Kapitel 2: Hallo, ich bin Dale!
Renesmee PoV:
„ Also… hier sind eure Unterlagen."
Sagte Fräulein Honig, den Namen wusste ich von dem Namensschild das auf ihrem Schreibtisch stand. Doch davon lenkte mich etwas ganz bestimmtes ab. Ich stand da und runzelte verwirrt die Stirn. Ihre Haare sahen sehr merkwürdig aus. Täuschte ich mich, oder waren es tatsächlich kleine Schlangen die sich auf ihrem Kopf bewegten? Sollte ich fragen oder besser nicht? Ach was soll's, sie werden mich schon nicht für verrückt erklären.
„Ähm … entschuldigen sie bitte…, aber sind das da echt Schlangen auf ihrem Kopf?" Stille breitete sich im Raum aus und sämtliche Blicke wandten sich mir zu. Fräulein Honig zog eine Braue hoch, die zum Glück keine Schlange war.
„Hast du sie nicht aufgeklärt, Carlisle?" fragte sie und ein breites Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.
„Nun… vielleicht hätte ich das tun sollen." Die Anderen kicherten leicht.
„Ähm… klärt mich nun jemand auf?" fragte ich leicht knurrend.
„Also, Fräulein Honig hat, wie du ja so treffend bemerkt hast, Schlangen statt Haaren…" sagte Carlisle und ich nickte ergeben, „…nun ja, du kennst doch die griechischen Sagen?" wieder nickte ich nur. „Fräulein Honig ist genau wie die sagenhafte Medusa eine Gorgone. Deswegen auch die Sonnenbrille." Schloss mein Großvater seine Ausführungen. Mir klappte die Kinnlade runter. Vor mir saß also eine Gorgone?
„Sie…Sie kann also M-Menschen mit einem Blick zu Stein erstarren lassen?" fragte ich mit piepsiger Stimme. Eine Familie nickte und ich war mir sicher, dass meine Augen immer größer geworden waren.
„Du wirst kaum glauben wie gehorsam die Schüler sind, wenn ich anwesend bin. Außerdem wirst du noch feststellen, dass an dieser Schule nichts so ist, wie es den Anschein hat" sagte Fräulein Honig, zwinkerte mir zu und schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln. Jedenfalls denke ich, dass es eins sein sollte, denn durch die Schlangen wirkte es nicht sehr aufmunternd.
„Ähm…danke", murmelte ich leise und lächelte krampfhaft.
„Danke für unsere Unterlagen, ich denke wir werden unsere Unterkunft schnell finden", sagte Carlisle und dann verließen wir das Sekretariat.
„Unser Haus liegt übrigens auf dem Schulgelände" teilte Esme uns mit. Ich brauchte eine Weile bis ich verstand, was sie uns damit sagte.
„ Aber wie sollen wir uns dann tarnen? Was ist denn nur mit euch allen los, dass kann doch nicht euer Ernst sein!" platzte es aus mir heraus. So habe ich meine Familie noch nie angefahren, aber wie stellten sie sich das bitte vor? Vielleicht sind es ja die Hormone, Moment…habe ich überhaupt Hormone?
„Hier müssen wir uns nicht verstecken", meinte mein Vater lächelnd. Meine Mutter nickte
„Wie Fräulein Honig schon sagte, ist hier nichts so wie es zuerst wirkt."
„Natürlich mussten wir uns verpflichten, den Anderen hier nichts anzutun, aber ich denke das wird kein Problem werden, nicht wahr? Alle mussten so etwas unterzeichnen" gestand Carlisle. Ich sah ihn mehr als verwirrt an.
„Alle? Gibt es hier noch mehr Vampire?"fragte ich in die Runde, denn alle schienen etwas mehr zu wissen, als ich. Daraufhin grinste Alice mich an und meinte „und zwar ziemlich schnucklige." Dafür erntete sie ein Schnauben von Jasper.
„Ich denke, ich werde dir einen Büchereiausweiß besorgen, dann kannst du dich besser über griechische Mythologie informieren" sagte Esme und setzte das Wort Mythologie in Anführungsstriche, die sie mit ihren Fingern nachahmte. Na da kommt ja schon nette Lektüre auf mich zu, dachte ich und nickte. Wir verließen das Gebäude, in welchem sich, neben dem Sekretariat auch die restliche Verwaltung befand.
Ein Schrei ertönte, die Hand von meinem Vater legte sich in meinen Nacken und ich wurde nach unten gedrückt. Noch genau zur rechten Zeit, wie ich feststellen musste, als ich aus dem Augenwinkel etwas pinkes an mir vorbeirasen sah. Ich kam wieder hoch und hörte gleich darauf die ersten Stimmen von meiner Familie, die begannen sich aufzuregen. Ich konnte ihnen nicht wirklich folgen, denn ich sah einen Jungen, der auf uns zu rannte. Ach was sage ich…einen Gott sah ich, der vor mir zum stehen kam und mich entschuldigend ansprach. Schade, aber ich verstand kein Wort, von dem was er sagte. Gehirn wo bist du nur geblieben? Ich legte den Kopf schief und betrachtete ihn in aller Ruhe, er war so groß, dass ich leicht zu ihm aufschauen musste. Er hatte kurze, tiefschwarze Haare, helle Haut und unglaublich graue Augen, die so dunkel waren und fast schwarz aussahen, aber doch nicht schwarz waren, sie waren eindeutig grau. Als ich mit der Analyse seiner Augenfarbe fertig war, wanderte mein Blick tiefer zu seinem Mund. Ich starrte ihn einfach an, ohne auch nur einen Ton von mir zu geben. Erst langsam kehrte ich in die Realität zurück, als ich die stimme meines Onkels hörte.
