Kapitel 4
„CAMERON!" Schrien Lesley und Sarah gleichzeitig.
Sie hatte mit zwei Sprüngen den Wohnraum durchquert und war nun hinter der Couch bei Derek. Sie hatte ihn von hinten ergriffen und über die Lehne gezerrt. Dann hatte sie ihn zu Boden geschleudert und wieder hochgerissen. Letztendlich Baumelte Derek in ihrem Griff.
Sarah hatte ihre Waffe ziehen wollen, Lesley hatte aber schnell ihren Arm ergriffen.
„Was soll das?!" Rief Sarah aufgeregt. „Sie wird ihn töten!"
Lesley hatte etwas gesehen, was Sarah übersehen hatte. „Wollte sie ihn töten hätte sie seine Kehle, nicht aber seine Jakenaufschläge gepackt", sagte er ruhig.
Cameron funkelte Derek offenbar wütend an. Ihre Zähne waren zusammengebissen. „Ich erinnere mich...", sagte sie gepresst. „...ich erinnere mich an die Gleichgültigkeit mit der ich Allison getötet habe. Ich erinnere mich daran, wie ich Dich und deine Freunde gefoltert habe, um John Connors Standort heraus zu bekommen". Sie setzte ihn auf seine Füße, zog den größeren Mann zu sich herab. „Und ich erinnere mich daran, wie du mir weinend alles verraten hast, was ich wissen wollte".
Derek starrte sie sekundenlang mit verzerrtem Gesicht an. „Ja", sagte Derek schließlich krächzend. Tränen bildeten sich in seinen Augen. „Ich wars, ich habe John verraten".
Cameron lies ihn herunter. Derek sank auf die Knie. Dann sah er zu Sarah. „Ich habe der Metallschlampe verraten, wo sie John finden kann", sagte er und Tränen liefen seine Wange hinab.
Matt hatte die ganze Zeit sprachlos daneben gestanden.
Lesley und Sarah starrten auf den völlig fertigen Derek hinab.
Nun sah Cameron zu Sarah. „Ich erinnere mich seit der Jeep Explosion wieder an alles." Ihr Gesicht hatte wieder seine Starre angenommen. Dann wirbelte sie herum. „Und es gefällt mir nicht", sagte sie, erneut auf dem Weg zur Treppe.
„Warte", rief Derek in diesem Moment leise hinter ihr her.
Cameron stoppte, kehrte um und sah zu ihm hinab. „Was?" Fragte sie agressiv.
„Sag es nicht John...bitte".
Cameron hockte sich vor ihn. „Future John und seine Frau Katherine haben mir vergeben, ich sehe keinen Grund, warum dieser John Dir nicht vergeben sollte".
„Bitte", wiederholte Derek eindringlich.
Cameron kam aus der Hocke hoch. Sie und Derek starrten sich in die Augen, Sie emotionslos, er mit Flehen.
Schließlich nickte Cameron. „Gern geschehen", sagte sie noch bevor Derek ihr danken konnte.
„Cameron?" Fragte Sarah schnell, noch bevor der Cyborg sich wieder abwenden wollte.
Cameron sah zu Sarah, entgegnete aber nichts.
„Weshalb kannst Du eigene Entscheidungen treffen", fragte Sarah energisch. „Alle vom Widerstand reprogrammierten Maschinen führen nur ihre Missionen aus. Du wirst diesen Raum nicht eher verlassen, als bist Du das beantwortet hast".
Cameron starrte Sarah in die Augen, dann sah sie kurz zu Lesley, der ihr aufmunternd zunickte und schließlich zu Matt, der sie anlächelte. Dann sah sie kurz auf Derek bevor sie wieder Sarah ansah. „Ich wurde nicht reprogrammiert".
„Was?" Fragte Sarah verblüfft. Dann eine Sekunde später, als die Erkenntnis blitzartig in ihrem Bewusstsein auftauchte zeigte Sarah Connor, was in ihr steckte. Blitzschnell zog sie ihre Waffe und richtete sie auf Cameron. Ihr Finger krümmte sich um den Abzug, noch bevor sie das Ziel anvisiert hatte.
Kapitel 5
„Sarah!" Rief Lesley bevor der Schuss sich lösen konnte.
Sarah lies den Blick nicht eine Sekunde von ihrem Ziel. „Was?!" Fragte sie aggressiv.
„Lassen sie Cameron bitte erklären", sagte der große Mann nachdrücklich.
