Disclaimer: Muss ich es denn immer noch sagen? Jeder weiß, dass mir der Doctor oder Rose nicht gehören.

„..." Gesagtes

alles in kursiv: Geräusche, Gedanken

Rose' POV

Kapitel 2

Mit einem erstickten Schrei erwachte ich aus meinem sehr realen Traum. Es fühlte sich so echt an. Eigentlich war ich mir zu neunzig Prozent auch sicher, dass er real war und kein Hirngespenst. Es dauerte einige Sekunden bis ich realisiert hatte, dass ich immer noch schrie. Also klappte ich meinen Mund zu und versuchte den pulsierenden Schmerz stumm zu ertragen. Ich brauchte nicht noch mehr Ärger mit meinen Nachbarn, als ich ohnehin schon hatte.

Gequält biss ich mir auf die Unterlippe und ließ das Gespräch zwischen dem bösen Wolf und mir noch einmal Revue passieren. Sie sprach von einer Aufgabe, aber warum erzählte sie mir nicht die Details? Sollte das ein neues Ratespiel werden? Auf jeden Fall fand ich es nicht sehr unterhaltsam.

Ich wollte schreien, etwas gegen die Wand schmeißen und auf den Boden stampfen. Was interessierte mich das Wohlergehen des Universums, wenn ich doch nur bei meinem Doctor sein wollte? Das Universum konnte mich mal und zwar kreuzweise.

Eine Weile blieb ich noch liegen und betrachtete meine weiße Zimmerdecke. Das Wohlergehen des Universums lag mir trotz allen Verleugnungen doch sehr am Herzen. Denn wie sollte ich ohne Universum in meine Dimension wechseln können? Die Antwort lautete: gar nicht.

Langsam presste ich die Luft aus meinen Lungen und bemerkte erstaunt, dass der schreckliche Schmerz nicht mehr existierte. Mein Kopf fühlte sich sogar ausgesprochen gut an, bis zu dem Moment als eine längst vergessene, vergrabene Erinnerung sich hervorwagte und in meinen Gedanken Tango tanzte.

„Lügner", lachte ich und warf die Bettdecke von mir, „die Daleks in die Flucht gesungen? Das hatte ich dir noch nie geglaubt."

Überraschend gut gelaunt stand ich auf, ging in Richtung Küche und brühte mir Kaffee, mein Lebenselixier, während ich noch zwei Brötchen in den Backofen schob. Schnell holte ich noch meine Zeitung, die der Briefträger immer vor meine Tür schmiss, und setzte mich mit einer dampfenden Tasse an meinen Esstisch.

Die neue alte Erinnerung beantwortete ein paar meiner Fragen, die ich mir bis jetzt noch nicht erklären konnte. Jetzt wusste ich zum Beispiel, dass ich immer noch mit der TARDIS verbunden war, weswegen ich auch immer noch über 5 Milliarden Sprachen sprechen und verstehen konnte. Immerhin sah sie in mich und ich in sie. Der Zeitmalstrom floss durch meinen Körper, durch jede meiner Zellen. Sie war in meiner Seele und ich in der ihren. Huon-Partikel befanden sich in meinem System, ob ich wollte oder nicht, ich war ein Teil der TARDIS und sie ein Teil von mir.

Wow, ich pfiff sogar vor mich hin. Wer hätte das gedacht? Ich hatte das Gefühl, als könnte ich seit langem wieder Bäume ausreißen, als könnte ich mit einem Sprung auf der anderen Seite der Welt landen. Ich erkannte das Gefühl. Es war Lebensfreude. Ich hatte eine Aufgabe, ein Ziel vor Augen. Mit hoch erhobenen Hauptes schritt ich darauf zu, egal was mir in den Weg kommen könnte. Nichts konnte mir heute den Tag versauen. Absolut und rein gar nichts. Hallo Welt, hier war Rose Tyler, Superagentin, Kampfsportexpertin und Alienprofi.

Nach meinem Frühstück ging ich beschwingt in mein Schlafzimmer und zog mir einen schwarzen kurzen Rock, ein hellgraues Trägerleibchen und meine schwarzen Converse an. Schnell kämmte ich mir noch die Haare, band sie in einem losen Knödel zusammen und putzte mir die Zähne.

„Yeah, jetzt bin ich bereit. Wofür? Keine Ahnung, aber gebt mir alles und ich erledige es", lachend nahm ich noch meine Tasche und Lederjacke und ging in den Hausflur.

