Anmerkung: Hikarigaoka Westendviertel

Ichigo konnte nicht mehr hinsehen. Zu grausam erschien ihm das Ereignis, welches zu sehen war. Das kleine Wesen wurde von dem Monster getötet. Zugleich verwirrte die sich im Himmel spiegelnde Welt den Jungen. Seine in dem Grün junger Tannen gefärbten Augen sahen kurz auf. Er wollte wissen ob dieser Spuk endlich vorbei war, doch dem war nicht so.

Vor etwa vier Jahren war die Erde von einem strahlenden Lichtmeer umhüllt worden, wie ein zarter Schleier hatte sie die von Menschen und Tieren teilende Welt umhüllt und vor der Dunkelheit beschützt. Jene dunkle Macht ging von einer anderen Welt aus. Zuerst waren es bloß vereinzelte Lichtkegel, die gegen die Dunkelheit ankämpften doch nicht zu gewinnen vermochten. Die Niederlage der einzelnen Lichtpunkte war gesichert gewesen.
Damals hatte der sich nun vierzehnjährige Junge ängstlich an seine Eltern geklammert, hatte sein Gesicht in der Kleidung seiner Muter vergraben um das schreckliche Schauspiel nicht mit ansehen zu müssen. Die Dunkelheit schien erst die Überhand zu bewahren.
„Sieh mal", hatte die Mutter ihrem Sohn mit sanfter Stimme in sein Ohr geflüstert. „Die Dunkelheit wird von dem Licht verdrängt."
Ichigo wagte es sich kurz umzusehen. Zwei Kinder, welche nicht weit entfernt von ihm standen, hielten ein eigenartiges Gerät in die Luft. Jenes funkelte auf und dessen Licht bannte sich den Weg durch die Dunkelheit. Es vereinte sich anschließend mit den anderen Lichtkegeln. Ichigo wandte sich von seinen Eltern ab und ging einige Schritte nach vorne. So schien es auf der ganzen Welt zu geschehen, denn jene konnte sich von der Finsternis, welche sie umschlungen hatte, befreien. Sein Blick streifte die beiden Kinder. Sie hielten noch immer die Gerät gen Himmel und riefen zwei Namen. Sie endete beide auf ‚mon'.
Ichigo sah die beiden Kinder bewundernd an. Er hätte auch so gerne helfen wollen, doch er hatte dieses Gerät nicht. Die Menschen redeten auch heute noch ab und an davon. Stets wurde dieser Tag dann in den Erzählungen als ‚der Tag an dem in die Erde in einem neuen Licht erstrahlte' bezeichnet.

Die Menschen raunten auf und ließen den Jungen sich von seinen Erinnerungen lösen. Die sich im Himmel spiegelnde Welt war verschwunden. So rasch sie in Erscheinung getreten war so rasch löste sie ihr Ebenbild auch wieder auf. Ichigo schluckte schwer. Das arme, kleine Wesen! Was auch immer es war, er fühlte mit ihm mit. Das Erlebnis vor vier Jahren hatte ihm gezeigt, dass das Licht, so schwach es auch anfangs schien, stets über die Finsternis triumphierte.

„Ichigo…", meinte seine beste Freundin und strich mit ihrer Hand durch sein azurblaues Haar. Sie hatten sich gerade auf den alltäglichen Weg in die Schule befunden, als dies geschah. „…komm, gehen wir."
Auch sie schien verwundert, doch sie sagte, sie hätte geschlafen als dies vor vier Jahren geschehen war. Die fremde Dimension spiegelte sich schon einige Male auf der Erde wider, doch für sie hatte dies wenig an Bedeutung. Sie wollte davon einfach nichts wissen. Ichigo sah ihr jedoch an, dass auch sie das Sterben des Wesens beschäftigte.
So machte er sich doch mit seiner Klassenkameradin gemächlich auf den Schulweg. Der Alltag schien schon wieder so rasch voranschreiten zu wollen, er ließ dem Jungen nicht einmal die Zeit das Gesehene zu verarbeiten.