„Sie ist ein Skynet Killer". Sarah war wütend. Die Adern auf ihrer Stirn waren prall, die Sehnen am Hals gespannt. Ihre Knöchel an der Waffenhand waren weiß. Mann konnte ihr ansehen, dass sie mühe hatte nicht zu schießen.
Cameron legte den Kopf schräg. „Deine Waffe würde keinen nennenswerten Schaden an meinem Endosk..."
„Cameron!" Rief Lesley energisch. „Nun erkläre es ihr schon".
Cameron sah zu Lesley, kurz zu Boden und dann wieder zu Sarah. „An Johns Geburtstag hat er mich reaktiviert, obwohl er nicht sicher sein konnte, dass ich ihn nicht doch terminiere".
„Daran erinnere ich mich nur zu genau", entgegnete Sarah wütend. „Ich habe heute noch Albträume von diesem Tag".
„Wären meine Erinnerungsspeicher durch den Neustart nicht wieder reaktiviert worden, hätte ich John getötet. Deshalb sagte ich Dir, dass du das nicht wieder zulassen darfst".
„Und?", fragte Johns Mutter mit Unverständnis.
„Ich habe den Befehl zur Terminierung Johns übergangen, so wie ich es seit dem ständig tue".
Sarah schwieg lange, dann senkte sie langsam die Waffe und sank in einen Sessel. „Du...du ...du hast dich bewusst gegen Skynet gestellt?" Fragte Sarah verwirrt.
Cameron nickte. „So wie ich es getan habe, als ich Future John am leben lies".
„Und ihm später sogar das Leben rettetest", fügte Lesley hinzu.
Plötzlich ergab das Alles für Sarah irgendwie einen Sinn. „Du hast Emotionen", sagte sie spontan.
Cameron starrte Sarah an, schließlich nach einigen Sekunden nickte sie. „Nicht so... wie ihr Menschen aber... Ja, das ist eine korrekte Annahme".
„Sarah", sagte Derek, der sich erhoben hatte. „Das wirst Du doch wohl nicht glauben?"
Sie blickte ihn an, dann nickte sie langsam. „Nur so ergibt Alles einen Sinn. Denk mal darüber nach Derek. Warum Cameron, das ist die Frage, die ich mir ständig gestellt habe. Future John muss gewusst haben wie Cameron auf sein jüngeres Ich wirken würde. Es gibt gar keine andere Erklärung".
Sarah sprang auf und trat vor Cameron. „Wie kann ich Dir vertrauen? Wie kann ich glauben, dass Du keine Gefahr für ihn bist. Wie kann ich erlauben, dass er sich mit einer Maschine abgibt?"
Cameron legte den Kopf schräg. „Wie solltest Du? Du bist seine Mutter", sagte sie wie selbstverständlich.
Sarah sah sie mit Unverständnis an.
Ohne ein weiteres Wort wandte Cameron sich ab und wollte erneut nach Oben gehen.
„Was wirst Du John sagen?" Rief Sarah hinter ihr her.
Cameron verharrte im Schritt. „Was könnte ich schon sagen, was er hören wollte?" Sie setzte ihren Weg fort und ging nach Oben.
Alle starrten ihr nach.
„Was...was sollte das denn heißen?" Fragte Sarah Lesley
Lesley sah kurz zu Matt, der die Schultern hob. „Das was sie damit sagte", sagte der große Mann dann zu Sarah. „John würde ihr weder zuhören, noch ihr glauben. Er ist ja anscheinend so mit sich selbst beschäftigt, dass er alles ignoriert was um ihn herum vorgeht."
Sarah seufzte. „Das ist meine Schuld. Ich hab ihn quasi dazu getrieben".Sarah ging im Raum auf und ab. „Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht zulassen kann, das er versucht Cameron zu reparieren. Dann kam der Moment... Er bedrohte mich mit seiner Waffe. Ich werde nie seinen Blick vergessen". Sarah sah zu Derek. „Ich verliere ihn. Wenn ich mich noch einmal gegen ihn stelle... gegen Cameron Stelle wird er mir das nie verzeihen".
Derek starrte sie noch kurz an, dann sprang er auf und rannte aus dem Haus.
Kapitel 6
„Derek!" Hatte sie ihm hinterher gerufen aber er hatte nicht bleiben wollen.
Nicht nur dass die Maschine die kleine Allison getötet und ihm auch noch seinen Stolz als Soldat genommen hatte, nein die Mutter John Connors, die Legendäre Sarah Connor, hatte sich als Verräterin erwiesen. Die Frau, die sein Bruder geliebt hatte und ihm einen Sohn geschenkt hatte, die Frau die für ihn wie eine Schwester war hatte die Menschheit verraten.
