02. Kapitel - Circulus vitiosus

Gemeinschaftlicher Wahnsinn hört auf Wahnsinn zu sein und wird Magie.
Wahnsinn nach Regeln und vollem Bewußtsein.
Novalis

Die junge Frau hatte sich nach diesem Auftritt relativ schnell verabschiedet. Bei jeder anderen wäre es einer Flucht gleich gekommen, nicht so bei Hermine Granger. Malfoy saß noch lange in seinem Sessel und grübelte über die vergangenen zehn Minuten nach. Zehn Minuten hatten ausgereicht, um zu erkennen, dass er nicht mehr der kleinen Schülerin gegenüberstand, die er mit seinem ursprünglichen Gehabe hätte beeindrucken können. Sie war irgendwie anders. Und, was Lucius wesentlich mehr beunruhigte, sie war kälter, abgeklärter … ebenbürtiger. Natürlich konnte eine noch nicht mal fünfundzwanzigjährige Frau nie und nimmer mit ihm auf einer Stufe stehen, dennoch, etwas an ihrem Erscheinen beunruhigte ihn.

Malfoy ließ eine kleine Kiste auf sich zu schweben und zog eine Santa Clara Magnum heraus. Nachdenklich betrachtete er die ungewöhnlich lange Zigarre aus Mexiko und zündete sie schließlich nach einem alten Ritual an. Er wusste, an Schlaf war nicht mehr zu denken und die folgende Nacht würde er damit verbringen, über Hermine Granger nachzudenken. Er lehnte sich zurück, genoss die leicht süßliche und nach Nuss schmeckende Zigarre und erinnerte sich…

Rückblick, Endkampf Juni 1998

Harry Potter kämpfte zusammen mit seinen Freunden Hermine Granger und Ron Weasley mitten in dem Hexenkessel ums nackte Überleben und zusätzlich um den Tod des größten Diktators in der Geschichte der Zaubererwelt. Überall zischten Flüche umher und fast sekündlich fiel jemand tödlich getroffen zu Boden. Malfoy kämpfte im Verborgenen gegen Amycus Carrow. Mehr aus dem Augenwinkel hatte er gesehen, dass Hagrid Walden MacNair gegen eine Wand geschleudert und Filius Flitwick Antonin Dolohow außer Gefecht gesetzt hatte. Jetzt, als er Carrow besiegt hatte und sich umsah, erkannte er eben jenen MacNair, der sich wieder aufgerappelte und mit fast schon martyrerischer Absicht auf das Goldene Trio zu rannte, um seinem Herrn zu helfen.

Hermine hatte gegen MacNair keine Chance. Sie spürte, dass sie einen Schlag bekam und konnte einen Aufschrei nicht vermeiden. MacNair nahm sie in einer schraubstockähnlichen Umklammerung gefangen und schrie wie von Sinnen seinem Herrn zu, er kümmere sich um dieses kleine Schlammblut höchstpersönlich. Das war der Ausschlag für das Ende gewesen. Die Weasleys wollten Hermine retten und hatten ihre Aufmerksamkeit für einen Moment falsch eingesetzt. Sie waren alle sofort tot gewesen. Alle bis auf Ginny, die sich irgendwo anders befand. Harry gelang es Voldemort, der auch für einen Augenblick irritiert war, zu töten, doch Alecto Carrow nutzte Harrys Triumph, um ihn zu töten. MacNair verstand sofort und verschwand. Und mit ihm Hermine. Seitdem galt die junge Miss Granger als verschwunden und niemand wusste, ob auch sie noch lebte.

