Black Hearted
Kapitel 2: In der Kälte der Nacht
Auch wenn Senatoren nicht den besten Ruf genossen, schon gar nicht unter der Bevölkerung, so gab es doch vereinzelt Exemplare, denen man durchaus nachsagen konnte, dass sie sich für das Allgemeinwohl einzusetzen gedachten und nicht nur danach strebten, ihren Wohlstand zu vermehren. Die Senatorin von Naboo, seine Nachfolgerin, war eine von ihnen, ebenso der Senator von Alderaan und ein paar, zumeist namenlose Andere.
Beliebt und begehrt waren die Anderen; reiche und korrupte Senatoren. Sie erkauften sich Stimmen und Freunde, Einfluß und Macht.
Zu ihnen hatte er sich niemals zählen dürfen, der Macht sei Dank; ihm war immer der Ruf eines unbescholtenen, nicht korrumpierbaren, ehrlichen und zähen Politikers vorausgeeilt; allerdings hatte er es nur der Blockade von Naboo letztlich zu verdanken, dass er Oberster Kanzler geworden war. Der Angriff auf seine Heimatwelt hatte dem damaligen, bereits sehr angeschlagenen Kanzler Valorum den politischen Todesstoß versetzt.
Dabei waren Finis und er einst gute Freunde gewesen; zumindest würde Finis dies so sehen. Er hingegen hatte in ihm, der aus reichem Hause kam und den farblosen Senator von Naboo in die feine Gesellschaft einführte, nur ein Trittbrett nach oben gesehen.
Einen Bauern auf dem Schachbrett seines Spiels, welches er zu gewinnen anstrebte.
Sie alle waren Spielfiguren für ihn, doch keiner merkte es. Möglicherweise würde es sie auch nur minder oder gar nicht interessieren, hätten sie Kenntnis davon. Die meisten Wesen heutzutage lebten in den Tag hinein. Das Gemeinwohl zählte nicht mehr, es galt egoistisch zu sein und zu handeln.
Er hatte sich von Anfang an das Gemeinwohl auf die Fahne geschrieben und als Lord der Sith erfolgreich dagegen gekämpft. Niemand würde auch nur auf die Idee kommen, dass der schlichte und ach so bescheidene Oberste Kanzler Palpatine alles nur erdenkliche tat, um der vor sich hin verrottenden Republik den Rest zu geben.
Aber hier und jetzt gab er ihnen die Illusion des Retters. Dafür arbeitete er hart. Tag und Nacht. Ohne Rücksicht auf seine Gesundheit.
Sein Gesundheitszustand gab der Regenbogenpresse gelegentlich auch Stoff für Spekulationen, insbesondere seine tiefen Augenringe, seine kränkliche Blässe und der Verlust von Körpergewicht seitdem er sich Kanzler nennen durfte.
Gewiss hatte der Stress, der mit diesem Amt einherging, sein Übriges getan, doch Fakt war auch, dass er in aller Regelmäßigkeit für seinen großen Tag trainierte und in Form blieb.
Schließlich wurde er nicht jünger. Und mit jedem zusätzlichem Jahr wurde es schwieriger, in Form zu kommen und die Fitness zu halten.
Die Stille auf dem Korridor wurde nur durch die Schritte seiner Gardisten und ihm unterbrochen.
Aber, nein, allein waren sie nicht.
Den Korridor säumten die Büros der verschiedenen Senatoren, und ein Senator schien trotz des späten Abends noch anwesend zu sein. Er oder sie war allein. Wahrscheinlich sogar an der Arbeit.
Vorbildlich.
Das gab es heutzutage nur noch selten.
Senatorin Mothma.
Das hätte er sich ja auch gleich denken können.
Die junge Frau hatte innerhalb kürzester Zeit den Ruf einer Streiterin für Gerechtigkeit weg, vornehmlich für Randgruppen. Außerdem gehörte sie dem Loyalistenkomitee an und galt als Aufwieglerin. Das glaubte er nur allzu gerne und sie stand mittlerweile auch auf seiner Liste der etwas unbequem werdenden Senatoren.
Aber darauf standen dieser Tage allzu viele Senatoren.
Der Krieg war nun mal alles andere als populär.
Aber, und das konnte man ebenfalls über Mothma behaupten, war sie stets freundlich, hatte ein offenes Ohr für alles und jeden und sie war angeblich nicht korrupt.
Damit konnte sie durchaus eine Gefahr darstellen.