Doch in der Schule ging trotz allem nichts so recht voran. Die Lehrer waren sichtlich nicht bei der Sache, zuminderst erschien es ihn bei den Meisten so, so wie auch manche ihrer Schüler nicht so recht konzentrieren konnten. Inzwischen war es schon fast fünf Uhr, doch Ichigos Gedanken drehten sich noch immer nur um das Monster und seinem hilflosen Opfer. Der Junge richtete sein Blick wieder zur Tafel. Der Lehrer erzählte etwas über Atome und deren Bestandteile. Mehr bekam Ichigo nicht mit, denn seine Gedanken waren abermals zu der mysteriösen Welt abgeschweift. So grausam sie ihm auch erschien, so faszinierend war sie. Er sah seufzend die Uhr an. In drei Minuten war es geschafft. Heute konnte er, so sehr er sich auch anstrengte, sich nicht auf den Unterricht fixieren. An normalen Tagen war Ichigo sehr wissbegierig und neugierig. Doch jene drei Minuten zogen sich in die Länge. Erst nach einer schier gefühlten Ewigkeit ertönte das erlösende Läuten.

Ichigo verließ als Erster den Klassenraum. Rasch hastete er nach Hause. An diesem Tag verspürte der Junge wahrlich keine Lust sich mit Freunden zu treffen oder etwas zu Unternehmen. Er wollte nach Hause, wollte weiterhin nachdenken und sich Zeit für sich selbst nehmen. Vor seiner weißen Wohnungstür hielt er schließlich an und läutete stark.
Seine Mutter öffnete ihm die Tür. Jene hielt kurz inne, betrachtete ihren Sohn kurz. „Du siehst ein wenig zerstreut aus, liegt das an dem von heute Morgen."
„Ja", meinte er tonlos.
Zu lügen hätte nichts gebracht.Seine Gedanken drehten sich nur mehr um dieses Ereignis. Dem aufblühenden Mitleidsgefühl mischte sich Neugierde bei. Er musste einfach mehr darüber wissen!
„Mama." Ichigo warf seine Schultasche in eine Ecke und wandte sich kurz zu seiner Mutter um. „Ich gehe dann in die Bibliothek. Recherchieren…"
Die Frau strich sich seufzend eine der dunkelblauen Haarsträhnen zurück. „Schon wieder. Ichigo, da warst du doch schon vorgestern. Mir wäre es ehrlich lieber, wenn du mal mit deinen Freunden ins Kino gehst, oder…"
„Macht es dir so viel aus, Mama?" Ihr Sohn sah sie fragend an. „Wenn du willst, dann verschiebe ich das und unternehme heute etwas mit meinen Freunden."
Erneut wurde dem Jungen klar wie sehr ihn seine Mutter liebte. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Es war ein warmes Lächeln der Fürsorglichkeit. Ihm wurde eine Hand auf die Wange gelegt. Seine Mutter empfand ihn als sehr erwachsen, dies wusste er. Man sah es ihm oft nicht an, dass er schon vierzehn Jahre alt war. Seine Gesichtszüge waren kindlich und feminin.
„Über was möchtest du denn recherchieren?", fragte sie. „Über das von heute Vormittag? Da wirst du ihn Büchern nicht viel finden. Aber im Internet könntest du eventuell etwas hinausgekommen."
„Nein, da finde ich nie viel", antwortete er. „Aber macht es dir etwas aus?"
Schließlich schüttelte sie den Kopf. „Nein, das tut es nicht." Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn. „Na dann, viel Spaß." Es war eigenartig jemanden bei seinen Recherchen viel Spaß zu wünschen, doch Ichigo empfand diese dabei. Seine Mutter konnte dies nicht nachvollziehen, denn für die Schule hatte sie selbst immer nur das Nötigste getan.

