„Dean, du weißt, du kannst mit mir über alles reden." Dean nickt, aber Bobby ist klar, dass er ihm nicht wirklich glaubt. „Ich will dir nur helfen. Wenn du Angst hast, dass John es erfährt…" Dean zuckt mit den Schultern. Bobby sieht Dean an und hebt die Hand, um sie an Deans Wange zu legen: „Junge, du glühst schon wieder." Dean sieht ihn einfach nur hilflos und entschuldigend an. Bobby reicht's jetzt. Er schnappt sich Dean: „Hey, lass mich runter." „Still. Wir wollen Sam doch nicht wecken." Dean stöhnt, Bobby weiß genau, dass er das auf keinen Fall will.
Bobby trägt Dean durchs Schlafzimmer, ins Bad und schließt dort die Tür. Dann setzt er Dean auf dem Klodeckel ab. Der grinst frech: „Ich hab vorhin erst geduscht. Ich bin ganz sauber und muss nicht gewaschen werden." „Klugscheißer.", Bobby hat den Wasserhahn aufgedreht und sucht einen Lappen. Als er zufrieden mit der Wassertemperatur ist, lässt er ein wenig Wasser ins Becken und taucht den Lappen ein. Dann sieht er Dean fordernd an: „Los, komm her." Unsicher geht Dean zu ihm. „T-Shirt ausziehen." Dean kommt sich ein wenig komisch vor, wie beim Militär, ständig kurze knappe Befehle zu befolgen. Doch er ist zu erschöpft, um mit Bobby zu streiten.
Bobby wringt den Lappen aus und fährt über Deans Rücken. „Aah!" „Sei still, sonst erschreckst du noch Sam." Dean zittert: „Aber es ist sooo kalt. Aaah." Wieder hat Bobby den Lappen erneut nass gemacht und fährt nun über Deans vorderen Oberkörper. Dean versucht sich zusammenzureißen, aber er kann nicht aufhören zu zittern. So schaut er Bobby hilfesuchend an: „Bobby biiitteee." Deans Stimme ist unsicher und kindlich, so dass Bobby einfach keinen bissigen Kommentar übers Herzen bringt. Er lächelt Dean kurz aufmunternd zu: „Wir müssen dich ein wenig abkühlen. Gleich geschafft." Bobby nimmt ein Handtuch und rubbelt Dean trocken, dann holt er ihm ein frisches T-Shirt: „Zieh das an." Dean streift sich das Oberteil über und seufzt erleichtert: „Endlich überstanden." Bobby grinst, obwohl es ihm selbst keinen Spaß bereitet: „Noch nicht ganz."
Zwei Minuten später zittert Dean noch mehr und Bobby trägt ihn hinüber zu seinem Bett. Schnell legt Dean sich hinein und deckt sich zu. Bobby fährt ihm über die Stirn: „Schlaf jetzt. Ich nehme dir die Wadenwickel später ab. So fest wie du zurzeit schläfst, bekommst du's eh nicht mit." Dean nickt, sieht Bobby direkt ins Gesicht und sagt leise: „Danke, dass du dich um mich kümmerst." Bobby weiß nicht was er dazu sagen soll, so lächelt er noch einmal und verlässt dann das Zimmer.
Kaum sitzt Bobby im Wohnzimmer und kommt dazu zu verschnaufen, klingelt sein Handy. Schnell sucht er es und geht ran: „Wer stört?!" „Hallo Bobby. Es ist auch schön, dich mal wieder zu hören." „Jim, was willst du?" „Was machst du gerade?" „Ich bin schwer beschäftigt. Wieso, willst du was?" „Na ja, ich nichts wirklich. Ich bräuchte deine Hilfe." Bobby schüttelt den Kopf: „Jim, sonst immer gerne. Aber momentan hab ich alle Hände voll zu tun." Jim seufzt: „Es ist wirklich dringend. John ist…" „John?! Was ist mit dem Kerl? Hast du was von ihm gehört?!" Jim ist einen Moment überrascht: „Hey, immer mit der Ruhe. Was hast du denn?" „Spuck's schon aus!" „Ähm. John wurde verletzt…" 'Ach verdammt. Was treibt diese Familie nur?!'
