Kapitel 3: Die Überraschung

Nach einer kurzen Fahrt kamen Tim und Mario beim Gebäude der Kriminalpolizei an. Da Mario gerade über Funk einen Befehl für einen Einsatz erhalten hatte, konnte er Tim nicht hinein begleiten.

"Sie finden Dr. Delektorsky im 3. Stock in der Gerichtsmedizin. Viel Spaß, wir sehen uns sicher noch!"

Tim stieg aus und Mario raste mit Blaulicht davon. Er machte sich auf die Suche nach der Gerichtsmedizin, was nicht so leicht war, da das Gebäude ziemlich verwinkelt war.

In der Gerichtsmedizin angekommen, sah Tim eine junge Frau, die mit dem Rücken zu ihm stand.

Er sprach sie an: "Entschuldigung, ich suche Dr. Delektorsky, können Sie mir sagen, wo ich ihn finden kann?"

Die Frau drehte sich um und wollte etwas sagen. Als sie Tim sah, erstarrte sie und sah ihn mit offenem Mund an. Tim starrte retour, da er nicht damit gerechnet hatte, in einer Gerichtsmedizin eine derart hübsche Frau anzutreffen. Sie war Ende 20, hatte lange dunkle Haare und blaue Augen, die ihn sofort gefangen nahmen.

Die Frau sagte kein Wort und da er annahm, dass sie ihn nicht verstanden hatte, fragte er nochmals langsam: "Entschuldigung, können Sie mich verstehen? Mein Name ist Tim Speedle, ich suche Dr. Delektorsky, Andy Delektorsky? Können Sie mir sagen, wo ich ihn finden kann?"

Die Frau löste sich aus ihrer Erstarrung, lief rot an und räusperte sich: "Ähm, hallo, ich bin Dr. Delektorsky. Andie mit ie." Sie begann zu stottern: "Also… ähm… eigentlich Christina, aber alle nennen mich nur Andie nach meinem zweiten Vornamen."

Es war ihr peinlich, dass sie ihn so angestarrt hatte, aber sie hatte sich unter einem CSI eher einen mindestens 40-jährigen, nicht gerade umwerfenden Kerl vorgestellt und war doch ziemlich perplex, als sie einen Mann sah, der nicht älter als 30 sein konnte und zerstrubbelte dunkle Haare und dunkle Augen hatte. Er war zwar unrasiert, aber er war gepflegt und roch gut. Seine tiefe Stimme und seine Augen hatte sie sofort in seinen Bann gezogen.

"Sagen Sie ruhig Andie zu mir, wenn ich mit Doktor angesprochen werde, fühle ich mich immer so alt", grinste sie, "wie ich immer sage, Frau Doktor Delektorsky ist meine Mutter".

Tim lächelte: "Also wenn das so ist: Hallo, mein Name ist Tim und wir werden wohl die nächsten drei Monate zusammen arbeiten." Sie schüttelten sich die Hände und Andie meinte: "Okay, nachdem das geklärt ist, werde ich dir mal mein Reich zeigen."

Andie führte Tim herum und während die beiden im Gebäude herummarschierten, unterhielten sie sich prächtig. Eine Sympathie war sofort auf beiden Seiten vorhanden.

Tim wunderte sich, warum Andie so flüssig englisch sprach und redetesie darauf an: "Du wirst es nicht glauben, aber ich bin halbe Amerikanerin und habe die ersten sechs Jahre meines Lebens in Miami gewohnt. Mein Vater ist eigentlich Russe, er ist aber als er jung war nach Amerika ausgewandert. Dort hat er meine österreichische Mama kennen gelernt, die damals seit kurzem Ärztin war und ein Praktikum in einem Krankenhaus in Miami gemacht hat. Die beiden haben sich verliebt, mein älterer Bruder Mike kam auf die Welt und dann ich. Nachdem mein Vater als Biologe überall arbeiten konnte, meine Mama aber die besten Berufschancen in ihrer Heimat hatte, sind sie mit Sack und Pack nach Wien gezogen. In Wien kamen dann noch meine zwei jüngeren Schwestern Linda und Ella zur Welt. Und, wie sieht es bei dir mit Familie aus?"

Tim druckste ein bisschen herum: "Ich komme ursprünglich aus New York, bin aber seit 6 Jahren in Miami. Mit meiner Familie habe ich wenig Kontakt, wir kommen nicht so gut miteinander aus. Ich habe einen Bruder, Ben, der 13 Jahre jünger ist als ich. Das ist ein ziemlich großer Altersunterschied." Andie musste lachen und Tim sah sie fragend an.

Andie rechtfertigte sich: "Meine Schwestern sind 10 und 17 Jahre jünger als ich, deshalb musste ich lachen. Aber lass dich nicht unterbrechen, erzähl bitte weiter."

Tim schnaufte: "Na bravo… Meine Familie sind eigentlich meine Kollegen in Miami, vor allem mein Chef Horatio und Alexx, unsere Gerichtsmedizinerin. Die beiden sind wie Ersatzeltern für mich. Und Calleigh und Eric sind mehr oder weniger wie Geschwister. Vor allem Eric, er ist mein bester Freund, auch wenn er mich meistens zur Weißglut treibt. Er ist Kubaner, Weiberheld und hält sich für den Entertainer schlechthin."

Andie lächelte während sie sich seine Geschichte anhörte, stutzte dann aber plötzlich und sah Tim an: "Hast du Eric gesagt und Kubaner? Sein Vater heißt nicht zufällig Pavel und sein Nachname ist Delko?"

Tim sah Andie fassungslos an: "Woher weißt du das alles?!"

Andie begann herzhaft zu lachen: "Du hast gerade meinen Cousin beschrieben! Eigentlich hätte ich gleich drauf kommen müssen, dass du Eric kennst, als ich CSI gehört habe. Ich bin so blöd. Dabei wusste ich ja, dass er nicht mehr bei den Polizeitauchern ist, sondern mittlerweile im Labor arbeitet. Sein Vater Pavel ist der Bruder meines Vaters, er hat in Amerika eine Kubanerin namens Clorinda kennen und lieben gelernt. Während meine Eltern nach Österreich gezogen sind, hat Onkel Pavel seine Familie in Miami gegründet und den Namen von Delektorsky in Delko ändern lassen. Fallen dir jetzt irgendwelche Zusammenhänge auf?"

Andie konnte sich gar nicht mehr bremsen.

Auch Tim musste mitlachen, er konnte es nicht fassen, dass er über den großen Teich fliegen musste, um gerade bei Delkos Cousine zu landen. Noch immer ging es nicht in seinen Kopf, wie hübsch sie war und ihr fröhliches Lachen verursachte Schmetterlinge in seinem Bauch.

Andie ging es genauso, nur hätte sie es sich nie eingestanden.