Glücklich lächelnd verließ er wieder das Haus. Sie sah ihn noch nach wie er den gerade davonfahrenden Bus versuchte einzuholen, schließlich doch den Versuch aufgab und sich schmollend an das Wartehäuschen lehnte. Während der Wartezeit spielte sich in seinem Kopf nochmals das Geschehen vor vier Jahren ab. Es wurde in jeder Einzelheit analysiert, jede einzelne Information konnte für die weitere Recherche wichtig sein. Genau dies liebte der vielseitig interessierte Junge daran. Eine Recherche war wie ein Puzzlespiel. Fehlte ein Teil konnte man unter Umständen es nicht mehr fortsetzen und zu Ende bringen.
Sein Blick richtete sich gen Himmel. Der Himmel war klar, so als ob nie etwas geschehen wäre. Zum unzähligem Mal an diesem Tage dachte er an weitere Einzelheiten. Ichigo versuchte neutral an jene heranzugehen, doch sein Mitgefühl verhinderte ihm eine analytische Sicht der Tatsachen. Ob das gestorbene Wesen wiedergeboren wurde? Das Monster, welches Schuld an dem kleinen Engelwesen trug, sah ihn all dem was es war furchteinflössend aus. Es war böse und dies sah man dem feindlichen Ungeheuer an. Ichigo erblickte erneut rot glühende Augen vor sich und schauderte bei dieser Erinnerung.

Ein lautes Motorengeräusch ertönte. Der Bus war vorgefahren. Endlich! Ichigo wollte nun endlich Informationen sammeln.

Mit geschlossenen Augen lehnte er sich gegen die Scheibe des Fensters. Andererseits behielt seine Mutter doch Recht. Er verbrachte viel zu viel Zeit in der Bibliothek und viel zu wenig mit seinen Freunden. Ihm überkam eine Idee. Warum sollte er nicht beides miteinander verbinden können? Rasch hatte er sein Handy aus seiner Hosentasche gezogen und schrieb seiner besten Freundin.
Haruka, so ihr Name, nahm sich stets Zeit für Ichigo. Egal was er vorschlug, egal wie sehr er sie mit seinen eigenen Problemen belastete, sie war für ihn da. Ichigo schüttelte schließlich den Kopf und löschte die Nachricht bevor er sie noch abschicken konnte, oder wollte. Denn er wusste warum sie sich so viel Zeit für ihn nahm. Sie teilte es Ichigo nicht direkt mit, doch jener wusste darum, dass er nicht bloß er wohl ein wenig mehr als ihr bester Freund war. Und egal was er vorschlug: sie machte mit. Es kam ausnutzen gleich, da er wusste wie langweilig sie es auch in der Schule fand sich für Referate etwas zusammensuchen zu müssen. Nein, er wollte sie nicht um ihre Gesellschaft willen ausnutzen. Auch brachte er Haruka, mit versteckten und offensichtlichen, Gestiken nicht dazu es ihm zu sagen. Ihre innige Freundschaft war ihr wichtiger.

Der Bus hielt wieder an. Die größte Bibliothek in seinem Stadtteil war bereits zu sehen. Wenn es sich um wichtige Dinge handelte, so besuchte er immer diese. Sie mochte vielleicht kleiner sein als die anderen, doch Ichigo kannte hier bereits die belesene Buchhalterin mit dem umfangreichen Wissen. Wenn er bei seinen Recherchen nicht weiterwusste, so hatte er stets Rat bei ihr gesucht.
Gemächlich ging er über das blühende Grundstück der Bibliothek. Etwas schmiegte sich an seinem Bein an. Es war die Katze der Buchhalterin. Ichigo kniete sich kurz hin um ihr über das seidig schwarze Fell zu streicheln. Dabei schloss sie genüsslich die Augen und zeigte ihr Gefallen mit lautem Schnurren. Manchmal war es für ihn richtig erschreckend wie oft er hier war. Neko war schon fast seine eigene Katze geworden. Schließlich gab sie einen Klagelaut von sich. Ihr ‚Ersatz-Besitzer' hatte ihr sonst stets etwas Leckeres mitgebracht. Dieses Mal jedoch stand er mit leeren Händen vor ihr.