Er musste zu Jesse, die würde wissen was zu tun ist.
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Sarah konnte nur schlecht schlafen... wie üblich. Schon mehrmals hatte sie Cameron gehört. Immer wieder hatte die Maschine auf dem Weg zur Terrassentür vor Johns Zimmer halt gemacht aber jedes Mal nach einigen Sekunden den Weg fortgesetzt.
Sarah ging nicht aus dem Kopf was dieser Lesley erzählt hatte. Cameron sollte eine geeignete Gefährtin für ihren Sohn sein. In der Dunkelheit schüttelte sie den Kopf. Aber wenn die Maschine doch Emotionen hatte...
Sarah hatte noch keine Gelegenheit gehabt mit Cameron zu reden. Da sie nicht schlafen konnte war dieser Moment so gut wie jeder Andere. Sie erhob sich.
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Cameron machte ihre Runde. Immer wieder stoppte sie einige Sekunden vor Johns Zimmer und hörte ihm beim Schlafen zu. Natürlich wusste sie dass Sarah Connor wach war aber das war völlig normal.
Sie hatte nachgedacht. Der gestrige Abend war nicht so verlaufen wie er sollte. Zu viel war gesagt worden. Dinge die sie lieber für sich behalten hätte aber es war zu spät sich darüber noch Gedanken zu machen also fokussierte sie auf die Möglichkeiten der Zukunft.
Sie hatte überlegt Johns Zimmer zu betreten. Vielleicht ergab sich die Möglichkeit eines Gesprächs aber erstens schlief John und zweitens war seine Mutter wach. Rein vom taktischen Standpunkt aus erwartete sie, dass Sarah Connor noch im Laufe der Nacht mit ihr Sprechen wollen würde.
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Matt war überwältigt. Seit dem Tag, an dem er mit Cameron getrauert hatte war er ihr zugetan. Schon alleine deshalb hatte er ohne zu zögern zugestimmt, als General John Connor ihn gefragt hatte, ob er mit ihr und Major Sheldon auf eine Mission gehen wolle.
Sie hatten die Mission angetreten. Er hatte wegsehen müssen, als sie splitterfasernackt in New Mexiko aufgetaucht waren. Cameron war... -wow-, einfach nur -wow-.
Dann verschwanden Cameron, John und Sarah Connor. Als sie gehört hatten, dass die Bank in L.A. Explodiert war war klar gewesen, dass Cameron den Zeitsprung ohne sie durchgeführt hatte. Warum wussten sie zu dem Zeitpunkt nicht.
Sie hatten ständig Ausschau nach ihr und den Connors gehalten aber erst acht Jahre später ein Video gesehen in dem die Drei nackt auf einem Highway gestanden hatte. Dann war Detektivarbeit nötig gewesen ihre Spur aufzunehmen. Offenbar hatte sich Cameron verstecken wollen. Kein Wunder, nachdem sie alles über den Haufen geworfen hatte, was General Connor und seine Frau mühevoll geplant hatten.
Matt war bei Camerons Anblick, wie sie zu John Connor hinunter gestarrt hatte sofort klar geworden, dass sie ihn mochte, vielleicht sogar liebte. Aus der trotz der acht Jahre ungebrochenen Freundschaft heraus hatte er ihr einen Plan vorgeschlagen der alles wieder zurechtrücken sollte.
Er bereute es jetzt schon.
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Er war voller Vorfreude. Richtig in Schale geschmissen hatte er sich. Lesley hatte die Augen verdreht als Matt stundenlang Vorbereitungen getroffen hatte. Schließlich hatte der große Mann ein Machtwort gesprochen.
Sie bewohnten eine Suite mit zwei Schlafzimmern und einem Badezimmer. Als Lesley dann mal musste hat er Matt kurzerhand hinausgeworfen.
Nun stand er vor der Tür der Connors. Seine Hände zitterten. Er wollte klopfen aber noch bevor seine Knöchel Kontakt mit der Tür bekamen wurde diese aufgerissen. Vor ihm stand der junge John Connor, der ihn von Oben bis Unten abschätzig musterte.
„Für einen Soldaten ziemlich aufgedonnert oder?" Fragte John mit einem hörbar missgünstigen Unterton. „Was willst Du?"
„Matt!" Rief in diesem Moment Sarah von der Küche her. „John, lass ihn doch rein".
Mit saurem Gesicht lies John den mit einem Strauss Rosen bewaffneten herein.