Rückblickende

Malfoy zog genüsslich an seiner Zigarre und inhalierte den Rauch tief in seine Lungen. Diese mexikanische Magnum war sein Geld wirklich wert. ‚Hermine Granger …', dachte er, ‚bist du also wieder zurückgekommen …' Ein Plan nahm in seinem Gehirn Gestalt an und er begann, ihn weiter auszuarbeiten. Es war Zeit, Miss Granger ein paar Manieren beizubringen. Und was schon bei Miss Weasley funktioniert hatte, würde sich auch bei dieser kleinen Hexe als praktikabel erweisen…

So saß er bereits am nächsten Tag wieder in einem Sessel. Allerdings nicht in seinem eigenen, sondern in Miss Grangers. Er hatte sie gehen sehen und sofort die Gelegenheit genutzt, in ihre Wohnung einzudringen. Es war nicht schwierig, im Gegenteil, die Sicherheitsvorkehrungen waren fast beleidigend einfach gewesen. Sie stellten kein Hindernis für ihn da. Natürlich hatte er sich in der Wohnung umgesehen und war ebenfalls enttäuscht worden, die junge Hexe behielt nichts in ihrer Wohnung, was er letztendlich gegen sich verwenden konnte. Kein schmutziges Geheimnis. Keine unerlaubten Gegenstände. Nichts. Er musste sich etwas anderes einfallen lassen.

‚Hermine, Hermine …', dachte er, ‚du beginnst, mich zu faszinieren ...' Wie schon Ginny Weasley besaß Hermine offenbar die Angewohnheit, ihn herausfordern zu wollen. Gryffindor eben. Doch diesmal, dessen war sich Lucius bewusst, hatte er es mit einer mächtigeren Hexe zu tun. Ginevra Weasley war verzweifelt gewesen und sie hatte zu viel Glück gehabt. Bei Hermine Granger war es Berechnung. Er erkannte Kalkül, wenn er damit zu tun hatte. Was war geschehen, dass diese junge Hexe zu dieser Amazone herangewachsen war?

Er hörte Schritte auf dem Flur und nippte an seinem Whiskyglas. Er war überrascht gewesen, als er Whisky in Miss Grangers Vorratsschrank gefunden hatte und hatte nicht widerstehen können, sich ein Glas einzuschenken. Die Flasche war unbeschriftet gewesen, doch der Inhalt roch eindeutig nach Whisky. Lucius lächelte und ‚kuschelte' sich tiefer in das weiche Leder. Das Spiel konnte beginnen.

Die Tür wurde auf Muggelart geöffnet und Malfoy konnte ein erwartungsvolles Grinsen nur mühsam unterdrücken. Gleich würde er sich für den gestrigen Auftritt rächen. Er hörte, wie die Tür aufging und Hermine ihre Wohnung betrat. „Mein Whisky kann mit Ihrem nicht mithalten, Malfoy, genießen Sie ihn trotzdem. Ich hab den Glenfiddich extra für Sie gekauft." Lucius musste sich beherrschen, das Gesöff nicht einfach über den Teppichboden zu spucken. Woher wusste diese kleine Kröte, dass er da war? Und außerdem … Glenfiddich? Extra für ihn?

Die braune Lockenmähne schob sich durch die Wohnzimmertür und die hübsche Amazone wagte es, ihn spöttisch anzulächeln. „Wenn Sie meinen Teppich beschmutzen, müssen Sie ihn reinigen", war der einzige Kommentar den sie abgab, bevor sie in der Küche verschwand und ein paar Minuten später mit einem Glas Wasser wieder auftauchte. „Sie verzeihen, dass ich Wasser trinke, Malfoy? So früh am Tag neige ich nicht dazu, dem Alkohol zu frönen." Sie lächelte, als sie das Glas an ihrem Mund ansetzte und ein paar Schlucke trank.

Malfoy sah diesmal etwas, was ihm am vergangenen Abend nicht aufgefallen war. Eine lange Narbe zierte ihren Unterarm und deutete eine schmerzhafte Vergangenheit an. „MacNair war nicht zimperlich?", lies er geradezu nebensächlich verlauten und beugte sich vor, um ihr das Wasser abzunehmen. Lieber Wasser als Glenfiddich. Hermine warf ihm einen strafenden Blick zu, stand dann wieder auf und ging erneut in die Küche, um ein zweites Glas zu holen und diesmal eine Flasche mitzubringen. „Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause, Malfoy." Er schweifte über ihre karge Einrichtung. „Es ist nicht das, was ich gewohnt bin … Miss Granger." – „Das tut mir außerordentlich leid … Sir", spottete sie. Ein feines Lächeln umspielte seine Lippen. „Ein guter Anfang, Miss Granger, aber das können Sie überzeugender." Sie ignorierte seine anzügliche Bemerkung. „Also, was kann ich für Sie tun, wenn Sie mich schon so bald mit Ihrem Besuch beehren." Ihre Stimme triefte vor Sarkasmus und Malfoy ärgerte sich wieder. Sie nahm ihn nicht ernst.

