So, weiter geht es mit dem 3. Kapitel. Vielen Dank für die Reviews zum 2. Kapitel, vor allem auch an Anna. :)
Falls es jemanden interessiert, ich habe zu dieser Story auch ein Storypic gebastelt. Ihr könnt es euch unter diesem Link ansehen: http:// i178. photobucket. com/ albums/ w266/ watchersgoddess/ isem/ sSpemEtMetum.jpg (Leerzeichen entfernen!)
Eventuell werden später noch weitere Bilder folgen; ich muss mal sehen, was meine Muse so sagt. ;) Aber jetzt will ich euch gar nicht weiter abhalten.
Viel Spaß!
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Don't know if it's worth waiting for you again.
Don't know if it's worth telling you
'bout the rain inside me.
Feel like I'm losing control.
(Orange Blue – The voice of my blood)
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Kapitel 3 – Die dritte bis fünfte Rückkehr
Am Tag nach Harrys Zusammenbruch und der unheilvollen Begegnung mit Professor Snape erwachte Hermine erstaunlich früh. Sie hatte gerade einmal vier Stunden geschlafen und fühlte sich trotzdem unfähig, auch nur noch eine Stunde hinzuzufügen.
Träge und erschöpft stand sie auf, nachdem sie murrend hingenommen hatte, dass ihr Schlaf für diese Nacht anscheinend beendet war. Vor den Fenstern hüllte die winterliche Landschaft sich in schmutziges Grau und dennoch glitzerte der Schnee geheimnisvoll. Eigentlich war es verwerflich, dass sie nicht bereits den gestrigen Nachmittag draußen verbracht hatten, doch nach ihrer recht kalten Erfahrung letzte Nacht war Hermine auch heute nicht sonderlich scharf darauf, hinaus zu gehen.
Sie begann zu frieren und suchte sich rasch ihre Klamotten für den Tag heraus, ehe sie im Bad verschwand, um sich von der warmen Dusche aufheizen zu lassen.
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Die junge Hexe war erstaunt, als sie Harry im Gemeinschaftsraum antraf. Und noch erstaunter war sie, als sie ihn vertieft in ein Buch vorfand. „Guten Morgen, Harry", machte sie ihn auf ihre Anwesenheit aufmerksam und er sah überrascht von den Seiten auf.
„Morgen", erwiderte er flüchtig und zog seine Beine noch ein Stück weiter auf die Sitzfläche des Sessels.
Im Kamin loderte bereits ein munteres Feuer und Hermine holte sich ebenfalls einen Sessel heran, starrte einige Minuten in das Spiel der Flammen und kuschelte sich dann auf ähnliche Art wie Harry in die Polster. Nun galten ihre Blicke ihrem besten Freund und sie versuchte zu ergründen, was in seinem Kopf vorging.
„Warum fragst du mich nicht einfach?", murmelte er nach einigen Minuten, blickte allerdings nicht zu ihr auf.
Ein paar Funken stoben aus dem Kamin und fielen zischend auf den Teppich davor, hinterließen weitere schwarze Brandflecken. Ein besonders vorwitziger allerdings zischte hoch in die Luft und erwischte das neugierige Bauernmädchen an der Nase, die sie – zweifellos in der Hoffnung, doch noch einen Kuss zu sehen zu bekommen – ein Stück über das Sims gestreckt hatte. Fluchend und zeternd wandte sie sich ab und rieb sich empört über so viel Dreistigkeit über den dunklen Fleck, der nun ihr ansonsten makellos weißes Gesicht zierte.
Hermine schüttelte angedeutet den Kopf, kniff die Augen zusammen und sah, dass Harry das Mädchen ausdruckslos beobachtete. Dann wandte er den Blick wieder ab und starrte abwartend auf eine Stelle im Text. Hermine besann sich auf seine Worte und murmelte: „Was soll ich dich denn fragen?"
Harry zuckte mit den Schultern. „Wie es mir geht... Was gestern passiert ist... Wie lange..." Er beendete den Satz nicht, sondern schluckte schwer. Seine Finger klammerten sich am Buchdeckel fest und Hermine holte einmal tief durch ihren halb geöffneten Mund Luft. Nach der Aufregung um den Angriff auf Mr Weasley hatte er ihr zwar gesagt, dass seine Narbe lange Zeit weh getan hatte, aber nicht wie lange genau.
„Wie lange tat deine Narbe schon weh?", fragte sie also das, was er nicht auszusprechen vermochte, und lehnte ihren Kopf erschöpft gegen die hohe Rückenlehne.
„Den ganzen Tag." Nun endlich klappte er das Buch zu und drehte sich komplett zu Hermine um. „Ich konnte nicht... Es hätte alles zerstört, verstehst du?" Hermine nickte. „Aber seitdem ich gesehen habe, was... passiert ist... Ich hätte es verhindern können." Seine Stimme war sehr leise geworden und Hermine richtete sich in ihrem Sessel auf.
„Das hättest du nicht", sagte sie dann mit uneingeschränkter Überzeugung in der Stimme und sah Harry fest in die Augen. „Egal, was du getan hättest, es wäre trotzdem passiert. Es steht nicht in deiner Macht, etwas an diesen Dingen zu ändern, Harry. Noch nicht."
