Ich bin genau hier

Hallo. Wieder einmal tauche ich aus der Übersetzerversenkung auf. Ich hätte schon eher geschrieben, aber ich hatte diese Woche echt viel zu tun, daher tut mir die Verzögerung Leid. Nächste Woche wird besser, versprochen.

Wieder einmal kann ich nur sagen, lest auch das Original von TenToo auf AO3, es sind inzwischen 22 Kapitel (und es folgen weitere, ich habe also noch ordentlich zu tun). Das Original findet ihr hier:

archiveofourown (Punkt) org/works/5650438/chapters/13076062

Ich wünsche euch jetzt viel Spaß beim Lesen und hoffe wie immer auf eifrige Kommentare.


Nicht ohne einen Plan

"Marcus, durchsuch den verdammten Wald."

-Abby Griffin, 'Unruhe im Berg'

Marcus Kane hielt die Flasche Whiskey, es fühlte sich richtig an, jetzt, da sie tatsächlich auf der Erde waren. Und nachdem, was er gerade gesehen hatte, brauchte er einen Drink. Und etwas Gesellschaft.

Er fand sie im Krankenzelt, Raven Reyes beobachtend. Er nahm an, dass die OP gerade beendet war. Finn Collins hielt ihre Hand, sein Kopf ruhte an ihrer Schulter, beide scheinbar schlafend. Er stellte sich hinter sie und tippte ihren Arm mit der Flasche an. Erschrocken sah Abby auf den Whiskey, dann auf ihn.

"Was ist passiert?", fragte sie, die Flasche beiseite schiebend. Sie war nicht der Meinung, dass es klug war zu trinken, nicht bei allem was gerade geschah. Dankbarerweise war nicht viel von der Flüssigkeit verschwunden, seit sie die Flasche das letzte Mal geöffnet hatten.

"Ich habe heute drei an einen Baum gekreuzigte Männer gesehen", flüsterte Kane, einen weiteren Schluck des Alkohols zu sich nehmend.

Es war nicht im Geringsten wie jemanden zu sehen, der gefloatet wird. Klar, das Endprodukt war noch immer das Gleiche - jemand starb - aber dieses Mal war es blutig und gewaltsam; Floaten zieht nur die Luft innerhalb eines Moments aus der Lunge von jemanden, es war ein schneller Tod. Die Männer waren gefoltert worden.

"Ich habe an Ravens Wirbelsäule ohne Betäubung operiert."

Er warf einen Blick zu dem Mädchen auf dem Tisch hinüber, bevor er sagte, "Ich weiß nicht, wer hier gewinnt."

"Es ist kein Wettbewerb, Marcus."

"Ist es das nicht immer, Abby?" Er nahm einen weiteren Drink.

Sie griff herüber und nahm die Flasche aus seinen Händen, stellte sie auf den Tisch hinter ihr. Er runzelte die Stirn und starrte auf sie hinab. Seinem Blick ausweichend sagte sie, "Ich denke, du hattest genug. Du bist der Ratsvorsitzende, Marcus. Du kannst dich nicht so von anderen sehen lassen."

"Von anderen als dir, natürlich."

"Natürlich." Ein Lächeln spielte um ihre Mundwinkel. "Irgendwelche Neuigkeiten vom Suchtrupp im Wald?" Er schürzte die Lippen und ihr Lächeln stockte. "Du hast nie ein Team ausgesandt, nicht wahr?"

"Wenn ich all meine Entscheidungen durch meine Zuneigung für dich beeinflussen lasse, würde ich alle jederzeit einem Risiko aussetzen."

Ihr Kiefer war zusammengepresst, bevor sie mit leiser, wütender Stimme sagte, "Wäre ich dir wirklich wichtig, würdest du dort draußen sein und die Wälder nach den vermissten Kindern durchkämmen. Nach meinem Kind!"

"Wir müssen wissen, womit wir es zutun haben, Abby! Du hast diese Wachen nicht in dem Baum gesehen! Wir können nicht dort raus gehen, ohne einen Plan zu haben. Mehr Menschen würden sterben und das werde ich nicht erlauben." Sie sah ihn nicht an, aber er nahm trotzdem ihre Hand. Er lehnte sich hinab und legte seine Stirn gegen ihre, flüsterte kaum, "Es tut mir leid, dass wir sie gestern nicht gefunden haben. Aber Clarke ist zäh, Abby; sie ist noch immer da draußen."

"Das ist es nicht, was mir Sorgen macht, Marcus."

"Was ist es dann?", fragte er, seinen Daumen ihren Kiefer entlang streichen lassend.

"Das sie tot sein wird, bevor du irgendjemanden hinausschickst, um sie zu suchen." Ihr Ton war unschuldig genug, aber die Art, wie ihr Körper sich gegen seinen verspannte, sagte ihm, dass etwas falsch war.

"Wir müssen wissen, womit wir es zu tun haben. Ich versuche es, Ab-"

"Du versuchst es nicht hart genug, Kane!", sagte sie harsch, als sie sich von ihm zurückzog.

