Wenn Sterne flüstern…

Azureshipping

Kapitel 3

Und die Welt dreht sich

Wie aus einem bösen Traum erwacht, fuhren beide plötzlich auseinander. Tea taumelte leicht, als Kaiba sie so plötzlich wieder nach oben gerissen und losgelassen hatte. Was war da gerade geschehen? Zwischen ihnen beiden? Erlaubte sich mal wieder ein verrückter einen Streich mit ihnen? Wenn Tea es nicht besser wüsste, würde sie meinen, sie stünde wieder unter der Kontrolle eines Milleniumgegenstandes. Zumindest fühlte es sich in diesem Moment so an. Willenlos zu sein. Ferngesteuert. Nicht länger Herr der Lage. Wie damals, als sie unter Mariks Einfluss gestanden hatte. Kaiba sah sie weiterhin an. Seine Miene, ausdruckslos und hart wie Stein. Tea wandte den Blick ab. Schlimm genug, dass sie in Kaibas Armen gelegen hatte, nein, sie hatte sich auch noch wohl gefühlt. Hatte an ihm herumgefummelt, wie ein verliebter Groupie. Was war nur in sie gefahren? Noch nie hatte die Tänzerin den Drang verspürt, jemandem so nahe zu kommen. Sie hatte keine tiefer gehenden Gefühle für Kaiba. Da war sie sicher. Er war ein Freund, oder sie versuchte zumindest ihn als eine Art Freund anzusehen. Auch wenn er sich immer wieder dagegen wehrte und es ihnen wirklich nicht leicht machte.

Noch nie hatte sie Schmetterlinge im Bauch gehabt, wenn der CEO in ihrer Nähe war. Ein beunruhigendes Gefühl. Gerade jetzt, wo sie noch immer nicht über den Pharao hinweg zu seien schien.

„Tea? Ist alles in Ordnung? Hast du dir weh getan?", fragte Serenity und war plötzlich mit einem Satz an ihrer Seite.

Vorsichtig berührte sie ihren Arm. Erst jetzt bemerkte die junge Frau wieder, dass sie nicht allein waren. Erneut war sie in Trance verfallen und hatte alles um sich herum ausgeblendet. Einfach vergessen. Würde das nun häufiger geschehen? Das sie Gedanken versunken in der Gegend umherstarrte?

„Ja, ja alles bestens.", winkte Tea sofort ab und starrte zu Boden.

Beinahe verlegen, strich sie sich die Haare hinter die Ohren. Diese ganze Situation war ihr mehr als unangenehm. Vor allem, da ihre Freunde alles mit angesehen hatten. Was würden sie nun von ihr denken? Doch im Grunde war dies unbedeutend, in Anbetracht der Tatsache, dass Tea nicht einmal selber wusste, was sie denken sollte. Und was noch viel schlimmer war: wie dachte Kaiba nun darüber?

„Ein Glück, dass Kaiba zur Stelle war und dich aufgefangen hat.", sagte Yugi und lächelte sie an, wie als wäre nichts gewesen.

Das Herz wurde der junge Frau leicht, als sie in sein Gesicht blickte.

Dies hatte sie schon immer an ihrem besten Freund am höchsten geschätzt. Er war fröhlich, gutmütig und freundlich. Verunsicherte sie nicht noch weiter, in dem er ihr lästige Fragen stellte. Sie beide verstanden sich ohne Worte und ihre Zuneigung füreinander wurzelte tief.

„Wo ist der überhaupt hin?", kam es von Joey und erst jetzt bemerkte Tea, dass der CEO verschwunden war.

Suchend blickte sie in alle Richtungen, ging sogar leicht auf die Zehenspitzen, um besser sehen zu können. Doch keine Spur von den Kaiba Brüdern.

…Das ist nicht gut…, dachte Tea und fühlte sich niedergeschlagen.

So etwas einfach im Raum stehen zu lassen, würde böse Folgen nach sich ziehen. Kaiba hatte ihr noch nicht einmal ein bissiges Kommentar an den Kopf geworfen. Sie hatte einen mehr als lautstarke Tadel erwartet. Doch er war einfach verschwunden. Dies war ganz und gar nicht gut…

„Seto, jetzt renn doch nicht so! Warte! Ich komme doch gar nicht mehr mit!"

