Kapitel 3 Betrug
Bellas Sicht
Ich sass auf dem hellbeigen Stoff-Sofa der Cullens, die Arme um meine angezogenen Knie geschlungen. Immer wieder kreisten meine Gedanken um meine Familie, Edward, Alice, Jasper, Emmett und Rosalie. Ich hielt es nicht aus, daran zu denken, dass sie nicht alle zurückkommen würden. Wenn ein Mitglied dieser Familie sterben würde, nur wegen mir!
Esme sass neben mir und versuchte mich so gut wie möglich aufzuheitern. Doch ich sah in ihren Augen dieselben Sorgen um ihre Familie. Sie hatte ihren Arm um mich gelegt. Sie war so mütterlich, so warmherzig, ich hatte das Gefühl dass sogar ihre Haut ein Paar Grad wärmer war, als die der anderen Vampire. Wenn Edward mich nur in eine von ihnen verwandelt hätte, dann könnte ich ihnen im Kampf zur Seite stehen, oder dieser James wäre gar nie auf mich aufmerksam geworden.
Carlisle kam rein mit einem Teller Spagetti und stellte ihn mir hin. „Bitte iss etwas Bella. Es wird alles gut gehen. Emmett, Alice und Jasper übernehmen Victoria und jagen sie richtung Süden. Edward und Rosalie jagen James nach Norden. Sie rufen an sobald sie es geschafft haben."
Ich nickte nur und ass die Spagetti. Ich wollte mir nichts anmerken lassen, doch es machte mir Sorgen dass Edward im zweier-Team war. Jedoch hat Carlisle mir erzählt, dass Edward meinte, Emmet soll in die Gruppe von Alice und Jasper sein, weil er sich Sorgen um seine Lieblingsschwester macht.
Am nächsten Abend kam immer noch kein Anruf und meine Sorgen wurden immer grösser. Edward war nur zu zweit, und dann noch mit Rosalie. Dann Alice, die so klein und zerbrechlich erscheint. Und Emmett, der ohne gross nachzudenken jeden Kampf hineinrennt.
„Komm ich bring dich hoch ins Bett Liebes. Es ist schon spät, wenn sie anrufen werden wir dich holen." Sagte Esme zu mir als ich um ein Uhr Nachts immer noch im Wohnzimmer hin und her lief, die Augen die ganze Zeit auf das Telefon gerichtet.
Ich ging mit ihr hoch zog mir meinen Pyjama an und sie gab mir einen Kuss auf die Stirn.
„Schlaf gut"
„Danke, du auch." Sagte ich, ein schwacher Versuch witzig zu sein.
Erst jetzt merkte ich wie müde ich war. Eigentlich wollte ich im Bett wach bleiben, damit ich hören konnte, wenn jemand anruft, doch nach zehn Sekunden schlief ich ein.
Ich konnte nicht viel erkennen, alles war schwarz, oder ganz dunkelgrün. Wie in einem Wald bei Nacht. Da sah ich die zwei Vampire. Die roten Augen leuchteten wie Feuer in der Dunkelheit. Sie kamen immer näher. James streckte die Hände nach mir aus. Ich wollte schreien. Eine kalte Hand berührte meine Schulter „Bella, Bella!"
Ich wachte mit einem kurzen Schrei auf. Es war Carlisle der mich an der Schulter rüttelte, damit ich aufwachte. Ich schaute auf die Uhr, sie zeigt halb fünf Uhr morgens.
„Alice's Gruppe hat gerade angerufen. Sie haben Victoria getötet." Er verzog leicht das Gesicht. Carlisle war so herzensgut, er konnte es nicht ertragen, Wesen zu töten, seien sie noch so sadistisch wie James oder Victoria. Ich atmete erleichtert auf. „Gut, dann kommen sie bestimmt bald nach Hause, stimmt's?" fragte ich.
„ Nein vermutlich noch nicht. Sie haben auch noch nichts vom anderen Team gehört. Also haben sie beschlossen, ihnen hinterher zu gehen um zu helfen" erklärte Esme die jetzt neben Carlisle stand.
Emmett's Sicht
SCHEISSE JA! Ich war total euphorisch, endlich durfte ich wieder Kämpfen, mit einem richtigen Gegner. Victoria haben wir besiegt, zu dritt war es ein Leichtes. Nun rannten wir mit aller Kraft und voller Geschwindigkeit durch den Wald zu den anderen, um ihnen bei diesem dreckigen Tracker zu helfen.
Wir folgten unserer Spur zurück zu der Lichtung, und von dort an folgten wir der Spur von Edward und Rose. Edward sollte den Typen mit seiner Gedankenleserei eigentlich schon längst zur Strecke gebracht haben. Alice meinte sogar, dass sie eine Vision hatte, dass Edward James früher erreichen wird als wir Victoria. Aber sie haben sich bis jetzt noch nicht gemeldet, also suchen wir sie.
Es konnte nicht mehr lange dauern, bis wir sie eingeholt haben, wir sind schon den halben Tag am Rennen. Ich roch, dass in der Nähe ein Feuer gewesen sein muss. Wahrscheinlich ein Lagerfeuer.
