Anmerkung : Hallo, so hier ist nun das nächste überarbeitete Kapitel. Einiges ist so geblieben, wie es war, an einzelnen Stellen sind neue Szenen dazu gekommen.
Würde mich über ein kleines Review ganz ganz doll freuen. °lächelt°
Vielen Danke an Weide, JoeyMauz, Lunniluna für die lieben Reviews.
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, bei Logikfehlern bitte darauf hinweisen °grinst° fällt schon mal schwer durch alles durchzusteigen.

Viel Spaß beim Lesen

Kapitel 2 - Gründe, Unverständnis, Wut -

Draco hatte auch am nächsten Tag keine Chance mit seinem Patenonkel zu reden, denn dieser tauchte weder zu den Essen in der Großen Halle auf, noch reagierte er auf das wilde Klopfen und Rufen des Slytherins an seiner privaten Tür.

Langsam aber sicher verlor der Blonde einfach nur die Geduld. Dumbledore schüttelte immer nur den Kopf sobald Draco auch nur den Anschein machte über Snape sprechen zu wollen. Es waren noch einige Tage bis zum Schulbeginn, dennoch trudelten nach und nach sämtliche Lehrer ein.

Keiner von ihnen stellte eine Frage, warum Draco Malfoy innerhalb der großen Sommerferien in Hogwarts war.

Zwei Tage nach seiner Ankunft in Hogwarts und dem doch sehr denkwürdigen Besuch bei Potter erwischte Draco Severus endlich, als dieser spät Abends in die Kerker hinabstieg. Snape wirkte unheimliche müde, abgespannt und unaufmerksam. Etwas der Slytherin gar nicht von seinem Patenonkel kannte.

Gerade stand der Meister der Zaubertränke auf der letzten Stufe und schien sich selbst davon überzeugen zu müssen auch weiter zu gehen, als plötzlich neben ihm eine leise Stimme erklang. „Onkel Sev, hast du vielleicht einen Moment Zeit für mich?" Im ersten Moment erschrocken, doch ziemlich rasch begreifend, das es sein Patensohn Draco war, der dort neben der Treppe im Dunklen stand nickte Snape.

Der Blonde folge seinem Lehrer in seine Privaten Gemächer. Dort angekommen ließ Snape sich wortlos auf einen gemütlich aussehenden Sessel sinken, die Augen geschlossen und scheinbar weit weg mit seinen Gedanken. Draco schwieg, er kannte Severus gut genug um zu wissen, das er ihn jetzt lieber in Ruhe ließ.

Statt dessen machte er sich daran in dem großen Kamin ein warmes Feuer zu entfachen, denn trotz der eigentlich noch sehr sommerlichen Temperaturen war es hier in den Kerkern außerordentlich kalt. Sekunden lang hockte Draco noch vor dem Kamin, genoss die warmen Strahlen des Feuers auf seiner Haut, doch dann hört er hinter sich ein leises Räuspern.

„Draco, was denkst du von dem Dunklen Lord?" Der Blonde warf einen kurzen Blick über die Schulter auf den Mann in dem Sessel, der noch immer die Augen geschlossen hielt, dann sah er wieder in Feuer. Nahm sich Zeit zum Überlegen.

„Ich bin nicht mit dem Einverstanden was er macht, Onkel Sev, aber ich denke das habe ich dir bereits gesagt." Dracos Stimme war leise und dennoch laut genug um von Snape verstanden zu werden.

„Ich bin ein Todesesser, aber ich bin ein Spion in der Reihen derer zu denen dein Vater zählte, Draco. Ich spioniere für Albus Dumbledore." Leise Worte, in ihnen schwang Unsicherheit mit.

Draco wirbelt herum. Er hatte so etwas erwartet. Hatte sich so etwas in den ruhigen Nachtstunden in seinem Zimmer in Slytherin ausgemalt, hatte spekuliert, hatte gezweifelt und hatte gehofft, das Snape einer anderen Aufgabe nachging. Der Blick seiner Sturmgrauen Augen hing an dem müden Gesicht des Schwarzhaarigen.