Er zog die Beine an sein Kinn und fuhr sich einige Male wild mit den Fingern durch die Haare. „Ich ertrage das nicht, Hermine", flüsterte er beinahe unverständlich und sie schluckte ein hilfloses Wimmern. „Ich kann nicht tatenlos rumsitzen, während Voldemort unsere Leute abschlachtet!" Nun starrte er sie fordernd und mit weit aufgerissenen Augen an. Dunkle Ringe lagen darunter und das Weiß war rot unterlaufen.
„Harry, wie lange hast du heute Nacht geschlafen?" Es war eine Ablenkung, das war ihr bewusst. Sie konnte sich keine angemessene Antwort für das vorstellen, was er ihr gesagt hatte. Er konnte nichts daran ändern und das wusste er. Und sie konnte ihm nicht sagen, dass alles wieder gut werden würde. Denn das würde es nicht.
Er wandte auf ihre Frage hin rasch den Blick ab und vergrub das Gesicht hinter seinen Knien. Erneut zuckten seine Schultern. „Ein oder zwei Stunden", gab er nuschelnd zu und Hermine seufzte.
„Warum hast du nicht den Trank genommen, den Madam Pomfrey dir hier gelassen hat?"
Er starrte sie mit unterdrückter Wut in den Augen an. „Und du? Wo bist du gestern Abend gewesen, nachdem du Madam Pomfrey benachrichtigt hast?" Hermine erstarrte, vollkommen überrascht von dem plötzlichen Themenwechsel, und zog sich weiter auf ihren Sessel zurück. „Du warst draußen, nicht wahr?"
Ihre Arme verknoteten sich vor ihrer Brust und es kostete sie einiges an Überwindung zu nicken. „Ich musste wissen, ob..." Sie stockte.
„Ob was? Ob es Snape gewesen ist?"
Hermine zögerte einen Moment. „Ja! Genau das musste ich wissen." Harry schien von dieser Antwort überrascht zu sein. Hermine fixierte sein Gesicht noch einige Augenblicke lang hartnäckig, dann wurde ihr Ausdruck weicher. „Harry, du bist vollkommen übermüdet und fertig. Geh wieder ins Bett und nimm diesen Trank!"
Nun endlich stand sie auf und ging die wenigen Schritte zu ihm. Wohlwollend glitt ihre Hand über seine Schulter und sie kniete sich vor seinen Sessel. Für einen Moment glaubte sie Tränen in seinen Augen glitzern zu sehen, doch nachdem er einmal geblinzelt hatte, waren sie verschwunden.
„Nun mach schon!", zeterte das Bauernmädchen in diesem Moment aufgebracht und hüpfte so dicht an den Rand des Kaminsims, dass sie beinahe herunterpurzelte.
Hermine warf ihr einen genervten Blick zu. „Halt die Klappe! Deine Nase wird es dir danken!"
„Pfft!", machte die Nippesfigur, verschränkte die Arme vor der Brust und drehte ihnen den Rücken zu – woraufhin sich ein weiterer Funken aus dem Kamin löste und sie nun direkt in ihren Allerwertesten traf. Hermine grinste zufrieden und dankte wem auch immer für den netten Zauber, den er über den Kamin gelegt hatte.
Schließlich wandte sie sich wieder Harry zu, ignorierte das jammernde Fluchen des Mädchens und ihr Gesichtsausdruck wurde ernst. Sie fixierte den Blick seiner grünen Augen und ihr wurde das Herz schwer, als der Schmerz darin sie so unvermittelt traf, dass sie beinahe das Gleichgewicht verlor. Er blinzelte langsam und sie holte mehrmals tief Luft, ehe sie es schaffte, ihn wieder anzusehen.
Es war eine stumme Abmachung, die sie in diesem Augenblick trafen. Harry musste ihr nicht erklären, warum er den Trank für den traumlosen Schlaf nicht genommen hatte und Hermine musste ihm nicht erklären, warum sie nach draußen gegangen war, um nach Professor Snape zu sehen.
Der Grund für diese Abmachung war denkbar einfach; keiner von beiden könnte vernünftige Gründe nennen.
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Als das nächste Treffen anstand, war der hartnäckige Winter bereits einem milden Frühling gewichen. Mr Weasley war lange wieder aus dem Sankt Mungo-Hospital entlassen worden und die Stimmung zwischen Ron und Harry war wie eh und je.
Zumindest von Rons Seite aus.
Vor den Fenstern des Schlosses zwitscherten die Vögel in einer so penetranten Art und Weise, dass Hermine mehr als einmal in Versuchung gekommen war, ihnen den Ganzkörperklammer-Fluch hinterherzuschicken in der Hoffnung, dass er auch bei Flügeln funktionierte und sie von den Fenstersimsen fallen würden wie reife Äpfel. Die Sonne flutete jeden früher die Schlafsäle und Hagrid war immer öfters auf den Ländereien anzutreffen.
