Zuvor bei „Verlobt":
Ich schüttelte den Kopf und fuhr mit den Händen durch seine Haare. Er nahm meine Hand in seine und strich mit seinem Daumen über den Ring.
„Es ist ein hübscher Ring.", meinte ich.
„Es ist ein sehr hübscher Ring.", stimmte er mir zu.
Kapitel 3
Zum Sterben Gut
Aus mir unerfindlichen Gründen musste ich am Mittwochmorgen ganz dringend pinkeln.
Und ich meinte wirklich ganz dringend.
Ich versuchte es zu ignorieren, Ich rollte mich auf den Rücken und zwang mich wieder einzuschlafen. Nichtsdestotrotz wurde der Druck größer und größer, bis ich schließlich aufstehen musste. Ich verfluchte meine Blase und den Artikel über einen Kerl dessen Blase geplatzt war, den ich ungefähr vor einem Monat gelesen hatte, während ich aus meinem Zimmer stolperte, wobei ich die Augen nicht ganz geöffnet hatte, um nicht vollständig wach zu werden.
„Woah!", rief eine Stimme, als ich den Flur betrat.
Träge öffnete ich meine Augenlider ungefähr drei Millimeter weit und entdeckte James, der die Arme ausgestreckt hatte, um mich festzuhalten, nachdem wir zusammengestoßen waren.
„James.", murmelte ich schläfrig. „Was machst du denn?"
„Ich gehe Laufen.", verkündete er fröhlich.
„Oh.", antwortete ich abwesend und legte meinen Kopf an seine Schulter. Sie taugte was als Kissen, aber es war ein bisschen zu hart für mein Ohr. So früh am Morgen bevorzugte ich Kissen gegenüber Muskeln.
„Warum bist du um fünf Uhr schon wach, Lily?", fragte er.
„Ich muss pinkeln."
„Oh, ähm, okay.", erwiderte James und trat geschwind ungefähr einen halben Meter von mir zurück. „Dann mach das mal und geh dann wieder ins Bett, ja?"
„Okay.", antwortete ich.
„Ich weck dich auf, wenn ich wieder da bin."
„Okay.", sagte ich verträumt.
Er lachte, küsste meine Stirn und verschwand dann den Flur hinunter.
Als ich im Badezimmer fertig war, trottete ich zurück in mein Zimmer und ließ mich auf mein Bett fallen. Ich schlief sofort wieder ein, ohne dass ich überhaupt noch die Zeit hatte mich richtig zuzudecken.
„Lily."
„Mmm.", seufzte ich in mein Kissen. Ich spürte ein sanftes Stupsen zwischen meinen Schulterblättern, aber versuchte es zu ignorieren.
„Lily.", flüsterte die Stimme erneut und stupste weiterhin meinen Rücken. „Komm schon, Liebling, wach auf."
Ich wälzte mich auf den Rücken, um dem Störenfried ins Gesicht blicken zu können.
„Hey.", flüsterte ich.
„Hey.", flüsterte James zurück. „Bist du soweit aufzustehen?"
„Wie spät ist es?", fragte ich verschlafen.
„Etwas nach neun.", antwortete er. „Ich hab damit gewartet dich aufzuwecken bis ich gesamte Rätselseite in der Zeitung gelöst hatte."
Ich stöhnte.
„In beiden Zeitungen!"
Ich seufzte und drehte mich auf die Seite. „Noch fünf Minuten.", bettelte ich.
Er gluckste leise. „In Ordnung.", gab er nach. „Aber nur, wenn ich auch schlafen darf."
„Was?", fragte ich verwirrt. Ich öffnete den Mund, um weitere Fragen zu stellen, aber James zog sich bereits die Schuhe aus.
Er legte sich zu mir ins Bett und deckte sich zu. „Rutsch ein bisschen rüber, ja?", bat er mich neckisch.
Ich rollte mich auf die andere Seite, damit ich ihm einen gereizten Blick zuwerfen konnte. „Habe ich dir das erlaubt? Das ist mein Bett. Geh und such dir dein eigenes."
Er grinste mich zuckersüß an. „Weißt du, wenn wir erst einmal verheiratet sind, werden wir jede Nacht zusammen schlafen."
„Du meinst, wenn wir jemals in ferner Zukunft heiraten sollten.", korrigierte ich ihn.
„Natürlich."
Er grinste und strich mit den Fingern durch meine Haare, die mir in die Augen gefallen waren.
„Ich trete.", teilte ich ihm mit.
„Ich klau die Bettdecke.", erwiderte er. „Und ich schnarche."
„Wundervoll.", bemerkte ich.
Er schlang seine Arme um mich, so dass mein Rücken an seine Brust geschmiegt war.
„Ich werde jetzt schlafen.", verkündete ich gähnend. „Wenn du irgendetwas versucht, verhexe ich dich später."
„Mmm.", brummte er in meine Haare.
„Lily? Also, wirklich Schatz, es ist schon fast elf, du solltest- Oh mein Gott!"
Das Gekreische erschrak mich so sehr, dass ich halb aufsprang, um nach der Quelle des Lärms Ausschau zu halten.
„Auu! Meine Nase!"
„Oh, mein Gott!", wiederholte meine Mum laut.
Ich wischte mir über die Augen und sah zur Tür auf, wo meine Mutter vollkommen entgeistert stand. Ihre Augen waren auf mein Bett geheftet. Ich senkte meinen Blick und entdeckte den Jungen in meinem Bett.
Ich durchforstete mein Gehirn und versuchte mich zu erinnern, ob wir Sex gehabt hatten. Nein, ich trug immer noch mein Höschen und fühlte mich immer noch bedrückt und unbefriedigt.
„Oh, Mum, es ist nicht das, wonach es aussieht.", versicherte ich ihr rasch.
„Ich glaube du hast meine Nase gebrochen.", wimmerte James und setze sich auf, um seine Nase zu befühlen.
„Du bist so ein Baby.", grummelte ich.
„Blute ich?"
Ich ignorierte ihn und stand vom Bett auf, wobei ich schnell noch James Shirt runter zog. Als James nicht aufstand, verpasste ich ihm einen Schlag auf den Hinterkopf.
„Du bist keine große Hilfe.", stöhnte er.
„Steh auf.", zischte ich ihm böse zu.
Als er meiner Aufforderung nachkam, konnte ich meine Mum erleichtert seufzen hören. Sie schien bemerkt zu haben, dass wir immer noch angezogen waren.
„Lily?", fragte sie mich misstrauisch.
„Wir haben nur geschlafen.", erklärte ich ehrlich. „James kam vorhin rein, um mich zu wecken und wir sind einfach eingeschlafen."
Die Falten auf ihrer Stirn verschwanden langsam, aber in ihren Augen schien immer noch Besorgnis. „Mum.", redete ich weiter. „Er trägt immer noch seine Klamotten und seinen Gürtel. Ich meine, mal ehrlich, was hätte schon passieren können?"
Ihre Augen verengten sich. „Werd nicht frech, Lily, Marie."
Ich schluckte und biss mir auf die Lippe. „Tut mir Leid, Mum."
„Mir auch, Mrs. Evans.", beeilte sich James zu sagen. „Aber Lily sagt die Wahrheit. Es war ehrlich nur ein Versehen. Ich war wohl nur ein bisschen müde vom Laufen heute Morgen."
Sein Charme tat seine Wirkung und Mums finsterer Blick verblasste allmählich. „Aber, das mir das nicht noch mal vorkommt.", sagte sie streng. „Lily, du kennst die Regeln."
Das tat ich. Die Beine verschränkt, der BH verschlossen, die Bluse zugeknöpft und sogar die Socken an. Unter keinen Umständen durfte eine Evans-Tochter Sex haben. Enkelkinder wurden nur vom Storch gebracht. In Petunias Fall unterstützte ich diese Regelung. In meinem Fall jedoch…
„Tut mir Leid.", wiederholte ich schwach.
Mum seufzte. „Du kannst nur beten, dass ich deinem Vater nichts davon erzähle."
Ich stöhnte. „Mum, das würdest du doch nicht tun.", flehte ich.
„Mal sehen wie viel Stress du mir heute bereitest.", sagte sie mit einem warnenden Blick. „James, könntest du mit nach unten kommen? Ich bräuchte Hilfe beim Tragen von ein paar Kartons."
„Natürlich, Mrs. Evans.", erwiderte James eifrig.
Mum beobachtete ihn wie ein Adler, bis er aus meinem Zimmer verschwunden war und draußen vor der Tür wartete. Dann wandte sie sich wieder mir zu. „Lily, du musst dich anziehen. Um eins machen wir uns auf den Weg zum Caterer."
„Aber klar doch, Mum.", gab ich mit einem, wie ich hoffte, beschwichtigendem Lächeln zurück.
„Also gut.", meinte sie und klang noch immer etwas aus der Fassung. „Lass uns gehen, James."
Der Blödmann zwinkerte mir noch zu, woraufhin ich ihm die Zunge rausstreckte. Verdammt noch mal. Nicht ein Morgen konnte vollkommen glatt laufen.
Ich fragte mich, was Hestia mir wohl zurückschreiben würde, während ich an Callies leerem Käfig vorbei ins Bad ging. Ich nahm mein neues Shampoo mit Erdbeergeruch aus dem Schrank und trat unter die Dusche. Merlin, es war wunderbar meinen eigenen Geruch wiederzuhaben. Ich hasste es nach Vanille zu riechen.
Als ich fertig damit war mich einzuschäumen und danach abzuspülen und das Ganze sogar zwei Mal, verließ ich die Dusche und entfernte die Haare an meinen Beinen mit einem Zauber. Normalerweise hatte ich zu Hause eine Gedankenlücke, die mich davon abhielt die meisten meiner Probleme mit Magie zu lösen. Wenn ich zu Hause war, vergaß ich Hogwarts immer wieder. Rasieren war allerdings so nervig, dass in diesem Fall meine Erinnerung nicht aussetzte.