Der Angesprochene verspürte alles, nur nicht den Wunsch sein Tempo zu drosseln. Er rannte nicht, doch waren seine Schritte schnell und zügig. Er brauchte dringend frische Luft. Musste raus aus dem stickigen Hotel, dass seine Sinne zu benebeln schien. Sie war die Treppe heruntergefallen und gegen seine Schulter geprallt. Und er hatte sie lediglich aufgefangen. Es war ein Reflex gewesen. Nicht mehr. Da war er sich sicher. Doch warum schlug sein Herz immer noch schneller? Warum hatte er das Gefühl, keine Luft mehr zu kriegen vor Anspannung? Es fühlte sich an, wie bei einem Duell mit Yugi. Wenn es gut für ihn lief und die Luft zwischen ihnen praktisch knisterte. Das Kribbeln in seinen Fingern, wenn er wusste, dass er eine gute Karte in der Hand hatte und sie gleich spielen würde. Das Adrenalin, dass durch seine Adern schoss, war nur mit einem guten Duell zu vergleichen. Doch warum verspürte er es jetzt? Nachdem er mit Tea zusammengestoßen war? Das ergab einfach keinen Sinn. Das Mädchen interessierte ihn nicht. Sie war Yugis Freundin. Oder beste Freundin. Wie auch immer. Es war ihm jedenfalls egal. Das einzige was er jetzt wollte, war zur gewohnten Tagesordnung über zu gehen

Aber es ging einfach nicht. Die Szene mit seinem Pullover ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Was hatte sie sich dabei gedacht? Noch nie hatte es sich jemand erdreistet ihn einfach anzufassen. Man könnte beinahe sagen, dass es eine intime Berührung gewesen war. Immerhin zieht man nicht jedem das Shirt aus der Hose, um dessen Haut anzufassen. War da mehr? Für Tea? Nein. Seto schüttelte leicht den Kopf. Das konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Sie liebte Yugi. Oder war es dieser Pharao gewesen? Wie auch immer. Vielleicht hatte das Mädchen gestern Abend einfach einen Cocktail zu viel gehabt und nun gingen mit ihr die Pferde durch. Vielleicht war sie einfach noch nicht ganz nüchtern gewesen. Seto stoppte seine Schritte erst, als er die Hotelanlage verlassen hatte. Die heiße Sonne brannte auf ihn nieder und holte ihn langsam in die Realität zurück. Ihm war übel und schwindelig und er hatte das Bedürfnis seine Augen zu schließen. Weiter zu gehen, bis er keine Kraft mehr hätte. Vor seinen Augen schien sich alles zu drehen. Sein Körper spielte doch sonst nicht verrückt. Noch nie hatte er Probleme mit seinem Kreislauf gehabt und das warme Wetter konnte nicht allein dafür verantwortlich sein.

„Na endlich bist du stehen geblieben."

Mokuba keuchte und stützte sich auf seinen Knien ab. War er wirklich so schnell gegangen? Hatte er nicht mal mehr bemerkt, dass sein Bruder nicht mehr nachkam?

„Warum bist du denn einfach weggelaufen? Tea konnte sich nicht einmal bei dir bedanken."

Er war nicht vor ihr davon gelaufen. Er hatte keine Angst vor Tea oder ihrer Reaktion auf diese Situation. Doch er war sich nicht sicher gewesen, was er sagen sollte. Natürlich hatte er ein bissiges Kommentar auf der Zunge gehabt. Doch als er sie ansah, wollte es ihm nicht über die Lippen kommen. Als würde sich innerlich etwas dagegen sträuben. Vielleicht wusste er auch Instinktiv, dass eine Bemerkung seiner Seit's zu viel Aufmerksamkeit auf ihn gezogen hätte. Und auf Wheelers dämliche Kommentare konnte er gut und gern verzischten. Vielleicht wollte er auch nicht von ihr hören, was sie zu sagen hatte. Als sie sich wieder von einander gelöst hatten, schien es ihm jedenfalls so, als wäre die Situation für Tea ebenfalls so unangenehm gewesen, wie für ihn. Und genau das irritierte Kaiba ein wenig. Es kam ihm beinahe so vor, als wäre es nicht die Tea gewesen, die er kannte. Sondern eine vollkommen andere Person gewesen, die ihm so nah gekommen war.

