3.
Harry löste sich von der Wand und sah sich sorgsam um. Gott sei dank war niemand hier und hatte sein peinliches Erlebnis mit Malfoy mit angesehen. Schlimm genug, dass dieser es gesehen hatte. Er wusste einfach nicht, wieso sein Körper ihn derartig hinterging, immerhin hatte er einen Geliebten zu Hause, der alles für ihn tun würde. Er hatte also keinerlei Grund dazu bei einem anderen Mann einen Ständer zu bekommen.
Gott sei Dank war seine Erregung vor Schreck sogleich wieder abgeklungen, er hatte wenig Lust zwischen den beiden Alternativen sich hier einen runter zu holen oder mit Ständer durch die Straßen Londons zu laufen wählen zu müssen, denn beides war gleich beschämend.
Verwirrt von sich selbst strich er sich durch das stumpfe schwarze Haar. Vielleicht war sein letztes Mal mit Sam auch einfach nur zu lange her und deswegen sprang er bei dem erst besten gut aussehenden Kerl an. Nicht dass Malfoy gut aussehen würde. Obwohl, wenn er ihn sich recht betrachtete war er gut aussehend, mit seinem schmalen, ebenmäßigen Gesicht, den sturmgrauen Augen und den schlanken Gliedmaßen, doch deswegen war er noch lange nicht attraktiv.
Malfoy war ein Eisklotz, der nie jemanden an sich heranlassen würde, und so wusste man schon nach einem einzigen Blick, dass der junge Mann vielleicht für eine Nacht ganz nett war, aber niemals eine Person sein konnte, mit der man auf längere Zeit auskommen konnte. Alleine diese ständig kalten Augen schreckten die meisten wahrscheinlich schon ab.
Außerdem wollte wohl nur ein absolut masochistisch veranlagter Mensch, dass er ständig mit diesem abfällig, spöttischen Blick gemustert wurde, der einem das Gefühl gab, nur Dreck unter den Schuhen des unnahbaren Malfoy zu sein. Man konnte Malfoy alles nennen, aber bestimmt nicht attraktiv.
Der schwarzhaarige strich sich seinen Umhang wieder glatt und trat hinaus auf die Straße. Auch dort war wenig los, wahrscheinlich weil es schon nach sieben Uhr war und er sich in einem Viertel, das hauptsächlich aus Bürogebäuden bestand befand, und somit die meisten Menschen schon längst zuhause beim Abendessen waren.
Er überlegte für einen Moment entgegen seiner Gewohnheit nach Hause zu apparieren, doch er verwarf den Gedanken sogleich wieder. Er mochte das Apparieren einfach nicht, ihm wurde immer ein wenig schlecht davon und so griff er nur darauf zurück, wenn es unbedingt nötig war und man möglichst schnell weite Strecken zurück legen musste. Für den Nachhauseweg tat es auch die U-Bahn.
Nach wenigen Minuten war er bei der Station angekommen, stieg die Treppen hinab und wartete dort mit bestimmt fünfzig anderen Menschen auf die U-Bahn. Er fragte sich jeden Abend, wie so viele Menschen in eine U-Bahn passten und vor allem wo sie alle herkamen. Natürlich, London war eine große Stadt, aber auf der Straße vorhin waren doch auch kaum Menschen gewesen.
Doch das gehörte wohl zu den Rätseln Londons, die er niemals aufklären können würde, zumal der Teil in dem er sich gerade befand zum Muggel London zählte und er niemals hinter die Gesetze der Muggelkultur blicken können würde. In den letzten Jahren hatte er sich ihnen dermaßen entfremdet, dass er sie kaum noch verstand.
Die Technik, von der sie sich zunehmend abhängig machten, war ihm größtenteils ein Rätsel. Früher hatte er immer gedacht, er wäre ein Zauberer, der sich gut mit der anderen Welt auskannte und sich auch unter Muggel zu bewegen wusste, ohne dass es groß auffiel, doch er war immer wieder vom Gegenteil überzeugt worden.
Er bewegte sich zwar heutzutage immer noch ohne ihnen, ohne groß beachtet zu werden, aber das lag eigentlich nur an dem Zauber, den er über jeden seiner Umhänge gelegt hatte, so dass es für Muggel so aussah, als würde er einen einfachen Mantel über seinem Anzug tragen. Es war ein sehr sehr praktischer Zauber, denn er war es nach einer Zeit Leid gewesen, sich für den Nachhauseweg immer wieder umzuziehen, wollte er nicht wie ein Marsmensch angesehen werden.
Endlich fuhr die U-Bahn ein. Wie Ameisen strömten die Menschen auf die Türen zu, obschon sie ganz genau wussten, dass sie sich erst noch ein paar Sekunden neben den Türen drängen müssen würden, ehe die Leute, die an dieser Station aussteigen wollten, die U-Bahn verlassen hatten und somit Platz für neue Fahrgäste gemacht hatten. Harry wartete bis das Gedränge ein wenig abgeklungen war und stieg erst dann in die Untergrundbahn ein.
Sein Weg führte ihn durch halb London hindurch, bis er schließlich bei der Station 'Whitechapel' die U-Bahn verlies und wieder nach oben an das inzwischen recht düstere Tageslicht ging. Die Sonne stand schon sehr tief am Himmel und war kurz davor hinter den Dächern der Reihenhäuser zu verschwinden.