Ich zog schnell ein Paar kurze Jeans-Hosen und ein jadegrünes Oberteil an, bevor ich noch etwas Mascara auftrug und meine noch immer nassen Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammenband. Während ich mich anzog, stellte ich fest, dass ich meinen letzten sauberen Slip gerade angezogen hatte. Deshalb packte ich, wenn auch widerwillig meine dreckige weiße Wäsche in einen Wäschekorb und schleppte ihn zu dem kleinen Raum neben der Garage, wo unsere Waschmaschine und unser Trockner standen. Mum kam gerade herein, als ich das Waschpulver in die Waschmaschine gab. „Ich denke, das was ich am meisten an Hogwarts vermisse sind die Hauselfen. Sie kochen, putzen und machen deine Wasche das ganze Jahr über, ohne dafür bezahlt zu werden.", verkündete ich ihr.
„Wir haben auch einen hier.", brummte sie trocken zurück. „Sie hört auf den Namen Mum."
Ich stellte die Zeitschaltuhr der Waschmaschine ein und lachte, als Mum zurück in die Garage ging, nachdem sie sich ein Handtuch aus dem Badezimmer der unteren Etage geholte hatte, das links neben dem Waschraum war.
Vollkommen ausgehungert von all der Plackerei, den Verrenkungen, und dem Lachen, angesichts der schmutzigen Gedanken, die mir zu diesen Wörtern in den Kopf kamen, schlenderte ich in die Küche, wo Petunia am Küchentisch saß und an ihrem Kaffee nippte.
„Guten Morgen.", trällerte ich fröhlich und versuchte die Vergangenheit ruhen zu lassen.
Sie knurrte nur kurz und wandte sich dann wieder dem Catering Menü zu.
Während ich ein paar Eier aus dem Kühlschrank nahm, dachte ich darüber nach, was wohl mit unserer Beziehung nicht stimmte. Letzten Sommer lief alles noch so super. Ich hatte wirklich gedacht Petunia und ich könnten unsere Probleme miteinander klären. Ich war wohl ein wenig naiv gewesen. Es lief so, wie jede Versöhnung zwischen uns von Statten ging. Alles lief ungefähr zwei Wochen lang gut, bis eine von uns einen Fehler beging. Es musste noch nicht einmal eine große Sache sein. Ich kaute vielleicht zu laut oder sie nannte mich aus Versehen „Freak". Wir konnten wohl einfach nicht aufhören uns zu streiten.
Ich wünschte wir könnten es.
Der einzige Weg, damit wir uns verstanden schien darin zu bestehen ganz England zwischen uns zu bringen. Schade, dass unser Haus nur zwei Stockwerke hatte.
Gerade als meine Eier fertig gebacken waren, sprang auch mein perfekt goldbrauner Toast aus dem Toaster. Rasch verteilte ich etwas Butter darauf, griff nach meinem Glas mit Orangensaft und setzte mich zwei Stühle weiter von Petunia an den Tisch.
Begeistert machte ich mich über mein Frühstück her. Merlin, Rührei mit Käse waren einfach verdammt gut, besonders wenn man noch ein bisschen Milch hineintat, damit sie schön fluffig wurden.
Petunia schien allerdings nicht besonders begeistert von meinem Frühstück zu sein. „Musst du wirklich ganze drei Scheiben Toast essen?", fragte sie. „Wir fahren in fünfundzwanzig Minuten los zum Probeessen. Wie willst du dann noch das Hühnchen essen?"
„Das kriegt sie schon hin.", versicherte ihr James, der gerade mit einem Karton im Arm hereinschlenderte. Er ließ sich neben mir nieder und stellte den Karton auf den Tisch. „Merlin, deine Mum hatte nicht erwähnt, dass es hundert Kartons sind, die ich tragen soll.", sagte er und wischte sich etwas Schweiß von der Stirn. „Ich hätte nicht gedacht, dass man für eine Hochzeit so viele Sachen benötigt."
„Jamsielein, mein Schatz.", zischte ich in einem so flachen süßlichen Tonfall, dass Petunia uns nicht hören konnte, auch wenn ich aus den Augenwinkeln beobachtete wie sie ihren Hals in unsere Richtung reckte. „Du sollst mich vor meiner Familie unterstützen und nicht verspotten."
„Ich bin gut im Multitasking, Liebling.", erklärte er fröhlich, klaute meinen Ohrensaft und trank ihn leer. „Ich muss zurück an die Arbeit.", verkündete er, stand auf und nahm den Karton vorsichtig hoch. Er drehte sich noch einmal um, bevor aus der Küche verschwand. „Oh, und das trägst du doch wohl nicht zur Arorenbesprechung heute Abend, oder?"
Verdammt, das hatte ich ganz vergessen! Warte, was stimmte denn nicht mit meinem Outfit? „Was stimmt denn nicht mit meinem Outfit?", wollte ich von ihm wissen.
Er seufzte und ich konnte förmlich sehen wie sich die Rädchen in seinem Kopf drehten, um eine diplomatische Formulierung zu finden. „Moody hat dieses neue Auge, das durch Dinge hindurchsehen kann. Du willst ihm doch keinen Grund geben, es auch zu benutzen.", meinte er taktvoll.
Verlegen zog ich den Träger meines Tops wieder auf meine Schulter. „Ich werd mich später umziehen.", sagte ich.
James nickte. „Ja, das wär wohl besser." Er drehte sich um und ging in den Flur. „Bis später, meine Damen!", rief er über seine Schulter.
Ich beschäftigte mich wieder mit meinem Frühstück und verfluchte den Verlust meines Orangensaftes, als Petunia das Wort ergriff. „Du gehst heute Abend zu einer Besprechung?"
Ich legte meine Gabel ab und sah zu ihr hoch. „Ja.", antwortete ich. „James und ich gehen später ins Ministerium zu einer Besprechung mit den Leitern des Aurorenbüros."
„Und dieser Typ hat kein normales Auge?", fragte sie schnell und mit gesenkter Stimme.
Ich zuckte mit den Schultern. „Anscheinend nicht."
Sie schüttelte sich ein wenig.
„Das ist nicht allzu ungewöhnlich.", sagte ich. „Auroren haben oft ziemlich heftige Unfälle. Das kommt davon, wenn man gegen dunkle Zauberer kämpft. Er kann froh sein, dass es nur sein Auge war."
Petunia starrte mich mit geweiteten blauen Augen an und mir wurde klar, dass ich vielleicht etwas Beruhigenderes hätte sagen sollen. Ich öffnete den Mund, um noch etwas zu sagen, aber da kam Mum gerade in die Küche.
„Mädchen? Seid ihr soweit? Können wir los? Wir müssen ein bisschen früher fahren wegen des Berufsverkehrs zur Mittagszeit. Lily, warum isst du denn jetzt? Ach egal, lasst uns gehen. James hat den Wagen schon angelassen."
„Er fährt doch nicht etwa, oder?", fragte Petunia.
Das wollte ich aber auch nicht hoffen.
„Nein.", erwiderte Mum und legte ihren Arm um Petunias Schulter. „Wir wollen doch nicht, dass unsere zukünftige Braut einen Herzinfarkt bekommt. Komm schon, Lily.", sagte sie und ich stopfte mir das letzte Stück Toast in den Mund.
Mum hatte recht gehabt mit dem Verkehr. Wir brauchten eine Ewigkeit bis wir endlich ankamen. James Knie stießen immer wieder an meine, während er wie ein Hund aus dem Fenster starrte. Die Muggelwelt war nun wirklich nicht so faszinierend. Der Kerl saß nur wenige Zentimeter entfernt von seiner recht annehmbar aussehenden, um nicht zu sagen attraktiven festen Freundin. War es wirklich zu viel verlangt, dass er sich ein wenig mit mir beschäftigte?
Er deutete auf ein Fast Food Restaurant, als wäre es Merlins Zauberstab. Ich hätte ein Buch mitnehmen sollen.
Schließlich parkte Mum das Auto und wir trafen auf Vernon, der wie immer ungemein korpulent aussah. Er küsste Petunia auf die Wange, nahm dann ihre Hand und führte sie ins Restaurant. Ich ging direkt hinter ihnen.
Das Restaurant sah sehr nobel aus. Die Wände waren elfenbeinfarben, der Boden bestand aus Marmor und die kleinen runden Tische waren mit Tischdecken derselben Cremefarbe bedeckt und darauf lagen schwarze Servietten.
Vernon rückte Petunia den Stuhl zurecht, damit sie sich setzen konnte, und James der ihn aufmerksam beobachtete tat das Gleiche bei mir. Ich schüttelte nur den Kopf und setzte mich. Und ich dachte die Rivalität zwischen mir und Petunia wäre groß.
Ich sah kurz zu Petunia rüber und schenkte ihr ein kleines Lächeln. Sie öffnete den Mund ein wenig, aber erwiderte das Lächeln nicht wirklich.
Ich fummelte an meiner Serviette herum und versuchte den schicken juwelenbesetzten Serviettenring abzustreifen, um die Serviette dann auf meinen Schoß zu legen.
„Ahh, Mrs. Evans, es ist wundervoll sie endlich persönlich zu treffen.", sagte ein Mann, der sich unserem Tisch näherte. Er trug eine fluffige Kochmütze, die herunter zu fallen drohte und eine tiefrote Kochjacke, die mit Mehl bedeckt war und nur knapp seinen runden Bauch bedeckte und dort endete wo seine schwarze Hose begann. Seine Wangen waren gerötet, entweder von der Arbeit am Herd oder diversen Weinproben und ihn begleitete eine Fröhlichkeit, die deutlich machte, wie sehr ihm seine Arbeit gefiel.