„Tut mir leid, das habe ich heute vergessen", meinte er und lächelte als ihn zwei kluge Katzenaugen vorwurfsvolle Blicke zuwarfen. Den ganzen Weg über verfolgte sie ihn mit anklagenden Lauten.
„Ach, Süße." Ichigo wandte sich im Gehen kurz zu ihr um und nahm sie auf den Arm. „Du bettelst sowieso bei Jedem."
Neko schloss abermals die Augen und schmiegte sich in seinen Arm, hoffend dass er wegen ihr zum nächsten Geschäft hastete um ihr einen Fisch zu kaufen. Schließlich hatte er dies, bei strömenden Regen und klirrender Kälte, schon einmal getan.
Nekos Blick war unwiderstehlich süß, als sie flehend zu ihm aufsah. Ichigo seufzte. Selbst einer Katze erfüllte er alle Wünsche und so kam es, dass er wirklich einen kleinen Umweg machte und Neko doch noch ihren lang ersehnten Fisch bekam.

Ichigo drückte langsam die alte Holztür auf.
Das Gebäude war sehr alt und nicht zu vergleichen mit den Neubauten. Als er das erste Mal in ihr nach Informationen suchte, erfuhr er, dass es als lange Zeit als Tempel gedient hatte. Es war, außen wie ihnen, in altjapansicher Tradition errichtet worden. Das mit verschieden Verzierungen versehene Haus wurde zur Spitze hin schmäler. Jedes Stockwerk zierte ein auf den Seiten angedeutetes Dach, welches in einem blassen Graublau gehalten war und einen Kontrast zu dem ockerfarbenen Gebäude darstellte.
Kaum hatte er die Tür geöffnet vernahm er den angenehm würzigen Geruch von einem, nahe am Eingang platzierten, Räucherstäbchen. Hier legte man viel Wert auf alte, japanische Traditionen. So hatten sich die Besucher die Schuhe auszuziehen und in eine Yukata zu schlüpfen. Diese einfachere Form des Kimonos empfand Ichigo als sehr bequem. Es hatte nicht lange gedauert bis er sie angezogen hatte. Ein breiter, dunkelblauer Obi hielt die dunkelrote Yukata zusammen.
Zuerst hatte dies alles auf Ichigo ein wenig befremdlich gewirkt, doch langsam fand er immer mehr Gefallen daran. Die Bibliothek war nicht bloß ein Ort des Wissens, sondern auch der Entspannung. Ein japanischer Garten schmückte die Aussicht aus dem Fenster und trug durch dessen offenem Spalt die verschiedensten Gerüchen hinein.
Goldene Drachen verzierten die Wand. Ein schmaler Weg führte zur Haupthalle.

„Ichigo", rief die wohl bekannte Stimme der Buchhalterin aus. Der Junge sowie ihre Katze wandten sich zu ihr um.
Ichigo nickte bloß leicht zur Begrüßung ging nahe an sie heran. Er wollte nicht, dass all die Anwesenden von seiner neuen Recherche etwas mitbekamen.
„Der neue Nachwuchsjournalist ist wieder da", meinte sie fröhlich.
Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Sein Traum war es tatsächlich Journalist zu werden. Dabei wollte er kein Journalist sein, der für Ansehen, Ruhm, Lob und einer Gehaltserhöhung, über Leichen ging. Nein, er wollte einer jener sein, die mit Herz und Verstand den Menschen zu helfen vermochten. Er wollte einer jener Journalisten sein, die Missstände und Ungerechtigkeit aufzeigten und die Menschen mit ehrlichen Nachrichten versorgten.

„Um was geht es denn heute?", fragte sie gut gelaunt.
„Sie haben doch sicherlich auch heute das Geschehnis am Himmel gesehen."
Die blonde Frau fuhr sich überlegend durch das Haar. Ihr Blick schweifte einige Mal zum Boden ab, bevor sie ihm antwortete. Ichigo merkte wie unangenehm ihr das war. „Ja, natürlich habe ich das gesehen." Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. „Kommst du mit, ich möchte das mit dir alleine besprechen."
Seine grünen Augen funkelten verwundert auf. Es musste nicht jeder hören womit sich der Stammgast der Bibliothek wieder beschäftigte, doch sie verschleierte all dies in einer geheimnisvollen Atmosphäre.

