Ach herje... Da wurden die Beiden doch tatsächlich getrennt.
Werden sie das wohl überleben? Na klar, aber ganz ohne Probleme geht es eben nie.
Kommentare erwünscht.

Obwohl sie es ja von Anfang an gewusst hatten, war Jess traurig darüber, nicht mit ihrer Schwester im selben Haus zu sein. Im Moment hatte sie jedoch andere Probleme. Nein, berichtigte sie sich in Gedanken, sie hatte nur ein Problem. Und das war ungefähr 1,80 groß, hatte blonde Haare und ging mit einem überheblichen Gesicht vor ihr. Sie seufzte lautlos. Im Moment war sie noch abhängig von ihm, da sie sich im Schloss nicht auskannte, aber das würde sie schnell ändern.

Die Treppe, die er sie und die anderen Erstklässler hinunterführte, war steil und nur spärlich beleuchtet. Sie endete in einem dunklen und feuchten Gang. "Meine Damen und Herren! Willkommen in den Kerkern." Er klang gelangweilt, anscheinend hatte sich seine Freundin verzogen und ihm die Neuen aufs Auge gedrückt. Sie hätte ihn als einen Menschen eingeschätzt, der sie jetzt eine Zeit lang die "angenehme" Atmosphäre genießen hätte lassen. Aber Pustekuchen! Er ging eilig weiter, ohne sich zu vergewissern, dass ihm die Anderen auch folgten. Ein Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht. Geschah ihm ganz recht.

Der Gang schien kein Ende zu nehmen und gab Jess leider die Möglichkeit Draco Malfoy zu mustern. Ohne es zu wollen wanderte ihr Blick über seine Haare, zu seinem Rücken, bis er schließlich an seinem Hintern hängen blieb. Warum, verdammt noch mal, bedauerte sie gerade, dass sein Umhang nichts genaueres erkennen lies? Sie riss sich mit Gewalt los. Gerade noch rechtzeitig um das dreckige Grinsen auf seinem Gesicht zu sehen. Schnell wandte sie sich ab und versuchte verzweifelt nicht rot anzulaufen. Aber so, wie er sie anstarrte, hatte sie es nicht wirklich geschafft. Na super!, dachte sie wütend. Jetzt denkt er wahrscheinlich auch noch, dass ich ihn toll finde. Sie warf ihm einen bösen Blick zu, aber er grinste sie weiterhin unbeeindruckt an. Starr mich nicht so an, du Idiot. Am liebsten hätte sie es ihm ins Gesicht gesagt. Natürlich wäre es eine blöde Idee einen Vertrauensschüler zu beleidigen, weshalb sie nur die Augen zusammenkniff und schwieg. Draco schien sich endlich wieder seiner Aufgabe klar zu werden und deutete, nun wieder gelangweilt, auf die Wand vor ihnen. "Das ist der Eingang zum Gemeinschaftsraum der Slytherins." Jess zog die Augenbrauen nach oben, verkniff sich aber jedes bissige Kommentar. Er würde es ihnen schon noch erklären. Genau das tat er auch. "Ihr müsst euch nur davor stellen, das richtige Passwort sagen und schon könnt ihr rein." Er lies seinen Blick über die Erstklässler schweifen, bis er erneut an ihr hängen blieb. "Das aktuelle Passwort ist: Basilisk. Merkt es euch gut, sonst kommt ihr am Schluss nicht rein und müsst auf dem Gang übernachten. Und das wäre doch schade!" Er bleckte seine strahlend weißen Zähne.

Dann drehte er sich zur Wand um. "Basilisk."

Plötzlich öffnete sich vor ihm ein Torbogen und er trat hindurch. Staunend folgten ihm die Neuen in einen lang gestreckten Raum. Die Wände waren aus rohem Stein und wurden von vielen kleinen Kugellampen in grünliches Licht getaucht. Die dominierenden Farben im Gemeinschaftsraum waren, natürlich, Grün und Silber. In einem offenen Kamin an der gegenüberliegenden Wand brannte ein wärmendes Feuer. Darüber hingen einige Schrumpfköpfe, anscheinend als Dekoration gedacht.

