Ich musste mich tatsächlich im siebten Himmel befinden. Das war ja unglaublich! Sechzig wunderbare Stunden mit meiner großen Liebe auf einem Zimmer. Juhu! Hach, ich bin aber auch ein Glückspilz! Wie schön, dass Neville so dämlich ist.
Ich hoffe nur, dass Harry das Wochenende mit Draco überlebt – nicht das der gute Dray ihn gleich in der ersten Nach anknabbert und der kleine unschuldige Gryffindor um sein Leben rennt. Dann wäre die ganze schöne Gelegenheit dahin.
Aha, hier ist also der Gryffindor-Gemeinschaftsraum. Mmh, nicht schlecht. Könnte etwas mehr silber vertragen nach meinem Geschmack.
Oooooh und da ist er… dieser Körper… diese Schultern… und das Niedlichste sind ja immer noch diese Sommersprossen. Jetzt muss ich nur noch einen Grund finden, ihm die Phiole einzuflössen und vor allem, ihn dazu zu bringen, mich zu mögen.
Blaise Zabini, das ist die Chance Deines Lebens!
Lüstern starrte ich Dracos Nacken an. Ich konnte einfach nicht anders. Der Slytherin lag bäuchlings auf dem Bett und las ein Buch. Ich tat so, als würde ich das Gleiche tun, schielte dabei aber unauffällig über die Seiten hinweg.
„Sag mal…", begann Draco auf einmal und ich fixierte schleunigst wieder die Buchseiten. „Sind das Wiesel und die Granger eigentlich ein Paar?"
Nun sah ich doch wieder auf. „Wie kommst Du denn darauf?"
„Nur so, ist mir grad eingefallen. Sag schon."
„Nein sind sie nicht. Sie haben es im fünften Jahr mal miteinander probiert, hat aber nicht so richtig funktioniert. Die beiden kennen sich einfach zu gut – vor allem die Macken des jeweils anderen.", sagte ich schließlich
„Aha…", machte Draco und grinste vielsagend. „Und was ist mit Dir? Hat es mit Mini-Wiesel auch nicht geklappt, weil sie Deine Macken kannte."
Nein, mit Ginny hat es nicht geklappt, weil ich schwul bin, Du arrogante und leider heterosexuelle Schlange. Würde ich ihm jetzt gern sagen. Tu ich aber nicht.
„Chemie hat halt nicht gestimmt.", sagte ich stattdessen und hielt das Thema für beendet. Mein Gesprächspartner aber wohl nicht.
„Und wo lag das Problem genau? Wer hat denn Schluss gemacht?"
„Ich. Und jetzt ist Ende mit der Fragerei. Ich zieh mich jetzt um, das Quidditch-Training geht bald los."
„Du spinnst doch, Potter. Wie sollst Du denn zum Gryffindor-Training gehen, wenn alle denken, Du wärst Zabini? Die schmeißen Dich achtkantig wieder raus. Wir beide haben morgen Training. Und Du wirst nicht der Sucher sein, sondern einer der Treiber. Zabini macht den Löwensucher für dieses Wochenende."
So ein Mist. Damit war diese Möglichkeit, Draco zu entgehen, erledigt. Nur gut, dass ich noch einen Plan B hatte. Also stand ich auf und zog mir meinen Pulli über den Kopf.
„Was machst Du da?", fragte Draco irritiert.
„Ich ziehe mich um und laufe ein paar Runden um den See. Was dagegen?", erwiderte ich.
„Nö. Mach nur. Wenn Du meinst, dass Du das nötig hast.", murmelte er leise.
Ich blinzelte aus den Augenwinkeln zu ihm herüber – und bemerkte, dass er mich anstarrte. Genauer gesagt meine Körpermitte. Von hinten.
Du hast auch echt nichts zu tun, blöder Eisprinz.
Äußerlich ungerührt stieg ich aus meinen Jeans, wobei mir – tollpatschig wie ich nun mal war – versehentlich die Boxershorts verrutschte und einen Teil meines Hinterns freigab. Mit leicht roten Ohren zog ich das Ding wieder an Ort und Stelle und kramte in meiner Tasche nach meinen Trainingssachen.
„Wo ist Dein Drache?", fragte Draco plötzlich unvermittelt.
„Bitte?", machte ich.
„Na, Dein Tattoo. Die ganze Schule kennt die Gerüchte über Deine ach so tolle Drachentätowierung. Also, wo ist das Ding? Oder ist es nur ein Gerücht?"
Ich seufzte und starrte zur Decke. Auch das noch.
„Nein, ist es nicht. Aber Dir werde ich es sicherlich nicht zeigen."
„Ja klar", höhnte der Blonde, starrte mich aber weiterhin an. „Es existiert einfach nichts, deshalb kannst Du es mir auch nicht zeigen. So einfach ist das."
Endlich hatte ich die dumme Hose gefunden und zog sie an. Dieses Gespräch verlief nicht, aber absolut und gar nicht, in meinen gewünschten Bahnen.
„Malfoy…", grummelte ich. „Es ist da, aber ich werde es Dir nicht zeigen, weil es an einer Stelle oder besser in der Nähe einer Stelle ist, die Dich nichts angeht okay? Oder muss ich noch deutlicher werden?"
Nun waren nicht nur meine Ohren, sondern mein ganzes Gesicht rot. Verdammter Bockmist. Ich zog mir ein Shirt über den Kopf und stieg in meine Laufschuhe. Den Zauberstab steckte ich sicherheitshalber in den Hosenbund.
Erst, als ich vollkommen angezogen war, wagte ich es, mich wieder zu Draco zu wenden. Der saß völlig paralysiert auf seinem Bett, die Knie an die Brust gezogen und starrte mich immer noch unverhohlen an. Schließlich lächelte er sein Malfoy-Lächeln.
„Wir werden sehen, Potter…", murmelte er.
Bei seinen Worten lief es mir kalt den Rücken runter. Dennoch zuckte ich gleichgültig mit den Schultern murmelte ein „ja klar" und danach noch ein leises „bis später" und trat aus der Tür. Kaum war diese geschlossen jagte ich aus dem Schloss.
Erst nach der ersten Runde um den See konnte ich mich wieder beruhigen und die Bilder in meinem Kopf verdrängen. Bilder, in denen Draco wirklich alles sah…