Er fügte sich selbstverständig ihrem Wunsch, auch wenn er ihr Verhalten nicht verstand. In einem verlassenen Zimmer konnten sie schließlich miteinander reden.
„Es ist besser, du mischt dich da nicht ein", erklärte sie schließlich geheimnisvoll.
Ichigo schüttelte den Kopf. „Ich habe mich bis jetzt über alles informiert. Es ist doch nicht gefährlich, wenn…"
„Doch!", rief sie erzürnt aus. „Glaubst du den Monstern entgeht nicht, wenn du etwas sie unternehmen möchtest?" Sie, die sonst so fröhliche Frau, wirkte auf den sensiblen Jungen plötzlich aufgewühlt und verzweifelt. „Und du weißt doch noch um den vor vier Jahren."
Ichigo nickte.
„Kurz bevor dies alles geschah überfielen Monster unsere Wohngegenden. Ich habe ein Solches selbst gesehen. Es war ein aufrecht gehender Dinosaurier mit drei Hörnern auf der Stirn."
Wie gebannt sahen seine Augen sie an. Er hörte ihr aufrichtig zu und verfolgte interessiert ihrem erzählenden Erlebnis.
Sie setzten sich.
„Dieses Monster tötete meinen Bruder. Es…" Sie stoppte um nicht in Tränen ausbrechen zu müssen. „…es zertrampelte ihn einfach."
Ichigo nahm die Hand der Frau und hielt sie mit beiden Händen fest. Stummer Trost war besser als Mut schenkende Wörter. Denn diese waren, auf der Suche nach den richtigen Wörtern, oft nicht ehrlich und aufrichtig. Sie heilt kurz inne und sah ichigo an. Seine Augen verrieten sein Mitgefühl.
„Ein anderes Monster, ein großer Drache, hat gegen es gekämpft. Dahinter standen zwei Jungen und es…" Ihr Blick verriet noch immer ihre empfunden Verwunderung von damals. „…tat ihnen nichts. Es beschützte die beiden."
„Wurde denn nicht der Stadtteil evakuiert?" Ichigo war es unangenehm in einer solchen Situation für sie zu fragen, doch sie nahm ihn dies anscheinend nicht übel.
„Das wurde er. Doch er lief zurück, da er glaubte, seine Tochter befinde sich noch dort. Dies geschah bevor der Drache gegen das Monster kämpfte."
Die beiden saßen für einige Minuten schweigend am Boden. Ichigo Griff um ihre Hand wurden ein wenig fester und er freute sich, dass sie seinen stillen Trost dankbar annahm.
„Okay", flüsterte sie schließlich und hievte sich wieder gemächlich auf die Beine. „Danke."

An diesem Tag war Ichigo nicht in der Laune seine Recherchen durch elendlanges Suchen in Büchern zu beginnen. Doch durch dieses Gespräch hatte er, wenn er denn Glück hatte, mehr erfahren als bei drei Tage durchgehender Arbeit.
Wieder seine Straßenkleidung angezogen wollte er bereits die Bücherei verlassen. Jedoch hielt er bei der Tür inne und ging zurück. Es gab noch etwas, das er unbedingt wissen musste…
„Warum wäre es gefährlich für mich nachzuforschen?", fragte er sie.
Ichigo hoffte, die Frage war nicht zu direkt. Hoffentlich verletzte er sie nicht durch seinen Willen dies trotzdem fortzusetzen. Schließlich war dies der Grund warum sie ihm diese sehr persönliche Geschichte erzählt hatte.
Die blonde Frau sah traurig von dem Buch, indem sie vertieft war auf. „Wir, mein Bruder und ich, haben auch damals recherchiert. Kurz vor diesem Erlebnis sind wir noch unseren Spuren nachgegangen. Kann es denn ein Zufall sein, dass das Monster gerade meinen Bruder getötete hat? Es hat bestimmt darum gewusst und es mit Absicht getan." Ihr Blick wurde ernst. „Ichigo bitte, tu das nicht!"
Der Junge nickte bloß. „Dann werde ich es nicht tun." Doch sein wahres Vorhaben wich von diesem Versprechen ab. Er wollte ihr die Sicherheit geben, dass er nicht in Gefahr war.
„Dann ist gut", meinte sie und schenkte ihm ein Lächeln. Doch dieses Mal wirkte jenes getrübt.