„Ich steh neben dir als Johns Ansprechpartner und dich konnte niemand erreichen… wo bist du überhaupt?" „Bei den Jungs." Jim überlegt und steht auf der Leitung: „Bitte?" „Mein Gott, Jim. Bei den Jungs von John." „Keine Verunglimpfung von Gott bitte, in meiner Gegenwart." „Ja, ist schon gut. Also sag schon, was ist mit John?!" „Nichts weiter. Er hat wohl ne Gehirnerschütterung und war länger bewusstlos. Er ist vorhin erst aufgewacht und hat gesagt dass die Jungs alleine sind." „Hat sich erledigt. Ich bin bei ihnen." „Haben sie Angst um John gehabt?" Bobby schüttelt den Kopf, sagt aber: „Ja, auch. Ist egal. Sag John, ich bleib bei ihnen. Er soll sich ausruhen und sich morgen mal melden." „Klar, sag ich ihm und er kommt morgen aus dem Krankenhaus. Ich hab gesagt, er kann noch ein paar Tage bei mir bleiben… er wollte erst nicht, wegen den Kindern…" „Um die kümmer ich mich schon. Sag John er soll brav sein." Jim grinst: „Klar, mach ich. Wenn was ist, sag Bescheid." Bobby murrt nur und verabschiedet sich. Er legt das Handy weg und stöhnt: „Oh Mann." 'Jetzt hat John wenigstens ne gute Ausrede, um nicht hier zu sein.'
Bobby steht auf und geht hinüber ins Schlafzimmer. Durch den Vorhang fällt genug Licht, dass er die Gesichtszüge der Kinder erkennen kann. Sam schläft ganz ruhig und hat einen entspannten Gesichtsausdruck. Bobby lächelt und wendet sich zu Dean. Seine Mimik ist verkniffen und er ist unruhig. Bobby fährt ihm sanft über die Stirn: „Sch, Dean. Es ist alles gut. Beruhige dich." Zu Bobbys Verwunderung hilft es tatsächlich ein bisschen. Vorsichtig hebt er die Bettdecke und entfernt die Lappen und Handtücher, von Deans Unterschenkeln.
Eine Stunde später kommt Sam ins Wohnzimmer getapst. Bobby liest in einem neuen Buch, das er sich von Zuhause mitgebracht hat. Die Sagen darin sind so interessant, dass er Sam zunächst gar nicht bemerkt. Sam geht weiter auf ihn zu und als Bobby ihn nicht ansieht, sagt er leise und unsicher: „Bobby?" Der Angesprochene erschrickt. „Gott Sam." „Tschuldigung." Bobby steht auf und nimmt Sam hoch: „Musst dich nicht entschuldigen. Du hast mich nur erschreckt.", er geht in die kleine Küche: „Gut geschlafen?" Sam hält sich an seinem Hemd fest und nickt. Er setzt ihn auf der Küchenzeile ab und hält ihm ein Glas mit Saft hin: „Durst?" Sam nickt heftig und trinkt das ganze Glas aus. Bobby grinst. Sam sieht zum Kühlschrank: „Ich hab Hunger." „Abendessen gibt's erst später. Magst du einen Joghurt?" „Lieber einen Pudding." „Okay." Bobby holt einen Pudding und einen Löffel und gibt beides an Sam weiter, dann schnappt er sich den Jungen wieder und setzt ihn im Wohnzimmer auf die Couch. Sam versucht den Deckel vom Pudding zu öffnen und dabei schwappt ein wenig Pudding auf sein T-Shirt: „Ups." Bobby, der sein Buch geholt hat, seufzt: „Ach Sam." „Es war nicht mit Absicht." 'Natürlich nicht, ich hätte ihn dir aufmachen sollen. Meine Schuld.' Bobby holt kurz ein Küchentuch und putzt Sam ein wenig sauber, dann nickt er: „Iss weiter. Wir ziehen dich um, wenn du fertig bist, nicht dass du noch mehr abbekommt." Sam grinst und fängt an zu Löffeln.
Fünf Minuten später ist Sam mit dem Pudding fertig und Bobby mit seinen Nerven. 'Wie kann man mit einem Pudding nur so ein Chaos anrichten!' „Bleib da sitzen und fass ja nichts an." Sam hält seine dreckigen Hände in die Höhe und grinst ihn an. Bobby schüttelt den Kopf und schmeißt den leeren Puddingbecher in den Mülleimer und den Löffel in die Spüle. Dann geht er zu Sam: „Ich heb dich hoch und bring dich ins Bad. Fass mich ja nicht an und sei still, damit wir Dean nicht aufwecken." Sam nickt heftig. Bobby packt ihn also unter den Achseln und hält ihn möglichst weit weg von sich, was Sam lustig findet und ihn ständig angrinst. Im Badezimmer angekommen setzt er Sam ab und schließt die Tür.
