(Disclaimer und beta siehe Kapitel 1)

Ein paar Einblicke in die Vergangenheit...

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2.

"Mein Onkel hat WAS?" Harry sah den Schulleiter entgeistert an.

Dumbledore antwortete ihm mit dem allseits bekannten und gefürchteten Funkeln in den Augen.

"Er hat gebeten, dass wir dich dieses Jahr über die Weihnachtsferien nach Hause schicken."

"Aber ich BIN hier zu Hause! Ich will Weihnachten nicht bei den Dursleys verbringen!"

Dumbledore seufzte. "Harry, kannst du ihnen denn nicht diese Chance geben? Sie wollen sich mit dir versöhnen. Sie WOLLEN, dass du zu ihnen kommst! Sicher wirst du sie nicht so sehr hassen, dass du ihnen keine zweite Chance gibst?"

Harry schnaubte, enthielt sich jedoch eines Kommentars.

"Harry. Du bist die Hoffnung der ganzen Zaubererwelt. Sie erwarten, dass du ihnen den Frieden bringst. Darüber beschwerst du dich doch auch nicht. Wieso kannst du dann ein Friedensangebot deiner Tante und deines Onkels nicht annehmen?"

"Weil sie, verdammt noch mal sechzehn Jahre lang ihr Möglichstes getan haben, um mir zu zeigen, wie sehr sie mich verabscheuen! Professor, Sie glauben doch nicht wirklich, dass die sich jetzt auf einmal ändern?!"

"Doch. Ich will nicht, dass du so verbittert und hasserfüllt wie Voldemort wirst, Harry."

"Pah!" Harry schnaubte wieder verächtlich und stand auf, um in Dumbledores kleinem Büro nervös auf und ab zu laufen.

"Bevor die Dursleys auch nur eingestehen, dass ich ein fühlendes menschliches Wesen bin, tanzt Voldemort mit Neville Chachacha!"

Dumbledore legte die Stirn in Falten. "Harry, diese Wut ist nicht gesund. Du musst sie loslassen! Ich glaube, es ist das Beste, wenn du zu deinen Verwandten gehst und dich mit ihnen versöhnt."

"Und wenn ich nicht will?" Harrys Augen sprühten zornige Funken.

"Dann fürchte ich, ich kann dir die Empfehlung für die Aurorenakademie nicht schreiben."

Harry erstarrte. Ohne Empfehlungsschreiben des Schulleiters kam er mit seinen miserablen Noten in Zaubertränke nie und nimmer in die Akademie!

"Ich dachte, Sie stünden über so niedrigen Methoden wie Erpressung, Professor", spuckte er.

Fawkes verließ seine Stange, setzte sich auf Harrys Schulter und flötete beruhigend. Harry wollte ihn zuerst irritiert fortscheuchen, besann sich dann aber eines Besseren. Der Vogel hatte ihm nichts getan und seine Anwesenheit beruhigte ihn tatsächlich.

"Ich kann keinen so zornigen und selbstgerechten Jungen an die Akademie empfehlen, tut mir leid", sagte Dumbledore unbarmherzig. Harry starrte ihn wortlos an. So kalt war der Schulleiter ihm gegenüber noch nie gewesen. Selbst Fawkes schien erschrocken, denn er trillerte missbilligend und schlug seine Krallen in geradezu besitzergreifender Weise tiefer in Harrys Schulter. Es tat weh; doch Harry spürte, dass es als Unterstützung gemeint war, und wehrte sich nicht.

"Gibt es nichts, womit ich Sie überzeugen kann, dass ich besser nicht zu den Dursleys gehen sollte?"

"Solange du nicht zu Voldemort mutierst und sie umbringst, sehe ich keinen Grund für dich, nicht hin zu gehen", versuchte Dumbledore die Stimmung aufzulockern.

Harry fand es nicht lustig.

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Harry stöhnte und wälzte sich im Schlaf.

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Das Auto bog in die Auffahrt ein. Harry betrachtete den ordentlichen Garten, der von einer leichten Schicht Puderschnee bedeckt war.

"Komm!", sagte Onkel Vernon kalt.

Was auch immer der Grund war, sein Onkel hatte ihn ganz gewiss nicht aus Freundlichkeit anreisen lassen. Er war sogar noch kälter zu Harry als sonst, hatte ihn zwar nicht angeschnauzt, dafür aber seit dem Bahnhof noch keine zwei Worte zu ihm gesagt.

Argwöhnisch musterte Harry das Haus. Was, wenn das alles eine Falle war? Voldemort wäre hoch erfreut, dass Harry die mit tausend Bannen geschützte Schule verlassen hatte.

Unsinn, dachte er sich, hier bin ich auch geschützt.

Doch war er das wirklich? Was, wenn der Schutz, den die Liebe seiner Mutter ihm gewährte, durch den Hass seiner Verwandten neutralisiert wurde?