„Was haltet n'ihr davon, wenn ihr mich heut' Nachmittag ma aufn Tee besuchn kommt, hm?", fragte er mit seiner tiefen, bräsigen Stimme einmal, während er ein paar Kisten mit äußerst nervösem Inhalt über das Gelände trug. Alle paar Sekunden erzitterten sie in seinen großen Pranken und hüpften ihm einige Male ganz aus den Händen, so dass sie bereits mehrere leicht verbeulte Stellen und sogar Löcher aufwies, aus denen sich hin und wieder neugierig schnüffelnde Nasen quetschten. Hermine konnte es sich nur schwer verkneifen, nach dem Inhalt zu fragen.
Doch Harry half ihr in dieser Beziehung sehr weiter, denn noch ehe sie oder Ron auch nur Luft holen konnte, erwiderte er rasch: „Nicht heute, Hagrid. Wir haben noch Hausaufgaben zu erledigen und so... Passt es dir morgen vielleicht?"
Der Wildhüter legte zuerst skeptisch den Kopf schief, was Hermine ihm , nickte dann jedoch zustimmend. „Okay."
Nach einer kurzen Verabschiedung setzte er seine Arbeit fort und die anderen gingen langsam zum Schloss zurück.
„Seit wann machst du lieber Hausaufgaben, anstatt Hagrid zu besuchen?", fragte Hermine, nachdem Hagrid außer Hörweite war. Ron nickte ihr bekräftigend zu.
„Seitdem ich heute Abend zu Snape muss. Die nächste Okklumentikstunde steht an. Außerdem macht meine Narbe wieder Terror."
Hermines Augen weiteten sich erschrocken. „Hast du Professor Dumbledore schon Bescheid gesagt?"
Harry nickte. „Sicher. Er meinte, er wüsste es schon. Snapes Mal scheint sich auch zu melden." In seinen Augen blitzte so etwas wie Genugtuung auf und Hermine verkniff es sich, weiter nachzuhaken. Wenn Harry zu einer weiteren Stunde Okklumentik zu Professor Snape musste, war seine Laune den Tag über derart explosiv, dass sie es nicht wagte.
„Du-weißt-schon-wer ist aber ziemlich penetrant mit den Treffen", murmelte Ron mit unverhohlener Angst in seinem Blick.
„Es ist erst das dritte seit seiner Rückkehr. Und das ist beinahe ein Jahr her", erwiderte Hermine mit gerunzelter Stirn.
„Woher willst du wissen, dass es nicht mehr gewesen sind? Vielleicht tut Harrys Narbe nur weh, wenn er wirklich wütend ist." Ron zuckte mit den Schultern und Hermine musste zugeben, dass diese Möglichkeit durchaus bestand. Sie hatte keine andere Quelle als Harrys Narbe, um herauszufinden, ob ein Treffen stattfand. Die Narbe und Professor Snapes Mal, doch auf letzteres hatte sie kein allzu großen Zugriff.
„Könnten wir vielleicht aufhören, über meine Narbe zu diskutieren? Mir reicht es schon, dass sie wehtut", beendete Harry die Diskussion und Hermine und Ron warfen sich vielsagende Blicke zu, während der Dunkelhaarige bereits die Treppen zur Eingangshalle hinauflief.
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Nachdem sie lange genug gewartet hatte, als dass auch die letzten Schüler in ihren Betten verschwunden sein mussten, krabbelte Hermine wieder aus ihrem Bett und zog sich rasch eine Jeans und einen dicken Pullover über ihr Nachthemd. Dann schlüpfte sie in ihre Turnschuhe und schnappte sich den Zauberstab, ehe sie leise aus dem Zimmer schlich und den Gemeinschaftsraum durchquerte.
Die Fette Dame kommentierte ihr Verlassen des Turmes mit einem schläfrigen Gemurmel, das Hermine nicht verstand, und so kümmerte die Gryffindor sich nicht weiter darum und machte sich auf den Weg zur Eulerei.
Sie hatte nicht vergessen, dass sie diesen Punkt als äußerst praktisch zum Übersehen der Ländereien beurteilt hatte und schob sich keine zehn Minuten später leise an der Wand des Turmes entlang, hoffte, dass sie die Eulen nicht wecken würde. Das Getöse von erschrockenen, wenn auch nicht allzu vielen Vögeln würde selbst Malfoy in den Kerkern hören.
Schließlich erreichte sie das Fenster und lehnte sich halb über das Sims. So früh es morgens inzwischen hell wurde, jetzt war es bereits zu dunkel, um bis zur Grenze von Hogwarts sehen zu können.
Doch auch damit hatte Hermine gerechnet und zog rasch ihren Zauberstab hervor. Sie hatte kurz nach Weihnachten begonnen, in der Bibliothek etwas zu recherchieren, und war auf eine Art magisches Fernglas gestoßen. Sie schielte noch einmal auf die Eulen, die auf den zahlreichen Stangen hockten, und einige piepten empört, wer ihre Ruhe störte. Hermine kümmerte sich nicht weiter darum, solange sie nur still blieben. Nachdem sie die Formel leise gemurmelt hatte, entstand vor ihr in der Luft ein kleiner Wirbel, in dem exakt das Stück des Zaunes zu sehen war, von dem Hermine wusste, dass er Professor Snapes Ankunftspunkt war.