Unter Sams Protest wäscht Bobby ihn und holt ihm schnell ein anderes T-Shirt. Sam, der es hasst gewaschen zu werden, ist eh schon schlecht drauf und stöhnt: „Ich will ein anderes." „Nichts da. Das tut es genauso. Wir gehen jetzt wieder hinüber und du kannst noch ein bisschen spielen." „Ich will aber mit Dean spielen!" 'Wie schafft Dean das bloß!' „Lass deinen Bruder noch ein bisschen schlafen." „Spielst du wieder mit mir?" Nur damit Ruhe ist, nickt Bobby. Da hat Sam auch schon die Badezimmertür geöffnet und rennt ins Wohnzimmer, Bobby folgt ihm stöhnend.
„Mummy!" Sam und Bobby sehen sich erschrocken an. „Mummy bitte!" Bobby sagt streng zu Sam: „Du bleibst hier, ich schau nach Dean." Sam fängt diesmal sofort an zu weinen, Dean und sein Alpträume verunsichern ihn einfach zu sehr. Aber darum kann sich Bobby erstmal nicht kümmern. Er eilt zu Dean und setzt sich zu ihm aufs Bett. Der Junge ist wieder tief in seinem Alptraum gefangen: „Mummy bitte… Lass mich nicht allein!" In Bobby zieht sich alles zusammen. 'Der arme Junge.'
„Sch, Dean. Ich bin's, Bobby." Er legt die Bettdecke weg und nimmt Dean diesmal gleich in seine Arme: „Alles gut, Junge. Schhh, komm, wach auf." Dean dreht sich hin und her und Bobby muss fest seine Arme um ihn schließen: „Dean!" Auf einmal geht durch Dean ein Zucken und er wird wach. Er will sich aus Bobbys Armen befreien, doch der reibt ihm nur über den Rücken: „Ist schon gut, Dean. Alles okay." Dean fängt an zu weinen: „Mummy." 'Da haben wir das eigentliche Problem.' „Sch, atme schön tief durch." „Ich will meine Mum." Bobby drückt ihn noch fester an sich: „Ich weiß, Dean. Glaub mir, wenn ich könnte…" Dean seufzt und beruhigt sich langsam: „Sam?"
Sam steht unbemerkt in der Tür: „Hier Deano." Bobby und Dean sehen zu ihm. Der kleine Junge hat Tränen in den Augen. Dean lächelt ihm zu: „Komm her." Sam rennt zu ihm und Bobby packt ihn einfach und setzt ihn auf das andere Bein. Sam grinst und lehnt sich an Dean, der streicht ihm sanft über die Haare: „Sorry Sammy. War nur ein Alptraum. Alles ist gut." Bobby sieht verwundert auf die zwei Kinder, in seinen Armen. 'Unglaublich, diese Jungs.'
Zwei Stunden später sitzt Dean, mit Sam auf seinem Schoß, auf der Couch und liest ihm ein Märchen vor. Bobby steht in der Küche und macht eine einfache Gemüsesuppe. Während er so im Topf umrührt, wirft er einen Blick auf den Kalender, der an der Wand hängt. Ein Tag ist schwarz angestrichen. Er sieht es sich genauer an und bemerkt, dass es der heutige Tag ist. Verwirrt überlegt er, doch ihm fällt nichts ein. Er schaut noch einmal kurz nach der Suppe und geht dann zu Sam und Dean. Er wartet bis beide ihn ansehen und fragt dann: „Wieso ist der heutige Tag schwarz markiert?" Dean zuckt zusammen und senkt sofort den Kopf. Sam sieht Bobby an, als könne er nicht verstehen, warum Bobby so was fragt. Doch als keiner mehr was sagt, antwortet er, wie selbstverständlich,: „Na wegen Mum."
Wieder zuckt Dean zusammen und drückt Sam fest an sich. Aber Bobby sieht nichts mehr. Er schließt die Augen und verflucht sich selbst. 'Ich verdammter Hornochse! Ich Vollidiot! Wie konnte ich das übersehen?! Wie konnte ich das vergessen?!' Er sieht zu Dean und schüttelt den Kopf. 'Des Rätsels Lösung war die ganze Zeit da. Direkt vor meinen Augen! Oh Singer, du gehörst geschlagen!'