„Woher wussten Sie, dass ich hier bin", fragte er stattdessen und gab seiner Stimme einen gelangweilten Unterton. Doch Hermine ließ sich nicht täuschen. „Nichts leichter als das. Ich vermute, Sie sind kein Fassadenkletterer und selbst mit Magie kann ein Mann Ihres … Formates", ein demonstrativer Blick auf deine Körpermitte und Malfoy quittierte es mit einem Schnauben, „nicht ungesehen an der Außenwand in den sechsten Stock gelangen, weshalb lediglich die Tür als Einstiegsmöglichkeit übrig bleibt. Ich habe bestimmte Sicherheitssprüche verwendet, mit denen Sie sich auskennen und zusätzlich ein paar meiner eigenen, damit ich Sie erkenne. Da die Sicherheitssprüche überwunden waren und nur Sie sie erkennen konnten, braucht es keiner großen Intelligenz, eins und eins zusammenzuzählen und Sie in meiner Wohnung zu wissen. Da Ihre Vorliebe für Whisky bekannt ist, habe ich mir gedacht, ich versüße Ihnen das Durchsuchen meiner Wohnung und die Warterei mit einem schönen Glas Glenfiddich." Sie grinste überlegen.

„Kröte", murmelte Lucius und ärgerte sich, wieder einmal, über sich selbst. Er war ihr mit erhobenem Haupte in die Falle gelaufen und diesmal entschuldigte nichts sein Handeln. Sie schien ihn erwartet zu haben. Sie schien damit fest gerechnet zu haben, davon zeugte dieser Emporkömmlingswhisky. Er unterdrückte den Wunsch, die Hände an ihre Kehle zu legen und sanft zuzudrücken. Scheinbar war sie ihm einen Schritt voraus. Ein Umstand, der dringend geändert werden musste.

Lucius Malfoy stellte das Glas zur Seite und stand auf. „Da Ihre Wohnung nicht unbedingt das ist, was ich für ein Gespräch als optimale Umgebung halte, schlage ich vor, dass wir den Standort wechseln." Hermine nickte wissen. „In ein Ihnen bekanntes Terrain? Verunsichere ich Sie, Malfoy?" – „Mitnichten, junge Dame. Ich möchte nur sicher gehen, nicht weiteren … Überraschungen ausgesetzt zu werden." Er sah sie prüfend an. „Ziehen Sie sich etwas an, dass Sie mehr wie eine Dame erscheinen lässt. Ich habe nicht vor, mich mit Ihrer Gesellschaft zu blamieren." Sie schüttelte spöttisch ihren Kopf. „Was genau schwebt Ihnen vor, Malfoy? Ich gehe davon aus, dass Ihnen der Inhalt meines Kleiderschrankes bestens bekannt ist. " Er lachte amüsiert auf. „Das dunkelgrüne Kleid." Sie salutierte gespielt unterwürfig. „Wie Sie wünschen … Sir."

Eine halbe Stunde später saßen sie in einem kleinen, abgelegenen Restaurant vor einen halben Liter Wein und studierten die Speisekarte. Seit ihrem Aufbruch hatten sie kein Wort mehr miteinander gesprochen und jeder wartete darauf, dass der andere den Anfang machte. Hermine warf ihrem dunklen Begleiter einen raschen Blick über die Karte hinweg zu. Sie wusste, wenn sie ihn für Ginnys Mord zur Verantwortung ziehen wollte, musste sie geschickt vorgehen. Er wiederum überlegte, was die junge Hexe dazu treiben konnte, sich auf ein Spiel mit ihm einzulassen. Sie schien ihm für den Moment gewachsen zu sein, doch dauerhaft würde er diese Partie für sich entscheiden.