Harry sog die frische Luft in seine Lungen und ging die schmale Straße entlang, die rechts und links von den typisch londischen Reihenhäusern gesäumt war. Er bog nach links, wo nach etwa zweihundert Metern schon das kleine Häuschen war, das er und Sam seit etwa zwei Jahren bewohnten.
Er hätte natürlich auch in den Grimault Place oder in Potter Mansion einziehen können, doch diese Gebäude waren für ihn mit zu vielen Erinnerungen verknüpft gewesen, als dass er dort hätte wohnen können. Zudem war Potter Mansion inzwischen so herunter gekommen, dass man es nur nach einer gründlichen Sanierung überhaupt noch beziehen hätte können und Grimault Place war so riesig, dass er und Sam es gar nicht alleine hätten bewohnen können.
Außerdem wäre Sam in diesem riesigen Gebäude gar nicht mit dem Putzen nachgekommen. Grimault Place war nun in den Händen des Ordens, auch wenn es Harry irgendwie immer noch nicht ganz gefallen mochte, dass das Haus, welches sein Patenonkel ihm vererbt hatte, und in dem für ihn der Geist von Sirius immer noch vorhanden war, nun von den Mitgliedern des Ordens bewohnt war. Das Gebäude war für ihn wie ein Schrein für seinen Patenonkel geworden und die vielen Menschen zerstörten irgendwie seine Ehrwürdigkeit.
Das kleine Haus lag friedlich in der Seitenstraße, flankiert von zwei anderen, die sich direkt an seine Seiten schmiegten. Ein kleiner Vorgarten mit drei Bäumen, ein paar Blumenbeete, für die Harry sich noch nie wirklich interessiert hatte, einem winzigen Teich in dem ein paar Goldfische lebten und einem ordentlich kurz geschnittenen Rasen trennten das Haus von der Straße.
Er lies seinen Blick kurz über das unscheinbare Gebäude schweifen und zuckte leicht mit den Schultern. Irgendwie war das Haus auch nach all den Jahren, in denen sie es nun schon bewohnten nie zu seinem zuhause geworden. Er schlief zwar hier, verbrachte hier seine freien Tage und wenn er Sam fragen würde, so würde dieser ihm antworten, dass dieser auch hier alt werden wollte, doch er fühlte sich einfach nicht wie zuhause.
Natürlich hatte er sich außer in Hogwarts noch nie irgendwo wohl gefühlt geschweige denn wie zuhause. Nun ja, wenn man die paar glücklichen Stunden im Fuchsbau mal abzog. In Hogwarts hatte er sich wohl gefühlt, zumindest die meiste Zeit, wenn ihm nicht Malfoy gerade auf die Nerven ging, Hermine und Ron sich gerade gestritten hatten, er sich mit einem der beiden gestritten hatte, er mal wieder eine der Hausregeln gebrochen hatte und dafür eine Strafe kassieren musste oder wenn er mal wieder in Lebensgefahr geraten war.
Wenn er all diese Stunden, in denen er von Sorgen, Angst, Kummer, Zorn oder Panik erfüllt gewesen war, abzog, so blieb ihm wahrscheinlich gerade mal ein Jahr von seinen sieben übrig in dem er sich wirklich wohl gefühlt hatte. Er zuckte leicht mit den Schultern. Wahrscheinlich war er es aber auch schon so gewöhnt, kein Zuhause zu haben. dass er sich auch einfach auf kein Heim einlassen konnte. Emotional gesehen.
Doch wahrscheinlich hatte er größere Probleme als den fehlenden emotionalen Bezug zu seinem Haus, über die er sich den Kopf zerbrechen konnte. Vielleicht würde er ja irgendwann mal ein schöneres Haus finden, eines in dem er sich geborgen fühlte, eines in dem alles nach seinem Geschmack eingerichtet war, eines das warm und freundlich war.
Es würde groß sein, weiß getüncht, mit einem großen Vorgarten, nicht so einem popeligen Ding, in dem man sich noch nicht mal hinlegen konnte ohne, dass einem die Beine auf die Straße hingen, sondern mit hoch gewachsenen Bäumen, wenn man die Tür aufschloss, so drang einem bereits der Geruch von Vanille entgegen, man befand sich in einer Aula in der alles glänzte... er schüttelte den Kopf. Eine Aula. Für ein Haus mit Aula musste er wohl noch die nächsten zwanzig Jahre sparen und jeden Monat nur etwa 10 Knut für seinen Lebensunterhalt verbrauchen.
Erst jetzt fiel ihm auf, dass Sam in seiner kurzen Illusion vom perfekten Haus keinerlei Rolle gespielt hatte. Wenn er sich sein Haus vorstellte, dann kam ihm kein übereifriger junger Mann entgegen, der ihn in die Küche führte und das Essen servierte. Schon dieser Punkt würde ein gewaltiger Makel an seinem Traumhaus sein, denn wenn, dann würde er es sicher mit Sam beziehen, vorausgesetzt er sagte ihm nicht, dass er nichts für ihn empfand.