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch verließ Ichigo die Bibliothek. Er machte sich Vorwürfe ob der Lüge. Und was war wenn sie Recht behalten sollte und die Monster all jene straften, die mehr über sie herausfinden wollten? Zugegeben glaubte der Junge nicht daran, doch es war möglich…
Neko folgte ihrem ‚Besitzer' noch bis zur Bahnhaltestelle und wartete dort mit ihm. Ichigo wollte nach Hikarigaoka. Die Nachrichten sprachen damals hauptsächlich von erscheinenden Monster in jenem Stadtteil. Es konnte Zufall sein, doch Ichigo hielt es für wahrscheinlicher, dass es einen Grund dafür gab. Die Fahrt war langwierig und ließ dem Jungen die nötige Zeit um nachzudenken. Die Frau tat ihm leid. Wenn er helfen hätte können, hätte er dies getan.
Ichigo sah in Gedanken versunken auf die vorbeirasende Landschaft. Tokio bestand in großen Teilen aus aneinander gedrängte Häuser. Manche Stellen wirkten auf ihn wie ein graues Meer. In einer so großen Metropolenstadt wurde der Einzelne unwichtig - bloß noch für Freunde, Familie und Partner wichtig.
Ichigo stieg abermals um. Hikarigaoka lag weit entfernt, doch die Informationen, welche auf ihn warteten, waren die lange Fahrt wert. Nach einer Stunde war er endlich dort angekommen. Er ging in Gedanken seine bereits aus Nachrichten gesammelten Informationen durch. Vor mehreren Jahren gab es hier, laut der Erzählung seiner Eltern, denn er selbst war noch zu jung gewesen, einen Kampf zwischen einem vogelähnlichen Ungeheuer und einem Dinosaurier. Es gab danach abermals Berichte indem man erfuhr, dass es abermals Kämpfe zwischen hiesigen Kreaturen gab.
Eine Nachricht hatte ihn besonders interessiert: In Hikarigaoka war vor etwa viereinviertel Jahren ein schwarzes Meer am Himmel zu sehen gewesen. Es erstreckte sich bloß über wenige Meter und nicht wie all die anderen Erscheinungen über den gesamten Planeten. Diesem Ereignis war Ichigo bereits auf dem Grund gegangen und Augenzeugen zufolgen kämpften drei Wesen, welche Kinder beschützten, gegen ein Wesen, welches in seinem Aussehen einem Dämon gleichkam.
Ichigos Blick richtete sich in den Himmel. Konnte es denn sein, dass es gute und böse Wesen gab? Was hatten die Kinder stets bei den guten Wesen zu suchen? Brauchten sie etwa einander? Der Junge konnte sich bloß auf seine Informationen berufen und sich aus diesen seine Meinung bilden.

Nach einem langen Tag von Befragungen schien er schließlich mehr zu wissen. Ein Mann hatte ihn erzählt, dass an verschiedenen Kampfplätzen stets die Selben Kinder sowie Monster auftauchten. Ichigo lächelte zurfrieden auf seinem Heimweg. Es gab also Menschen, die fremdartige Wesen besaßen. Und sie kämpften mit ihnen wohl gegen die feindseligen Ungeheuer. Dies alles hatten seine Befragungen ergeben.