Noch war dort absolut nichts zu sehen und so entspannte sie sich etwas und ließ ihre Gedanken schweifen, während sie wartete.
Hermine begann sich um Harry zu sorgen. Ihr Freund litt sehr unter der Bürde der Narbe und sie konnte es ihm nicht verdenken. Allein die Vorstellung, die Taten Voldemorts mit ansehen, sie aber nicht verhindern zu können, zog ihr den Hals zusammen. Harry hatte ihr wirklich Angst gemacht am zweiten Weihnachtsmorgen und hatte einige Tage später die Gelegenheit genutzt und mit Professor Dumbledore darüber gesprochen. Er hatte ihr versichert, dass er sich etwas überlegen würde. Hermine vermutete jedoch, dass Harry von den Okklumentikstunden nicht übermäßig begeistert gewesen war.
Von Harry wanderten ihre Gedanken dann weiter zu Professor Snape. Wie musste es sein, die Taten Voldemorts nicht nur in einer Art Traum zu sehen, sondern wirklich dabei zu sein? Ebenso machtlos und der Tarnung unterworfen? Oder stand er gar nicht wirklich auf ihrer Seite und genoss es, diese wenigen Gelegenheiten zu nutzen, in denen er zu seiner wahren Überzeugung stehen durfte? Sie hatte keinen Zweifel daran, dass er es genoss, Harry zu triezen.
Hermine seufzte leise und stützte einen Ellenbogen auf dem Stein des Fenstersims ab. Professor Snape war ihr ein großes Rätsel und so sehr sie es auch hasste, sie wollte es zu gerne lösen. Bis zu diesem ersten Tag im fünften Schuljahr hatte sie sich nie Gedanken darüber gemacht, was diese Spionagerolle in Wirklichkeit bedeutete. Bis dahin hatte es keine Treffen der Todesser gegeben, keine Aufgaben zu erledigen.
Zweifellos hatte Voldemort seine Pläne und er würde sicherlich nicht davor zurückschrecken, Professor Snape den einen oder anderen Auftrag zu geben. Führte dieser alles aus? Freiwillig oder gezwungenermaßen? Setzte er Professor Dumbledore über alles in Kenntnis oder spielte er den einen gegen den anderen aus?
Ich kaufe ein a... und am besten die restlichen Buchstaben zur Lösung noch gleich dazu.
Während dieser ganzen Überlegungen runzelte sie ihre Stirn und malte Muster auf die Steine unter ihren Fingern. Die Blicke hatte Hermine fest auf den kleinen Kreis vor ihrer Nase gerichtet und wartete, dass dort irgendwas geschah.
Als es dann wirklich soweit war, erschrak sie heftig und erstickte einen leisen Schrei Hand, die sie fest auf den Mund presste. Professor Snape war so plötzlich am Zaun erschienen, dass sie für einen Moment das Gefühl hatte, er würde direkt neben ihr stehen. Eine Gänsehaut lief ihr den Rücken hinab.
Sie beobachtete, wie der Tränkemeister sich skeptisch umsah, die Umgebung mit den Blicken abtastete und offenbar zufrieden war, als er niemanden entdeckte. Dann hob er jedoch den Kopf an und starrte hinauf zum Schloss. Für einige Sekunden glaubte Hermine, er würde ihr direkt in die Augen sehen und schielte an dem Wirbel des Zaubers vorbei. Ohne die magische Hilfe konnte sie nichts als schwarze Nacht sehen und da hier im Eulenturm kein Licht brannte, ging sie davon aus, dass es Professor Snape ähnlich erging.
Als sie sich dessen vergewissert hatte, nahm sie sich einen Moment Zeit, um sein Gesicht zu mustern. Sie hatte sonst nie die Gelegenheit, ihn so genau anzusehen. Zumindest nicht, ohne dass er etwas im Schilde führte oder sie sich ziemlich unwohl fühlte.
Dann wandte er sich schließlich ab und ging mit großen Schritten auf das Schloss zu. Ihre Blicke folgten ihm, bis er in der Eingangshalle verschwunden war und schließlich beendete sie rasch den Zauber, ehe sie sich auf den Weg zurück ins Bett machte. Sie wollte es nicht riskieren, dass Professor Snape sie noch auf den Gängen erwischte, jetzt wo er zurück war.
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Das vierte Treffen, das Hermine knapp einen Monat später mitbekam – denn inzwischen war sie überzeugt, dass Ron Recht hatte und es bereits mehr Treffen gegeben haben musste –verlief vorerst genauso ereignislos wie das dritte.
Sie stand erneut stumm zwischen Eulenmist und Stroh und fixierte den magischen Wirbel, der sich bereits beim letzten Mal als äußerst nützlich erwiesen hatte. Zwischendurch musste sie sich öfters ermahnen, nicht die Augen zu schließen und womöglich die Rückkehr zu verpassen. Die Woche war sehr anstrengend gewesen.
