Titel: Eine halbe Stunde

Autor: Bloodfeather

Genre: Drama/ Angst/ Drepression

Rating:PG-13

Pairing: Omi x ?

Zeitpunkt: Kurz nach Oukas Ermordung (AU)

Disclaimer: Keiner der Charaktere gehört mir und ich verdiene auch Geld hiermit, einzig der Plot ist meinen Gehirnwindungen entsprungen und gehört demnach mir .

Summary: Omi hat sich auf etwas eingelassen, was ihm gleichzeitig Erfüllung und Trauer gebracht hat, doch wie werden diejenigen die zurückgeblieben sind mit seinem Wunsch umgehen? Werden sie ihn verstehen können oder ...

Warnung Beinhaltet stark depressive Gedankengänge und geringe slash Andeutungen

Wer damit nicht zurecht kommt, sollte hier abbrechen!

--o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o-

Kapitel 3: Alles was zählt

Der Weg ist gegangen

Die Entscheidung getroffen

Zwei sind vergangen

Zwei zurückgeblieben mit der Schuld

Was wird geschehen?

Wenn auch sie ihren Weg zuende gehen...

Es erschien alles wie ein Traum.

So real und unwirklich wie ein kunstvoll gemaltes Bild.

Im Hintergrund stieg die Sonne über den Horizont und ihre roten Strahlen erhellten die Szenerie. Doch im Vergleich zu dem vollkommen Rot des Blutes wirkten sie bloß dämmrig, unrein.

Überall Rot.

In der Mitte des Bildes lagen sie. Einander eng umarmend, waren ihre Gesichter sich so nah, dass es aussah, als wären sie in einem ewigen Kuss versunken.

Braunes und blondes Haar umrahmte in sanften Wellen ihre zarten Gesichtszüge, unterstrich deren Schönheit und schenkte zugleich gnädigen Schutz - Es verbarg die leeren Augen.

Es ist wahr, der Tod verleiht einem jedem Menschen überirdische Anmut und doch gibt es nichts erschreckenderes als ihn.

So war es auch bei den Beiden … sie glichen Gefallenen … verloren gegangenen Engeln.

Die blasse Haut, ihre zerbrechlichen Körper, die sich durch die Umarmung Halt gaben, enthoben sie allem irdischen und das Blut, das in seiner fließenden Reinheit aus ihren Hüllen geflohen war, umschmeichelte und tränkte die Erde … So, als hätte man diese Wesen ihrer schwarzen Schwingen beraubt und nur das Blut zurückgelassen.

Ihre Seelen hatten die Erde verlassen und sich aufgemacht, um zu dem zurückzukehren, der sie als Todesengel in diese Welt gesandt hatte.

Ihr Schicksal war erfüllt.

Aber die erlösende Eleganz dieses Bildes war auch mit irdischem behaftet - mit der Trauer der Überlebenden.

Am Rand, im Schatten der Bäume standen sie.

Die Gesichter von Schmerz und Unverständnis verzerrt, waren sie mitten in ihrem Kampf erstarrt. Sie konnten es nicht begreifen.

Ihre sonst ausdrucksstarken Augen waren getrübt und blind im Angesicht dieser Tragödie.

Mit einem Schlag war alles bedeutungslos geworden.

Die Wut, die verletzenden Worte, ihr Hass aufeinander … alles Nichtig.

Aber das Leben ist nicht der Tod. Es unterliegt einem stetem Wandel.

Deshalb konnte dieser Zustand der Stagnation nicht ewig währen.

So kam Aya langsam aus der Isolation zurück, gerade soweit, dass er sich wieder bewegen konnte - er den Schmerz jedoch nur dumpf wahrnahm.

Wie schrecklich bekannt ihm dieses Gefühl vorkam.

War es nicht das gleiche mit Aya-chan gewesen? Auch sie war vor seinen Augen gestorben, wenn auch nicht körperlich. Trotzdem hatte er versagt, sie würde nie wieder aufwachen …genau wie Omi.

Innerlich schrie er gequält auf, nach außen blieb er still, ganz in seiner antrainierten Maske aus Gefühlslosigkeit gefangen.