„Man Ren, dir hat es ja glatt die Sprache verschlagen, was?" grinste er und lachte sein tiefes, brummiges Lachen. Dass er grinste bemerkte ich nur aus dem Augenwinkel heraus, denn mein Blick haftete immer noch an SEINEN Lippen. Als Alice kicherte huschte mein Blick kurz zu ihr.
„Ich habe es dir doch gesagt Ren, na, gibst du mir recht?" fragte sie. Ich wusste nicht was sie meinte, doch dann sickerte der Sinn ihrer worte langsam in mein Gehirn und ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht als ich leicht nickte. Ein Räuspern ertönte von einer Stimme, die ich nicht kannte und mein Blick schoss wieder zurück zu IHM. Er stand immer noch genau vor mir, nur einen Schritt entfernt und blickte mich erwartungsvoll an. Er schien auf etwas zu warten.
„Und was sagst du dazu?" ertönte wieder seine Stimme. Sie war so tief aber doch so schön, dass ich eine Gänsehaut bekam. Nun war es an meiner Mutter zu kichern, natürlich hatte sie die Gänsehaut bemerkt, sie stand direkt neben mir. Langsam kehrte meine Stimme zurück und ich fragte IHN was er mit seiner Frage meinte. Er blickte mich an mit einer Mischung aus Belustigung und Unglauben in seinem Gesicht.
„Ich habe gefragt ob du mir verzeihst, dass ich dich fast mit der Farbbombe getroffen hätte" sagte er. Meine Augen weiteten sich. Das war das pinke Etwas, dass an mir vorbeigeflogen war. Er hatte damit nach mir geworfen? Aber wieso?
„Warum hast du denn nach mir geworfen?" hörte ich meine Stimme murmeln. Nun war die Belustigung aus seinem Gesicht gewichen und nur noch Unglaube blieb zurück.
„Aber ich wollte dich doch nicht treffen, ich habe sie nach diesem Köter geworfen und leider verfehlt" sagte er und zeigte mit dem Daumen hinter sich. Ich beugte mich leicht zur Seite, um zu sehen, wen er mit „Köter" gemeint haben könnte, aber da war niemand. Skeptisch schaute ich zu ihm zurück und dann drehte er sich selbst um, um nachzusehen.
„Na klar, der verdrückt sich mal wieder feige" konnte ich ihn murmeln hören. Was sollte das denn nun?
„Hallo ich bin Carlisle Cullen, das ist Esme, meine Frau und das sind Edward, Bella, Emmet, Rosalie, Alice und Jasper. Sie sind unsere Kinder. Das ist Renesmee, die Tochter von Bella und Edward." Nacheinander deutete Carlisle auf die genannten Personen, zuletzt auf mich.
„Entschuldigen Sie, ich war unhöflich. Mein Name ist Dale Grey" sagte ER, schüttelte meinem Großvater die Hand und lächelte dann in die Runde. In meinem Kopf gab es nur noch einen Gedanken: wenn er lächelt sieht er noch besser aus! Meine Mutter räusperte sich und sah mich auffordernd an, aber ich verstand nicht was sie wollte.
„Was?" fragte ich und wurde gleich darauf von Esme in leicht tadelndem Ton gemaßregelt.
„Es heißt 'wie Bitte?' " Emmett lachte wieder schallend los und bekam von Rose einen leichten Schlag auf den Hinterkopf verpasst. Er verstummte sofort. Ich schaute nur peinlich berührt auf meine Schuhe.
„Verzeihst du mir?" fragte Dale, wie ich nun wusste, wieder. Ich sah mit gerunzelter Stirn zu ihm auf.
„Wie Bitte?" Ha! Ja ich habe dazugelernt.
„Sicher verzeiht sie dir, wenn du sie Ausführst" gluckste meine Mutter. Mein Kopf schoss in ihre Richtung und ich wollte etwas sagen, aber kein Ton verließ meinen Mund und so schloss ich ihn wieder. Sicher sah ich gerade aus wie ein Fisch.
Dale grinste und erwiderte darauf nur „Sehr gerne, wenn Renesmee auch zustimmt." Als ich meinen Namen aus seinem Mund hörte breitete sich eine neue Gänsehaut auf meiner Haut aus. Eigentlich war ich sprachlos, trotzdem hörte ich, wie ein gemurmeltes 'gerne' meinen Mund verließ, ohne das etwas dagegen tun konnte. Nicht das ich etwas dagegen tun würde. Daraufhin lächelte er und fragte ob wir hier neu wären. Carlisle bejahte und Dale erkundigte sich nach der Adresse. Er bot auch an uns hinzubringen, was von Carlisle leider ablehnt wurde. Dale, von dem sich meine Augen nicht eine Minute mehr abwandten, schien nicht allzu bestürzt darüber zu sein, meinte er würde uns sicher noch häufiger sehen und zwinkerte mir zu. Erst Sekunden später bemerkte ich, dass Dale überhaupt nicht mehr anwesend war und ich leer vor mich hin gestarrt hatte.
„Wo ist er hin?" fragte ich und nun gab es kein Halten mehr. Meine ganze Familie brach in schallendes Gelächter aus und ich stand da und überlegte, ob ich in meinem Handy die Telefonnummer einer guten Irrenanstalt gespeichert hatte.
„Was ist?" fragte ich erneut, aber dadurch steigerte sich das Lachen um mich herum nur noch. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und beschloss abzuwarten, biss sie wieder zu sich kommen würden.