Mum erwiderte sein Grinsen. „Ich freue mich auch sehr, Mr. Giglio.", sagte sie und schüttelte seine dargebotene Hand.
„Ahh, Mrs. Evans, bitte nennen sie mich Claude. Ich habe das Gefühl sie schon so gut zu kennen von all unseren Telefonaten."
„Dann bestehe ich darauf, dass du mich April nennst."
„Wundervoll.", stimmte er mit einem breiten Lächeln zu, das seine großen Zähne offenbarte. „Also, wo ist denn die Hübsche Braut?", Claude drehte seinen Kopf und sah mich und James an. „Oh sie ist atemberaubend! Was für ein wundervolles Paar!", schwärmte er laut.
Mein Gesicht wurde ganz heiß. „Oh, nein.", stotterte ich schnell, als ich Petunias stinkwütendenden Gesichtsausdruck sah. „Ich bin die Schwester.", stellte ich richtig. „Petunia heiratet. Ich bin nur die Schwester."
„Aber sie ist auch verlobt und wird bald heiraten.", warf meine Mutter ein.
„Wie wunderbar!", schwärmte Claude. „Oh, ich muss das Essen für ihre Hochzeit machen. Ich sehe schon die Zuckerveilchen, die auf den…"
„Ahem.", hustete Petunia laut. „Eine Hochzeit nach der anderen, bitte."
Ich versuchte mein Gesicht hinter meinem Wasserglas zu verstecken. Merlin, noch nicht einmal mit den piekfeinen Silbermessern in diesem Restaurant könnte man das Eis brechen, das sich an unserem Tisch gebildet hatte.
Claudes Lächeln verblasste ein wenig, als er sich Petunia und Vernon zuwandte. „Verzeihen Sie, meine Liebe.", sagte er an Petunia gerichtet, die aussah als überlegte sie gerade den Caterer zu wechseln. „Ah, eine Schwester ist hübscher als die andere. Sie haben wirklich wunderschöne Augen, Mademoiselle."
Für den Moment schien das Petunia zu beschwichtigen und es kam kein Dampf mehr aus ihren Ohren. „Danke.", sagte sie knapp.
„Ahh, nun.", sagte Claude, der eine Liste aus seiner Tasche gefischt hatte. „Sie wollen heute das letzte Probeessen machen, ja?"
„Ja."; antwortete Vernon. „Meine Verlobte und ich haben bereits hier gegessen, aber wir wollten das Essen noch einmal vor Sonntag probieren, nur zur Sicherheit."
„Ich versichere Ihnen Sir, dass kein Essen, das von mir zubereitet wird eine solche Sicherheitsmaßnahme erfordert."
„Er tut mir nur einen Gefallen.", lenkte Mum mit einem Lachen ein. „Meine Mutter will mich schon jetzt umbringen, weil ich nicht alles selbst koche."
Claude lachte, und sein Bauch erzitterte. „Ich weiß ganz genau was du meinst. Meine Mutter war Italienerin und mein Vater war Franzose."
„Und Sie sind in Großbritannien gelandet?", fragte ich. „Wie kam es dazu?"
„Die schönen Frauen.", sagte er mit einem Grinsen. „Und die fehlenden Möglichkeiten hier gut essen zu gehen. Fisch und Chips, also wirklich!"
„Wir würden gerne ein paar Probeteller von unserem bestellten Menü haben, für den Fall, dass wir noch etwas kurzfristig ändern müssen.", sagte Petunia.
„In Ordnung.", sagte Claude. „Also, Sie haben den frischen Gartensalat mit Balsamico-Vinaigrette, die panierten Pilzkappen mit einem Hauch von Parmesan für das Aroma und Bruschetta mit feinen Tomatenwürfeln und ein paar Tropfen Olivenöl obenauf gewählt. Das, der Krabbencocktail und die Austern wären die Hors d'oevre. Entweder lassen wir Sie von den Kellnern auf Tabletts servieren oder wir arrangieren sie als Buffet, so dass sich die Leute einfach bedienen können."
„Vernon?", fragte Petunia.
„Wir machen am Besten ein Buffet aus den Vorspeisen, nur den Salat sollten wir servieren, oder?"
„Wundervoll.", erwiderte Claude und machte sich eine Notiz auf seiner Liste. „Als nächstes haben wir Ihre Auswahl der Hauptspeisen: das geräucherte Lachsfilet mit gemahlenem Pfeffer, etwas Limonensaft und einer Prise Fleur de Sel-Salz für den extra Kick; das Hähnchen-Piccata, bei dem jedes Filet sorgsam weich geklopft, dann mit Mehl paniert und angebraten wird, bis es goldgelb ist, in einem fantastischen Qualitätsweißwein mariniert und nur noch mit einem Spritzer Zitronensaft abgerundet wird; und schließlich für die vegetarischen Gäste die Tortellini Carbonara, bestehend aus unseren hausgemachten Tortellini, angerichtet in einer Sahnesoße aus Schmand und Schlagsahne, gedünsteten Pilzen, selbstgemachter Butter und natürlich, wie verlangt, ohne den Schinken."
„Und dann haben wir als Dessert natürlich die Hochzeitstorte: dreistöckig, weiße Buttercreme als Fondant mit den üblichen Rosen, Veilchen und sogar Petunien darauf. Dann haben wir noch zusätzlich les Petit-Four für jeden Tisch, die wir mit Kirsch- und Haselnusspralinen servieren. Ich muss Ihnen sagen, wenn Sie in eine davon hineinbeißen, überkommt Sie ein unglaubliches Geschmacksgefühl. Unser Pâtissier ist wirklich ganz fantastisch. Ich möchte Ihnen auch noch eine Neuheit auf unserem Menü empfehlen, auf die wir hier im Château Delicae ganz besonders stolz sind. Ein schmales Stück Käsekuchen, ungefähr fünf Zentimeter breit, das mit einer Erdbeere, die in Form einer Blume geschnitten wird, verziert ist. Mir wurde gesagt, es gäbe nirgendwo ein vergleichbar deliziöses Dessert."
Als Claude aufhörte zu sprechen musste ich mir den Speichel abwischen, der mir übers Kinn lief. Ich wollte, dass er es auf Kassette oder Video aufnahm, wenn er über Essen sprach. Ich wollte, dass er jedes einzelne Gericht für mich kochte. Zum Teufel mit James, ich wollte Claude Giglio heiraten.
Anscheinend war ich nicht die Einzige, die ganz hingerissen von ihm war. Mum lächelte ganz süß. James und Vernon sahen aus, als hätte man sie soeben in den Himmel erhoben. Sogar Tuney, die pedantisch darauf geachtet hatte nicht mehr als 1500 Kalorien am Tag zu essen, damit sie in ihr Hochzeitskleid passen würde, sah aus, als würde sie gleich eine Religion in Claudes Namen gründen.
Merlin, er war gut.
Claude grinste. „Wenn das alles so weit stimmt, begebe ich mich dann in die Küche und richte die Probeteller an."
Als ihm niemand antwortete, schien Claude zu bemerken, dass er uns so überwältigt hatte, dass unser Gehirn in den Magen gerutscht war und zog sich verschmitzt grinsend in die Küche zurück.
„Wow.", hauchte ich, als ich genug Speichel runtergeschluckt hatte, um wieder sprechen zu können.
James griff unter dem Tisch nach meiner Hand. „Ich glaube du musst vielleicht einen Enervate-Zauber auf mich sprechen.", flüsterte er.
„Und wir haben noch nicht einmal probiert.", erwiderte ich.
„Oh, Merlin.", stöhnte James tief.
„Voll und ganz deiner Meinung.", teilte ich ihm aufrichtig mit.
Als Claude und seine fleißigen Helfer mit den Tellern voll wunderbarem Essen erschienen, hatte ich nicht die geringste Chance einen Gedanken zu fassen. Ich aß einfach nur.
Merlin, es war wundervoll.
Ungefähr dreißig Minuten später spannte mein Hosenbund unangenehm und ich legte meine Gabel nieder. Ich konnte nichts mehr essen. Ich lächelte, wobei ich mich nach diesem Essgelage etwas komatös fühlte und wartete darauf dass mein Verdauungsapparat Freude an dem besten Essen haben konnte, das ich je das Vergnügen hatte zu mir zu nehmen. Wer brauchte schon Hauselfen?
Ich dankte Gott für Petunia und ihre Heiratspläne.
Merlin, das Essen war wirklich verdammt gut. Ich redete ja schon totalen Blödsinn.
Wir verließen das Restaurant mit etwas mehr Hüftgold, dafür aber mit einer erheblichen Erleichterung des Bankkontos meiner Eltern.
„Kommen Sie wieder, Mademoiselle.", drängte mich Claude. „Ich habe so viele Ideen für Ihre Hochzeit."
„Ich bin nicht wirklich-", versuchte ich zu sagen, warf dann aber einen Blick auf Petunia. „Ich bin sicher wir werden wieder kommen, auch wenn es nur zum Mittagessen ist.", sagte ich lächelnd und verließ widerwillig mein neugefundenes Paradies.
Ich konnte Mum hinter dem Steuer seufzen hören, als ich in den Wagen stieg.
„Gott, war das gut.", sagte sie.
„Da haben sie vollkommen Recht.", erwiderte James.
„Das einzige Kontra ist, dass es uns ein halbes Vermögen kosten wird.", stöhnte meine Mum und legte ihren Kopf auf das Lenkrad. „Gut, das das Essen so gut war, denn wir werden uns die nächsten fünf Jahre von Bohnen ernähren müssen. 3500 Pfund für Essen, also wirklich!"
Meine Kiefer klappte auf. War das ihr ernst? „Ist das dein ernst?", fragte ich.
„Leider.", jammerte Mum. „Claude ist nett und lächelt die ganze Zeit, bis er dich bittet die Rechnung zu unterschreiben."