Und so wie er sich selbst kannte, würde er es ihm niemals sagen, denn das würde bedeuten, dass er ihm wehtun musste. Er seufzte ein weiteres Mal, schwerer als würde eine große Last auf seinem Brustkorb ruhen und diesen immer mehr zusammenquetschen. Mit einem Griff in seine Hosentasche holte er den Hausschlüssel hervor und sperrte das kleine Gartentor auf.
Das selbe tat er mit der Haustür und bereits wenige Minuten später befand er sich in seiner Küche, natürlich auf Strümpfen, denn Sam würde einen Tobsuchtsanfall bekommen, wenn er hier mit Schuhen im Haus herumlief. Es schien fast, als wäre Putzen und Ordnung eine Obsession von Sam geworden, die er über alles stellte.
Gott sei Dank ging es noch nicht so weit, dass er seine Kleidung vorm Sex immer ordentlich zusammenlegen musste, dann würde er nämlich zur Abwechslung mal einen Tobsuchtsanfall bekommen. Doch dumm wie er war lies er sich in Sachen Ordnung alles andere von Sam gefallen. Irgendwo musste er ja auch Sam Raum geben sich auszuleben, und wenn es die strenge Sauberkeit in ihrem kleinen Haus war.
Seinen Umhang hatte er im Gang an die schmale Garderobe gehängt, wo auch einer von Sams Umhängen hing, den er gewöhnlich nur dann anzog, wenn er einkaufen war oder Besorgungen erledigte, bei denen er keine Gesellschaft hatte, denn er war bereits ein wenig verschlissen und somit wollte er ihn nicht mehr tragen wenn er gesehen werden konnte.
Harry hielt das für eitel, doch er wollte nichts dagegen sagen, immerhin trug er selbst auf der Arbeit auch nur feine Anzüge, auch wenn man ihnen ansah, dass sie von der Stange waren. Und er würde natürlich auch nie etwas gegen Sams Eigenheiten sagen, immerhin schmiss er ihm hier den ganzen Haushalt, da konnte er ruhig ein wenig eitel sein und Umhänge nur jeweils ein halbes Jahr tragen bis sich die ersten Gebrauchsspuren zeigten.
Auf dem Tisch in der Küche stand ein Plastikbehälter, auf dem ein grell gelber Post-it klebte. Harry riss den Aufkleber ab und studierte konzentriert, was darauf geschrieben stand. 'Hi, Schatz, hier ist dein Abendessen. Stell es bei 700 Watt für vier Minuten in diesem Behälter in die Mikrowelle. Achte darauf, dass der Deckel an einer Seite leicht geöffnet ist. Bis heute Nacht, Kuss Sam.'
Der schwarzhaarige griff nach dem dunkelblauen Behälter und bracht sich fast die Finger beim Öffnen des Mistdings. Einen abgebrochenen Nagel später hatte er es schließlich überwältigt und spähte neugierig auf den Inhalt, den der Plastikbehälter so vehement hatte beschützen wollen. Er fand Nudeln in einer braunen Soße mit ein paar Brocken Fleisch unbekannter Herkunft, wahrscheinlich Geflügel, und ein wenig Gemüse, das unmotiviert in der trüben Soße umherdümpelte.
Natürlich konnte Harry es nicht lassen und tunkte seinen Zeigefinger in die braune Soße nur um ihn sorgfältig abzulecken und zu befinden, dass das Essen wohl gut schmecken würde. Die eine Seite offen stehen lassend packte er das ganze in die Mirowelle und stellte nach ein paar Anlaufschwierigkeiten die richtige Zeit und die richtige Wattzahl ein.
Ein wenig dümmlich grinsend tippte er auf den großen Knopf mit der Beschriftung 'Start' und sah dem Essen zu wie es in seinem dunkelblauen Behältnis eine Runde Karussell fuhr. Erst das schrille Piepen riss ihn aus seiner Trance, in die ihn das gleichmäßige Surren und die ruhigen Kreisbewegungen des Essens gebracht hatten.
Mit einer Gabel bewaffnet setzte er sich schließlich ins Wohnzimmer und genoss die Ruhe, wie er es immer tat, wenn Sam nicht im Haus war. Er nahm den Deckel ganz von seinem Essen. Offenbar hatte es die Fahrt in der Mikrowelle gut überstanden, denn es duftete ihm herrlich entgegen. Das Wasser lief ihm im Mund zusammen beim Anblick des dampfenden Essens.
Er verstand selbst nicht, warum er nicht einfach jeden Tag in die Kantine ging und sich dort etwas zu essen holte, wahrscheinlich aber war es derselbe Grund aus dem er Sam nicht verlassen konnte. Es machte ihm solche Freude für ihn kochen zu können, wenn er abends abgekämpft von der Arbeit nach Hause kam, dass Harry ihm unmöglich sagen konnte 'Schatz, ich habe bereits gegessen'.
Dann jedoch wollte er sich nicht noch mehr quälen und schaufelte endlich die heißen Nudeln in seinen Mund. Sie schmeckten wirklich so lecker wie sie ausgesehen hatten, Vielleicht konnte er auch einfach wegen dem guten Essen nicht Schluss machen, er selbst konnte nämlich überhaupt gar nicht kochen. Es reichte grad mal zu einem Kaffee und einem Rührei, aber bei letzterem wurde es schon kritisch. Wahrscheinlich würde er es anbrennen lassen.