Hohe Lehnstühle standen in kleinen Gruppen zusammen. Darin saßen einige Slytherins, die den Neuankömmlingen allerdings keine Beachtung schenkten. Einige unterbrache ihre Gespräche um Draco kurz zuzunicken.

Kaum hatte der Letzte den Torbogen durchquert, schloss sich dieser und wurde wieder zu einer normalen Wand. Malfoy drehte sich zu ihnen um. "Noch einige Informationen am Rande: der Hauslehrer von Slytherin ist Professor Snape, das Auswahlspiel für die Quidditchmanschaft findet morgen Abend statt und Freundschaften mit Gryffindors werden in diesem Haus nicht gern gesehen." Er machte eine dramatische Pause, lies einen, seiner Meinung nach wohl bösen Blick über alle Anwesenden schweifen und lies sich in einen der Sessel fallen. "Bevor ich es vergesse. Zum Mädchenschlafsaal geht es durch die rechte Türe, zum Jungenschlafsaal durch die Linke." Er lehnte sich zurück und schloss die Augen.

Jess beobachtete aus dem Augenwinkel, wie einige Erstklässler eine Gänsehaut bekamen, als sie sich genauer umschauten. Anscheinend gefiel es ihnen nicht sonderlich hier unten. Sie selbst hatte kein Problem mit dem Gemeinschaftsraum der Slytherins. Sie mochte die Atmosphäre, die sie unweigerlich an alte Ritterburgen und versteckte Schatzkammern denken lies. Gerade als sie sich in Richtung Schlafsaal in Bewegung setzte, hörte sie Draco hinter sich. "Hey! Ähm… Hey… Carter." Überrascht drehte sie sich zu ihm um. Er saß immer noch extrem cool in seinem Sessel, massierte mit einer Hand sein linkes Ohr und stützte mit der Anderen seinen Kopf. Er grinste frech zu ihr hinüber. "Damit du dich morgen nicht verläufst, könnte ich dir etwas später das Schloss zeigen."

Wieder wurde sie wütend auf ihn. So ein überheblicher Trottel. dachte sie und zog verachtend die Augenbrauen nach oben. "Wir könne uns also an meinen Namen erinnern, Mister Malfoy? Ich fühle mich ja geehrt, dass du dir solche Sorgen um mich machst, aber ich finde mich hier durchaus alleine zurecht." Sie setzte ein honigsüßes Lächeln auf und beobachtete mit Genugtuung, wie er wütend die Stirn runzelte und sein dämliches, aber überaus süßes, Grinsen verschwand.

Jess gab ihm nicht die Chance etwas zu erwidern, sondern drehte sich elegant um und verschwand in der Tür des Mädchenschlafsaals.

Die gesamte Szene war nur von einer Person beachtet worden. Es war ein Mädchen in Dracos Jahrgang. Ihre dunklen Haare waren zu einem Bob geschnitten und ihre ebenfalls dunklen Augen hatten die Beaubatoux mit den ersten Anzeichen von Eifersucht beobachtet.

Sie würde nicht zulassen, dass ihr diese dahergelaufene Schlampe Draco wegnahm.

Als Mary-Jane sich zu den anderen Ravenclaw-Neulingen umdrehte, hatten diese sich gerade in Bewegung gesetzt. Ein durchaus hübsches Mädchen mit indischen Gesichtszügen und ein kleiner, unauffälliger Junge führten sie auf die andere Seite der Eingangshalle. Weg von der Treppe, auf der Jessica gerade eben verschwunden war. Sie betraten das berühmte Treppenhaus Hogwarts.

Es schien nach oben wie unten endlos weiterzugehen, die breiten Treppen schoben sich mit einem unangenehmen Geräusch von einem Treppenabsatz zum Nächsten. Der unauffällige Junge hob die Stimme: "Diese Treppen sind ständig in Bewegung. Es kann passieren, dass sich eine direkt vor eurer Nase verschiebt oder dass sie sich verschiebt während ihr AUF ihr seid. Beides ist nicht gerade lustig, wenn man es eilig hat! Deshalb rate ich euch, immer ein bisschen zu früh loszugehen, wenn ihr die Treppen benutzen müsst." Mit diesen Worten betraten sie gemeinsam die Treppen.