Er betrat das Haus und sah sich vorsichtig nach allen Seiten um. Seinen Zauberstab hatte er diesmal behalten dürfen. Sollte er ihn herausnehmen?

Onkel Vernon ging in die Küche und ließ Harry einfach stehen. Verwirrt sah Harry ihm nach. So benahm er sich doch sonst nicht?

Na, auch egal. Schulterzuckend machte er sich auf den Weg nach oben. Er stellte seinen Koffer ab und setzte sich aufs Bett. Schon nach fünf Minuten stand er wieder auf. Solange er nicht wusste, was hier eigentlich los war, würde er keine Ruhe finden.

"Onkel Vernon?"

Er fand seine Verwandten im Wohnzimmer versammelt vor.

"Onkel Vernon? Weshalb bin ich hier?", fragte er vorsichtig.

Sein Onkel bedeutete ihm mit einem Kopfnicken, sich zu setzen. Seine Tante ging in die Küche und kam Augenblicke später mit einem Tablett mit Teetassen und Keksen zurück. "Trink." Sie drückte ihm eine Tasse in die Hand.

Harry beäugte die Tasse misstrauisch. 'Ständige Wachsamkeit!', hallte die Stimme des falschen Professor Moody in seinem Kopf wieder.

Doch dann schalt er sich einen Narren. Das hier waren seine Muggelverwandten, keine Diener Voldemorts! Er setzte die Tasse an die Lippen- und zögerte wieder. Warum, warum in aller Welt hatten sie ihn hergeholt? Selbst wenn es nichts mit Voldemort zu tun hätte, konnte das unmöglich etwas Gutes bedeuten.

In Gedanken versunken und seine Verwandten im Auge behaltend, hatte er nicht gemerkt, wie hinter ihm mit leisen, vom Teppich gedämpften Schritten, drei Männer eingetreten waren.

Erst als sich ihm eine Hand auf den Mund legte während eine andere blitzschnell seinen Zauberstab aus seiner Tasche riss, wusste er, dass sich seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt hatten.

Er sah, wie die Hand, deren Besitzer noch immer von seinen Blicken verborgen hinter ihm stand, den Zauberstab hob und auf den leer vor sich hin starrenden Vernon richtete. "Avada Kedavra."

Harry kämpfte gegen die Hände an, die ihn hielten, doch es war sinnlos. Er wurde an den Sessel gebunden und musste hilflos mit ansehen, wie erst seine Tante, dann auch sein Cousin getötet wurden. Sie wehrten sich nicht, die leeren Augen, die Harry 'Imperio!' entgegen geschrieen hätten, wenn er nur genauer hingesehen hätte, starrten nunmehr kalt und dunkel an die Decke.

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"Nein, nicht...!" Harry schlug mit den Armen um sich, riss sich die Handrücken an dem rauen Steinboden blutig und wachte kurz auf. Doch er hatte vier Nächte nicht geschlafen, und ehe er sich zusammenreißen und vollends aufwachen konnte, hatte der Traum ihn zurück in seinen Bann gezogen.

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Und Harry saß da und konnte nichts tun.

Sicher, er hatte seine Verwandten nicht gemocht. Aber das hier...

"Bringen wir Potter jetzt auch um?", hörte er einen der Männer hinter sich sprechen. Er spürte eine Zauberstabspitze im Nacken und versteifte sich, sicher, dass er als Nächster dran sei.

Doch der andere Mann verneinte. "Der Lord hat ausdrücklich befohlen, nur die Muggel zu töten. In diesem Haus können wir Potter, wie es scheint, keinen physischen Schaden zufügen. Eigentlich hätten wir das Haus nicht mal finden dürfen; wie gut, dass McNair eines dieser gelben Muggelbücher besitzt... Auch wenn der Lord das niemals erfahren darf."

Alle drei lachten. Harry saß da und konnte es nicht glauben. Seine Adresse war vor jeglicher magischer Ortung versteckt, aber sie stand im TELEFONBUCH?! Wie naiv waren Dumbledore und sein Orden eigentlich?!

"Was tun wir dann mit ihm?"

"Wir? Gar nichts. Das überlassen wir dem geehrten Herrn Minister."

In Harry regte sich Hoffnung. Selbst wenn er vor Gericht gestellt wurde, konnten sie den Jungen- der- lebt nicht einfach den Dementoren zum Fraß vorwerfen. Dumbledore würde seinen Freispruch bewirken können, wie schon in den letzten Ferien.

Einer der Männer schien genauso zu denken. "Der Minister wird Dumbledores Goldjungen nicht einfach so wegsperren, egal, wie gerne er es möchte. Man wird Veritaserum einsetzen. Was verspricht sich der Lord davon?"

Der andere lachte. "Ah, doch wer braut das Veritaserum fürs Ministerium? Der gute alte Jenkins."

"Ich verstehe..."