„Ich finde nicht, dass es so viel ist.", warf Petunia vom Beifahrersitz aus ein.
Mum grunzte.
„Nun, natürlich ist es viel, aber niemand wird dieses Essen vergessen. Außerdem hat Vernons Familie angeboten die Halle für die Feier zu bezahlen. Wir hatten Glück. Normalerweise müsste die Familie der Braut alles bezahlen."
„Ich hätte Söhne bekommen sollen.", murrte Mum und steckte den Schlüssel ins Zündschloss.
„Hey!", protestierte ich.
„Dann hätte ich Jungs wie James gehabt, die sich immer benehmen."
„Oh, Mrs. Evans.", winkte James geschmeichelt ab.
Ich verpasste ihm einen Schlag auf die Schulter.
„Sie haben wirklich ganz wundervolle Töchter.", verbesserte er sich schnell und rieb sich über den Arm. „Auu!", formte er lautlos mit den Lippen.
Ich zuckte mit den Achseln und richtete meine Aufmerksamkeit auf das Fenster.
„Es ist mein Hochzeitstag, Mum.", verkündete Petunia. „Da können wir ruhig ein paar mehr Pfund ausgeben."
„Das war vielleicht so, bevor wir erfahren haben, dass uns noch eine Hochzeit ins Haus steht.", erinnerte Mum sie.
Petunia verschränkte die Arme vor der Brust. Hurra.
„Darüber müssen wir uns jetzt wirklich keine Gedanken machen, Mum.", sagte ich eiligst.
Petunias finsterer Blick verblasste nicht. Merlin, was sollte ich denn noch alles tun, damit sie mich nicht mehr hasste?
„Also, ähm, du und Vernon, ihr habt schon mal dort gegessen?", fragte ich Petunia vorsichtig.
„Er hat dort um meine Hand angehalten.", antwortete sie. „Gleich nachdem er bei Grunnings befördert wurde."
„Oh, wow, das ist ja fast so als wäre Claude ein Teil der Hochzeit."
„Jahh.", antwortete Petunia.
„Toll.", erwiderte ich lahm und hielt dann meine Klappe.
Der Rest der Fahrt verging in unglaublich unangenehmem Schweigen, das noch schlimmer war als der Small Talk. James hatte noch nicht einmal „Hippogreif" gesagt, aber das hätte Petunia auch wahrscheinlich nur noch wütender gemacht. Als wir endlich zu Hause ankamen, schleppte ich mich mit meinem aufgeblähten Bauch ins Haus und ließ mich auf das Sofa fallen.
„Müde?", fragte James und plumpste neben mich.
„Erschöpft.", erwiderte ich. „Wer hätte gedacht, dass Missfallen einen so auslaugt?"
„Wir haben noch ungefähr anderthalb Stunden Zeit bis zur Besprechung. Ich will nicht, dass du einschläfst, wenn ich dich heute Abend ausführe."
„Wir gehen heute Abend aus?", wollte ich neugierig wissen.
„Ja.", antwortete James geheimnisvoll.
„Und wo gehen wir hin?", fragte ich.
„Wir gehen aus.", gab er zurück.
„Du wirst es mir nicht verraten, oder?"
„Nööö.", sagte er und zog das „ö" dabei lang.
Ich stöhnte und erhob mich langsam vom Sofa.
„Wo gehst du hin?"
„Weg.", erwiderte ich schwammig. „Es ist eine Überraschung. Tschuldige, kann dir nicht sagen wohin. Mein Verhalten ist lächerlich, absurd und nervig. Bis später."
Ich verließ das Wohnzimmer und ging nach meiner Wäsche sehen. Ich beförderte meine weiße Wäsche in den Trockner und stopfte eine Ladung farbige Wäsche in die Waschmaschine. Während ich meine trockene Wäsche nach oben trug befand ich, dass Claude für mich kochen konnte und die Hauselfen konnten dann die Wäsche übernehmen. Das würde mir gefallen.
Da mein sturer Freund mir nicht sagen wollte, wo wir nach dem Essen hingehen würden, hatte ich keine Ahnung, was ich anziehen sollte. Mir fiel wieder sein Kommentar zu Moody ein und ich zog in Erwägung einen Rollkragenpulli anzuziehen, aber dann wurde mir klar, dass es fiel zu heiß dafür war und dass ich darin immer das Gefühl hatte zu ersticken. Ich zog mir ein beiges Jäckchen über das Oberteil, das ich bereits trug und tauschte die kurzen Hosen gegen ein Paar lange schwarze ein.
Ich befreite meine Haare aus dem Pferdeschwanz und fuhr mit den Fingern durch das Durcheinander aus Haaren. Das Endprodukt wirkte ein bisschen kraus, aber es war okay.
Ich tauschte meine Flip Flops gegen meine schwarzen Stiefeletten und ging wieder nach unten.
„Hey, Mum.", begrüßte ich sie, als ich sie auf dem Sofa sitzend entdeckte, wo sie eine Zeitschrift las.
Sie blätterte eine Seite um. „Oh, hallo Lily.", sagte sie und ließ ihre Augen über mich wandern. „Gehst du aus?"
„Ja, James und ich müssen zu einer Aurorenbesprechung in London und danach gehen wir aus."
„London? Ihr zwei, ganz alleine?", überlegte sie besorgt.
„Mum, wir kommen klar. Wir sind ausgebildete Zauberer, erinnerst du dich?"
Sie seufzte. „Wo geht ihr danach hin?"
„Keine Ahnung.", gab ich mit einem Achselzucken zurück.
Sie beäugte mich neugierig. „Wann seid ihr wieder da?"
„Wenn wir bis Sonntag nicht zurück sind, sind wir mit dem Schiff nach Amerika durchgebrannt.", witzelte ich.
Sie rollte mit den Augen. „Lily Marie Evans, du wirst unter keinen Umständen durchbrennen und mich darum bringen deine Hochzeit zu erleben."
„Mum, das war ein Witz." Also mal ehrlich.
„Aber, Amerika, Lily? Ernsthaft? Macht es dir Spaß zuzusehen, wie ich einen Herzinfarkt erleide, oder hast du vergessen, dass meine Nerven nicht so strapazierfähig sind?"
„Wie könnte ich, Mum.", sagte ich, fast ganz ohne dabei eine Miene zu verziehen.
„Lily, ich bin deine Mutter. Es ist meine Aufgabe diese Fragen zu stellen. Also hör auf so geheimnisvoll zu tun."
„Das geht leider nicht, Mum.", verkündete ich ihr. „Das ist alles James Plan und er will mir auch nichts erzählen."
„Oh, na wenn James es geplant hat."
Ich rollte mit den Augen. Das hätte ich wohl einfach gleich erwähnen sollen.
James, der ein schickes schwarzes Hemd und dunkle Jeans trug, schlenderte gerade ins Zimmer. „Lily! Da bist du ja! Wir müssen los, oder wir kommen noch zu spät!"
„Genau!", schrie ich und sah zur Uhr. „Bis später, Mum! Grüß Dad von mir!", ich lehnte mich zu ihr runter und gab ihr schnell einen Kuss auf die Wange.
„Tschüss, Mrs. Evans!", rief James, als ich seine Hand schnappte und ihn in Richtung Garten zog.
„Tschüss, James!", rief Mum zurück.
Als wir draußen angekommen waren wandte ich mich James zu. „In Ordnung, Mr. Reinblut, wie kommen wir zum Zaubereiministerium?"
Er sah mich verblüfft an. „Du warst noch nie da?", fragte er ungläubig.
Ich zuckte mit den Schultern. „Nicht jeder von uns hat Probleme mit der Justiz.", neckte ich ihn.
James verengte gereizt seine Augen. „Ein paar Strafarbeiten sind aber noch kein Fall für das Zaubergamot."
„Ja, aber du warst schon mal da."
„Nur weil meine Eltern dort arbeiten und nicht weil ich kriminell bin.", stellte er seufzend klar und zerwuschelte seine Haare.
„Das ist wirklich Schade.", seufzte ich. „Ich hatte schon immer eine kleine Schwäche für böse Jungs."
„Ach, wirklich?", fragte er und sein Interesse war nun geweckt.
„Ja.", antwortete ich. „Und jetzt könntest du mal einen Zahn zulegen, ich will nämlich nicht zu spät zu meiner erster Aurorenbesprechung kommen."
James grummelt vor sich hin und schlang seine Arme um sich. „Mach dich gefasst.", warnte er mich und drehte sich dann auf der Stelle.
Ich spürte sofort das bekannte unangenehme Gefühl, als würde ich durch einen dicken Gummischlauch gezwängt und mein Körper fast unerträglich zusammengedrückt. Ich verlor völlig den Halt, nur die warmen Hände, die auf meinen Hüften lagen stützen mich noch. Die Umgebung hörte schließlich auf zu verschwimmen und meine Füße kamen mit einem lauten Plumps auf dem Boden auf. Ich stolperte zurück an James Brust.
„Bäh.", stöhnte ich. „Ich glaube ein Teil des Mittagessens möchte noch einmal ‚Hallo' sagen."
„Solange es nicht 'hallo' zum Zaubereiminister sagt.", meinte James und richtete seine Haare mit den Fingern. „Die Abteilung für Magische Strafverfolgung ist im zweiten Stock.", sagte er, schnappte meine Hand und zog mich zu den Fahrstühlen.
Ich folgte ihm und sah mich mit großen Augen im Ministerium um. Zauberer und Hexen in Umhängen verschiedenster Farben eilten über den dunklen Holzfußboden hin und her. Sie sahen alle so erwachsen und selbstsicher aus, nicht wie die Schüler, die die Korridore in Hogwarts bevölkerten. Papierflieger schossen mit beeindruckender Geschwindigkeit über unseren Köpfen durch die Luft. In den vielen Kamin um uns herum brannte grünes Feuer, während Hexen und Zauberer das Atrium betraten oder verließen. Ich musste mich anstrengen, um James hören zu können, der mir das Gebäude erklärte, da die Halle mit sehr vielen Geräuschen gefüllt war, von den vorbeirauschenden Leuten bis hin zu den Empfangsdamen, die wiederholt sagten „Das Zaubereiministerium wünscht Ihnen einen angenehmen Tag."