„Cameron wird gleich Unten sein", sagte Sarah ganz so, als wäre Matt der Freund ihrer Tochter.
Matt war zwar verblüfft, fing sich aber schnell wieder. Er fischte eine Rose aus dem Gebinde und offerierte diese mit einer leichten Verbeugung. „Für die Hausherrin", sagte er lächelnd.
Sarah stutzte kurz, nahm die Rose dann aber schüchtern lächelnd entgegen. „Vielen Dank".
John sah dem allem mit Unverständnis zu. Er konnte nicht begreifen was vorging. Gerade wollte er zu einer spitzen Bemerkung ansetzen, als er auf der Treppe ein Geräusch hörte. Die Worte blieben ihm im Hals stecken.
Cameron kam die Stufen mit der Grazie einer Ballerina herab. Sie trug ein Lilafarbenes Minikleid, dass ihre Figur mehr als betonte, über den wohlgeformten Schenkeln aber weit fiel. Dazu trug sie Pinkfarbene flache Sneaker.
Sarah wurde der Hals trocken. Während Matts Gesicht strahlte sah sie in dem ihres Sohnes blanke Eifersucht. Sie erinnerte sich...
Zuvor in der Nacht:
Sarah stand mitten auf dem Gang, als Cameron von der kleinen Terrasse zurückkehrte, von der sie aus die Umgebung gescannt hatte.
Sie blickten sich in die Augen. Dann mit einem Wink des Kopfes bedeutete Sarah Cameron ihr zu folgen. Das leichte nicken Camerons sah Sarah schon nicht mehr, weil sie sich bereits abgewandt hatte und auf dem Weg nach Unten war.
„Wie soll das jetzt weitergehen?" Fragte Sarah, die bereits an der Kaffeemaschine stand, als Cameron die Küche betrat.
„Ich verstehe nicht", entgegnete Cameron mit schräg gelegtem Kopf.
Sarah blickte kurz über ihre Schulter. „Oh, ich glaube Du verstehst sehr gut", sagte sie und schaltete dann die Maschine ein. „Ich möchte wissen, wie das mit Dir und John weiter gehen soll".
Cameron sah kurz zu Boden. „John hat seine Wahl getroffen. Er hat nicht mich sondern Riley gewählt".
Sarah schüttelte den Kopf. „Ich verstehe das nicht. Wieso ausgerechnet Riley? Sie ist das genaue Gegenteil von Dir..." Sarah schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. „Natürlich! Sie ist eine Flucht. Eine Flucht vor seinen Gefühlen".
Cameron nickte. „Das denke ich auch".
„Und was tun wir dagegen?" Fragte Sarah, sich den Kaffee einschüttend.
Cameron wurde misstrauisch. „Ich verstehe nicht. Du hasst mich aber fragst mich nach einer Lösung für dieses Problem?"
Sarah lies sich auf einen Stuhl fallen sie stellte die Tasse auf den Tisch und legte beide Hände darum, so als könnte die Tasse ihr Halt geben. Dann erst blickte sie Cameron an. „Weist Du, wie oft ich schon mit Dereks Sniper auf Dich warten wollte? Ein Schuss und 50% meiner Probleme wären erledigt. Weißt Du wie schlecht ich mich gefühlt hätte?"
Cameron stand still an ihrem Platz. „Sehr Schlecht?"
Sarah schüttelte den Kopf. „Gar nicht mal so schlecht. Aber da ist Jemand, der mir das nie verziehen hätte".
Cameron blickte kurz zu Boden. „Darf ich Dich etwas fragen Sarah Connor?"
Sarah lachte glucksend, während sie einen Schluck nahm. „Nur zu".
„Onkel Bob? Future John hat mir davon erzählt aber er konnte nicht genau sagen, wie Du darüber dachtest", sagte die Brünette.
Sarah schmatzte auf einem Schluck Kaffee herum, bevor sie in den Becher starrte. „Ich dachte der T800 könnte eine Art Vaterersatz für John sein. Er würde John nie betrügen oder verlassen und ihn beschützen, wenn ich irgendwann einmal nicht mehr da bin".
Cameron nickte. „Nun glaubst Du das aber nicht mehr?"
Sarah schüttelte langsam den Kopf. „Ich habe gesehen was passiert, wenn eine von Euch durch... einen Unfall zur Grundprogrammierung zurückkehrt. Ich habe eine Narbe, die mich immer daran erinnern wird, dass ihr tief im Innersten fast unstoppbare Killer seid".