Warum konnte es diese nicht auch für sein Herz geben?

Er dachte nicht mehr an Schuldig. Mit dem Moment, in dem sich der Schuss sich gelöst hatte, waren alle Gedanken an diesen aus seinem Kopf gelöscht worden.

Langsam taumelte er auf Omi zu. Kraftlos, beinahe ängstlich, fehlte seinem Gang die majestätische Eleganz des Jägers, die er immer ausgestrahlt hatte.

Er kniete sich neben ihm auf die Erde, ungeachtet des Blutes, das seine Hose tränkte. Vorsichtig strich er dem schmächtigen Jungen einige verirrte Strähnen aus der Stirn, sodass er in die mitternachtsblauen Augen blicken konnte.

Es brachte ihn fast um den Verstand.

Er hatte versucht sich zu wappnen - aber dieser gebrochene, seelenleere Blick verletzte ihn bis ins Mark.

Er hatte versagt.

Warum konnte er die, die er liebte nicht beschützen?

Warum war er so nutzlos, so schwach?

// Hör auf damit, Ran! Was soll dieses sinnlose Selbstmitleid?!//, herrschte Schuldig ihn in dessen Gedanken an und zerstörte die letzte Beherrschung, die den Rothaarigen noch aufrechtgehalten hatte.

Er schrie auf, schrie mit rauer Stimme … auch in seinen Gedanken.

All sein Schmerz lag in diesem nicht mehr menschlichem Ton und als dieser abrupt endete, zerbrach tatsächlich etwas in seiner Seele.

Mit einem Wutschrei stürzte er vor und war mit zwei schnellen Sätzen bei dem Telepathen. Zornig holte er aus, um diesen zu schlagen. Es ging nicht um Schuld, nicht um Vergeltung. Aya war wahnsinnig vor Schmerz und dieses verzehrende Gefühl musste er irgendwie kanalisieren. Er wollte Schuldig einfach nur Schmerzen zufügen, wollte ihn fühlen lassen, wie sehr er selbst litt.

Er dachte gar nicht daran, dass auch der Telepath jemanden verloren hatte.

Schuldig fing Ayas Faust locker ab, auch den zweiten Schlag blockte er mühelos. Dann hielt er die schmalen Hände des Weiß fest und versuchte in dessen Gedanken vorzudringen, mit diesem zu sprechen. Es war sinnlos.

Der Rotschopf hörte ihn nicht, er war in seiner Welt aus Schuldgefühlen und Leid gefangen. So blieb dem Telepathen nichts anderes übrig, als Aya mithilfe seiner Kräfte zu betäuben.

Der Weiß sackte zusammen und Schuldig fing ihn vorsichtig auf. Er hob ihn hoch, trug ihn zu den beiden toten Körpern.

Auch sein Herz zog sich beim Anblick der Chibis zusammen, doch er hielt durch. Behutsam legte er Aya neben die Jungen, und schloss diesen respektvoll die Augen. Danach holte er noch einmal tief Luft und teleportierte sich mitsamt den Dreien fort.

Fort aus dem Gemälde des verklärten Schmerzes, an einen weit entfernten Ort.

o

Ayas Kopf dröhnte und er hatte einen schalen Geschmack im Mund .

Wo war er? Er konnte sich nicht er erinnern und als er die Augen öffnete sah er, dass er sich in einer kleinen Hütte befand. Er blickte an sich herunter. Wieso lag er völlig angekleidet auf diesem Bett? Was zum Teufel war hier los?

Er schwang die Beine aus dem Bett und stand schwungvoll auf. Etwas zu schwungvoll. Einen Moment drehte sich alles und fast wäre er fast zurück auf das Bett gefallen, doch dann ließ der Schwindel nach und er konnte die Hütte verlassen.

Die Luft schmeckte nach Meer und er konnte das Rauschen naher Wellen hören. Er ließ seinen Blick über die Landschaft streichen. Wie es aussah, war er auf einen kleinen Insel. Die Hütte, die er gerade verlassen hatte, befand sich am Rand eines kleinen Strandes, der sich nur circa zehn Meter nach rechts und links erstreckte.