Harry hatte ihr von Träumen erzählt, die er anscheinend schon das ganze Jahr über hatte. Sie hatten mit dem Zaubereiministerium und der Mysteriumsabteilung zu tun. Er vermutete, dass es dort irgendetwas gab, das Voldemort haben wollte. Eine Art Waffe. Und die Tatsache, dass Mr Weasley vor der Tür zu eben dieser Abteilung angegriffen worden war, bestätigte seinen Verdacht nur.
Sie hatten an den meisten Abenden bis spät in die Nacht diskutiert und versucht, etwas Licht in diese Angelegenheit zu bringen. Bisher ohne viel Erfolg, aber dafür mit einem großen Schlafdefizit.
Doch Hermine hielt durch und ein erleichtertes Lächeln, das sie nicht einmal bemerkte, schlich flüchtig über ihre Lippen, als sie Professor Snape vor der Grenze apparieren sah.
Wie beim letzten Mal sah er sich prüfend um und auch dieses Mal wanderten seine Blicke hinauf, so dass es Hermine vorkam, als würde er sie direkt ansehen. Ihr Körper sandte einige panikartige Adrenalinwellen durch ihre Adern und sie musste gegen den Drang ankämpfen, sich zu ducken.
Die Angst wurde von Verwirrung abgelöst, als sie sah, wie Professor Snape seinen Zauberstab und eine Bewegung damit in der Luft machte, die sie verdächtig an die erinnerte, die sie selbst vor einer halben Stunde ausgeführt hatte. Der geschlenkerte Halbkreis mit dem abgehackten Bogen nach oben...
Hermines Atem stocke, als ihr müder Verstand endlich die Schlüsse aus allem gezogen hatte. Professor Snape schien sie nicht mehr nur direkt anzusehen, er tat es wirklich! Und auf seinem Gesicht spiegelte sich kein erleichtertes, sondern ein schadenfrohes Lächeln wider, das der Gryffindor einen kalten Schauer ihren Rücken hinabsandte, ehe sie rasch den Zauber beendete und sich auf den Weg in ihren Turm machte.
Sie lief durch die Gänge von Hogwarts und achtete nicht darauf, wie viel Lärm sie machte. Wenn sie in ihrem Bett lag, bevor Professor Snape die Möglichkeit hatte, sie auf den Gängen zu erwischen, würde seine Aussage gegen ihre stehen. Und sie wagte es, sich große Hoffnungen zu machen, diese Auseinandersetzung zu gewinnen.
Atemlos kauerte sie fünf Minuten später unter ihrer Decke. Ihr Herz raste, vor Aufregung und vom Laufen. Sie schwitzte und wagte es dennoch nicht, sich abzudecken. Der Atem ging flach und schnell und Hermine schloss die Augen, wartete, dass das bleierne Pochen ihres Herzschlages endlich langsamer wurde, dass irgendetwas passierte.
Über das Warten schlief sie schließlich ein.
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Am nächsten Morgen nach dem Frühstück bat Professor Dumbledore sie allerdings um ein Gespräch und Hermine wünschte sich, sie hätte nicht so ausgiebig gegessen. Ihr wurde schlecht, während sie dem Direktor durch die Schule in sein Büro folgte, und musste an den Blick denken, den Harry ihr zugeworfen hatte. Ganz im Gegensatz zu Ron hatte er eine ungefähre Vorstellung, was Professor Dumbledore von ihr wollen könnte.
Fawkes schien ihr beinahe mitleidige Blicke zuzuwerfen, als sie sich mit zitternden Händen auf den Stuhl vor Professor Dumbledores Schreibtisch sinken ließ und die ehemaligen Schulleiter in den Gemälden beobachteten interessiert, was passierte.
Professor Dumbledore schwieg ein paar Momente lang, ehe er seine Fingerspitzen aneinanderlegte und sie mahnend fixierte. „Ich denke, Sie wissen, weshalb Sie hier sind, Miss Granger." Er klang nicht wütend oder missbilligend. Es war eher eine schlichte Feststellung und Hermine nickte schuldbewusst. „Professor Snape wies mich heute beim Frühstück darauf hin, dass er Sie letzte Nacht noch nach Mitternacht in der Eulerei gesehen hat."
„Ja, Sir", murmelte sie leise und lief rot an.
„Also waren Sie wirklich dort?" Nun klang er erstaunt.
„Ja, Sir." Vielleicht würde sein Urteil milder ausfallen, wenn sie es gleich zugab.
„Dürfte ich auch erfahren, was Sie dort wollten?"
Am liebsten hätte sie schlichtweg Nein! gesagt, doch das traute sie sich nicht. „Ich wollte sehen, ob Professor Snape in Ordnung ist, Sir."
Professor Dumbledore kräuselte nachdenklich die Nase. „Woher wussten Sie von dem anstehenden Treffen?" Er hatte seiner Stimme einen skeptischen Unterton verliehen.
„Nun ja, Harry lässt es einen meistens deutlich spüren, wenn seine Narbe schmerzt", erwiderte sie vage.
„Aber natürlich." Es war ein leises Murmeln. „Nichtsdestotrotz haben Sie nach Einbruch der Dunkelheit nichts mehr außerhalb des Bettes zu suchen." Er sah sie ernst an. „Es ist nicht Ihre Aufgabe, nach Professor Snape zu sehen."