Bobby packt Sam und setzt ihn in die kleine Spielecke. „Hey!" Bobby wuschelt ihm durch die Haare: „Sorry Sam. Ich muss mal ganz dringend mit Dean sprechen. Wir sind gleich wieder da." Sam sieht ihn bockig an, doch da von Dean nichts kommt, greift er zu seinen Autos. Bobby schaltet schnell den Herd aus und dann greift er sich Dean. Wieder nimmt er den Jungen hoch, doch diesmal geht er mit ihm an die frische Luft. Er lässt die Tür auf und setzt sich mit Dean auf eine nahe Bank.
Dean schweigt, er gibt keinen Mucks von sich. Bobby seufzt tief und schlingt schützend einen Arm um den Jungen. Leise sagt er: „Deswegen hattest du die Alpträume. Oder? Und deshalb bist du auch so verschlossen." Dean zuckt mit den Schultern. „Das ist das erste Mal, dass John dich und Sam allein gelassen hat, also ich meine an dem Tag. Nicht?" Dean nickt kurz. Bobby streicht ihm über den Kopf: „Weißt du Dean… Wenn wir Kummer haben und damit nicht fertig werden… dann kann auch unser Körper leiden…" Dean runzelt die Stirn: „Was?" Bobby grinst und erklärt ruhig: „Ich glaube, dass sich deine psychischen Schmerzen auf deinen Körper übertragen haben." „Psych…" 'Oh Mann, ein Genie ist unser Großer nicht gerade. Also ganz einfach.'
„Du bist krank, weil du Kummer hast." Dean nickt, das er verstanden hat. „Du musst darüber reden, Dean. Du…" „Aber Dad redet auch nicht über sie. Nie!" 'Verdammter Idiot, John!' „Das ist egal. Für dich ist es besser, wenn du darüber redest." Sanft streicht er Dean die Tränen aus dem Gesicht: „Du kannst immer mit mir reden. Es ist klar, das Sam dafür noch zu klein ist." „Er weiß gar nichts über Mum! Er hat sie nicht gekannt. Er kann sich gar nicht an sie erinnern." Dean weint endlich, ohne vorher geträumt zu haben,: „Das ist… nicht richtig… Sie sollte bei uns sein… Ich will sie wiederhaben." Bobby drückt ihn fest an sich: „Sch, ich weiß Dean. Ich wünschte, ich könnte dir helfen."
Doch er kann nichts tun, außer Dean zu halten. Nach ein paar Minuten hat sich Dean beruhigt. Doch er zittert, ist nass geschwitzt und erhitzt. Bobby hebt ihn hoch: „Ich wasch dich kurz und dann legst du dich ins Bett." „Ich bin nicht müde… Ich bin…" Dean ist völlig fertig, er klammert sich an Bobby und gibt keine Widerworte, während Bobby ihn ins Bad trägt und dort absetzt. Ganz sanft, und mit lauwarmen Wasser, wäscht Bobby Dean den Schweiß ab. Dann hilft er ihm in einen neuen Schlafanzug und bringt ihn ins Bett: „Schlaf gut, Dean. Ich bin nebenan und kümmere mich um Sam. Mach dir keine Sorgen." Bobby will aufstehen, doch Dean klammert sich an seine Hand, so dass er sich setzt und wartet, bis Dean eingeschlafen ist.
Sam sieht Bobby ängstlich an, als der wieder ins Wohnzimmer kommt. Bobby geht zu ihm und nimmt ihn hoch. Er geht in die Küche und schaltet den Herd wieder ein. Dann setzt er Sam auf die Küchenzeile und lächelt aufmunternd. Sam sieht ihn ängstlich an: „Dean?" „Dean schläft und vor morgen wird er auch nicht aufwachen. Aber mach dir keine Sorgen, morgen geht's ihm schon besser." „Ist er krank?" Bobby rührt im Topf um: „Ja, kann man wohl so sagen. Aber es ist nicht so schlimm." Sam nickt unsicher.
Bobby tut alles um den Kleine gut abzulenken und liest ihm später sogar eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Er gibt Dean ein leichtes Beruhigungsmittel, damit der Junge die Nacht durchschläft.
Am nächsten Morgen ist Dean zwar noch immer schwach und unnatürlich still, aber es bessert sich im Laufe des Tages und nachdem John sich nachmittags gemeldet hat, geht's ihm viel besser und Sam ist froh, als Dean ihn am Abend ins Bett bringt und vorher noch ein wenig Blödsinn mit ihm macht. Deans Lachen zeigt ihm, dass es seinem großen Bruder besser geht.
########## Flashback Ende ##########