Wie er die Monate, in denen er nicht mit Sam gelebt hatte, überlebt hatte, so ohne Essen und jemanden der für ihn kochte, das war ihm bis heute ein Rätsel. Eigentlich hatte er sich in dieser Zeit von Dosensuppe und Tiefkühlpizza ernährt, so wie von den oben genannten Grundnahrungsmitteln. Ein Wunder, dass er nicht bereits breiter als hoch war, aber dafür sorgte das viele harte Training, das sie vor allem zu ihrer Ausbildungszeit hatten absolvieren müssen. Wahrscheinlich hatten sie es nur für solche Fälle wie ihn überhaupt ins Leben gerufen.
Mit einem Schwenk seines Zauberstabs, den er immer griffbereit im Halster an seiner Hüfte hatte, schaltete er die Stereoanlage ein, aus deren Boxen sofort die schmalzigen Töne einer dieser jaulenden Popdiven drangen, auf die Sam so stand. Er wusste einfach nicht was Sam nur an ihnen fand, für ihn klangen sie alle gleich schrecklich und beschissen aussehen taten sie obendrein.
Nach ein paar Sekunden dieser Audiovergewaltigung schüttelte er den Kopf. Er würde es wohl nie nachvollziehen können. Ein zweites Mal schwenkte er den dunkelbraunen, schlanken Stab und sofort war der Raum von den angenehmen Klängen eines Gitarrensolos von Santana erfüllt. Wenn einer wusste, wie man mit einer Gitarre umzugehen hatte, dann war er es, Santana.
Sam empfand diese Art von Musik jedoch als Lärmbelästigung, weshalb Harry ihn nur hören konnte, wenn Sam außer Haus war. Es war schon faszinierend, wie sehr man unter dem Pantoffel stehen konnte, obwohl man immer der Meinung war, der Geliebte würde sich einem vollkommen aufopfern. Dieser tat es ja auch, nur verlangte er dafür kleine Gegenleistungen und die waren in diesem Fall: keine Musik in der auch nur fünf Sekunden eine Gitarre im Solo erklingt.
Gemütlich auf dem Sofa sitzend, wobei sitzen wahrlich nicht das richtige Wort war, denn seine Position näherte sich eher der Horizontalen an, ohne dass es jedoch liegen gewesen wäre, verspeiste er sein Abendessen. Es war herrlich ruhig im Haus, abgesehen von Santana natürlich, niemand textete ihn zu, niemandem musste er Fragen über seinen ereignislosen Tag beantworten, niemandem Interesse heucheln.
Würde er Sam überhaupt von seiner Begegnung mit Malfoy erzählen? Mit der Gabel im Mund blickte er nachdenklich in den Raum hinein. Wahrscheinlich sollte er ihm davon erzählen, allein schon weil sie ein Paar waren und man sich nun mal alles anvertraute, wenn man ein Paar war, doch irgendwie wollte Harry es ihm nicht erzählen.
Malfoy war sein eigener Privatfeind, früher hätte er noch ein 'gewesen' an diesen Satz gehängt, doch das fiel ja jetzt wohl weg, und da hatte Sam sich nicht einzumischen, auch wenn es nur mit einem gut gemeinten Rat war. Überhaupt würden seine Ratschläge hier wohl überhaupt nichts bringen, weil er einfach keine Ahnung von der Situation hatte.
Er wusste nicht, wie schrecklich arrogant Malfoy war, wie skrupellos, wie hinterhältig, wie gemein, er hatte einfach keine Ahnung davon und er würde es ihm auch nicht glauben, wenn er es ihm erzählen würde. Er konnte ihn fast schon hören wie Sam sagen würde: 'Ach, Schatz du übertreibst, bestimmt ist er eigentlich ganz umgänglich und du willst es nicht sehen, weil du an deinem alten Muster festhalten willst... du müsstest dich nur ein wenig mehr mit ihm beschäftigen und du würdest sehen, dass er auch seine guten Seiten hat.'
Natürlich. Sam glaubte immer an das gute im Menschen, selbst wenn dieser der Teufel in Person war. Manchmal erinnerte ihn Sam wegen dieser Haltung an Dumbledore. Nun, man hatte ja gesehen wozu dieser Glaube führen konnte, nein, in dieser Zeit sogar musste. Man überlebte nicht mit dieser kindlich naiven Einstellung, dass alles irgendwo auch seine guten Seiten hatten.
Malfoy war böse, genauso wie Voldemort böse war und genauso wie die Dementoren keine angenehme Gesellschaft waren, selbst wenn man noch so sehr versuchte sie kennen zu lernen. Das lies sich nicht durch irgendwelche Euphemismen wegdiskutieren, das war eine Tatsache. Der Himmel war blau, das Gras war grün und Malfoy war böse. Aus.
Und schon weil er diese Diskussion nicht mit Sam führen wollte, würde er ihm Malfoy verschweigen. Es hätte so oder so keinen Sinn, die Diskussion würde ihn wahrscheinlich wieder über Wochen verfolgen und das brauchte er jetzt gerade am allerwenigsten.