Sand knirschte unter seinen Stiefeln, als er ziellos losstapfte . Träumte er? Wo war er hier?

Hinter der Hütte erstreckte sich eine schmale, aber lange Grasfläche, die in einer Anhöhe endete und dort oben konnte er eine Gestalt erkennen.

Entschlossen lief er los und erklomm den Hügel. Doch je näher er der Gestalt kam, um so mehr beschlich ihn ein ungutes Gefühl. Etwas schien ihn zurückhalten zu wollen, es war als sträubte sich sein Geist, diesem Menschen näher zu kommen. Jede von Ayas Inneren Alarmglocken schrillte laut, aber er ignorierte sie. Er musste wissen, was geschehen war.

Mühsam meisterte er die letzten Meter und jetzt drehte sich der Mann um, orangenes Haar glänzte in der Abendsonne.

Ein Schlag ging durch Ayas Körper, zwang ihn in die Knie. Es war also doch geschehen – Omi war wirklich tot.

Nichts schützte den Weiß jetzt noch vor seiner Trauer, er versank im Bodenlosen

Ayas Knie gaben nach und sank zu Boden, Tränen strömten aus seinen Augen und er zitterte am ganzen Körper. Er konnte es nicht ertragen, dieses Gefühl von Schuld, von Versagen.

Die Bilder von Omis Tod erschienen vor seinem geistigen Auge, wechselten mit denen von seiner Schwester im Koma und Stimmen, die von seinem Versagen sprachen, peinigten ihn. Er wollte, dass es aufhörte und gleichzeitig dachte er, dass dies seine gerechte Strafe war. Er sollte büßen dafür, dass er Omi nicht hatte beschützen können, Aya-chan nicht helfen konnte.

//Hör auf damit!// Scharf hallte Schuldigs Stimme in seinem Kopf und eine Hand legte sich auf seine Schulter. Er blickte hoch in die Augen des Schwarz, der ihn so intensiv ansah, dass er nach kurzer Seit wieder wegschaute.

„Ich habe dich nicht hierher gebracht, damit du in so dummen Gedanken versinkst. Ich möchte, dass du dich von den Beiden verabschieden kannst"

„Das sind keine „dummen" Gedanken, es ist die Wahrheit. Ich hätte ihn beschützen müssen", kam es tonlos von Aya.

„Wie? Wie hättest du ihn beschützen können? Es war doch seine Entscheidung. Ich habe ihre Gedanken gehört. Lass es mich dir erklären, Ran!"

„Lass mich in Ruhe und wage es nicht mich noch mal Ran zu nennen", zischte Aya und schlug Schuldigs Hand von seiner Schulter. In Gedanken ergänzte er noch:

/Den habe ich auch schon vor Jahren zu Grabe getragen/.

Er kam wackelig auf die Beine und drehte sich weg von dem Schwarz, lief den Hügel wieder hinunter. Der Telepath wollte ihm eigentlich nachlaufen, doch nun übermannte ihn sein eigener Schmerz.

Er blieb stehen, ging dann zu dem Grab. Es war noch offen. Einige Zeit blickte er auf die zwei hinab, die nebeneinander, Hand in Hand, dort lagen. Sie sahen so friedlich aus. Sie waren glücklich gewesen, er hatte es gespürt, ihre Gedanken aufgefangen.

Für einen Moment hatten sie sich lieben können … und dann hatte sie die Realität eingeholt. Aus und vorbei. Game over. Warum hatte Nagi Omi nicht gerettet? Er hätte es gekonnt ... sie hätten dort im Park nicht zusammen sterben müssen. Warum also?

Fahrig kramte er nach einer Zigarette, zündete diese an. Er nahm einige tief Züge.

Er begriff es nicht. Warum hatten sie nicht alles bis zum letzten Moment ausgekostet?

Eine Erinnerung tanzte durch seine Gedanken, eine von der er geglaubt hatte sie hinter sich gelassen zu haben.