„Sie wünschen?" Der Kellner trat mit unterwürfiger Miene an den Tisch heran. „Den Dom Perignon rosè aus dem Jahre 1985, zwei Mal die Escargots à la Bourguignonne und als Hauptspeise jeweils die Tagliatelle mit weißen Trüffeln." – „Sehr wohl, Sir." Der Kellner verschwand augenblicklich, um die Bestellung aufzugeben und Malfoy wandte sich mit selbstzufriedener Miene zu seiner jungen Begleitung. „Eine exzellenter Auswahl." Hermine lächelte säuerlich. „Zumal ich sie auch selbst getroffen habe", fauchte sie. Ihm entging natürlich nicht die Ironie in ihren Worten. „Ich habe mir erlaubt, für Sie zu wählen, kleine Kröte, da ich angenommen habe, dass Sie in den vergangenen Jahren nicht immer etwas zu essen bekamen, was meinem Geschmack auch nur annähernd entspräche." – „Sie hätten sich schon längst umgebracht", kommentierte sie lediglich und Malfoy nickte mitfühlend. „Vier Jahre mit Walden zusammen …" Er schnalzte mit der Zunge. „Meinen erhabenen Respekt, junge Frau. Das würden noch nicht einmal die Auroren aushalten. Amerika?" – „Madagaskar." – „Kein Wunder, dass Sie nicht gefunden werden konnten. Die Zauberer haben in der Zivilisation nach Ihnen gesucht ... Wie sind Sie entkommen?"

Der Champagner wurde serviert und Hermine nahm einen Schluck, um ihre Nerven zu beruhigen. Nach Außen hin wirkte sie ruhig und berechnend, nur ihre Knie wurden leicht weich bei dem Gedanken, mit wem sie hier am Tisch saß. Er lächelte und nahm ihr das Glas aus der Hand. „Sie sollen einen luxuriösen Tropfen zu schätzen wissen, kleine Kröte. Man schluckt diesen Jahrgang nicht runter wie …. Glenfiddich, man genießt ihn. Also, wie sind Sie entkommen?" Sie warf ihm einen kalten Blick zu. „Jeder macht irgendwann Fehler, Malfoy, selbst der beste Politiker, der wachsamste Auror, der mächtigste Gesellschaftslöwe." Gespielt getroffen legte er sich eine Hand auf die Brust und verzog schmerzhaft das Gesicht. „Wieso nur habe ich das Gefühl, Sie meinen mich damit?" Betont gelangweilt betrachtete sie eingehend ihre Fingernägel. „Ich weiß nicht?"

„Was ist passiert?" Hermine sah ihm tief in die Augen und suchte nach Spott oder Hohn, als er diese einfache Frage stellte. Doch sie fand nichts. Nichts, was darauf hindeuten konnte, dass er die Worte gegen sie verwenden würde. Das Einzige, was sie leicht entdecken konnte, war ein Hauch von Mitleid. Mitleid? Ein Lucius Malfoy hatte kein Mitleid. „Warum wollen Sie das wissen?", fragte sie kalt und ihr Gegenüber seufzte leise. „Miss Granger … Hermine … Ich kenne Walden MacNair. Ich kenne ihn besser, als ich es sollte. Ich weiß, er ist nicht zimperlich. Und wenn ich mir das da", er deutete auf ihre hässliche Narbe, „ansehe, dann kann ich mir in etwa vorstellen, wie der Rest Ihres attraktiv verpackten Körpers aussieht … Und selbst ich wünsche nicht mal Ihnen dieses Schicksal." Seine Worte klangen aufrichtig. Sie sah ihn an und schwieg.