Er legte die Gabel in den Plastikbehälter und stellte beides auf den kleinen Glastisch, der sich vor dem Sofa befand und der irgendwie immer Fingerabdrücke und Flecken hatte, egal wie oft Sam mit dem Lappen darüber ging. Sam hatte schon öfter gesagt, dass er ihn am liebsten wegwerfen wollte, doch der Tisch hatte Geld gekostet, und nur weil er schnell dreckig wurde, würde Harry nicht zulassen, dass er weggeworfen würde, das war reine Geldverschwendung.
Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es erst kurz nach Acht war, er also noch ausreichend Zeit hatte, sich auf seinen Einsatz mit den drei Auroren vorzubereiten. In den Jahren hatte er etwas wie ein Ritual vor solchen Einsätzen entwickelt, dem er gerne nachkam, so es die Art des Einsatzes denn erlaubte. Es war klar, dass er nicht zuerst sein Ritual vollziehen konnte, wenn er zu einem Notfall gerufen wurde.
Doch Notfälle kamen bei ihnen eh so gut wie gar nicht mehr vor, seit ihnen die eigenständige Recherche so gut wie untersagt war und die Nachricht über einen Angriff von Todessern meistens viel zu spät bei den zuständigen Leuten landete. Es war klar, warum das so war, zumindest für Harry. Es konnte den Todessern ja nicht schmecken, wenn sie sie störten und so hatten sie das ganze System so verzögert, dass die Auroren gar nicht mehr rechtzeitig da sein konnten.
Das war auch der Grund für die zunehmende Unbeliebtheit der Auroren in der Bevölkerung. Überall hörte man von Übergriffen, von Attentaten, es gab keinen Tag an dem nicht ein mehr oder minder schwerer Fall durch die Medien ging und von verhinderten Attentaten hörte man fast nie. Das letzte Mal war vor etwa einem halben Jahr gewesen und dabei war es ein Rebell in den Reihen Voldemorts gewesen, den sie dabei inhaftiert hatten.
Es schien, als würde das Ministerium für innere Sicherheit einfach schlafen und das Leid und die Angst der englischen Bürgerschaft einfach nicht wahrnehmen. Manchmal hatte Harry das Gefühl, dieser Eindruck wäre gar nicht so falsch und unbegründet. Viele seiner Kollegen hatten nach einer gewissen Zeit tatsächlich eine solche Einstellung bekommen, vor allem aber seine Chefs.
Vielleicht waren sie der Meinung, wenn man die Angst in der Bevölkerung einfach nicht sehen würde, würde man sich auch nicht mit seinem Gewissen darüber auseinander setzen müssen. Doch Harry wusste, dass es an keinem seiner Vorgesetzten wirklich spurlos vorüber ging, was sie mit ihrer Käuflichkeit anrichteten, denn es verging kein halbes Jahr in dem nicht mindestens einer von ihnen den Dienst quittierte oder sich versetzen lies.
Es war ein Armutszeugnis für England und vor allem für die Moral der Regierung. Und der Gipfel war mit der Regierung Lucius Malfoys gekommen, der dem bereits kränkelnden Regierungsapparat den Todesstoß versetzt hatte.
Seufzend stand Harry auf, nahm den Plastikbehälter und die Gabel vom Tisch und brachte alles in die Küche, wo er es mit einem Wink seines Zauberstabes abwusch und in den Küchenschrank schweben lies. Er verließ sich im Haushalt nicht besonders gerne auf Magie, allein schon, weil er die meisten Zauber dazu nicht kannte und nicht ausreichend Übung hatte.
Überhaupt war es ihm in seinem Haus lieber, Muggelmethoden zu verwenden als zu zaubern, er wusste nicht warum das so war. Vielleicht lag es daran, dass er schon in seiner Kindheit darauf getrimmt worden war, gute alte Handarbeit zu verrichten, beim Putzen über den Boden zu kriechen und darauf zu achten, dass nicht ein Staubkorn mehr vorhanden war, wenn man fertig war. Vielleicht sollte er den Dursleys dafür danken, dass sie ihn in dieser Beziehung gut erzogen hatten.
Das war aber auch schon alles was sie an Gutem getan hatten in ihrem ganzen Leben. Er hatte seit seinem Auszug am ersten Schultag der siebten Klasse nichts mehr von ihnen gehört und war auch verdammt froh darüber diese Muggel nie wieder sehen zu müssen. Auch wenn das ganze jetzt schon Jahre her war, er war immer noch wütend auf sie, weil sie ihm seine gesamte Kindheit verdorben hatten.
Wenn man es genau nahm, hatte er überhaupt keine Kindheit gehabt, bis er nach Hogwarts gekommen war und dort konnte er kaum das nachholen, was ihm in den ersten Jahren gefehlt hatte. Vor allem liebende, fürsorgliche Eltern, die immer für einen da waren und sich die Probleme von einem anhörten hatte auch Hogwarts ihm nicht bieten können.
Aber er war auch so ein erwachsener Mensch mit gesundem Selbstbewusstsein und einem erfolgreichen Berufsleben geworden. Vielleicht war die Kindheit doch nicht so wichtig wie viele Forscher zurzeit behaupteten. Harry sah überhaupt nicht ein, warum er nur wegen seiner Kindheit zu einem von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Wesen werden sollte. Einen derartigen Triumph würde er den Dursleys nicht gönnen.