Er starrte mit offenen Mund an. Seine Überraschung zurückblinzelnd zischte er zurück, "Nicht hart genug? Ich habe da draußen meine Männer riskiert und was hat es mir gebracht? Nichts als toter Körper, Abby!"

Sie drehte sich zu ihm um und stieß ihn ihrer Wut einen beleidigten Atemzug aus. "Und du gibst mir die Schuld daran!"

Er stieß einen langsamen, zittrigen Atem aus. "Natürlich nicht. Warum denkst du so etwas?"

Abby verdrehte die Augen und sagte verächtlich. "Warum denkst du wohl?"

Sie entfernte sich, strebte aus dem Raum heraus. Kane begann ihr zu folgen aber ging für den Whiskey zurück - er konnte nicht irgendwo stehen gelassen werden. Er ließ ihn in seine Jacke gleiten und zog den Reißverschluss hoch.

Abby sprach draußen mit Jackson, fragte ihn, ob er auf das Krankenzelt achten könnte - sie brauchte eine Pause. "Such mich, wenn Raven aufwacht."

"Natürlich", sagte Jackson mit einer leichten Berührung ihres Handgelenks. Sie lächelte ihn an und ging in die Alpha Station, Kane schaute ihr einfach hinterher. Er seufzte und fand Sinclair in der Nähe der Grenze des Camps, wie er die Zaunpfähle inspizierte, die aufgestellt wurden.

"Wie lange noch, bis die aufgestellt sind und laufen?", fragte Kane, den hohen Zaunpfosten ansehend.

Sinclair wandte sich um, um ihn anzusehen. "Einen Tag - höchstens zwei, Sir."

"Gut", sagte Kane mit einem Nicken. "Dieser Zaun ist unsere oberste Priorität, Sinclair."

"Natürlich, Sir."

Kane ging weg, er dachte darüber nach, mehr zu sagen, aber überlegte es sich anders. Er hatte andere Dinge zu tun. Er plante, ein paar Wachen mit in den Wald zu nehmen, für eine Runde bevor es dunkel wurde.

...

Laut seiner Uhr war es fast Mitternacht. Er dachte daran, ins Bett zu gehen, wusste, dass es klug wäre. Er sollte am Morgen früh auf sein, um sich mit der Wache zu treffen und um das Training mit Davis, dem Erdfähigkeitslehrer zu beginnen.

Er saß am Schreibtisch und griff sich die Pipette. Der Edenbaum stand in der Mitte und er streckte den Arm, um einige Tropfen Wasser auf den Boden zu tröpfeln. Er legte die Pipette ab und strich sich mit der Hand durchs Haar. Er lehnte sich nach vorne und legte das Gesicht in die Hände, wunderte sich, ob seine Mutter stolz darauf wäre, dass er den Baum auf die Erde gebracht hatte.

Tap, tap, tap.

Kane sah bei dem Geräusch auf, bevor er einen weiteren Tropfen Wasser auf den Edenbaum fallen ließ und stand von seinem Platz auf. Er schritt durchs Zimmer und stand an der Tür, prüfte erneut seine Uhr. 23:41 Uhr; viel zu spät für Besucher.

Er öffnete die Tür und stieß seinen Atem aus. Er sagte, "Abby, was tust du hier?"

"Ich habe gehört, dass du eine Gruppe mit in den Wald genommen hast.", sagte sie, fegte an ihm vorbei in den Raum hinein. Er schloss die Tür hinter ihr und wandte sich um, um sie am Edenbaum zu finden, wie sie ein wenig Wasser hineintropfte. Sie blickte hinüber zu ihm. "Wirst du den hier einpflanzen?"

"Bald." Sie nickte und verschloss die Pipette. Er ging langsam durch den Raum zu ihr. "Was tust du hier, Abby?"

"Wie ich schon sagte, ich habe gehört, dass-"

Er schüttelte seinen Kopf. "Du musstest genau in diesem Moment darüber Bescheid wissen? Ich bin seit Stunden zurück."

"Ich wollte bis zum Morgen warten, aber ich konnte nicht schlafen.", sagte sie, nach einem Moment.

Seine Augen verengten sich misstrauisch, aber er sagte nichts. "Wir haben nichts da draußen gefunden. Haben auch nichts gehört. Es tut mir leid."

"Du musst aufhören, dich jedesmal zu entschuldigen, wenn ihr sie nicht gefunden habt.", sagte Abby mit einem Seufzen. "Wie du gesagt hast, es wird seine Zeit brauchen."

"Jetzt hörst du mir zu", sagte er mit einem Verdrehen der Augen. Er entfernte sich von ihr und setzte sich auf die Couch. Sie lehnte sich gegen den Schreibtisch und beobachtete ihn, wie er sich die Augen rieb, als er sich nach vorne lehnte. "Du hast deine Antwort, jetzt will ich eine. Ich bin ziemlich müde, Abby. Wie lange hast du vor zu bleiben?"