Er richtete sein Blick aus dem Fenster der Bahn. Es war bereits dunkel geworden und Tokio erstrahlte in einem wunderschönen Licht. All die Hoch und Wohnhäuser gaben Lichter ab und erfüllten mit ihnen die Straßen. Während er aus dem Fenster sah konnte er besonders gut seine Gedanken schweifen lassen. Wie es wohl war selbst mit einem solchen Wesen an seiner Seite gegen das Böse zu kämpfen? Einerseits ließen diese Gedanken Ichigo träumen und sich all jene tolle Sachen vorstellen. Andererseits wollte er nicht unbedingt kämpfen.
Sein Blick fiel auf die Uhr. Es war bereits viertel nach elf und er sollte bereits seit etwa zehn Minuten zu Hause sein. Rasch hatte er seine Mutter angerufen, denn jene sorgte sich bestimmt. Ihre Stimme klang am anderen Ende der Leitung erleichtert. Sie war froh, dass er anrief.

Ichigo verspürte Müdigkeit von all der Fahrt und den Befragungen. So war er froh als die Bahn endlich bei seiner Station anhielt und er bloß noch zu seiner Wohnung gehen musste. Die Lichter der Laternen tauchten die Straßen in ein warmes Licht. Es fiel leicht in den Anfang der Eckgassen ein, doch der Rest sollte von jenen blieb verdunkelt. Wie eine pechschwarze Höhle erstreckten sich sie sich zu den Seiten.
Ihm war stets unwohl wenn er nachts daran vorbeigehen musste. Die Angst war nicht einmal durch ein schreckliches Erlebnis begründet, doch sie war dennoch da.
Ichigo sperrte mit einem schlechten Gewissen schließlich um elf Uhr die Tür zu seiner Wohnung auf. Er ließ den Blick getrübt zum Boden abschweifen. „Tut mir leid", flüsterte er. „Ich wollte dir keine Sorgen machen."
Seine Mutter lächelte. Sie war ihm nicht böse. „Kein Problem, du hast ja angerufen."
Auch sein Vater schüttelte bloß lächelnd den Kopf.
„Gute Nacht!", rief er schließlich aus seinem Zimmer. Er war müde und wollte nur noch schlafen.

Aus Gewohnheit schaltete er seinen Computer an um seine E-Mails zu kontrollieren.

Ein grelles Licht kam aus seinem Computer. Das Programm fuhr sich nicht hoch. Wie gebannt fuhren Ichigos Finger über den Bildschirm. Eine eigenartige Kraft schien ihn anzuziehen, den Jungen in seinen Bann zu ziehen. Ichigo versperrte die Tür zu seinem Zimmer. Sein Computer funktionierte sonst doch einwandfrei. Doch er schien keine auch nicht defekt zu sein. Das schier so reine Licht erstrahlte in seinem Zimmer. Das konnte kein Fehler des Gerätes sein.
Ichigo konnte sich sein Handeln selbst nicht erklären, doch er legte, wie in Trance versetzt, seine Hand auf den Bildschirm. Eine Energie sammelte sich in seiner anderen. Rote Energiefunken sammelten sich in seiner linken Hand. Sie schienen all die anderen anzuziehen, denn langsam formten sie sich. Das rote Licht rotierte um die anderen und gab schließlich einen grellen Blitz ab. Ichigo empfand keine Angst, denn jene Energie strahlte Wärme aus. Seine Augen gewöhnten sich langsam an das seltsame Licht. Als es verschwunden war gab die klare Sicht den Blick auf ein längliches, rotes Gerät frei. Es passte sich seiner Hand an.
„Was ist das?", hauchte Ichigo. Seine Stimme versagte.
Er richtete seinen Blick abermals zu seinem Computer. Der Bildschirm schien als würde er ihn rufen. Fast so als würde er ihn rufen, um zu kommen…um das Gerät ihn entgegenzuhalten.
Ein wenig zögernd fügte sich Ichigo diesem Gedanken. Er wusste nicht den Grund, doch es würde ihm nichts geschehen. Das wusste er mit Bestimmtheit.
So hielt er das aus Licht entstandene Gerät gegen den Computer. Ichigo sah kurz erschrocken auf. Ein Sog schien ihn in den Bildschirm zu ziehen, doch etwas in ihm verbot dem Jungen sich dagegen zu wehren. So gab er sich jenem einfach hin.

Ichigo spürte, dass er auf Gras lag bevor ihm die Augen zufielen und ein tiefer Schlaf sich wie ein Schleier über ihn legte.