Schon nach einiger Zeit bewegte sich die Erste direkt unter ihren Füßen und MJ musste sich hastig am Geländer festhalten, um durch den plötzlichen Ruck nicht von den Füßen gerissen zu werden. Die Menschen in den Gemälden, die hier überall an den Wänden hingen, fanden die entsetzten Gesichter der Neulinge unglaublich komisch und brachen in lautes Gelächter aus. Das Lachen begleitete sie noch lange, doch dann verließen sie endlich das Treppenhaus und betraten einen Gang im, MJ hatte vorsichtshalber mitgezählt, siebten Stock. Nach einigen wenigen Minuten erreichten sie die erste Stufe einer Wendeltreppe. Sie schienen sich in endlosen, engen Kurven nach oben zu winden.

MJs Oberschenkelmuskeln schmerzten schon nach kurzer Zeit und ihre Laune senkte sich dem Tiefpunkt entgegen. In Gedanken, in denen sie die steile Wendeltreppe verfluchte, prallte sie unsanft gegen etwas vor ihr. Sie sah auf und fing sich den verärgerten Blick eines, für sein Alter, relativ großen Erstklässlers ein. "'Tschuldigung! ", murmelte sie verlegen. Zu ihrem Glück begann die Vertrauensschülerin gerade zu sprechen. "Hier geht es zu unseren Gemeinschaftsraum. Passt jetzt gut auf! Ich zeige es euch." Sie drehte sich zu einer schlichten Holztür um. Sie hatte weder ein Schlüsselloch, noch eine Klinke. Nur einen bronzenen Türklopfer in Form eines Adlerkopfes. Das Mädchen klopfte und der Adler bewegte den Schnabel. Mit leiser und melodischer Stimme fragte er: "Wer sind die beiden Geschwister, die sich ständig gegenseitig erzeugen?" Sie drehte sich wieder zu ihnen um. "Der Adler stellt jedes mal ein Rätsel und ihr müsst es richtig beantworten. Wenn die Antwort falsch ist, öffnet sich die Türe nicht. Dann müsst ihr auf einen anderen Ravenclaw warten, der sie richtig beantworten kann. Also überlegt gut!"

MJ hatte nur mit halben Ohr zugehört. Es gefiel ihr außerordentlich, dass man nicht mit einem langweiligen Passwort hinein kam. Sie hätte es sich sowieso nicht lang merken können. Nun überlegte sie sich die richtige Antwort, denn niemand sonst machte Anstallten, das Rätsel zu beantworten. Zumindest die Vertrauensschüler schienen auch zu überlegen. Geschwister, die sich gegenseitig erzeugten! Was sollte das nun wieder heißen? Dann hatte sie eine Art "Geistesblitz". Zumindest viel es ihr plötzlich ein.

Schüchtern sah sie sich um. Niemand sagte etwas. Kurzerhand schob und drängelte sie sich nach vorne, bis sie direkt neben dem indischen Mädchen stand. Diese blickte überrascht zu ihr hinüber, doch MJ ignorierte sie einfach. Sie überlegte gerade angestrengt, ob sie die Antwort einfach sagen sollte und ihre Hand zuckte Richtung Türgriff. "Du musst nicht noch mal klopfen." Der Junge hatte sie auch bemerkt und blinzelte sie schüchtern an. Sie lächelte zu ihm hinüber und sagte dann, an den Türklopfer gewandt: "Sonne und Mond! Die Antwort lautet: Sonne und Mond." Ohne ein weiteres Wort schwang die Türe auf und lies sie eintreten. Der Raum, der dahinter lag, war kreisrund. MJ war vom ersten Augenblick an verliebt in den Ravenclaw-Gemeinschaftsraum. Der ganze Boden war mit dunkelblauem Teppich ausgelegt. Er war mit winzigen silbernen Sternen übersäht. Auch die hohe Bogendecke zierten silberne Sterne und verstärkten den luftigen Effekt, den die anmutigen Bogenfenster und die architektonische Bauweise hervorriefen. Die Wände waren teilweise von blau-bronzenen Seidenbannern verdeckt und der Rest davon verschwand hinter hohen Bücherregalen. Noch ein Grund sich hier wohl zufühlen. Um einen wärmenden Kamin waren kleine Tische und bequem wirkende Sessel gruppiert. In ihnen saßen fröhlich plaudernde Ravenclaws, von denen ihnen die Meisten freundlich zulächelten. Die Anderen beachteten die Erstklässler nicht.