Er sah der Schranktür zu, wie sie sich mit einem leisen Klacken schloss und verlies dann die hell geflieste Küche wieder in Richtung Treppe. Sie knarzte wie immer wenn man über sie nach oben oder unter ging. Eigentlich wollte er schon lange einen Stillezauber für sie heraussuchen, aber er war bis jetzt noch nicht dazu gekommen.
Wahrscheinlich würde es nicht lange dauern, er müsste nur in einem seiner Bücher mit Zaubersprüchen für den Hausgebrauch nachsehen, aber er konnte sich irgendwie nie dazu durchringen, wenn er mal Gelegenheit dazu hatte. Es eilte ja auch nicht, die Treppe würde ihm ganz bestimmt nicht weglaufen.
Schon auf der Treppe begann er sein Hemd aufzuknöpfen, so dass es lose an seinen Seiten herabhing und seine Brust entblößte als er das in weiß gehaltene Bad betrat. Er lies es ganz auf den Boden gleiten, stieß die Tür hinter sich ins Schloss und machte sich daran, sie komplett zu entkleiden bis er nackt vor dem mannshohen Spiegel stand.
Er musterte sich kurz. Auch wenn sein Gesicht müde und überarbeitet wirkte, sein Körper war immer noch muskulös und durchtrainiert. An den Oberarmen zeichneten sich die Muskeln ab, genauso wie auf seinem Nacken und seinem flachen Bauch. Seine Haut, die früher immer sonnengebräunt war, war inzwischen blass vom ständigen Aufenthalt in seinem Büro.
Ganz klar, früher hatte er sich irgendwie besser gefallen, vor allem diese ungesunde Hautfarbe störte ihn, doch er konnte kaum etwas dagegen tun, denn ihm fehlte einfach die Zeit um sich in die Sonne zu legen oder viel draußen zu machen. Und in diesem winzigen Pseudogarten vor seinem Haus wollte er sich einfach nicht hinlegen, da konnte er sich auch direkt auf den Gehweg legen.
Langsam hob er die Hand und legte sie auf seine Brust, den Blick auf sein Abbild im Spiegel gerichtet. Seine Finger strichen langsam nach oben, fuhren die schlanke Narbe nach, die sich weiß gegen die bleiche Haut abzeichnete, und sich vom... Es war das einzige Mal gewesen, dass er bei einer Mission unachtsam gewesen war.
Es würde ihm nie wieder passieren. Damals wäre er beinahe gestorben, der Dolch hätte sich nur ein wenig tiefer in seine Brust graben müssen, und sein Herz wäre völlig zerstört gewesen. So hatte man es noch retten können, mit viel Magie und vielen Tränken. Die Narbe war alles, was von seiner Dummheit geblieben war, wenn man das körperliche betrachtete.
Diese Narbe war ihm ein Mahnmal, niemals wieder wagemutig zu sein, seinen Geist auf Missionen zusammen zu halten und vor allem nie wieder die Beherrschung zu verlieren. Malfoy hatte ihm gezeigt, dass es mit seiner Selbstbeherrschung nicht so weit her war und das störte ihn ohne Maßen. Noch dazu hatte das ausgerechnet heute sein müssen, heute wo dieser Einsatz bevorstand und er ohne irgendwelche anderen Dinge in seinem Kopf sein sollte.
Sein Blick wanderte ein letztes Mal über die weiße Narbe auf seiner Brust, bevor er ihn ganz vom Spiegel abwandte und zur Dusche herüber ging. Das kalte Wasser, das auf ihn herunter prasselte half ihm, seinen Kopf von störenden Gedanken zu befreien, er war viel zu sehr damit beschäftigt zu frieren.
Er spürte wie sich die Haare überall an seinem Körper aufrichteten und seine Haut von mehr Blut durchströmt wurde. Sein Haar klebte nass an seinem Rücken und kühlte ihn so noch mehr ab. Zufrieden seufzte Harry und begann sich mit einem wohlig duftenden Duschgel einzuschäumen. Eigentlich duschte er immer warm, es sei denn er stand vor einem Einsatz.
Das kalte Wasser perlte an seinem Körper herab, lies Schauer über ihn rinnen und wusch den weißen Schaum von seinem Körper. Wie immer spürte er wie sich sein Geist klärte und all die Anspannung des Tages gleichsam von ihm gewaschen wurde. Dieses Gefühl der Leere und der Klarheit, er liebte es einfach.
Mehrere Minuten lang stand er einfach nur regungslos unter dem Wasserstrahl und genoss die Abwesenheit von Störgedanken in seinem Kopf. Für einen Moment war sein Treffen mit Malfoy in den Hintergrund gerückt, ebenso wie die vertrackte Situation im Ministerium und seine Probleme mit Sam. Alles was zählte war der herannahende Einsatz.
Nach etwas über einer halben Stunde trat er schließlich aus der gläsernen Kabine, griff nach einem Handtuch und begann sich sorgfältig abzutrocknen. Er rubbelte sich seine schwarzen Haare ab, so dass sie noch mehr abstanden, als sie es früher schon immer getan hatten, auch wenn sie mittlerweile zu lang dafür geworden waren.