„Aber, letztes Jahr, als Voldemort zurückgekehrt ist..." begann Draco. Severus schüttelte den Kopf. „Damals bat Albus mich meinen alten Job wieder aufzunehmen. Ein erneuten Drahtseilakt durchzuziehen. Draco ich tue das hier, damit deine Generation eines Tages vielleicht in Ruhe und Frieden leben kann." Und ein Teil meiner Schuld gesühnt wird. Setzte der Lehrer in Gedanken noch hinzu.

„Warum hast du mich mit nach Hogwarts genommen?" fragte Draco nach einigen Minuten Schweigen. Sein Blick hing noch immer an den bleichen Zügen seines Patenonkels, welcher noch immer mit geschlossenen Augen in seinem Sessel saß. Langsam öffnete der Professor nun die Augen, sah seinen Schützling durchdringend an.

„Deine Mutter wird sich gegen den Dunklen Lord stellen und um sicher zu sein, das ihr einziger Sohn in Sicherheit ist hat sich mich gebeten, dich mit hier her zu nehmen." Draco keuchte. Ein Tonardo an Gedanken stieg in ihm hoch. Er sprang von seinem Platz vor dem Kamin auf und starrte seinen Patenonkel an.

„Und was ist mit ihr?" flüsterte er. Severus seufzte erneut, erhob sich langsam aus dem Sessel und trat näher an Draco heran. „Sie wird sich eine Weile verstecken, wahrscheinlich geht sie ins Ausland." Er streckte eine Hand nach dem Slytherin aus. „Komm her Draco." Leise Worte ohne den für den Professor üblichen Sarkasmus.

Ohne große darüber nach zudenken nahm Draco die dargebotene Hand seines Patenonkels und fand sich Sekunden später in einer der seltenen Umarmungen wieder. „Ich kann dir nicht versprechen, das ihr nichts geschieht, aber ich werde alles menschenmögliche tun, damit sie unbeschadet aus alldem hier herauskommt, Draco das verspreche ich dir." Flüsterte Severus. Dem Blonden blieb nichts weiter übrig als an der Schulter seines Lehrers zu nicken.

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Die letzte Woche bis zum Schulbeginn war unerträglich langweilig für Draco Malfoy. Zwar konnte er hier alles machen, wozu er gerade Lust hatte, aber dennoch war hier einfach nichts los. Sein Patenonkel hatte kaum Zeit für ihn, da Voldemort ein Treffen nach dem anderen einberief. Und selbst wenn der Professor mal im Schloss war, war er meist bei Dumbledore. Die meiste Zeit verbrachte er auf dem Besen hoch über dem Quidditschfeld oder in der Bibliothek, eingegraben zwischen riesigen Stapeln Büchern. Immer und immer wieder fragte er sich warum Potter so gleichgültig auf ihn, seinen Schulerzfeind, reagiert hatte. Doch eine plausible Antwort gab es nicht.

Endlich, endlich waren die letzten Tage bis zum 1. September vergangen. Draco stand zur Feier des Tages sogar um acht Uhr morgens auf und begab sich zum Frühstück in die große Halle. Die vier Haustische waren an den Wänden hochgestapelt und in der Mitte der Halle stand ein einzelner Tisch. Sämtliche Lehrer waren bereits anwesend, einschließlich Severus Snape. Den jedoch ignorierte Draco gewissenhaft, denn er war immer noch ein wenig sauer dass sein Patenonkel sich so selten um ihn gekümmert hatte. „Ah, Mister Malfoy. Es ist uns eine Freude Sie heute morgen zu sehen.„ Dumbledore war aufgestanden um Draco zu begrüßen.

Malfoy verdrehte innerlich die Augen, nach außen hin lächelte er höflich und nahm links neben Snape am Tisch Platz. Dumbledore schien es sich zum Ziel gesetzt zu haben ihn in den Wahnsinn zu treiben, denn er hielt das ganze Frühstück über nicht einmal seinen Mund.

Gerade als Draco nahe dran war, der Versuchung, Dumbledore einen Fluch auf den Hals zu hetzen, zu erliegen, schüttelte sein Patenonkel nur den Kopf. Entnervt schluckte Draco den Fluch der ihm auf den Lippen gelegen hatte runter und spülte mit einem großen Schluck Kürbissaft nach.