„Und im siebten Stock befindet sich die Abteilung für Magische Spiele und Sportarten. Und wir sind gerade ein Stockwerk darüber im Atrium mit dem Brunnen der magischen Bruderschaft."
„Ja.", sagte ich, obwohl ich nur mit halbem Ohr zuhörte.
Die Gitter des Fahrstuhls schlossen sich mit einem Klicken und ich zuckte leicht vor Überraschung zusammen, als Musik zu spielen begann. Ich lachte und ignorierte die seltsamen Blicke, die mir ein paar der Zauberer zuwarfen, die ebenfalls mit uns im Fahrstuhl waren.
„Was ist so lustig?", flüsterte mir James ins Ohr.
„Fahrstuhlmusik? Ihr Zauberer seit echt verrückt."
„Du meinst wohl wir Zauberer.", korrigiert mich James. „Oder bist du etwa keine Hexe?"
„Upps, hab ich ganz vergessen."
„Merlin.", seufzte er und blickte gen Himmel.
„Toto, ich habe das Gefühl wir sind nicht mehr in Kensas."
„Was?", fragte er verwirrt.
„Muggelfilm.", erklärte ich. „Ich zeig ihn dir später mal. Die Hexe ist grün."
„Wurde sie von einem Drachen gebissen?"
Der Fahrstuhl öffnete sich und ich schnappte mir James Hand und zog in hinüber zu einem großen Schild auf dem es hieß: „Aurorenbüro".
„Gefunden.", verkündete ich. „Merlin, du bist wirklich zu nichts zu gebrauchen."
„Klar.", stimmte er mir zu, um mich abzuwiegeln.
„Mr. Potter!", rief eine forsche Stimme. Der Mann hatte einen sehr geraden Schnurrbart und dunkle Haare mit ein paar grauen Strähnen.
„Hallo, Mr. Crouch, Sir.", grüßte James ihn und streckte seine Hand aus, um die ihm dargebotene Hand zu schütteln. „Es ist schön sie wieder zu sehen."
„Es ist schön noch einen Potter in der Abteilung zu haben.", sagte Crouch und glättete seinen schwarzen Umhang mit der Hand. „Und wer ist ihre Begleitung?", fragte er und richtete seinen Blick nun auf mich.
„Lily Evans.", erwiderte ich und schüttelte seine Hand. „Ich bin auch hier für die Besprechung."
„Nun, dann wünsche ich ihnen beiden viel Glück.", sagte Crouch, während er seine Taschenuhr herauszog um daraufzusehen.
„Bleiben sie nicht zur Besprechung?", fragte James.
„Ich kann nicht.", antwortete Crouch. „Ich habe heute viel zu viel andere Dinge zu tun. Außerdem nimmt sich Alastor gerne die Neulinge vor.", fügte er hinzu und lachte kurz verlegen.
Crouch verabschiedete sich und eilte davon.
Wir hatten gerade mal ein paar Schritte zurückgelegt, als eine Hexe James Namen rief.
„Hallo, Mclauchlin!", grüßte James freundlich.
„Oh sieh dich an, James! Menschenskinder, ich hab dich nicht mehr gesehen seit du ein kleiner Racker warst und hier im Büro herumgerannt bist!"
Wir brauchten fast fünf Minuten bis wir zum richtigen Zimmer gelangten, das eigentlich nur zwanzig Meter vom Fahrstuhl entfernt war.
„Merlin, kennst du denn eigentlich jeden hier?", zischte ich in James Ohr, als wir über die Türschwelle traten.
Er zerwuschelte seine Haare mit einem erschöpften Lächeln. „Von Kindesbeinen an.", flüsterte er zurück. „Merlin sei Dank sind meine Eltern heute auf einer Mission, sonst wäre ich gestorben."
„Witzig.", kommentierte ich ohne zu lachen und sah mich im Konferenzraum um. Die Wände waren komplett mit Karten, Bildern von Zauberern und Notizen auf abgerissen Pergamentstücken, bedeckt. Im hinteren Teil des Raumes stand ein rechteckiger Tisch, an dem bereits ein paar Leute saßen.
„Lily Wily!"
„Benjy!", schrie ich.
Ich ignorierte wie James seufzte „Oh, welch Freude, es ist Benjy.", und hüpfte durch den Raum, um Benjy in die Arme zu schließen.
Benjy drückte mich ganz fest und nahm dann etwas Abstand, um mich ansehen zu können. „Meine Güte, Lily Evans, du wirst mit jedem Tag schöner."
Ich lächelte und kniff ihn mit den Fingern in die Wange. „Und deine Sprüche werden jedes Mal, wenn ich dich sehe schmalziger."
„Schuldig.", gab er gespielt betreten zu.
Ich lachte und hob die Hand, um seine goldbraunen Haare zu zerwuscheln. Ich hörte hinter mir ein lautes Husten und dann legte James besitzergreifend seinen Arm um meine Hüfte.
„Ich wusste gar nicht, dass du auch Auror werden willst.", brummte James.
„Ja, Benjy, wie hast du es geschafft die nötigen Kurse zu bestehen?", wollte ich wissen und sandte einen vernichtenden Blick in James Richtung.
„Felix Felicis.", antwortete er.
„Benjy!", rief ich und schlug ihm auf den Arm. „Das hast du nicht getan!"
Er seufzte und lächelte, so dass seine weißen Zähne zu sehen waren. „Nein hab ich nicht. Ich weiß wirklich nicht wie es passiert ist. Wahrscheinlich ist irgendetwas was McGonagall gesagt hat doch hängengeblieben, ohne dass ich was dafür konnte."
Ich lächelte. „Wenn wir nur alle so lernen könnten."
„Tja-", begann James einen Satz, brach dann aber ab, als ich ihm auf den Fuß trat.
Benjy zuckte mit den Schultern. „Entweder das oder die Hexe, die mich in Zaubertränke geprüft hat, hat mir ne gute Note gegeben, nachdem ich ihr meine Adresse zugesteckte hatte."
„Danica hat das sicher gefallen.", seufzte ich.
„Sie ist ganz aus dem Häuschen wegen der ganzen Sache.", erwiderte er sarkastisch. „Sie ist ganz begeistert, dass ich die nächsten drei Jahre keine einzige Galleone verdienen werde."
„Warum hast du dich trotzdem für die Aurorenakademie entschieden?", fragte ich neugierig. „Das sieht dir gar nicht ähnlich."
„Weil man tatsächlich arbeiten muss?", fragte Benjy, der verstand worauf ich hinaus wollte.
„Ja.", lachte ich.
„Tja, so wie ich das sehe, dauert die Ausbildung mindestens drei Jahre, dass heißt ich zögere die richtige Arbeit so lange ich kann hinaus!"
„Genial.", sagte ich anerkennend.
Er tippte sich mit einem braungebrannten Finger gegen den Kopf. „Muss den ollen Schädel ja für irgendwas gebrauchen.", meinte er.
Ich lachte erneut und James Finger umfassten meine Hüfte noch fester.
Das Quietschen der Tür ließ uns und die anderen Kandidaten auf unsere Plätze eilen. Ich setzte mich neben Benjy und James ließ sich neben mir nieder.
„Benimm dich.", zischte ich in James Ohr.
Er bedachte Benjy mit einem finsteren Blick, bevor er seine Aufmerksamkeit nach vorne richtete.
Ich sah mich aufgeregt im Raum um, um festzustellen wer die anderen Kandidaten waren. Es waren noch vier weitere Jungs neben James und Benjy da und nur zwei weitere Mädchen, eine Blondine und eine Brünette. Diese kleine Zahl der Auserwählten überraschte mich. Wahrscheinlich wollten nicht sehr viele Leute mit der ständigen Gefahr leben.
Ich dagegen aß schon zum Frühstück Gefahr. Ob es wohl auch Kuchen mit Gefahr-Geschmack gab…
„Petrificus Totalus!"
Mein Körper versteifte sich plötzlich auf meinem Stuhl. Ich versuchte meine Arme zu bewegen, aber sie waren wie festgeklebt an meinem Oberkörper. Mit großer Anstrengung schaffe ich es meinen Blick nach vorne zu richten, wo ein Mann mit gezogenem Zauberstab stand.
Er hatte lange dunkelbraune Haare, mit spröden Spitzen, wahrscheinlich aufgrund von mangelnder Pflege. Er war stämmig gebaut und seine Haut war schwielig von der harten Arbeit. Er humpelte leicht beim Gehen, da er sein rechtes Bein etwas nachzog. Er trug einen langen braunen Umhang, dessen Saum ausgefranst war. Sein vernarbtes Gesicht wirkte sehr amüsiert und das große blaue Auge rotierte unappetitlich in seiner linken Augenhöhle. Ich wurde ganz nervös, als ich ihn anblickte und wünschte mir ich hätte mich doch für den Rollkragenpulli und vielleicht noch eine Jacke entschieden.
„Immer wachsam!", bellte er mit einer lauten rauen Stimme, die mich an Schleifpapier erinnerte.
Wäre ich nicht gelähmt gewesen, wäre ich heftig zusammengezuckt.
„Wenn ihr Einfaltspinsel nicht blöde herumgesessen, gelacht und geredet hättet, könntet ihr euch jetzt noch bewegen. Aber nein, ihr dachtet nur weil ihr im Zaubereiministerium seid, wärt ihr sicher. Tja, Kinder, ich werd euch die erste Lektion erteilten, die jeder Auror kennen muss: ihr seid niemals sicher."