Gerade als ich meine Wohnungstür absperren wollte, fiel mir etwas sehr Unangenehmes auf. Wo zum Teufel war mein TARDIS-Anhänger? In der Wohnung war er nicht, denn ich hatte ihn gestern noch bei der Party. Dort spielte ich mit ihm in der Küche und vergaß ihn auf dem Tisch. Ah, wie konnte ich nur? Etwas so Wichtiges ließ man nicht einfach herumliegen. Meine gute Laune hatte soeben einen Kratzer abbekommen und die Wand mir gegenüber sah für meinen Kopf auf ein Mal sehr einladend aus.

„Hilft wohl alles nichts", langsam fischte ich mein Handy aus der Tasche und rief meine Mum an, um ihr zu sagen, dass ich noch einen Sprung vorkommen würde.


„Ohne die Quälgeister ist es richtig ruhig hier", grinste ich meine Mutter über den Rand meiner Tasse Tee an und ließ mich am Wohnzimmertisch nieder.

„Nenn deine Geschwister nicht Quälgeister, Rose. Das ist nicht nett."

„Ach, komm, du denkst doch genauso und genießt die Ruhe, wenn sie in der Schule sind."

„Da hat aber einer gute Laune, warum?"

„Ach, ich hab so ein Gefühl, dass für mich bald alles wieder gut wird", mein Grinsen wurde zu einem verträumten Lächeln, was meine Mum in Alarmbereitschaft geraten ließ.

„Wie meinst du das?", sie stand auf und begab sich vor dem riesigen Kamin, wo sie einige Bilder der Familie studierte, „Ist dein Leben nicht gut?"

„Mum, du weißt, was ich meine. Mir geht es physisch gut, aber ich gehöre hier nicht her."

„Seit wann gehört die Tochter nicht zur Mutter?", ihr Tonfall wurde gereizter, was mir absolut nicht passte. Ich war gut gelaunt, verdammt noch mal.

„Ich gehöre einfach nicht hierher", wiederholte ich und passte mich ihrer Aggression an.

„Wir haben doch alles. Du hast einen anständigen Job, hast Geschwister, sogar einen Vater und du willst wirklich weg?"

„Jetzt fang nicht wieder mit dem an. Pete ist einer meiner besten Freunde, aber nicht mein Vater. Er versucht es auch gar nicht zu sein, was mir ganz recht ist. Ich liebe ihn, ja, ich liebe Anne und Tony, ich liebe dich und ich liebe Mickey, aber ich liebe nicht diese Welt oder diese Zeppelins am Himmel. Jede Faser meines Körpers rebelliert gegen das alles. Mum, ich will zu ihm zurück", wütend stand ich auf und sah ihr tief in die Augen, aber sie musste blind sein, denn sie sah meine Verzweiflung, Sehnsucht oder Zorn gar nicht.

„Ich hasse diesen Mann. Sieh dich doch mal an. Nach neun Jahren bist du immer noch nicht über ihn hinweg. Das ist nicht normal, Rose. Das ist VERRÜCKT! Du bist richtig besessen von diesem Doctor."

Verletzt kniff ich die Augen zu und versuchte mich nicht an meine Anfangssituation zu erinnern. Es war schmerzhaft und grausam. Warum gab ich es nicht einfach auf, es ihr erklären zu wollen? Sie verstand mich nicht und würde es wahrscheinlich auch nie.

„Bitte, hör auf so zu reden", ein Seufzer entkam mir und Tränen, die durchzubrechen versuchten, wurden tapfer von mir hinuntergeschluckt, „hast du einen Schlüsselanhänger hier rumliegen gesehen?"

„Nein", fauchte sie mich an und ging wieder auf mich zu, „Du musst damit aufhören oder es wird dich umbringen."

Ohne ein weiteres Wort zu sagen ging ich in die Küche und befragte Charly, den Koch, welcher mir aber meine Frage ebenfalls verneinte. Großartig, das Haus hatte über dreißig Zimmer. Das würde zu lange dauern, um ihn zu suchen, also gab ich den Bediensteten den Auftrag die Augen offen zu halten und mir dann Bescheid zu sagen.