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Harry Potter stand am Morgen des 1.Septembers schon ziemlich früh am Bahnhof in London. Sein Onkel hatte ihn bereits um acht Uhr hier abgeliefert. In Gedanken hörte Harry immer noch seine Worte. "Für einen Freak wie dich, fahr ich doch nicht zweimal nach London. Um halb neun muss ich auf der Arbeit sein!„ Dabei hatte Vernon ihn aus seinen Schweinsaugen miesgelaunt angesehen.

Eigentlich war er froh so früh hier zu sein, da konnte er in aller Ruhe noch Frühstücken. Und er würde nicht mit all den fröhlichen Familien durch die unsichtbare Barriere am Gleis 9 ¾ gehen müssen. Es war Zeit genug sich ein Abteil zu sichern und sich dann in ein Buch zu vertiefen.

Lesen war in den letzten beiden Wochen seiner Ferien ein großer Bestandteil seines Lebens geworden. Mittlerweile konnte er verstehen warum Hermine ständig und immer so viele Bücher mit sich rumschleppte. In der Zeit, in der Harry las konnte er alles vergessen und als angenehmen Nebeneffekt konnte er sogar was daraus lernen. Den Stoff des letzten Jahres hatte er bereits wiederholt.

Genüsslich trank der Schwarzhaarige seinen Kaffe und vertiefte sich in „Fortgeschrittene Verteidigung„. Ein Buch das er sich aus der Winkelgasse bestellt hatte. Fasziniert, was alles so möglich war an Abwehrzaubern und Flüchen, blätterte Harry die Seiten um. Ab und an huschte sein Blick auf die Uhr.

Kurz vor Zehn Uhr suchte der Gryffindor seine Sachen zusammen, zahlte die Rechnung und schlenderte in Richtung Gleis 9 ¾. Eilig hatte er es nicht. Es würde noch niemand da sein, erst in einer halben Stunde überfluteten Familien mit ihren Hogwarts-Kindern den Bahnhof.

Harry hatte sich ein Abteil ganz am Ende des Zuges ausgesucht. Den massiven Schrankkoffer hatte er in das Gepäcknetz gewuchtet und Hedwigs Käfig sich gegenüber auf die Sitzbank gestellt. Eine Weile sah er aus dem Fenster und hing seinen Gedanken nach. Letztes Jahr hatte Sirius ihn zum Bahnhof gebracht. Zwar in seiner Animagusgestalt, aber er war da gewesen.

Mit aller Macht drängte Harry den Gedanken daran, dass Sirius nie wieder mit zum Bahnhof kommen würde, beiseite und holte sein Buch aus dem Rucksack hervor. Es würde nicht mehr lange dauern bis Ron und Hermine hier auftauchten, und auf diese Begegnung freute der Gryffindor sich überhaupt nicht.

Wenn er ehrlich war, hatte er in den Ferien so eine Art Hass gegen seine beiden – für ihn ehemaligen – besten Freunde entwickelt. Sicherlich würde er ihnen nicht so extrem gegenübertreten wie dies Malfoy tat, aber er würde sie spüren lassen das er sauer war. Verdammt sauer. Und enttäuscht. Harry seufzte. Dieses Schuljahr konnte ja heiter werden!

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Ron und Hermine hatte sich umfangreich von ihren Familien verabschiedet. Zwar hatten sie sich gewundert, Harry nicht auf dem Bahnsteig zu sehen, doch hielten sie beide es für wahrscheinlich, dass er bereits im Zug auf sie wartete. Sie hatten sich geschworen ihn zur Rede zu stellen, dafür das er sich nicht ein einziges Mal gemeldet hatte. Nie war eine Antwort auf ihre Briefe gekommen.

Ganz am Anfang der Ferien hatte Harry einen Brief an Remus geschrieben, in dem stand, dass er sich nur dieses eine Mal melden würde. Er hatte geschrieben, dass er sehr gut allein klar kam. Nur wenige Zeilen hatte der Brief enthalten und Harry hatte seine Ankündigung war gemacht. Kein Brief, kein Anruf, kein Gar nichts.

