„Ein netter Junge, dieser Tristan. Er taut ganz sicher noch auf", plapperte Conny ganz unbeschwert, als sie am Abend in ihr Ehebett kletterte. „Ja, sicher", seufzte Rokko. „Alles in Ordnung?" – „Ja, was soll denn sein?" – „Das frage ich ja dich." – „Conny, Tristan ist Lisas und Davids Sohn." – „Und? Da stehst du doch locker drüber. Du bist über sie hinweg, schon vergessen? Ich bin jetzt die Frau an deiner Seite und das schon einige Jahre… Ach was rede ich? Jahrzehnte! Du willst doch auch, dass dein Sohn glücklich ist, oder? Du hast genauso wie ich durch die Gardine gelinst, als sich die Beiden von einander verabschiedet haben. Das ging doch richtig ans Herz, oder?" – „Ja, aber Conny… Er ist Lisas und Davids Sohn", wiederholte Rokko mit Nachdruck. „Und sie wissen noch nichts von Yani." – „Sie wissen auch nichts von den beruflichen Zielen ihres Sohnes und noch viel weniger von seiner sexuellen Orientierung…" – „So wie ich Lisa und David kenne, werden sie daran zu knabbern haben. Lisa war immer so schrecklich konservativ und David in dieser Hinsicht ein Neandertaler: Jungs nageln Mädchen und davon möglichst viele." – „Ach, wie schön, dass du da anders bist, nicht wahr, mein Schatz? Wenn wir Tristan nicht beistehen, wer bitte dann? Ich glaube, dass er unseren Yani genauso liebt wie Yani ihn." – „Was, wenn er ihm wehtut?" – „Pf, die Zeiten der Sippenhaftung sind vorbei. Du weißt nicht, ob er nach seiner Mutter kommt." – „Oder er kommt nach seinem Vater und betrügt unseren Yani." – „Du kannst Yani aber nicht vor allem beschützen. Er muss seine Erfahrungen machen. Du gönnst ihm doch sein Glück, oder?" – „Ja, natürlich gönne ich ihm das." – „Dann hör auf zu grummeln. Lisa ist Vergangenheit. Und wenn du darüber nachdenkst: Sie ist nach fast dreißig Ehejahren immer noch glücklich mit ihrem David. Dann war es die große Liebe – so wie bei uns beiden." – „Nur, dass wir erst noch die 25 knacken müssen", grinste Rokko plötzlich. „Genau. Und du könntest etwas tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die 25 auch wirklich geknackt wird", grinste Conny ihren Mann verführerisch an. „Schon gut, schon gut. Yannick und Tristan kriegen ihren Segen ja von mir." – „Pf, ich dachte ja viel mehr an…" Conny beugte sich vor und senkte die Stimme. „… ein bisschen kuscheln und küssen und streicheln und… führ die logische Reihe alleine zu Ende." – „Ui, klingt gut", grinste nun auch Rokko.