Die Weinbergschnecken wurden serviert und sie aßen schweigsam eine Weile, bevor Hermine sich entschloss, diesen Schritt zu wagen. „Circulus vitiosus." Sie beobachtete, dass der sonst so beherrschte Lucius Malfoy mit der Wimper zuckte. Sie wusste, er kannte diesen Begriff. Und sie täuschte sich nicht. Seine Reaktion hatte ihn verraten. Doch was bedeutete dieses kurze Zusammenzucken? Dass er mit dem Kreis in Verbindung stand? Oder bedeutete es Angst? Angst vor diesen Leuten, die sich Circulus vitiosus nannten? Sie wusste es nicht, noch nicht. „Eine hierarchisch geordnete Gilde von Männern, die strenge Regeln und Vorschriften verfolgt, um sich selbst zu etwas Besonderem zu entwickeln. Jeder Mann besitzt eine oder mehrere Frauen, die ihm als Besitz zugeschrieben worden sind und von ihm psychisch zugrunde gerichtet werden, um sie zu brechen und schließlich als Dienerin oder Prostituierte zu benuten." Wieder warf sie Malfoy einen Blick durch halbgeschlossene Augenlidern zu und sah, dass er sich zurückgelehnt hatte und nachdenklich mit seinem Champagnerglas spielte. Sie hatte seine volle Aufmerksamkeit.

„Die meist sehr jungen Frauen", fuhr sie fort, „sind überwiegend zufällig oder durch gezielte Entführung in deren Besitz gekommen, wie sie selbst es bezeichnen, oder werden mit falschen Versprechungen geködert. Die Gildeangehörigen werden gezielt darauf geschult, das Objekt, denn mehr sind die Frauen nicht, zu beeinflussen und zu dem zu machen, was sie nach Glauben der Gilde seien sollten … Es wird eine gezielte Abhängigkeit geschaffen und sie werden psychisch so lange beeinflusst, bis diese Frauen glauben, dass es ihr eigener Wille sei, ihrem Besitzer jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Sie werden gezielt darauf domestiziert, ihre Persönlichkeit und ihren Willen aufzugeben, so dass sie die Achtung vor sich selbst verlieren und alles mit sich machen lassen. Ihr Stand ist nicht nur tiefer als der eines Tieres, sie müssen auch oft den so genannten Freunden des Gildemitgliedes zur Verfügung stehen, wenn-" Malfoy hob die Hand und unterbrach sie. „Ich kenne diese Art Sekte", sagte er ruhig. „Aus Erfahrung?" Hermine wusste, es war dumm, aber sie konnte sich diesen Kommentar nicht verkneifen. „Nein", antwortete er scharf, „auch wenn Sie es mir nicht glauben, ich achte die Frau als solche in einer Art und Weise, die nicht, absolut gar nichts mit der Circulus vitiosus zu tun hat."

Die Weinbergschnecken waren schon lange abgeräumt und der Hauptgang serviert worden. Wieder aßen sie schweigend. „Ich habe Narzissa ihrerzeit aus der Circulus vitiosus herausgeholt", sagte er schließlich. „Sie war nicht das, was eine Black hätte sein sollen und sollte sozusagen „im Sinne der Gemeinschaft" erzogen werden." Er schnaubte. „Sie wissen, Hermine, was Narzissa hatte durchmachen müssen. Sie hat nachts geschrieen. Sie hat mich oft zurückgestoßen. Sie hat eine Arroganz an den Tag gelegt, um über ihr eigenes Seelenleben hinwegzutäuschen. Sie war nicht fähig zu lieben und doch war Draco das Einzige auf der Welt gewesen, dass ihr Herz am ehesten angesprochen hatte." Seine Worte rührten Hermine. Mitleid stieg in ihr auf und sie konnte den Impuls, ihre Hand auf seinen Arm zu legen, nicht unterdrücken. Sofort hob er den Blick und sah ihr mit einem Ausdruck der Trauer tief in die Augen. „Sie haben wirklich mein Mitgefühl, Hermine." Hermine nickte. Sie war verunsichert. Er verhielt sich so anders als sie es erwartet hatte, doch sie musste es versuchen. Sie durfte nicht darüber nachdenken, was Lucius Malfoy noch für ein Mensch sein konnte. Das, was sie bislang wusste, reichte ihr vollkommen. Sie hasste ihn und gleichzeitig zog er sie an. Es war ihr Untergang. Und es war perfekt. Nur so würde sie ihr Ziel, ihn zu zerstören, erreichen können….

