3.

Es war immer noch das Selbe, aber irgendwie auch nicht. Die Kollegen waren immer noch gehässig, der Inspektor immer noch unausstehlich und Barton stolperte immer noch von einem Fettnäpfchen ins nächste. Aber es störte ihn nicht mehr so sehr, er ertrug den Spot und jede Hänselei, stillschweigend und mit einem lächeln und er nahm sich auch nicht mehr alles so zu Herzen. Den seit kurzem gab es etwas, auf das er sich freuen konnte: Die Treffen mit Lillia.

Er hatte sie wieder getroffen und nach einer Weile, hatte sie ihn gefragt, ob sie nicht irgendwo einen Kaffee zusammen trinken wollten. Aus dem einen Treffen wurde ein weiteres und seit einiger Zeit, trafen sie sich fast jede Woche in der Mittagspause, in einem kleinen Café in der Nähe der Polizeiwache. Auch an diesem Tag.

Barton konnte es kaum erwarten in die Pause zu kommen und seine Kollegen begannen schon zu witzeln. „Hey Barton, wartet deine Freundin wieder auf dich?" „Ja, beeil dich lieber, sonst schnappt sie dir noch ein anderer weg!" Sie lachten, doch den Wachtmeister interessierten ihre Kommentare herzlich wenig.

Bald darauf saß er mit Lillia in dem kleinen Café und er genoss ihre Gesellschaft. Ihre freundliche Art, ihr Lachen. Er konnte es nicht leugnen, er freute sich schon mehr auf seine Mittagspause, als auf die Arbeit. Und in diesem Augenblick wünschte er sich, die Pause würde noch ewig dauern.

Aber irgendwie war Lillia an diesem Tag anders als sonst. Sie war so still und schien mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Sie starrte in die Ferne und Barton beobachtet sie besorgt. Irgendwie schien es ihm, als hätte sie vor irgendetwas Angst. Oder vor irgendjemanden…

Barton war sich nicht sicher ob er sie direkt darauf ansprechen sollte, aber er fragte sich noch immer, was die junge Frau nach Scotland Yard gebracht hatte und er hatte das ungute Gefühl, dass der Fall, wie immer er auch aussah, noch nicht abgeschlossen war. „Wachtmeister Barton…" Sie sah ihn an und tiefe Besorgnis war ihr ins Gesicht geschrieben. „Ich… Sie fragen sich, was mich bedrückt, nicht wahr?" Er nickte und sie fuhr fort. „Nun, es… hat mit dem Fall zu tun, den ich dem Inspektor anvertraut habe. Der Grund, dass ich die Hilfe von Scotland Yard benötigte… Nun es… ging um meinen Mann…"

Auf einmal war es Barton, als hätte ihm jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Sie war verheiratet…Er schluckte und versuchte sich möglichst nichts anmerken zu lassen. „Was… Was ist den geschehen?" Sie schwieg einen Moment, ehe sie weiter sprach. „Er… Er war krankhaft eifersüchtig. Zuerst war es nicht so schlimm, aber dann begann er mich immer mehr zu überwachen. Ich durfte keinen Schritt aus der Wohnung machen, ohne dass er genau wusste wohin ich ging und wann ich wiederkahm. Und wehe ich kam auch nur ein paar Minuten zu spät…" Barton sah, wie sich in ihren Augen Tränen sammelten und ihm wurde das Herz schwer. Er wollte sie nicht weinen sehen. Behutsam legte er seine Hand auf ihre und sie sah auf. Er sagte nichts, doch sie verstand ihn auch ohne Worte und lächelte unter Tränen.

„Und weil sie es nicht mehr aushielten, sind sie zur Polizei gegangen?" Sie nickte. „Ich wollte mich scheiden lassen, da begann er mich zu bedrohen… Dank des Inspektors wurde mein Mann… Mein Exmann, verhaftet und die Scheidung gerichtlich veranlasst. Aber, ich…" Eine Träne rann ihre Wange herunter, doch sie versuchte zu lächeln. „Ich weiß, es ist dumm, aber… Ich habe immer noch das Gefühl das er mich verfolgt." „Keine Angst, Lillia. Ihr… Exmann, ist sicher verwahrt, der wird sie so schnell nicht mehr belästigen. Und wenn sie es beruhigt, werde ich beim Inspektor einen Polizeischutz für sie beantragen." Sie lachte. „Ich glaube nicht, dass er von dieser Idee so begeistert sein wird." Barton winkte ab. „Ach was, ich mach das schon! Und wenn ich nach Dienstschluss den Polizeischutz selbst übernehme…" Als er ihr Lächeln sah, merkte er wie ihm erneut die Schamesröte ins Gesicht stieg und er sah zu Boden. Doch dann sah er auf, als er spürte wie sie seine Hand ergriff. Erstaunt sah er sie an, sah wie sie in anlächelte. „Danke… Benjamin." „Nichts… Nichts zu danken…"

Eine Weile saßen sie noch so da, als die Glocken des Big Ben erklangen. „Oh weiha, schon so spät? Ich muss los, sonst reißt mir der Inspektor den Kopf von den Schultern, wenn ich…" Er hielt inne und sah Lillia an. „Ich lasse sie nur ungern einfach zurück…" „Keine Sorge, ich komme schon zurecht. Und außerdem…" Sie stand auf und ging zu ihm. „...weiß ich ja, dass sie auf mich aufpassen… Herr Wachtmeister…" Damit beugte sie sich zu ihm herunter und gab ihm einen Kuss auf die Wange, dann wandte sie sich um und ging davon, winkte noch einmal, ehe sie um eine Ecke verschwand. Barton saß da wie vom Donner gerührt und er brauchte eine ganze Weile, bis er seine Sinne wieder beisammen hatte. Schließlich zahlte er und ging zurück zur Wache, aber auf seine Arbeit würde er sich an diesem Tag wohl nicht mehr konzentrieren können.