Jede Minute, die ich in diesem Anwesen verbrachte, zerstörte meine gute Laune um ein kleines Bisschen mehr. Das war etwas, das ich ganz und gar nicht gebrauchen konnte. Ohne meiner Mutter auf Wiedersehen zu sagen, stürmte ich hinaus und sprang in mein Auto. Da ich meinen Zorn nicht einfach freien Lauf lassen konnte, fuhr ich eine Stunde in der Stadt umher. Jetzt wusste ich wieder, warum ich mir meistens keinen Urlaub gönnte. Es war anstrengender durch den Tag zu kommen, als wenn ich beschäftigt war.

Mitten in London parkte ich mein Auto und ging in den fast menschenleeren Straßen spazieren. In meinem Kopf spürte ich die Wölfin, wie sie immer aufgeregter wurde. Sie wartete auf etwas und somit wartete ich ebenfalls und wurde von Minute zu Minute rastloser. Meine Laune wurde wieder besser.

Ich ging planlos durch die Gegend, bis ich in einem Park gelandet war. Dort setzte ich mich auf eine Bank und beobachtete einige Vögel. Während meine Gedanken auf Wanderschaft gingen.

Ich wusste, vom rationalen Standpunkt her, dass es eigentlich unmöglich sein sollte, dass ich immer noch in den Doctor verliebt sein konnte. Immerhin könnte er sich verändert haben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Regeneration war so ein Punkt, der ziemlich einschneidende Veränderungen bringen konnte. Aussehen und Charakter.

Aber ich träumte von ihm. Fast jede Nacht. Ich träumte von seinen neuen Begleitern, von seinen Abenteuern, von seinen Rettungsaktionen. Ich träumte von der TARDIS und ihrem melodischen Summen. Es war so real, dass ich oft nicht wusste, wo ich umging. Aber es war alles nur Wunschdenken.

Ein bitteres Lachen kam aus meiner Kehle und ich schüttelte langsam den Kopf. Solche Gedanken halfen mir nicht weiter. Ich musste mich wieder auf meine Aufgabe konzentrieren und zwar sofort oder ich konnte mich gleich einbuddeln.

Entschlossen stand ich auf und begann weiterzugehen. Stillstand war mein Tod, also musste ich mich bewegen, denken, vorwärts gehen. Und genau das tat ich. Ich schloss kurz die Augen, um mich wieder einigermaßen zu fangen, und marschierte los. Etwas tief in mir schien mich zu führen. Ich wusste nicht, ob es der Wolf oder etwas anderes war, aber ich folgte dem Ruf.

Nach einer weiteren halben Stunde fiel mir meine Kinnlade fast auf den Boden. Dort an der Ecke stand sie. Ich lief, so schnell ich konnte. Ich hatte Angst, wenn ich zu langsam wäre, würde sie verschwunden sein. Dort stand meine über alles geliebte blaue Box. Meine TARDIS.

Langsam glitten meine zitternden Finger über das alte Holz, während mein Herz schneller zu schlagen anfing. Es war zu schön um wahr zu sein. Am liebsten hätte ich mich an sie gekettet, damit sie mir nicht noch ein Mal entkommen konnte. Freude überflutete meine Gedanken und ein Jubelschrei drohte aus mir herauszubrechen. Ich hatte sie endlich gefunden. Mir wurde sofort klar, wer mich geleitet hatte. Es war sie, mein altes Mädchen, mein zu Hause.

Ungeschickt griff ich nach meiner Kette und betrachtete nostalgisch den plötzlich leuchtenden Schlüssel. Er reagierte auf das Schiff! Diesmal konnte ich meinen Jubel nicht unterdrücken und tanzte sogar ein wenig auf der Straße. Lass die Leute doch denken, was sie wollten, dachte ich berauscht und schob den Schlüssel ins Loch. Langsam und ängstlich drehte ich ihn herum. Es klappte, was bedeutete, dass es entweder die TARDIS aus meiner Dimension war oder dass die TARDIS dieser Dimension wollte, dass ich sie betrat.

„Zeit es herauszufinden", murmelte ich und stieß die Türen auf.

Ich genoss diesen Moment, als ich eintrat und sie hinter mir wieder verschloss. Mit geschlossenen Augen stand ich einfach nur da und hörte die wundervollste Musik, die es je im Universum gab und auch geben würde. Sie hieß mich willkommen. Früher dachte ich mir nichts dabei. Früher war es einfach nur ein Summen und Piepen und Rauschen, aber nicht als der Wolf in mir war und sie gestern Nacht wieder erwacht war. Ich verstand jeden einzelnen Ton, ich konnte sie übersetzen und endlich mit ihr reden. So wie der Doctor es tat. Ich hatte ihn damals beneidet, weil er es konnte und ich nicht. Sicher ich hab schon immer mit ihr gesprochen, sie gestreichelt oder für sie gesungen, aber heute konnte sie mir Antworten geben. Ich war endlich wieder telepathisch mit ihr verbunden und ich erzählte ihr, wie sehr ich sie vermisst hatte.