Scheinbar hatte es Harry kein Stück interessiert das seine Freunde umkamen vor Sorge um ihn. Hermine hatte Nächte lang nicht schlafen können und Ron hatte jeden, der Harrys Namen sagte fast erwürgt vor Wut. Nur Ginny hatte dem ganzen Treiben ihres Bruders und dessen Freundin gelangweilt zugesehen. Sie konnte verstehen, dass der schwarzhaarige Gryffindor sich nicht gemeldet hatte. Wie sollte er denn über den Tod von Sirius hinweg kommen, wenn ihn ständig alle daran erinnerten. Auch wenn sie es gut meinten, schüttelte Ginny bei jedem Wutausbruch Rons nur den Kopf.

Hermine und Ron hatte nun schon fast den ganzen Zug durchkämmt, aber Harry Potter hatte sie nicht gefunden. Allerdings auch Draco Malfoy nicht, was Ron nun bestimmt schon zum Hundersten Mal mit Genugtuung bemerkte. „Vielleicht hat ihn Dumbledore ja endlich von der Schule verwiesen! Oder noch besser...„ Hermine warf ihrem Freund einen Blick zu der Snape Konkurrenz machte und so schwieg er lieber. „Es bleiben nur noch zwei Abteile. Hoffentlich macht er nicht wieder irgendwelchen Unsinn!„ Murmelte das Mädchen mit den buschigen braunen Haaren.

Erleichtert seufzten die beiden, als sie ihren vermissten Freund im allerletzten Abteil des Zuges fanden. Lesend und sie nicht wirklich beachtend, aber immerhin war er da. Hermine schloss geräuschvoll die Abteiltür und ließ sich auf einem der Sitzplätze nieder. „Hallo Harry!„ Hermines Stimme klang fest, obwohl sie nur flüsterte. Harry jedoch sah nur kurz auf und nickte den beiden zu, dann versank er wieder in seinem Buch. „Mensch, Harry! Seit wann liest du?„ Nun sah der angesprochene Ron einen Augenblick an.

„Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, Weasley, ich lese öfters mal!„ Schweigen. Dröhnendes Schweigen herrschte. Hermine und Ron warfen einander besorgte Blicke zu. War das wirklich der Harry, den sie kannten? „Bitte Harry! Ich weiß nicht, was mit dir los ist! Erst antwortest du auf nicht einen Brief und jetzt das! Was ist los mit dir, Harry?„ Hermine war aufgestanden und hatte eine Hand auf das Buch gelegt, welches Harry las.

Der Gryffindor seufzte, legte das Buch neben sich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wenn du das nicht weißt, Miss Oberschlau, wer dann?„ Zischte er. Genüsslich nahm er die schockierten Reaktionen der beiden wahr. Sollten sie sich doch Sorgen machen! Sie kannten ihn ja nicht einmal wirklich.

Hermine brauchte einige Sekunden um sich zu fangen. Ihr Blick fixierte Harrys, aber in den Smaragdgrünen Augen des Jungen konnte sie keine Reue finden. Nur Kälte und Gleichgültigkeit. „Nun gut Harry! Ron und ich müssen...„ Harry funkelte sie wütend an, doch Hermine ließ sich nicht irritieren. „Wir müssen ins Abteil für die Vertrauensschüler! Und nachher wirst du uns Antworten geben! Hast du gehört, Harry?„ Der Schwarzhaarige schnaubte. „Wenn du meinst.„ Murmelte er und nahm sein Buch wieder zur Hand.

Das Verhalten von Harry konnte man schon nicht mehr seltsam nennen! Es war beängstigend. Auch wenn Hermine nicht hätte sagen können, warum es so war. Sie zog Ron hinter sich aus dem Abteil. Dieser schien genauso perplex zu sein wie sie, denn er hatte nicht ein Wort mehr gesagt, seitdem Harry ihn beleidigt hatte. In einem war Hermine sich jedoch sicher, es musste eine Antwort für das eben geben! Und sie würden sie herausfinden!

