3

Schwert …

„Sir, wir sind gelandet, Sir."

Mit einem knappen „Danke" verließ General Mick Russel, gefolgt von seinen Teamkameraden dem Feldarzt Tom „Stitch" Doherty und Ivana „Farsight" Gogol, der besten Scharfschützin der Bruderschaft, soweit es Mick betraf den Hubschrauber, einen auf den Betrieb durch Fussionsbatterien umgebauten und restaurierten UH-60 L Blackhawk.

Die drei rannten geduckt aus der Reichweite der sich nach wie vor drehenden Rotoren wo sie bereits von einem jungen Supermutanten in einem Hummer erwartet wurden.

„Sir, es ist mir eine große Ehre sie fahren zu dürfen, Sir." Der Mutant, er trug die Insignien der Paladine der Brotherhood of Steel, ein Jungknappe, stand stramm und salutierte. Mick und sein Team erwiderten den Gruß und stiegen hinten im Hummer ein.

„Es ist ihm eine große Ehre dich fahren zu dürfen… Wie machst du das bloß? Sogar Supermutanten verehren dich."

„Stitch, lass ihn in Ruhe du alter Neidhammel."

„Was heißt hier Neidhammel?! Ich möchte nur wissen wieso mir niemand diese Hochachtung entgegenbringt!"

„Als würde ich das genießen! Ha!" Mick lachte sarkastisch, „außerdem, wenn es dir so sehr gefällt können wir ja einen Tag lang tauschen."

„Nichts lieber als das!"

„Sehr gut," Mick zeigte Freudestrahlend sein Lächeln, „dann kannst du ja beim Verteilungsausschuss unseren Etat genehmigen lassen. Viel Spaß."

Der Hummer hielt erst direkt vor dem Eingang zu Vault Zero, einer Einrichtung die Mick nach wie vor eine Gänsehaut über den kompletten Körper jagte, wobei er sich nicht sicher war ob es daran lag, dass er hier die Bedrohung durch die Bots aufgehalten hatte oder daran dass sich hier in diesem Komplex die komplette politische Macht der Brotherhood befand.

Vermutlich von Beidem etwas, dachte er als er Ausstieg um die letzten Schritte zu Fuß zu gehen.

„Sir, bitte um Erlaubnis sprechen zu dürfen, Sir" ertönte die Stimme ihres Fahrers hinter ihm. Er drehte sich um und sah zu dem Supermutanten hoch. „Erteilt, Knappe. Sprechen sie."

„Sir, mir ist zu Ohren gekommen dass sie hier sind um drei neue Mitglieder für ihren Trupp zu suchen und ich, nunja, wollte mich ihnen empfehlen, Sir."

„Farsight?"

„Boss?"

„Lass dich von dem Kind hier zum Scharfschützenzentrum fahren und besorg uns den Besten den du finden kannst. Fahr danach mit ihm" Mick deutete auf den Mutanten, „zum Rekrutierungsbüro. Schau dir dort seine Akte an. Wenn er was taugt nehmen wir ihn mit."

„Danke Sir." „Noch ist nichts entschieden, Knappe. Weggetreten."

Mick trat mit Stitch durch den Eingang, ein Replik des Tors das er und sein Team vor dreißig Jahren mit einer fünfzehn Kilotonnen Atombombe aufgesprengt hatten.

„Weißt du Mick, es soll Leute geben die behaupten, jede Nutzung von Atomkraft sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit."

Mick sah seinen Waffenbruder an, sein schwarzes Gesicht beinahe ausdruckslos, aber Stitch wusste genau was er dachte als er sagte: „Es gibt schlimmere."

Sie hatten sie Beide gesehen, sie hatten sie begangen. Sie arbeiteten, und das wussten sie genau, für kriminelle Despoten. Doch daran konnten sie nichts ändern. Die Brotherhood of Steel erschien ihnen allmächtig.

Das Ausbildungszentrum der Bruderschaft lag knapp außerhalb von Vault Zero, etwa eine halbe Meile östlich des Eingangs durch den Mick und Stitch gerade verschwanden. Geführt wurde es von General Rycheck, dem Ausbilder der Mick, Stitch, Farsight und eine handvoll anderer Rekruten damals damit in der Bruderschaft willkommen geheißen hatte, dass er sagte persönlich bereits über fünfzig Rekruten ausgebildet zu haben, von denen circa vierzehn noch lebten.

Farsight ging dicht gefolgt von ihrem Fahrer direkt zum Schießstand und nahm sich eines der dort aushängenden Ferngläser. Im Moment schossen zwei Menschen und ein Guhl, alle auf die Dreihundert-Yards Markierungen. Farsight besah sich jede Scheibe und erkannte ein paar mehr oder weniger gute Schussgruppen bei den Menschen, aber keinen einzigen Treffer beim Guhl. Farsight klopfte ihm auf die Schulter und der Guhl, ein Jungritter sicherte seine Waffe, stand auf, nahm Haltung an und salutierte.

„Ma'am?"

Farsight erwiderte den Gruß: „Rühren. Was schießen sie?"

„Eine CZ 750 S1M1 in .308 Winchester, Ma'am."

„Die .308," sagte Farsight sachlich, „hat eine effektive Reichweite von 600 Yards. Die Scheibe ist nur dreihundert entfernt. Trotzdem haben sie nicht einmal getroffen. Wer hat sie zum Scharfschützentraining zugelassen?"