Hermine spürte Unmut in sich aufsteigen. Natürlich war es nicht ihre Aufgabe, dessen war sie sich mehr als bewusst. Aber es war eine Aufgabe; eine, die sie... nun ja, gerne erledigte wäre vielleicht zu viel gesagt, aber sie gab ihr das Gefühl, zu etwas nütze zu sein.
Deswegen richtete sie sich etwas auf, als sie sagte: „Sehen Sie es als Dienst am Orden, Professor Dumbledore."
Der Schulleiter seufzte schwer. „Sie gehören dem Orden nicht an, Miss Granger."
Hermine verdrehte angedeutet die Augen. „Dann sagen Sie mir, was ich tun muss, damit sich das ändert. Wollen Sie ein Bewerbungsschreiben? Mit Lebenslauf und Referenzen? Ich bekomme bestimmt gute Referenzen, denn ich gerate ja andauernd in diese blöden Situationen."
Professor Dumbledore schwieg, überrascht von ihrem plötzlichen Ausbruch. Hermine atmete schnell und musste sich zwingen, wieder ruhiger zu werden.
„Professor Dumbledore, ich weiß, dass Sie sich Sorgen machen und das kann ich auch verstehen. Aber ich werde wahnsinnig, wenn ich nur rumsitzen soll. Die Dinge, die Harry mir erzählt, alles, was ich nebenbei mitbekomme... Ich kann nicht nur Däumchen drehen und hoffen, dass irgendwer die Angelegenheiten für uns regeln wird! Lassen Sie mich für den Orden arbeiten. Ich bitte Sie!"
Er legte nachdenklich seine Fingerspitzen aneinander und betrachtete Hermine über seine Brille hinweg. „Ich kann das nicht verantworten, Miss Granger. Sie sind gerade einmal fünfzehn Jahre alt." Sie wurde ein Stück kleiner unter seinen nachdrücklichen Worten.
„Sechzehn." Er hob eine Augenbraue und sie seufzte resigniert. „Ich will doch nicht in den Kampf ziehen, Sir. Ich möchte nur... nachsehen dürfen, ob Professor Snape in Ordnung ist." Verzweifelter Nachdruck lag in ihren letzten Worten. „Was ist, wenn er wieder verletzt zurückkehrt und niemand auf ihn wartet?"
„Er würde einen Patronus schicken." Professor Dumbledore lächelte sehr schwach.
Hermine fixierte die Augen des Direktors mit festen Blicken. Dieses Lächeln hatte ihr die Hoffnung gegeben, dass sie vielleicht doch eine Chance hatte. „Und was ist, wenn er dazu nicht mehr in der Lage ist? So wie letzten Sommer?"
Die Erinnerung daran ließ den Schulleiter den Blick senken. „Ich gestehe, dass Ihre Anwesenheit damals eine sehr glückliche Fügung war."
„Sehen Sie! Lassen Sie mich noch öfters glücklich fügen, ja?", unterbrach sie ihn sofort und neigte bittend den Kopf.
Professor Dumbledore musterte sie erneut nachdenklich. „Also gut", sagte er schließlich und Hermine atmete erleichtert auf. „Damit stehen Sie von jetzt an unter der Anweisung und dem Schutz des Ordens des Phönix. Ihr Auftrag wird es sein, die Augen offenzuhalten und so eine sichere Rückkehr für Professor Snape zu ermöglichen. Ich werde ihn darüber in Kenntnis setzen. Sehen Sie es mir aber bitte nicht nach, dass ich Sie unmöglich offiziell vorstellen und zu den Treffen einladen kann. Sie sind zu jung, um die Einzelheiten zu erfahren, Miss Granger."
Hermine nickte und schluckte das ehrfürchtige Gefühl, das sie bei seinen Worten überkommen hatte. „Natürlich, Sir."
Professor Dumbledores Miene entspannte sich etwas. „Oh, und vergessen Sie nicht, Severus möchte sie dort draußen nicht sehen." Er betonte das letzte Wort mit hochgezogenen Augenbrauen und Hermines Augen weiteten sich. „Geben Sie ihm etwas Zeit, sich an dieses... Arrangement zu gewöhnen. Für die nächste Zeit wäre es schlau, sich bedeckt zu halten."
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Hermine hatte sich vorgenommen, Dumbledores Rat sehr ernst zu nehmen. Dass Harry ihr nicht seinen Tarnumhang geben würde, dessen war sie sich durchaus bewusst. Lieber würde er ihn eigenhändig verbrennen, als das Erbe seines Vaters dafür zu nutzen, Professor Snapes Rückkehr sicherer zu gestalten. Dass es sehr schwer werden würde, sich anderweitig zu tarnen, wusste sie ebenfalls. Doch dass sie die Bibliothek ergebnislos durchforsten würde, das hatte sie nicht erwartet. Die Bücher hatten ihr bisher immer geholfen. Sie waren eine Konstante, auf die man sich verlassen konnte. Nur jetzt hatten sie sie im Stich gelassen.