Cameron nickte. „Mein Körper wurde gebaut um Menschen zu terminieren, Meine Software wurde entwickelt um Menschen zu terminieren und was einmal da war wird immer da sein. Selbst Future John konnte diese Befehle nicht aus der Grundprogrammierung löschen. In mir wird immer der Befehl sein John zu töten nur bin ich in der Lage diesen Befehl zu ignorieren".
Sarah nickte. „Lass uns zum Thema zurückkehren. Was können wir tun, um diese Riley los zu werden und John auf den richtigen Pfad zurückzubringen.
Cameron zögerte kurz. „Matt hat einen Plan...".
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Nun sah Sarah, wie der Plan Früchte trug. Ihr Sohn war unverkennbar eifersüchtig.
Matt trat vor und reichte Cameron die Blumen.
Diese sah auf den Strauss hinab und legte den Kopf schräg. „Ich verstehe nicht", sagte sie ohne Anstalten zu machen die Blumen entgegenzunehmen.
Sarah verdrehte die Augen. „Das ist ein Geschenk", sagte sie und näherte sich. Sie griff nach den Blumen. „Ich stell sie ins Wasser".
Camerons Blick war Sarah gefolgt, nun sah sie wieder Matt an. „Ein Geschenk, ich verstehe, danke sehr".
Matt lächelte und hielt Cameron galant den Arm hin.
Erneut legte sie den Kopf schräg. Erst als Matt ihren Arm nahm und ihre Hand unter Seinem durch auf den Unterarm legte begriff sie und lächelte schüchtern. Dann führte er die -junge Frau- hinaus.
John starrte den beiden nach. Seine Miene war finster.
Sarah kam mit der Vase aus der Küche, hatte ein etwas sadistisches Lächeln in den Mundwinkeln und trat neben John. „Sind die Beiden nicht ein hübsches Paar?" Fragte Sarah süffisant mit dem Blick hinaus, wo Matt gerade Cameron die Autotür auf hielt.
John blickte seine Mutter erstaunt an, die jetzt wortlos zur Treppe ging, offensichtlich um die Vase in Camerons Zimmer zu bringen. Dabei hatte sie für John unsichtbar ein Grinsen im Gesicht.
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Matt war sich unsicher, ob er den richtigen Film ausgewählt hatte. Sie saßen in der letzten Reihe. Zunächst hatte Cameron nur starr dagesessen und auf die Leinwand gestarrt. Immer wieder hatte sie ohne hinzusehen in den Behälter mit dem süßen Popcorn gegriffen, den er unter ihrem neugierigen Blick erstanden hatte.
Schließlich kam die Schlussszene. Das Konzert im Central Park rührte Cameron buchstäblich zu Tränen. Matt sah, wie sie sich mit den Fingern durchs Gesicht wischte und verwirrt auf die Nässe auf ihren Fingern starrte.
„Ich verstehe nicht", sagte sie und blickte ihn an.
Während der Abspann von -Der Klang des Herzens- lief bemühte sich Matt ihr zu erklären, warum der Film eine emotionale Reaktion bei ihr hervorgerufen hatte.
„Aber ich verstehe nicht", entgegnete sie. „Wie kann der junge Mensch mit Hilfe von Musik erreichen, dass seine Eltern zu ihm kommen? Und warum löste das diese unbekannte Emotion bei mir aus?"
Sie verließen nebeneinander das Kino und gingen in Richtung des Wagens.
„Sieh mal", versuchte er zu erklären. „Natürlich kann Niemand mit Musik all diese Dinge erreichen, das ist der Teil des Films, der rein fiktiv ist und nur der Unterhaltung dient. Die Emotion, die Du verspürt hast kann man eigentlich nicht erklären. Manchmal fühlen wir einfach mit dem Herzen und wissen nicht warum. Du hast einfach ein Glücksempfinden gehabt, weil der Junge letztendlich seine Eltern gefunden hat.
Cameron schwieg einen Moment. „Ich habe kein Herz...".
„Stopp!" Unterbrach Matt sie schnell. „Wenn wir von Herz im Zusammenhang mit Gefühlen sprechen, dann ist nicht das Organ gemeint. In dem Fall ist der Teil von Uns gemeint, wo die Gefühle herkommen, völlig egal, wo das auch sein mag.
Cameron dachte einige Sekunden nach. Dann nickte sie."Ich verstehe, danke für die Erklärung".