Trotzdem war es immer anregend, sich mit ihr zu unterhalten, außer aber man erwischte sie auf dem falschen Fuß. Und darin war er in letzter Zeit besonders gut. Sie waren schon mehrfach aneinander geraten und hatten sich eine heiße Diskussion geliefert.
Gewiß würde sie auf den zukünftigen Events, die in aller Regelmäßigkeit, an seinen Nerven zerrten, zugegen sein. Sie schien dort gern zu sein. Er suchte immer nach einer glaubhaften Ausrede, um möglichst bald das Weite zu suchen.
Sie erreichten schließlich eines der Landedecks, musste allerdings noch einen Moment warten, da aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse irgendetwas mit dem Shuttle war. Palpatine nahm es so hin.
Es war eh schon recht spät. Er hatte es nicht eilig und wurde zuhause von niemanden erwartet.
Das einzige Manko war, dass ihm fröstelte. Es war eisig und der peitschende Wind, der auch den Regen von allen Seiten kommen ließ, war ein Vorbote des anstehenden Winters. Schon immer hatte er das Problem, dass ihm rasch kalt wurde; selbst in seinem Büro bewegte er sich oft und viel, wenn die Innentemperatur dort wieder einmal, aus welchen Gründen auch immer, gesunken war.
Aber es lohnte wohl auch nicht, im Senatsgebäude selber auf die Ankunft des Shuttles zu warten. Sicherlich erschien es in wenigen Augenblicken und immerhin war er zumindest vom Regen unter dem Vordach stehend geschützt.
Augenblicke vergingen. Nichts tat sich, außer dass er sich zu fragen begann, ob es nicht doch besser gewesen wäre, den Shuttle vor seinem Aufbruch zu bestellen. In Zukunft würde er definitiv so vorgehen.
„Kanzler! Guten Abend!"
Die weibliche Stimme ließ ihn nur eine Millisekunde lang zusammenzucken, dann drehte er sich um und setzte sein charmantestes Lächeln auf, welches er zu dieser Uhrzeit und bei diesem Wetter bereitstellen konnte. Seine Gardisten machten der jungen Senatorin von Chandrila platz, die sich in ihrem weißen Gewand einen Weg zu ihm bahnte.
„Senatorin Mothma! Ihr seid noch hier? Ich hätte doch angenommen, Ihr habet besseres zutun, als an einem Samstagabend im Senat zu sein."
„Etwas besseres?"
„Nun, verzeiht meine Ausdrucksweise. Ich meinte dies keinesfalls negativ. Ein Samstagabend ist viel zu schade, um ihn hier zu vergeuden. Sonntags stehen die Geschäfte doch still."
„Da habt Ihr gewiss recht", sie lächelte freundlich, offen, „Und weshalb seid Ihr dann noch hier?"
Touché.
Oh, Mothma war gut in Wortgefechten. Wer immer ihr Lehrer gewesen war, er hatte gute Arbeit bei ihr geleistet. Mehr noch, er hatte sie bis zur Perfektion getrieben.
„Nun, ich versuche, das Liegengebliebene, und wenn auch nur ansatzweise, aufzuarbeiten", vermitztes Lächeln, ein Zögern, da sein Shuttle endlich erschien, „Darf ich Euch eine Mitfluggelegenheit anbieten, Senatorin, oder werdet Ihr abgeholt? Erwartet Ihr ebenfalls einen Shuttle?"
„Wenn es nicht zu viele Umstände macht?"
„Natürlich nicht", er vollzog eine einladene Geste mit der linken Hand, auf dass sie sich ihm anschließen möge. Gemeinsam gingen sie raschen Schrittes durch den gnadenlosen Regen. Ganz gentleman-like offerierte er ihr den Einstieg vor ihm und Mothma nickte ihm dankend zu. Er hingegen zwang sich, sie nicht zu mustern, wie sie da vor ihm die Treppenstufen hochschritt.
Kaum dass sie Platz genommen hatten, erhob sich der Shuttle schon in die Lüfte. Eine besonders heftige Windbö erfasste das Gefährt und schüttelte es kurz aber heftig durch. Der Pilot entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und warnte sie gleichzeitig davor, dass der weitere Flug etwas rau werden könne. In den Häuserschluchten der Stadt war trotz des Wetters ein hohes Verkehrsaufkommen; und die Windböen würden zu einer Erleichterung des Flugverkehrs kaum beitragen.