Ihnen direkt gegenüber stand eine weiße Marmorstatue. Sie war das Abbild einer schönen aber einschüchternden Frau, die sie mit einem angedeuteten spöttischen Lächeln ansah. Auf dem Kopf trug sie ein zierlich wirkendes Diadem, das ebenfalls aus Marmor bestand. Das muss Rowena Ravenclaw sein., dachte MJ ein bisschen ehrfürchtig. Ein leises Klicken ertönte, als die Türe hinter ihnen zufiel.

Das Mädchen stellte sich direkt vor sie und lächelte: "Es gibt da noch ein paar Dinge, die ihr wissen solltet. Also: unser Hauslehrer ist Professor Flitwick, er unterrichtet Zauberkunst. Das Auswahlspiel der Quidditchmanschaft ist Übermorgen Mittag. Ach ja, noch eine Warnung! Haltet euch am besten von den Slytherins fern." Innerlich musste die Beaubatoux anfangen zu grinsen. Sie würde sich sicher NICHT von den Slytherins fernhalten. Wäre ja noch schöner.

Still in sich hinein lächelnd folgte sie einem Ravenclaw-Mädchen mit langen, braunen Haaren und asiatischen Zügen durch eine Türe, die anscheinend zum Mädchenschlafsaal führte.

Sie konnte es kaum erwarten Jess alles haarklein zu erzählen.

Mitternacht.

Im Schloss war es weitgehend still. Abgesehen vom Geschnarche einzelner Porträts und Peeves leisen Gesängen. Zwei dunkle Schemen schlichen lautlos von Schatten zu Schatten, die Eingangshalle als Ziel.

Die Augen beider Mädchen reflektierten auf ungewöhnliche Art und Weise das matte Mondlicht. Ihre Iren schienen von innen heraus zu leuchten, wann immer sie auch nur den kleinsten Lichtstrahl einfingen. Sie schritten von den entgegen gesetzten Seiten der Halle auf einander zu, bis sie sich in deren Mitte trafen. Verschwörerisch steckten sie die Köpfe zusammen. Das Flüstern des einen Mädchens war fast nicht zu hören. "Lass uns irgendwo hingehen wo wir ungestört reden können, ja?"

"Kein Problem, Jess.", flüsterte MJ zurück. "Ich habe mich erkundigt!" Als sie den entsetzten Blick ihrer Schwester bemerkte, fügte sie schnell hinzu: "Keine Angst! Natürlich unauffällig. Also… da wäre die Eulerei. Falls es dir nichts ausmacht in meterhohem Eulendreck rum zustehen. Oder wir schleichen uns auf das Schlossgelände. Wenn wir an unserem ersten Tag, oder besser in unserer ersten Nacht schon Ärger bekommen wollen. Und "Last but not least" könnten wir auf den Astronomieturm klettern, was ich… sagen wir mal… für gut riechend und sicher befinde." Sie zog die Augenbrauen nach oben und legte den Kopf schief. Jess tat so, als müsse sie angestrengt überlegen, legte einen Finger ans Kinn und murmelte: "Hm… schwierig. Ich liebe Eulendreck und Risiko ist mein zweiter Vorname! Also… ich denke, ich nehme den Astronomieturm!" MJ nickte grinsend und bedeutete ihrer Schwester ihr zu folgen. Schweigend, die Finger ineinander verschlungen, schlichen sie durch die leeren Gänge Hogwarts. Treppe um Treppe wurde von ihnen erklommen. Immer höher führte sie ihr Weg, bis sie schließlich vor einer schweren Türe stehen blieben. "Wir sind da.", flüsterte MJ in Jesss Richtung.

Mit begeistert funkelnden Augen sahen sie sich an, öffneten die Türe gemeinsam und traten in die kalte Nachtluft hinaus.