„Was ist mit Ginny geschehen?", fragte sie daher schlicht und wich seinem Blick aus. Hätte sie ihn angesehen, sie hätte ein Funkeln in seinen Augen erkannt, dass ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken gejagt hätte. Aber sie tat es nicht, sie starrte weiterhin auf ihr Glas und hatte ihre Hand auf seinem Arm liegend. Gerade, als sie die Hand wegziehen wollte, umfasste er sie und hauchte ihr einen Kuss auf die Narbe. Ein Prickeln durchlief sie. „Die süße kleine Ginny", sagte er lang gezogen. „Ihr hatte das Schicksal übel mitgespielt und sie hatte sich, nach einigem reiflichen Überlegen, dazu entschlossen, mit mir einen Handel einzugehen, der sie verpflichtete, gewisse Dinge zu erledigen, während ich für sie finanziell aufkam und dafür sorgte, dass es Arthur gut ging." – „Arthur ist tot." – „Ein Umstand, für den ich nichts kann. Manche Menschen geben irgendwann auf und sterben." – „Und Ginny?" Er lächelte fast schon melancholisch. „Ein bedauernswertes Missgeschick. Ihr … Unfall war weder geplant noch gefördert worden. Es tut mir leid, dass Ginny sterben musste, ich hatte es anders geplant."

Hermine wollte nachbohren, wurde doch von einem Mann unterbrochen, der an ihren Tisch trat und mit Malfoy ein paar Worte wechselte. Malfoy nickte. „Kommen Sie", befahl er knapp und wartete ungeduldig darauf, dass sie ihm folgte. „Sie haben noch nicht bezahlt", schrie der Kellner. „Sehen Sie zu, dass Sie hier rauskommen, Gregor", bellte er ruppig und griff nach Hermines Hand, um sie noch schneller aus dem Restaurant zu ziehen. Kaum standen sie vor der Tür, da hatte er ihr schon den Arm um die Taille gelegt und sie dich an sich herangezogen. Sie apparierten direkt in eine dunkle Nische des Flures vor Hermines Wohnungstür. „Was?", fragte sie. „Razzia", antwortete er knapp, ließ sie aber nicht los. Er genoss diesen jungen schlanken Körper und verfluchte sich wieder einmal für seine Vorliebe für junge Hexen. „Razzia?" Er lachte rau. „Glaubst du ernsthaft, das Restaurant wird vom Minister besucht?" Er sah ihr tief in die Augen. „Sehen wir uns wieder?"

Sie lehnte sich noch dichter an ihn und grinste anzüglich. „Wir werden uns wieder sehen, Lucius … Das verspreche ich dir." Dann neigte sie sich vor und hauchte ihm einen zarten Kuss auf die Lippen, die pure Sünden versprachen. Für einen Moment hielt sie sich an dem Knauf ihrer Wohnungstür fest, sie wusste nicht, dass es sie auf diese Art und Weise mitnehmen würde, wenn sie seine Lippen berührte, doch sie musste standhaft bleiben. Rasch zog sie sich mit einem unergründlichen Blick zurück und schloss lächelnd die Tür. Wenn er nicht noch im Flur gestanden hätte, sie hätte einen Freudenschrei losgelassen. Sie hatte ihm eine Falle gestellt und er war blindlings reingetappt. Sie konnte morgen zum Minister gehen und ihm ein kleines, magisches Band vorlegen, das während des gesamten Gespräches mitgelaufen war und es aufgezeichnet hatte. Malfoy hatte seine Beteiligung an Ginnys Tod zugegeben. Askaban war ihm sicher.

Hektisch durchwühlte sie ihre Handtasche, doch sie fand den kleinen schwarzen Kasten nicht. Er war in keinem Seitenfach, oder sonst wo reingerutscht. Sie erstarrte und rannte schließlich zur Tür. Malfoy lehnte lässig an der kühlen Steinwand des trostlos wirkenden Ganges und sah sie mit einer spöttisch hochgezogenen Augenbraue an. „Suchst du das hier, Kröte?", fragte er herablassend und hielt ihr das gesuchte Band entgegen….

Begriffe:
Escargots à la Bourguignonne Weinbergschnecken in Butter- und Gewürzsauce, im Ofen gebacken
Circulus vitiosus Teufelskreis
domestizieren zähmen, gefügig machen