„Es ist nicht wichtig wie lange man lebt, Onii-chan. Alles was zählt ist das wie. Deswegen will ich auch nicht, dass du traurig bist. Denn was nützt einem ein langes Leben voller Trauer? Du musst glücklich sein, hörst du Onii-chan?"

In der folgenden Nacht war seine kleine Schwester an Leukämie gestorben. Ganz plötzlich. Dabei hatten die Ärzte gesagt, mit den richtigen Medikamenten, hätte sie noch ein- zwei Monate gehabt … trotzdem war sie tot, als ob sie gewollt hätte, dass es vorbei ist.

Wie lange er damals geweint hatte ... viel zu lange hatte er ihre Bitte nicht akzeptieren können.

Diesmal sollte es anders sein.

Er warf einen letzten Blick auf die Beiden und wünschte sich aus tiefster Seele, dass sie, wo auch immer sie waren, glücklich und vereint waren. Sie hatten ihn etwas wichtiges gelehrt, genauso wie seine Schwester es vor vielen Jahren versucht hatte.

Er rannte den Hügel hinunter, schloss rasch zu Ran auf und hielt ihn fest, umarmte ihn, störte sich nicht an seiner Gegenwehr.

Behutsam zeigte er ihm mit Telepathie all das, was er gesehen hatte. Das Glück in Omis Augen, als Nagi ihn das erste Mal küsste, die sanfte Hingabe mit der die Beiden sich geliebt hatten ... mit der sie zusammen in den Tod gegangen waren. Ihre Worte, ihre Gedanken, auch Omis letzten Wunsch – nichts verschwieg er ihm.

Lange Zeit zeigte er Ran viele weitere Bilder und dieser beruhigte sich.

Irgendwann stand er ganz still und konnte endlich den Trost annehmen, dem Schuldig ihm gab.

Ran verzieh Schuldig.

Er verzieh sich selbst.

Und endlich konnte er frei von Schuldgefühlen zum Grab hinaufsteigen und Abschied nehmen.

Mit Schuldigs Hilfe hatte er begriffen, wie unheimlich wichtig dieses Verzeihen war.

Omi und Nagi hatten einander verzeihen können, dass sie nur so kurz zusammensein konnten. Sie hatten auch Schuldig und Ran verziehen. Deswegen hatte Omi nicht gewollt, dass Nagi ihn heilte. Es hätte nur zu Leid geführt, bei beiden Teams und für Nagis restliche Lebenszeit.

Weil sie verstanden hatten, dass es das wichtigste war seinem Schicksal zu vergeben, egal wie grausam es war, hatte sie eine Sekunde pures Glück erlebt, dass sich zu einer Ewigkeit ausgedehnt hatte ...

Denn es gab immer irgendwo ein kleines Stück Glück.

Man musste er nur sehen und dann konnte das Leben kürzer sein, als es vielleicht gerecht war.

So frei von jeglicher Verbitterung waren sie gegangen,

weil sie fest daran glaubten, dass irgendwo ein weiteres Stück Glück war.

Und sie würden zusammen danach suchen.

Wenn auch nicht in dieser Welt ...

„Du Schuldig? Hast du schon mal über einen Zusammenschluss nachgedacht?"

„Sicher Kätzchen, wenn ich in deinem Zimmer schlafen darf"

„Idiot"

„Ich weiß"

„Lass uns zurückgehen"

„Gerne, mein liebstes Ran-chan"

Die Schall der Ohrfeige war über die gesamte, friedliche Insel zu hören.

Und sicher auch dort wo Nagi und Omi jetzt waren ... und lachten.

- Ende -

--o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o—o-

A/N: So ursprünglich war das Ende um einiges beklemmender, aber irgendwie fand ich es doch schöner, dass es für Schu und Ran einen kleinen Lichtblick gibt. An alle Schuldig-Fans ich hoffe ihr verzeiht mir die Ohrfeige und lasst trotzdem einen Review da?

Vielleicht liest man sich ja in meinem nächsten WK-Projekt - Meeresrauschen, dessen Prolog ich heute on stellen werde.

Ich danke allen Leser und hoffe es hat euch gefallen, bitte schreibt mir einen Review mit eurer Meinung .

Eure Bloodfeather