„General Rycheck, Ma'am. Aber bei allem Respekt, ich schieße nicht auf die dreihunderter Scheibe."

Jetzt wurde Farsight neugierig. Der Kerl klang interessant. „Auf was dann?"

„Sehen sie selbst, Ma'am."

Der Ghul legte sich wieder auf den Boden, nahm sein Gewehr in Anschlag und entsicherte. „Sehen sie den Stein einen Fuß vom linken Standbein der Scheibe entfernt?"

Farsight bestätigte und schon flog der Stein durch die Luft. Anderthalb Sekunden später hatte der Ghul auch schon repetiert und der Stein flog erneut.

„Wie heißen sie, Jungritter?"

„Ivan Velez, Ma'am, aber man nennt mich Sparky."

„Also gut Sparky, wie wäre es mit einer Abkommandierung zum Sword-Trupp?"

„Fünfzig Tausend Energiezellen? Könnten sie uns diesen Posten bitte erklären?" Der Elder war gereizt und Stitch hatte schon genug Probleme damit gehabt ihm die Mörser und Granatwerfer abzuringen.

„Sir, Soldaten lernen das Schießen nicht einfach so. Sie müssen üben, und unser derzeitiger Vorrat von 2000 Zellen reicht kaum aus um einen Trupp eine Woche lang trainieren zu lassen, da ja immer die Hälfte der Zellen bei den Kämpfen im Einsatz ist und ein Viertel immer unterwegs hierher um aufgeladen zu werden. Also entweder gewähren sie uns einen Atomreaktor wie wir ihn hier haben oder sie gewähren uns mehr Munition." Stitch lächelte dünn in der Hoffnung einen guten Witz gemacht zu haben, einen Gag der die Stimmung auflockerte und die Elder des Verteilungsausschusses amüsierte und sie gnädig stimmt.

Fehlanzeige.

„Wir verstehen ihre Argumente aber sind 50000 wirklich notwendig?" Diesmal war es Bretano. Stitch kannte ihn, er war zwar ein Scribe, also ein Gelehrter, ein Forscher, aber der kämpfenden Truppe, den Paladinen gegenüber immer sehr großzügig.

„Sire." auf diese Anrede waren die Elder immer besonders scharf, sie unterstrich ihre besondere Stellung, ihren speziellen Status der ‚Ersten unter Gleichen', „Ich denke wir sollten uns noch einmal vor Augen führen wozu unsere Schwadron geschaffen wurde. Die Special Mission Squadron enthält die letzten Sechs Schnelleingreiftrupps der Bruderschaft. Wir gehen auf die gefährlichsten Missionen, eine zehnfache Übermacht an Gegnern ist eher die Ausnahme als die Regel. Aufgrund unserer besseren Ausbildung, aber vor allem auf Grund überlegener Waffensysteme schaffen wir zu sechst was oft bis zu einhundert Paladine nur unter schweren Verlusten erreichen. Doch eine Powerrüstung ist nicht unzerstörbar. Ich habe Paladine in solchen Rüstungen sterben sehen und," schloss Stitch düster, „Raider in solchen Rüstungen getötet. Wir sind unseren Feinden in fast nichts überlegen. Aber sie können unsere Chancen entscheidend verbessern."

Gespannt auf die Reaktion der Elder dachte Stitch nur, als Zyniker der er war, verdammt, ich dachte ich wäre Arzt und kein Propagandaredner.

„Elder Murray?" Ein falsches Lächeln auf seinen Lippen und Verachtung im Herzen trat Mick in das Dienstzimmer des Elders der für die Missionszuteilung für seine SMS zuständig war. Murrays lächeln, sah Mick sofort, war genauso falsch wie sein eigenes. Murray hatte sich während seiner Zeit als Paladin gut ein Duzend mal bei der SMS beworben. Jedes mal hatte Mick ihn abgewiesen.

„General Russel! Wie schön sie zu sehen. Wie war die Fahrt?" Murray spielte das Spiel der falschen Freundlichkeit, wie jeder Politiker, nahezu perfekt.

„Kurz." erwiderte Mick fröhlich, „Nur vom Landeplatz zum Eingang." Die Brotherhood hatte nicht gerade viele Hubschrauber und das Privileg einen zur ständigen Verfügung zu haben hatte fast niemand. Murray, das wusste Mick, war noch nie geflogen.

Dessen Miene änderte sich schlagartig und Micks Lächeln wurde zu einem Lächeln echter Freude. Er liebte es einfach diesem Arschloch ans Bein zu pissen.

Den Rest des Briefings stand Murray der Ärger ins Gesicht geschrieben während er Mick seine Befehle für die nächsten zwei Wochen gab: Drei Rebellennester die die SMS ausräuchern sollte, wovon eines an einem Vorkriegsstädtchen namens Freedom errichtet, als schwer bewaffnet und extrem gefährlich galt.

Vom Einsatz des Valkyr-Trupps wurde bei diesem Einsatz dringend abgeraten.

Das, dachte Mick, wird Jo gar nicht gefallen. Sie brannte darauf ihre Sechs umgebauten Apache Kampfhubschrauber gegen Gegner einsetzen zu dürfen.

Blöderweise waren die Hubschrauber, laut den Eldern, zu wertvoll um sie zu riskieren.

Die Frage wozu sie sie dann überhaupt hatten blieb ungestellt.