Harry konnte das Grinsen im Gesicht des Todessers beinahe hören.

Wieder bäumte er sich gegen seine Fesseln auf, doch vergeblich. Das Letzte, was er hörte, war ein dreifacher "Stupefy!". Danach herrschte Dunkelheit.

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"Muss... aufwachen... Aufwachen, ... bitte..." Harry wand sich in den Klauen des Alptraumes, doch er entkam nicht. Er war zu schwach vom tagelangen Kampf gegen den Wahnsinn.

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"...natürlich hasse ich sie! Wer würde sie nicht hassen? Diese widerlichen Muggel, die mich mit ihrem süßen Gelaber zugemüllt haben! Sie sind den Dreck unter meinen Schuhen nicht wert!"

"Also haben Sie sie umgebracht?"

Nein! Natürlich nicht! Bitte, glaubt mir doch!

"Aber ja. Es war das einzig Richtige. Der Dunkle Lord hat Recht. Es ist ja so befriedigend, sich von den Fesseln einer minderwertigen Familie zu befreien..."

Harry sah die Enttäuschung und Wut in den Gesichtern seiner Freunde, sah, wie Molly Weasley sich weinend an ihren Mann klammerte; wie Sirius' Gesicht zu einer gefühllosen Maske erstarrte und Tonks in stummer Verleugnung den Kopf schüttelte. Er hörte das Kratzen vieler Federn und das Blitzen der Fotoapparate. Hermine und Ron umarmten sich und weinten offen. Ginny schien einer Ohnmacht nahe.

Es war alles so unwirklich. Er wollte erklären was passiert war, wollte schreien, dass er nichts getan hatte, dass Voldemort seine Familie ermordet hatte.

Doch seine Zunge gehorchte ihm nicht mehr. Seit er das 'Veritaserum' eingeflößt bekommen hatte,

antwortete seine Zunge ohne sein Zutun, bewegten sich seine Lippen gegen seinen Willen und spuckten eine giftige Lüge nach der anderen aus.

"...mit dem Schlammblut befreundet? Dass ich nicht lache..."

Ich bin hier! Helft mir doch! Ich bin gefangen, holt mich hier raus! Bitte!!!

Tränen liefen über seine Wangen, er war so hilflos!, und noch immer lagen seine Lippen in einem abschätzigen Lächeln und verhöhnten alles, wofür er gelebt hatte. Seine Eltern. Seine Freunde. Seinen Paten. Dumbledore. Den Kampf gegen Voldemort. Seinen Wunsch nach Rache für seine Familie und für Cedric. Alles verspottete er, machte er nieder.

"...rum soll immer ich den Kopf hinhalten? Ich seh doch nicht ein, dass ich mich verrenken muss, nur weil der Rest der Welt zu schwach ist, um den Lord zu besiegen. Ich bin mächtig, also werde ich herrschen. So einfach ist das! Ich werde als seine rechte Hand die Welt erobern. Zittert vor mir! --"

Nein, das ist nicht wahr! Das ist nicht wahr! Sei doch still!

Er wollte sich die Hand vor den Mund schlagen oder sich die verräterische Zunge schlimmstenfalls herausreißen, doch er war an den Stuhl gefesselt und konnte außer dem Kopf kein Körperteil bewegen. Ja, er konnte nicht einmal den Kopf gegen die Lehne schlagen, um sich selbst aufzuhalten, denn man hatte ihn zu gründlich festgebunden.

Und so musste er es zulassen, dass er sich weiter sein eigenes Grab schaufelte, während in einem Winkel seines Geistes Voldemorts kaltes Lachen erklang.

Unaufhörlich liefen die Tränen über seine Wangen. Doch niemand sah es; sie sahen nur das kalte Lächeln, lauschten seiner Stimme, die ihn für immer verdammte.

"Harry, wie konntest du nur?"

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Danke an alle reviewer!!

michimaus: Der Großteil der Geschichte wird Harrys POV sein. Allerdings wird es öfters fehlende Fakten und Hintergründe geben, die dann erst in späteren Kapiteln erklärt werden. Bis zum letzten Kapitel müssten sich aber alle Fragen geklärt haben (wenn nicht, könnt ihr ja dann fragen...) ; )

Jen: Dass ich von dir auch noch eine review bekomme! -bin geplättet- Hätte nicht gedacht, dass dich gerade diese FF so vom Hocker haut. : ) Ich bin froh, dass du den Nikotinverbrauch wieder runterschrauben konntest (ich habe mir schon etwas Sorgen gemacht, als ich die Beta-Version durchgelesen habe). ;D Nochmal DANKE fürs beta-lesen!!! -knuddel-

coco, Olaf: Danke, freut mich, dass es euch gefällt. : )

Ach ja, an alle Dumbledore-fans: Sorry, dass er diesmal so ein widerlicher &"$§& ist... Irgendwer muss halt immer der Depp sein. ; )