Und es schockierte ihn, weil es sich so anfühlte, als ob es richtig gewesen wäre. Als wäre es nicht das erste Mal gewesen, dass sie so miteinander umgegangen wären.

„Mokuba ich brauche einen Moment für mich."

Der Jüngere blickte ihn überrascht an. Seto sah, das Enttäuschung sich in ihm breit machte, doch er musste einen Moment allein sein. Seine Gedanken ordnen, um wieder einen kühlen Kopf zu bekommen. Um wieder er selbst zu sein. Denn für den Augenblick hatte der CEO das Gefühl mehr und mehr neben sich zu stehen. Mokuba blickte auf den Boden.

„Ist gut, großer Bruder. Ich bin am Pool, wenn du mich suchst."

Seto nickte nur und sein kleiner Bruder zog mit hängenden Schultern von dannen.

„Sag mal Tea, wie konnte das denn nur passieren? Du hättest dich schwer verletzten können.", fragte Duke und verschränkte die Arme vor der Brust.

Tea hatte sich auf eine der Stufen gesetzt und hielt ihren Knöchel. Der Sturz war scheinbar nicht gänzlich Heil an ihr vorüber gegangen. Ihre Freunde hatten einen Kreis um sie herum gebildet. Und während Serenity und Yugi neben ihre saßen, hatten die restlichen Jungs sich vor ihr aufgebaut. Tea wusste, dass sie es ihr insgeheim übel nahmen, Kaiba wortwörtlich in die Arme gefallen zu sein. Vor allem Joey, der Kaiba auf den Tod nicht ausstehen konnte. Natürlich würden sie das niemals zugeben, aber die Braunhaarige erkannte es an ihrer Haltung. Als hätte sie etwas Verbotenes getan und die drei hätten sie dabei erwischt. Und nun stand sie vor dem jüngsten Gericht und erwartete demütig ihr Urteil. Genau so musste es aussehen. Eine wahre Unterstützung fand sie in diesem Moment nur in Yugi, der sie zu verstehen schien. Er blickte sie voller Mitleid an und versuchte sie immer wieder aufzubauen.

„Ich weiß auch nicht. Ich bin an der Kante abgerutscht. Ist dir das noch nie passiert?"

Tea versuchte nicht schnippisch zu reagieren, obwohl es ihr in diesem Moment sehr schwer fiel die Fassung zu bewahren.

Sie wusste, dass sie etwas getan hatte, was nicht hätte passieren dürfen. Doch es war ein Unfall gewesen. Ein Versehen. Das konnte doch jedem einmal passieren.

„Doch schon, aber…", wollte Duke ansetzen, wurde aber sogleich unterbrochen

„Ich glaube, Tea möchte jetzt lieber etwas ihren Fuß kühlen, anstatt hier rumzusitzen. Mit Vorwürfen kommen wir nicht weiter und wir sollten lieber froh sein, dass ihr nichts passiert ist.", sagte Serenity und erhob sich.

Tea blickte sie verwundert an. So bestimmend kannte sie ihre Freundin nicht.

„Ihr Jungs solltet in der Zwischenzeit etwas essen gehen und euch auf eure Duelle vorbereiten. Wir beide kommen nach."

„Das ist eine gute Idee.", sagte Tristan und war auch sofort Feuer und Flamme.

Yugi nickte und erhob sich ebenfalls. Erneut verstand er sie, ohne ein Wort darüber zu verlieren.

„Das finde ich auch. Ihr beide wisst ja, wo ihr uns finden werdet?!"

Die Mädchen nickten stumm. Nur widerwillig folgten Joey und Duke den beiden anderen in Richtung Speisesaal. Tea stand vorsichtig auf und wagte ein paar Schritte.

„Ich werde den Fuß mal in den Pool halten, damit er nicht auch noch anschwillt."

„Ist es wirklich das, was du jetzt tun willst?"

Tea blickte zu Boden. Nein, dass war es nicht. Sie wollte mit Kaiba reden. Über das, was vor wenigen Minuten passiert war. Was plötzlich zwischen ihnen stand und sie verband. Und vor allem, was das zukünftig bedeuten würde. Wie sie sich verhalten sollten, wenn sie sich begegneten. So konnte das Geschehene jedenfalls nicht im Raum stehen bleiben und sie betete, dass er das genauso sah.

Fortsetzung folgt…