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Als Hermine und Ron zwei Stunden später aus dem Abteil für Vertrauensschüler wiederkamen, schlief Harry tief und fest. Regelmäßige Atemzüge hoben und senkten das Buch, das auf seiner Brust lag. Seufzend ließen die beiden sich auf die noch freien Sitzplätze sinken. Wie erwartet war auch Malfoy dieses Jahr wieder Vertrauensschüler geworden, nur das dieser nicht anwesend gewesen war! Während Ron sich lang und breit im Flüsterton darüber ausließ, grübelte Hermine über Harrys Verhalten nach.

Einerseits konnte sie ihn verstehen. Sowohl Ron als auch sie hatten sich nicht unbedingt wie wirkliche beste Freunde verhalten, aber das gab ihm noch lange nicht das Recht sich dermaßen daneben zu benehmen. Nach einigen Minuten Grübelns nahm sie sich ein Buch aus ihrem Rucksack und verscheuchte ihre Gedanken mit „Arithmantik leichgemacht„. Ron´s Beschwerden ignorierte sie gekonnt.

Harry hörte das kratzende Geräusch der Abteiltür, die geöffnet und wieder geschlossen wurde. Hermine und Ron waren wieder da. Innerlich seufzte Harry und beschloss vorerst so zu tun, als ob er schlafen würde. In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, zumeist beherrscht von einer tiefen Enttäuschtheit und Wut darüber das ihn einfach niemand verstand.

Hatte er nicht deutlich genug gesagt, dass er nicht wünschte mit Hermine und Ron zu reden? Manchmal kam er sich wirklich vor, als würde er eine Sprache sprechen, die niemand sonst auf diesem Planeten beherrschte. Fast hätte er gelacht, denn im Grunde war es so. Zumindest beinahe, schließlich sprach nicht jeder Parsel!

Einige Momente lang lauschte Harry den geflüsterten Beschwerden von Ron über Malfoy, doch nach und nach drifteten seine Gedanken ab. Führten ihn zurück zu der letzten Fahrt mit dem Hogwarts-Express in Richtung seiner Schule. Damals hatte er noch Hoffnung, war irgendwie froh endlich nach Hogwarts zu können. Aber heute war es wie eine Rückkehr zu etwas, was er im Grunde schon über hatte.

Sicher war Hogwarts mehr sein Zuhause als das Haus der Dursleys, aber alles in der Zaubererschule erinnerte ihn an jene Leute, die in den letzten Jahren gestorben war. Vor allem an Sirius. Das Gespräch mit Sirius am Kamin im Gemeinschaftsraum huschte kurz durch seine Gedanken, doch er schob es energisch an die Seite. Um nichts in der Welt wollte er erneut in diesen trüben Gedanken versinken! Langsam hüllte ihn das Rattern des Zuges ein und entführte ihn in die Welt der Träume.

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Draco stand an einem Fenster, von wo aus er auf den Weg zur Schule hinauf blicken konnte. Bald, in etwa einer Stunde würden die Schüler aus den Ferien zurück sein und das Schloss mit Lärm und Lebendigkeit füllen. Er war sich nicht sicher, ob er sich wirklich darauf freute. Viele seiner Klassenkameraden musste er nicht unbedingt wiedersehen. Crabbe und Goyle konnten ruhig zu Hause bleiben oder wo auch immer! Intelligenz war nicht gerade das, was die beiden auszeichnete und mit der Zeit war er ihre Gesellschaft mehr als leid gewesen.

Wo und wann auch immer er konnte, hatte er sich bemüht ihnen zu entgehen, leider mit mäßigem Erfolg. Der Blick des Slytherin wanderte zu dem großen See. Unglaublich, dass es schon so lange her war, seit er selbst als Erstklässler über diesen See gefahren war.

Severus Snape beobachtete seinen Patensohn von weitem. Schon seit dem Tag, an dem er ihn mit nach Hogwarts genommen hatte, fragte er sich, was in Dracos Kopf vor sich ging. Er hatte wegen Potter keine Fragen mehr gestellt, und das war es, was Severus wirklich verwunderte. Es schien, als habe der Besuch bei dem Erzfeind seines Patensohnes Nachdenklichkeit hinterlassen, aber sicher sein konnte man sich bei Draco in solchen Sachen nie. Obwohl er gerade das sechszehnte Lebensjahr überschritten hatte, konnte Draco wie kaum ein Zweiter seine Gefühle hinter einer undurchdringlichen Maske verstecken.