Vielleicht sollte er sich seine Haare mal wieder ein Stück abschneiden lassen, er hatte sich früher eigentlich ganz gut mit diesen wirr abstehenden Haaren gefallen, das hatte ihm etwas verwegenes gegeben. Das Handtuch wurde wieder ordentlich auf den dafür vorgesehenen Aufhänger an der gefliesten Wand gehängt, wo es trocknen sollte.
Aber wahrscheinlich hätte Sam etwas dagegen, wenn er sich die Haare abschneiden lassen würde. Dann würde er ihn mit diesen großen Augen von unten herauf ansehen und diesen schrecklich flehenden Ton anschlagen, bei dem er einfach nicht widersprechen konnte, egal was Sam von ihm wollte. Es war schrecklich, auf diese Art und Weise bekam er ihn jedes Mal herum.
Man sollte meinen, er wäre irgendwann einmal dagegen gefeit, aber offensichtlich würde er es nie lernen ihm zu widerstehen. Und eigentlich wollte er das auch nicht. Wenn er daran dachte, wie diese flehenden Augen sich verletzt von ihm abwandten und Sam mit niedergeschlagener Stimme ein 'na gut... dann nicht...' murmelte, dann wollte er dem Blick gar nicht widerstehen können.
Er schüttelte kurz seinen Kopf, damit ihm die langen Strähnen nicht so ins Gesicht hingen, was jedoch ziemlich aussichtslos war und strich sie dann mit einem frustrierten Murren hinter die Ohren, wo sie natürlich nicht hielten. Wenn sie nass waren, waren sie noch nervender als trocken, wo sie wenigstens halbwegs aus seinem Blickfeld waren.
Schließlich seufzte er resignierend. Auch wenn er seine nassen Strähnen noch so oft hin und her schieben würde, sie würden ihm ja doch wieder in die Augen fallen. heute Abend müsste er sowieso wie immer sein Kopftuch tragen, damit seine Sicht nicht von seinen Haaren gestört würde, da war es dann eh schon egal wie sie lagen.
Mit einem Schulterzucken wandte er sich von seinem Spiegel ab, packte seine Kleidung, die er über den gesamten Badezimmerboden verteilt hatte, und verlies splitternackt wie er war das Bad. Es war eh egal, Sam war nicht im Haus, da konnte er rumlaufen wie er wollte und er hatte wenig Lust sich jetzt seine alte Kleidung wieder anzuziehen, nur um sie dann in seinem Schlafzimmer zu wechseln.
Im Schlafzimmer war es stockdunkel. Offenbar war die Sonne inzwischen unter gegangen und er hatte es nicht bemerkt. Nun ja, eigentlich logisch, immerhin war die Sonne schon auf seinem Heimweg am Untergehen gewesen. Kurz glitt seine Hand über die Raufasertapete, die die Wand bedeckte, bevor er den weißen Lichtschalter fand und das Licht einschaltete.
Auch das Schlafzimmer war weitestgehend in weiß gehalten. Er wusste nicht warum. Wahrscheinlich gefiel Sam die Farbe weiß einfach nur und deshalb hatte er das halbe Haus so eingerichtet, auch wenn Harry wirklich kein Freund dieser Farbe war. Sie war so klinisch, dreckte schnell ein und hatte immer einen kalten, abweisenden Ton.
Harry wünschte sich, wenigstens einen Raum im Haus selbst gestaltet zu haben, doch offensichtlich hatte er in dieser Hinsicht versagt. In einem Eck des Zimmers stand eine Truhe aus sehr hellem Holz, wahrscheinlich Buche, Harry hatte diesbezüglich wenig Ahnung, in die Harry seine schmutzigen Klamotten legte, die Sam dann in den nächsten Tagen waschen würde, sollte er dazu kommen.
Man konnte Sam viel vorwerfen, nun eigentlich gar nicht so viel, aber ganz bestimmt nicht Unordnung bei der Führung des Haushalts. Alles war sauber, fast schon steril. Es wunderte Harry, dass Sam noch nicht versucht hatte das Besteck in kochendem Wasser zu desinfizieren. Und es konnte nie ordentlich genug sein.
Egal wo, Sam fand immer etwas. Und wenn er gerade erst gesaugt hatte, ein Staubkorn, einen Krümel, ein Haar, irgendetwas fand er doch. Es grenzte fast schon an einem Wahn, was Sam da betrieb, doch er konnte es ihm kaum ausreden. Was sollte er schon sagen? 'Sam, du putzt zu viel. Das Haus ist zu sauber.' Er würde ihn nur auslachen mit den Worten 'Schatz, es gibt kein zu sauber'.
Harry durchquerte den Raum und ging zu einem deckenhohen weißen Schrank mit Spiegelfront, der neben dem breiten Bett das größte Möbelstück im Raum war und das sofort die Blicke auf sich zog, wenn man den Raum betrat. Er mochte den Schrank nicht, er war einfach zu präsent im Raum, machte ihn kleiner, doch das wollte Sam nicht einsehen.
Vielleicht hatte er ja auch Recht, sie brauchten einen großen Schrank in den alle ihre Sachen passten. Natürlich könnten sie auch einen kleineren nehmen und dessen Innenleben magisch vergrößern, aber er hatte mit Sam vereinbart so wenig Magie wie möglich im Haus zu verwenden. Auf der Arbeit hatte er schon genug damit zu tun.