Er machte eine dramatische Pause und fing dann an im Raum auf und ab zu gehen. „Ihr habt drei Jahre Ausbildung vor euch.", redete er schnell weiter. „Ich erwartete, dass wirklich jeder von euch nach der zweiten Woche aufgibt. Ihr glaubt vielleicht ihr seid so begabt, weil ihr die UTZs erreicht habt, die für diese Ausbildung benötigt werden. Lasst mich euch eins sagen UTZs sind nichts wert. Ich hatte ungefähr tausend von solchen überheblichen Gören wie ihr es auch seid, die ein Lehrbuch auswendig lernen können. Konfrontier sie mit einem dunklen Zauberer und BAM!"
Er zerschlug eine Kaffeetasse, die auf dem Tisch stand. Während sein normales Auge auf die Tasse gerichtet war, beobachtete sein magisches Auge unsere Reaktion.
„Nun, was bedeutet das für euch? Tja, wenn ihr nicht in den Todesanzeigen des Propheten erscheinen wollt, dann lernt ihr besser was Disziplin bedeutet. Immer wachsam!", wiederholte er laut. „Ich will Auroren, die schnell reagieren, sich der Situation anpassen und angemessen handeln können. Das ist ein Höllenjob. Er ist verdammt schlecht bezahlt. Die Arbeitszeiten sind miserabel. Der Papierkram ist nervenaufreibend und alle paar Tage hetzt dir irgendein Kerl Flüche auf den Hals. Außerdem ist unsere Kaffeekanne vor ein paar Tagen kaputt gegangen und in der neuen schmeckt der Kaffee zu lasch."
Er lachte schwach und störte sich überhaupt nicht daran, dass wir immer noch alle vollkommen gelähmt auf unseren Stühlen saßen. Merlin, meine Nase juckte fürchterlich.
„Nun, wenn ihr es, so Merlin es will, irgendwie schafft die drei Ausbildungsjahre zu überstehen, müsst ihr trotzdem noch ein paar Tests bestehen. Ihr müsst euch beweisen, was praktische Verteidigungszauber, körperlich anstrengende Situationen, Tarnung und Duellieren angeht. Glaubt ja nicht, dass euch Vetternwirtschaft hier etwas bringen wird.", fügte er mit einem kurzen Blick auf James hinzu.
Ich konnte James Bedürfnis fühlen sich durch die Haare zu fahren.
„Genauso wenig wie ein hübsches Fahrgestell, he, Rotschopf?", fügte er mit einem heftigen Glucksen hinzu, das zu einem Keuchen wurde, als sein magisches Auge über mich streifte.
Wenn ich mein Gesicht vor Scham hätte verbergen können, hätte ich es getan.
„Nun.", führte er seine Tirade fort. „Wenn ihr die Möglichkeit hättet eure Köpfe von einer Seite zur anderen zu drehen, würde ich euch auffordern euch die Leute neben euch anzusehen. Da ihr das nicht könnt, erzähl ich euch wieso. Einer davon wird sterben. Vielleicht durch einen Fehler. Vielleicht wird er sich nicht richtig ducken oder ihm entgeht der entscheidende Fluch. Verdammt, vielleicht tötet ihr ihn auch im Kreuzfeuer und ihr bemerkt es gar nicht. Es könnten ein paar Mörder hier im Raum sein.", flüsterte er theatralisch, lief wieder auf und ab und gab uns Zeit, um über seine Worte nachzudenken.
„Euer anderer Nachbar wird wahrscheinlich aufgeben. Er wird sagen, dass er etwas mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte oder dass es noch andere Berufschancen gibt, aber in Wirklichkeit kommt er einfach nicht mehr klar. Der Druck ist gewaltig. Seid ihr schon mal angegriffen worden? Wisst ihr wie es ist, nicht hören zu können, nicht sehen zu können und zu wissen, dass dort draußen jemand ist, der euren Tod will? Und wenn er dich nicht umbringt, dann nur weil du ihn vorher umgebracht hast? Könnt ihr mit dem Gedanken leben, dass ihr jemandem das Leben genommen habt, um euer eigenes zu retten?"
Er machte eine Pause und besah sich die vielen Zeitungsausschnitte an der Wand. „Ein Auror muss so hart sein wie Stahl. Nicht viele kommen damit klar. Ihr wahrscheinlich auch nicht. Die Zeiten sind hart. Vor zwanzig Jahren, haben wir Leute gebraucht, die auf den Job vorbereitet waren. Jetzt stehen wir vor ernstzunehmenden Problemen. Es gibt immer mehr Gewalttaten, ähnlich wie zu Zeiten Grindelwalds. Man weiß nicht mehr, wem man vertrauen kann. Zum Teufel, ich vertraue niemandem."
Er prustete spöttisch. „Ich bezweifle, dass ihr überhaupt wisst womit ihr es zu tun habt. Ihr lest wahrscheinlich noch nicht einmal die Zeitung, nicht das die wüssten was wirklich los ist. Die Dinge, die ich weiß, würden euch allen so viel Angst einjagen, dass ihr nie wieder einschlafen könntet, Memmen die ihr seid. Tut mir einen Gefallen und kündigt jetzt, dann muss ich mich im September nicht mit einem Haufen Idioten rumschlagen. Ich werd mir nicht mal die Mühe machen eure Namen zu lernen."
Er stand nun genau in der Mitte des Raumes. Zum ersten Mal an diesem Abend waren sowohl sein normales, als auch sein magisches Auge auf seine Zuhörer gerichtet. Es fühlte sich an als würde ich geröntgt. Langsam nahm er seinen Zauberstab heraus, strich gedankenverloren darüber und blickte uns wieder an. „Immer wachsam!", bellte er.
„Und wenn ich euch nicht alle so sehr verängstigt habe, dass ihr nach Hause zu euren Mamis wollt, willkommen im Team."
Er schwang seinen Zauberstab, nahm die Erstarrung von uns und verließ den Raum.
Mein Rücken fiel sofort gegen die Stuhllehne und ich nahm einen tiefen Atemzug, um meine Lungen mit Luft zu füllen.
„Ach du lieber Merlin.", hauchte Fenjy neben mir.
Er sprach mir aus der Seele.
„Tja, das war mal was.", meinte ich und fühlte mich vollkommen überwältigt.
„Scheint ein lustiger Typ zu sein.", fügte James schwach hinzu, als er endlich seine Hand heben konnte, um durch seine Haare zu fahren.
„Lustig.", sagte ich mit einem schwachen Lachen. „Klar."
„Glaubst du, er hat das ernst gemeint, dass einer von uns sterben wird?", fragte Fenjy besorgt. „Ich würde es nämlich vorziehen nicht zu sterben. Haltet mich für verrückt, aber das gehört zu meinen Prioritäten."
„Ja.", murmelte ich. „Ich hab gehört atmen soll ganz nett sein."
Mein Magen drehte sich um und auf meiner Stirn stand der Schweiß. Mein unausweichliches Ende war nicht gerade mein bevorzugtes Gesprächsthema. Ich redete lieber über fröhlichere Dinge wie Muffins oder Kissen.
„Lily, geht es dir gut?", fragte James. Sein Gesicht spiegelte in etwa mein Befinden wieder.
„Ähh.", erwiderte ich. „Ich lebe noch, oder? Das verdient schon mal Respekt."
„Wir gehen jetzt besser. Ich glaube sie braucht ein bisschen frische Luft."
„Oh, in Ordnung.", gab Benjy zurück und sah etwas pikiert aus. „Wir sehn uns bestimmt bald wieder. Bis dann. Tschüss, Lils.", fügte er hinzu und umarmte mich.
Ich ließ zu, dass James mich aus dem Raum und den Korridor entlang führte. „Oh, tut mir leid.", entschuldigte ich mich, als ich in jemanden vor mir hineinstolperte.
„Professor Dumbledore!", rief ich.
Er richtete seinen Hut und sah äußerst amüsiert aus, so als wenn ich jeden Mittwoch im Zaubereiministerium mit ihm zusammenstießen würde. Sein dunkellila Umhang bildete einen fantastischen Kontrast zu seinem langen silbernen Bart. Seine Augen glitzerten hinter seinen halbmondförmigen Brillengläsern, als er mich erkannte.
„Hallo auch, Miss Evans."
Mein Gesicht lief vor Scham rot an. „Oh, tut mir Leid, Sir.", murmelte ich rasch. „Hallo."
„Schön sie beide zu sehen. Ich hoffe sie haben soweit einen schönen Sommer verbracht. Was für ein Zufall, dass ich auf meine beiden ehemaligen Schulsprecher treffe."
Ich nickte und bis mir auf die Lippe.
„Stimmt etwas nicht?", fragte Dumbledore scharfsinnig. „Mir war nicht bewusst, dass meine Anwesenheit solch grüne Gesichter hervorruft."
„Entschuldigen Sie, Sir.", sagte James. „Wir kommen gerade von der Besprechung mit Moody."
„Ahh.", seufzte Dumbledore. Er gluckste leise und seine blauen Augen funkelten hinter den Brillengläsern. „Das erklärt alles. Alastor erlaubt sich gerne einen Spaß mit den neuen Anwärtern. Ich würde ihn allerdings nicht allzu ernst nehmen. Alastor ist bekannt dafür zu übertreiben. Darf ich fragen welchen Zauber er gesprochen hat, als er den Raum betreten hat?"
„Ganzkörperklammer, Sir.", antwortete ich.
Dumbledore lachte erneut. „Ach herrje.", seufzte er. „Bonbon, Miss Evans? Sie sehen aus, als könnten Sie eins vertragen."
„Danke, Professor.", erwiderte ich, als er ein paar bunte Bonbons aus dem Inneren seines Umhangs holte und sie mir anbot.
James nahm sich ein goldenes.