Schnell hängte ich meine Jacke und Tasche über das Geländer und schritt zur Konsole. Meine Fingerspitzen strichen über die Geräte und spürten jedes einzelne Summen. Mein Gesicht tat schon weh vom vielen Grinsen, aber ich konnte nicht anders.

„Sag mir, welche TARDIS bist du?"

Ich bin die TARDIS des Doctors.

„Lachst du etwa? Du meine Güte, die TARDIS hat Sinn für Humor", kicherte ich und ließ mich auf meinem ehemaligen Platz nieder, natürlich mit den Beinen auf der Konsole, „Welchen Doctor begleitest du?"

In jeder Dimension gibt es nur einen Doctor, Rose.

„Ah, nicht du auch noch. Die Wölfin ist mir kryptisch genug. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, kommt die Wölfin doch von dir."

Ohne dich gäbe es sie ebenfalls nicht.

Laut lachte ich auf, als ich mir das noch mal durch den Kopf gehen ließ. Ich hatte praktisch ein 'Kind' mit der TARDIS. Ein Kind, das einer Göttin glich, wenn sie genügend Energie zur Verfügung hatte, und das in meinem Gehirn festsaß. Sicher im Grunde genommen war ich der böse Wolf, aber der Teil in meinem Kopf war bis gestern noch komplett abgeriegelt und für mich nicht existent. Zur Zeit bin ich noch zu 75 Prozent Rose und nur zu 25 Prozent die Wölfin.

„Apropos böser Wolf. Ich sehe ja ein, dass ich hier bin, weil es sonst den bösen Wolf nicht gäbe, aber warum erst nach neun Jahren? Warum nicht nach neun Monaten oder neun Tagen?"

Weil der Doctor in den letzten neun Erdenjahren nicht lange genug auf der Erde war. Aber ich kann es nicht länger hinauszögern. Heute, nach all der Zeit, habe ich auf dich gewartet, Rose Tyler. Ich rief dich zu mir und du kamst.

„Warum weißt du über mich Bescheid?"

Weil du nur so von meiner DNS und typischen Hintergrundstrahlung glühst.

„Rose?"

Erschrocken fuhr ich herum und sah das schwarzhaarige Mädchen von gestern gerade das Schiff betreten. Sie warf ihren Pullover und Tasche ebenfalls über das Geländer zu meinen eigenen Sachen.

„Lily?"

„Wie bist du hier reingekommen? Was willst du hier?"

„Hmm, das ist eine lange Geschichte, aber ich hab einen Schlüssel und da du hier bist, nehme ich einfach mal an, dass du die Assistentin des Doctors bist."

„Woher kennst du den Doctor?"

„Wie schon gesagt, das ist eine lange Geschichte. Wo ist er überhaupt? Warum arbeitest du im Haus meiner Eltern? Sag bloß, dort versteckt sich schon wieder irgendwas Außerirdisches."

„Ähm", verblüfft und argwöhnisch betrachtete mich die Jüngere und sie wusste anscheinend nicht, ob sie mich umarmen oder fesseln sollte, „er müsste bald zurück sein."

Langsam stand ich auf, um sie nicht zu verschrecken, und hob beide Hände. Ebenso langsam ging ich auf sie zu und blieb dicht vor ihr stehen.

„Ich bin nicht hier um euch zu schaden. Ich bin hier um euch zu helfen. Fangen wir von vorne an. Ich bin Rose Tyler, Agentin von Torchwood und Stellvertreterin der Erde und ich brauche dringend eine Tasse Kaffee."

Das brach das Eis, denn sie lachte und griff nach meiner Hand. Sie führte mich in die Küche und begann emsig darin zu arbeiten. Als sie mir einen Becher reichte, setzte sich Lily an den Tisch und bedeutete mir, es ihr gleichzutun.

„Mein Name ist Lily Taylor, Begleiterin des Doctors seit drei Jahren und anscheinend sehr leichtgläubig. Zumindest wird das der Doctor sagen, wenn er sieht, dass ich mit einer Fremden hier sitze und Kaffee trinke."