Plötzlich hielt Alice abrupt an, ihre Augen weit weg. Jasper war direkt neben ihr stehen geblieben, ich etwa hundert Meter weiter.
„Nein, das haben sie nicht!" hörte ich Alice leise zischen.
„Was ist Alice? Wir verpassen noch den ganzen Spass wenn wir uns nicht beeilen…" sagte ich ungeduldig, ohne die Stimme zu erheben, sie hörte mich auch so gut genug. „Ich geh schon mal vor" und schon sprang ich weiter.
„Emmett nein, stopp! Geh nicht weiter!" hörte ich sie noch rufen. Doch ich stand schon da, wie zu Eis erstarrt.
„Was… Soll... Dieser... Scheiss?" schrie ich Edward und Rosalie an. Als sie hörten wie ich geräuschvoll Luft einsog, sprangen sie auseinander und starten mich beide an.
„WAS ZUM TEUFEL- „ doch Alice schnitt mir das Wort ab. „EDWARD! Wie kannst du das Bella antun?" Sie stürmte auf ihn zu und schlug ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich dasselbe getan. Doch ich konnte mich nicht bewegen, die Wut und die Enttäuschung lähmten mich.
Beide versuchten sich zu erklären, zu entschuldigen, ich hörte nicht zu. Ich konnte ihren Anblick nicht ertragen. Rosalie kam mit ausgestreckter Hand auf mich zu. „Emmett bitte hör mir zu, ich lie-„ fing sie an, doch das machte mich rasend. „WEHE DU NIMMST DIESES WORT NOCH EINMAL IN DEN MUND! LIEBE! Pfh" ich spuckte vor ihr auf den Boden und drehte mich um.
Ich konnte den Anblick nicht ertragen. So schnell ich konnte rannte ich zurück zum Haus. Ich hatte vor Edwards Piano zu zerschlagen, doch Esme lag so viel daran. Aber ich wird schon etwas finden zum zerstören.
Ich hörte sie hinter mir herrennen. Dieser Scheisskerl wie kann er einfach so Rose küssen. Das Bild, das mich zu einem Eisblock erstarren liess, war tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Roses Beine um Edward geschlossen, seine Hände, die Hände meines Bruders, auf ihrem Körper, wie er sie gegen einen Baumstamm drückt und sie küsst!
Ich war so dumm! Ich unterdrücke meine Gefühle für Bella, nur um die Beiden nicht zu verletzten. Und jetzt so was!
Ich sah unser Haus vor mir erscheinen, in einer Sekunde war ich in der Haustür und durchbrach sie. Ich stoppte abrupt ab, bevor ich Esme auch noch über den Haufen laufen würde. „Emmett! Wa -„
Doch sie redete nicht weiter, Rosalie kam als nächstes rein und gleich darauf die anderen. Sofort stellten sich Alice und Jasper auf meine Seite. „Emmett bitte hör mir zu, ich kanns erklären."
„Halt die Klappe Rose! Was willst du mir erklären? Ist es anders als ich denke, Rose? Dann hast du mich gerade nicht mit meinem Bruder betrogen?" Ich war völlig in Rage geraten, Rose setzte wieder an um etwas zu sagen, doch ich kam ihr zuvor. „weisst du Rose, ich wusste immer, dass wir nicht Seelenverwandte waren, und dass du Edward eigentlich liebst." Ich machte eine Pause und schaute Edward mit dem bösesten Blick den ich hatte an. „ABER DU! WIE KANNST DU DAS BELLA ANTUN! DU BIST ERBÄRMLICH! DU VERDIENST SIE NICHT! DU – „
Doch ich sprach nicht mehr weiter. Im ganzen Chaos hab ich ihren Geruch gar nicht wahrgenommen, Bella war bei uns zu Hause. Sie war oben die ganze Zeit und hat alles gehört. Verdammt! Jetzt stand sie auf dem obersten Treppenabsatz und wir alle schauten zu ihr hoch. Jegliche Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen. Ihr Kopf drehte sich hin und her. Sie schaute Edward und Rosalie an, dann mich, dann wieder die beiden. Hin und her. Ihr Blick blieb bei Edward ruhen, ungläubig, verletzlich. „Edward, ist das wahr?" ihre schon unglaublich leise Stimme brach beim letzten Wort weg.
Der Mistkerl antwortete nicht. Bella drehte den Kopf zu mir und den anderen und schaute mich fragend an. Ich nickte nur. Ich konnte nicht sprechen, sie so zu sehen, so verletzt, brach mir das Herz.
Sie hielt die Luft an, vermutlich unterdrückte sie das Schluchzen. So schnell, dass man sie für einen Vampir hätte halten können, rannte sie die Treppe runter, Edward wollte sie am Handgelenk greifen um sie aufzuhalten, doch sie schlug mit der vollen Wucht eines Fliegengewichts seine Hand weg. Vermutlich hat sie sich dabei mehr wehgetan als ihm, aber er zog die Hand weg. Sie rannte weiter aus der demolierten Tür zu ihrem Truck und gab Vollgas. Es war totenstill.