Hermine beobachtete Professor Snape genau, wenn sie bei ihm im Unterricht saß. Er tat so, als wäre alles wie immer. Nicht die kleinste Reaktion auf die Vereinbarung, die Professor Dumbledore mit ihr getroffen hatte. Es war frustrierend, auch wenn sie das nie zugegeben hätte.
Verdammter Sturkopf!
Harry hatte sie nicht auf das Gespräch mit Professor Dumbledore angesprochen; er hatte gewartet, bis sie es von sich aus erzählt hatte. Und sie wusste, dass er Ron daraufhin alles berichtet hatte; sein Entsetzen war einfach zu groß gewesen, als dass er es für sich hätte behalten können. Der Rothaarige musterte sie seitdem immer mal wieder von der Seite her und selbst aus dem Augenwinkel konnte sie die Fragen auf seinem Gesicht sehen.
„Frag mich doch einfach, Ron!", wies sie ihn irgendwann an. Es machte sie nervös, so beobachtet zu werden.
Der jüngste der Weasleybrüder zuckte erschrocken zusammen und warf einen hastigen Blick zu Harry. Dieser zuckte mit den Schultern. „Was... ähm... meinst du denn?"
„Ich weiß, dass Harry dir alles erzählt hat. Fang einfach irgendwo an." Ihre Worte waren ein beinahe lautloses Flüstern, denn Professor Snape war vorne damit beschäftigt, die Zutaten für den heutigen Trank an die Tafel zu schreiben und sie wusste, dass er dabei nur scheinbar unaufmerksam war.
„Warum tust du das?", kam dann endlich zurück und Hermine musste es sich verkneifen, die Augen zu verdrehen.
„Weil ich es wissen muss."
„Was denn?"
„Ob er in Ordnung ist, wenn er wiederkommt."
„Wozu? Es ist Snape! Wenn er tot zurückkommen würde, wäre mir das sehr recht." Ron klang vollkommen und schüttelte den Kopf. Hermine sah ihn mit rügender Miene an und schielte in Richtung Tafel. Professor Snape hatte es offenbar nicht gehört, sonst wäre Gryffindor bereits um 100 Punkte ärmer, wahlweise auch mehr.
„Weil er zu wichtig ist, um ihn auf den Ländereien abdanken zu lassen!" Dass das nur ihr offizieller Grund war, musste er nicht wissen. Sie hatte es vielmehr darauf abgesehen, herauszufinden, auf wessen Seite Professor Snape stand.
„Und warum musst du dich darum kümmern? Dumbledore wird Bescheid wissen."
„Weil Professor Dumbledore besseres zu tun hat, als sich nachts auf den Ländereien herumzutreiben, um seine Spione einzusammeln."
Daraufhin erwiderte Ron nichts, sondern gab sich vorerst damit zufrieden, dass er es vermutlich nie verstehen würde.
Hermine atmete tief durch, froh, dieses Gespräch vorerst hinter sich zu haben, und beobachtete weiter Professor Snape, der nun die Kreide zur Seite legte und sie aufforderte, mit dem Trank zu beginnen. Während die anderen hastig ihre Zutaten sortierten und hofften, dass sie seiner schlechten Laune heute entgehen würden, sah Hermine, wie er sich vorerst an seinen Schreibtisch setzte und sich ein paar Pergamentrollen heranzog.
Und das war der Moment, in dem ihr Herzschlag für ein paar Sekunden aussetzte. Denn Professor Snapes linker Arm begann verräterisch zu zittern, als er das Pergament ergriff, und auf seinem Gesicht flackerte für den Bruchteil einer Sekunde so etwas wie Erkennen, Angst und vielleicht sogar Verzweiflung auf.
„Heute Abend", murmelte Hermine zusammenhanglos und sowohl Harry als auch Ron sahen sie fragend an, fuhren dabei aber fort, ihre Zutaten zu sortieren. „Heute Abend ist das nächste Treffen!"
„Woher willst du das wissen?", fragte Harry sofort und seinem überraschten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, schmerzte seine Narbe heute nicht.
„Professor Snapes Arm hat eben gezittert. Er zittert sonst nie."
„Vielleicht ist ihm kalt", sagte Ron mit einem leidenden Ausdruck in den Augen und Hermine sah ihn mit schief gelegtem Kopf an.
„Damit dem Mann kalt wird, muss die Raumtemperatur schon unter den Gefrierpunkt sinken. Schließlich liegt seine Körpertemperatur nur knapp drüber", kommentierte sie entnervt und Harry lachte verhalten auf.
„Und das weißt du so genau, weil...?", fragte Ron mit hochgezogener Augenbraue und Hermine spürte, wie ihr das Blut heiß in die Wangen stieg. Hastig fuhr sie fort, als hätte sie die Frage nicht gehört.
„Heute Abend ist das nächste Treffen, da bin ich mir sicher. Und ja, ich werde in die Eulerei gehen. Ich muss nur noch einen Weg finden, wie er mich nicht sieht." Und zu der Ratlosigkeit gesellte sich auch noch Zeitdruck.
„Versteck dich doch einfach unter dem Fenster."