„Meiner Meinung nach ist es sehr von Vorteil Süßigkeiten dabeizuhaben für Fälle wie diesen."
In Gedanken überlegte ich, wie wohl Dumbledores Terminkalender aussah.
„Ich würde mir an ihrer Stelle nicht allzu große Sorgen machen wegen Alastors Worten.", sagte Dumbledore mit einem freundlichen Lächeln. „Ihre Leistungen auf Hogwarts waren einzigartig in ihrer Form, auch wenn ihre Methoden manchmal etwas unüblich waren.", fügte er mit einem Blick auf James hinzu, der nervös an den Haaren in seinem Nacken herumspielte.
„Danke, Professor.", erwiderte ich mit einem erleichterten Seufzen.
„Ahh, es freut mich sie wieder lächeln zu sehen, Miss Evans. Mr. Potter, bitte grüßen sie ihre Eltern bei nächster Gelegenheit recht herzlich von mir."
„Natürlich, Professor.", versprach James.
„Jetzt muss ich aber wirklich los.", sagte Dumbledore, als er einen Blick auf seine Uhr warf. „Ich bin schon fast zehn Minuten zu spät! Wie die Zeit doch verfliegt. Einen schönen Abend noch, Miss Evans, Mr. Potter."
Wir wünschten ihm ebenfalls einen schönen Abend und er machte sich auf den Weg.
„Oh, und Miss Evans.", rief er, nachdem er sich noch einmal umgewandt hatte und mich mit leuchtenden blauen Augen ansah. „Ich erwarte eine Einladung zu Ihrer Hochzeit."
Nervös betastete ich den Ring an meiner linken Hand.
Dumbledore zwinkerte mir zu und entschwand dann mit wehendem Umhang, der den Blick freigab auf schwarze Riemenstiefel.
„Was sagst du dazu?", sagte James, der sich mir zugewandt hatte.
„Lass uns hier verschwinden, bevor wir noch jemandem begegnen."
James führte uns zurück zu den Fahrstühlen und aus dem Gebäude. Es fühlte sich gut an dort rauszukommen. Ein schleichendes Gefühl des Todes hatte sich so langsam in mir breit gemacht. Das passierte wohl, wenn man anfing zu arbeiten.
„Hast du Hunger?", fragte James, als wir durch die dunklen belebten Straßen Londons schlenderten.
„Nein.", antwortete ich und hüpfte über ein großes Loch im Bürgersteig. Mein Magen war noch immer voll vom Mittagessen. „Möchtest du Eiscreme?"
„Klar."
Wir fanden in der Nähe eine Eisdiele und James bestellte zwei Waffeln für uns. Ich nahm Minze mit Schokoladenstückchen und er Erdbeere. Schweigend leckten wir an unserem Eis, während wir beide tief in Gedanken an einem kleinen Tisch saßen.
Nachdem er sich das letzte Stück seiner Waffel in den Mund geschoben hatte, stützte James sein Kinn auf seine Hände und starrte mich an. „Du siehst deprimierend aus.", sagte er.
Ich leckte das grüne geschmolzene Eis ab, dass meine Waffel hinunterlief, damit meine Finger nicht klebrig wurden. Dann wandte ich mich ihm beleidigt zu.
„Formulier das anders.", verlangte ich von ihm.
„Okay.", stimmte er zu. „Entschuldige, ich meinte dich so niedergeschlagen zu sehen ist ziemlich deprimierend."
Ich aß den Rest meiner Waffel und wischte mir dann den Mund mit der Serviette ab. Ich zuckte mit den Schultern. „ Moody hat wohl die Luft rausgelassen aus unserem Date mit seiner ‚ihr werdet alle sterben und außerdem habt ihr nichts drauf'-Ansprache."
James grinste. „Komm.", sagte er und streckte die Hand nach meiner aus.
„Wo gehen wir hin?", fragte ich.
Er ignorierte mich und schleifte mich in eine verlassene Gasse. „Schließ deine Augen.", bat er mich.
„In einer dunklen Gasse? Bitte. Ich kenn diese Filme. Ich weiß was passiert."
„Weil es ja auch so wahrscheinlich ist, dass ich dich umbringen werde."
„Immer wachsam, James.", neckte ich ihn.
„Lily.", wimmerte er.
„Gut.", stimmte ich zu und verschränkte die Arme vor der Brust.
Ich spürte wie James mit der Hand vor meinem Gesicht herumwedelte, also öffnete ich ein Auge einen Spalt breit, um ihn anzusehen.
„Augen zu!", befahl er.
Ich seufzte und tat, was er verlangte. Ich wartete einige Augenblicke und dann hörte ich einen lauten Rumms. „Was war das?", fragte ich.
„Eine Sekunde.", stotterte er. „In Ordnung, jetzt mach die Augen auf."
James stand stolz neben einem schwarzen glänzenden Motorrad. Die wuchtigen Räder hatten in etwa die Ausmaße von Hagrids Kürbissen an Halloween. Die silbernen Griffe und Hebel glänzten und reflektierten das spärliche Licht in der Gasse. Es war monströs und strahlte Gefahr aus.
„Wo hast du das her?", keuchte ich.
Er grinste und strich liebevoll mit den Fingerspitzen über die silbernen Griffe. „Sirius hat es mir für heute ausgeliehen."
Ich ging rüber und fuhr mit der Hand über das weiche glatte Leder der Sitzfläche. „Es ist atemberaubend."
„Eine wahre Schönheit.", stimmte mir James sachlich zu. „Bereit, eine Runde zu drehen?"
Schnell zog ich meine Hand zurück. „Wir fahren nicht mit einem Motorrad."
„Na ja, technisch gesehen, bin nur ich es der fährt.", verbesserte er mich. „Und technisch gesehen ist es ein fliegendes Motorrad."
Ich stöhnte. „Auf keinen Fall, Potter."
„Ach, komm schon, Lily!", drängte James. „Du könntest ein bisschen Aufregung in deinem Leben gebrauchen."
„Aufregung bedeutet für mich zu entdecken, das man zwei Eiskugeln statt nur einer bekommen hat. Das hier ist der Tod und ganz ehrlich, ich will heute Abend nicht sterben. Ich bevorzuge es darauf zu warten, dass ich während der Aurorenausbildung sterbe."
„Moody hat das mit dem Sterben nicht ernst gemeint, Lils, sogar Dumbledore hat gesagt-"
„Das sind nur weitere Gründe, warum ich heute Abend nicht sterben will."
„Sirius fährt die ganze Zeit damit und ihm geht's gut."
„Indem du Sirius ins Spiel bringst, überzeugst du mich wirklich nicht, James.", spie ich. „Der hat nämlich nicht mehr alle Tassen im Schrank."
James kam zu mir rüber, nahm meine Hände in seine und fuhr dann damit über meine Hüfte. „Würde ich je zulassen, dass dir irgendetwas zustößt?"
„Ja."
„Lily.", stöhnte er.
„In Ordnung.", seufzte ich. „Nein, würdest du nicht."
„Also, besteht kein Grund für Todesängste.", schlussfolgerte er erfreut. „Ich hab noch viel vor mit dir, bevor wir sterben.", fügte er mit einem Zwinkern hinzu und warf mir einen glänzenden roten Helm zu.
Nach seinem anzüglichen Grinsen gelang es mir fast nicht ihn zu fangen.
Leise lachend rollte James die Ärmel seines dunklen Hemdes bis zum Ellbogen hoch und setzte sich auf das Motorrad. „Hüpf rauf.", sagte er.
„Wo ist dein Helm?", fragte ich.
„Du trägst den einzigen.", meinte er. „Außerdem will ich mir nicht die Frisur versauen."
Ich rollte mit den Augen. „Das gefällt mir nicht.", sagte ich.
„Doch das tut es. Wegen der bösen Jungen Sache. Tief drinnen liebst du es. Komm schon, Liebling."
Gut, in Ordnung, er sah wirklich ziemlich gut aus wie er da auf dem Motorrad saß in seinen Jeans und wie er mit seinen nackten Unterarmen am Gasgriff drehte und der Motor unter ihm röhrte. Vergib mir, dass ich hormongesteuert war.
Ich stieg auf das Motorrad auf.
Ich schlang meine Arme um seinen Oberkörper und seufzte „Mmm, Sirius." in sein Ohr.
Er knurrte, als er den Motor auf Touren brachte. „Von wegen Sirius.", sagte er, drehte am Gasgriff und wirbelte uns herum.
Ich schrie laut auf und klammerte mich an seinem Rücken fest. „Weißt du überhaupt wie man mit diesem Ding fährt?", fragte ich laut, als ich meine Stimme wiederfand.
Er beschleunigte und wir wurden eng aneinander gepresst, als wir auf die Hauptstraße fuhren. „Ist wie Fahrrad fahren.", rief er über das Motorgeräusch hinweg.
„Du kannst doch gar nicht Fahrrad fahren!"
Ich konzentrierte mich auf die Wärme, die sein T-Shirt ausstrahle und den Geruch seines Nackens und nicht darauf, dass ich wohl als Jungfrau sterben würde. Ich presste meine Augen zusammen, als wir gefährlich nahe an den anderen Autos vorbei rasten. Ich presste mich so nah an seinen Rücken, dass ich meine Arme komplett um seinen Bauch schlingen konnte. Ich konnte jede Bewegung seiner Muskeln spüren, als er uns um dieses und jenes herummanövrierte.
Irgendwann stellte ich fest, dass es nicht so beängstigend war, wie ich geglaubt hatte. James, der blöde Idiot, war ziemlich gut darin sich durch den Verkehr zu schlängeln. Zögerlich öffnete ich meine Augen und begann die um uns herum verschwimmenden Lichter und Geräusche zu genießen. Der Wind zog an meinen Haaren unter dem Helm und kitzelte im Gesicht. Ich lockerte meinen Griff um James Mitte ein wenig, doch plötzlich nahm er eine scharfe Rechtskurve und ich wurde wieder dicht an ihn gepresst.