Ein ums andere Mal hatte der Tränkemeister mit dieser Tatsache schon Probleme gehabt. Er konnte Draco häufig nicht richtig einschätzen, geschweige denn voraus sagen wie dieser sich verhalten würde. Mit Spannung erwartete er das erste Zusammentreffen von Draco und Potter nach diesem, doch sehr denkwürdigen Besuch in den Ferien.

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Unsanft wurde Harry aus seinem, ausnahmsweise einmal traumlosen Schlaf gerissen. Hermine rüttelte noch immer an seiner Schulter, als er die Augen einen Spalt breit öffnete." Lass mich in Ruhe!„ Knurrte Harry dem Mädchen zu und erhob sich. Hermine wich ein Stück zurück, doch dann kehrte sich die Erschrockenheit in ihren Zügen zu Entschlossenheit.

Trotzig schob sie das Kinn nach vorne. „Du bist uns einige Antworten schuldig, Harry!„

Der Angesprochene zuckte nur mit den Schultern und suchte sich eine Schulrobe aus dem Rucksack. Beiläufig viel sein Blick aus dem Fenster, wo gerade der Bahnhof von Hogsmeade in Sicht kam. Mit einem Ruck, der Harry fast von den Beinen holte, hielt der Zug.

Aus dem Augenwinkel bekam er mit, dass Hermine und Ron das Abteil verließen, dann zog er sich seine Robe über. Noch einmal fiel sein Blick aus dem Fenster. Dunkelheit herrschte dort draußen. Ein unscheinbares Grinsen schlich sich auf Harrys Gesicht. Dieses Schuljahr würde noch einige Überraschungen für alle bereit halten!

„ERSTKLÄSSLER ZU MIR!„ Ertönte die vertraute Stimme Hagrids. Harrys Herz machte einen kleinen Sprung. Hagrid war eine feste Konstante in seinem Leben und der erste richtige Freund, den er je gehabt hatte. Von weitem winkte der Halbriese ihm zu und Harry winkte fröhlich zurück. Eine Sekunde lang folgten seine Blicke den vielen Erstklässlern, die unsicher und ein wenig ängstlich auf Hagrid zu gingen, sich zwingend den Blick abzuwenden folgte er den restlichen Jugendlichen in Richtung der Kutschen.

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Draco starrte wie gebannt zu den Schülern, die in die Große Halle strömten. Fast auf Anhieb fand er den schwarzhaarigen Gryffindor. Genau wie damals bei ihrem Besuch, starrte Potter auf irgendeinen Punkt, scheinbar ohne wirklich zu registrieren, wo er war und was um ihn herum geschah. Der Junge, der lebt blieb abrupt stehen, die Menschenmengen zogen an ihm vorbei.

Mit einem Mal wurde Draco bewusst, dass es wirklich so war. Harry Potter wurde umringt und doch zogen alle an ihm vorbei, führten ein normales Leben. Einzig und allein er blieb zurück. Hart schluckte der Slytherin. Seit wann mache ich mir Gedanken um Potter? Draco seufzte und schüttelte den Kopf

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In der großen Halle setzte Harry sich soweit wie möglich von Ron und Hermine weg. Sein Bedarf an Fragen war wieder einmal gedeckt! Obwohl er wusste, dass es nicht möglich war den beiden für immer aus dem Weg zu gehen, war es zumindest für den Moment eine Lösung. Ohne Interesse sah er sich um. Am Gryffindor-Tisch fand er alle bekannten Gesichter. Neville lächelte ihm zu und auch Ginny nickte kurz als sein Blick sie strich. Ravenclaw und Hufflepuff überging er. Was ihn schon ein wenig verwunderte war, dass auch der Slytherin-Tisch voll besetzt war. Entweder hatte Voldemort sich geweigert unausgebildete Zauberer aufzunehmen oder aber er hatte einige Spione in die Schule geschleust. Rasch verscheuchte er den Gedanken daran wieder.