Hermine starrte Ron an. Vermutlich zum ersten Mal hatte eine seiner beiläufigen Bemerkungen wirklich einen Sinn, auf den sie selbst nicht gekommen war. Der Plan war so einfach wie genial. Sie würde den Fernglaszauber schlichtweg umformulieren, so dass der Wirbel nicht über dem Fensterbrett, sondern in der Eulerei selbst erschien. Und zwar so, dass sie sich nicht am Fenster aufhalten musste. „Ron, du bist genial!", stieß sie schließlich begeistert aus und wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen.
„Miss Granger! Könnten Sie mir bitte erklären, was so überaus wichtig ist, dass Sie bereits die ganze Stunde mit Potter und Weasley reden müssen?"
Selbst diese Ermahnung konnte ihre Erleichterung über die endlich gefundene Lösung nicht vollkommen zerstören. „Der Trank. Ich habe ihnen ein paar Tipps gegeben", erwiderte sie schlicht und nahm die zwanzig Punkte Abzug gerne für den wütenden Blick ihres Lehrers in Kauf.
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Am Abend hatte sie sich unter den missbilligenden Blicken von Harry und Ron aus dem Gemeinschaftsraum geschlichen. Die beiden waren noch immer mit ihren Hausaufgaben beschäftigt und zumindest Ron nahm es ihr übel, dass sie lieber nach Professor Snape sah, als ihnen bei den Aufgaben zu helfen.
„Ihr hattet die ganze Woche Zeit, also beschwert euch nicht", war das inzige, was sie darauf antwortete, ehe sie in die Gänge verschwand.
In der Eulerei angekommen, beschwor sie den kleinen Wirbel herauf und dirigierte ihn dann hinein in die Eulerei. Die Eulen ließen sie dabei nicht aus ihren bernsteinfarbenen Augen und Hermine hätte schwören können, dass eine von ihnen missbilligend den Kopf über sie geschüttelt hatte. Erleichtert musste sie sich ein Juchzen verkneifen, als das Bild das gleiche blieb und so setzte sie sich in die hinterste Ecke des Turmes und wartete.
Zwischenzeitlich kam ihr auch mehr als einmal der Gedanke, dass Professor Snape das anze inszeniert haben könnte, um sie hier auf frischer Tat zu ertappen. Er könnte ihr durchaus Punkte abziehen, wenn sie grundlos nachts in der Eulerei sitzen würde. Vor allem die Tatsache, dass Harrys Narbe heute stumm geblieben war, sprach eindeutig dafür.
Doch diese Idee wischte sie immer wieder zur Seite und sagte sich, dass Professor Snape sich nicht so viel Mühe machen musste um sie zu bestrafen. Er hätte sie heute einfach nach dem Unterricht zu einer Strafarbeit verdonnern können und hatte es nicht getan. Außerdem war diese echt gewesen, dessen war sie sich sicher.
Nach beinahe einer Stunde, sehr viel später als sonst, tauchte er dann auch an der Grenze des Geländes auf. Wie immer sah er sich prüfend um, seine Blicke wanderten zur Eulerei und kurz danach wieder auf seinen Weg. Hermine wollte schon aufstehen und gehen, als ihr auffiel, wie unsicher er wirkte. Seine Schritte waren etwas stolpernd, seine Arme mussten oftmals helfen, das Gleichgewicht zu bewahren und von seinen sonst so kontrollierten Bewegungen war nicht mehr viel übrig.
Alarmiert starrte Hermine das Bild ihres Lehrers weiter an und wartete, was passierte. Wenn er es aus eigener Kraft ins Schloss schaffte, konnte sie guten Gewissens ins Bett gehen. Selbst wenn dann noch etwas passierte, würde ihn schon jemand finden und nachdem er sie so hartnäckig darauf hingewiesen hatte, dass er ihre Hilfe nicht benötigte, würde sie garantiert nicht dieser Jemand sein.
Du hast dich schon mal besser belogen, Hermine!
Doch dann blieb er stehen und seine Hände tasteten nach etwas, woran sie sich festhalten konnten; ein aussichtsloses Unterfangen auf dem freien Rasengelände, das er gerade überschritt. Schließlich knickten seine Beine ein, als hätte ihm jemand in die Kniekehle getreten und er landete kurz darauf komplett auf dem Rasen.
Hermines Gedanken rasten. Was sollte sie jetzt tun?
Erst Professor Dumbledore, dann Madame Pomfrey? Oder umgekehrt? Oder keiner von beiden?
Unruhig trat sie von einem Bein aufs andere und entschied dann, dass der direkte Weg hinunter aufs Gelände der schnellste war. Sie musste erst wissen, was mit ihm los war.
Eilig verließ sie die Eulerei und bemerkte so nicht mehr, dass sich der Zauber hinter ihr mit einem Zischen selbst beendete, das einige der wenigen noch anwesenden Eulen dazu brachte, verstohlene Blicke nach unten zu werfen.
TBC...
Nächstes Mal gibt es ganz viel Interaktion zwischen Hermine und Snape; dann ist die erste Durststrecke erstmal überwunden. ;)
Lasst mich doch bitte wissen, ob es euch gefallen hat. :)