„Ach, lass ihn doch. Er ist über neunhundert Jahre alt und er lädt ständig fremde Menschen ein. Wie alt bist du? Kommst du aus England? Wann wurdest du geboren?"

„Du bist verdammt neugierig", lachte sie wieder und beugte sich ein wenig über den Tisch, „Ich bin circa 22 Jahre alt, komme aus London und wurde 1986 geboren. UND ich hab was für dich."

Ich musste schlucken, als ich die ganzen Informationen zu verarbeiten versuchte. Lily begann ihr Abenteuer mit 19, also 2005, so wie ich. Das konnte also unmöglich meine TARDIS sein, aber damit hatte ich gerechnet, denn der Doctor hatte mir damals am Strand erklärt, dass er den letzten kleinen Spalt benutzte, der sich von alleine schloss, um mit mir unsere letzten zwei Minuten zu verbringen.

Mein Gedankengang wurde abrupt von einem glänzenden Ding unterbrochen.

„Mein TARDIS-Anhänger! Wo hast du ihn her?", lächelnd nahm ich ihn entgegen und hängte ihn sofort an meine Kette.

„Naja, als du weg warst, hab ich ihn gesehen und mitgenommen. Du weißt doch, in London sieht man sich immer zweimal."

„Sag mal, wie habt ihr euch kennen gelernt? Hat er auch deine Arbeitsstelle in die Luft gesprengt?"

Ein verträumter Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht, als sie in der Vergangenheit versank.

„Nein, hat er nicht, aber er ließ meine Uni in Flammen aufgehen. Lebendes Metall war in ganz London aufgetaucht und er veränderte mein Leben mit einem Wort. 'Lauf' hatte er mir zugerufen und meine Hand genommen und seitdem laufen wir zusammen."

Meine Stirn bewegte sich von ganz allein in die mittlerweile gewohnte Position, einem Runzeln. Dieses Universum brauchte deswegen keine Rose Tyler, weil es Lily Taylor gab. Schon der Name allein war nicht zu unterschätzen. Der Doctor dieser Welt hatte sie als seine Begleiterin mitgenommen. Nur eines verstand ich immer noch nicht.

„Wo wart ihr, als die Wände der Dimensionen zusammenbrachen? Warum hat euch die TARDIS nicht dorthin gebracht?"

„Wände der was? Keine Ahnung, wovon du sprichst. Wann war das?"

„Vor neun Jahren. In London", flüsterte ich und versuchte die Erinnerungen von damals abzuwürgen. Auch wenn meine Mutter so schnell vergessen konnte, für mich war es ein Albtraum, der sich immer wieder wiederholte.

„Wer ist das?"

Mit einem Ruck fuhren wir beide herum und sahen den Mann, den ich glaubte, nie wiederzusehen, erstaunt an. Blaue Augen durchdrangen meine Seele. In ihnen konnte ich Misstrauen, Interesse und Belustigung erkennen. Die braunen Haare waren kurz geschoren und die Lippen waren eng zusammengepresst. So wie er es immer tat, wenn ihm etwas nicht gefiel oder er tief in Gedanken war.

Gott, war ich froh, dass ich schon saß, denn in meinem Kopf und Herz brauste ein Tornado aus allen möglichen Gefühlen. Angst, Freude, Leid, Hoffnung, Zorn, Erleichterung. Meine Hände fingen an zu zittern und meine Augen brannten. Ich hörte Lilys Stimme, aber ich wusste nichts damit anzufangen. Dort stand der Doctor vor seiner zehnten Regeneration mit verschränkten Armen, seiner schwarzen Lederjacke und seiner schwarzen Hose. Nur trug er an Stelle seines olivgrünen Pullovers einen hellgrauen.

Ich spürte wie meine Wangen nass wurden und meine Hand ganz automatisch die Tränen wegzuwischen versuchte. Ich hatte seit 8 Jahren nicht mehr geweint, weil es mich nicht weiterbrachte. Aber das war zu viel. Mein eigenes Lachen zerbrach die Stille, die sich unangenehm über uns gelegt hatte, woraufhin die zwei einen vielsagenden Blick austauschten.

„Keine Sorge, ich bin keine Verrückte. Ich bin nur ziemlich hinüber, aber kein Grund zur Sorge. Ah, wie hab ich diese großen Ohren vermisst", gluckste ich und trank meinen Kaffee aus.