Er öffnete eine der Schubladen und zog schwarze eng anliegende Shorts hervor. Nach einer kurzen Kontrolle, ob sie auch die war, die er heute anziehen wollte, und nicht etwa eine andere, zog er sie an. Ein paar schwarze Socken folgten dem Beispiel der Unterhose. Die Schublade wurde wieder geschlossen, dafür wurde eine der Schranktüren geöffnet.
Harry starrte unschlüssig hinein. Vor ein paar Monaten hatte er eine neue Ausrüstung beantragt und diese wider Erwarten sogar zugestanden bekommen, doch bis jetzt hatte er sie noch nicht getragen. Er war abergläubisch, brauchte seine festen Riten und obwohl er die neue Ausrüstung ja selbst gewollt hatte, es war ihm nicht geheuer plötzlich in anderer Kleidung loszugehen als in der die ihm jetzt über ein Jahr lang gute Dienste erwiesen hatte.
Irgendwie hing sein Herz an der alten Ausrüstung, auch wenn sie alt und an manchen Stellen schon sehr abgegriffen war. Er seufzte leise. Irgendwann würde er die neue anziehen müssen, wenn er nicht wollte, dass ihm die alte eines Tages vom Leib fiel. Schweren Herzens und mit einigen Zweifeln und Bedenken griff er nach dem Kleiderbügel auf dem sich die neue Ausrüstung befand.
Er breitete sie auf dem Doppelbett aus und blickte auf sie herab. Ja, er sollte sie heute tragen, heute war ein guter Tag sie einzuweihen. Es war ein unspektakulärer Einsatz, nur eine Erkundung, es würde vermutlich zu keinem Kampf kommen, die perfekte Gelegenheit die neue Kleidung zu tragen.
Zuerst zog er die schwarze Hose an, die an den Knien verstärkt war, um ihn vor Stürzen und Tritten gegen die Kniescheibe zu schützen. Trotz den Polstern trug sie an den entsprechenden Stellen nicht auf und man konnte sich dennoch gut in ihr bewegen, der Magie sei Dank. Der Stoff war mit mehreren fluchabweisenden Zaubern behandelt, ebenso wie mit Zaubern gegen Kälte und extreme Hitze.
Er schloss den obersten Knopf und ging probehalber in die Knie. Ja, er konnte sich genauso gut in ihr bewegen wie in der alten. Vielleicht war sie doch nicht so schlecht wie er gedacht hatte. Ein einfaches schwarzes Shirt folgte, das mit so ziemlich den gleichen Zaubern versehen worden war. Extra Schutz bot die dicke schwarze Weste, die seinen Oberkörper breiter und kräftiger erscheinen lies, als er eigentlich war.
Um seine Unterarme schnallte er je ein Halfter, eines das seinen Zauberstab griffbereit halten würde, das andere, das mehreren Wurfmessern Platz bieten würde. Mit einem schwarzen Tuch in der Hand trat er vor die Spiegel am Schrank und band es sich so um den Kopf, dass seine Haare davon bedeckt waren und ihm nicht mehr ins Gesicht fallen konnten.
Kurz kontrollierte er den Sitz seiner Kleidung und stellte fest, dass er in den neuen Sachen deutlich besser aussah. Mehr wie ein Einsatzleiter. Nicht so herab gerissen. Er nickte sich selbst zu und verschwand dann aus dem Schlafzimmer. Unten in der Küche hatte er seinen Zauberstab liegen gelassen, den er zuerst wieder einsammelte und in das dafür vorgesehene Halfter an seinem Unterarm steckte.
Dann ging er ins Wohnzimmer. Dort angelangt öffnete er den Tresor, der in der Regalkonstruktion eingearbeitet und mit Magie verborgen war. Mehrere Wurfmesser, zwei Dolche und eine kleinkalibrige Pistole lagen dort, gebettet auf Samttüchern, dass sie bloß nicht verkratzten. Das war Sams Idee gewesen, nicht die seine.
Er steckte alles in die Halterungen an seinem Unterarm, seiner Weste und dem Gürtel an seiner Hüfte. Als letztes kamen die schweren Stiefel, die im Gang standen. Vor noch ein paar Jahren hatten die Auroren ganz normale Zaubererkleidung getragen, doch nach mehreren Unfällen war man davon abgekommen.
Es war einfach praktischer in Hosen und Weste zu kämpfen als sich mit einem langen Umhang herumzuschlagen, der grundsätzlich immer im Weg war und der einen unnötig auffallen lies. Auch Roben waren nicht unbedingt zum Kampf geschaffen. Nach langer Diskussion hatte man sich also auf diese Kleidung geeinigt.
Das einzige was sie noch als Zauberer kennzeichnete war das Logo des Ministeriums für innere Sicherheit auf der Schulter des Shirts und der Brustplatte der Weste. Seine Stiefel waren fest geschnürt, alles saß an dem Platz an dem es sitzen sollte, er konnte los. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er auch genug Zeit vertrödelt hatte, dass er jetzt schon los konnte.
Er hasste es, wenn er fertig angezogen erst noch ein oder zwei Stunden warten musste bevor endlich los konnte. Schließlich trat er vor die Haustür seines kleinen Häuschens und apparierte ins Zentrum Londons.
