dies ist eigentlich kein Thema, dass ich mit euch besprechen sollte, Miss, doch eines wüsste ich gern."
Jetzt hatte ich schon meine Vermutung, auf was er hinauswollte.
„Ihr habt es wahrscheinlich auch schon mitbekommen, dass ich für Symphony Alexis gewisse Gefühle habe. Ich würde sie gerne bitten meine Frau zu werden, doch wüsste ich zuvor auch gerne, wie es um Symphonys Herz bestellt ist."
Innerlich musste ich schon ein wenig grinsen, der große Commodore Norrington war also etwas schüchtern und wollte bei seinem Antrag auf Nummer sicher gehen, interessant.
„Aber Commodore, ihr wisst doch selbst, dass eine Zofe nicht über die persönlichen Belange und schon gar nicht über die Gefühle ihrer Lady sprechen sollte!" ich grinste.
„Ich weiß aber ebenso gut, Miss Scarborough, dass ihr nicht wie jede Zofe seid. Ihr steht nicht in dem üblichen Verhältnis zu eurer Lady, daher denke ich könnt ihr auch einmal über diese Regel hinwegsehen." Er musste dabei auch ein wenig grinsen.
„Ihr habt Recht Commodore, Lady Wentworth liegt mir sehr am Herzen, daher werde ich euch erzählen, wie es um ihr Herz bestellt ist, da ich auch nur das Beste für sie will. Mylady ist ihnen auch zugeneigt. Sie fragt sich auch schon lange, wie es um Eure Gefühle für sie steht."
Norrington lächelte zufrieden. Innerlich tat ich dies auch, hoffentlich würde er ihr bald den Antrag machen, es würde Alex so glücklich machen.
Doch dann stellte er plötzlich eine Frage, bei der ich zögerte zu antworten.
„Miss Scarborough, was habt ihr und Lady Wentworth eigentlich noch so spät in den Straßen gemacht an dem Abend, als die Piratin ausbrach?"
„Commodore, ich weiß nicht, ob ich euch das erzählen sollte."
„Warum nicht?"
„Es muss unter uns bleiben, der Governor darf es nicht erfahren, versprecht ihr mir das?"
„Ja, Miss, ich verspreche es. Aber nun sagt es endlich!"
„Wir waren noch in einer Bar. Wir wollten uns ein wenig vergnügen und haben dort etwas getrunken, als wir auf die Piratin trafen befanden wir uns gerade auf dem Heimweg."
Ich hoffte er würde Wort halten und es nicht weiter tragen, sonst würde nicht nur ich meine Stelle verlieren, sondern auch Alex würde in große Schwierigkeiten kommen.
Norrington sah mir meine Sorge an.
„Keine Sorge Miss Scarborough, ich werde diese Tatsache für mich behalten."
Ich verabschiedete mich und begab mich in mein Bett, denn ich wollte früh wach sein, um die Anfahrt auf Tortuga an Deck mitzuerleben.