Sie ging zu ihm hinüber und sagte, "Das wolltest du fragen? Du hättest mich alles fragen können und du wählst das? Sieht nach einer vergeudeten Möglichkeit aus, Marcus." Sie setzte sich neben ihn auf die Couch, so nahe, dass sich ihre Arme berührten.

"Wirst du mich wenigstens mit einer Antwort erfreuen?", fragte er trocken, zu müde, um Spielchen zu spielen.

"Ich weiß nicht."

"Ist das eine Antwort oder..."

"Es ist eine Antwort."

Er nickte und ließ die Stille sie für einige Minuten einnehmen, als er seinen Kopf gegen die Lehne der Couch legte, seine Augen geschlossen. Abby lehnte ihren Kopf gegen seinen Arm und saß in Stille mit ihm da.

"Du bist mir wichtig, weißt du." Seine Stimme erschrak sie, er fühlte sie zusammenschrecken. "Du hast vorhin gesagt, dass du es nicht wärst, aber du könntest der Wahrheit nicht ferner sein."

"Was ist dann die Wahrheit?", fragte sie, ihre Hand an seinem Arm hinabgleitend, verursachte bei dem Haar, über das ihre Finger glitten eine Gänsehaut.

Er lächelte und dachte darüber nach, aber unter ihrem beharrlichen Blick war es etwas schwierig. Er räusperte sich und sagte, "Ungeachtet dessen, wie oft du mich anschreist und alles was ich tue hinterfragst", sie sah weg, "bist du noch immer die wichtigste Person in meinem Leben."

Ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln und er neigte ihr Kinn in seine Richtung, so dass er sie ansehen konnte. Er sagte, "Du kannst so lange bleiben, wie du möchtest. Ich muss nur in", er prüfte die Uhr an seinem Arm, der seltsam zwischen ihren Körpern gefangen war, "5 Stunden auf sein."

Er lächelte sie an. Sie lehnte sich nach vorne und presste ihre Lippen auf seine. Es begann, sich normal anzufühlen, sie zu küssen. Kane war fast an dem Punkt angelangt, wo sie sich nicht anfühlte, als würde sie jederzeit verschwinden, wenn er sie hielt. Er fühlte sich fast, als könnte das funktionieren. Aber Abby war einfach so...dickköpfig. Er wusste nicht, ob er damit klar käme, nicht wenn ihre Entscheidungen andere in Gefahr brachten.

Abby zog sich nach einer Weile zurück, außer Atem, "Ich sollte dich etwas Schlaf bekommen lassen."

Er schüttelte den Kopf. "Ich funktioniere auch mit einem geringen Maß."

Sie lachte, ein sanftes Geräusch; er wusste nicht mehr, wann er sie es das letzte mal hatte machen hören. "Ich weiß, dass das eine Lüge ist."

"Du hast mich erwischt." Sein Lächeln stockte und er seufzte. "Ich sollte ins Bett gehen."

Sie strahlte, als sie ihn ansah, ihre Augenwinkel kräuselten sich. Sie lehnte sich erneut hinüber und küsste ihn hart, ihre Finger strichen durch sein Haar, ihre andere Hand ruhte auf seiner Brust.

Gegen ihre Lippen murmelte er, "Ich werde dort nie ankommen, wenn du so weitermachst."

Sie kicherte und zog sich von ihm zurück. "Du gewinnst."

"Tue ich immer", antwortete er, ein Halblächeln auf seinem Gesicht.

Ihre Augenbrauen hoben sich, eine Herausforderung auf ihrem Gesicht. Er grinste und stand auf, zog sie mit sich. "Ein anderes Mal", sagte er sie zur Tür bringend. Er küsste sie kurz, bevor er ihr die Tür öffnete.

"Ich werde dich darauf festnageln", sagte sie als sie hinausging.

Er lächelte, schloss die Tür hinter ihr. Er nahm einen tiefen Atemzug, bevor er zu seinem Schlafzimmer ging. Er zog sein Shirt aus und stieg aus seinen Hosen; er hatte keinen Schlafanzug, aber er würde sicher nicht in seinen Klamotten schlafen - Unterhosen würden herhalten müssen. Er schlief fast sofort ein.

...

Er wurde von einem Klopfen an der Tür geweckt. Dieses war nicht sanft wie Abbys früher. Es war krachend und hallte durch den Raum. Er zog eine Hose über und eilte hinüber zur Tür des Schlafzimmers. Er warf sie unruhig auf, nachdem er auf seine Uhr geschaut hatte und sah, dass es erst 4:27 Uhr war. Kane zischte, "Was?"

Major Byrne stand im Rahmen, für den Tag in der Uniform der Wachen gekleidet. "Es gab einen Zwischenfall unten, Sir. Es ist etwas passiert-"

"Spucken sie es schon aus, Major." Er versuchte nicht, seinen Ärger zu verbergen, dafür war es viel zu früh.

"Die Gefangenen sind entkommen."


So Das war's mal wieder fürs erste. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Schreibt mir doch bitte, wie ihr es fandet, ich freue mich über jede Kritik. Jetzt wünsche ich euch noch einen schönen Abend und bis zum nächsten Mal.