„Das hast du extra gemacht!"
„Was? Ich kann dich nicht hören!", schrie er zurück.
„Ich kann dich wirklich überhaupt nicht leiden!"
„Was? Du willst es mit mir treiben? Kann das nicht bis später warten? Ich wollte eigentlich nicht, dass unser erstes Mal an einem so öffentlichen Platz stattfindet, oder wir damit dem Mile High Club beitreten."
Ich schlug ihm auf den Rücken und lachte, während wir uns weiterhin durch die Straßen wanden.
„Warte. Wie kommst du auf Mile High Club?"
Lachend raste James in eine dunkle leere Straße. „Bereit zu fliegen?", fragte er.
„Nein!"
„Gut, ich auch!", erwiderte er und fuhr ein wenig nach hinten, damit wir mehr Platz zum Beschleunigen hatten.
„JAMES!", schrie ich, als wir in die Luft abhoben. „Du blöder Idiot!"
Er lachte und wir stiegen höher.
„AHHHH!", schrie ich.
Ich klammerte mich an seinen Rücken fest, damit ich nicht herunterfiel. Merlin, warum hatte dieses Ding denn keinen Gurt?
Mein Herz begann wieder zu schlagen, als wir nicht mehr weiter stiegen. Wir befanden uns direkt unter den Wolken. Ich konnte mein Herz in meiner Brust pochen fühlen, als mich Adrenalin durchströmte. Jede Faser meines Körpers fühlte sich lebendig an. „Oh, mein Gott.", hauchte ich. „Das war-"
„Der Wahnsinn!", beendete er den Satz für mich. „Merlin, was für ein Adrenalinstoß!"
James wandte seinen Kopf herum, um mich anzugrinsen.
„Ja, es war okay.", gab ich zu und versuchte zu ignorieren wie auffällig meine bebende Brust, mein gerötetes Gesicht und meine leuchtenden Augen sein mussten.
James öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber ich kam ihm zuvor.
„Vögel!", rief ich.
Er drehte sich schnell wieder um und wich dem Spatzenschwarm aus.
Wieder in Sicherheit, begannen wir beide hysterisch zu lachen. James bremste das Motorrad soweit hinunter, das wir gemütlich durch den Himmel flogen. Ich beobachtete die Erde unter uns und wie die Menschen die Lichter in ihren Häusern ausschalteten und ins Bett gingen. Nach etwa zwanzig Minuten, als ich erneut hinabsah, hatte ich eine Idee.
„Hey, James, flieg da hin!"
„Wohin? Diese Wolke da?"
„Nein, lande einfach, okay? Bei den Häusern da links!"
Er murmelte irgendwas und setzte dann zum Senkflug an.
„Fahr nicht in die Büsche oder über den Hund!", zischte ich.
„Hey, willst du vielleicht fahren?"
„Nun, es wäre nett gewesen, wenn du wenigstens gefragt hättest."
„Ich wollte geheimnisvoll und romantisch sein!"
Klonk.
Wir landeten auf dem dunklen Asphalt und rutschten auf dem Sitz nach vorne.
James hatte gerade mal die Schlüssel abgezogen, als ich schon vom Motorrad sprang und an seiner Hand zog. „Komm schon!", beharrte ich aufgeregt und zog ihn vom Motorrad. „Es ist da drüben!"
„Was ist da drüben?"
Ich rannte bereits die Straße hinunter. James musste rennen, um zu mir aufzuholen. „Lily!"
„Warte doch zwei verdammte Sekunden!"
„Was?"
Ich war stehen geblieben und James rannte fast in mich hinein, als er versuchte abzubremsen.
„Ähm, Lily.", sagte James und blickte sich zwischen den dunklen Häusern und der leeren Straße um. „Sollte hier irgendetwas Wichtiges sein?"
„Es ist der perfekte Ort.", teilte ich ihm mit.
„Wofür?"
Mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht schüttelte ich den Kopf, griff nach seinem Shirt und zog seinen Kopf herunter, so dass sich unsere Lippen trafen. Merlin, es war so lange her seit ich ihn das letzte Mal geküsst hatte.
Ich seufzte und strich mit der Hand über die Haare in seinem Nacken.
James fuhr mit seinen Händen über meinen Rücken und zog sich dann widerwillig zurück um nach Luft zu schnappen.
Er summte heiser. „Merlin, Lily."
„Mmm.", gab ich ganz versunken zurück.
James strich mit seiner Hand über meine Wange und ich lehnte mich zurück, um in seine haselnussbraunen Augen sehen zu können. Er fing an leise zu lachen und ich blickte ihn fragend an.
„Woran denkst du?"
„Benjy Fenwick.", antwortete er.
„Ach, wirklich?", fragte ich amüsiert. „Und kann man unsere Kusstechniken vergleichen?"
„Nein.", erwiderte er und schlang seine Arme um meine Hüfte. „Fenwick setzt seine Zunge mehr ein."
„James!"
„In Ordnung! Ich hab nur gerade daran gedacht, was er wohl sagen würde, wenn er uns jetzt sehen könnte, wenn man eure schamlose Flirterei von vorhin bedenkt."
„Ich hab nicht mit Fenjy geflirtet.", protestierte ich vehement.
„Oh, dann haben deine Hände ganz von selbst dein Haar so kokett nach hinten geworfen und Benjys Arm berührt."
„Du bist eifersüchtig.", warf ich ihm vor.
„Immer.", versprach er. „Du flirtest nie mit mir."
„Das war doch gar kein richtiges Flirten.", verbesserte ich ihn. „Außerdem kabbeln wir uns doch. Das ist viel gefühlvoller."
Er prustete ungläubig. „Dann zeig mir mal was richtiges Flirten für dich ist."
Ich seufzte, zog mein Jäckchen aus und gab es ihm zum Halten. Ich sah zu James hinauf so wie Hestia es immer tat, wenn sie Lust auf ein Butterbier hatte und nicht dafür bezahlen wollte. Ich neigte meinen Kopf ein wenig zur Seite, so dass mir ein paar Strähnen in die Augen fielen und biss mir auf die Lippe. „James.", hauchte ich.
James Adamsapfel hüpfte in seinem Hals.
Lachend griff ich nach ihm und küsste ihn. „Mmm, Sirius.", seufzte ich, als ich von ihm abließ.
„Lily!", rief James empört.
Ich lachte laut und rannte die Straße hinunter zurück zum Motorrad. „Ich kann nicht anders! Könntest du vielleicht noch ein bisschen Schmollen und anfangen davon zu reden, dass dich niemand versteht? Vielleicht solltest du dir eine Lederjacke zulegen!"
„Lily!", knurrte James und jagte hinter mir her.
„Was?"
„Ugh!"
Ich schaffte es bis zum Motorrad und setzte mich darauf. „Es ist so leicht dich zu verarschen."
Er knurrte. „Nur weil du mich gerne demütigst. Ernsthaft, Sirius? Benny Fenny kann ich noch ertragen, aber mein bester Freund? Und es ist noch nicht einmal Remus! Ich weiß wir waren schon eine Zeit lang nicht mehr auf einem richtigen Date, aber ich dachte es läuft ganz gut. Wir sind zumindest mal nicht gestorben. Und niemand von uns hat der Familie irgendwelche fetten Lügen aufgetischt."
„Sei still, oh du mein pochendes Herz.", grummelte ich.
„Ich würde es vorziehen, wenn es weiterschlagen würde.", meinte er und fuhr mit seinen Fingern über mein Schlüsselbein und hinunter zum oberen Teil meines Tops. „Da haben wir es ja.", beglückwünschte er sich selbst erfreut, während mein Herz weiterhin in meiner Brust pochte.
„Du bist so verflucht arrogant.", neckte ich ihn.
Er tat so, als wäre er beleidigt und versteckte sein unglaublich attraktives Grinsen. Er stützte seine Arme auf dem Lenker des Motorrads ab und lehnte über mir. „Wirklich?", fragte er und klang mehr als zufrieden mit sich.
Ich schwang meine Beine über das Motorrad und rückte näher an ihn heran. Ich presste meine Hände gegen das Motorrad und sah hinauf in seine lustgetränkten Augen. „Immer."
Er umfasste mein Gesicht mit seinen schwieligen Händen und zog meine Lippen an die seinen. Sein Atem war warm in meinem Mund und seine Zunge bahnte sich ihren Weg in meinen Mund. Ich saugte daran und musste grinsen, als er stöhnte.
Ich musste mich strecken um ihn zu erreichen und der Lenker drückte gegen meine Hüfte, als James mit seinen Händen in die Hintertaschen meiner Hose fuhr. Ich klammerte eine Hand in sein Shirt und strich mit der anderen über seinen Bauch. Das Verlangen nach Sauerstoff wurde zu stark und ich versuchte mich loszueisen, aber er küsste mich nur noch heftiger. Er rieb seinen Körper an meinem und sein berauschender Geruch umhüllte mich.
Schließlich trennten wir uns nach Luft schnappend und er verteilte zwischen heißen Atemstößen Küsse meinen Hals hinunter. Er fand einen Druckpunkt und begann an der empfindlichen Stelle zu saugen.
Ich neigte meinen Kopf zur Seite und fuhr mit den Händen durch seine wirren Haare. Ich atmete unbewusst aus, als ein Zittern meinen erhitzten Körper erbeben ließ. „Unruhestifter."
Ja, ja, die bösen Jungs. Also, das war's für diesen Freitag. Es sind ja wirklich ziemlich lange Kapitel. Hoffe ihr seid nicht erschöpft vom vielen Lesen :) Danke für die Reviews der letzten Kapitel, ich freue mich sehr, wenn ihr mir ein Feedback zu meiner Übersetzung gebt. LG Melissa