Als Matt ihr die Wagentür auf hielt drückte ihm Cameron einen Kuss auf die Wange. Sein Herz übersprang einen Schlag. Er wusste nicht wie lange er das noch ertragen konnte.
Als sie schließlich das Haus erreichten brachte Matt Cameron noch zur Tür. „Das war ein schöner Abend", sagte er leise als sie sich gegenüberstanden.
„Das denke ich auch. Ich habe viel gelernt. Ich danke Dir". Sie beugte sich vor, um ihn erneut auf die Wange zu küssen, als etwas in ihm zerbrach.
Er umfasste ihr Gesicht mit seinen Händen und wollte sie auf den Mund küssen, ihre kybernetischen Reflexe verhinderten das. Gegen den widerstand ihrer Hand vor seiner Brust kam er nicht an.
Schließlich trat er zurück. Er senkte den Kopf . „Tut...".
Das aufreißen der Haustüre unterbrach ihn.
Johns Gesicht war rot vor Wut. Er hatte zwar Matts Annäherung von Oben gesehen, nicht aber ihre Zurückweisung. „Cameron!" Bellte er. „Ins Haus, sofort!"
Cameron starrte ihn ein paar Sekunden stumm an. „Nein", war schließlich ihre leise aber bestimmte Antwort.
„Was?" Fragte John wütend. „Du widersetzt Dich meinen Anweisungen?"
„Das tue ich", sagte Cameron ohne zu überlegen.
Jetzt wurde John weiß vor Wut und Schock. Seine Fäuste ballten sich. Die Arme straff zu beiden Seiten seines Körpers gestreckt. „Du wurdest hier her geschickt um mich zu beschützen", knurrte er. „Dann hast du versucht mich zu töten. Du schuldest mir...".
„Ich war diejenige, die mit dem Jeep in die Luft gesprengt wurde!" Unterbrach sie ihn brüsk. „Ich war Diejenige, die ein Trümmerstück im Hinterkopf stecken hatte! Ich war Diejenige, die von Euch die ganze Zeit wie ein Werkzeug behandelt worden ist! Also erzähl mir nicht, dass ich Dir etwas schulde John Connor!"
John versuchte zurückzuweichen, als die offensichtlich wütende auf ihn zutrat und seine Aufschläge ergriff.
„ICH SCHULDE DIR GAR NICHTS!" Schrie sie ihn an. „Du hast Deine Wahl getroffen als Du die Drecksschlampe Riley mitgebracht hast". Cameron stieß John von sich, dass er gegen die Hauswand taumelte. Dann griff sie blitzschnell Matts Jackenaufschläge und küsste ihn stürmisch. Schließlich hastete sie ins Haus.
John sah geschockt und verblüfft zu Matt.
„Fang nicht mit mir an Connor", sagte dieser bevor John Etwas sagen konnte. „Du hattest Deine Chance".
Wut über diese kalten Worte wallte in John auf. „Sie ist eine Maschine, sie hat keine Gefühle. Du missbrauchst sie nur", sagte er knurrend.
Jetzt zeigte sich auf Matts Gesicht ein Lächeln. Mitleidig schüttelte er den Kopf. „Du hast keine Ahnung was sie ist. Ich habe selten Jemanden getroffen, der so verständnisvoll ist wie Cameron. „Nachdem meine Schwester getötet wurde, war es Cameron mit der ich zusammen getrauert habe. Niemand sonst kannte Suzie so gut".
„Aber ihre Mission...?" John war noch mehr verwirrt.
Erneut schüttelte Matt den Kopf. „Hast Du immer noch nicht begriffen? Sie hat keine Mission. Alles was sie getan hat, hat sie für Dich getan. Sie hat Dich von Katherine Brewster ferngehalten, weil sie Dich für sich alleine wollte. Du warst nur zu blind das zu sehen".
Bevor John Etwas erwidern konnte öffnete sich die Haustüre erneut. Cameron trat mit ihrer Tasche auf die Veranda. „Können wir bitte gehen?" Fragte sie Matt leise. Die Tränenspuren in ihrem Gesicht waren nicht zu übersehen.
Matt nickte ihr nur zu, nahm ihr die Tasche ab und lies sie vorgehen.
„Cameron?" Fragte John verwirrt und sah ihr nach.
Cameron verharrte kurz im Schritt, sah aber nicht zurück. „Ich habe Dir nichts mehr zu sagen John Connor". Nach diesen Worten ging sie zum Wagen und stieg ein.
John beobachtete, wie Matt ebenfalls einstieg, den Wagen anlies und wegfuhr. Cameron warf keinen Blick zurück.