Um ihn herum fingen die Schüler an zu toben und zu jubeln, scheinbar hatte Gryffindor seinen ersten neuen Schüler dieses Jahr bekommen. Harry interessierte das nicht im Geringsten, er nahm weder wahr wer der neue war, noch in welches Haus der nächste aufgerufene Schüler kam. Vergraben in Gedanken registriere er nicht einmal Dumbledores Ansprache. Erst als der Direktor den neuen Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste vorstellte sah Harry interessiert zum Lehrertisch. „Professor Rinker wird dieses Jahr den Unterricht übernehmen, er ist Auror und ich denke ihr könnt eine Menge von ihm lernen!" Neben Dumbledore war ein Mann mitte Vierzig aufgestanden und winkte nun den Schülern zu.

Irgendwas an diesem Mann machte ihn Harry auf Anhieb sympathisch. Das Dunkle Haar war sorgsam im Nacken zusammen gebunden und ein freundliches Lächeln lag in auf den Lippen des Lehrers. Harry war sich sicher, dass Dumbledore recht hatte und sie ausnahmsweise mal wieder einen fähigen Lehrer in diesem Fach hatte. Wie von selbst klatschte er begeistert mit den anderen Schülern mit.

Harry hing wieder einmal seinen Gedanken nach. Das Essen und den Trubel des Aufbruchs der Gryffindor bekam er nur am Rande mit. Ließ sich mitreißen von den Schülern, ging unter in der Masse. Sich seiner Schritte nicht bewusst, stellte Harry nach einer ganzen Weile fest, dass er auf dem Weg zum Turm seines Hauses war. Etwas in ihm sträubte sich. Nun war die Konfrontation mit Ron und Hermine wohl nicht mehr zu vermeiden!

Ähnlich Gedanken gingen auch Ron und Hermine durch den Kopf. Sie hatten sich fest vorgenommen mit ihrem Freund zu reden. Keiner der beiden wollte Harry als Freund verlieren, dazu hatten sie einfach schon zuviel miteinander durchgemacht!

„Viribus unitis„ flüsterte Hermine als sie vor dem Portrait der Fetten Dame stand. Mit den Schülern in ihrem Rücken betrat das Mädchen den Gemeinschaftsraum, drehte sich um. Sie wartete bis alle anwesend waren und das Portraitloch sich geschlossen hatte. „Hört mir bitte alle zu!„ Mit lauter Stimme versuchte Hermine Ruhe in das Geplapper ihrer Mitschüler zu bringen. Ihr Blick huschte zu Ron hinüber, der sich strategisch gut schräg hinter Harry platziert hatte. Der Rothaarige würde ihn aufhalten, wenn Harry sich heimlich verdrücken wollte.

Beruhigt dadurch gelang ihr nach einiger Zeit sich die Aufmerksamkeit aller zu verschaffen. „Das Passwort ist Viribus unitis! Schreibt es nicht auf, sondern merkt es euch gut!„ einige Schüler schielten kurz in Neville Longbottoms Richtung, welcher Knallrot anlief. Hermine seufzte innerlich. „Gute Nacht!„ Sagte sie und lächelte den Erstklässlern aufmunternd zu. Einige wünschte ihr ebenfalls eine geruhsame Nacht und nach und nach verschwanden die Schüler in ihren Schlafräumen.

Eigentlich hatte Harry gehofft, sich heimlich an Hermine und Ron vorbei schleichen zu können, doch gerade als er die Treppe zum Schlafsaal betreten wollte hielt ihn eine Hand am Arm fest. Resignierend seufzend drehte Harry sich um. Es war Ron, der ihn festhielt. „Du bist uns einige Antworten schuldig!„ Hermines Stimme war leise, doch es schwang eine geradezu beängstigende Entschlossenheit in ihr mit. Sein Blick huschte zu Ron, doch auch in seinem Gesicht stand das Verlangen nach Antworten. Antworten, die Harry ihnen ganz sicher nicht geben würde! Nicht heute und auch sonst nie!

Der Schwarzhaarige legte den Kopf schief. „Gibt es tatsächlich Fragen auf die du in deinen Büchern keine Antworten findest?„ Knurrte er unwillig. Eine Sekunde lang schien Hermine verunsichert, doch sie hatte sich schnell wieder im Griff. „Was soll das?„ Noch war ihre Stimme ruhig, doch Hermine wusste, lange würde sie sich nicht mehr beherrschen können.

„Genau! Harry, was treibst du für ein Spiel mit uns? Wir haben uns Sorgen gemacht! Warum hast du nie auf unsere Briefe geantwortet?„ Deutlicher Zorn vibrierte in Rons Stimme. Auch ein Blick aus den Smaragdgrünen Augen seines; wie er hoffte immer noch besten Freundes konnte ihn nicht zum Schweigen bringen.

„Den ganzen Sommer über haben wir uns Sorgen gemacht! Nicht ein Brief von dir! Nicht einmal ein 'es geht mir gut'! Nur dieser seltsame Brief an Remus! Kannst du dir auch nur im Geringsten vorstellen was wir durchgemacht haben? Und du? Du bist einfach nicht du selbst, du bist...!„ Harry knurrte. „Was bin ich?„ Schrie er. Hermine machte einen erschrockenen Satz nach hinten und Ron verstummte.

„IHR wollt MIR sagen, WER ICH BIN?„ Wut funkelte in seinen Augen und er spürte wie seine Magie anfing in ihm zu brodeln. Fast schien es, als wolle sie seinem Zorn Ausdruck verleihen, doch Harry beherrschte sich. „Ihr kennt mich nicht, seht doch nur den Helden in mir, wie alle anderen! Was, verdammt, wisst ihr schon! Gar nichts! Wollt ihr meinen Namen? Nehmt ihn euch!„ Brüllte der Gryffindor.

Angelockt von dem Lärm waren einige Schüler in den Gemeinschaftsraum zurück gekehrt. Doch das störte Harry nicht im Geringsten! Sollten doch alle seine Wut mitkriegen, vielleicht begriffen sie dann ja, dass er nicht war wie sie ihn sahen! Ron hatte sich halb vor Hermine gestellt und starrte Harry nun an. „Was?„ Zischte dieser.

„Du bist nicht du selbst, Harry!„ Sagte Ron leise, aber sicher. Nun reichte es ihm! Was dachte sich dieser Weasley eigentlich dabei? In dem geschlossenen Raum kam ein leichter Wind auf. „Halt die Klappe Weasley!„ Wo auch immer Ron diesen Mut hernahm, er hätte es lieber lassen sollen. „Ich heiße Ron, verdammt! Harry, du benimmst dich wie Malfoy!„

Etwas in Harry machte Klick und sein Verstand setzte für Sekunden aus. Mit einem lauten Schrei krachte Ron an die Wand, riss dabei Hermine um. In einer gewissen Weise amüsierte Harry sich über den Gesichtsausdruck des Rothaarigen, doch er hatte gesagt, was er sagen wollte. Langsam ging er an Hermine vorbei in Richtung Schlafsaal.

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Im Schlafsaal kroch Harry sofort in sein Bett, zog die Vorhänge zu und grub seinen Kopf in die Kissen. Er bereut nicht was er gesagt hatte, aber irgendwie tat es ihm leid. Ron und Hermine waren immerhin seine besten Freunde! Schnaubend drehte er sich auf die Seite. Es war zum Drachen melken!

Im Wegdämmern hörte er noch wie Ron in den Schlafsaal kam. Froh darüber, dass dieser keinen erneuten Versuch unternahm mit Harry zu sprechen, schlief er schnell ein.

Ron schmiss sich aufs Bett. Konnte oder wollte Harry nicht verstehen, dass sie sich Sorgen machten? Die Arme hinter dem Kopf verschränkt grübelte er noch eine Weile darüber nach und kam schließlich zu dem Schluss das niemand außer Harry selber eine Antwort darauf geben konnte! Allerdings war er sich nicht sicher ob er das jemals tun würde.

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Viribus unitis mit vereinten Kräften